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Portfolio_Susanne_Maerki_Landliebe_Master_20210501

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Published by Susanne Märki, 2021-05-01 15:17:32

Portfolio_Susane_Maerki_Landliebe_Master

Portfolio_Susanne_Maerki_Landliebe_Master_20210501

Keywords: Nature,Photography,Switzerland

#2 / Mai, Juni 2019 / CHF 8.–

atu

FAUNA UND FLORA
IM MOOR

ander

UNTERWEGS IM
SOLOTHURNERLAND

oc e

FEINES AUS SPARGELN
UND MORCHELN

Bezaubernde Blüten

Inhalt Mai / Juni

Seite 110
Kochen im Rhythmus der Natur

10 LandLiebe zu Besuch 72 Tee vom Berg der Wahrheit

Wir schlagen unser Zelt auf dem Ballenberg im Auf dem Monte Verità TI gedeiht Grüntee – in
Berner Oberland auf – besuchen Sie uns! einem Garten nach japanischem Vorbild. Und
im Schaubild erfahren Sie alles zum Thema Tee
14 Neue Kurse und Reisen
90 Auf dem richtigen Weg
Gärtnern, Scherenschnitte machen, die Natur
erkunden – schauen Sie sich unser Programm an Nils Müller vom Hof «Zur Chalte Hose» oberhalb
von Küsnacht ZH erlegt seine Tiere selber. Dort,
30 Aus dem Vollen schöpfen wo sie einst lebten – auf der Weide. Mit Rezepten

Spass und Spiel im Papiermuseum in Basel 110 Chrüteroskis Vermächtnis

32 Edle Pracht Pionier der Naturküche: In seinem neuen Buch
verrät Oskar Marti viele Tipps und Rezepte
In Catherine Leuteneggers Garten bei Gerzen-
see BE lassen wir uns von Päonien betören 132 Fest der Farben und Formen

48 Heiligtum der Rösseler In ihrem Atelier in der Zuger Altstadt fertigt
Sile Beck kunstvolle Mosaike aus Glassteinen
Freiberger bilden die einzige noch existierende
Pferderasse mit Schweizer Ursprung. Das Na- 140 Die Siebdrucker
tionalgestüt in Avenches VD setzt sich für den
Erhalt sowie praxisorientierte Forschung ein Präzision mit viel Handarbeit – in Arbon TG
entstehen bedruckte Textilien vom Feinsten
62 Lebendige Architektur
152 Ein Ort zum Leben
Fotograf Michel Brunner hat mit seiner Kamera
die schönsten Alleen der Schweiz porträtiert Besuch auf einem Anwesen in Ueberstorf FR

4

Seite 62
Faszinierende
Einblicke in Alleen

Seite 214 Seite 48
Blumengruss ür gute Stimmung Frühlingsfreude
auf der Weide

166 Im Land der «Chirsi-Bluescht» Kolumnen und Rubriken Fotos Winfried Heinze, Veronika Studer, Michel Brunner, Katja und Carlos Stuppia
6 Impressum
In dieser Jahreszeit sind Wanderungen durch 8 Leserbriefe
Basel-Landschaft ein sinnlich-blumiges Erlebnis 22 Vera backt
43 Gartenzeit
190 Für Mami nur das Beste! 44 Fragen Sie Peter Lippus
46 Sabines Garten
Wir nähen Schürzen, stricken einen Kinder- 60 Landgeschichten
pullover und häkeln Körbchen, die die Küche 124 Kostprobe
verschönern – alles für den Muttertagsbrunch 131 Oskis Natur-Apotheke
146 Bed & Breakfast
206 Er grünt so grün 148 Mein Traumplatz
161 Die Landdichter
Patrick Legenstein zeigt uns, wo und wie wir 162 Schöner wohnen
Grüntee beim Kochen einsetzen können 165 Der Berghütten-Check
179 Ab ins Wochenende
214 Buntes in alten Schönheiten 185 Deko-Idee
187 Paula bastelt
Antike Keramik eignet sich gut, um Blumen 204 Die LandLiebe liest
hübsch zu arrangieren. Mit Anleitung 205 Genys Keller
213 10 Fragen zu Wein
218 Glücksge ühle aus dem Beet 224 Jetzt im Regal
229 Land-Termine
Sie möchten im Garten ein Gemüsebeet an- 242 Tagwerk
legen? Peter Lippus zeigt Ihnen, wie das geht
und worauf Sie achten müssen. Mit vielen Tipps

226 Junger Schwede

Eine Fahrt über Land mit dem Volvo XC40

5

Falten haben nur die
Ärmel: An besonde-
ren Festtagen tragen
die jungen, unverhei-
rateten Frauen noch
immer die Kränzli-
tracht. Ihr reicher
Schmuck hat früher
so manche Familie in
den Ruin gestürzt.

Im Sensebezirk

Wier Seisler

Ganz Freiburg spricht Französisch. Ganz Freiburg? Nein!
Im Osten des Kantons, im Sensebezirk, reden die Bewohner in

allen Gemeinden Deutsch – Seislertütsch. Und haben auch
sonst ihren eigenen Kopf. Auf dem bisweilen ein Kränzli sitzt.

Text Karin Oehmigen Fotos Tomas Wüthrich Cartoons René Fehr

48

49

Das Kränzli hat der
Sensler Tracht ihren
Namen gegeben.
Die prächtige Haube
trägt aber nur, wer
noch nicht unter der
Haube ist.

Trǜtschle: Eine gute
halbe Stunde braucht

Esther Schwaller
(rechts), Kennerin und

Hüterin der Kränzli-
trachten, bis sie

die junge Trägerin
eingekleidet hat.

Die Seisler, wie sich die Sensler nen- Senslerin:
nen, sind ein eigenwilliges kleines «I gaa flingg mys Bebe
Volk. Seit einhunderteinundsiebzig
Jahren gehört ihr Bezirk zum Kan- ga tuusche.»
ton Freiburg, in dem das grosse Wie tauschen? Meinst du denn, du
Mehr Französisch spricht. Sie aber
reden Deutsch, «Seislertütsch», und bekämest ein hübscheres Baby
zwar in allen siebzehn zum Sense- dafür? Tuusche sagen zwar alle
land gehörenden Gemeinden. Dabei
sind viele des Französischen mäch- Deutschschweizer, aber wie
tig, parlieren sogar «très bien». die Französischsprachigen können
Wenn sie wollen oder müssen. die Sensler auch Kleider tauschen
Genau da aber liegt der Hase im
Pfeffer. Wollen wollen die Sensler (changer) oder – wie in diesem
schon, aber müssen wollen sie nicht. Fall – die Windeln wechseln.
Nicht mehr. Viel zu oft in ihrer
Geschichte haben andere über sie
und ihre Region bestimmt. Und
über ihren Kopf hinweg entschie-
den. Als anno 1848 die damals
herrschende «liberal-radikale Regie-
rung» den Kanton Freiburg in sie-
ben Bezirke einteilte und einen

52

Ein altes Kränzli kann bis
zu zwei Kilogramm wiegen

53

Im Land der Düfte

Provence? Non,
BernerProvinz!

Neun Bauern und eine Biologin produzieren
im Oberaargau ätherische Öle aus Blumen und Kräutern.
Sie destillieren die Aromen direkt auf dem Hof und veredeln
damit eine P egelinie, die in der ganze Welt daheim ist.

Text Christine Zwygart Fotos Annette Fischer

48

In der Umgebung von
Kleindietwil BE liegt

eines der Lavendelfelder.
Wer mag, kann hier gar
inmitten der P anzen
übernachten.

49

Das Imkern mit einem Bienen-
korb aus Stroh hat eine lange
Tradition. Aus dem oben plat-
zierten Aufsatz kann der Honig-
Überschuss geerntet werden.

Altes Handwerk

Der Bienen-
korbmacher

Ein Flechtwerk für die Biene! Bereits die Germanen kennen
diese Art der Behausung. Eugen Bühlmann aus Männedorf ZH

weiss um die Praktik, Handhabung – und die Finessen.

Text Bettina Bono Fotos Nadja Athanasiou

106

Vor dem Imkerei-
museum in Grüningen

ZH echtet Garten-
bauer Eugen Bühlmann

den Bienenkorb mit
der klassischen

Spiralwulsttechnik.

107

Aller Anfang ist
schwer – auch beim
Flechten eines Bie-
nenkorbs. Doch
bereits nach den
ersten Wulstreihen
löst sich das
«Chnorz» und der
eigene Rhythmus
ist gefunden.

satz. Erst das Aufkommen von Rohr- möglichst lang sein und keine Sei- Ahle zu Hilfe. Ist diese durchs Stroh
zucker wertet das üssige Gold als tentriebe haben. Als Erstes werden gestossen, kann in ihrer Vertiefung
Zahlungsmittel ab und leitet den die Spitzen und allenfalls die Dor- die Rute durchgeschoben werden.
Untergang des Zeidlerwesens ein. nen entfernt. Dann spaltet ein höl- Mit welcher Rundung das Stroh-
Auch die Bienenkörbe geraten mehr zerner Ziegenfuss das Rutenende in wulstgebilde in seine Glockenform
und mehr in Vergessenheit. Erinne- drei Teile. Sind die unteren Enden wächst, entscheidet der Einstich-
rung nden sie heute meist noch leicht angespitzt, kann die Flechte- winkel der Ahle. Ist eine Korbhöhe
durch Symbole auf Verpackungen rei beginnen. von vierzig Zentimetern erreicht,
oder durch Pu der Bär. Da sich oben an Eugen Bühlmanns darf ans Aufhören gedacht werden.
Bienenkörben ein Deckel be ndet, Für einen geraden Stand müssen
EINE RUNDE SACHE die Wülste sanft auslaufen.
Eugen Bühlmann erlernt das Flech- echtet er zu Beginn nicht etwa wie Da sich das Flugloch bei Eugen
ten von Bienenkörben in Nord- beim klassischen Modell eine Spi- Bühlmanns Bienenkörben nicht im
deutschland und in Holland. Erst ist rale aus Stroh, sondern näht den Korb selber be ndet, stellt er ihn
es ein Hobby, eine Wochenend- Strohwulst mit den Weiden- oder auf ein Flugbrett. In diesem Holz
Beschäftigung. Mittlerweile unter- Brombeerruten direkt an den Holz- be ndet sich eine acht Millimeter
richtet er selber und lehrt Laien das ring, in dem später der Deckel sitzt. tiefe Flugschneise. Mehr Platz brau-
Flechten der Spiralwulsttechnik. Ist der Bienenkorb erst in Betrieb, chen die Bienen nicht – und Feinde
Vorkenntnis braucht es keine – aber kann auf dieser Öffnung ein zusätz- wie Hornissen und Mäuse passen
Geduld. Bis man seinen eigenen licher Honigraum platziert werden. schlecht hindurch.
Rhythmus gefunden hat, dauert es Die Kunst besteht in der Gleich-
eine Weile. Auch geht das Flechten mässigkeit. Der Strohwulst soll eine BIENEN NEHMEN ALLES
in die Finger und wegen der ver- gute Dichte haben, damit die nötige Damit sich ein Bienenvolk im Korb
krampften Haltung in den Nacken. Isolation erreicht wird. Das ge- wohlfühlt, sollte er ein Fassungs-
Für das Flechten der Bienenkörbe währleistet ein Ring aus Kuhhorn. vermögen von etwa vierzig Litern
verwendet Eugen Bühlmann Er wird über das Stroh gezogen und haben und an einem windgeschütz-
Roggenstroh. Dessen Halm ist hilft, dieses während dem Flechten ten, trockenen Ort platziert werden.
geschmeidig, robust und lang. Als und Nachlegen zusammenzuhalten. Ob seine Form eher breit oder
Bindematerial dienen Weidenruten Um die Wülste mit den Weidenruten schmal, gerade oder schief ist – das
oder Brombeerranken. Beide sollten aneinandernähen zu können, nimmt spielt keine Rolle. Um es in Eugen
Eugen Bühlmann als Vorstecher eine

110 Netzwerk www.imkereimuseum.ch l www.ballenbergkurse.ch

Ist ein Bienenkorb im
Trockenen aufgestellt,
kann er über 300 Jahre
alt werden. Zur Hoch-
saison beherbergt er
bis zu 40 000 Bienen.

Willst du ottes Wunder sehen,
musst du zu den Bienen gehen

111

Kraftakt am
Morgen auf
dem Genfersee:
Manu Torrent
hievt einen Käfig
mit Egli an Bord
seiner Barke.

66

F ischer-Küche

Manu bittet
zu Fisch

Manu Torrent aus Morges VD fängt Fisch aus
Leidenschaft und bereitet ihn auch mit Lust und Liebe zu.

Unkomplizierte Rezepte, die Freude machen.

Text Ingrid Schindler Fotos Winfried Heinze

67

Seit vier Uhr
morgens auf
den Beinen:
Berufsfischer
Manu Torrent.

In Reih und Glied: Parade-Egli:
geräucherte Felchen ein besonders
aus dem Genfersee. schönes, grosses
Exemplar.
Déjeuner à la
plage: Alton
trägt den Tisch
zum Strand.

68

Amour fou:
Saibling und
Flusskrebs,
im Sud vereint.

Versteckt hinter
Bäumen: Manus

Fischerhütte
in Tolochenaz.

« ’es s Die Rache
pƣss » des Reihers:

Zu viel Chasselas? Albert (r.)
Rettungsring verteidigt
für Landratten in sein Reich.
Seenot.

69

Marinierte Felchen warten auf den Rauch. Feuer Apéro am Strand: Fischquiche mit Chasselas für
ist ihr zweites Element. die Freunde.

«Dé eune a d a »

in den Netzen hängt, macht sich der 43-Jährige die meistgefangenen Fische des Genfersees. Man
in der Hütte zu schaffen. Er schuppt und letiert, fängt sie mit Netzen und «nasses», übermanns-
kocht Fischköpfe und Karkassen aus, rüstet grossen, sperrigen Kä gen. Sechs solche Kä ge,
Kartoffeln und Gemüse. An Fisch fehlt es nicht, leer je 25 bis 30 Kilogramm schwer, hat Manu in
am Tag zuvor war der Fang üppig. Genug, um den See gesetzt. Immer in die Strömung, mit der
topfweise Fischsuppe anzusetzen, Egli zu braten, Öffnung Richtung Vevey und der Trichternase
Felchen zu räuchern und rohen Fisch in Tartar zu in Richtung Genf, damit die vorüberziehenden
verwandeln. Tartar geht nur mit Vegetariern unter Barsche durch die breite Öffnung, die sich zu einem
den Fischen, erklärt Manu. Räuber wie Saibling, schmalen Schlitz verengt, in den Kä g schwimmen.
Forelle oder Hecht könne man wegen Parasiten Da die Fische der Strömung folgen, nden sie nicht
nicht verwenden. Ausser man friert sie vorher ein. mehr heraus. Manchmal verfangen sich auch
Apropos Hecht: Der Grätenreiche ist sein Lieblings- kleine Hechte oder Lotten darin. «Ein- bis zweimal
in der Woche holen wir die Kä ge aus dem Wasser.
sch. «Kaum ein Fisch wird so verkannt. Er ist Wenn sie 10 Kilo Egli enthalten, bin ich schon
viel zu schade für pürierte Hechtklösschen. Sein froh. Gestern waren es 17!», freut sich Manu.
feiner, nussiger Geschmack und sein festes Fleisch
kommen viel besser in Butter gebraten zur Geltung «HÄNDE WEG … ODER DU BIST TOT!»
oder in einem Fischcurry», ndet der kochende Felchen sind die Nummer zwei im Genfersee,
Fischer. Auch zu Hause bei Frau Marianne und gefolgt von Rotauge, Hecht, Seesaibling und
Töchterchen Mathilde steht er am Herd. Seeforelle, gemäss Fangstatistik der Berufs scher.
Hecht macht sich im Sommer rar, im Juli, August, «So viele Felchen wie in diesem Jahr habe ich noch
September haben Egli, Felche und Forelle Hoch- nie im See gesehen.» Manu tippt auf die Klima-
saison. Die Schonzeit des Egli ist seit dem 25. Mai erwärmung: Das Wasser wird wärmer, dadurch
zu Ende. Die kleinen Barsche sind mit Abstand

72

Überraschende
Kombination und
erst noch einfach,
schnell und fein:

Forellenpasta.

73

110

Auf P anzenpirsch
oberhalb des Vier-
waldstättersees bei
Meggen LU. Oskar
Marti sucht Kräuter

in der Wiese.

Naturküche

Chrüteroskis
Vermächtnis

Sattgrüne Wiesen, duftende Blumen und Kräuter: Im Frühling
erwacht die Natur – und mit ihr all die guten Sachen, die

Spitzenkoch Oskar Marti in seinen Rezepten nutzt. Im neuen
LandLiebe-Buch nimmt uns Chrüteroski mit zum Sammeln und
Entdecken. Und zeigt uns seine schönsten Menü-Kreationen.

Text Christine Zwygart Rezepte Oskar Marti Fotos Winfried Heinze Styling Vera Guala

111

Wenn Jacob und
Marguerite Geiser mit
ihren Eseln 25-spännig
durch die Freiberge
fahren, sind die Kühe
am Wegrand fasziniert,
ja bass erstaunt.

56

«Esel kann man nicht
dressieren, nur überzeugen»

57

Das dunkel gebeizte
Täfer im Wohnzimmer
trägt einfache, wulstige
Pro le. An der Wand
neben dem Fenster hängt
eine Fotogra e der
Grossmutter Marie-Rose
von Sprecher.

98

Zu Besuch

Noble Note

Seit zehn Jahren führt Jan Luzi in Jenins GR das Weingut
seiner Vorfahren, der Familie Sprecher von Bernegg.
Auch bei der Sanierung des altehrwürdigen
Herrschaftshauses brachte er frische Ideen ein.

Text Christine Marie Halter-Oppelt Fotos Agi Simoes

99

Urtümlich, wild,
beglückend schön –
aber irgendwie auch
unwirklich: Am Fuss
des Cambrena-Glet-
schers oberhalb des
Lago Bianco und des
Lago Nero zieht im
Sommer eine Stuten-
herde frei herum.

100

Naturnahe Aufzucht

Freiheit
im Herzen

Während der Sommermonate leben im Berninagebiet gut
dreissig Berberpferde freiheitlich im naturnahen Herdenver-

band. Dabei tragen sie zur P ege der Alpweiden bei.

Text Corinne Schlatter Fotos Daniel Rihs, Katrin Stoll und Sören Pajewski

101

K arg ist es hier oben, sanft über die Grashalme streift und fuchsfarbene, braune. Eins nach
schroff und einsam. melodiös durch die Felsritzen pfeift. dem anderen taucht hinter einer
Welch bizarre For- Doch dann durchbricht ein Schnau- Kuppe auf, schreitet gelassen, aber
men die Felsen und ben die Ruhe – jenes unverkenn- zielstrebig über das trockene Weide-
der Gletscher doch bare Geräusch, das entsteht, wenn land. Alsbald hält die Gruppe wie
bilden – eine archaische Landschaft, ein Pferd die Luft kräftig durch auf Kommando inne, einige Tiere
die durch ihre herbe Schönheit be- die Nüstern bläst. Und tatsächlich: senken den Kopf, beginnen zu gra-
rührt. Hier ist die Stille daheim, nur Plötzlich sind da überall Pferde – sen. Andere derweil beobachten
leise hört man den Wind, wie er dunkle, helle, graue, fast weisse, neugierig die Wanderer, die an die-

102

Für Pferde ist Flucht die erste Option Die Herde als
bei Gefahr. Einige der Al-Canton- Herzstück einer

Stuten beobachten das Geschehen naturnahen
aufmerksam und neugierig. Aufzucht

Würde die Situation brenzlig, wären
sie bereit, aus der Gefahrenzone
zu üchten.

Voller Lebensfreude
prescht das Hengstfoh-
len Fareed Al Canton
im Galopp dahin. Er ist
der Sohn der Leitstute
Jeannette und hier
rund fünf Monate alt.

sem Sommertag auf die hochgele- und Pferdezüchter-Paar Claudia bis ins zweite Jahrtausend vor
gene Weide am Fuss des Cambrena- Lazzarini und Elmo Zanetti aus Christus, zurückgeht und als die am
Gletschers gestiegen sind. Die Sze- Le Prese im Val Poschiavo GR. Die längsten kultivierte Rasse schlecht-
nerie ist magisch, beglückend. Aber eleganten Tiere mit den ausdrucks- hin gilt. Doch davon später.
irgendwie auch unwirklich. starken Köpfen sind echte Berber. Gut zwei Dutzend Stuten – einige
Das ist jene aus Nordafrika stam- davon mit Fohlen, andere halb-
SEIT 4000 JAHREN KULTIVIERT mende Pferderasse, die weit in die wüchsig im Teenageralter – bilden
Die so freiheitlich herumziehende Frühgeschichte der Domestikation besagten Herdenverband. In den
Herde gehört dem Kräuterbauern- des Pferdes durch den Menschen, Sommermonaten streift diese aus-

103

Wandern

Schaffhausen / Thurgau

Wandern am
Rhein

Es grünt, es spriesst, es iesst. Das Schaffhauserland ist
des Wanderers Schlaraffenland. Weite Hügelzüge, einzigartige

Wasserlandschaften. Und tierische Begegnungen.

Text Natascha Knecht Fotos Thomas Senf

134

Stein am Rhein SH:
idyllische Fluss-

und Seenlandschaft.
Hier verlässt der

Rhein den Bodensee.

135

Wandern

Im Wald am Wolkensteinerberg bei Stein am Rhein. Zur Burg Hohenklingen gehört eine eigene Kapelle.

In einzigartiger Fluss- und
Seenlandschaft

F rühling liegt in der den mittelalterlichen Riegelhäusern chens direkt am Ufer, da, wo der
Luft! Während in den begegnet er uns immer wieder. Rhein den Bodensee verlässt.
höheren Lagen der Er ist grün, hat einen langen Körper Idyllischer könnte ein Ort kaum
Schweizer Berge noch mit kurzen Beinen, Fledermaus ügel, sein. Das Wasser glitzert in kräf-
Restschneefelder die einen langen, dünnen Schwanz, tigem Dunkelblau, die Vegetation
Wanderwege erschweren, steht die Zunge ist gespalten und sein rundum gedeiht in saftigem Grün,
die Natur im Kanton Schaffhausen Atem wahrscheinlich giftig. Furcht- und am Horizont zeichnen sich
schon in Blütenpracht. Die Äcker ein össend funkeln seine Augen, bewaldete Hügelzüge ab, die schon
sind bestellt, die Bäume spriessen, und aus dem weit geöffneten Kiefer dem Thurgau oder Deutschland
die Blauburgunderreben beginnen blitzen spitzige Zähne. Lange lebt gehören. Denn Stein am Rhein ist
zu gedeihen, entlang des Rhein- dieser Lindwurm jedoch nicht mehr. eine politische Insel, eine Enklave
ufers schnattern fröhliche Enten, Er liegt schon am Boden und wird von Schaffhausen.
Libellen iegen in beeindruckender gerade getötet – vom heiligen Georg,
Technik über die Teichwasser, und der, mit Kreuzschild bewaffnet, ZUR BURG HOHENKLINGEN
Frösche verkünden ihre Bereitschaft auf einem Schimmel sitzt und dem Stein am Rhein wird die «Basis»
zur Paarung mit lautem Quaken. Drachen mit einem Speer in den für unser langes Wanderwochen-
Überhaupt begegnen wir in unseren Rachen sticht. Zum Glück ndet ende. Nach einem Erkundungs-
drei Wandertagen Tieren aller Art. dieser Kampf nur symbolisch statt – spaziergang durch die Gassen des
Am Ende gibts sogar noch einen auf dem Ortswappen. Georg ist der historischen Altstädtchens geniessen
Ausritt auf einer Kuh! Doch dazu Schutzpatron von Stein am Rhein. wir auf dem Rathausplatz in der
später. Erst bekommen wir es Ihm wurde die Kirche des ehema- milden Vormittagssonne einen
mit einem Drachen zu tun. Und ligen Benediktinerklosters geweiht. Kaffee und begutachten die präch-
zwar in Stein am Rhein. Zwischen Dieses steht ausserhalb des Städt- tigen Fassadenmalereien um uns

138

Blick aus der Burg Hohen-
klingen auf das mittelalterliche
Städtchen Stein am Rhein.

139

Wenn der Himmel
voller Blüten hängt,
fühlt man sich wohl
wie im Paradies.
Nehmen Sie Platz!

186

Opulente Aufmachung

Schwebende
Blumenwolke

Setzen sich die Gäste an diesen Tisch, sind «Ohs» und
«Ahs» garantiert. Denn unter einem solchen Blütenmeer isst

man schliesslich nicht alle Tage.

Text und Styling Petra Salvisberg Fotos Juliette Chrétien

187

De per ekt ahme ü
unver ess ich oment

Zarte Blüten schmeicheln
Teller und Serviette. Man
wagt es kaum, sie anzurühren.

Für einmal liegt es nicht angepasst werden. Die Reduktion bleibt die Vorgehensweise des Ste-
am Koch, wenn der auf kleinere orale Akzente würde ckens der Blüten dieselbe. Und ana-
Blick immer mal wieder die gleichen Blüten beinhalten. Das log zum grossen Vorbild – nach
vom Teller weg an die Grundgerüst aus Draht und Holz getaner Arbeit, setzen wir uns hin,
Decke schweift. Hier kann der Wunschgrösse entspre- atmen durch und geniessen Blüten,
sitzen wir unter einem Blütenmeer chend angepasst werden. Auch Gäste und ein feines Essen. C
und lassen uns von der Blumen-
pracht über unseren Köpfen berau- LandLiebe-Expertin Petra Materialliste
schen. Zugegeben, es braucht etwas Salvisberg arrangiert Florales
Zeit und ziemlich viele Ranken und mit viel Fingerspitzengefühl. zzSaisonale Blumen und Ranken
Blüten für eine orale Installation wie P ngstrosen, Wicken, Lilien,
dieser Art. Doch für einen bedeut- Schafgarben, Clematis, Zinnien
samen Anlass lohnt sich der Auf- und Perückenstrauch
wand. Und sein Preis. Mit etwa
tausend Franken sollte gerechnet zzMaschendraht
werden. Stammen die Blumen aus zzHolzstock in gewünschter Länge
dem eigenen Garten, reduziert sich zzDrahtzange
der Preis selbstverständlich. Nicht zzKabelbinder
nur lässt der Anblick von P ngstro- zzSteckmoos
sen, Schafgarben, Lilien und Wicken zzMesser
staunen – auch bleibt ihr zarter zzBaumschere
Duft in unseren Nasen hängen.
Selbstverständlich kann die Grösse
einer solchen Dekoration beliebig

188

Die Üppigkeit dieser
Wolke aus Blumen
und Blüten betört
den Blick. Doch auch
eine bescheidenere
Version davon
schmückt einen Tisch
ganz wunderbar.

189

Die grosse Schautafel

Sie waren Wundermittel der Antike, Stars mittelalterlicher
Klostergärten oder Lieblinge der Dichter: Blaublütler mit

Vergangenheit – und ihre heutige Bedeutung.

Illustrationen Verena Kälin Text Ingrid Schindler

B

C D

Clusius-Enzian D

Gentiana clusii Gemeine Akelei

Weitere Namen Echter Aquilegia vulgaris
Enzian, Echter Alpenenzian,
Weitere Namen Schlotterhose,
Kalk-Glocken-Enzian. Venuswagen, Adlerblume, Tinten-,

Familie der Enziane Teufelsglocke, Narrenkappe.
Botanik Kleine (4–10 cm), Familie der

ausdauernde, wie der Hahnenfussgewächse
Silikat-Glocken-Enzian in den Botanik Mehrjährige, 30 bis
90 Zentimeter hohe Staude
Alpen (bis 2800 m) und im mit dunkelblauen, blauvioletten,
Jura weit verbreitete Enzianart. seltener weissen oder rosa Blüten
Intensiv blaue, glockenförmige im Mai und Juni; nickende Blüten-
Blüten von Mai bis August auf form; lichte Wälder, sonnige bis
jeweils einem kurzen Stängel; halbschattige Standorte: vor allem
in der nördlichen Landeshälfte.
auf Kiesgrund und magerem, Bedeutung Marien- und Schmerzens-
kalkhaltigem Trockenrasen; p anze, angesehene Heilp anze im
unter Naturschutz; kultiviert Mittelalter mit angeblich magischen
und erotisierenden Kräften.
in Gärtnereien. Medizinisch wirksam: Blätter,
Bedeutung Archetyp Wurzeln und Samen in getrocknetem
der Alpen ora, ziert häu g
Etiketten von alpinen Zustand, sonst giftig.
Heilmitteln und Enzian-
schnaps, wobei Letzterer
aus der Wurzel des Gelben
Enzians gewonnen wird.

B C

Echter Ysop

Hyssopus o cinalis

Weitere Namen Kirchen-,
Klosterysop, Josefs-, Bienenkraut.

Familie der Lippenblütler
Botanik Mehrjährige Staude
(20–60 cm); stark aromatisch;
leuchtend blaue, selten auch blass-
blaue, violettblaue, rosa und weisse
Blüten von Juni bis Oktober;
meist kultiviert; liebt felsige Hänge,
Trockenwiesen und Kalkböden.
Bedeutung Klassisches Würz-
und Heilkraut im süd- und mittel-
europäischen Kräutergarten,
Verwendung: ganzes Kraut mit
Blüte; würzt Fleisch, Fisch, Suppen,

Salat, Erdbeerwein.

36

beliebter blauer Blumen

E E G
G
Gewöhnliche 37
Wegwarte Echter Lavendel

Cichorium intybus Lavandula o cinalis

Weitere Namen Wilde Zichorie, Weitere Namen Lavandula
Zichorie, Gemeine Wegwarte. vera oder angustifolia;

Familie der Korbblütler französisch Lavande ne.
Botanik Ausdauernde, krautige,
Familie der Lippenblütler
20 bis 120 Zentimeter hohe, Botanik Echter Lavendel
sparrig-verzweigte Staude mit
himmelblauen Blüten von Juli besitzt eine einzige Blütenrispe
bis Oktober; gedeiht an Feld-, (der Hybride Lavandin hat
Weg-, Strassenrändern, Öd- und dagegen drei); liebt sonnige,

Schutt ächen; vor allem in höhere Lagen, karge, trockene
der nördlichen Landeshälfte. Kalkböden und blüht von Juni
bis August; in der Regel kultiviert,
Bedeutung Schon im alten in der Süd- und der Westschweiz
Ägypten bekannte Heilp anze
gelegentlich verwildert.
(Bitterstoffe in Blättern und Bedeutung Schon in der Antike
Wurzeln), der man im Mittelalter hoch geschätztes Duft-, Heil- und
enorme Zauberkräfte zuschrieb; Hausmittel; Hauptwirkstoffe
im ätherischen Öl, das aus den
Kaffeeersatz (Zichorien-, Blüten und Stängeln gewonnen
Blümchenkaffee), Futterp anze; wird und dessen dominante Kopf-
kultivierte Varietäten: Chicorée, note in der Parfum-Herstellung

Radicchio, Wurzelzichorie sehr gefragt ist.
(Inulin). Verwendung der Blätter
F
bis Juli als Salat und Gemüse,
danach zu bitter. Du veilchen

F Viola odorata

Weitere Namen Wohlriechendes
Veilchen oder Märzveilchen.

Familie der Veilchengewächse
Botanik Ausdauernder, niedriger

(5–10 cm) Frühblüher (März,
April) mit violettblauen Blüten,

verwildert an Waldrändern,
Hecken, in Bachauen und Parks.
Bedeutung Verankert in der römisch-
griechischen Mythologie und im
Christentum (Marien- und Paradiesp anze);
schon in der Antike hoch geschätzte
Garten-, Duft- und Heilp anze; Wirkstoffe:
Saponine in Kraut und Wurzel und süss
duftendes, ätherisches Öl in Blüten und
Blättern; Verwendung der Blüten in Suppen,
Saucen, Salat, Süssspeisen, Tee, Likör
(«Parfait Amour») und kandiert.

Immer ein offenes Tor:
Auf La Noyère in
Mont-sur-Rolle sind alle
willkommen, die einen
herzlichen Ort für
kreativen Austausch
schätzen.

Zu Besuch im Waadtland

Stilvolle Pause
vom Alltag

Im stattlichen Herrenhaus La Noyère in Mont-sur-Rolle VD
vereint Anne-Catherine Goetschin dessen Geschichte mit
modernen Ideen, offenen Türen und kreativen Workshops.

Text Sabrina Glanzmann Fotos Catherine Gailloud

116

Geschütztes
Farbenspiel: Ein-
mal im Jahr wer-
den die Gemälde
restauriert und
die rote Wand
mit Bienenwachs
versiegelt.

117

Stolz steht Anna Hoppler
in ihrer Freiämter Tracht
im Schopf, wo Schäubli
aus Roggenstroh lagern.
Die 86-Jährige hat
daraus einst Tausende
Sterne gefertigt – unter
anderem für die Migros.

80

Strohkunst

Annis
Sternstunden

Aus der Not heraus beginnt die Bauersfrau aus Rottenschwil AG
vor mehr als fünfzig Jahren mit dem Fertigen von Strohsternen.

Was Anna Hoppler seither geschaffen hat, ist einzigartig.

Text Christine Zwygart Fotos Bruno Alder

81

26

In Lavertezzo TI
führt die Ponte
dei Salti aus dem
17. Jahrhundert
über die Verzasca.

Vogelfrei

Spiel mit der
Perspektive

Aus der Luft sieht Bekanntes neu und aufregend aus. Der
französische Fotograf Yann Arthus-Bertrand ist ein Meister
dieses Fachs – und zeigt, wie er die Schweiz von oben sieht.

Fotos Yann Arthus-Bertrand / Altitude Text Christine Zwygart

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Tosend rauscht das
Wasser beim Rheinfall in
Neuhausen SH an der
Besucherplattform vorbei.

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Die Natur bringt die schönsten
Inszenierungen hervor

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Dem Getümmel in der Stadt
für einen Moment entfliehen

Die Aare durch iesst
in Thun BE die Untere
Schleuse und die
Altstadt. Das Riesen-
rad lädt zu einer
Fahrt in die Höhe ein.

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Christoph Vetsch
erinnert sich bestens
an die Ankunft
der Kardiermaschine:
Vier Jahre ist er alt,
als die Karde in der
Wollspinnerei Vetsch
aufgebaut wird.
Mittlerweile zählt
die alte Dame über
hundert Lenze.

Altes Handwerk

In der
Wollspinnerei

Am Furnerbach, im Talboden des Prättigaus GR, steht eine
Wollspinnerei. In vierter Generation führt Christoph Vetsch
diesen Familienbetrieb und sorgt dabei für allerhand Wolliges.

Text Bettina Bono Fotos Roland Tännler

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