Steckbrief Waschbär
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Kleinbären (Procyonidae)
Waschbären (Procyon)
Gattung Infoblatt Waschbär
Art Waschbär (Procyon lotor)
2010
Gewicht 5 bis 10 kg, im Herbst auch höher, Maximalgewicht (Kanada) 22 kg
Kopf-Rumpf-Länge 70 bis 85 cm, Schwanzlänge 20 bis 25 cm
Schulterhöhe Etwa 25 cm
Merkmale Meist graubraun, manchmal auch schwarz oder braunrot, langhaarig,
Haarwechsel beginnt im Frühling, dauert circa 3 Monate. Markant
sind die kontrastreiche Gesichtsmaske sowie der grauschwarz gerin-
gelte, buschige Schwanz. Relativ kurze, schlanke Beine, hochbeini-
ger als Marderhund. Auffällig sind beim Gehen die bucklige Haltung
und der Passgang. Sprintet nicht, flieht in die Höhe.
Lebensweise Weibchen zieht Junge alleine auf. Ab 2 Monaten beginnen die Jun-
gen der Mutter zu folgen. Männchen verlassen Familie und Territori-
um mit 1 bis 1.5 Jahren. Männchen können vorübergehend gemein-
sam ein Gruppenterritorium verteidigen. Weibchen bleiben oft ein
Leben lang in der Nähe des Geburtsortes.
Habitat Gewässernahe, feuchte und unterholzreiche Laub- und Mischwälder,
mit höhlenreichem Altholzanteil. Habitate mit vertikalen Fluchtmög-
lichkeiten werden bevorzugt. Ausgedehnte, höhlenarme Nadelholz-
wälder und reine Buchenwälder werden gemieden. Die glatte Rinde
der Buche ist zu wenig kletterfreundlich. Die Streifgebiete schwanken
zwischen wenigen Hektaren am Siedlungsrand und mehreren tau-
send Hektaren auf dem Land.
Ernährung Generalist, Gebiss kann Nüsse knacken und Fleisch zerschneiden.
Geduldiger Sammler. Nahrung abhängig vom Angebot: Besonders
Früchte, aber auch Würmer, Krebse, Amphibien, Fische, Insekten,
Eier usw. Nahrung wird mit den tastenden Vorderpfoten geholt, wäh-
rend Augen, Nasen und Ohren die Umgebung überwachen. Besucht
gerne Komposthaufen.
Geschlechtsreife Weibchen mit 10 Monaten, Männchen mit 15 Monaten
Ranzzeit / Tragzeit Februar, zweite Ranz bei frühem Jungenverlust: Mai / 63 bis 65 Tage
Wurfzeit / Wurfort April, bei zweiter Ranz: Juli / Baumhöhlen und ähnliches
Wurfgrösse / Anzahl Würfe 2 bis 4 Junge / 1 Wurf, bei Nachranz 2 Würfe pro Jahr
Entwicklung Säugezeit 2 bis 3 Monate
Sinne Riecht vor allem sehr gut. Hör- und Sehfähigkeit vermutlich nur durch-
schnittlich. Tastsinn der Vorderpfoten hoch entwickelt.
Verständigung Lautäusserungen: Viele knurrende und purrende Laute, kein Bel-
len
Duftmarkierungen: Losung, Harn, Drüsensekrete, an markanten
Stellen auch Latrinen
Lebensdauer In freier Wildbahn 13 bis16 Jahre, in Gefangenschaft 22 Jahre
Aktivität Dämmerungs- und nachtaktiv
Krankheiten Waschbären können an Tollwut, Staupe und Räude erkranken und
Träger des Waschbär-Spulwurms sein, jedoch nicht des Fuchsband-
wurms.
Feinde Uhu und andere grosse Greifvögel, Luchs, Wolf
Woher kommt der Waschbär? Einfluss der Bejagung
Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Europa gelangte er in die
freie Wildbahn als Ausbrecher aus deutschen Pelztierfarmen sowie durch Ausset- Bei genügend Lebensraum-Ressourcen beteiligen sich auch einjährige Weibchen
zen zur «Bereicherung der Fauna» und als zurückgelassenes Maskottchen amerikani- an der Fortpflanzung.
scher Soldaten im Zweiten Weltkrieg (Ausbreitungszentren liegen in Deutschland).
Wie sieht die Spur eines Waschbären aus?
Schadet der Waschbär der Biodiversität?
Allgemein wird davon ausgegangen, dass es durch die Zunahme des Waschbären- Der Waschbär gilt als Halbsohlengänger. Meist ist nur der vordere Teil seines Fus-
bestands, wie beim Mardhund, nicht zur Gefährdung einzelner Tierarten kommt. ses abgedrückt. Typisch für seine Trittsiegel sind die fingerähnlichen Zehenabdrücke.
Kann man das Fell des Waschbären verwerten? Wo gibt es die höchste Waschbärdichte in Deutschland?
Ja. Er wurde ursprünglich als Pelzlieferant eingeführt. Sein Fell wurde geschätzt!
Der Waschbär hat gelernt, von den Abfällen im Siedlungsraum zu profitieren sowie
Machen Waschbären einen Winterschlaf? von leeren Dachstöcken, Scheunen und von der Wärme und Weichheit unserer
Waschbären machen eine Winterruhe. Deshalb fressen sie sich im Herbst auch Isolationsmaterialien. Grösste Individuendichte zur Zeit wahrscheinlich in Kassel.
eine dicke Fettschicht an.
Richten Waschbären Schäden an?
Wo kann man lebende Waschbären sehen?
Zoo Hasel, Rüfenach (www.zoo-hasel.ch); Tiergarten Dählhölzli, Bern Waschbären können, wenn sie in Familienverbänden auftreten, Frassschäden an Obst-
bäumen und am Mais verursachen. Im Siedlungsraum sind sie nicht gerne gesehene
Bejagung Gäste, da sie Gebäude beschädigen können sowie mit Kot und Urin unerwünschte
Bejagen ist schwierig. Bewährteste Methode: Fang mit Kastenfalle. Klappen müs- Spuren hinterlassen.
sen gut gesichert sein, da der Waschbär mit den Pfoten sehr geschickt ist! Beköde-
rung nicht unbedingt erforderlich. Verbreitet in Amerika: Jagd mit Hunden (Verbel- (Text: I. Scholl, W. Brinkmann; Layout: W. Brinkmann)
len, Anleuchten, Erlegen) oder ohne Hunde, nur mit Licht.
Weitere Informationen zum Waschbären
BARTUSSEK, I. (2004): Die Waschbären kommen. Ratgeber bei Problemen mit Waschbären. Cognitio-Verlag;
Niedenstein.
HOHMANN, U. (2000): Raumnutzung und Sozialsystem des Waschbären in Mitteldeutschland. Wildbiologie
2/2000.
MICHLER, F.-U. (2004): Waschbären im Stadtgebiet. Wildbiologie 2/2004.
STUBBE, H. (Hrsg.) (1988): Buch der Hege, Band 1 Haarwild. Verlag Harri Deutsch; Thun und Frankfurt/Main.
INTERNET: www.projekt-waschbaer.de, www.gwn.de
Trittsiegel eines sitzenden Morphologie Der Waschbär in der Schweiz
Waschbären der Pfote
• Seit 1976 in Schweizer
Wäldern und Siedlungsräumen
nachgewiesen
• Er ist im Schweizer Mittel-
land weit verbreitet
• Seine Anzahl nimmt nur
langsam zu
Typische Gesichtsmaske Kulturfolger