Gefäßchirurgie
Wundmanagement
Dr. med., MHBA
A. Schneider
Chronische Wunde
• Nach 6 – 8 nicht geheilt
• Heilung hängt von Grunderkrankung ab
• Ulcus cruris
• Diabetischer Fuß
• Dekubitus
Jedes Ulcus, das unter optimaler phlebologischer
Therapie innerhalb von drei Monaten keine
Heilungstendenz zeigt bzw. nicht innerhalb von 12
Monaten abgeheilt ist
therapieresistent
Ulcus cruris
• Ca. 1 Mio Menschen mit Ulcus cruris
• Prävalenz bis 15% der Bevölkerung
• Frauen bis 3x häufiger als Männer
• 10 – 20 % Ulcus cruris mixtum
• bis zu 50 % chronisch (länger als 12 Monate keine Heilung)
• ¾ erleiden ein Rezidiv
Der medizinische Begriff Ulcus cruris (lat. Ulcus
„Geschwür“ und crus „Schenkel, Unterschenkel“; auch
Ulkus cruris) bezeichnet ein Geschwür am
Unterschenkel:
eine offene, meistens nässende Wunde, welche über
lange Zeit nicht abheilt. Umgangssprachlich wird es
auch als „offenes Bein“ bezeichnet. Betroffen sind
meistens ältere Menschen, denen verschiedene
Grunderkrankungen zu schaffen machen.
Häufigkeitsverteilung von
Ulcera crura
ARTERIELL
VENÖS Andere
DIABETES
ADIPOSITAS
Differentialdiagnose Ulcus cruris
• Ulcus cruris venosum
• Ulcus cruris arteriosum
• Ulcus diabeticum
• Neoplasien
• Vaskulitis
• Thrombangitis obliterans
• Pyoderma gangränosum
• Allergien
Ulcus venosum
• Schwerstes Stadium der chronisch venösen Insuffizienz
(Stadium III)
• Blut nicht ausreichend aus dem Bein transportiert –
Stauung – Druckerhöhung – Schädigung der Haut
• Resultat: chronische Wunde
Klassifikation CVI
I°
a) Corona phlebectatica paraplantaris,
Stauungsekzeme
b) wie a) mit klinisch nachweisbarem Ödem
II°
Dermatoliposklerose mit/ohne Atrophie blanche +
Ödem (unterschiedlicher Ausprägung)
III°
a) abgeheiltes Ulcus cruris (Ulkusnarbe)
b) florides Ulcus cruris
Klassifikation n. Widmer, modifiziert n. Marshall
Ulcus arteriosum
• Ursache ist arterielle Durchblutungsstörung
• Gewebeminderperfusion – Minderversorgung mit
Sauerstoff – Gewebsuntergang
• Resultat: chronische Wunde
Arterielle CVI
Verschlußkrankheit Venöse Stauung
Arterielle
Durchblutungsstörung
Verlangsamung des kapillaren Blutflusses
Erhöhte Granulozytenaktivierung,
Erythrozytenaggregation Mediatorfreisetzung,
Gefäßwandschädigung
Steigerung der Permeabilität
Steigerung der Plasmavikosität Gewebeödem
Mikrozirkulationsstörung
Chronisch gestörte Wundheilung
Das diabetische Fußsyndrom
• ca. 6 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland
• 15% entwickeln ein DFS
• ca. 1 Millionen entwickeln im Leben eine schmerzlose,
schlecht heilende Wunden an den Füßen*
• derzeit 250.000 Diabetiker mit Fußwunde**, pro Jahr ca.
4% mit neuer Wunde*
• bei 0,1 % kommt es zu einem Charcot-Fuß*
* D. Hochlenert, G. Engels, S. Morbach: Das diabetische Fußsyndrom – Über die Entität zur Therapie.Springer Verlag, Berlin Heidelberg
2014, S. 7
** Holger Lawall: Diabetisches Fuß-Syndrom über Polyneuropathie, Durchblutungsstörungen und Zweitmeinungen, in Deutscher
Gesundheitsbericht Diabetes 2017 Die Bestandsaufnahme, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Diabetes DE – Deutsche Diabetes-
Hilfe, Kirchheim, Mainz 2017
Das diabetische Fußsyndrom
• Risikobewustsein unzureichend in den Köpfen der
Patienten verankert
• Nicht alle Ärzte halten sich an die Empfehlungen
GEHWOL, Diabetes- Report 2018
Dekubitus
• Druckgeschwür (Wundliegen)
• Druck auf die Haut (evtl. Scherkräfte)
• Verschiebung der Hautschichten (Transfer)
• Lokal begrenzt
• Bettlägerigkeit
• Entsteht an den Auflageflächen
• Durchblutungsstörung der Haut
• Sacral 40%
• Ferse 18%
Entstehung
• Druck
• Dauer
• Risikofaktoren
• Immobilität
• Primärer Hautzustand
• Rückenlage
• Ferse, Ellenbogen, Steißbereich, Hinterkopf und Kreuzbein, Wirbelsäule
• Seitenlage
• Ohrmuscheln, Trochanter Major, Schultergelenk/Blatt, Knöchel
Risikoeinschätzung
• Norton Skala zu Einschätzung des Dekubitusrisiko
https://mediset.de/dekubitus/
Grad I
• Dauerhafte, lokal begrenzte Hautrötung
• Kein „Wegdrücken“ mgl.
• Ursache Minderperfusion des Hautareals
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Grad II
• Tiefere Schichten betroffen (Lederhaut)
• Blasenbildungen, Hautabschürfungen
• Rot- rosafarbener Wundgrund
• Erhöhte Infetionsgefahr
• Ablösung der Oberhaut mgl.
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Grad III
• Tiefes, offenes Druckgeschwür
• Alle Hautschichten betroffen
• Kann bis auf Muskeln oder Sehnen reichen
• Hohes Infektionsrisiko
• Schmerzen!
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Grad IV
• Nekrosenbildung
• Nekrosen von darunter liegendem Knochen oder
Muskelgewebe
• Infektion
• Sepsisgefahr
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Lokale Wundtherapie
• Shaving
• Nekrosektomie
• VAC Therapie
• Hydrokolloidverbände
• antiseptische Wundverbände
• Sekundäre Deckung der Wunde
• Meshgraft
• Plastische Deckung
Therapie des Ulcus cruris
mixtum
Chirurgisches Wunddebridement Verbandstherpie Behandlung der
Nekrosektomie VAC Therapie Begleiterkrankungen
Hydrokolloidverbände
1Dermabrasion Diabetes mellitus
Lokal bakterizide Therapie Herzinsuffizienz
Sekundäre Deckung der Wunde
Spalthauttransplatation 2Silberhaltige Auflagen 3Niereninsuffizienz
Vollhauttransplantation
Desifizierende Wundspülungen Mangelernährung
(Eiweißzufuhr,
Chemische Debridement Versorgung mit Vitaminen u.
Iruxol Spurenelementen)
Lucilla sericata evtl. systemische
Anitbiotikatherapie
Beseitigung der venösen Abflussstörung
- Endoskopische Ligatur von Perforansvenen
- Fasciotomie/ Fasciektomie
- Kompressionstherapie
Beseitigung der arteriellen Durchblutungsstörung
- Interventionelle Therapie
- Crurale Bypasschirurgie
- Infusionstherapie (Prostavasin)
VAC-Therapie
• definiertes, kontrolliertes Vakuum
• bis 125 mmHg
• aktive Wundreinigung durch Sog
• Ödemreduktion, Förderung der Durchblutung
• beschleunigte Bildung von Granulationsgewebe
• Beseitigung der venösen Abflussstörung und
Rezirkulation
Technik der VAC-Therapie
Technik der VAC-Therapie
Wundddeckung durch Meshgraft
Fasziektomie und Meshgraft
Wundbehandlungsstandard im Klinikum
Karlsruhe
Karl T, Storck, M. Gefaesschirurg 2007;12:121-129
Vielen Dank für
die
Aufmerksamkeit!
© B. Loewenhardt