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Published by joharo, 2025-12-23 08:55:18

Heimatblatt 2025 online

heimatblatt2025_online

Keywords: heimatblatt

Brauchtum und Tradition 99Do hätt ich noch de Strauß en der Hand,A Rosmarin met buntem Band.Dee es was wert, Buwe, losst eich das soon,Dee wär em jede Mädche sei Troom.Di scheene Bänner, rot, geel on bloo,A jedes Mädche wär met denne froh.Drom Buwe, losst eich net lang bitte,Sonscht stoße die Mädcher eich in die Reppe.Musik!Mädcher, wer well de scheene Strauß?De brengt eich de beschte Geruch end Haus.Meer blut’s Herz, wann ich dron denk,Dass nor äns von eich ne grit als Gschenk.Es letschtere steht jedem frei,En der Gsellschaft zahlt mer zehn Bani de LeiAlle annre awer solle wisse,Dass se Lei for Lei zohle misse.Wenn ihr was gewinne wolltSchaut, dass ihr a Loos eich holt;Hut on Tuch sen noch zu vergenn,Die was mer metholle kann hem.Musik!KerweispruchVon Jonas Bissinger


100 ReiseberichtIm September machten meine Frau und ich uns auf den Weg nach Rumänien, wobei wir nicht nur Billed, sondern auch andere Ziele ansteuerten. Der erste Stopp war selbstverständlich in Billed, danach kamen folgende weitere Städte bzw. Sehenswürdigkeiten hinzu: Temeswar, Hermannstadt, Kronstadt, das Bärenreservat Zarnesti, Schloss Bran, Schloss Pelesch, Donaudelta, Bukarest, Orschowa und Arad.Heute möchte ich von eher weniger bekannten Gebieten berichten, wo ich auch bemerkenswerte Begegnungen hatte. Im Donaudelta wohnten wir bei den Lipowanern in Mahmudia. Dies sind laut Wikipedia altgläubige orthodoxe Christen, die u.a. an der Donaumündung leben und eine sehr alte Version der russischen Sprache sprechen. Wir machten eine Fahrt durch das Donaudelta mit einem Bootsführer zu einem Naturreservat, das vor allem für seine rund 600 Jahre alte Eiche bekannt ist. Bei dieser Gelegenheit begegneten wir einer Frau, die früher auch in den Baragan verschleppt war. Ihre Familie stammt aus Bessarabien, was heute zum Großteil zur Republik Moldau gehört. Sie wurde zuerst nach Stamora ins Banat deportiert, als sie noch ein Kind war, später dann in den Baragan verschleppt. Wir kamen ins Gespräch, dabei erwähnte ich, dass ich in Dilga im Baragan geboren bin. Da schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und meinte, wie klein die Welt doch ist. Auch wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Wir unterhielten uns lange, da erzählte sie, dass sie mit einem berühmten Sportler verheiratet war, dem KaEinmal quer durch Rumänien zu meinem Geburtsort Von Erwin Frank nuten Ivan Patzaichin, einem Lipowaner. Wir besuchten sein Museum, ein 18 Meter hoher Turm mit einer Ausstellung seiner Boote und Medaillen. An einem anderen Tag waren wir im Letea Wald, wo es noch Wildpferde gibt. Das Gebiet gilt als der am nördlichsten gelegene subtropische Wald Europas zwischen den Flussarmen Chilia und Sulina, einzigartig mit sehr alten Eichen, Lianen und Sanddünen. Schweren Herzens und mit vielen neuen Eindrücken verließen wir das Donaudelta.Im Baragan in Dilga besichtigten wir die Kirche, die später von Deportierten (Mazedoniern) gebaut wurde, und den Gedenkstein für die Verschleppten. Ein Mann kam vorbei und wollte wissen, ob er uns helfen kann, ich antwortete, dass ich hier geboren bin und dass ich gerne mehr über die Gegend erfahren würde. Da führte er uns zu einem Dorfbewohner, der 1960 im Baragan geboren wurde. Seine Eltern waren Mazedonier, sie wurden von der Dobrudscha ins Banat verschleppt – und zwar nach Billed! Es war nicht zu fassen, nachdem wir aus eben diesem Dorf stammen und auch mit den Eltern in den Baragan nach Dilga verschleppt wurden. Er lud uns zum Kaffee ein und erzählte uns die Geschichte seiner Familie, auch dass sie in Billed am Dorfende bei einem Deutschen namens Otto gewohnt hatten. Was für unglaubliche Zufälle es doch gibt! Mit seinem Vater hatte er inzwischen schon zweimal Billed besucht. Der freundliche Mann sah es als Wink des Schicksals, der meine Frau und mich bis zu ihm gebracht hatte. Dilga Noua sei noch der einzige Ort, wo früher Verschleppte wohnten, der noch nicht


Reisebericht 101Dâlga im Bărăgan Das Museum Ivan Patzaichin


102 ReiseberichtAm Gedenkstein für die ehemaligen Deportiertenzerstört wurde. Alle anderen wurden dem Erdboden gleichgemacht, um die Spuren dieser für Rumänien unrühmlichen Vergangenheit bzw. Schandtat zu verwischen. Es war auch sehr ergreifend, was seine Familie im Laufe der Jahrzehnte alles mitgemacht hatte. Das Zimmer seiner Großeltern, mit Brunnen daneben, sieht noch so aus wie vor 70 Jahren. Der Gastgeber hat sein eigenes Haus damit verbunden und lebt mit seiner Frau immer da. Es gibt noch ein paar Ruinen in Dilga Noua, der Rest Häuser wurde neu gebaut. Die „Strada Deportatilor“ ist ein Teil davon, wo wir einmal gewohnt haben. Die meisten Verschleppten waren Mazedonier, Bessarabier und Menschen aus der Bukowina; Deutsche gab es nur wenige, die meisten aus Billed und Hatzfeld. Nach vier Stunden verabschiedeten wir uns und fuhren Richtung Bukarest.Nach rund 4000 km kamen wir wieder gut in Traunreut an. Es war eine tolle Reise mit sehr bewegenden und besonderen Begegnungen, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Die „Strada Deportaţilor“ wo wir einmal gewohnt haben


Reisebericht 103Die Verbannungsorte der Bărăgan-Deportation auf einer Karte von Wilhelm Weber


104 BegegnungenSeit der ersten Fahrt am 2. August 2008 entlang des Murgtal-Radwegs mit sieben Teilnehmern hat sich diese Gruppe stetig weiterentwickelt. Es folgten Touren entlang der Lahn, Kocher-Jagst, Neckar, Mosel, Bodensee, Rhein sowie durch die Pfalz und viele weitere Regionen. Die diesjährige Tour führte die Fahrradgruppe des Kreisverbandes der Banater Schwaben Karlsruhe auf eine abwechslungsreiche und geschichtsträchtige Strecke. Von Karlsruhe ging es mit dem Zug nach Hinterweidenthal in die Pfalz, wo die Tour begann.Von dort aus radelten wir über die deutsch-französische Grenze nach Bitche in Lothringen, wo wir ein französisch-amerikanisches Fest besuchten, das an die Auswanderung französischer Bürger nach Louisiana, USA, erinnerte. Die Veranstaltung bot kulturelle Einblicke, musikalische Darbietungen und eine lebendige Atmosphäre. Ein besonderer Höhepunkt war die einstündige 18. Radtour der Fahrradgruppe – Juli 2025Von Werner GildeFührung durch die t. Die imposante Anlage spielte eine bedeutende Rolle im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und beeindruckte durch ihre Geschichte, Architektur und strategische Bedeutung.Die Übernachtung erfolgte im elsässischen Windstein, eingebettet in die bewaldeten Hügel der Nordvogesen. Auf der Heimfahrt legte die Gruppe eine Pause in Weissenburg (Wissembourg) ein, wo ein gemeinsames Mittagessen in geselliger Runde stattfand.Der traditionelle Abschluss der Tour fand in einer Eisdiele in Karlsruhe statt, wo die Teilnehmer die Erlebnisse Revue passieren ließen.Die Teilnehmerzahl variiert von Jahr zu Jahr, doch die Begeisterung für das gemeinsame Radfahren und die Verbundenheit zur Heimat bleiben unverändert. Alle Teilnehmer – herzlich willkommen sind auch neue - freuen sich bereits auf die 19. Tour im kommenden Jahr!Die Fahrradgruppe am Schmuggelpfad


Begegnungen 105Bild oben: die Zitadelle von Bitche


106 ReiseberichtIch bin in Deutschland geboren, doch wie so viele bin ich aufgewachsen mit dem schwäbischen Dialekt (auch wenn ich ihn nicht spreche), den vielen Geschichten von früher und dem Essen der Banater Schwaben. Einmal im Jahr selbst „Worscht“ zu machen gehörte genauso dazu wie eine gute Mehlspeis. Und doch waren meine Eltern zuletzt 1995 in Rumänien, im Banat sogar seit 1992 nicht mehr. Lange war das alles für mich eher ein Gefühl als ein Ort. Etwas, das man aus Geschichten kannte, aber nie gesehen hat.Das Banat – eine mir bisher unbekannte HeimatVon Ravenna Sailer, geb. HehnSo versprach mir mein Vater immer „irgendwann zeige ich dir alles“ - und aus irgendwann wurde endlich jetzt.Im Juni 2025 flogen wir zu sechst (meine Eltern, mein Mann, unsere zwei Kinder und ich) nach Temeswar. Was folgte, waren Tage voller Kultur, Spaziergänge, Erinnerungen – und ja, auch einige Friedhofsbesuche (zum Leidwesen meiner Kinder…). Zum Glück gab es fast überall Langosch oder Savarine, die jede Stimmung retten konnten. Und die Mici? Ein Genuss!Unsere Reise führte uns nach Hatzfeld, Lunga, Billed und Das Elternhaus meines Vaters in der Billeder Altgasse 563 in einer alten Aufnahme.


Reisebericht 107Temeswar. In Hatzfeld, unserer ersten Station, wurde so manche Geschichte aus der Schulzeit und Kennenlernzeit meiner Eltern erneut erzählt. Auch mancher Streich kam hier ans Tageslicht, der uns bisher vorenthalten wurde.Mit weitaus größerer Spannung sahen wir dem Besuch in der Lunga entgegen. Hier steht unter anderem das Elternhaus meiner Mutter. Auch wenn sich vieles in den Augen meiner Eltern verändert hat, so fanden wir das Haus rasch wieder. Zum Glück noch gut gepflegt und wir wurden eifrig von der jetzigen Bewohnerin herumgeführt. Mich überraschte, wie nahe die Grenze ist. Man kann sich gut vorstellen, wie es einst war, unter den Augen der Grenzer ein Feld voller Tomaten zu bearbeiten. Leider sind nicht alle einst schönen, bewohnten Häuser in einem derart guten Zustand. Die Firma meines Vaters ist beispielsweise nach über 20 Jahren Leerstand eine traurige Ruine, aber zumindest das ehemalige Büro meines Vaters war noch zu finden. Das Elternhaus meines Vaters hingegen, in Billed Altgasse 563, war eine wahre Freude! Wie froh wäre meine Oma zu hören, dass ihre Speis immer noch gut gefüllt ist und der Garten eifrig bebaut wird. Auch so manches Möbelstück erkannte mein Vater nach langer Zeit wieder - die gute Stube blieb ja auch fast im Originalzustand. Beim Anblick des gepflegten Hofes wurden viele Erinnerungen wach und kein Auge blieb trocken.Das Elternhaus meines Vaters in der BillederAltgasse 563 heute.


108 ReiseberichtIn Billed mussten wir natürlich einen Stopp im Heimathaus einlegen. Vielen Dank an Adam und Roswitha Csonti für den netten Empfang und die tolle Führung durchs Museum. Bei diesem Rundgang durch die Geschichte konnten wir einiges lernen. Beim späteren Zusammensitzen wurde noch viel über vergangene Zeit gesprochen und sogar noch der Handball-Spieler-Pass meines Vaters herausgesucht. Bei einem kurzen Besuch auf dem Bauernhof von Erwin Csonti waren die Kinder kaum noch loszubekommen. Und dann Temeswar – die Stadt, in der meine Eltern ihre Studienzeit und jungen Jahre verbrachten. Elegante Häuser, lebendige Straßen, gutes Bier, ein Flair, das uns sofort in den Bann zog. Kein Wunder, dass Temeswar Kulturhauptstadt 2023 war.Ich bin froh, dass wir endlich das Banat besucht haben, auch wenn die Zeit zu kurz war. Ich konnte Familiengeschichte nicht nur hören, sondern auch sehen.Ich bin meinen Eltern, Großeltern und allen Generationen vor uns dankbar, die diese Geschichte geschrieben und bewahrt haben. Und eines ist sicher: Dies war nicht unser letzter Besuch in Rumänien. Der Handball-Spieler-Pass meines Vaters


Reisebericht 109Meine Billeder Großeltern im Garten Der Garten heute


110 DialektDer Kaffeetisch ist gedeckt. Russische Bitte und Kipfel stehen bereit. Der Kaffee duftet bereits. Um es so richtig schwowisch zu machen, würde eigentlich Zichurie-Kaffee die richtige Wahl sein. Aber wir haben uns für Bohnenkaffee entschieden, da er uns doch besser schmeckt. Zichorienkaffee wird aus der Wurzel der Wegwarte hergestellt. Bereits im 17. Jahrhundert hat man schon nach billigeren Kaffeevarianten gesucht und mit der Zichorienwurzel wohl auch gefunden. Auch in Billed hat man Zichurie-Kaffee getrunken, allerdings wurde der Kaffee eher sparsam in eine Schale Milch geschüttet und nicht wie beim Bohnenkaffee die Milch eher sparsam in den Kaffee.Damit sind wir auch schon bei meinem heutigen Thema. Es geht um Blumen, Obst, Gemüse, Gewürze, Kräuter, Bäume und Tiere.Um das alles mal ausführlich zu besprechen, haben wir uns bei meiner Gothi getroffen. An der Kaffeetafel haben Platz genommen: meine Mutter, ihre Schwester Katharina (meine Gothi), meine Kusine Erika, ihr Lebensgefährte Peter, mein Bruder Manfred und mein Mann Sigi. Wir wollen nun in dieser Denkrunde die schwowischen Begriffe für alle oben genannten Kategorien wiederfinden und beschreiben.Lasst uns also mit den Blumen beginnen. Runkelcher sind Bellis, Mundrosen sind die Pfingstrosen, Spinnrosen sind Kletterrosen und Papierrosen sind Zinnien. Tagetes oder auch Studentenblumen sind in Billed die waDer Holländer, die Wienerin und der Talisman im AutoVon Erika Weith, geb. Leideckerlachrische Grasblumen. Gladiolen sind die Lischelilie und die Glockefixcher sind Fuchsien. Der billedrische Name kommt wohl daher, dass die Blüten einer Glocke ähneln. Beim Leander lässt sich gleich erkennen, dass es sich um den Oleander handelt. Nach diesen doch eher verständlichen Blumennamen kam unsere lebhafte Runde auf Blumen mit Namen, die mir große Freude bereiten. Ich hatte bis dahin noch nicht von ihnen gehört.Los ging’s mit der Wienerin. Als große Wien-Liebhaberin war ich doch ziemlich überrascht, dass es sich dabei um die Gottesaugen handelt. Auch bei den Dahlien gibt es vergnügliche Namen für ihre verschiedenen Sorten, z.B. der Prallhans, der Talisman im Auto und der Lorenz im Auto. Bei Prallhans könnte ich mir vorstellen, dass die Dahlie besonders prächtig ist und ein bisschen „prallt“, also prahlen möchte. Beim Talisman und beim Lorenz im Auto können wir uns die Namen nicht erklären. Aber schön sind sie schon. Bei der Bischofskapp, einer lila Dahliensorte, kommt der Name wahrscheinlich von der Mitra, der Bischofsmütze, die es außer in rot auch in lila gibt. Eine große dicke Chrysantheme in rot, gelb oder weiß wurde Schusterin genannt. Und ein besonders schöner Name ist die „Gretel in de Hecke“. Das ist die Jungfer im Grünen. In Deutschland gibt es verschiedene Namen für die Jungfer im Grünen, so auch Gretel in den Stauden, Gretl im Nest oder Gretel im Busch. Das Löwenmaul sind in Billed die Kwaakeblume. Wenn man die Blüten dieser Blume auf der Seite mit Zeigefinger und Daumen


Dialekt 111drückt, sieht es beim Löwenmaul wie ein brüllender Löwe und bei der Kwaakeblume wie ein quakender Frosch aus. Hortensien haben im Billedrischen keinen anderen Namen. Sie waren im Dorf zwar bekannt, aber nicht in den Gärten zu finden. Sie wurden von der Mesnerin zur Osterzeit in Temeschwar als Blumenstöcke gekauft und damit wurden die Altäre und das heilige Grab in der Kirche geschmückt. Sie waren immer weiß.Übrigens ist ein Blumenstock, der nicht blüht, ein Praller un wann mer die Blume net netzt, bleiwe se kemerlich, maraunzich und vertrockelt.Langsam läuft unsere Runde zur Hochform auf und die drei Herren verstehen immer mal wieder Bahnhof. Aber wir vier Schwowinne sind gerne bereit, alles zu erklären.Kommen wir nun zum Obst. Do gefft et Äppl, Bumrandsche, Kitte, Kwetsche, Trauwe, Persche, Prunjer, Ringlotte un Riwisle. Über diese Namen habe ich früher schon geschrieben. Neu waren in dieser Runde für mich die Bremmbiere, also die Brombeeren und die Schluckerte, das sind die Mirabellen. Schluckerte nannte man früher in Deutschland eine Mehlspeise, halb Brei, halb Kloß, die sich schnell und glatt schlucken lässt. Vielleicht heißen im Billedrischen die Mirabellen Schluckerte, weil sie so klein sind und wenn man den Stein entfernt hat, sie auch schnell und leicht zu schlucken sind. Auch der Holländer war für mich neu. Das ist der Holunder. Da erscheint mir der Name eine Verballhornung von Holunder zu sein. Auf jeden Fall ist der Holländer einer meiner Favoriten.Kwaakeblume Wienerin Prallhans


112 DialektDas Erstaunen der drei Franken am Tisch ist groß, wie unglaublich vielfältig das Billedrische doch ist. Wir vier Billederinnen haben uns inzwischen in einen Rausch geredet, mal fiel meiner Mutter ein Wort ein, dann wusste meine Kusine wieder etwas Neues, meine Gothi setzte noch einen drauf und ich habe alles aufgesogen und notiert.Beim Gemüse will ich mich kurzfassen, denn die verschiedenen Gemüsesorten habe ich schon vor Jahren genügend gewürdigt. Ich will nur kurz meine Lieblingswörter erwähnen: Paschkenat = Pastinaken, Kehlkraut = Wirsing, Leiwelsknepp = scharfer Papika, Zeller = Sellerie, Grienzeich = Petersilie und Karfiol = Blumenkohl.Natürlich hat es in Billed Gewürze, Kräuter und Unkraut gegeben. Das Neigwerz ist der Piment, der von Christoph Kolumbus aus Mittelamerika nach Europa gebracht wurde. Die Gwerzneegelcher sind die Gewürznelken und der Gabr ist der Dill. Das billedrische Wort kommt vom ungarischen kapor.Bei Kräutern und Unkraut kannte man in Billed die Kwecke = Ackerwinde, Brenneisle sind Brennessel und Hingelsdärm ist die Vogelmiere. Hedderich ist der Ackerrettich, der in Deutschland auch Hederich genannt wird. Herrgottsbrot ist der Huflattich, die Botterblum ist der Löwenzahn und natürlich nicht zu vergessen die Stumbatzmillich. Das ist Wolfsmilch, die gerne gegen Warzen eingesetzt wurde. Wolfsmilch ist schon ein schöner Name, aber Stumbatzmillich klingt noch viel schöner, wobei ich keine Belege gefunden habe, woher dieser Name kommt.Bei den Bäumen mit billedrischen Namen gibt es die Keschtcherbeem. Das sind Kastanienbäume. In Österreich und Südtirol sind Kastanien auch die Keschten. Dann gibt es noch die Naasezwicker, also die Ahornbäume. Naasezwicker waren bei den Kindern in Billed, aber auch in Deutschland beliebt, denn die geflügelten Früchte konnte man aufklappen und sich auf die Nase kleben. Die Schießbeem waren die Pappeln. Wahrscheinlich kommt der Name davon, dass die Pappeln schnell wachsen, also in die Höhe schießen. Und nicht zu vergessen die Akatze, also die Akazien. Meine Gothi kann sich noch gut erinnern, wie sie als Kinder Akatzezalaat gemacht haben und dabei die weißen Blüten der Akazien gegessen haben.Wichtig waren in Billed auch die Maulbierebeem. Jedes Haus hatte einen solchen Baum, denn die Männer benötigten die Früchte zum Rakibrennen. Manche Leute haben auch Maulbeermarmelade gekocht. Meine Urgroßmutter hat die Maulbeeren gern einfach mit Brot gegessen. Schon meine Mutter und meine Gothi mussten zu ihren Schulzeiten Maulbeerblätter sammeln und in die Schule mitbringen, zur Seidenproduktion. Das war sogar Jahrzehnte später bei meinen Kusinen auch noch der Fall. Es gibt übrigens in Brandenburg in Zernikow jährlich im Sommer ein Maulbeerfest, bei dem man alles über die Seidenproduktion und die vielfältigen Möglichkeiten der Maulbeeren erfahren kann.Kommen wir nun zur letzten Kategorie unseres lustigen Nachmittags. Sprechen wir über Tiere und ihre besonderen billedrischen Namen. Das sind zum einen die Vögel und das Geflügel. Die Hinkle sind die Hühner, die Perre die Perlhühner und der Gogosch ist der Hahn. Dieses Wort kommt aus dem Rumänischen vom Wort cocoş. Der Kiwik ist der Kiebitz und der Stoßvogel der Habicht. Auch im Volksmund in Deutschland heißt


Dialekt 113der Habicht Stoßvogel. Den Blutegel hat man in Billed Blutzuckler genannt, die Baumwanze war der Stinkpope und die Schnaken waren die Gelse. Dieses Wort kommt eindeutig aus dem österreichischen Deutsch. Denn dort gibt es heute noch Gelsen. Die Feuerwanze war der Bettbrunzer. Dieses Wort stammt aus der Pfalz und lässt sich heute noch im pfälzischen Wörterbuch finden. Im Übrigen war der Kartoffelkäfer der Coloradokäfer. Er wurde im 19. Jahrhundert aus dem amerikanischen Bundesstaat Colorado nach Europa eingeschleppt. 1936 wurden die ersten Kartoffelkäfer in Deutschland gesichtet. Und er hat es auch nach Billed „geschafft“, wo er dann den klangvollen Namen Coloradokäfer erhalten hat. Zum Wiesel hat man Erdhase gesagt und der Stier war der Biko. Das Wort kommt aus dem Ungarischen, denn dort heißt er bika.Nun hat sich unsere Runde der Kindersprache und ihren Namen für die Tiere angenommen. Zu den Küken hat man Pipelcher gesagt, das Kälbchen war ein Bozi, Lili war das Entenküken und Wurri die kleinen Gänse. Der kleine Hund war der Bitzi und das Kätzchen et Minnsje. Gutzi war das Ferkel und Fillche das Fohlen.Es gibt auch Ausdrücke, in denen Tiere vorkommen, die aber keine Tiere bezeichnen. Nehmen wir zum Beispiel die Brunnekatz. Das war ein Gerät mit drei nach oben gebogenen Eisenhaken, mit dem man in den Brunnen Gefallenes wieder herausholen konnte. Auch die Schoofploodre haben nichts mit Schafen zu tun, denn das sind die Windpocken. Heute noch werden in manchen Gegenden Österreichs die Windpocken Schafblattern genannt. Und mein letztes und auch sehr schönes Wort sind die Kuckucksschecke. Auch dieses Wort stammt aus Österreich, denn dort heißen die Sommersprossen Guckerschecken. Weil das Bauchgefieder des Guckers (also des Kuckucks) gefleckt oder auch scheckig ist, werden die Sommersprossen auch so genannt.So waren also die drei Stunden an der billedrischen Kaffeetafel wie im Flug vergangen. Allen Beteiligten hat es großen Spaß gemacht und ich habe es genossen, mal wieder richtig schönes und tiefes Billedrisch gehört zu haben. Bedanken möchte ich bei meiner Mutter, meiner Gothi und meiner Kusine für einen kurzweiligen und vergnüglichen Nachmittag. Dieser Dialektnachmittag verlangt unbedingt nach einer Fortsetzung.Mundrose


114 DialektEs alltäglichi Leewe war friejer aarich stark vom Aawerglaawe bestimmt geween, genauso wie vom christliche Glaawe.Bsonnerscht en der Zeit zwischen Heilichowed (24. Dezember) on em Dreikeenichstaach (6. Jänner) hat sich vill onerklärliche Aawerglaawe bei onsre Vorfahre angsammelt. Es war die dongelschti Zeit vom Johr on beim funzlichi Kerze- oder Petroliumlicht es em die Zeit noch vill dongler vorkomm. On wann dann noch de kalde Wend oms Haus gebloost on gephiff hat on mer derzu noch e Knacke on Knarze en de Balke oder Maure gheert hat, war‘s sicher ganz onheemlich, gspenstisch on zum Ferchte. Die Leit hann gemennt, dass sich nachts en der Zeit zwischen Heilichowed on Dreikeenich Geischtre romtreiwe. Drom es mer liewer derhem geblieb on hat die Tiere on die Fenschtre fescht zugemach odder gar verriggelt. Minschtens hann die alde Weiwerleit an de lange, dongle Owede en der warmi Stubb onzählich schauriche Gschichte zu verzähle gewesst, die wo schon emmer verzählt genn senn: iwwer beese Geischtre on Trutte (Druden), iwwer arme Seele on Raawre, iwwer Hexerei on Zauwerei, iwwer Profezeijunge on Wunner. Doh hat mer Gänsehaut kritt on manch eem eses bestimmt ganz kalt iwwer de Bockel gelaaf. Bsonnerscht en der Heilichi Nacht hat mer sich von der Trutt (onsichtbares hexenartiches Weib) en Owacht holle misse. No em Volksglaawe schleiche sich die Trutte nachts ens Zimmer, setze sich Aawerglaawe on BraucheVon Annemarie Ebner geb. Bentzde Mensche, wann se schlofe, off die Bruscht for ne die Luft abzudrecke. Die Trutte hann angeblich sogar dorchs Schlesselloch, dorch Fenschtre- on Tierretze oder dorch de Raachfang ens Zimmer komme kenne.Aach wann Viehcher krank ware, hat’s gheescht, dass die Trutte em Stall onnerwegs ware. On hann die Kieh mol ke Millich genn, hat mer gsaat, dass die Trutte die Kieh gemolk hann. For dass mer die Trutte abhalt, hat mer Besme (Besen) metm Still nonnerzus (nach unten) on met der Seit, met der wo mer gekehrt hat, noffzus (nach oben) an der Haus- odder Stalletier offstelle solle.Ich kann mich erennre, dass mei Bentz-Oma verzählt hat, was mer en dere Zeit, also zwischen Weihnachte on Dreikeenich, net mache hat solle:-khe Wäsch wäsche on aach kenni net offhänge, weil das Ongleck brengt oder sogar de Tod von jemandem ausm Haus.- khe Brot backe, weil so wie mer de Brottaich en der Backmolder zudeckt, so deckt mer jemande aus der Familie en der Todelaat zu.- khe Streck em Freije losse, weil sich sonscht jemande dermet hätt offhänge kennde.- net met Schulde ens neiji Johr gehn, weil sonscht die Schulde norre noch meh hätte genn kennde- khe Hinggelsfleisch am Neijohrstaach esse, weil die Hinggle zrokzus scherre on mer sonscht met der ganzi Wertschaft zrokzus geht. Aach khe annres Gfliggel esse, weil sonscht es Gleck fortflieht.


Dialekt 115- nex ausm Haus wegtraan, weil mer sonscht sei Gleck weggeft.- nex Gelehntnes (Geliehenes) em Haus hann oder sich was auslehne, weil sonscht em neiji Johr met Krankheit zu rechne es.Oft war mer aach neigeerich was die Zukunft brengt:- an Heilichowed hat mer vor de Mette e Zwiwwel en 12 gleiche Stecker schneide solle on Salz droffstraue. Die zwölf Zwiwwelstecker solle die 12 Monate bedeide – noh de Mette hat mer am gezohne Wasser gsien kenne, en was forche Monate es em kommendi Johr meh oder wennicher reent (regnet).- a Hochzeit hat‘s em neiji Johr genn, wann Mädcher em heiratsfäjiche Alter an Silvester a Scherz voll abgeriwweltne Kukrutzkolwe gholl hann ons beim Abzähle a Paarzahl war.- oder sie hann a Patsche metm Fuß hinner sich geworf. Hat die Patschespitz geger die Tier gewies hat e Hochzeit ens Haus gstann.Gleck brengt:- am Barbarataach, 4.Dezember, Näscht von Kersche-, odder Äppelbääm abschneide on en e Vasn stelle – wann se an Weihnachte blieje, bedeits Gleck em neiji Johr.- am Neijohrstaach Schweinefleisch zu esse, weil die Schwein met ere Schness vorzus wuhle, on das soll Gleck fors kommendi Johr brenge.- Scherwe brenge Gleck, awwer wann mer a Spiggel brecht, waarte siwwe Johr Ongleck.- a vierblättriches Kleeblaat: wann mer ens fendt soll mr’s trockle on offheewe (aufbewahren).- a Raachfangskehrer: wann mer met em zsammkommt, soll mer a Knopp romtrede (macht nex, wann


116 Dialektne aach abreißt).- a Hufeise, wann mer ens fendt, soll mer’s zrockzus iwwer de Kopp werfe.- a gebrauchtnes Hufeise, wann mer‘s iwwer eme Eingang odder ere Tier met der Öffnung noffzus offhängt, so kann’s Gleck net rausfalle.- dreimoll off Holz kloppe.- a Marienkäfer, wann ne off em zuflieht. Er es de Bote von der Mutter Gottes on beschitzt die Khenner (Kinder) on heelt Krange.Ongleck brengt:- a schwarzi Katz, die wo em iwwer de Weech laaft.- vorzeitich zum Geburtstaach gratuleere.- Kraakegschrei, wann die Kraake off eme Haufe gsetzt hann, hat mer gsaat, die Kraake halle Leicht.- es Kauze on Heile vom a Hund: noh sterbt jemande ausm Haus.- wann a Eil (Eule) ofm Hausdach schreit, bedeit’s daß es em Haus a Todesfall geft. Die alde Weiwer han gsaat, daß die Eil „komm met, geh met“ ruft.- wann de Kokosch oweds em Stall kräht: noh sterbt jemande ausm Haus.- Freitach, de 13., an dem Taach soll mer nex Wichtiches plane.- wann mer onner ere offgstelltne Leeter dorchgeht.Noch meh Aawerglaawe:- sterbt em neiji Johr zuerscht a Mann, geft die Feldarweit schwer.- waan‘s zwischen Weihnachte on Neijohr vill schneet, kann mer em kommendi Johr vill fechse (ernten).- Gäscht kritt mer, wann de Kokosch ofm Mischthaufe kräht oder wann die Katz sich wäscht.- verlosst mer es Haus, wann mer was Wichtiches vorhatt, soll mer Owacht genn, met wem mer zuerscht zsammkommt. Es es a Mann, bedeit‘s Gleck, es es a Weib, soll mer liewer zrockgehn.- beißt em die rechtsi Hand, geft mer Geld aus, beißt em die lenksi Hand, kritt mer Geld.-schlooft mer es erschti Moll em e Haus, soll mer en alle vier Ecke vom Zimmer schaue. Was mer dann treemt geft wohr.- wann de Kuckuck ruft, soll mer die Rufe zähle – dann hat mer angeblich noch so vill Johr zu leewe.- klingelt‘s em im Ohr oder hat mer de Schluckser denkt jemand an em.- mer soll sich net an de Ecke vom Tisch setze, weil mer sonscht a beesi Schweermotter (Schwiegermutter) kritt.- verschleckt mer sich iwwrem Esse, vergunnt em jemand’s Esse net.- Streit geft‘s, wann mer Salz offm Tisch verstraut oder‘s Abb. oben: Gebrauchsgegenstände in der Billeder Heimatstube


Dialekt 117Feijer em Owe thuddert.Mer hat khe Schwalwenischt nunner werfe solle, weil sonscht die Kieh roodi Milch hädde genn kende.Die Kenner hann metm Balle net em Zimmer spille derfe, wann a Gluck off de Aajer gsetzt hat, weil sonscht khe Hinggelcher gschluppt senn.Vom Kherchhoff hat mer khe Blumme odder annre Planze met hemm holle solle, weil‘s Ongleck brengt oder sogar de Tod.Friejer hat mer die Tode derhem en der Stubb offgebahrt on de Spiggel met eme scharzem Tuch met goldne Franzle dran, zughonk. De Tode en der Toodelaat hat sich net em Spiggel spiggle solle, weil sonscht noch jemande aus’m Haus hätt sterwe kennde. Die Uhre em Haus hat mer anghall, for dass de Tode sei Ruh hat. A Tode hat emmer Schuh an hann misse, for dass ne net bloßfissich en der anner Welt romlaafe muss.Die Allerseelewuch (1.- 8.November) war friejer e bsonnerschti Wuch.Noh altem Volksglaawe senn en dere Wuch die Seele von de Verstorbne ausm Fegefeuer for korze Zeit off die Erd zrockkomm.Do en Bayern senn friejer for Allerseele „Seelenzöpfe“ geback genn, Die hann noh stellvertretend for die „arme Seele“, die wo off der Erd romgeerrt senn, arme Leit kritt.Bis en die 1950-er Johr hann ach die Khenner a „Allerseelenzopf“ vom Phatt oder der Good gschenkt kritt. Die Khenner hann sich met eme Spruch bedankt: „Vergelt’s Gott für die armen Seelen“.Ich kann mich awwer iwwerhauptscht net erennre, gheert zu hann, dass es de Brauch en Knies oder Billed genn hat.De Aawerglaawe es so alt wie die Menschheit selwer on an manche Aawerglaawe halt mer sich sogar noch heit, wann mer aach vielleicht norre a bisselche dran glaabt.Johann Wolfgang von Goethe hat mol gsaat: „Aberglaube ist die Poesie des Lebens“.Iwwer‘s BraucheWann friejer jemande krank war on die Hausmittle gar net gholf hann, es mer zur „Brauchersch“ (Braucherin, Heilerin) gang. Doktre hat’s jo selmols net en jedem Dorf genn, awwer derfor äldre Weiwer, die wo met „Brauche“(Bespreche) versucht hann, de krange Leit zu helfe.Die Brauchersch hat geheimnisvolle Sprich on Formle gemurmelt, manchsmoll aach Gebete vor sich hin gsaat on die Hand iwwer oder off die krangi Stell geleet. Die Brauch-Sprich ware ganz geheim on die Brauchersch hat senn norre en der eigeni Familie weidergenn. De beschte Zeit for’s Brauche war bei Vollmond oder wann de Mond zrockgang es (abgholl hat). Die Brauchersch hat sich aach gut met Heilkräuter ausgekennt on allerterhand forche Tees, Salwe, Tinkture on Pulvre gemach, met denne wo se die Krange behandelt hat.Owwerbeen (Überbeine) on Warzle hat mer aach selwer bespreche kenne. Wann de Mond zrockgang es, hat mer iwwer die Warzel streiche solle on derbei saan: „So wie de Mond zrockgeht, so soll mei Owwerbeen vergehn“.For dads mer a Warzel losskritt, hat mer, wann’s for a Gstorbne ausgelaut hat, aus’m Bronne a Eemer Wasser scheppe solle, von dem Wasser off die Warzel toon on saan: „For de Verstorwene laut’s aus, ich wäsch mei Warzel raus“.


118 DialektOnlängscht hann ich mich dran erennert, dass mer friejer bei ons em Banat die Seef, mer hann Hausseef gsaat, selwer gemach hat. Ich wees noch gut, wie ich meiner Bentz-Oma en Knies oder meiner Schultz-Oma en Billed beim Seefkoche zugschaut hann on wie ich gresser war, aach metgholf hann. Mer hat die Schwarte on die Abfäll von de geraachtne Schunge, vom geraachtne Speck on annre Fettabfäll en eme große Fettstänner gsammelt on offghob, bes mer genuch dervon beinanner ghatt hat for Seef koche.Em Kesselhaus hat mer Feijer gemach on die Fettabfäll en de große gusseiserne Kessel getoon, bisselche Wasser, am beschte Reenwasser, derzugschott on gewaart, bis das ganzi Fett sich offgeleest hat. Dann es Soda dronnergemischt genn. Met ere Holzstang es de geele on schmeeriche Brei allweil omgerehrt genn on mer hat ne ganz staat (langsam) koche geloss. Das hat ziemlich stark gschaumt, awwer met der Zeit es de Schaum wennicher genn. Wann die Seef fascht fertich war, hat mer aach de Schaum nimmi gsiehn. Es Koche von der Seef hat so zwaa bis drei Stonn gedauert. Wann’s Fett on die Soda genau offnanner abgstimmt ware, es die Seef fescht genn on mer hat met eme Holzstecke ganz denne Fädem zieje kenne. Jetz war die Seef fertich on hat sich von dere brauni Brie, das war die Lau (Lauge), getrennt. Die Seef es owwe gschwomm on die Lau hat sich onne offem Boddem vom Kessel abgsetzt.Wie mer friejer die Seef on de Kallich selwer gemach hatVon Annemarie Ebner geb. BentzJetz hat mer die Seef ganz vorsichtich abgscheppt on en Holzkischtchjer, die wo met Haustuch ausgeleet ware, ningfillt. Minschtens eene Taach lang hat die Seef gebraucht for dass se hart geft. Noh hat mer se met eme Spogoot oder met eme denne Droht en Stecker gschniet on trockle geloss.Die so gemachtni Seef es hergholl gen for die Wäsch wäsche on aach for sich selwer wäsche.Mei BentzOma hat verzählt, wie mer die Seef ganz friejer, selmols hat’s noch khe Soda net genn, gemach hat: em Kessel hat mer Wasser, geleschtne Kallich on Esch (Asche) zsammgemischt, a zeitlang gekocht on noh das Ganzi absetze geloss. Die owwerschti Schicht hat mer abgscheppt, metm Abfallfett gut vermischt on dann die Seef gekocht, so wie vorher beschrieb.De geleschtne Kallich es friejer aach selwer gemach gen.Baure aus de Berche senn met ehrem Planwagen dorch die Derfer gfahr on hann de gebrenntne Kallich verkaaft. Das waare weiße große on kleene harte Brocke. Die hat mer en a große Kessel gfillt on noh ganz staat Wasser droffgschott. Jetz es de Kallich abgelescht gen on met ere langi Holzstang hat mer das Ganzi so lang omgerehrt bes sich alli Brocke offgeleest hann. Mer hat awwer aarich Owacht gen misse, dass es em net off die Haut odder gar en die Aue spretzt, weil beim Offleese vom gebrenntne Kallich, hat‘s ganz stark gspruddelt, gezischt on gspretzt.De geleschtne Kallich war a weißi, taichichi, breijichi


Dialekt 119Masse on es en ere Erdgrub, die wo mer met dicke Bredder zugedeckt hat, offghob genn. Iwwrem Kallich es a denni Schicht Wasser gstann, for das ne det austrockelt. De geleschte Kallich hat mer met Wasser verdennt on die Heiser on Zimmre dermet geweißelt. Genauso die Stallunge weger em Ungeziwwer on sogar die Baamstämm. De geleschtne Kallich es aach hergholl gen, for Aajer enleje. Weil die Hinggle em Wender wennicher Aajer geleet hann, hat mer em Sommer, wann‘s meh Aajer genn hat, se en a Gfäß gschlicht on geleschtne Kallich driwwergschott. So es an die Aajer khe Luft me drankomm on die Aajer senn fresch geblieb. Mer hat se bes zu sechs Monat em Kallich offheewe kenne. Aach die Schaal von de Brot - on Kochkärwusse hat mer oft gut met Kallich engschmeert, weil se dann länger ghall hann on net so schnell ausgetrockelt senn.Selbstgemachte Seife


120 DialektAls Schwoob well ich norr saanaus meiner Sicht, es die Enbrennsopp onser Nationaalgericht.Die hat mer gess en jedem Haus, ob aarm, ob reich,et Rezept waar iwwerall gleich.Klään gschnied die Zwiwwel, Maahlpaprika on Mehl,das hat mer gereescht en Fett odder en Eehl.Offgekocht es die Enbrenn met Wasser genn,manchesmool waare Ziehstruddltojchkneedle on Ojer drenn.Salz därf mer net vergesse, on schon kann mer die Sopp esse.Engebrockelt met Brot,han ich die met meim Ota als Friehstick ghat for Esse.Welch Kend kann so etwas vergesse.Ich well mei Engelche aa all das leehre,mer welle doch net das Rezept aach noch verleere.Enbrennsopp von Erwin Csonti, nidergschrieb vom Wärner ThowiasQR- Code zu dem Video „Enbrennsopp“ von Eduard Thöresz


Dialekt 121Schmorre von Erwin Csonti, nidergschrieb vom Wärner ThomwiasQR- Code zu dem Video „Schmorre“ von Eduard ThöreszSchmorre, das es e Esseich men so alt, wie die Banaater Schwowe.Ich ess das aarich gääre, drom ton ich’d aa so lowe.Äänfach, schnell gemach - mer brauch derzu aa net vill Sach.Wäll Schmorre-Esser, die brauche kä Messer.Norre Ojer, Mehl, Millich on Salzde Tojch get dann gebroot em Schwein seim Schmalz.Met der Schmorregawwl get dann ständich gereehrt.Derbei machscht du nex verkeehrt.Färtich hat mer das dann gess met Donschtobst odder Zalaad,was mer zu seller Zeit graad haad.Nohär waarscht du satt on haadscht du Kraft,egaal, was du de Taach hascht gschafft.Die jonge Leit von heit, die esse norrSpaghetti, Paste oder wie se das alles schon nenne,wäll die die Schmorre jo gaar nimmi kenne.


122 DialektE beeindruckendes Gedicht aus der Zeit vun der Russlandverschleppung, wo all die Traurichkeit, Hoffnung on Sehne vun de zrockgebliebne Kenner on Großeltre beschreibt.Et es em Banaat nomol Wenderso wie mer ne johrelang kennt,et fallt so vill Schnee, dass am Mettach em Dorf schon et Gasselicht brennt.Die Schneedeck wärd emmer heecher,deckt do em Banaat alles zu,on onner der eiskaldi Schneedeckdo komme die Haiser zur Ruh.En ääm von de Haiser met Strohdachdort wohne zwaa ältere Leitmet eme klään Mädche, em Leni,das es ehre äänzichi Frääd.De Ota brengt zwaa Bärte Stenglebrennt‘s Feier em Dreckowe aan,die Oma macht Grombeerflutteet Leni schaut zu newedraan.Et Leni, et klääniZum Gedenken an 80 Jahre Russlandverschleppung von Rainer Kierer - aus der Banater Post vom 15. Dezember 2024 ens Billedrische iwersetzt vun Wärner Thowias, mit freundlicher Genehmigung des AutorsEt Leni, et klääni, langweilt sich,et hat aa am Spille kä Frääd,sei Puppe hat’s hinner em Oweam Morjet schon schloofe geleet.„Wann kommt et Kreschkendche, Omade Wender, de es jo schon do,on wann soll et Lezelder backe,de Himml de es doch so groo?Wann komme dann Mama on Tota,an die wo ich jede Taach denk,von dort wo se sen, endlich hemon brenge mer aa mol a Gschenk?“ Die Oma heert of jetz zu rehreon wääs net was sie soll drof saan,de Ota geht naus aus der Kich jetz,schaut traurich sei Englkend aan.


Dialekt 123Die Weihnachte ohne die Eltredas fallt em klään Leni net leicht,et hat aa kä anre Gschwisterdie hätt’s jo zum Spille gebraicht.Beim Schneescheppe trepse em Otapaar Träne of gfroreni Äärder schwitzt, awer er muss sich beeilebevor et noch stirmischer wärd.Et Leni, et klääni, langweilt sich,em Zimmer es mettlerweil waarm,et holt hinnrem Owe sei Puppeon kuschelt se fescht en seim Aarm.Die Grombeerflutte sen färtich,de Hunger es gaar net so grooß,et Leni es mettlerweil engschloofmet seine zwaa Puppe em Schoß.Die Alde schaue of das klään Mädche,zwaa Tellre on Härze sen läär,sie bleiwe am Tisch lang noch huckeawer’s Rede fallt ihne so schwäär.Et es em Banaat so e Wender,de tot en der Seele ääm weh,wann kalt sen die Haiser on Härzeleit das net am eiskalde Schnee.Malerei über die Russlanddeportation von Juliane Rausch


124 RückblickWer erinnert sich nicht mehr an die Stammbücher, die bei der Generation vor uns sowie bei unserer noch gang und gäbe waren? Auch in der Altersgruppe nach uns teilweise noch verbreitet, aber eher schon verdrängt durch den „Zeitraub“ durch die Beschäftigung in der digitalen Welt, auch bei Grundschülern schon ein weit verbreitetes Hobby.Dabei ist, historisch gesehen, das Stammbuch eine frühe Form des Poesiealbums oder Freundschaftsbuches. Es entstand schon vor rund 500 Jahren während der Reformation, als es Mode war, handschriftliche Schriftstücke bekannter Reformatoren zu sammeln, vermutlich mit dem Wunsch, sich mit dem revolutionären Gedankengut dieser neuen Epoche auf irgendeine Art vertraut zu machen. Im Reich der Blütenranken und der SonntagsschriftVon Hermine SchnurDie Stammbücher waren eher eine „Mädchensache“ Die Texte entsprachen dem damaligen Zeitgeist


Rückblick 125 Die meisten einfachen Menschen aus dem Volk waren damals des Lesens und Schreibens noch nicht mächtig. Somit waren die Stammbücher lange Zeit eher bei den Protestanten als bei den Katholiken verbreitet und später vor allem bei Studenten. Mit der Zeit bzw. im Zuge der fortschreitenden Alphabetisierung veränderte sich der Zweck und das Stammbuch wurde zu einem Schriftstück, in dem sich zwei oder mehrere Menschen ihrer Freundschaft versicherten und sich gegenseitig eine oder mehrere Seiten im Album widmeten. Dies war früher meist keine einmalige Angelegenheit, sondern wurde bei Festen, Umzügen etc. wiederholt, so dass man bis ans Lebensende Eintragungen und Erinnerungen an die Jugendfreunde hatte, aus verschiedenen Lebensphasen. Der Text war entweder ein (selbstverfasstes) Gedicht, ein Zitat aus der Literatur oder ein Aphorismus; Ort und Datum durften auch nicht fehlen. Später kamen noch selbstgemalte Bilder hinzu, bei den Studenten waren es meist Ansichten aus den Universitätsstädten. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden viele berühmte und prachtvoll gestaltete Stammbücher, meist von Menschen aus der Öffentlichkeit, die heute noch erhalten sind und manchmal als gute historische Quellen verwendet werden können.Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es auch In der Baragandeportation fehlen kunstvolle Zeichnungen Einträge über Leid und Hoffnung aus der Deportation


126 RückblickFamilienstammbücher gibt, als Nachweisdokument für die Abstammung von Personen. Zusätzlich gibt es Zuchtstammbücher, die in der Tierzucht verwendet werden. Im Banat waren die Stammbücher eher eine „Mädchensache“. Das traf schon in der Generation vor uns zu, eventuell war ein Poesiealbum für das männliche Geschlecht in der damaligen Auffassung zu „unmännlich“. Es kam aber durchaus vor, dass auch Jungs Eintragungen in die Stammbücher der Mädchen vornahmen. Wenn man ein Poesiealbum für einen Freundschaftseintrag erhielt, scheute man weder Zeit noch Mühe, um diesen formschön zu gestalten. Bunte Blumensträuße wurden gemalt, manchmal nach einer Vorlage, andere aus dem Gedächtnis oder direkt aus der Natur. Ein passender Spruch oder ein Gedicht wurden dazu geschrieben, wobei manche Verfasserinnen sich kalligraphisch besonders bemühten. Die Texte entsprachen dem damaligen Zeitgeist und wiederholten sich manchmal, da man in jener Zeit nichts googeln konnte (man lese und staune!) oder auch sonst keinen Zugang zu entsprechenden Quellen hatte. Eine Statistik gibt es zwar nicht, aber vermutlich lautet der Klassiker der Stammbuch-Gedichte in unserem früheren Teil der Welt wie folgt:„Rosen, Tulpen, Nelken, Alle Blumen welken.Nur die eine nicht, Sie heißt Vergissmeinnicht.“Einige von uns konnten ihr Poesiealbum herüberretten aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt. Das Stammbuch meiner Mutter beginnt im Jahr 1951, als die dortige kleine Welt noch fast in Ordnung war, d.h. noch vor der Verschleppung in den Baragan. Meine Mutter besuchte damals die Pädagogische Lehranstalt in Temeswar, so dass auch einige Eintragungen aus diesem kurzen Kapitel ihres Lebens stammen. Die Verschleppung in den Baragan bedeutete für Kinder und Jugendliche meist das Ende der Unbeschwertheit, für Erwachsene die Zerstörung von Lebensgrundlagen, Hoffnungen und Träumen, als man Haus und Hof verlassen musste; für alle bedeutete es eine Reise ins Unbekannte, für einige ohne Wiederkehr. Was ich persönlich interessant finde, ist, dass meine Mutter ihr Stammbuch für wichtig genug hielt, um es sogar in den Baragan mitzunehmen, denn von dort gibt es auch Eintragungen, viele aus Neupetsch. Im Baragan fehlen jeEintrag von Peter Krier, damals im Baragan auf Besuch


Rückblick 127 doch die kunstvollen Zeichnungen, dort hatte man andere Sorgen, als Buntstifte mitzunehmen oder zu erwerben, frühe körperliche Arbeit war da angesagt, um beim Unterhalt für die Familie zu unterstützen. Nach rund fünf Jahren schaffte es das Büchlein wieder zurück nach Billed, schlummerte einige Jahrzehnte in der Schublade und hat nunmehr seit rund 35 Jahren seine wohl letzte Heimat in Tuttlingen gefunden. Obwohl ich mich nicht mehr daran erinnern konnte, habe auch ich, die Tochter, meiner Mutter ins Stammbuch geschrieben, ich nehme mal an, dass es unaufgefordert geschah und freiwillig von mir war. Es war aber eher unüblich, dass Einträge die Generation überschritten. Mit Sicherheit kann ich behaupten, dass mir damals solche Gedankengänge fremd waren. Meine Schwester hat sich nicht darin „verewigt“. Das Stammbuch hat ungefähr DIN A5 Größe, einen rotweiß marmorierten Einband, die Ränder hat die Besitzerin von Hand kunstvoll mit dem Festonstich mit rotem Zwirn eingefasst; um ein beginnendes Zerfleddern zu vermeiden. Ein goldenes Schutzblatt ziert vorne das Büchlein und früher befand sich in der Ecke rechts unten eine kleine, weiße, dreidimensionale Rose, die irgendwann aber dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist. Manche Einträge sind gut über 70 Jahre alt, dabei sind die Farben der Bilder meist noch gut erhalten. In Rumänien gab es eine Zeit, in der handgeschriebene Hefte, Stammbücher oder Bücher bei der Auswanderung nicht mitgenommen werden durften. Auf diese Weise sind sicherlich viele dieser kleinen Kunstwerke, aber auch Briefe oder Bücher, ein Opfer der Flammen geworden. Sehr bedauerlich eigentlich, aber unwiederbringlich verloren. Die Generationen vor uns haben, aus heutiger Sicht betrachtet, viel mehr verloren, zwei Weltkriege haben Risse und Spuren in den Biographien vieler hinterlassen, Flucht, Deportation und Vertreibung erlebt. Die Erinnerungen aber sind geblieben, aufgefrischt durch das Nachlesen und Wiederlesen in den Stammbüchern, auch wenn manche Gesichter dahinter oder die Schrift verblasst sind. Es ist das Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können, wie der Dichter Jean Paul vor rund 200 Jahren die Erinnerungen nannte. Auch ich habe meiner Mutter ins Stammbuch geschrieben


128 ReiseberichtDie Reise der Gruppe Bürgermeister vom Landkreis KarlsruheVon Roland und Hannelore RussJahrelang wurde immer wieder während der Treffen der Bürgermeister des Landkreises Karlsruhe erzählt und besprochen, wie und wann die Reise in die ehemalige Heimat von Herrn Roland Russ vorgenommen wird.Die Zeit ist so schnell vergangen und Roland ist nun in Rente, jetzt kann man dies in Angriff nehmen. So ging es mit der Planung schon im Frühjahr los. Man wollte Temeswar, als Partnerstadt von Karlsruhe, Billed als ehemaliger Heimatort von Roland und Hannelore besuchen und anschließend weiter nach Siebenbürgen reisen. Der Landrat Dr. Christof Schnaudigel stand mit seiner Unterstützung voll dahinter, schließlich hatte er schon einige Spenden für Billed möglich gemacht (eine ganze Feuerwehrausrüstung mit Auto, auch Tische und Stühle für die Aussegnungshalle auf dem Sauerländer Friedhof). Jetzt soll das in die Jahre gekommene Auto von damals durch ein neueres Feuerwehrauto ersetzt werden, wobei die Übergabe Ende November erfolgen sollte.Im Oktober war es dann soweit, es war alles organisiert, geplant und gebucht. Alle waren neugierig, geDie Reisegruppe im Hof des Forums der Billeder Deutschen128


Reisebericht 129 Foto oben: Landrat Dr. Christof Schnaudigel und Roland Russ Foto unten: Adam Csonti führt die Gäste durch die Heimatausstellung


130 Reisebericht Foto oben: Ansprache von Bürgermeister Ovidiu Oprișa im Speisesaal des Heimathauses Foto unten: Landrat Dr. Christof Schnaudigel überreicht symbolisch das Feuerwehrauto


Reisebericht 131spannt auf das von Roland viel erwähnte, umschwärmte Billed im Banat. Am Flughafen von Temeswar wurde die 26-köpfige Reisegruppe durch Frau Ramona Lambing (Reiseleiterin) und uns empfangen. Mit dem Reisebus ging es Richtung Stadt, wobei die Sehenswürdigkeiten bestaunt und durch Frau Lambing erklärt wurden. Zentral wohnte man im Hotel Timisoara und per pedes ging es dann über den Corso zum Rathaus.Dort waren wir angemeldet und erwartet, leider nicht von Herrn Oberbürgermeister Dominic Fritz, wie es geplant war, sondern von der Vize-Bürgermeisterin Frau P. Romocean. Das Treffen verlief in sehr angenehmer Atmosphäre und mit großem Interesse und Zwischenfragen zu den Modalitäten der Verteilung der EU-Gelder in Rumänien.Anschließend besichtigte man die Orthodoxe Kathedrale und ging auf dem Corso weiter bis zum Domplatz, dort besuchte man die renovierte Domkirche, wo gerade ein Gottesdienst stattfand. Nun freute man sich auf ein gemütliches Beisammensein in einer typisch rumänischen Gaststätte, wo man sich auf die landesüblichen Spezialitäten freute und nicht enttäuscht wurde.Am nächsten Tag ging`s per Bus Richtung Billed, vorbei am Kalvarienberg, einem der Wahrzeichen von Billed. Beim Elternhaus von Hannelore wurde kurz angehalten und einiges über die Familie Martini und ihre Geschichte bis zur Ausreise 1984 erzählt. Dann ging es weiter, der Hauptstraße entlang zum Elternhaus von Roland. Dort wurden wir sehr freundlich von Maria und Mircea Negriu mit Kipfeln, Schnaps und Weichsellikör (Visinata) empfangen. Beeindruckt waren die meisten unserer Gäste von dem ehemaligen schwäbischen Bauerngehöft, wo später, nach der Enteignung, mehr auf gemahlenen roten Paprika und Schweinezucht gesetzt wurde. Gemahlenen Paprika gab‘s dann als Gastgeschenk für die Besucher, die sich sehr darüber freuten. Zur Kirche wurden wir von Brunhilde Klein/Schortok begleitet, welche wunderbare, leckere Banater Kipfeln gebacken hatte. Dort erklärte sie uns am Kriegerdenkmal das Schicksal der Gefallenen und ihrer Familien. Bei der Besichtigung der Kirche spielte uns Brunhilde auf der Orgel „Großer Gott, wir loben dich“, was alle sehr beeindruckte, uns auch, denn wir beide wurden hier getauft, hatten hier Religionsunterricht, kamen her mit dem Kirchweihstrauß, wurden getraut ...Weiter ging es zum Forum, wo uns Roswitha und Adi Csonti herzlich empfangen haben. Gleich besichtigte man die überaus gut dokumentierte Ausstellung über das Werden der Gemeinde Billed im Laufe der Zeit. Adam Csonti sprach über eine Stunde mit viel Herzblut über die Ereignisse, angesammelten Fotos und Dokumente, über die freudigen und traurigen Geschehnisse der Billeder. Im schön renovierten, mit den vergrößerten Stefan Jäger Bildern, von Hans Rothgerber ausgestatteten „ehemaligen Stall“, bat uns Roswita zu Tisch. Es wurde ein reichhaltiges, leckeres Mittagessen serviert, dem alle tüchtig zusprachen. Besonders die Krautwickel mit Mamaliga und die Dobos Torte kamen sehr gut an. Außerdem staunte man, wie gut Kompott zum Braten schmeckt, auch der Schwaben Wein und Adis Schnaps mundeten. Zu diesem Essen war auch der Billeder Bürgermeister Ovidiu Oprisa eingeladen und es wurde vom Landrat Dr. Christoff Schnaudigel eine fiktive Übergabe - anhand eines Fotos - des neuen Feuerwehrautos für Billed vorgenommen.


132 ReiseberichtGut gestärkt, aber müde, gingen wir anschließend zu Fuß – auch zur Verdauung gedacht- zum Neugässer Friedhof, um die mit Beton übergossenen Gräber der ausgesiedelten Deutschen und die Aufbahrungskapelle zu besichtigen. Der gesamte Friedhof ist, dank Adi Csonti, bestens gepflegt, zum Unterschied von einigen anderen Banater Friedhöfen.Bei strahlendem Sonnenschein nahmen wir nach einigen schönen, erlebnisreichen Stunden Abschied von Billed, dann von Temeswar und dem Banat und fuhren per Bus weiter nach Siebenbürgen. Während der Fahrt nach Hermannstadt (Sibiu) bestaunten wir die abwechslungsreiche, wunderschöne Landschaft, die auch mir persönlich nicht mehr so in Erinnerung war. Dort angekommen, wurden wir von unserem Reiseleiter Alex herzlichst empfangen und über die Programmpunkte der nächsten Tage informiert. Es ging zuerst nach Schloss Bran, dann weiter nach Kronstadt (Brasov), wo wir die Schwarze Kirche und verschiedene andere interessante Sehenswürdigkeite bestaunten. Am nächsten Tag ging es nach Schäßburg (Sighisoara) – wunderschön, geschichtlich informativ, urig und beeindruckend. Auch Birthelm ließ uns staunen: die Burg mit ihren drei Ringmauern, die alte Kirche, auch das Ehegefängnis (Streitschlichthäuschen) haben uns fasziniert. Abends gingen wir gespannt in ausgesuchte Lokale, die traditionelle Speisen, Getränke und Musik boten, was unseren Blick für Rumänien weitete.Am letzten Tag gefiel uns der überaus reichhaltige Markt von Hermannstadt mit seinen vielfältigen landwirtschaftlichen Produkten: alle Arten von Paprika, Kraut, Tomaten, Zwiebeln...im Überfluss, soweit das Auge reicht. Manche hat es zum Kaufen verleitet.Schnell verging die Zeit, die Eindrücke waren überwältigend. Viele versprachen: Wir kommen wieder!Hannelore und Roland Russ mit den Gästen in Billed


Reisebericht 133 Foto oben: in der Bildmitte Roland Russ, Bürgermeister Ovidiu Oprișa und Werner Gilde bei der Übernahme des Feuerwehrautos in Odenheim/Östringen Foto unten: Gruppenbild in Odenheim vor dem Feuerwehrauto für Billed


134 RückblickFeuerwehrkommandant Peter Divo, dritter von links, mit einer Spritzenmannschaft 1934Bei der Generalversammlung am 28. Oktober 1928 wurde Peter Divo zum Kommandanten gewählt, er wird dieses Amt 23 Jahre lang, bis Juni 1951, als er in die Bărăgansteppe deportiert wurde, ausüben. Am 2. September 1934 wird er vom Komitatsbrandinspektor verdiensthalber zum Bezirksbrandinspektor der freiwilligenFeuerwehren befördert. Damit wurde gleichzeitig das Bezirksbrandinspektorat Billed gegründet, zu dem noch die Gemeinden Bogarosch, Lowrin‚ Alexanderhausen, Uihel und Warjasch gehörten.


Rückblick 135 Die von Peter Divo herausgegebene FeuerwehrzeitungAls Kommandant der Billeder Feuerwehr wie auch als Bezirksinspektor kümmerte er sich um die fachliche Ausbildung der Feuerwehrleute und die effiziente Brandbekämpfung. Um auch theoretische Kenntnisse zu vermitteln, gründete und redigierte Peter Divo in den Jahren 1935-1937 ein Fachblatt für Feuerwehrwesen, die Monatsschrift „Feuerwehrzeitung“, das erste und einzige deutsche Fachblatt für Feuerwehrwesen in Rumänien.


136 RückblickKatharina Schiller und Werner Gilde haben sich Gedanken darüber gemacht, wo es in Billed geschlossene Tore oder trockene Einfahrten gab, wie sie genannt wurden. Werner hat sie, nach Hausnummern geordnet, in einer Tabelle erfasst, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Johann Steiner erinnert sich, dass sein Großvater das Haus mit der trockenen Einfahrt nach dem Ersten Weltkrieg von einem Rechtsanwalt gekauft hat, der in die USA auswandern wollte. Es ist heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, warum diese trockenen Einfahrten gebaut wurden, die meisten waren schon in der Generation vor uns ziemlich alt; trotz Pflege aufgrund des „lebendigen“ Materials Holz, etwas morsch, mit Holzwurmfraß, die Scharniere etwas verrostet, die Beschläge aus Metall leicht abgenutzt. Auf manchen Toren waren schöne, meist geometrische Reliefs angebracht, andere waren einfach gehalten. Auch der Anstrich wurde in unterschiedlichen Farben aufgetragen, meist waren sie braun oder grün.Was die Bewohner des Hauses bewog, sich ein solches Tor anfertigen zu lassen, lässt sich heute nur erahnen. Vielleicht war es ein Statussymbol für wohlhabende Menschen, nicht nur für reiche Bauern, sondern auch für Kaufleute oder sonstige Bewohner. Praktisch veranlagt waren unsere Vorfahren aber auch, so bot eine trockene Einfahrt gleichzeitig Schutz vor Unwetter, dort konnte man vorübergehend ein Fuhrwerk unterbringen, sich zu einer Kartenpartie treffen, einen Namenstag feiern oder sie einTrockene Einfahrten in BilledVon Katharina Schiller und Werner Gilde, Text Hermine Schnurfach nur mit Blumengefäßen verschönern. Türen und Tore haben bekanntlich immer zwei Seiten: Die innere, die vermeidet, dass Blicke und Geräusche nach außen dringen können und die Außenseite erfüllt genau die umgekehrte Funktion und hält neugierige Blicke und Geräusche fern. Mehr Privatsphäre nennen wir das heutzutage.Wie dem auch sei, seit die Menschen sesshaft geworden sind und Häuser gebaut haben, hat sie das Thema Tore und Türen beschäftigt, in welcher Form auch immer. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die deutsche Sprache reich an Redewendungen ist, was dieses Thema betrifft, die sehr anschaulich gewisse Situationen aus dem täglichen Leben beschreiben. Dieser Vielfalt an Redewendungen wollen wir heute einmal Tür und Tor öffnen. Wenn das Wetter mal besonders schlecht war, wollte man sicher keinen Fuß vor die Tür setzen. Wenn man an einem verschlossenen Tor dringend Einlass begehrte, hatte man eventuell schnell einen Fuß in der Tür, auf die Gefahr hin, vor die Tür gesetzt zu werden. Dann durfte man nur noch die Tür von außen zumachen. Tore und Türen schützten nicht nur das Eigentum dahinter, sondern auch vor neugierigen Blicken. Es war aber der angeborenen menschlichen Neugier, manchmal der Schadenfreude zu verdanken, dass nicht immer nur vor der eigenen Tür gekehrt wurde. So wurde manchmal, auch bei heiklen oder traurigen Nachrichten, mit der Tür ins Haus gefallen. Und nicht zuletzt, über alle Generationen hinweg war das Tor auch der Weg in die Freiheit, um elter-


Rückblick 137 licher Bevormundung oder anderen „Zwängen“ zu entkommen.Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Tore in Billed, ob in Form von trockener Einfahrt oder als offene Holzoder Eisentore, so gut wie nie abgeschlossen wurden. Was für ein Zeichen von Verbundenheit und gegenseitigem Vertrauen, wo jeder noch jeden kannte. Lang, lang ist es her!Straße Hausnummer Familie1 Vierte Gasse (Vertgass) 162 Eichert - Jobba2 178 Roth Hans3 Kirchengasse (Kerchegass) 202 Divo-Weber4 220 Ballmann Johann5 240 Mumper Jakob6 291 Slavik Peter7 296 Braun Robert8 297 Gilde Jakob - Steiner9 299 Braun Schule10 Zweite Gasse (Zwetgass) 331 Jobba11 336 Russ Adam12 347 Bruan Michael13 349 Fost Franz14 352 Thöresz Nikolaus15 389 Rademacher Jakob16 409 Braun - Gilde17 413 Frick - Popescu18 414 Pilli - Thöres19 416 Schackmann - Heinz20 436 Rieder Jakob21 Bahngasse (Bahngass) 614B Klein Nikolaus22 419 Unger - Kino23 423 Lenhardt Jakob24 358 Die Huttung25 357 Deleanu Barbara26 406 Laffleur JosefTabelle der trockenen Einfahrten von Werner Gilde


138 Rückblick Abb. oben: 220 Ballmann Johann, Fotos Eduard Thöresz Abb. unten: 291 Slavik Peter


Rückblick 139 Abb. oben: 296 Braun Robert Abb. unten: 336 Russ Adam


140 Rückblick Abb. oben: 347 Braun Michael Abb. unten: 352 Thöresz Nikolaus


Rückblick 141 Abb. oben: 357 Deleanu Barbara Abb. unten: 358 Die Huttung


142 Rückblick Abb. oben: 389 Rademacher Jakob Abb. unten: 413 Frick - Popescu


Rückblick 143 • Nach einem sehr trockenen Sommer hat es nun sehr gut geregnet.• Die Maisernte war in diesem Jahr extrem xschlecht, da es zur rechten Zeit kaum geregnet hat. Die Weizenernte hingegen war sehr gut.• Dieses Jahr gab es 19 Storchenbrutpaare mit 2-3 Jungstörchen.NEUES UND (UN-)BEKANNTES AUS BILLEDNach Informationen von Brunhilde Klein und Adam Csonti; Stand Oktober 2025• Die Sterberate bei den Jungstörchen hat sich gegen 0 reduziert. Der Grund dafür sind die neuen isolierten Elektroleitungen, die im ganzen Dorf verlegt wurden.• Der Motor der Kirchenorgel wurde durch einen neuen ersetzt. Der bisherige Antrieb war nach langem, treuem Dienst nicht mehr einsatzfähig. 143


144 Leistung und WürdigungVollkommene Anerkennung nach 40 JahrenHans Rothgerbers fotografischer Exkurs in eine eingezäunte WeltVon Siegfried ThielBanater Zeitung / 4. Juni 2025Salopp gekleidet, tritt Hans Rothgerber diskret auf, begrüßt die Gäste, spricht mit den Ehrengästen und erklärt einige seiner Exponate. Es ist sein Tag und den haben ihm viele Menschen möglich gemacht und es wird eine späte und vollkommene Anerkennung. „Im Traum ein Loch im Zaun“ heißt seine Ausstellung experimenteller Fotografie, die noch bis einschließlich 13. Juni 2025 im Foyer der Zentralbibliothek an der TU Politehnica in Temeswar zu sehen ist. Einen wohl noch bedeutenderen Tag hatte er, der Billeder Schwabe, vor rund 41 Jahren, Gruppenbild mit Künstler, Veranstaltern und Ehrengästen. Von links: Prof. Dr. Daniel Dejica-Carțiș, Dekan der Fakultät für Kommunikationswissenschaften, Dr. Simona Bursașiu (Zentralbibliothek UPT & stellvertretende Vorsitzende der Rumänisch-Deutschen Kulturgesellschaft Temeswar), Prof. Dr. Sorin Mușuroi, Prorektor der Politehnica Universität Temeswar, Dr. Ana-Maria Dascălu-Romițan (Fakultät für Kommunikationswissenschaften, Vorsitzende der Rumänisch-Deutschen Kulturgesellschaft Temeswar), Dr. Johann Fernbach, Vorsitzender des DFDB, Regina Lochner, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Hans Rothgerber, Kuratorin Astrid Ziegler, Dr. Bogdan Mihai Dascălu, Schriftsteller & Mitglied des Rumänischen Schriftstellerverbands.


Leistung und Würdigung 145als er nämlich 1984 den Großen Preis auf der nationalen Fotobiennale „Fotoson“ für seine Diashow gewann. Als die Medien jedoch ihn und den Preis nicht erwähnten, wusste man, dass die surrealistischen Kompositionen zwar nicht direkt im kommunistischen System angeeckt hatten, „die versteckte Kritik wurde aber von den Betrachtern durchaus verstanden“, wie die Ausstellungskuratorin Astrid Ziegler bei der Eröffnung erwähnte.Die Zentralbibliothek der Polytechnischen Universität in Temeswar bietet nicht nur von der Location her den passenden Rahmen, sondern ist auch der Ort, an dem das Nicht-Vergessen besonders wichtig ist. Dieses Nicht-Vergessen ist gerade in Reihen der jungen Generation wichtig, bei Menschen, die den „Zaun“ von vor 1989 eher vom Hörensagen kennen. Wohl deshalb so willkommen ist die Anwesenheit von Studenten der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der TU Politehnica bei der Ausstellungseröffnung. Dass die Geschichte nicht vergessen werden darf, griff auch der Schriftsteller und unser BZ-Kollege Bogdan Mihai Dascalu auf. Er erwähnte in seiner Ausstellungspräsentation, dass der Künstler damals die Realität vor Augen hatte, doch in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt war. Und direkt auf die Fotos bezogen: „Im Laufe der Zeit ändert sich die Perspektive und die Auffassung, Fotos sind deshalb zeitlos“, resümierte er. Blick auf die beidseitig mit Bildern versehenen Stellwände, die ein Jenseits und Diesseits generieren, passend zum Konzept der Kuratorin Astrid Ziegler. Links im Bild der QR-Code zu weiteren Informationen über die Ausstellung.


146 Leistung und WürdigungDiesen Aspekt hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung Deutschlands Konsulin in Temeswar, Regina Lochner, so ähnlich bewertet: „Die veränderte Sicht auf Bekanntes ist das Spannendste an der wiederholten Betrachtung von Kunstwerken – sehen wir sie heute anders im Vergleich zu früher, zu einer Zeit vor einem Jahr, fünf Jahren oder länger?Die heutige Ausstellung lädt uns ein, Sehgewohnheiten und die Bereitschaft zur Gewinnung neuer Eindrücke zu überprüfen und uns vielleicht auch Neues von den Fotografien sagen zu lassen.“Dr. Ana-Maria Dascălu-Romițan, die Organisatorin der Ausstellung, hatte bei der Vernissage auch die Moderation übernommen, leitete fließend zu den verschiedenen Rednern über, legte Wert auf eine zweisprachige Ausführung und wenn nötig, dolmetschte sie sich selbst, und wie selbstverständlich auch die Redner. Sie erwähnte dabei die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Rumänen, zwischen privaten Initiativen und der Uni und nicht zuletzt den Schulterschluss mit dem kulturellen Umfeld. Zum 40-jährigen Jubiläum der Verleihung des großen Preises wurden die Bilder erstmals nach langer Zeit dem breiten Publikum auf der von Astrid Ziegler betriebenen Internetseite banat-tour.de zugänglich.Astrid Ziegler, eine weitere Banater Schwäbin mit Billeder Wurzeln, hat den seit 1988 in Deutschland lebenden Hans Rothgerber auch zu dieser Ausstellung ermutigt. Diesmal soll diese späte öffentliche Anerkennung auch über die Medien kommen. Printjournalisten noBei der Eröffnung der Ausstellung waren auch viele Billeder Landsleute von Hans Rothgerber anwesend


Leistung und Würdigung 147tierten und ließen die Fotoapparate klicken, Kameraleute schwenkten über die suggestiven Bilder und verharrten auf den Rednern. Diese Fotos an einem öffentlichen Ort der Politehnica zu zeigen, hat für den Fotokünstler und Grafikdesigner Hans Rothgerber auch einen sentimentalen Wert: In der zweiten Hälfte der 1970-er Jahre hatte er selbst an der Temeswarer TU studiert.Zu Wort kamen auch Spitzenvertreter der Technischen Universität in Temeswar, so der Vizerektor der TU, Dr. Sorin Muşuroi und der Dekan der Fakultät für Kommunikationswissenschaften, Dr. Daniel DejicaCarţiş. Für sie, die den Kommunismus noch erlebt hatten, weckten solche Bilder alte Erinnerungen. Vizerektor Sorin Muşuroi ließ den Wert dieser Fotoserie erkennen, die aus einer „analogen Welt stammen, aus einer Zeit, als der Künstler sozusagen dem Werk seinen Stempel aufzudrücken vermochte“, (...) „mit Botschaften, die aus dem Leid jener Zeit kommen, realistisch sind und uns erschüttern.” Dekan Dejica-Carţiş pflichtete ihm bei: Es sei ein historischer Moment, wobei man europäische Werte am besten verstehen könne, wenn man die Vergangenheit kennt. Und gerade diese Ausstellung widerspiegelt unsere Vergangenheit.”Hans Rothgerber lauschte bei der zweistündigen Veranstaltung den Worten der vielen Redner, gesprächig wurde er selbst erst dann, als es wieder darum ging, seine Fotos zu erklären und Erlebnisse zu beschreiben. Und zur vorgerückten Stunde lud er alle zu einem Imbiss und Umtrunk ein, den seine Billeder Landsleute im Parterre der Bibliothek betreuten.Anlässlich der Diaprojektion im Rahmen der Heimattage der Banater Deutschen führten Dr. Johann Fernbach, Dr. Ana-Maria Dascălu und die Kuratorin Astrid Ziegler am 13.06. im AMG-Haus in Temeswar in die Fotografie von Hans Rothgerber ein.


148 Leistung und WürdigungDie Urkunde für ehrenamtliches Engagement der Stadt Karlsruhe für Werner Gilde, Vorsitzender der HOG BilledWerner Gilde, links im Bild, bei der feierlichen UrkundenverleihungMehr als eine „Silberhochzeit“ – Werner Gilde erhält UrkundeEhrung für über 25 Jahre EhrenamtDie Redaktion, im Namen der Billeder LandsleuteKurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die erfreuliche Nachricht, dass Werner Gilde, allen Billedern aus nah und fern allseits bekannt, am 5. Dezember 2025 vom Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Dr. Frank Mentrup, eine Urkunde für ehrenamtliches Engagement überreicht bekam. Es wurde ihm für sein „herausragendes ehrenamtliches Engagement als Vorsitzender des Kreisverbandes der Banater Schwaben Karlsruhe e.V.“ gedankt.Diesem Glückwunsch wollen wir uns uneingeschränkt anschließen. Mehr als ein Vierteljahrhundert ehrenamtliche Tätigkeit sind keine Selbstverständlichkeit, vor allem nicht in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit, geprägt von Individualismus und Ich-Bezogenheit.


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