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Published by placebo, 2016-05-24 04:11:30

ABEND 2016 small

ABEND 2016 small

aspekte Jahre SALZBURG
FESTIVAL

1.-4. Juni 2016
republic, Kavernen 1595

40

Magie des Klangs

Tristan Murail
composer in residence

Spielorte SALZBURG
republic . Anton-Neumayr-Platz 2 ASPEKTE Salzburg
Kavernen 1595 . Gstättengasse 27–29 Münzgasse 1
TICKETS | RESERVIERUNGEN 5020 Salzburg
IMPRESSSUMInformationen unterT +43 (699) 11545517
www.aspekte-salzburg.at [email protected]
www.aspekte-salzburg.at
Kartenbestellungen
öticketcenter republic, T: +43-(662)-843711 Künstlerische Leitung: Ludwig Nussbichler
Einzelkarten und print@home-tickets auch unter Organisation: Karin Klotzinger
www.oeticket.com sowie bei allen öticket-Verkaufsstellen Spielräume: Maria Othonos
Presse: Julia Lepka-Fleischer
Kartenverkauf ab 1. Mai 2016 Redaktion: Gottfried Franz Kasparek
Grafische Gestaltung: Yiannos Christoforou
Veranstaltungskasse
Geöffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn
an den jeweiligen Spielorten

Reguläre Karten € 20,-/ €10,- *
Einzelkarten:

Aspekte Spielräume 2016: € 10,-/€ 5, *

* Der reduzierte Preis gilt für Schüler, Studierende bis

26 Jahre und Präsenz- und Zivildiener, nach Vorlage eines

gültigen Nachweises.

Ö1-Clubmitglieder, mica club Mitglieder, SN-Card Inhaber
erhalten 20 % Ermäßigung auf den Normalpreis für eine Karte

Packages
Festivalpass – alle Veranstaltungen € 70,-/erm. 35,-

Kombiticket Republic-Kavernen: € 30,-/ € 15,-

(gilt für beide Veranstaltungen des jeweiligen Abends)

3 Konzerte freier Wahl: € 40,-/ € 20,-

Alle Packages und Ermäßigungen sind nur im Vorverkauf
erhältlich und nicht kombinierbar

Rücknahme und Umtausch
Tickets können nicht zurückgenommen oder umgetauscht
werden.

Magie des Klangs

Tristan Murail
composer in residence

F E S T I VA L 2016

Veranstaltet durch den Verein

SALZBURG

4

Mit freundlicher Unterstützung von

In Kooperation mit

W&WISSENSCHAFT
K

KUNST
EINE KOOPERATION VON

Grußwort 5

40 Jahre Aspekte Festival - damit zählen die Aspekte zu den ältesten Festivals für Neue Mu-
sik in Österreich. 40 Jahre hochkarätige KünstlerInnen und Interpreten. 40 Jahre Innovation
und eine Begegnung mit dem Neuen auf höchstem interpretatorischem Niveau. Die Aspekte
zeigen, dass in Salzburg nicht nur das Traditionelle, sondern auch das Neue und Innovative
seinen Platz hat.
Die im Programm der Aspekte 2016 beschriebene Achse Paris - New York - Salzburg zeichnet
sich auch in der internationalen Ausrichtung des Festivals, die aber auch nie das zeitgenös-
sische Musikschaffen in Salzburg aus den Augen verliert, was sich auch in einer Vielzahl von
Uraufführungen und Auftragskompositionen der Aspekte manifestiert. Dieses seit 40 Jahren
erfolgreiche Festival bringt auch jedes Mal wieder hochkarätige KünstlerInnen nach Salzburg
und in Salzburg zur Aufführung.
Zahlreiche Weltstars der Neuen und zeitgenössischen klassischen Musik waren bei den As-
pekten in Salzburg zu Gast. Man denke nur an Iannis Xenakis 1982, John Cage 1991 oder Sofia Gubaidulina 2010. Dieses Jahr
wird sich der Franzose Tristan Murail in diese Liste einreihen - Tristan Murail verbindet nicht nur das diesjährige Aspekte Fe-
stival mit Salzburg, sondern auch seine ehemalige Professur für Komposition an der Universität Mozarteum. Mit Tristan Murail
widmen die Aspekte einem der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten der Spektralmusik einen Schwerpunkt in ihrem
Programm und zeigen dadurch die Vielfalt der Neuen Musik.
Gustav Mahler wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des
Feuers.“ In der 40jährigen Tradition der Aspekte war dies immer ein Leitgedanke. Der Blick in die Zukunft, das nach vorne blic-
ken, die Förderung des Neuen, was sich auch in der Schaffung der „Spielräume“ zeigt. Ich wünsche dem Aspekte Festival und
seinen Organisatoren rund um Ludwig Nussbichler, dass sie noch lange dieses Feuer der Musik und Innovation in sich tragen
und auch in vielen weiteren Editionen der Aspekte weitertragen.
Den BesucherInnen wünsche ich spannende und anregende Konzerte, in denen die Magie der Musik erlebbar und spürbar wird.


 
Dr. Heinz Schaden
Bürgermeister der Stadt Salzburg

Grußwort

Auch heuer wieder widmet sich das Aspekte Festival einem Überthema und rückt eine Vertre-
terIn der Neuen Musik in den Mittelpunkt. Magie des Klangs - lautet das Motto des diesjähri-
gen aspekte Festivals, das im Zeichen der französischen Musik steht. Es wird der emotionalen
und inspirierenden Kraft des Klangs nachgespürt - mit der Spektralmusik des französischen
Komponisten Tristan Murail.
Dieses Jahr feiert aspekte sein 40jähriges Bestehen, dazu möchte ich herzlich gratulieren!
Schon längst gilt das aspekte Festival als wichtiger, über die Landesgrenzen hinaus bekann-
ter Fixpunkt im Salzburger Kulturkalender. Seit seinen Anfängen widmet sich das Festival der
Präsentation von Neuer Musik aus Salzburg und aller Welt. Dadurch trägt das Festival zur
Vielfalt in der Salzburger Kulturlandschaft bei und bringt jedes Jahr wieder neuen frischen
Wind in die Mozartstadt.
Als Landesrat für Kultur freue ich mich, dass es in Salzburg ein so hochwertiges Festival für
Neue und Zeitgenössische Musik gibt.
Dem aspekte Festival gelingt es Jahr für Jahr, viele Menschen mit seinem hochqualitativen Programm zu beeindrucken, zu
bewegen und für Neue Musik zu gewinnen.
Besondere Vermittlungsarbeit leistet hier das beliebte „junge“ aspekte-Programm, die aspekte Spielräume, bei dem junge

6 InterpretInnen und KomponistInnen Neuer Musik vorgestellt werden.

Ich möchte mich beim aspekte Festival, unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Nussbichler und seinem Team für ihre
gelungene Kulturvermittlungsarbeit herzlich bedanken.
Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern inspirierende, mitreißende Konzertabende. Lassen Sie sich von der Magie des
Klanges verzaubern!

Dr. Heinrich Schellhorn
Landesrat für Kultur

Magie des Klangs 7

Im Zentrum der Aspekte 2016 steht der französische Komponist Tristan Murail, einer der bedeutendsten Vertreter der Spektral-
musik (Musique spectrale), die sich in den 1970er Jahren in Paris im Umfeld des Ensemble l´Itinéraire herausgebildet hat. Als
composer in residence wird durch ihn und eine feine Auswahl seiner Werke nicht nur die imaginäre Achse Paris - New York - Salz-
burg gezeichnet. Vielmehr steht Musik auf dem Programm, die der emotionalen und inspirierenden Kraft des Klangs nach-horcht,
dessen Natur erforschend, und so eine Poesie entwickelt, die immer auf das Geheimnis unserer Existenz verweist.

So eröffnet das Mozarteumorchester unter Peter Tilling das Festkonzert zum 40jährigen Bestehen der Aspekte mit der Sinfonie
für Bläser und Schlagwerk von Klaus Ager, dem Violinkonzert von Henri Dutilleux und den beiden Reflections / Reflets von Tris-
tan Murail. Als Solist konnte der Ausnahme-Geiger Frank Stadler gewonnen werden.

Der Reigen von insgesamt sieben Konzerten mit herausragenden aktuellen Werken und zahlreichen Uraufführungen, die im
Auftrag der Aspekte entstanden sind, wird von vier namhaften Klangkörpern der Neuen Musik fortgeführt: dem exxj (Ensemble
XX. Jahrhundert), dem oenm . österreichisches ensemble für neue musik, dem ICE (International Contemporary Ensemble New
York) und dem Ensemble L´Itinéraire.

Bezugnehmend auf die gleichnamige Multimedia-Art-Performance Venue in New York werden drei Pianistinnen in der Pro-
grammlinie „Au Poisson rouge“ in den Mittelpunkt treten: Hsin-Hui Huang, Ardita Statovci und Ariane Haering laden mit Freun-
den in den Kavernen zu faszinierender Klavier-Kammermusik ein.

Die aspekteSPIELRÄUME mit PreisträgerInnen bei Prima la Musica und „Jugend komponiert“ werden in den Kavernen junge
InterpretInnen und KomponistInnen Neuer Musik vorstellen, ein Highlight der Aspekte-Vermittlungsarbeit, das sich seit vielen
Jahren besonderer Beliebtheit erfreut.

Mein besonderer Dank geht an die Kulturabteilungen des Bundes, des Landes Salzburg und der Stadt Salzburg. Durch die Kon-
tinuität ihrer Unterstützung konnte das Aspekte Festival in den letzten Jahrzehnten einen bemerkenswerten Beitrag für eine
lebendige und anspruchsvolle Neue Musik Kultur leisten.

Weiter bedanke ich mich bei meinem Team für die großartige Arbeit, allen voran bei unserer Geschäftsführerin Mag. Karin Klot-
zinger. Begeistert und mit großem Idealismus verantwortet sie die gesamte Festivalorganisation und schafft so die Rahmenbe-
dingungen, die für die Verwirklichung meiner Programme notwendig sind.

Die Aspekte sind vor 40 Jahren als eine von großem Idealismus getragenen Initiative für die Neue Musik in Salzburg entstanden.
Es sind die zahlreichen MusikerInnen und KomponistInnen, die mit ihrem Können und ihrer Kunst dem Festival eine besondere
Note verliehen haben. Ihnen soll auch weiterhin die Zukunft des Aspekte Festivals gehören.

So darf ich mich darauf freuen, mit Ihnen gemeinsam vier spannende und inspirierende Tage mit Musik unserer Zeit zu erleben!

Ludwig Nussbichler,
künstlerischer Leiter Aspekte Salzburg

Programmübersicht

Mittwoch, 1. Juni 21:30 | Kavernen 1595

18:00 | Kavernen 1595 III | Au Poisson Rouge - Il colore dell’ombra
Ateliergespräch
Sabine Coelsch Foisner im Gespräch mit Tristan Murail, Klaus Hsin-Huei Huang, Klavier
Ager und Ludwig Nussbichler Barbara Riccabona, Violoncello
Barbara Lüneburg, Violine/Viola
In Kooperation mit der Universität Salzburg, PLUS Kultur Horia Dumitrache, Klarinette/Baßklarinette

19:30 | republic Yann Robin: “Ftera” für Bassklarinette, Viola und Klavier
Tristan Murail: “La Mandragore” für Klavier
I | Reflections / Reflets Clara Iannotta: “Il colore dell’ombra” für Violine, Cello und Klavier
Peter Jakober: „flimmernd“ für Quartett, UA
Mozarteumorchester Salzburg Mirela Ivičević: Neues Werk für Trio, UA
Solist: Frank Stadler
Musikalische Leitung: Peter Tilling Freitag, 3. Juni

Klaus Ager: Sinfonie für Bläser und Schlagwerk op.63 13:30 | Kavernen 1595
Jugend komponiert Finalrunde
Henri Dutilleux: Violinkonzert „L’Arbre des songes“ In Kooperation mit Musik der Jugend und Aspekte Salzburg

I Librement – Interlude
II Vif – Interlude 2
8

III Lent – Interlude 3 16:00 | Kavernen 1595

IV Large et animé IV | aspekteSPIELRÄUME

Tristan Murail: Reflections / Reflets I & II Jugend komponiert, Aspekte SonderpreisträgerInnen 2016
Spleen
Tomoko Sato, Flöte
High Voltage / Haute tension Barbara Giusto, Gitarre

Donnerstag, 2. Juni

19:30 | republic 19:30 | republic

II | La Chambre des cartes V | oenm . österreichisches ensemble
für neue musik
exxj (Ensemble XX. Jahrhundert)
Pascal Dusapin: Trio Rombach
Musikalische Leitung: Peter Burwik Vasiliki Krimitza: LIGO’s observations, UA
Matthias Leboucher: Neues Werk, UA
Liza Lim: The Heart´s Ear Gérard Pesson: Mes Béatitudes
Mark André: Kanon
Julia Purgina: Kammermusik IIa

Christian Ofenbauer: “vergessenes zimmer / staubiger raum “

für 10 Instrumente, UA

Klaus Ager: Breccia IV

Tristan Murail: La Chambre des cartes

21:30 | Kavernen 1595 19:00 | republic

VI | Au Poisson Rouge - Cloches d’adieu, VII | Liber Fulguralis
et un sourire...
ICE (International Contemporary Ensemble New York) &
Ardita Statovci, Klavier Ensemble L´Itinéraire
Ariane Haering, Klavier Musikalische Leitung: Jean-Michaël Lavoie
Chiara Sannicandro, Violine
Steve Lehman: For McCoy Tyner, Tristan Murail,
Tristan Murail: Cloches d’adieu, et un sourire...in Memoriam Anthony Braxton, and Alexander Scriabin für
Olivier Messiaen Saxophon und Klavier
Ludwig Nussbichler: Traumbildfragmente III für Klavier und
Violine Lu Wang: Neues Werk, UA
Gerd Kühr: Stop the piano für Klarinette, Saxophon, Gitarre, Viola,
Alexander Müllenbach: Paysages imaginaires für Klavier zu 4 Klavier und Schlagwerk 
Händen, UA
Henri Dutilleux: Sonate pour piano Tristan Murail: Feuilles à travers les cloches
für Flöte, Violine, Cello und Klavier
Samstag, 4. Juni
Christopher Trapani: Anyplace Else 9
9:30- 13:30 | Atelier im KunstQuartier für Flöte, Oboe, Klarinette, Saxophon,
Bergstraße 12a, 5020 Salzburg Elektronische Gitarre, Klavier, Violine, Viola,
Education Project Cello und Kontrabass
Das Lied vom elektrischen Wind, das wie ein Sägewerk klang
Wörter mit Workshop Tristan Murail: Liber Fulguralis
pour ensemble instrumental,
ConTempOhr. Mediating Contemporary Music – Vermittlung zeitgenös- synthèse électronique et vidéo
sischer Musik in Kooperation mit dem Musikfestival ASPEKTE Salzburg
21:30 | Kavernen 1595
16:00 | Kavernen 1595
Präsentation und Diskussion . Etüden Konzert VIII | Au Poisson Rouge - Harawi

ConTempOhr. Mediating Contemporary Music – Vermittlung zeitgenös- Anna Maria Pammer, Sopranο
sischer Musik in Kooperation mit dem Musikfestival ASPEKTE Salzburg Ariane Haering, Klavier

Olivier Messiaen: Harawi

Martin Losert, Saxophon
Zuher Khalaf, Violine
Marina Babikova, Klavier

Chatschatur Kanajan: Etude for saxophone (2015)
Stefan Streich: Ton für Saxophon solo (2015)
Harald Münz: articolarsi (2015)
Ludwig Nussbichler: bizzar . kristallin für Violine und Klavier (2016)

Mittwoch, 1. Juni
18:00 Uhr, Kavernen 1595

Ateliergespräch

Sabine Coelsch Foisner im Gespräch mit Tristan Murail, Klaus Ager und Ludwig Nussbichler

In Kooperation mit der Universität Salzburg, PLUS Kultur

10

Mozarteumorchester Salzburg

19.30 Uhr, republic

Konzert I . Reflections / Reflets

Mozarteumorchester Salzburg
Solist: Frank Stadler, Violine
Dirigent: Peter Tilling

Klaus Ager (*1946) Sinfonie für Bläser und Schlagwerk op.63 11
Henri Dutilleux (1916-2013) Violinkonzert „L’Arbre des songes“ (1983-85)
I Librement – Interlude
II Vif – Interlude 2
III Lent – Interlude 3
IV Large et animé
Tristan Murail (*1947) Reflections / Reflets I: Spleen
Reflections / Reflets II: High Voltage / Haute tension (2013)

Peter Tilling Frank Stadler

Klaus Ager, gebürtiger Salzburger, von 1975 bis 1986 Mit- merensemble oder Migrations für zwei Gitarren) ist gerade
begründer und erster Leiter des Österreichischen Ensembles dieses formale Prinzip des Gegenüberstellens von Kontrasten

für Neue Musik, von 1977 bis 2006 künstlerischer Leiter des auf engstem Raum – ganz unabhängig von Strawinskys Blä-
Festivals Aspekte, seit 1973 Lehrender an der Universität Mo- sersinfonie - zu einem zentralen Kompositionsprinzip gewor-
zarteum, deren Rektor er von 1995 bis 2000 gewesen ist, Prä- den. Auf Strawinsky bezieht sich auch die Instrumentation, die
sident des Österreichischen Komponistenbundes von 2004 bis im Bläserbereich nur unwesentlich erweitert wurde.
2014 und des „European Composers Forum“ seit 2007, darf Allerdings habe ich dem Bläserensemble ein umfangreiches
als wahre Institution der Neuen Musik nicht nur in Österreich Schlagzeug hinzugefügt, um über klangliche Möglichkei-
bezeichnet werden. Dass Ager über die Grenzen verschiede- ten zur Erweiterung des klassischen Bläserklangs zu
ner zeitgenössischer Musikstile hinaus denkt, beweist seine verfügen.
2007 erfolgte Gründung der „European Composers and Song- Das Werk Strawinskys ist dem Andenken
writers Alliance» (ECSA). Sein reichhaltiges, weltweit aufge- Claude Achille Debussys gewidmet, meine
führtes Werk, in dem große Orchester- und Ensemblestücke Sinfonie für Bläser und Schlagzeug dem
ebenso eine gewichtige Rolle spielen wie Kammermusik und Andenken Igor Strawinskys. Dieses An-
Vokales, spiegelt die Ausbildung bei Olivier Messiaen ebenso denken drückt sich musikalisch durch
wie die intensive Beschäftigung mit Elektronik und verschie- Zitate aus Werken Strawinskys und
denen Techniken der Avantgarde wider. Wesentlich ist jedoch Debussys aus.“

eine starke persönliche Farbe, die auch auf die Tradition im-

mer wieder Bezug nimmt. Agers neues Orchesterstück „14 Henri Dutilleux, Rom-Preisträger
Verse zu vergessenen Elegien“ ist ein Auftragswerk der As- 1938, Pianist, Chorleiter, Kompo-
12 pekte zum 70. Geburtstag ihres Gründers. Der Komponist sitionslehrer und Rundfunkmann,

widmet das im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016 entstande- zählt zu den großen Außenseitern
ne Werk den Aspekten zum 40jährigen Bestand und seinem der Moderne. Gruppenbildungen
lehnte er kategorisch ab. „Ich mag
Nachfolger Ludwig Nussbichler.
keine tyrannischen Systeme, aber in

Die Sinfonie für Bläser und Schlagwerk op.63 entstand 91/92 mehreren Werken habe ich die seri-
als Auftrag der Salzburger Landesregierung und wurde 1992 elle Technik auf meine ganz eigene Art
durch das Mozarteum Orchester unter der Leitung von Hans und Weise eingesetzt, immer jedoch im
Graf uraufgeführt. Der Komponist über sein Werk: „Die Erfah- Sinne einer Aussöhnung zwischen Avant-
rungen während der Proben und mehrmaliges Anhören der garde und den großen Klassikern“, meinte er
Aufnahme der Uraufführung führten zu einer Überarbeitung, selbst dazu. Der extrem selbstkritische Dutilleux
hat in seinem langen Leben nur wenige, dafür aber
die 1994 abgeschlossen wurde.
Das Werk bezieht sich in mehrerer Weise auf die berühmte besonders wertvolle Werke vollendet. Als Musikdirektor
„Symphonies of wind instruments“ von Igor Strawinsky. Die- von Radio France war der bescheidene Mann eine prägen-
de Persönlichkeit im Musikleben Frankreichs. Mit etwa zwei
ses Werk, das für mich zu den eindrucksvollsten Schöpfungen Dutzend Stücken, meist für Orchester, wurde er zu einem der
der Musik des 20. Jahrhunderts zählt, besticht besonders in bedeutendsten Komponisten der Moderne. Seine Musik be-
formaler, harmonischer und klanglicher Hinsicht. Formal hat sitzt unverwechselbare Eigenart und entzieht sich einer exak-
mich das Werk Strawinskys schon bei meiner ersten Beschäf- ten Einteilung. Tonale Zentren hat Dutilleux in der Nachfolge
tigung Anfang der 70er Jahre (ich dirigierte es damals mehr- Ravels nie verlassen. Klangfarben, sensible Lyrik, kreative
mals) durch das ständige Brechen der Kontinuität im musika- Melodik und fassbare Rhythmen waren ihm wichtiger als die
lischen Ablauf sehr beeindruckt. In meinen Werken der späten Zertrümmerung der Tradition. Seine stark persönlich gefärb-
80er und frühen 90er Jahre (u.a. KEATS für Sopran und Kam-

te Musik mit ihrer reichen, von Zentraltönen ausgehenden, de lettres“ also, wie Dutilleux Gewinner des traditionellen 13
häufig modal gesteuerten Harmonik, ihrer klanglichen Raffi- Rompreises für Musik. 1973 gründete er in Paris das Ensem-
nesse und ihrer Ausgewogenheit zwischen Klassizismen und ble „L’itineraire“ und begann die neuen Klangwelten der Elek-
Progressivität setzt sich gerade in letzter Zeit immer mehr in tronik zu erforschen. Murail wird zu den „Spektralisten“ rund
den Konzertsälen durch. Das schmale Oeuvre besteht nur aus um Gérard Grisey gezählt, ja gilt heute als deren bedeutendster
hervorragenden Werken. Sein Landsmann Olivier Messiaen Vertreter, was aber angesichts seiner Vielseitigkeit ein wenig zu
hat ihn deshalb mit Paul Dukas, der in jeder Sparte der Musik kurz greift. Als Kompositionslehrer war er in den USA und von
nur ein Meisterstück schreiben wollte, verglichen. 2011 bis 2014 als Gastprofessor am Mozarteum tätig.

Das Violinkonzert „L’Arbre des songes“ /Der Baum Das jüngste seiner vielen Orchesterwerke, „Reflections / Re-
der Träume) brachte der legendäre Geiger Isaac flets“ in zwei Teilen, ist eine Auftragsarbeit von BBC Sympho-
Stern, dem das Stück gewidmet wurde, am 5. ny, Casa de Musica Porto und Orchestre National de Lille und
November 1985 in Paris mit dem Orchestre wurde am 2. November 2013 in London unter Sakari Oramo
National de France unter Lorin Maazel uraufgeführt. Claude Debussy, der Stammvater der französi-
zur Uraufführung. Zum groß besetzten, schen Avantgarde, und der Dichter Charles Baudelaire, eben-
im Grunde spätromantischen Orches- falls eine Ikone der Moderne, sind die Inspirationsquellen für
ter kommen reichhaltiges Schlag- Murails tönende Reflexionen über Vergangenheit und Gegen-
zeug, Klavier, Zymbal und Celesta. wart. Denn in Debussys „Images“ findet sich im Satz „Nua-
Trotz dieses gewaltigen Aufgebots ges“ eine Anspielung auf ein Poem Baudelaires, „Spleen“.
wirkt die diffizile Partitur wie ein Der dunklen Melancholie und klaustrophobischen Vision des
transparentes, oft kammermu- Dichters entsprechen sehnsüchtige Streicherpassagen und
sikalisches, gleichsam vegetativ ein quasi grollendes Klavier. Dazu kommt eine Glocken-Hom-
wucherndes Geflecht von Stim- mage an einen verstorbenen Freund Murails, den britischen
men und Stimmungen, mit der Komponisten Jonathan Harvey. Tatsächlich spektralistisch
virtuos eingesetzten Solovioline kann der zweite Satz aufgefasst werden, ein kunstfertiges
im Zentrum. Trotz aller Modernität Spiel mit Kontrabass-Tremolo, Pizzicati und sich stauender
der Textur wirkt diese Musik oft be- Energie im Wechselspiel von Idylle und Dissonanz.
törend klangsinnlich. Das pausenlose
Werk erinnert entfernt an die klassische
symphonische Form, doch werden die
vier Sätze durch kurze, atmosphärische Zwi-
schenspiele verbunden. Henri Dutilleux wollte

dezidiert keine „Programmmusik“ schreiben, ist je-
doch im Vorwort auf den Titel eingegangen. Wie ein Baum
soll das Konzerte wirken, ein Baum, dessen Äste sich ständig
verzweigen und erneuern. Dazu kommen Anspielungen auf
den Kreislauf der Jahreszeiten und deren periodische Wieder-
kehr. Die Träume der Menschen sind in der Natur verwurzelt.

Tristan Murail aus Le Havre studierte klassische und arabische
Sprachen, aber auch Wirtschaft, ehe er ab 1968 Kompositions-
schüler von Olivier Messiaen wurde, sich daneben aber auch
intensiv mit Politikwissenschaften beschäftigte. Ein „Homme

14

exxj (Ensemble des XX. Jahrhunderts

Donnerstag, 2. Juni, 19.30 Uhr, republic 15

Konzert II . La Chambre des cartes

exxj (Ensemble des XX. Jahrhunderts)
Renate Linortner, Flöte
Stefan Neubauer, Klarinette
Arnold Plankensteiner, Bassklarinette
Andrej Kasijan, Horn
Harald Demmer, Schlagwerk
Harald Ossberger, Klavier
Bojidara Kouzmanova-Vladar, Violine
Natalia Polukord, Violine
Marija Djuric, Violine
Stefanie Prenn, Violoncello

Dirigent: Peter Burwik

Liza Lim (*1966) The Heart’s Ear
Für Flöte, Klarinette und Streichquartett (1997)
Julia Purgina (*1980) Kammermusik IIa - extended version
Uraufführung
Christian Ofenbauer (*1961) „vergessenes zimmer / staubiger raum 2016“
für 10 Instrumente, Uraufführung
Klaus Ager (*1946) Breccia IV für Ensemble op. 90 (2007)
Tristan Murail (*1947) La Chambre des cartes, für Ensemble (2011)

Liza Lim, Australierin chinesischer Abstammung, wuchs in verschieden, aber vor allem Geschmacksrichtungen lassen
Brunei auf, studierte Komposition in Melbourne und Amster- sich gut in eine Komposition übertragen und so könnte mein

dam sowie Philosophie in Queensland. Diese Interkulturalität Stil vielleicht doch noch mit einem Schlagwort überschrieben

spiegelt sich auch in ihrer Stilistik, in der sie verschiedene werden: transformierte Sinnlichkeit.“

Einflüsse miteinander verbindet. So kombiniert sie die Äs-

16 thetik der zeitgenössischen abendländischen Musik mit chi- Christian Ofenbauer zählt zu den eigenwilligsten
nesischen, japanischen und koreanischen Traditionen und der Komponisten-Persönlichkeiten der Gegenwart.
Klangwelt der australischen Ureinwohner. Liza Lim ist welt- Der gebürtige Grazer ist in Kärnten aufge-
weit erfolgreich und erhielt Aufträge von den Salzburger Fest- wachsen, lernte ab dem 5. Lebensjahr
spielen, von Festivals Neuer Musik ebenso wie zum Beispiel Violine, später Orgel und Musiktheo-
vom Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder von rie am Landeskonservatorium
der Oper Köln. Sie unterrichtet Komposition in ihrer Heimat, Klagenfurt. Ab 1979 studierte er
in England und in den USA. „The Heart’s Ear“ für Flöte, Kla- in Wien, Tonsatz bei Alfred Uhl
rinette und Streichquartett erklang erstmals 1997 in Sidney. und Komposition bei Friedrich
Das Stück erzählt von Liza Lims liebevoller Beschäftigung Cerha. Dazu kamen Privat-
mit arabischer Musik, mit der Spiritualität der Sufis und deren studien über Alte Musik bei
größtem Dichter Dschalal-ad-Din ar-Rumi. „Das Ohr des Her- Josef Mertin und 1986 ein
zens“ hört den menschlichen Atem. Doch auch der Tanz, die Studienaufenthalt in Paris
Vereinigung mit dem Göttlichen und der Zauber der Stille fin- mit Kontakten zu Pierre
den tönende Entsprechung. Die zitierte Sufi-Melodie beginnt Boulez. Ofenbauer arbei-
das Werk wie „der Gesang eines Vogels aus dem Ei“. Die Flöte tete intensiv an Musik-
wird zum Instrument einer heiligen Sehnsucht. theaterprojekten, er war

Organist in Wien, Mitglied
Julia Purgina, geboren im bayerischen Straubing, erlern- des Ensembles „die reihe“,
te zunächst das Spiel auf der Bratsche und absolvierte zwei Programmgestalter und

Kompositionsstudien mit Auszeichnung, bei Chaya Czernowin Projektbetreuer für das Wie-

und Erich Urbanner. Von 2004 bis 2007 war sie Bratschistin ner Konzerthaus und ist seit

beim Radiosinfonieorchester Wien. 2004 gründete sie mit an- 1986 an den Musikuniversitäten

deren jungen Komponisten das „ensemble LUX“ und spielt in Wien, Graz und nun vor allem in

beim „ensemble reconsil“ sowie bei „Studio Dan“. Derzeit lebt Salzburg als Lehrender tätig. Er er-

sie als freischaffende, bereits vielfach preisgekrönte Künstle- hielt zahlreiche Preise und Auszeich-

rin in Wien. Aufführungen ihrer Werke fanden u. a. in Öster- nungen, seine Werke wurden u.a. beim

reich, Slowenien, Bulgarien, Finnland, der Slowakei, Deutsch- Festival Wien Modern und in Kassel uraufge-

land und Estland statt. Julia Purginas „Kammermusik IIa“ führt. Erfolgreiche Aufführungen finden mittler-

wurde am 16. Februar 2016 von „ensemble reconsil“ in Wien weile in ganz Europa statt. Ofenbauer schreibt ohne die

erstmals präsentiert, erklingt nun aber bei den Aspekten in ei- verbindliche Sicherheit irgendeines Idioms und stellt so etwas

ner „extended version“. Die Komponistin, selbst eine versierte wie „Personalstil“ grundsätzlich in Frage. Ästhetische Normen

Interpretin „alter“ und „neuer“ Kammermusik, über ihre Mu- sind für ihn ein Anachronismus; für seine Tonsprache verwen-

sik: „Meinen Stücken gemein ist, dass sie in irgendeiner Form det er Begriffe wie Auswaschung, Abbruch und Versinken.

Sinneseindrücke einfangen und in Musik transformieren, es Wichtig ist ihm jene „musique informelle“, die Adorno 1961

ist also die Wandlung von einem Sinneseindruck zum näch- wie folgt beschrieben hatte: „Gemeint ist eine Musik, die alle

sten. Welche Sinneseindrücke transformiert werden, ist ganz ihre äußerlich, abstrakt, starr gegenüberstehenden Formen

abgeworfen hat, die aber, vollkommen frei vom heteronom das Bild: ‚spazi communicanti’) und eine etwas längere Versi- 17
Auferlegten und ihr Fremden, doch objektiv zwingend im Phä- on. Breccia IV entstand als weitere, noch größere – und auch
nomen, nicht in diesen aufwendigen Gesetzmäßigkeiten sich längere – Version für Kammerensemble und stellt in vielen
konstituiert.“ Ofenbauer verweigert „Selbstkommentare“, teilt Bereichen einen deutlichen Gegensatz zu den klaren Konturen
aber zur Entstehung seines neuen Stücks mit: „Im Jahr 1999 und Figuren des Werks Breccias dar, in manchen Bereichen
geht es allerdings durchaus von der Gestaltung und besonders
habe ich 6 Partituren mit dem Titel ‚Zerstörung des Zim- der Form der Bilder aus.“
mers/der Zeit’ für verschiedene Ensembles und So-
loinstrumente ausgearbeitet. Der Titel zitiert Tristan Murails „La Chambre des cartes“ (Die Kammer der
die Regieanweisung aus Bertold Brechts Landkarten) wurde 2011 in Amsterdam uraufgeführt. Im Un-
‚Fatzermaterial’ (Schlussszene in der tertitel ist das Stück auch als „Einladung zu einer Reise“ be-
Fassung Heiner Müllers). Diese No- zeichnet. Murail, seit seiner Kindheit fasziniert von Landkarten
tate waren Bestandteile einer Büh- und deren Farben, liebt in Abenteuerromanen besonders jene
nenmusik zu Ödön von Horvaths Szenen, in denen „der Held seine Reise anhand dieser Karten
Tragödie ‚Geschichten aus dem plant.“ Sehr anregend findet er die mythologischen Karten aus
Wienerwald’, die im Rahmen dem Mittelalter oder die Kabinette, die in Schlössern und Bur-
der Schauspielaufführung gen alten, kunstvoll gestalteten Landkarten gewidmet sind.
als Tonbandinstallation rea- Die Reise kann freilich, wie bei Jules Verne, auch zum „Mit-
lisiert wurden, im Grazer telpunkt der Erde“ gehen. Vor „Google Earth“ und ähnlichen
Schauspielhaus. Einzelne Internetseiten warnt Murail hingegen eindringlich – „benützen
Musikerinnen und Musiker Sie das nicht!“ Allzu große Verfügbarkeit kann die „Magie der
haben verschiedene dieser Karten“, kann die Phantasie zerstören. Allzu detaillierte Be-
Partituren mittlerweile als schreibung von Musik kann dies ebenfalls. Folgen wir einfach
Konzertstücke behauptet - der Magie der spektralen Klänge, die Murail für seine äußere
hauptsächlich Klavier solo, und innere Reise gefunden hat.
aber auch Streichquartett
solo. Neben diesen Konzep-
ten existiert eine völlig neu
ausgearbeitete Konzertversion
für Klavier und Streichquartett
gleichen Titels aus dem Jahr 2000.
Inzwischen ist das ‚zerstörte’ Zim-
mer ‚vergessen’. In staubigen Räumen
fliegen die Partikel eben auf.“

Klaus Ager zu seinem Stück: „Breccia IV entstand in
einer ersten Version im Rahmen eines internationalen Pro-
jekts, für das Aufträge an 24 Komponisten aus aller Welt ver-
geben wurden. Der Auftrag lautete, ein Stück, nicht länger als
5 Minuten, für drei Instrumente zu schreiben, das auf ein Bild
des römischen Malers Pier Augusto Breccia (*1943) Bezug
nehmen sollte. Ich schrieb das Stück in zwei Versionen: eine
Kurzversion (5 Minuten für das Projekt, Bezug nehmend auf

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Hsin-Huei Huang

Donnerstag, 2. Juni, 21.30 Uhr, Kavernen 1595

Konzert III . Au Poisson Rouge – Il colore dell’ombra

Hsin-Huei Huang, Klavier
Barbara Riccabona, Violoncello
Barbara Lüneburg, Violine
Horia Dumitrache, Klarinette/Bassklarinette

Yann Robin (*1974) „Ftera“ für Bassklarinette, Viola und Klavier (2014) 19
Tristan Murail (*1947) „La Mandragore“ für Klavier (1993)
Clara Iannotta (*1983) „Il colore dell’ombra“ für Violine, Cello und Klavier (2010)
Peter Jakober (*1977) „flimmernd“ für Quartett
Uraufführung
Mirela Ivičević (*1980) Ranko(A)sis III: TOP 10 songs I’ve never written
Für Bassklarinette, Viola und Violoncello
Uraufführung

Peter Jakober Mirela Ivičević

Der französische Komponist Yann Robin studierte in Aix-en- Clara Iannottas Komponieren, über eine „gewisse Theatrali-
Provence, Marseille und Paris, gewann mehrere Preise, zum tät“ in ihren mit unorthodoxen Spielanweisungen gespickten

Beispiel den Grand Prix de la Musique Symphonique 2011, Stücken schreibt Barbara Barthelmes: „Die Partituren wir-

und arbeitete mit dem Ensemble Intercontemporain und am ken wie Choreografien, nach denen die Klänge in

IRCAM. Stücke von ihm wurden bereits unter anderem in Do- den Aufführungen von den Instrumentalisten

naueschingen, bei der Biennale von Venedig, in New York und buchstäblich geformt und zum Leben

Seattle sowie beim Lucerne Festival mit Erfolg gespielt. Robin erweckt werden“. Das Klaviertrio „Il

ist Mitbegründer und Leiter des Multilatérale Ensembles. Sein colore dell’ombra“ (Die Farben

Stück „Ftera“ wurde im April 2014 von Solisten des Ensembles des Schattens) war 2010 Clara

Intercontemporain aus der Taufe gehoben. Schauplatz war Iannottas Examensstück in

das Auditorium du Louvre in Paris – ebendort befindet sich Mailand, geschrieben für

die geflügelte „Nike von Samothrake“, eine imposante helle- ein Trio des Ensemble

nistische Figur, an der Kreuzung der Treppen. Das griechische Multilatérale. Der Titel

Wort „Ftera“ bedeutet „Flügel“ oder „Gefieder“ und um „Flü- sagt, wie immer im

gelschlagen“, um Luft und Atmen geht es in Robins Stück. Das Oeuvre der Kompo-

komplexe Trio feiert die Rückkehr der Nike nach ihrer Restau- nistin, kaum etwas

rierung. über ein Programm

und mehr über in-

„La Mandragore“ von Tristan Murail wurde im November nere Zustände aus.
20 1993 in Tokio von der Widmungsträgerin, der Pianistin Tomo-

ko Yazawa, erstmals öffentlich gespielt. Die „Mandragore“ ist Der Steirer Peter
eine Pflanze, die Alraune, der man seit der Antike Zauberkräfte Jakober, Schüler
zuschreibt. Das Nachtschattengewächs wurde oft als Aphrodi- von Georg Fried-

siakum eingesetzt, kann aber in zu großen Mengen Vergiftun- rich Haas und Gerd

gen bis hin zum Tod herbeiführen. Murail schrieb über diese Kühr, lebt nach

„magische Pflanze“ eine musikalische Spirale, deren spektrale Studienaufenthal-

Akkorde in rhythmischer Archaik über ostinaten Bässen krei- ten in Rotterdam

sen. und Köln nun in Wien.

Seine Stücke erlebten

Die Römerin Clara Iannotta begann ihre musikalische Lauf- u.a. Uraufführungen bei
bahn als Flötistin, ehe sie die Komposition als ihr ureigenes den Klangspuren Schwaz,
Feld entdeckte: „Meine ganze Kindheit über arbeitete ich dar- im Musikprotokoll des Stei-
auf hin, Flötistin zu werden. Mein Lehrer in Harmonielehre hat rischen Herbstes, in Köln, bei
mich dann mehr oder weniger gezwungen, Komposition zu Maerz Musik Berlin und beim Ulti-
studieren, was ich dann auch von 2003 an tat. Ein Jahr später ma Festival in Norwegen. Sein neues
erst realisierte ich, dass das Komponieren die Kunst ist, die mir Stück „flimmernd“ für Klarinette und Kla-
am meisten entspricht“. Alessandro Solbiati war ihr Lehrer in viertrio ist ein Auftragswerk der Aspekte. Pe-
Mailand. Nach Studienjahren in Paris pendelt sie nun zwischen ter Jakober schreibt mikrotonal, fühlt sich aber auch
Berlin und Boston, zwischen dem „Künstlerprogramm der durch die moderne DJ-Kultur angeregt, insbesondere durch
DAAD“ und der Harvard University. Seit 2014 leitet sie auch deren rhythmische Überlagerungen. Wichtig ist für ihn keine
die „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ in Vorarlberg. Über Stilrichtung, sondern einfach Musik zu komponieren, die ihm
selbst zusagt. Sein neues Stück „flimmernd“ besteht „zum

großen Teil aus leicht unterschiedlich schnell gespielten Tril- Erlebnisse zu schaffen, die helfen können, ihren Wirklichkeits-
lern, die übereinander gelagert werden“, schreibt Jakober. ursprung besser zu verstehen oder zu transformieren.“ Bei
„Die Unterschiedlichkeit dieser Geschwindigkeiten spiegelt den Aspekten gelangt nun ihr neues Stück für Trio zur Urauf-
führung. Dazu hat sie einen Text verfasst: „Leben, das nicht
auf zeitlicher Ebene die mikrotonalen engen, teil- passiert ist. Kleine Andeutungen der potentiellen Erfahrun-
weise schwebenden Intervalle wider. gen, quälend schön, viel versprechend, höchstwahrscheinlich
unrealistisch und ungemein frustrierend in ihrer Unfähigkeit
Es entsteht ein fragiler, nicht zur Ruhe zur Verwirklichung - wie in diesen zahlreichen ‚ranking-blogs’.
kommender, zitternder Klang, der TOP, welche Nummer auch immer. Das, was auch immer du
sich gegen Mitte des Stückes machen musst, bevor du stirbst. Aber du wirst nicht die Chan-
verdichtet, und durch hefti- ce dazu bekommen.“
ge Aktionen der Streicher
gebrochen wird. Übrig 21
bleibt, fast wie ein Nach-
klang, ein leiser, zar-
ter, glissandierender
Streicherklang, kurz
angeschlagene ge-
dämpfte Saiten des
Klaviers und eine
leise Pulsation der
Klarinette.“

Mirela Ivičević,
geboren im kroati-
schen Split, studier-
te in Zagreb und vor
allem bei Beat Furrer
in Graz. Parallel zu den
Kunststudien absolviert
sie das Masterstudium
Kulturmanagement, ist
Produzentin des Festivals
zeitgenössischer Musik DANI
NOVE GLAZBE in Split, seit 2014
Co-Kuratorin des Festivals UNSAFE
& SOUNDS sowie Mitbegründerin des
Ensembles The Black Page Orchestra in
Wien. Über ihre oft erfrischend unkonventionelle,
mit Populärem und klassischen Motiven spielende, mitun-
ter erstaunlich humorvolle Klangsprache schreibt sie: „Mei-
ne Musik ist Sonic Fiction, die aus Realitätssplittern besteht,
entführt aus ihrem natürlichen Umfeld in eine surreale Welt,
mit dem Ziel, aus ihnen alternative Klangkonstellationen und

Anahid Hashemi Magdalena Fürntratt
Georg Klöpfer
Johannes Beranek

David Mandlburger Dana Schraml Kiron Atom Telian

Freitag, 3. Juni, 13:30 Uhr, Kavernen 1595

JUGEND KOMPONIERT FINALRUNDE

In Kooperation mit Musik der Jugend und Aspekte Salzburg

Tomoko Sato, Flöte
Barbara Giusto, Gitarre

Altersgruppe I (10 – 14 Jahre) Die Kiwis
Anahid Hashemi (*2004) I. Kiwi-Variationen
II. Die Kiwis reisen gemeinsam nach Dublin
Für mein Stoffhuhn
Kiron Atom Tellian (*2002)

Altersgruppe II (15 – 18 Jahre) Liaison eines Schmetterlings 23
Johannes Beranek (*1998)

Magdalena Elisabeth Fürntratt (*1999) Star Wars 7 Suite
BB-8
Takodana

Georg Klöpfer (*1998) Traummännlein

David Mandlburger (*1997) Riverside Road

Dana Schraml (*1998) Tango No. 1

Jury
Alexander Kukelka (Komponist, Präsident ÖKB)
Ludwig Nussbichler (Komponist, Direktor Musikum Stadt Salzburg)
Univ. Prof. i.R. MMag.Gunter Waldek (Komponist, Präsident OÖKB)
Albin Zaininger (Komponist, Direktor Landesmusikschule Marchtrenk/OÖ)
Juryvorsitz: Mag. Richard Graf (Komponist, Präsident INÖK)

Der Österreichische Komponistenbund (ÖKB) ist die Interessenvertretung in Österreich lebender und wirkender KomponistIn-
nen. Wichtigstes Ziel ist die Förderung und Stärkung der gesellschaftlichen, kulturpolitischen und wirtschaftlichen Position der
Musikschaffenden Österreichs. Der ÖKB ist Initiator von zahlreichen Projekten wie Wettbewerben, Konzertformaten oder Kon-
gressen und engagiert sich für die Nachwuchsförderung. Der Wettbewerb „Jugend komponiert“ findet bereits zum 9. Mal statt.

EINTRITT FREI

Die KomponistInnen Feedback der Juroren erhalten. Für „Jugend komponiert

Anahid Hashemi 2016“ habe ich eine Gitarrenstimme dazu erarbeitet, um

Geboren am 09.12.2004 in Mödling. die Vorgaben der Instrumentierung des Pflichtstückes zu

Hobbies: Musik, Tanzen, Lesen. erfüllen.

Besuchte eine Klasse mit Musikschwerpunkt der PVS Kolle- Im Teil II - Die Kiwis reisen gemeinsam nach Dublin -
gium Kalksburg von 2011 bis 2015. Teilnahme an zahlreichen gehen die Abenteuer der Kiwis weiter. Mal ist ihre Reise
Auftritten dieser Musikklasse im Rahmen von Schulveranstal- hektisch und aufregend, mal von langweiligem Warten
am Flughafen geprägt. Aber die Kiwis haben gemeinsam
tungen und externen Events.
Besuch des Kurses „Musikwerkstatt“ der Musikschule Brei- immer Spaß! Die Idee zu diesem Stück kam mir, als ich im
tenfurt im Kindergartenalter. Querflötenunterricht seit Sep- vorigen Jahr zum St. Patrick’s Day wieder einmal Lieder
tember 2012 an der Musikschule Breitenfurt bei Frau Mag. aus einem Songbook (arrangiert für Flöte mit Akkord-
Julia Auer und Frau Mag. Elisabeth Stix B.A. Absolvierung begleitung für Gitarre) mit traditioneller irischer Musik
zahlreicher Auftritte im Rahmen von Klassenabenden, Ver- spielte.

anstaltungen und Workshops der Musikschule Breitenfurt.
Eigene Kompositionen seit 2013 hauptsächlich für ihre Ku- Kiron Atom Tellian
scheltiere (v.a. Plüsch-Kiwi-Vögel) und über für Kinder inter- wurde im August 2002 in Wien geboren und spielt seit
essante Alltagsthemen, u.a. ein „Hochzeitslied“ 2015 für ihre dem sechsten Lebensjahr Klavier.   Seit 2010 Unterricht in
der  Hochbegabtenklasse bei Frau Prof. Alma Sauer (mdw).
Volksschul-Klassenlehrerin.
Besuch des Kurses „Musiktheorie I“ im Schuljahr 2014/15 Seit 2009 Kompositionsunterricht bei Rudolf Hinterdorfer und
24 an der Musikschule Breitenfurt bei Herrn Christoph Theiler. Willhelm Spuller.  

Teilnahme am Bewerb „Prima la Musica 2015“ in der Alters-
gruppe B mit Vortrag der Eigenkomposition „Kiwi-Variatio- Preise (Auswahl):
Erste Preise bei „Prima la Musica“ 2012, 2014, 2015 und 2016
nen“, Zuerkennung eines „Ersten Preises“.
Kompositionsunterricht bei Herrn Christoph Theiler, Musik- in den Kategorien Klavier solo und Klavier Kammermusik, dar-
unter der Sonderpreis “Prof. Dr. Konrad Fuchs-Stipendium“  
schule Breitenfurt, im Wintersemester 2015/16.
Sonderpreis für “musikalische Inspiration” beim Josef Win-

Die Kiwis disch-Wettbewerb für Hochbegabte 2012, erster Preis mit

Ich komponiere schon seit 2013 immer wieder Stücke für Auszeichnung beim INÖK Wettbewerb für Neue Musik 2013,
meine Plüschtiere. Dabei sind die Kiwis (Laufvögel aus erster Preis beim 23. internationalen Klavierwettbewerb “Cit-
Neuseeland, ich habe zwei davon) meine Lieblinge. Die Ge- tà di Barletta” 2013 in Italien Preisträger beim Klavierpodium
schichte hinter meinem Werk „Die Kiwis“ handelt davon, München, Preisträgerkonzert im MuTh - Konzertsaal der Wie-
dass sich die beiden Plüschvögel erstmal kennen lernen, ner Sängerknaben, zweiter Preis  beim Rudolf Heydner-Kla-
vierwettbewerb 2014, zweiter Preis  beim 3. Internationalen
sich anfreunden und dann allerlei gemeinsam erleben.
Die Flötenstimme im Teil I - Kiwi Variationen meines Jenö Takács Klavierwettbewerb 2014.
Werkes ist im Rahmen meines Flötenunterrichtes ent- Dritter Preis beim 16. internationalen Musikwettbewerb in

standen. Meinen Lehrerinnen hat 2014 das Kiwi-Thema Osaka/Japan im Oktober 2015 in der Kategorie Klavier Solo,

so gut gefallen, dass sie mir immer wieder die Erarbei- “Espoir Prize” mit dem Trio La Mer in der Kategorie Kammer-

tung von Variationen dieses Themas in anderen Rhyth- musik.

men oder Tonarten sowie mit Anwendung moderner Kompositionen für Klavier solo, Violine und Klavier, Klavier-

Spieltechniken quasi als erweiterte Hausübung gaben. trio, Klarinettenduo, gemischtes Ensemble, Blaskapelle, so-

Ich habe die Variationen bereits bei meinem Antritt bei wie Vokalensemble. Kiron besucht derzeit die vierte Klasse

„prima la musica 2015“ vorgetragen und dafür ein tolles des Musikgymnasiums in Wien.

Für mein Stoffhuhn sanfte Berührung der Flügel, entwickelt sich zu einer kurzen 25
Das Stück ist meinem Stoffhuhn Müslimiene Parkinson ge- Liebschaft. Nicht lange macht die Eifersucht halt. So sanft und
widmet, das ich seit meiner Geburt kenne. Die Komposition leise die Beziehung begonnen hat, umso intensiver endet sie.
besteht aus drei Sätzen, die unterschiedliche Gemütszustän-
de meines Huhnes begleiten. Ich habe versucht, Gitarre und Magdalena Elisabeth Fürntratt
Querflöte in ein Gleichgewicht zu bringen, indem ich beide so- *1999 in Graz. Schülerin des Sprachenzweiges an der HIB
wohl als Rhythmus- wie auch als Melodieinstrument einset- Graz-Liebenau. Unterricht in Blockflöte, Klavier, Harfe (Mona
ze. Das Stück wendet unterschiedliche instrumentenspezifi- Smale ab dem 7. Lebensjahr), Violine, Gesang. Persönliches
sche Kompositionstechniken an. Für die Gitarre nutze ich die Motto „When words fail, music speaks“.
Möglichkeit der Mehrstimmigkeit, sowie unterschiedliche Mehrfachpreisträgerin bei Landes- und Bundeswettbewerben
Anschlags- und Spieltechniken. Für die Querflöte verwende von Prima la Musica seit 2005 - immer mit eigenen Werken.
ich moderne Techniken wie die Flatterzunge und auch den Zuletzt 2012 und 2014 jeweils 1. Preis beim Bundesbewerb
kombinierten Gesang. Prima la Musica für Soloharfe mit Eigenkompositionen. 2016
Entsendung zum Bundesbewerb für Harfe mit dem eingereich-
Johannes Beranek ten Werk Lavant – Die Nacht. Soloauftritte als Harfenistin in
wurde am 29. Jänner 1998 im Bezirk Mistelbach (Niederöster- Belgien, Slowenien, Deutschland, Ungarn, Frankreich und
reich) geboren. Er erhielt ab 2004 Klavierunterricht bei Mag. Russland. Mitglied des „Europa Jugendorchester Darmstadt“
Dr. Angelika Böhm und anschließend bei Reinhard Süss. Er seit 2015. Eine natürliche Schaffensfreude an Musik ließ erste
erhält seit 2006 Hornunterricht bei Peter Hofmann und seit Werke für Blockflöte 2005 („op.1 „Das Schloss“) entstehen,
2012 Kompositionsunterricht bei Reinhard Süss an der Mu- widerspiegelte stets ihre musikalische Entwicklung und wur-
sikschule Staatz und Umgebung. Seit 2012 besucht er das de früh mit externer Wertschätzung belohnt: Gewinnerin des
Musikgymnasium Wien. Johannes Beranek erreichte mehre- Kompositionswettbewerbes für den ERTA-Kongress 2008,
re 1. Preise auf Landes- und Bundesebene in den Kategorien ORF-Fernsehportrait für ihr Chorstück „Österreich Mantra“ im
Horn-Solo und Kammermusik bei dem Wettbewerb Prima la Rahmen von „Österreich singt“ 2014, usw. 2013 durfte Mag-
Musica. Als Hornist wirkte er u.a. bei Konzerten des Orchester dalena erstmals ein Werk im Steirischen Tonkünstlerbund
des Musikgymnasium Wien, dem Wiener Mozart Orchester, vorstellen.
dem Ensemble „Neue Streicher Wien“, Orchester der Felsen-
bühne Staatz und in diversen Kammermusikformationen u.a. Star Wars 7 – Suite: BB-8 + Takodana
im Konzerthaus Wien, Wiener Musikverein, Wiener Staatso- inspiriert durch den Film „Star Wars 7“ schuf Magdalena
per, Brucknerhaus Linz und dem Festspielhaus St. Pölten mit. Fürntratt die „Star Wars 7 – Suite“.
Seine Werke wurden u.a. bei Prima la Musica, sowie bei Kon- BB-8: Der Droide „BB-8“, dargestellt durch die Flöte, fährt
zerten der Jugendkapelle Staatz und der Weinviertler Phil- hoch und kurvt durch die Wüstenlandschaft Jakkus, immer
harmoniker aufgeführt. wieder digitale Signale aussendend. Mit den verschiedenen
Klangmitteln der Gitarre wird diese Wüstenlandschaft be-
Liaison eines Schmetterlings schrieben, anschließend die steigende Gefahr der sich nähern-
Das Stück „Liaison eines Schmetterlings“ handelt von einer den feindlichen Tyridium-Raumschiffe, bis sie BB-8 schließlich
kurzen Liebschaft zweier Schmetterlinge. Eine besondere entdecken und verfolgen. Hören Sie selbst, ob BB-8 die Flucht
Rolle spielt hierbei das nahe Beieinanderliegen von unbe- vor den Sturmtruppen gelingt…
schreiblichem Glück und unerklärlichem Zorn. Der Komponist Takodana: Unterstützt von Identifikationssignalen nähert
bezieht sich auf eine symbolische Liebelei eines Schmetter- sich das Raumschiff dem Planeten Takodana. Im Landeanflug
lings, welcher als Sinnbild für seelische Prozesse gilt. Eine sieht man die charakteristische Wälder- und Seenlandschaft
erste ferne Bekanntschaft, gezeichnet durch eine anfänglich des Planeten. Nach der Landung in der unberührten Natur be-

tritt die Mannschaft Maz Kanatas Schloss, durchschreitet auf Klavier, Schlagzeug, Saxophon und Gesang ist ihm die Gitar-
der Suche nach BB-8 die Schenke mit ihren zwielichtigen, zum re immer treu geblieben – und zwar in all ihren Varianten, in
Teil torkelnden Gästen. Erfolglos verlässt die Mannschaft den Bereichen Jazz/Fusion, Crossover oder Klassik. Unter
schließlich das Schloss über den Hinterausgang, um wieder anderem arbeitete er mit Tini Kainrath, Workshops bei Peter
zurück in die Natur zu gelangen. Ratzenbeck, Tommy Emmanuel und Allegre Correa. Seit 2013
ist er Schüler des Linzer Crossover-Gitarristen und Kompo-
Georg Klöpfer nisten David Lindorfer, bei dem er unter anderem versucht,
Ich bin leidenschaftlicher Musiker und bezeichne mich selber seine kompositorischen Ideen auf die Gitarre zu übertragen.
gerne als Musikfanatiker. Ich spiele seit ich 5 Jahre bin Geige Seine Stücke präsentiert er regelmäßig bei Konzerten im Stift
und habe mit 10 Jahren Klavier als Zweitfach angefangen. Bis Melk, der Kulturwerkstatt Tischlerei Melk oder bei den Vienna
vor 4 Jahren war noch nicht ganz klar, was ich machen will, Fingerstyle Nights.
ich habe mich aber ziemlich schnell für die Musik entschieden.
Nach der Unterstufe habe ich in das Musikgymnasium Neu- Riverside Road
stiftgasse gewechselt, um dort mein musikalisches Talent zu ist geprägt von Wechselhaftigkeit und Zwiespältigkeit – nicht
fördern. unähnlich dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem stillen
Schweigen an einem Flussufer und einer reichlich befah-
Traummännlein renen Uferstraße, der Riverside Road. Die Ruhe und Gebor-
ist nur in meinem Kopf entstanden. Ich hatte immer ein genheit von Legatolinien und wässrig plätschernden Sext-
Bild von einem Männlein, vermutlich im Mittelalter im Kopf, akkorden wird durchbrochen von atonalen Fröschen, die
dass über Wiesen und Felder streift und dabei eine Melo- ihren dissonanten Differenzen lautstark Luft machen, und
26 die spielt oder pfeift. Diese Melodie habe ich dann aufge- von crescendierenden Autos, die in schrägen Taktarten –

schrieben und versucht eine Geschichte daraus zu machen. und natürlich im Fortissimo – ihre Reifen quietschen lassen.
Ich habe das Thema genommen und in Schnelligkeit und Diese sich unvereinbar abstoßenden, aber doch zu einer lo-
auch von den Noten her variiert, aber im Hinterkopf immer kalen Koalition der Unwilligen verdammten Welten treffen
das eine Thema behalten. Am Anfang beginnt quasi der bereits in der Einleitung zu einem bitonalen Crash zwischen
Spaziergang des Männleins mit der Melodie die es pfeift. E-Dur und D-Moll zusammen. In einem dialektischen Schlag-
Dann regnet es dazwischen einmal, da ist die Stim- abtausch schaukeln Klangflächen und 4/4-Ordnungsanfälle
mung Moll und auch eher nicht so fröhlich. Jedoch kurz sowie freiheitsliebende Tonalitätsvandalen die Spannung
vor dem Ende, tanzt es nochmal ganz wild umher. Bis es hoch, bis sie in einer 7/8-staccato-Slap-Entgleisung ausartet.
seinen Spaziergang mit einer ruhigen Melodie beendet. Trotz der temporären Idylle eines melodiösen Hauptthemas
Ich bin ein großer Fan der spanischen Gitarre, deswegen habe scheinen die Fronten gespannt: Die Zunge flattert, der Palm-
ich versucht zwischendurch immer wieder bizarr klingende mute-Daumen glüht, alles ist bereit für das Duell des dynami-
Akkorde mit hineinzupacken bei denen man sich denkt was ist schen Duos. Können sich die rhythmisch-sekkanten Synkopen
jetzt los. Spätestens nach dem zweiten Mal hören gewöhnt und die wohlerzogenen Bindebögen am Ende, wie vom Dia-
man sich an die Akkorde. Anfang und Schluss sind von Solo lektik-Meister Platon gefordert, noch versöhnen? Oder wird
Gitarre gespielt und auch wieder sehr spanisch. Das Ganze ist es doch die Shakespeare-Lösung, bei der die weiche, saftige
auf einem Dialog zwischen Flöte und Gitarre aufgebaut. Durterz an der spitzen Crescendogabel der scharfen Marcato-
linien aufgespießt wird?
David Mandlburger
Geboren 1997, griff David Mandlburger 2002 erstmals zur Gi- Dana Schraml
tarre, als er an der Musikschule Loosdorf, Niederösterreich, 1998 in Steyr geboren, erhielt ihren ersten Instrumental-
seine Ausbildung begann. Neben anderen Instrumenten wie unterricht bei ihrem Vater Peter Schraml. Seit 2007 ist sie

Mitglied des Musikvereines Großraming, in demselben Jahr Beide Geschlechter sehen sich und fühlen sich auf Anhieb 27
begann sie den Klavierunterricht bei Petra Stroh. Mit ihrem zueinander hingezogen (Querflöte und Gitarre spielen un-
Können auf der Klarinette überzeugte Sie die Prima la Mu- terschiedliche Melodien). Währenddessen die Frau keinen
sica-Jury des Öfteren, insgesamt 9 erfolgreiche Teilnahmen Gedanken an den Mann verliert (Querflöte, lange Töne mit
bei den Landeswettbewerben, darunter 4 mit Empfehlung Flatterzunge), merkt der Mann wie hinreißend und anmutig
zum Bundeswettbewerb. Nach vielen Lehrstunden bei ihrem die Frau doch ist (beschwingter, cooler Rhythmus auf der
Vater (auf der Klarinette) wechselte sie 2012 zu Prof. Man- Gitarre). Doch die Frau holt ihn zurück in die Realität und
fred Unterhuber. Im Alter von 15 Jahren absolvierte sie das zeigt ihm, dass sie nicht so leicht zu haben ist (schneller
Goldene Leistungsabzeichen auf der Klarinette und bestand Lauf, zurück in den Tango Rhythmus). Er jedoch lässt sich
es mit ausgezeichnetem Erfolg. Danach schaffte sie die Auf- von ihrer Ansage nicht einschüchtern, und kommt ihr stolz
nahmeprüfung an der Anton Bruckner Privatuniversität für die entgegen (Hauptmelodie Gitarre). Von diesem sichtlich be-
ABF (Akademie für Begabtenförderung). Nach langen Unter- eindruckt, schwelgt sie sanfte Gedanken an der Zweisamkeit
richtsjahren bei ihrer Klavierlehrerin Petra Stroh, wechselte (kurze Staccato-Einwürfe)...“
sie 2014 nach Steyr zu Inga Fabsits. In demselben Jahr erster
Kompositionsunterricht bei Martin L. Fiala. In der kurzen Zeit Der Tango soll die Liebe in all ihren Facetten zeigen, Leiden-
in der sie als Komponistin tätig ist, hat sie schon so einiges schaft, Eroberung, Zerbrechlichkeit, Schmerz & Zorn (diesen
geschaffen. Sie war nicht nur voriges Jahr bei der Weihnachts- man deutlich in den letzten Takten zu hören bekommt). Doch
gala von „Steyr – singt“ als Arrangeurin tätig, sondern sie eines soll gesagt sein, der letzte Ton hat einen ganz beson-
ist auch bei dem Kindermusical „Adeliae und der Eisbär“ als deren Grund weshalb er so notiert ist, jeder kann es für sich
Komponistin und Arrangeurin vorzufinden. Doch am liebsten interpretieren. Aber nur ich, als Komponistin weiß, wie die
komponiert sie für Schlagwerk. Ihre erste Komposition wur- Liebesgeschichte endet.
de im Linzer Brucknerhaus uraufgeführt, und wird jetzt fleißig
von den Schlagwerkern gespielt. Eines ihrer Schlagwerkstücke
wird von den renommierten Percussion Duo „Sound Affaire“
zum Besten gegeben.

Tango No. 1
Da ich Gitarre und Querflöte mit einem Tango verbinde, war
die Stilwahl meines Stückes sehr schnell gefallen. Doch was
wollte ich mit meiner Musik…, mit meiner Komposition aus-
drücken bzw. sagen? Ich wollte nur ein Thema, dieses zum
Tango wie die Faust aufs Auge passt. Die Liebe! Jedes Mäd-
chen, jeder Junge hat sich schon mal darin verirrt, und lernte
daraus wie stark sie sein kann. Sie hat die Kraft uns Menschen
überaus glücklich zu machen, dann wiederum unser Herz fast
zu zerbrechen. Liebe ist so kompliziert und doch so einfach!
Und genau diesen Satz wollte ich in Musik verwandeln. Einen
kleinen Einblick in die Geschichte meiner Musik…

„…Tango No. 1 fängt mit der Vorstellung der beiden Ge-
schlechter an (das Thema). Die zierliche, feine Querflöte
stellt die Frau dar, während die Gitarre den Mann vertritt.

Jugend komponiert, Aspekte Sonderpreis 2016
In Kooperation mit Musik der Jugend, ÖKB, Musikum Salzburg, Uni Mozarteum
Uraufführungen von österreichischen jungen Komponisten

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Barbara Giusto Tomoko Sato

Die Interpretinnen und Interpreten und ihre Lehrerinnen und Lehrer
Lukas Dürager . Florian Hemetsberger . Lukas Hemetsberger . Daniel Schwaighofer - Gerhard Füßl, Musikum. Chiara Gruber
- Pal Paulikovics, Musikum. Lukas Dürager - Hubert Kellerer, Musikum. Viola Pracher - Elisabeth Haas, Musikum. Corinna
Gerl - Renate Sölva, Musikum. Lukas Grubinger . Lea Neumayer . Johanna Mayr - Gerti Hollweger, Musikum. Ziyu He - Paul
Roczek, Mozarteum

Freitag, 3. Juni, 16:00 Uhr, Kavernen 1595

IV | aspekteSPIELRÄUME

Tomoko Sato, Flöte
Barbara Giusto, Gitarre

Trad./Arr. Gerhard Füßl (*1968) Jewish Balkan Bläserensemble Senza Confini
Lukas Dürager, Tenorhorn
Florian Hemetsberger, Tenorhorn
Lukas Hemetsberger, Tenorhorn
Daniel Schwaighofer, Tuba

Preisverleihung „Jugend komponiert“

Preisträger „Jugend komponiert“ 29
Poe Paulson (*1962)
In Erinnerung an W. A. M Chiara Gruber, Gitarre
„Die Nachtwache zu Salzburg“

Jewgeni Derbenko (*1949) Kleine Suite Lukas Dürager, Akkordeon
Polka
Kleine Waise
Alte Drehorgel
Hühnerjagd

Preisträger „Jugend komponiert“

Johannes Kotschy (*1949) 16 Miniaturen für Violoncello solo Viola Pracher, Violoncello
Über das Meer

Jürg Kindle (*1960) aus Les Planètes Corinna Gerl, Gitarre
Saturne

Johannes Pillinger (*1963) Globalixmix im Bushladen Fagott-Trio Albasun
Lukas Grubinger
Lea Neumayer
Johanna Mayr
Preisträger „Jugend komponiert“

Gerhard Wimberger (*1923) Toitoitoi Ziyu He, Violine

Jugend komponiert Chiara Sophie Gruber
Lebensläufe und Werkbeschreibungen siehe Finale Jugend komponiert. ist in Salzburg am 18.1. 2004 geboren

Aspekte Sonderpreisträger 2016 und wohnt in Mattsee/Lochen am See.

Sie besucht das Musikgymnasium

Bläserensemble Senza Confini in Salzburg. Im Hauptfach lernt sie

Lukas Dürager Gitarre in der Klasse von Dipl.mus.

päd. Pal Paulikovics am Musikum

Lebenslauf unter „Lukas Mattsee, im Nebenfach Querflöte bei

Dürager“ Mag. Stefan Rauter. Aktivitäten: 1.
Daniel Schwaighofer
Flöte im MKO - Ensemblemitglied bei

wurde am 6. Septem- den Tobi Reiser Hirtenkindern.

ber 2003 geboren und Preisträgerin nationaler und internationaler Wettbewerbe:

besucht derzeit die Prima la Musica 2016 - 1. Preis mit Weiterleitung zum

UNESCO - NMS Mond- Bundeswettbewerb Solo-Gitarre, Aspekte Sonderpreis Prima

see. Seine musikali- la Musica 2014 - 1. Preis Sologitarre mehrfache Preisträgerin

sche Ausbildung erhält Internationales Gitarrenfestival Rust, Jugendwettbewerb

er an der LMS Mondsee Preisträgerin Jugendwettbewerb Terra Siculorum, Rumänien.

in den Fächern Tenor- Prima la Musica 2016 - 1. Preis Querflötentrio ChiLeChri Prima la

horn (bis 2014), Tuba Musica 2015 - 1. Preis Solo-Querflöte.

30 und Klavier. Bei Prima Chiara‘s Motto: «Musik ist wie meine beste Freundin. Sie
la Musica erhielt er begleitet mich überall hin und streichelt die Seele.» Die

2015 den 1. Preis so- Interpretation zeitgenössischer Stücke liebt Chiara besonders

wohl beim Landesbe- - «all die Plings und Plongs». Poe Paulson ist derzeit einer

werb in Oberösterreich als auch beim Bundeswettbewerb in ihrer Lieblingskomponisten.

Eisenstadt. Er ist darüber hinaus seit Jänner 2015 Mitglied der

Musikkapelle Tiefgraben.
Lukas und Florian Hemetsberger
sind am 9. Juni 2004 geboren und lernen seit September 2012

Tenorhorn bei Mag. Gerhard Füßl am Musikum Straßwalchen.

Sie werden heuer die erste Übertrittsprüfung ablegen. Im Fe-

bruar 2014 haben sie beim Landeswettbewerb Prima la Musi-

ca gemeinsam mit Lukas Dürager KM für Blechbläser in der

Altergruppe B teilgenommen und einen 1. Preis mit Auszeich-

nung erhalten. In diesem Jahr durften sie sich ebenfalls wieder

über einen 1. Preis mit Weiterleitung zum Bundeswettbewerb

mit dem Bläserensemble Senza Confini freuen. Lukas und

Florian besuchen die 2. Klasse der NMS Köstendorf und sind

Mitglieder beim Jungendblasorchester Köstendorf.

Lukas Dürager Fagotttrio „Albasun“ 31
wurde am 20. Juni 2003 in Salz- „Albasun“ ist die arabische Bezeich-
burg geboren. Er besuchte die nung für Fagott. Der Name ergab
Volksschule Köstendorf und geht sich beim gemeinsamen Proben des
derzeit in die 3. Klasse der MNS Stückes „Globalixmix im Bushladen“
Köstendorf. Seinen musikalischen von Johannes Pillinger 2001 kom-
Weg begann er mit 5 Jahren. Seit poniert. Es beschäftigt sich mit dem
2008 spielt er Akkordeon bei Mag. Zusammentreffen unterschiedlicher
Hubert Kellerer. Im Jahr 2011 ent- Kulturen.
Die Triomitglieder Lukas
schloss er sich Tenorhorn bei Mag. Grubinger, Johanna Mayr und Lea
Gerhard Füssl zu lernen. Lukas ist mit beiden Instrumenten Neumayer besuchen das Musische Gymnasium in Salzburg und
sehr erfolgreich. Er spielt seit 2013 jedes Jahr bei Prima la sind SchülerInnen von Gerti Hollweger am Musikum. Alle be-
Musica mit und hat sich 2014, 2015 und 2016 für den Bundes- herrschen mindestens zwei Instrumente und streben eine Kar-
wettbewerb qualifiziert. Außerdem wirkt er seit 2015 bei der riere als BerufsmusikerInnen an. Beim Wettbewerb Prima la
Trachtenmusikkapelle Köstendorf mit. Musica 2016 haben sie gemeinsam einen ersten Preis mit Wei-
terleitung zum Bundeswettbewerb erreicht. Auch beim Blas-
Viola Valerie Pracher musikwettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“ waren sie sehr
Geboren am 23.04.2004 in Goldegg erfolgreich und steigen aus dem Regionalbewerb in die nächste
im Pongau, erhält Viola Valerie seit Runde und somit in den Landeswettbewerb auf.
dem 5. Lebensjahr Cellounterricht
bei Elisabeth Haas am Musikum St. Ziyu He
Johann. Erfolgreiche Teilnahme am erlernte das Geigenspiel ab dem
Wettbewerb Prima la Musica 2014 Alter von fünf Jahren bei Professor
(1. Preis mit Auszeichnung) und Zhang Xiangrong in Qingdao und
2016 (1. Preis mit Berechtigung zur ab 2011 an der Universität Mozar-
Teilnahme am Bundeswettbewerb). teum, Salzburg bei Professor Paul
Die junge Musikerin besucht derzeit die Musikklasse des NMS Roczek. Er gewann bei Eurovisions
St. Johann und hat neben dem Cellospielen noch zahlreiche Young musicians 2014,1. Mozart
andere Interessen wie Singen, Tanzen, Lesen und die kreative Wettbewerb in China,12. Mozart
Auseinandersetzung mit Sprache. Wettbewerb in Salzburg und in
April 2016 Menuhin Wettbewerb in
Corinna Gerl London.
geboren 1998, seit 2005 Gitarreunter-
richt bei Renate Sölva am Musikum
Hallein. Mehrfache Preisträgerin des
Landeswettbewerbs ‚prima la mu-
sica‘, 2013 erhielt sie einen 1. Preis
beim Bundeswettbewerb im Gitarre-
Quartett. Im Juni 2016 wird sie ihre
Ausbildung am Musikum mit dem
Absolventenkonzert beschließen.

32

oenm
©Andreas Hechenberger, Markus Sepperer

Freitag, 3. Juni, 19.30 Uhr, republic

Konzert V . oenm – österreichisches ensemble für neue musik

Ekkehard Windrich, Violine
Jutas Javorka, Viola
Peter Sigl und Sebestyén Ludmány, Cello
Aleksander Gabrys, Kontrabass
Theodor Burkali, Klarinette
Nora Skuta, Klavier

Pascal Dusapin (*1955) Trio Rombach (1997)

Vasiliki Krimitza (*1989) LIGO’s observations, Uraufführung

Matthias Leboucher (*1985) Aside, Uraufführung

Gérard Pesson (*1958) Mes Béatitudes (1994/95) 33

Mark André (*1964) Kanon (2000)

Matthias Leboucher Vasiliki Krimitza
©Christelle Bolmio

Pascal Dusapin, einer der führenden Komponisten Frank- zweier riesiger schwarzer Löcher im Universum erzeugt. Die-
reichs in unserer Zeit, war zunächst Organist und komponier- se Kollision war ein ungeheures und monumentales

te bereits autodidaktisch, ehe er 1974 bis 1978 zum einzigen Phänomen. Nur so ein kraftvolles Ereignis kann

Schüler von Iannis Xenakis wurde. Xenakis bezeichnet er als Gravitationswellen erzeugen, die man

seinen „musikalischen Vater“, Edgar Varèse als den „musika- wahrnehmen kann. Das Gerüst meines

lischen Großvater“; ebenfalls wichtig war für den jungen Musi- Werkes ist mit den verschiedenen

ker die Begegnung mit dem Werk von Franco Donatoni. Diese Ereignissen des Prozesses die-

illustre „Familie“ bestimmte Dusapins Weg, auf dem er jedoch ses Phänomens verbunden.

schon bald völlig eigenständig weiterging und zu originellem Zuerst mit der Darstellung

Ausdruck fand. „Zeuge vom Ablauf der Dinge zu sein, heißt der Gravitationswellen

zunächst, sie wahrzunehmen“, so lautet sein Ausgangspunkt die im Universum exi-

als Komponist. Die klassisch-romantische Tradition und die stieren, die aber nicht

spezifische französische Klangsensibilität verleugnet er da- wahrgenommen wer-

bei ebenso wenig wie die ganz persönliche Anverwandlung den können. Dann

der Avantgarde. Mit totalem Einsatz von Chromatik, unter mit dem Anfang

Verwendung von Mikrointervallen und stark akzentuierten der Kollision der

dynamischen und rhythmischen Kontrasten schreibt Dusapin beiden schwarzen

Musik von größter Expressivität, die sich nicht nur den Kreisen Löcher, die dadurch

der Neuen Musik erschließt. Das dreisätzige „Trio Rombach“ zu einem riesigen

34 aus dem Jahr 1997 wurde von der deutschen Kritik als „ästhe- schwarzen Loch
tisch makellos, ja gefallsüchtig“ und „traditionsaffin“ bezeich- vereint werden und

net, aber ebenso als äußerst spannungsvoll. Rombach ist ein schließlich zu den

idyllisches elsässisches Dorf in den Vogesen, in dem Dusapin großen Gravitations-

sein Trio komponiert hat. wellen führen, die

von diesem Phäno-
Die Komponistin Vasiliki Krimitza kommt aus Athen und men erzeugt wurden“.
studierte bei Adriana Hölszky, Tristan Murail und Wolfgang

Rihm. „Trotz ihres jugendlichen Alters beeindrucken ihre Wer- Im Alter von 5 Jahren hat
ke bereits durch eine persönliche Handschrift und eine fes- Matthias Leboucher mit
selnde, eigenständige Tonsprache“. So begründete die Jury dem Klavierspiel begonnen.

des Münchner Musikstipendiums 2015 ihre Entscheidung für Studien bei Françoise Thinat,

die junge Griechin. „Feinfühlige kammermusikalische Be- Paul Badura-Skoda und Alexandre

handlung verschiedenster Instrumente unter Einsatz all ihrer Tharaud vervollständigen seine Ausbil-

Klangfarbenmöglichkeiten“ wurde besonders hervorgehoben. dung. 2010 wurde er beim 9. Internationa-

Das Ensemblestück „LIGO’s observations“ ist ein Auftrags- len Orléans Klavierwettbewerb ausgezeichnet.

werk der Aspekte. Die Komponistin dazu: „Der Titel verweist Als ständiges Mitglied verschiedenster Ensembles

konzeptuell auf das „Laser Interferometer Gravitational-wave und Kammermusikgruppen (Ensemble Acouphène, Nouveau

Observatory“ in den USA und auf die Gravitationswellen. Ein- Noir) konzertiert Leboucher regelmäßig in Frankreich und

stein hatte die Existenz der Gravitationswellen schon 1915 Österreich. Im Jazzbereich gründete er mit dem Geiger Florian

vermutet, aber sie wurde erst im September 2015 bewiesen, Willeitner und Arthur Pierre (E-Gitarre) verschiedenste Jazz-

als „LIGO“ die Wellen durch ein kosmisches Phänomen ent- combos und Improvisationskollektive. 2013 schloss Leboucher

deckt hat. Die Gravitationswellen wurden durch die Kollision sein Kompositionsstudium bei Jean-Luc Hervé, Yan Maresz

und Denis Dufour ab. Seit 2013 studiert er bei Tristan Murail an die Stuttgarter Oper). Der Komponist sieht sich in der franzö- 35
der Universität Mozarteum. Neben Josef Ramsauer ist sischen Tradition des „Dreigestirns“ Fauré – Debussy – Ravel
er künstlerischer Leiter des „New Art and Mu- und im Spannungsfeld zur „Wiener Trias“ der Moderne. Pes-
sic Ensemble Salzburg“. Die Idee zu seinem son schreibt Musik, die voll eleganter Gebärde immer wieder
neuen Stück „Aside“ kam ihm bei der die Geheimnisse der Stille auslotet. Das Stück „Mes Béatitu-
Lektüre des Buchs „And the Hip- des“ (Meine Seligpreisungen), uraufgeführt 1995 in Paris, ist
pos Were Boiled in Their Tanks“ eine Sammlung von Hommagen an einen von Pesson verehr-
(1944 geschrieben, aber erst ten Meister der Vergangenheit. Im Zentrum steht „eines der
2008 veröffentlicht, 2010 schönsten Themen, die je geschrieben wurden“, nämlich das
auch auf Deutsch als „Und zweite aus dem Adagio der 7. Symphonie von Anton Bruck-
die Nilpferde kochten in ner. In weiterer Folge treten auch gut dazu passende Dichter,
ihren Becken“) von W. Adalbert Stifter und Thomas Bernhard, in dieser neu beleuch-
S. Burroughs und Jack teten, träumerisch tönenden Bruckner-Landschaft auf – nicht
Kerouac, deren Werke mit Texten, sondern in klingenden Chiffren, wie auch Gustav
er besonders schätzt. Mahler und Olivier Messiaen, ebenfalls Vorbilder Pessons.
Die sehr spezielle
Arbeitsmethode der Der Deutsch-Franzose Mark André studierte in seiner Hei-
beiden US-ameri- matstadt Paris bei Gérard Grisey und in Stuttgart bei Helmut
kanischen, „post- Lachenmann, der besonders wichtig für ihn wurde. Er lehrt
modernen“ Autoren mittlerweile selbst Komposition in Dresden und Straßburg.
und die ästhetische Der oftmals preisgekrönte André gehört seit zwei Jahrzehnten
Idee des Buchs in- zu den viel gespielten Komponisten der Gegenwart und gilt
spirierten und struk- als kreativer Fortsetzer der Darmstädter Schule, der nicht nur
turierten den Ablauf den Klang traditioneller Instrumente erforscht, sondern auch
von Lebouches Stück. mit Live-Elektronik arbeitet. Immer wieder bezieht er sich
auf metaphysische oder – als bekennender protestantischer
Der französische Kompo Christ - spirituelle Themen und Geschichten. Es geht ihm ins-
nist Gérard Pesson stu- besondere um die Frage: „Wo liegt die Schwelle, wo liegen
dierte Philosophie und die Grenzen des Wissens, der Notation, der Klangerfahrung?“
Komposition in Paris, letzte- Aus dem Jahr 2000 stammt sein „Kanon“ für Kontrabasskla-
res bei Betsy Jolas und auch bei rinette, Kontrabass und präpariertes Klavier. Ein Abenteuer
Luciano Berio in Aix-en-Provence. an wahrlich unerhörten Tönen und Geräuschen ist dies, vom
1986 gründete er die Musikzeitschrift ersten bis zum letzten Takt.
„Entretemps“ und wurde Assistent bei
France Musique. Es folgten mehrere gewichti-
ge Preise, darunter auch das Stipendium für die Vil-
la Medici in Rom, Aufträge von bedeutenden Ensembles und
Orchestern. Gérard Pesson ist Professor für Komposition am
Pariser Konservatorium. Ein bedeutsames und vielfältiges
Oeuvre liegt bereits vor. Pesson komponiert Orchesterwerke,
Vokal-, Kammer- und Ensemblemusik, in letzter Zeit auch
bevorzugt Musiktheater (wie „L’Astrée - Pastorale“, 2006 für

36

Ardita Statovci
©I.Dugolli

Freitag, 3. Juni, 21.30 Uhr, Kavernen 1595

Konzert VI . Au Poisson Rouge – Cloches d’adieu, et un sourire …

Ardita Statovci, Klavier
Ariane Haering, Klavier
Chiara Sannicandro, Violine

Tristan Murail (*1947) Cloches d’adieu, et un sourire…
in Memoriam Olivier Messiaen (1992)

Ludwig Nussbichler (*1963) Traumbildfragmente III
für Klavier und Violine (2003)

Gerd Kühr (*1952) Stop the piano (2006)

Alexander Müllenbach (*1949) Paysages imaginaires
für Klavier zu 4 Händen
Uraufführung

I. Cauchemare (Albtraum) 37
II. La vallée des songes (Das Tal der Träume)
III. Obsessions
IV. L’île bleue (Die blaue Insel)

Henri Dutilleux (1916 – 2013) Sonate pour piano (1947/48)
Allegro con moto
Lied
Choral et Variations

Chiara Sannicandro
©Nicola Troccoli

„Un Sourire”, ein orchestrales Lächeln, hat Olivier Messiaen

1989 Mozart gewidmet – sein Schüler Tristan Murail wid-
mete ihm 1992 in memoriam ein Lächeln mit Glocken des

Abschieds, ein feines, luzides Klavierstück. Murail bezog sich

dabei auf ein frühes Glocken-Klavierstück des großen Klang-

zauberers aus dem Jahr 1928 und auf jenes himmlische Lä-

cheln, das der Musik des späten Messiaen eingeschrieben ist.

Ludwig Nussbichler studierte nach früher Instrumental-
ausbildung in Gitarre und Klavier an der Universität Salzburg

Romanistik im Fach Französisch sowie an der Universität Mo-

zarteum Salzburg Musikpädagogik, Gitarre und Komposition.

Diplomarbeit über die Lyrische Suite von Alban Berg. Im Jahr

1996 besuchte er die Meisterklasse in Komposition an der

Sommerakademie der Hochschule Mozarteum bei Friedrich

Cerha. Nussbichler schrieb Auftragswerke u. a. für den ORF,

Wien modern, das Niederösterreichische Tonkünstlerorche- Gerd Kühr
ster, die Internationale Stiftung Mozarteum, den Musikverein ©Heimo Binder
Wien, das Ensemble Kontrapunkte, die Österreichischen Kam-

38 mersymphoniker, das Donaufestival Krems, das Hilliard En- richtet an der Grazer Musikuniversität. Als Komponist war die
semble und das Mozarteumorchester Salzburg. Seine Kom- Oper „Stallerhof“ nach Franz Xaver Kroetz bei der Münchner
positionen wurden außerhalb Österreichs u. a. in Deutschland,
Großbritannien, Russland, Japan und den USA aufgeführt. Biennale 1988 sein erster großer Erfolg. Weitere Arbeiten für
Ludwig Nussbichler lebt und arbeitet in Salzburg. Seine Lehr- das Musiktheater wie „Tod und Teufel“ nach Peter Turrini folg-
tätigkeit am Musikum Salzburg umfasst die Fächer Komposi- ten ebenso wie ein mittlerweile reiches Oeuvre vom Solostück
tion, Musiktheorie und Gitarre. 1997 wurde er zum städtischen über verschiedenste Besetzungen, darunter Rares wie ein

Musikschuldirektor bestellt. Seit 2006 leitet er das Festival Stück für 8 Tuben, bis hin zu innovativen Orchesterwerken und

Aspekte. Für die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und den einer Messe für Soli, Chor und Orchester. Traditionelle Klang-
Pianisten Christopher Hinterhuber schrieb er das dritte seiner körper spielen seine Werke ebenso wie Ensembles für Neue
„Traumbildfragmente“, uraufgeführt am 11. März 2003 in ei-
nem Konzert der Stiftung Mozarteum in Salzburg. Nussbichler Musik und Interpreten und Interpretinnen von Heinrich Schiff
zu seiner Tonsprache. „Sicher ist, dass meine Musik einerseits bis Patricia Kopatchinskja. Unter den Auftraggebern finden
von der zweiten Wiener Schule geprägt ist, andererseits Ein- sich Institutionen wie die Salzburger Festspiele, die Bayeri-
flüsse der französischen Tradition spürbar sind. Die mit einer sche Staatsoper oder Wien Modern, unter den Auszeichnun-
gewissen Strenge verwendeten musikalischen Mittel sind nie gen der Österreichische Kunstpreis 2011 und ein Musikpreis
als Selbstzweck, sondern zur Vermittlung von Bildhaftem, At- der UNESCO. Als Dirigent ist Gerd Kühr natürlich meist mit
mosphärischem und gleichzeitig Erzählendem eingesetzt.“ Eigenem und Neuer Musik zu erleben, aber mitunter auch
mit Werken von Richard Wagner oder Richard Strauss. Das

Der in Kärnten geborene Gerd Kühr hat Komponieren bei Jo- Stück „Stop the Piano“ für Klavier mit elektronischer Zuspie-
sef Friedrich Doppelbauer am Mozarteum in Salzburg und bei lung wurde 2006 bei den Salzburger Festspielen von Siegfried
Hans Werner Henze in Köln, Dirigieren bei Gerhard Wimberger Mauser uraufgeführt. Auch die Zuspielungen sind Klavierklän-

und Sergiu Celibidache studiert. Jetzt ist er selbst einer der ge, wodurch ein geradezu theatralischer Effekt erzielt wird,

wesentlichen Kompositionslehrer der Gegenwart und unter- sehr spielerisch und nicht ohne Witz.

Der Luxemburger Alexander Müllenbach studierte in Paris 39
und Salzburg. Er war und ist als international erfolgreicher
Komponist, Pianist und gelegentlich auch als Dirigent tätig Alexander Müllenbach
und tritt mit vielen prominenten Partnerinnen und Partnern ©Sébastien-Grébille
am Konzertpodium auf. Er war der Gründer und von 1983 bis
1994 erste Präsident der Luxemburger Gesellschaft für Neue und ein nachdenklicheres Thema, eng miteinander verbunden,
Musik LGNM. Von 2000 bis 2007 wirkte er als Präsident des die eine ebenso luzide wie kraftvoll in sich ruhende Stimmung
Obersten Musikrates des Landes Luxemburg. Müllenbach ergeben. Der Mittelsatz trägt den deutschen Titel „Lied“ und
lehrte in seiner Heimat und am Mozarteum in Salzburg, war ist entsprechend dreiteilig. Nach ruhigem Beginn kommt es
von 2002 bis 2013 Direktor, ab 2007 auch Künstlerischer Leiter zu marschartigen Aufschwüngen. Am Ende steht Verinnerli-
der Internationalen Sommerakademie Mozarteum und leitet chung. Im Finale wird ein majestätisches Choralthema vor-
seit 2007 das Festival in Echternach. 2015 wurde ihm der Titel gestellt und in vier meisterhaften Variationen verarbeitet. Die
eines Doctor Honoris Causa der Musikuniversität „Academie erste Variation ist eine schnelle Toccata, die zweite vereint ra-
Gheorghe Dima“ in Cluj/Klausenburg (Rumänien) verliehen. santes Tempo mit impulsiver Melodik. In der dritten klingt die
Sein vielfältiges Oeuvre reicht von der Oper bis zum Solostück. Romantik in Form eines träumerischen Nocturnes nach, in der
Müllenbachs Stil ist geprägt von großer persönlicher Eigen- vierten dominiert spannungsreiche Energie, an deren Höhe-
art und Kraft; Tonalität, Atonalität, Dodekaphonie, serielle und punkt das Choralthema mächtig wiederkehrt.
postserielle Techniken verbinden sich zu einer musikalischen
Sprache, in der sich lyrische und traumhafte Klangfelder, zarte
Kantilenen und machtvolle Expressivität, stark emotional ge-
prägte Eruptionen und surreale Bilder zu einer bezwingenden
Einheit finden. Für die Aspekte und das „Duo Ariadita“ hat er
nun als Auftragswerk ein Stück für 2 Klaviere geschrieben. Er
schreibt dazu: „Die 4 Sätze entstanden nach einer langen Vor-
bereitungszeit in einem geballten Arbeitsprozess Ende April
und Anfang Mai 2016. Kompositorischer Ausgangspunkt wa-
ren, ähnlich wie in einigen anderen meiner Werke, die Töne B
A C H und D S C H, die Initialen zweier meiner „Schutzpatrone“,
die hier eine Art DNA bilden. Eine möglichst hohe Kongruenz
zwischen den kompositorischen Konzepten und der jewei-
ligen poetischen Idee, die dahinter steht, zu erreichen, dem
galt mein Bestreben. Insofern breiten sich vor unseren Ohren
wie auch vor unserem inneren Auge vier „Seelenlandschaften“
aus, die sowohl von der Faktur als auch von den ihnen inne-
wohnenden Klangkräften her sehr differenziert sind.“
Erst die für seine geliebte Frau, die Pianistin Geneviève Joy
(1919 – 2009), im Alter von über 30 Jahren komponierte Kla-
viersonate hielt Henri Dutilleux für würdig, 1948 als sein op.
1 veröffentlicht zu werden. Klassische Formen, symphonische
Durcharbeitung und scharfe Kontraste, welche ein übergrei-
fendes Ganzes nicht ausschließen, kennzeichnen das Stück.
Im ersten Satz, Allegro con fuoco, erscheinen ein lebhaftes

Samstag, 4. Juni
9.30-13.30 Uhr, Atelier im KunstQuartier (Bergstraße 12a, 5020 Salzburg)

Das Lied vom elektrischen Wind, das wie ein Sägewerk klang
Wörter mit Workshop

Der Berliner Komponist Stephan Winkler stellt seine konzep- Der Berliner Komponist, Dirigent und Produzent Stephan

tionellen Erwägungen zu seinem Educationprojekt „Blechen- Winkler leitete von 1990 bis 2000 das Ensemble für neue Mu-

wind“ vor. Während einer neun Monate dauernden Reise mit sik an der Hochschule für Musik „Hans Eisler“ (heute: ECHO).

über dreißig musikalisch gänzlich unvorgebildeten Schülern Bisher schrieb Stephan Winkler u.a. ein abendfüllendes Mu-

einer integrativen Gesamtschule wurden viele gemeinsame siktheaterwerk, vier Stücke für großes Orchester (eines davon

Entdeckungen gemacht: akustischen und sprachlichen Phä- mit Kinderchor) sowie viele Kammermusikwerke — manche

nomenen nachgespürt, merkwürdige Ausdrucksformen aus- davon mit Zuspiel, einige mit Video.

probiert und Instrumente für Sägezahntöne kennengelernt.

Und viel geprobt. Denn am Ende dieser Exkursion stand die

Uraufführung eines halbstündigen Werkes für großes Orche-

ster und drei Dutzend Kinder: Das Lied vom elektrischen Wind.

Einer der im Workshop näher beleuchteten Stränge des Pro-

jekts war die Vermittlung eines spielerischen Zugangs zu Auf- Organisation und Konzeption:
40 bau und Funktionsweise eines Synthesizers. ConTempOhr. Mediating Contemporary Music – Vermitt-
Im Workshop werden verschiedene neue Formen der Vermitt- lung zeitgenössischer Musik in Kooperation mit dem Mu-
lung zeitgenössischer Musik vorgestellt und erprobt. sikfestival ASPEKTE Salzburg

Er richtet sich vorrangig an Musik- und Lehramtsstudierende,

InstrumentalpädagogInnen und MusiklehrerInnen, die sich mit Anmeldung: [email protected]

Musikvermittlung beschäftigen, aber auch an Musikvermitt- Tel. +43 662 8044 2380

lung Interessierte ohne musikalische Vorkenntnisse. Teilnehmer/innen werden gebeten Kopfhörer mitzubringen.

Samstag, 4. Juni,
16.00-17:00 Uhr, Kavernen 1595

Präsentation und Diskussion . Etüden

Martin Losert, Saxophon
Zuher Khalaf, Violine
Marina Babikova, Klavier

Chatschatur Kanajan Etude for saxophone (2015)
Stefan Streich Ton für Saxophon solo (2015)
Harald Münz articolarsi (2015)
Ludwig Nussbichler bizzar . kristallin für Violine und Klavier (2016)

Die Vermittlung zeitgenössischer Musik ist eine Aufgabe der Etüdenprojekt setzt genau hier an. Komponisten wurden ge- 41
Musikschulen, der schon heute nachgegangen wird. Instru- zielt angesprochen, Etüden bzw. Übungsstücke für verschie-
mentalpädagogen integrieren zeitgenössische Musik in ihre dene Instrumente zu schreiben. Dazu wurden (und werden)
Unterrichtsangebote. Schaut man sich die Programme von kleine Kompositionsaufträge vergeben. Damit die jeweiligen
Musikschulvorspielen jedoch an, so spielt zeitgenössische Mu- Stücke repräsentativ für das heutige Schaffen sind, wurde
sik abseits von Wettbewerben und Leistungsabzeichen insge- darauf geachtet, dass die jeweiligen Komponisten bereits ein
samt eine eher geringe Rolle. Gründe dafür gibt es sicherlich gewisses Renommee besitzen.
viele. Angefangen mit den jeweiligen musikalischen Vorlieben
der Instrumentalpädagogen und Schülern und Schülerinnen, Vom Schwierigkeitsgrad her sollten Etüden für die Mittelstufe
spielt die mangelnde Qualität vorhandener zeitgenössischer an Musikschulen entstehen. Dieser Anspruch stellt für viele
Unterrichtsliteratur eine nicht unerhebliche Rolle. Vorhandene Komponisten, die es gewohnt sind, dass Instrumentalisten
Sammlungen und Einzelstücke genügen sich in der Anhäufung jede Schwierigkeit meistern, eine besondere Herausforde-
sogenannter neuer Spieltechniken. Es handelt sich vielfach um rung dar. Es fällt ihnen schwer, instrumentale und interpreta-
Exerzitien spezieller Techniken, nicht aber um Beispiele einer torische Anforderungen vorab einzuschätzen und sich auf ein
zeitgemäßen Musik mit einer entsprechenden Faktur und Äs- niedrigeres Spielniveau einzustellen.
thetik (Ausnahmen wie György Kurtágs „Jatekok“ oder Helmut
Lachenmanns „Ein Kinderspiel“ bestätigen wie immer die Re- Die vier im Rahmen des Programms vorgestellten Etüden,
gel). Hinzu kommt, dass vorhandene Etüden und Übungsstücke sind erste Ergebnisse des Projekts. Die Komponisten ver-
oft so schwer sind, dass sie erst von Musikstudierenden und folgen sehr verschieden ästhetische Ideen und eine eigene
professionellen Musikern bewältigt werden können oder aber Klangsprache mit unterschiedlichen Schwierigkeiten: unge-
es handelt sich nur um musikalische Spielereien, angelehnt an wohnte Rhythmen und Intervallkonstellationen, der Wegfall
die Improvisationsmodelle der 1960er Jahre, denen die Beson- von bekannten harmonischen und tonalen Zusammenhängen,
derheiten und Schwierigkeiten neuerer Texte fehlen. neue Klänge und Spieltechniken, Formen und Melodien ab-
seits klassischer (aber auch popmusikalischer) Vorstellungen.
Das am Programmschwerpunkt ConTempOhr angesiedelte Die SchülerInnen aber auch die LehrerInnen werden eingela-
den, sich auf eine unbekannte Entdeckungsreise zu machen.

Ensemble L’Itinéraire

42

ICE
©Armen Elliott

Samstag, 4. Juni, 19.00 Uhr, republic

Konzert VII . Liber Fulguralis

ICE (International Contemporary Ensemble New York) & Ensemble L’Itinéraire
Musikalische Leitung: Jean-Michel Lavoie

Steve Lehman (*1978) For McCoy Tyner, Tristan Murail, Anthony Braxton and Alexander Scriabin 43
für Saxophon und Klavier
Lu Wang (*1976) Neues Werk für Klarinette, Saxophon, Gitarre, Viola, Klavier und Schlagwerk
Uraufführung
Tristan Murail (*1947) Feuilles à travers les cloches
für Flöte, Violine, Cello und Klavier (1998)
Christopher Trapani (*1980) Anyplace Else für Flöte, Oboe, Klarinette, Saxophon, E-Gitarre, Klavier,
Violine, Viola, Cello und Kontrabass (2012)
Tristan Murail Liber Fulguralis pour ensemble instrumental,
synthèse électronique et video (2008)

Lu Wang Jean-Michel Lavoie

ICE (International Contemporary Ensemble New York) „Wir leben mittlerweile oft reicher und engagierter im virtuel-
Campbell Macdonald, Klarinette; Maiya Papich, Viola; Laura len Raum als in der Realität“, schreibt Lu Wang zu ihrem Werk.

Barger, Klavier; Nathan Davis, Schlagzeug; Ryan Muncy, Sa- „Die Unterschiede zwischen uns verschwimmen. So-

xophon; Dan Lippel, Gitarre. ziale Netzwerke erlauben es, unsere Kreise zu

Ensemble L’Itineraire erweitern und uns inmitten der Dinge zu

fühlen, doch dabei ist es leicht, Freun-

Alexandra Greffin Klein, Violine; Lucia Peralta, Viola; Myrtil- de zu ignorieren, die nahe bei uns

le Hetzel, Cello; Simon Guidicelli, Kontrabass; Julie Brunet- sind. Diverse Apps geben uns die

Jailly, Flöte; Sylvain Dervaux, Oboe; Antonie Dreyfuss, Horn; Möglichkeit, simpel links oder

David Chevalier, Klavier; Grégoire Lorieux, Technik rechts zu stehen und ein

Solo-Viola: Maiya Papich Foto ins Netz zu stellen,

Musikalische Leitung: Jean-Michel Lavoie ob wir die dargestell-

te Person nun mögen
Steve Lehman aus Brooklyn/New York ist Jazz-Saxophonist oder nicht. Einander
und Komponist. Sein Schaffen umfasst ein breites Spektrum real zu treffen ist bei

zwischen Orchesterstücken und Stücken für Ensemble. Er Jugendlichen oft

beschäftigt sich auch intensiv mit Elektro-Akustik, vom Com- altmodisch. Eine

puter gestützter Improvisation und arbeitet im Spannungsfeld u n g e b u n d e n e ,

zwischen „Neuer Musik“ und Jazz. Die Presse bezeichnet ihn neutrale Intimität

44 als „avanciertesten kompositorischen Denker des aktuellen ist eine neue und
Jazz“. Dass in seinem Stück für Saxophon und Klavier neben als legitim emp-

dem Jazzpianisten McCoy Tyner und dem legendären, im Jazz fundene Art des

verwurzelten Mulitinstrumentalisten Anthony Braxton, der mit Fühlens. Jeder

Stockhausen musiziert und sogar für klassische Besetzungen Mensch hat online

komponiert hat, auch Tristan Murail und ein russischer „Vater die Chance, sein per-

der Moderne“, Alexander Skrjabin, vorkommen, beweist Leh- fektes soziales Profil

mans breit gefächertes musikalisches Interesse. zu konstruieren, völlig

entfernt von der so gar
Die Komponistin Lu Wang, geboren in Xian, der alten Haupt- nicht perfekten Wirklich-
stadt Chinas, stammt aus einer musikalischen Familie, die keit.“ Lu Wang möchte in

eng mit der historischen Peking-Oper und der Folklore ver- ihrem Stück „die digitale Welt

bunden ist. Diese gelebte Tradition findet sich in Lu Wangs und deren endlosen Schwall

Musiksprache ebenso wieder wie die phantasievolle Ausein- von Botschaften und Updates zu-

andersetzung mit der westlichen Avantgarde, mit Sprache sammenführen mit einem intimen, ja

und neuen Medien. Tristan Murail ist einer ihrer wesentlichen familiären Klang“, den die Komponistin

Lehrer. Mittlerweile wird ihre Musik weltweit aufgeführt. Lu als „cafe sound“ bezeichnet, „als fernes Echo

Wang schreibt für große Orchester wie New York Philharmo- von Wagners Liebestod aus ‚Tristan und Isolde’,

nic ebenso wie für Ensembles der neuen Musik. Sie ist Assi- diesen endgültigen Ausdruck unerreichbarer Liebe und des

stenzprofessorin für Musik an der Brown University/USA. Ihr Todes, so fern von den vorübergehenden Befriedigungen unse-

jüngstes Ensemblestück, „Cloud intimacy“ (Wolken der Inti- rer Zeit. Dies ist ein musikalischer Kommentar zu den absurden

mität), entstanden für die Aspekte und das ICE, wird nun in sozialen Phänomenen des Internets, die in der Realität zu tiefer

Salzburg uraufgeführt. ereinsamung und Isolation führen.“

Tristan Murails „Feuilles à travers les cloches” (Blätter durch lonmusik und Swing spiegeln. „Anyplace Else“ für 10 In- 45
die Glocken) aus dem Jahr 1998 ist eine Hommage an Clau- strumente, darunter E-Gitarre, wurde 2012 in Darmstadt
aus der Taufe gehoben. Als „Musik über Rastlosigkeit“ mit
de Debussy und ein „Wortsturz“ – in den Klavier- statischen und Geräusch-Elementen bezeichnet der Kom-
„Images“ Debussys lautet ein Titel genau um- ponist sein Stück, inspiriert von Volksmusik aus Mozambi-
gekehrt, also „Glocken durch die Blätter“. que, Carolina und Westafrika.
Beide Stücke malen eine romantisch-
impressionistische Stimmung – „Liber Fulguralis“ (Das Buch der Blitze) von Tristan Murail
Herbstlaub, ein Glockenturm verbindet ein Ensemble mit Elektronik und einem Video von
wie auf einem Gemälde von Hervé Bailly-Basin und wurde am 5. Juni 2008 im Paul Klee-
Watteau. Die Glocken tönen Zentrum in Bern uraufgeführt. Beide Autoren, der Musiker
bei Murail nicht nur durch und der Videokünstler, haben das Stück gemeinsam entwic-
die Blätter, sie bringen kelt und bezogen sich dabei auf antike Orakel und Blitze, die
das Laub zum Singen in alten Mythen vom Himmel geschleudert werden – vor allem
und spielen die Reso- aber auf den wohl berühmtesten Berner, Paul Klee, für den
nanz der Natur. Zum der Blitz ein Leitthema war. Der Maler (übrigens der Sohn ei-
Klavier kommt ein nes Musiklehrers und einer Sängerin und selbst auch ein sehr
diffiziles Stimmen- guter Geiger!) beschrieb in seinem Tagebuch das Wetterphä-
geflecht von Flöte, nomen als Funken, der das Nichts befruchtet und die Entla-
Geige und Cello. dung des Seins auslöst. Inspiriert von der „Kunst, den Blitz
zu lesen“, entwickelt „Liber fulguralis“ auf musikalische Art
Christopher über zwanzig Minuten lang die Verästelungen eines einzelnen
Trapani stammt Blitzes, der zu Beginn des Werkes mit Ton und Licht effektvoll
aus New Orleans einschlägt und dann in unzähligen Weisen „gelesen“ und ge-
und studierte nicht sehen wird. Dabei wurde auch das im Auditorium Paul Klee
nur in London bei vorhandene elektronische Surround-System einbezogen.
Julian Anderson und
in Paris bei Philip-
pe Leroux, sondern
beschäftigte sich auch
intensiv mit der alten os-
manischen Musik in Istan-
bul. Am Pariser IRCAM lernte
er anschließend die Elektronik
kennen. Seit 2010 lebt er in New
York als „Doctoral fellow“ an der Co-
lumbia University, wie auch seine Kollegin
Lu Wang. Trapanis Stücke sind in der alten und
in der neuen Welt erfolgreich. Seine Musik beschreibt er
selbst als Synthese verschiedener Einflüsse, die von Spek-
tralmusik bis zu Delta Blues, Foxtrott und „Appalachian
Folk“ reichen und natürlich auch die reiche musikalische
Tradition seiner Heimatstadt zwischen französischer Sa-

Ariane Haering

46

Anna Maria Pammer

Samstag, 4. Juni, 21.30 Uhr, Kavernen 1595

Konzert VIII . Au Poisson Rouge – Harawi

Anna Maria Pammer, Sopran
Ariane Haering, Klavier

Olivier Messiaen (1908-1992) Harawi
Chant d’amour et de mort
für Gesang und Klavier (1945)

1. La ville qui dormait, toi (Die Stadt schläft, ja) 47
2. Bonjour toi, colombe verte (Guten Tag, du grüne Taube)
3. Montagnes (Berge)
4. Doundou tchil (Peruanischer Tanz)
5. L‘amour de Piroutcha (Piroutchas Liebe)
6. Répétition planétaire (Repetition der Sterne)
7. Adieu
8. Syllabes
9. L’escalier redit, gestes du soleil (Erzählung der Treppe und Gesten der Sonne)
10 Amour oiseau d’étoile (Liebesvogel der Sterne)
11. Katchikatchi les étoiles (Heuschrecken im Universum)
12. Dans le noir (Im Dunkel)

Olivier Messiaen wollte nicht als Mystiker gesehen werden, Im ersten Lied bringt die Nachtigall eine Botschaft in das
sondern als treuer Diener der katholischen Kirche. Dazu sein „Schloss der Liebe“. Im zweiten tritt die Taube in der grünen

Biograph Theo Hirsbrunner, noch zu Lebzeiten des Meisters: Farbe der Hoffnung auf. Sie kommt „zurück vom Himmel“,

„ Messiaen hätte als Handwerker Gottes eher im Mittelalter was an „Lohengrin“ denken lässt, sie ist „aus Blume, Frucht,

seine Heimat. Muss man, darf man es aussprechen? Er war Himmel und Wasser“. Dunkelheit herrscht in den Abgründen

und ist eben doch ein Mystiker.“ Obwohl im 1945 entstandenen der Berge, so majestätisch sie sind, so sehr Messiaen die Al-

Liederzyklus „Harawi“ das Wort „Gott “nicht vorkommt, ist das penwelt rund um Grenoble liebte. Doch hier schreien aus der

singuläre Werk von uralter Mystik durchzogen. Allerdings ist Tiefe die Seelen zum ungenannten Gott. Es wird uns nicht

die „grüne Taube“ wohl ein göttliches Symbol. Der Komponist verraten, warum der namenlos Liebende und das Mädchen

und Ornithologe war zwar nie in Peru, aber fasziniert von der Piroutcha ihr Glück in einer anderen Welt finden müssen.

Inka-Kultur, der Sprache Ketschua, den religiösen Vorstellun- „Doundou tchill“, das sind peruanische Weiheglocken, die im

gen der indigenen Einwohner. Als Harawi werden die Liebes- vierten Lied zu einem expressiven, wilden Liebestanz läuten.

lieder der Anden bezeichnet. Messiaens „Gesänge der Liebe Piroutcha singt dem Geliebten ein trauriges Wiegenlied. Mes-

und des Todes“ haben allerdings, bei aller Vorsicht, auch einen siaen setzt die Singstimme meist in durchaus romantischer,

persönlichen Hintergrund. Noch erschüttert vom 2. Weltkrieg, ja volkstümlicher Weise ein, lässt sie aber zwischendurch

in dem Messiaen als französischer Soldat gedient und in deut- den Rap vorausahnen oder stammeln, besonders wenn es

sche Gefangenschaft geraten war, in größter Sorge über die um die häufig eingestreuten, magischen Worte aus der Inka-

schwere Nervenkrankheit seiner ersten Frau Claire Delbos, sprache geht wie in „Répétition planétaire“, wo sich höchste

die Geigerin und Komponistin war, in beginnender Zuneigung Lust und tiefste Erschütterung vereinen. Im „Abschied“ be-

48 zu seiner späteren zweiten Frau Yvonne Loriod, beschäftigte ginnt die Trance des Liebestods, eine Gegenwelt, gesteigert in
er sich intensiv mit „Tristan und Isolde“, mit einer dem Tod ge- „Syllabes“ zu ekstatischen Tanzsequenzen mit Verweisen auf

weihten Liebe. Anders als Richard Wagner, der zu den musi- Hindugötter und peruanische Legenden wie die vom Prinzen,

kalischen Göttern Messiaens zählte, interessierte ihn weniger den die Warnrufe der Affen retten. Die mystischen Kräfte der

der sagenhafte Kern der ursprünglich keltischen Geschichte, Natur wuchern im äußerst virtuosen, sprechenden, grollen-

sondern noch mehr der spirituelle Hintergrund – und die Erlö- den, jubelnden Klavierpart. Zum Fortissimo steigert sich die

sung findet im Universum statt. „Harawi“ ist das erste Stück in Sternentreppe, die ins Paradies führt. Dort, auf Sternen, lebt

Messiaens „Tristan-Trilogie“, vor der „Turangalîla-Symphonie“ der Liebesvogel – ein Lied, zu dem Messiaen ein Gemälde des

und einem weiteren Vokalwerk, „Cinq Rechants“. Auf eigene Surrealisten Roland Penrose inspirierte. Auch in den Versen

Texte hat der Sohn einer Dichterin eine Liednovelle von etwa des Dichter-Komponisten gibt es surreale Assoziationen. Alle

einstündiger Dauer geschrieben, wie sie in dieser mitunter Kreatur war Messiaen heilig und so bevölkern Heuschrecken,

verstörenden Tiefe und sensiblen Schönheit seit Franz Schu- im Ketschua Katschikatschi, das Universum. Im letzten Lied

bert nicht gelungen war. Die Zitate aus der Inka-Musik wirken versinken die grüne Taube und das Liebespaar in tröstlicher

nicht oberflächlich exotistisch, sondern fügen sich wunder- Dunkelheit, begleitet von endlosen Melodien, dem Symbol der

sam in die berückende Klangsensibilität von Messiaens mu- Ewigkeit.

sikalischer Sprache ein. In jedem der 12 Gesänge geht es um Texte von Gottfried Franz Kasparek

Leben und Tod, um ekstatischen Tanz und lyrische Emphase.

Olivier Messiaen (1908–1992)
Harawi – Chant d’Amour et de Mort pour chant et piano

I. La ville qui dormait, toi I. Die Stadt, die schlief, du
La ville qui dormait, toi. Die Stadt, die schlief, du.
Ma main sur ton coeur par toi. Meine Hand auf deinem Herzen durch dich.
Le plein minuit le banc, toi. Zu Mitternacht die Bank, du.
La violette double, toi. Das doppelte Veilchen, du.
L’oeil immobile, sans dénouer ton regard moi. das unbewegte Auge, ohne deinen Blick zu lösen, ich.

II. Bonjour toi, colombe verte II. Guten Tag, grüne Taube 49
Bonjour toi, colombe verte, Guten Tag, grüne Taube,
Retour du ciel. zurück vom Himmel.
Bonjour toi, perle limpide, Guten Tagen, klare Perle,
Départ de l’eau. aus dem Wasser.
Étoile enchaînée, Gebundener Stern,
Ombre partagée geteilter Schatten,
Toi, de fleur, de fruit, de ciel et d’eau, du, aus Blume, aus Frucht, aus Himmel und aus Wasser,
Chant des oiseaux. Gesang der Vögel.
Bonjour, Guten Tag,
D’eau. aus Wasser.

III. Montagnes III. Berge
Rouge violet, noir sur noir. Rot violett, schwarz auf schwarz.
L’antique inutile rayon noir. Alter nutzloser schwarzer Strahl.
Montagne, écoute le chaos solaire du vertige. Berg, höre das sonnige Chaos des Schwindels.
La pierre agenouillée porte ses maîtres noirs. Der kniende Stein trägt seine schwarzen Meister.
En capuchons serrés les sapins se hâtent vers le noir. In engen Kapuzen eilen die Tannen gegen das Schwarze.
Gouffre lancé partout dans le vertige. Abgestoßener Abgrund überall im Schwindel.
Noir sur noir. Schwarz auf schwarz.

IV. Doundou tchil IV. Doundou tchil
Doundou tchil!... Doundou tchil!...
Piroutcha, te voilà, ô mon à-moi, Piroutcha, du da, o mein Für-mich,
La danse des étoiles, doundou tchil. der Tanz der Sterne, doundou tchil.
Piroutcha, te, voilà, ô mon à-moi, Piroutcha, du, da, o mein Für-mich,
Miroir d’oiseau familier, doundou tchil. Spiegel des vertrauten Vogels, doundou tchil.
Arc-en-ciel, mon souffle, mon écho, Himmelsbogen, mein Atmen, mein Echo,
Ton regard est revenu, tchil, tchil. dein Blick ist wiedergekehrt, tchil, tchil.
Piroutcha, te voilà, ô mon à-moi, Piroutcha, du da, o mein Für-mich,
Mon fruit léger dans la lumière, mein leichte Frucht im Licht,
doundou tchil. doundou tchil.

Toungou, toungou, mapa, nama, Toungou, toungou, mapa, nama,
Mapa, nama, mapa, kahipipas. Mapa, nama, mapa, kahipipas.
Toungou, toungou, mapa, nama, Toungou, toungou, mapa, nama,
Mapa, nama, mapa, mahipipas. Mapa, nama, mapa, mahipipas.
Piroutcha, te voilà, ô mon à-moi, Piroutcha, te voilà, ô mon à-moi,
La danse des étoiles, doundou tchi... der Tanz der Sterne, doundou tchil…

V. L’amour de Piroutcha V. Piroutchas Liebe
„Toungou, ahi, toungou, toungou, berce, toi, „Toungou, ahi, toungou, toungou, wiege, du,
Ma cendre des lumières, meine Asche aus Licht,
Berce ta petite en tes bras verts. wiege dein Kleines in deinen grünen Armen.
Piroutcha, ta petite cendre, pour toi.“ Piroutcha, deine kleine Asche, für dich.“
„Ton oeil tous les ciels, doundou tchil. „Dein Auge, ganz Himmel, doundou tchil.
Coupe-moi la tête, doundou tchil, schneide meinen Kopf ab, doundou tchil,
Nos souffles, nos souffles, bleu et or. unser Atem, unser Atmen, blau und golden.
Ahi! Ahi! Ahi! Ahi!
Chaînes rouges, noires, mauves, amour, la mort.“ Rote Ketten, schwarze, lila, Liebe, Tod.“
„Toungou, ahi, toungou, toungou... “ „Toungou, ahi, toungou, toungou... “

VI. Répétition Planétaire VI. Planetarische Wiederholung
Ahi! Ahi! Ahi! Ahi! O
50 Ahi! Ahi! Ahi! Ahi! O Mapa, nama, mapa, nama lila, tchil...
Mapa nama lila, mika, pampahika.
Mapa, nama, mapa, nama lila, tchil... Mapa nama lila, mapa, pampahika.
Mapa nama lila, mika, pampahika. Ahi! O
Mapa nama lila, mapa, pampahika. Mapa, nama, mapa nama lila, tchil ...
Ahi! O Mapa, nama lila, mapa nama lila, mika, pampahika,
Mapa, nama, mapa nama lila, tchil ... Mapa nama lila, pampahika, nama.
Mapa, nama lila, mapa nama lila, mika, pampahika, Tchil tchil tchil tchil pampahika,
Mapa nama lila, pampahika, nama. Doundou tchil tchil tchil.
Tchil tchil tchil tchil pampahika, Schwinge dich auf einen schwarzen Schrei,
Doundou tchil tchil tchil. schwarzes Echo der Zeit,
Enfourche un cri noir, Schrei von vor der Welt, jeden Moment,
Écho noir du temps, schwarzes Echo der Zeit,
Cri d’avant la terre à tout moment, gewundene Treppe.
Écho noir du temps, Wirbel, roter Stern, Wirbel,
Escalier tournant. Planet, der drehend frisst.
Tourbillon, étoile rouge, tourbillon, Tchil tchil, tchil pampahika. ..
Planète mange en tournant Doundou tchi! tchil tchil.
Tchil tchil, tchil pampahika. .. Schwinge dich auf einen schwarzen Schrei,
Doundou tchi! tchil tchil. schwarzes Echo der Zeit,
Enfourche un cri noir, Schrei von vor der Welt, jeden Moment,
Écho noir du temps, schwarzes Echo der Zeit,
Cri d’avant la terre à tout moment,
Écho noir du temps,


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