Wein auf der Raumstation ISS Verkostung: Grüner Veltliner 2020+2021 Schattenbars in Venedig Forschung im Weltall: Warum Schwerelosigkeit künftig Rebstöcke auf der Erde schützt Die neue Eleganz: Österreichische Spitzenweine mit Kühle und Präzision, Tiefe und Kraft Gut versteckt: Weingenuss abseits des Rummels in den Bàcari di Venezia Skater, Hip-Hopper, Weinfreak: Toni Askitis ist Deutschlands lautester Sommelier Toni tanzt Wein 4 2 6 2 4 1 4 3 9 0 0 0 9 Deutschland €9,90 Österreich €10,90 Italien €12,90 Spanien €12,90 Schweiz 14.90 magazin
SCHWEIZER INNOVATION TRIFFT AUF TRADITIONELLE HANDWERKSKUNST UND SCHAFFT EINE NEUE ÄRA DES SINGLE MALTS. 7SEALSWHISKY.COM SCHWEIZER INNOVATION TRIFFT AUF TRADITIONELLE HANDWERKSKUNST UND SCHAFFT EINE NEUE ÄRA DES SINGLE MALTS. 7SEALSWHISKY.COM
#weinplus Zum ersten Mal nach der Gründung von wein.plus vor 25 Jahren halten Sie ein gedrucktes Heft von uns in der Hand. Wir publizieren ja sonst ausschließlich im Netz. Wieso ausgerechnet in einer Zeit, in der die Magazin-Auflagen nicht nur in der Weinszene weiter sinken und Print bei vielen Experten als tot gilt? Als wir 1998 gestartet sind, konnte sich niemand vorstellen, dass Weinbewertungen sowie News und Berichte aus der Weinszene eine digitale Zukunft haben würden. Wir haben daran geglaubt. Heute publizieren wir mit großem Erfolg und gewaltiger Reichweite auf allen digitalen Kanälen – und seit einiger Zeit in fünf Sprachen. Genau deswegen glaube ich weiter daran, dass das Blättern durch ein gedrucktes Heft einen besonderen Reiz und ganz eigenen Wert besitzt. In diesem Magazin nehmen wir Sie mit nach Österreich und Georgien, auf die italienische Gefängnisinsel Gorgona, an die Rhône, auf die Raumstation ISS und in die versteckten Weinbars von Venedig. Und Sie erfahren, warum der Wiener Walzer ohne Champagner nie berühmt geworden wäre und wie Sommelier Toni Asiktis mit Hip-Hop und Skateboards auch die Generation Z für Wein begeistert. Neugierig geworden? Ich hoffe es! Schreiben Sie uns doch, wie Ihnen dieses Heft gefallen hat. Ich freue mich darauf! Ihr Alexander Schreck BESUCHEN SIE UNS IN HALLE 4 STAND E20 AUF DEM NEUEN SCHLUMBERGER – CONSIGLIOVINI – SEGNITZ STAND. 19. bis 21.03.2023 Es erwarten Sie auf einer Fläche von mehr als 450 Quadratmetern über 60 Winzer und Repräsentanten aus aller Welt. In einer Premiere werden 13 spannende Masterclasses aus der Wein- und Spirituosenwelt angeboten, neben den begehrten limitierten Plätzen der Louis Roederer Masterclasses. [email protected] @wein.plus @weinplus_de @weinplus @wein.plus
42 Stories 90 94 14 48 60 FOOD PAIRING: SAUVIGNON BLANC WEINBAU IM WELTALL TREND: ALKOHOLFREI TASTING: CÔTES-DU-RHÔNE VILLAGES TASTING: GRÜNER VELTLINER WEIN VON DER GEFÄNGNISINSEL
10 30 78 82 22 TONI TANZT WEIN WEINBARS IN VENEDIG GENUSSREISE STEIERMARK WIENER WALZER & CHAMPAGNER ALS WEINBERATER IN GEORGIEN
MARKANT. HERMANNSHÖHLE | VDP.GROSSE LAGE® | NAHE UNSERE WEINE SIND WIE UNSERE LAGEN
wein.plus:magazin 7 Weingeschichte(n) Warum Wein früher manchmal mit Weinbergs-Erde entstand Das Vorgehen, die Erde aus dem Weinberg der geernteten Trauben dem Most zuzugeben, ist sogar schriftlich dokumentiert: So schrieb der Wiener Pfarrer Johann Rasch (1540-1612) bereits 1582 in seinem Werk „Weinbuch: Von Baw, Pfleg und Brauch des Weins“: Viele Jahrhunderte lang galt für Winzer eine einfache Regel, wenn der frisch gepresste Most im Keller nicht gären wollte. Für sie war das ein existenzielles Problem – und Hilfsmittel wie Reinzucht-Hefe waren noch nicht entdeckt. Was also tun? Sie warfen Weinbergs-Erde ins Fass. Nimm das Erdreich, da der Wein gewachsen und wirf´s in das Fass, so gärt er auch. .“ “ Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Hefestämme als Auslöser der Gärung unbekannt. Sie wurden erst vom französischen Chemiker Louis Pasteur (1822-1895) durch seine chemischen Analysen des Gärvorgangs nachgewiesen. Noch bis in die 1970erJahre waren in vielen Anbaugebieten die Weine in der Regel das Ergebnis einer natürlichen Gärung. Doch warum kam Erde ins Fass? Die Naturhefen befinden sich in größerem Umfang in der Luft - und eben auch im Erdreich des Weinbergs. Zudem werden sie von Insekten wie etwa Essigfliegen (Fruchtfliegen) verbreitet. So gelangen sie auf den Weintrauben in den Keller. Reichte diese Menge aber nicht aus, um die Gärung zu starten, sollte die Erde aus dem Weinberg helfen, die Menge der Hefestämme im Most zu vergrößern. HEFESTÄMME AUS TRAUBENRESTEN Doch heute weiß man: Die Stämme, die im Most eine „Spontangärung“ auslösen, stammen meist nur in sehr kleiner Menge aus dem Weinberg. Sie überleben und vermehren sich nämlich vor allem über Jahre hinweg im Weinkeller. Ob die Anweisung des Pfarrers damals Erfolg hatte? Möglicherweise schon. Denn optimal bewirtschaftete und penibel gepflegte Weinberge gab es bis ins 20. Jahrhundert nicht. Heruntergefallene und verdorbene Trauben blieben einfach zwischen den Rebstöcken im Weinberg liegen, Vögel und Insekten zerpickten sie und verteilten die Reste. Und so bleibt es zumindest möglich, dass die in diesen Trauben- und BeerenÜberresten siedelnden Hefestämme den verzweifelten Winzern doch noch zum Gärstart verholfen haben könnten. Bewiesen ist es allerdings nicht. WEINLEXIKON Alles Wissenswerte über Wein gibt’s mit über 25.000 Stichwörtern im größten Weinlexikon der Welt auf wein.plus: glossar.wein.plus
wein.plus:magazin 9 I st eine Weinflasche erst geöffnet, reagiert der Wein mit dem Sauerstoff der Luft. Der Sauerstoff verändert die Chemie des Weins und damit seine Aromatik. Zunächst ist das eine gute Sache, denn der Luftsauerstoff schließt viele der Aromastoffe im Wein erst auf: Der Wein gewinnt an Ausdruck, Komplexität und Feinheit. Will man die angebrochene Weinflasche jedoch aufbewahren, um sie am nächsten oder übernächsten Tag auszutrinken, muss man die Reaktion des Weins mit Luft-Sauerstoff – die Oxidation – unterbinden. Denn bei zu starkem sowie zu langem Sauerstoffkontakt verändern sich die Weinaromen negativ: Der Wein wird stumpf und schal, er schmeckt müde und alt. AUFBEWAHRUNG: STETS KALT, IMMER VERSCHLOSSEN Jede angebrochene Weinflasche wird fest verschlossen und vor allem kalt aufbewahrt. Die niedrige Temperatur, etwa im Kühlschrank, reduziert die chemische Reaktionsgeschwindigkeit. Dabei lagert man angebrochene Flaschen möglichst stehend, denn so bleibt die Oberfläche zur Oxidation möglichst klein. All diese Faktoren gelten für Weiß- und Roséweine ebenso wie für kräftige Rotweine sowie für Orange Wines. Schon ein einfacher, luftdichter Verschluss reicht aus, um offene Weinflaschen auch über mehrere Tage, mitunter sogar über Wochen aufzubewahren, ohne dass sie aromatisch deutlich leiden. Dabei ist der Füllstand in der Flasche sehr wichtig: Eine fast volle Flasche hält sich länger, weil nur wenig Luft darin enthalten ist. Eine ziemlich leere Flasche hält sich dagegen erheblich kürzer. Die klassische Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an, wer sie geöffnet hat. Doch die Gesetze der Chemie richten sich nicht nach den Vorlieben des Besitzers der Flasche. Unsere Tipps zeigen, welche Weine wie lange genießbar bleiben. SO LANGE HÄLT EINE GEÖFFNETE WEINFLASCHE VERSCHLOSSEN IM KÜHLSCHRANK • Einfache Weiß- und Roséweine kann man einen oder zwei Tage, höherwertige Weißweine auch eine oder zwei Wochen aufbewahren. • Junge Rotweine mit viel Säure und Tannin bleiben ebenfalls mehrere Tage bis eine oder zwei Wochen genussfähig – je höherwertiger, desto länger. • Lange gereifte Rot- und Weißweine sind empfindlicher und halten sich meistens nicht länger als einen Tag. • Süßweine lassen sich bedenkenlos auch über vier, sechs oder mehr Wochen aufbewahren – je höher die Prädikatsstufe, desto länger. • Angebrochene Schaumwein-Flaschen halten sich im Regelfall problemlos einen Tag, manchmal auch zwei. SCHON GEWUSST? Wie lange hält eine angebrochene Flasche Wein?
10 wein.plus:magazin Toni tanzt Wein SKATER, HIP-HOPPER, WEINFREAK: TONI ASKITIS IST DEUTSCHLANDS LAUTESTER SOMMELIER Mit Skateboard und Baggy Pants ist Toni Askitis zu einem der bekanntesten Sommeliers in Deutschland aufgestiegen. Seine Verkostungen richten sich nicht nur an Wein-Nerds, sondern auch an Skater und Hip-Hopper. Askitis’ unkonventioneller Stil kommt ausgerechnet bei konservativen Unternehmen gut an. Mit wein.plus hat er über Rookies, die Mosel und seine Herkunft gesprochen. TEXT: MATTHIAS STELZIG – FOTOS: NICO VON NORDHEIM / GLEAMLAB.DELB.DE Hau einfach mal raus!“ So fängt bei Toni Askitis eine Verkostung an. Über den Pfälzer Riesling im Glas könnte man eine Menge sagen: Sehr mineralisch, feine Fruchtsäure, Steinfrüchte, Grafit und noch einiges mehr, was man in einem solchen Wein findet. Aber Toni interessiert sich für die Meinung von Einsteigern, nimmt sie ernst. Dabei strahlt er notorisch gute Laune aus. Man merkt ihm an, wie er sich über jedes gute Glas freut, über jeden Kommentar und jede Frage. Er ist der Typ, in dessen Anwesenheit sich fast jeder wohlfühlt. Mit diesem Stil hat er sich weit von den steifen Weinproben mit Krawattenzwang abgesetzt. Und weckt damit das Interesse für Wein bei Leuten, die ihn woanders vielleicht nie probiert hätten. Seine Sätze fangen meistens mit „Hey, Bro“ an und hören mit „Hip-Hop“ auf. Toni ist Skater, Hip-Hopper und Sommelier – in seinen Weinkursen alles gleichzeitig. Weintrinker unterteilt er in Hard User, Weininteressierte und Rookies. Rookies sind im Hip-Hop unbekannte, oft sehr gute Musiker, die ihre Tracks gratis im Netz hochladen. Seine Rookies sind Einsteiger in die Weinwelt, die er vor allem auf Instagram erreicht. „Jeder ist ein Talent, wenn man ihm komplizierte Themen einfach erklärt“, sagt Toni. Statt über Elektronenwanderung und Acetobacter zu dozieren, erklärt er: „Stell dir einen angeschnittenen Apfel vor. Der wird braun. Das ist Oxidation.“ So viel Info reicht erst mal. ‚Wie viele Gläser braucht man?‘ ‚Was taugt Primitivo?‘ ‚Was isst man zu Champagner?‘ Die Fragen sind eigentlich immer gleich, fallen bei Profis aber oft unter den Tisch, weil sie die Antworten schon so lange kennen. Toni hat erkannt, dass man sie auf den Punkt beantworten muss: Zwei. Nichts. Gyros. Nach Jahren der Arbeit hat er über die Einstiegsfragen hinaus Breitenwirkung entfaltet. Er spricht über Literwein („der Brenner“) genauso wie über BurgunderTastings („es gibt sie, die Geheimtipps, den real deal“), berät die Düsseldorfer Messegesellschaft ebenso wie einen indischen Imbiss. „ICH ZIEHE MEINEN STYLE DURCH“ Mit Hawaii-Hemd und Shorts wirkt er heute nicht mehr wie ein Hardcore-Hip-Hopper. Auch die zarte Goldkette geht kaum noch als Bling-Bling durch. Toni ist 43, hat drei Kinder. „Aber die Leute erwarten das von mir“, sagt er. Manchmal wundert er sich fast selbst darüber. „Dann stehe ich vor zwei Dutzend Typen
12 wein.plus:magazin im Anzug, denen ich meine Projekte vorstelle, und frage: ‚Sind wir alle ok per Du?‘ Und die klatschen dann.“ Die Entscheider aus der Branche lieben das Geschäftsmodell des netten Jungen von nebenan, der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Tonis Terminkalender ist voll, seine Kundenliste liest sich eher wie das Who’s who der konservativen deutschen Weinwelt: Deutsches Weininstitut (DWI), VDP. Die Prädikatsweingüter, Zwiesel, Gerolsteiner und die Messe ProWein. Viele dieser Unternehmen haben gemerkt, dass sie neue Wege gehen müssen, um neue – jüngere – Kunden zu gewinnen, die sonst zu Craft Beer, Cold Brew oder Mixed Drinks mit immer ausgefalleneren Zutaten greifen. TONI BERÄT DWI, VDP UND PROWEIN Wie er so erfolgreich wurde? „Ich bin ein Kind der Gastro.“ So fängt seine Geschichte an. Tonis Eltern hatten ein griechisches Restaurant, „aber ohne Gyros und Fischernetze.“ Das Lokal lag im großbürgerlichen Düsseldorfer Zooviertel, wo für Fast Food noch kein Platz war. Dafür hatte die Weinkarte 120 Positionen. Und Toni musste mit ‘ran. „Das ist so in Gastarbeiterfamilien“, sagt Toni. „‚Wir haben morgen eine größere Veranstaltung, kannst du kommen?‘, fragte meine Mutter. ‚Ich schreibe am Tag danach eine Klausur an der Uni.‘ Schon klar, mein Junge. So um vier dann?‘“ Toni machte eine Lehre zum Kaufmann im Großund Außenhandel, die in der sogenannten SystemGastronomie endete. „Ein Jahr in einer Steak-house-Kette. Das war genug.“ Mit Studium und Auslandssemester in Hawaii stellte er die Weichen in Richtung Karriere. Der zündende Funke sprang aber trotzdem im Familienkreis über: „Mein Vater schleppte mich 2001 mit auf die ProWein. „Rumschlendern, Weine aus unzähligen Ländern verkosten, staunen. Da wurde mir klar: Da will ich dabei sein.“ Heute ist das Symbol der deutschen SpitzenWeinlage Wehlener Sonnenuhr an der Mosel auf seinen Unterarm tätowiert. 500 WEINE UND HIP-HOP IM HINTERGRUND Als nächstes kam sein eigenes Restaurant D’Vine. Im damals noch nicht so angesagten Düsseldorfer Viertel Unterbilk setzte er 500 Weine auf die Karte und ließ eine Wand von einem Graffiti-Künstler gestalten. Dazu liefen Hip-HopInstrumentals im Hintergrund. „Die meisten Leute haben das gar nicht gemerkt.“ Der Laden war eines der hippsten Restaurants der Stadt, als Toni es verkaufte. Er machte mehr Verkostungen, mehr Instagram, mehr Seminare. Den Hashtag #asktoni hatte er schon im D’Vine auf der Karte. Jetzt wurde er zu seinem Logo. Für ihn war das perfekt, denn er klingt wie FragMutti, NetDoktor oder Wikipedia. Einmal draufklicken, und du weißt Bescheid. Dazu liefert er die richtige Action. Man kann ihm in seinen Videos dabei zusehen, wie er Wein bei 200 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn verkostet. Und dann noch ausgerechnet einen Württemberger Wein, der aus einer Region stammt, die für Bedächtigkeit und Gemütlichkeit steht. In einem anderen Clip köpft er eine Flasche Charles-HeidsieckChampagner, indem er im richtigen
wein.plus:magazin 13 Winkel mit seinem Skateboard dran vorbeifährt. In Zeitlupe macht das enormen Eindruck. Spätestens im nächsten Video, in dem er mit der deutschen Hip-Hop-Legende Moses Pelham eine halbe Stunde nur über Wein redet, erreicht er Leute, die sich sonst kaum dafür interessiert hätten. S einen Followern rät er „alles mal auszuprobieren“. Auch wenn er selbst manchmal scharfe Linien zieht: Neue Welt muss nicht sein. Grauburgunder mag er nicht, Rosé schon gar nicht. Dafür süßen Mosel zur Gans und Orange Wine zu einem Pulled Pork Beef Burger. Am Ende ist sein Schaffen eine Gebrauchsanweisung für Wein-Deutschland, vor allem für Mosel-Rieslinge. DER BESTE WEIN IST EINE PLAYLIST Die Steillagen, feinherb, Auslesen und Schiefer-Mineralität - das ist seine Welt. Gerade die Süßweine mit ihrem traditionellen Spießer-Image hätte man darin nicht vermutet. Aber wenn Toni auf Sendung geht, bringt er das rüber. Seine Live-Tastings, mit denen sich andere so schwertun, sind gut gebucht. Die kleinste Einheit sind zwei Flaschen Wein, die man für 25 Euro bestellen kann. Die InstagramSession dazu, meist mit anwesendem Winzer, ist kostenfrei. Das kann sich fast jeder leisten. „In fünf Jahren“, ist er überzeugt, „bin ich voll digital.“ Tonis erste große Liebe, Hip-Hop, hat erst mal wenig mit Wein zu tun. Er ist die Musik für alle Fragen des Lebens: Hip-Hop kann die Probleme beim Aufwachsen als Migrantenkind verarbeiten, politische Missstände rausschreien, eine perfekte Liebeserklärung abgeben oder der Welt einfach mal mitteilen, dass man der Größte ist. Der Zugang ist barrierefrei. Man braucht weder Manager noch Musikschule. So haben es viele Musiker geschafft, Künstler zu werden, deren Geschichte man sonst vielleicht nie gehört hätte. Und viele sagen, ohne Hip-Hop wären sie nicht geworden, was sie sind. Das passt auch auf Tonis Rookies ganz gut. Die müssen bei ihm keine affektierte Weinsprache beherrschen. „Hau einfach mal raus.“ Die Expertise kommt schon. So wie ein gutes Musikstück mehr transportiert als ein Text, der mit Klang-Kollage unterlegt ist, verschmelzen auch die komplexen Aromen eines guten Weins zu einem Zusammenspiel, in dem man versinken kann. Als Weinbeschreibung führt Toni manchmal einfach ein Tänzchen auf. Es gibt für ihn auch keinen besten Wein. Nur „eine aktuelle Playlist“. Das ist seine Antwort auf die vielleicht nervigste Frage von Rookies und Lokaljournalisten. Noch mehr sind es die scharfzüngigen Texte des Hip-Hop, mit denen er die Dinge auf den Punkt bringt. Beim Champagner nervt ihn die „Rumprollerei der Neureichen“. Ist denn teuer immer gleich besser? „Einfach wegballern.“ Säure? „Wo ist das verdammte Problem? Jede Cola hat mehr.“ Und Organic? „Wie früher in der Bravo die Rubrik ‚Nur für Fans‘.“ Schön gesagt, Toni. “Ich bin ein Kind der Gastro” TONIS HASHTAGS #MusikimGlas #VollgasToni #KleinesMikroGroßeGewächse
Der Wein, der aus dem Knast kommt AUF DER ITALIENISCHEN GEFÄNGNISINSEL GORGONA BETREIBEN HÄFTLINGE EIN WEINGUT
Gorgona ist Europas letzte Gefängnisinsel. An ihrer Ostküste wachsen zweieinhalb Hektar Weinreben, biologisch bewirtschaftet von den Gefangenen. Seit zehn Jahren betreut das Weingut Frescobaldi dieses ungewöhnliche Resozialisierungsprojekt - und der auf der Insel gekelterte Weißwein beweist Qualität. TEXT: DANIELA DEJNEGA – FOTOS: MARCHESI FRESCOBALDI
16 wein.plus:magazin Weiße Sneakers waren nicht die beste Wahl. Nach nur wenigen Schritten in den Weingärten von Gorgona sind sie von rotem Staub bedeckt. Lamberto Frescobaldi ist im Vorteil, seinen dunkelgrauen Trekkingschuhen kann der durch seinen Eisengehalt rötliche Boden viel weniger anhaben. Der Präsident von Marchesi Frescobaldi kennt die Gegebenheiten auf der kleinen Insel vor der toskanischen Küste immerhin seit zehn Jahren. Denn bereits 2012 begann die Zusammenarbeit von Frescobaldi mit der Gefängnisleitung – und damit das Gorgona-Projekt. Nur einmal pro Jahr ist es Frescobaldi gestattet, eine Gruppe von Journalisten auf die von der Polizia Penitenziaria streng bewachte Insel zu bringen. Die Überfahrt mit dem Boot von Livorno dauert etwa neunzig Minuten. Auf dem Programm stehen die Besichtigung der Weingärten, die Verkostung des neuen Jahrgangs und ein von Gefangenen serviertes Mittagessen auf der wunderschönen Terrasse. „Dieses Projekt erfüllt uns jedes Jahr mit größerem Stolz“, betont Lamberto Frescobaldi. „In ihm ist alles enthalten: die Liebe zu dieser außergewöhnlichen Insel, die Sorgfalt und Leidenschaft der Menschen, die hier arbeiten, die Hoffnung auf ein besseres Leben, der Einfluss des Meeres. Dieses Projekt erfreut uns ständig aufs Neue.“ IN MEHRFACHER HINSICHT EINZIGARTIG Die Haftanstalt auf Gorgona, der kleinsten und nördlichsten Insel des toskanischen Archipels, wurde bereits 1869 gegründet. Hier leben heute zwischen 70 und 90 Strafgefangene, die vor allem in der Landwirtschaft arbeiten. Neben Olivenhainen, Gemüseanbau und der Haltung von Tieren zählt dazu bereits seit mehr als zwanzig Jahren auch ein Weinberg. Doch der gewonnene Wein geriet mangels Know-how nur mäßig gut. Die damalige Direktorin des Instituto di Pena di Gorgona, Maria Grazia Giampiccolo, wollte sich damit nicht zufrieden geben. Sie schrieb an gut 200 Weingüter und bat um Unterstützung beim Weinbau und im Keller. Tatsächlich war Lamberto Frescobaldi der einzige, der auf ihre Anfrage reagierte. Er wollte sich die Insel zumindest ansehen. So setzte er am 3. August 2012 mit dem Polizeiboot über und besuchte Gorgona zum ersten Mal. Er verliebte sich – „in die Schönheit, die Wildheit und die Kraft der Natur, die diese Insel beherrscht“, wie er sagt. Damit war der Grundstein für das heute erfolgreiche Resozialisierungsprojekt gelegt. Frescobaldi wollte sofort loslegen und übernahm mit dem Jahrgang 2012 die Verantwortung für die Vinifikation. EINE ZWEITE CHANCE FÜR DIE HÄFTLINGE Unter der Anleitung von Frescobaldis Agronomen und Önologen sammeln die Gefangenen auf Gorgona handfeste, praktische WeinbauErfahrung. Sie können sich dabei Fähigkeiten aneignen, die ihnen die Wiedereingliederung ins Arbeitsund Sozialleben nach der Entlassung erleichtern sollen. Denn Gorgonas Häftlinge haben schwere Straftaten begangen, sie wurden wegen Mordes, Totschlags, Drogenhandels oder Bankraubs zu langjähriger Haft verurteilt. Nur die letzten drei bis fünf Jahre ihrer Strafe verbringen sie auf der Insel. Mafiosi und Sexualstraftäter hingegen werden grundsätzlich nicht zugelassen. Nach Gorgona verlegt zu werden, ist ein Privileg, das nur wenigen erteilt wird: „Gute Führung“ ist die Grundvoraussetzung. „Jeder dieser Männer hat eine zweite Chance verdient“, ist Lamberto Frescobaldi überzeugt und fügt mit Stolz hinzu: „Die Rückfallquote ist extrem gering. Und ein Startkapital von 30 bis 40.000 Euro hilft diesen Menschen natürlich enorm.“ Denn wer auf Gorgona für
wein.plus:magazin 17 Frescobaldi arbeitet, verdient den in der Branche üblichen Lohn, der bei der Entlassung ausgezahlt wird. Außerdem hat jeder Entlassene die Chance, weiterhin ein Jahr lang für Frescobaldi zu arbeiten. SCHIFFBRUCH IM MITTELMEER Gorgona ist eine wilde Schönheit, deren zum Teil unberührte Natur streng geschützt ist. Die Insel ist nicht nur von glasklarem Wasser umgeben, sondern auch reich an Süßwasser und Vegetation. Wälder von Steineichen und Aleppo-Kiefern sowie mediterrane Macchia prägen die Landschaft, dazu gesellen sich Kastanien, Schwarzerlen, eine autochthone Olivensorte und hunderte Blumenarten. Auch geologisch ist die Insel eine Besonderheit – sie stellt ein Stück der Westalpen dar, das bei der Auffaltung der Alpen vor Millionen von Jahren quasi „Schiffbruch erlitt“. So ist die Insel großteils von Kalkstein geprägt, doch auch Metabasite und Serpentinite, dunkelgrüne eisenhaltige Gesteine, treten zu Tage. Diese drei Gesteinsarten treffen im Nordosten der Insel aufeinander, dort, wo sich die Weinberge Gorgonas befinden. Die Rebfläche beträgt derzeit fast zweieinhalb Hektar, wobei die Weißweinsorten Vermentino und Ansonica (Inzolia) vorherrschen. In den Jahren 2015 und 2018 wurden die Weingärten erweitert und seit einigen Jahren wird auch ein Gorgona Rosso gekeltert – wenige hundert Flaschen von ein paar Rebzeilen Sangiovese und Vermentino Nero. 2021 IST DER JUBILÄUMS-JAHRGANG FÜR DAS GORGONA-PROJEKT Vom berühmten weißen Gorgona aus Vermentino und Ansonica gibt es nun jährlich immerhin 9.000 Flaschen. Dennoch bleibt er eine außergewöhnliche Rarität, die die salzige Luft, die mediterrane Würze, die Sonnenwärme und die erfrischende Meeresbrise der Insel im Geschmack trägt. Geschmeidigkeit, Frische und prägnante Salzigkeit zeichnen den 2021er aus. Als zehnter Jahrgang markiert der Wein ein bedeutendes Jubiläum in der Zusammenarbeit zwischen Frescobaldi und dem Insel-Gefängnis. Das Flaschenetikett erzählt jedes Jahr von einem anderen Aspekt der facettenreichen Insel. Die Edition 2021 feiert den zehnten Gorgona-Jahrgang mit einer Hommage an die Insel und einer Danksagung an alle Menschen, die dieses außergewöhnliche Projekt möglich gemacht haben.
18 wein.plus:magazin Ein besonderes Stück Pfalz DR. BÜRKLIN-WOLF – PFALZ Ein Schatz liegt meist tief in der Erde vergraben. Sicher geschützt im Dunklen, verwahrt in einer Kiste. Es gibt aber auch jene Schätze, die ihre Wurzeln zwar im sicheren Erdreich verborgen haben, ihre besondere Güte jedoch präsent, dem Sonnenlicht ausgesetzt präsentieren. Solch ein Schatz sind die berühmten Rebreihen des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf in der Pfalz, das auf eine über 400-jährige Geschichte zurückblickt. Denn die Ursprünge des Traditionshauses, das über all diese Jahrhunderte in Familienhand ruht, liegen im Jahr 1597. Seit 1990 ist es Bettina Bürklin-von Guradze, die älteste Tochter von Dr. Albert Bürklin, die das elterliche Erbe von Unverwechselbare Charaktere, Individualisten und feine Vertreter ihres Terroirs – das sind die Spitzenweine des Pfälzer Weinguts Dr. Bürklin-Wolf, die auf den wertvollsten Riesling-Lagen der Welt reifen. Ein Erbe, das bis heute auf dem inhabergeführten Weingut mit höchstem Anspruch geschützt und zelebriert wird. FOTOS: WEINGUT DR. BÜRKLIN-WOLF, HEROES OF RIESLING Anzeige
Anzeige : Ein besonderes Stück Pfalz Die Kraftquelle, aus der die Rebe ihre Energie schöpft, wird ein einheitliches Ganzes im biodynamischen Weinbau. Bettina Bürklin-von Guradze “ “
20 wein.plus:magazin 15 Einzellagen antrat und dabei zwar die Spuren ihrer Ahnen würdigt – diese jedoch mit ihrer ganz eigenen Vision paart. Doch auch ihr oberstes Ziel ist eines immer gewesen: herausragende Spitzenrieslinge zu erzeugen – und das im Einklang mit der Natur. EINE VISION WIRD WIRKLICHKEIT „Die Kraftquelle, aus der die Rebe ihre Energie schöpft, wird ein einheitliches Ganzes im biodynamischen Weinbau“, ist sich Bettina Bürklin-von Guradze sicher. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Umstellung auf eben diese biologisch-dynamische Wirtschaftsweise eines ihrer großen Ziele war, das sie bereits 2005 in die Tat umsetzen konnte. Ein Zeichen, das sowohl für die weise Voraussicht der Familie steht. Das Talent, die Zeichen der Zeit gekonnt zu lesen. Aber auch für das Bewusstsein, dieses große vinophile Erbe für die nächsten Generationen in eine gesunde Zukunft zu tragen. Dieser naturnahe Ansatz unterstützt zudem das Bestreben, die Vielfalt und die Tiefe des einzigartigen Terroirs, das auf Unterlagen von Buntsandstein, Basalt und Kalk fußt, in vollkommener Weise in vielfach prämierten Weinen einzufangen. Denn es sind Spitzenlagen wie der Deidesheimer Kalkofen, der Forster Pechstein, das Kirchenstück in Forst oder der Ruppertsberger Gaisböhl, in denen das erlesene Traubengut des Weinguts gedeiht. „Diese wertvollen Lagen waren schon im 19. Jahrhundert für Spitzenrieslinge berühmt. Daher konzentrieren wir uns in dieser Tradition auf diese wertvollste Rebsorte“, erzählt Geschäftsführer Steffen Brahner. EINZIGARTIGES WEINDENKEN So wächst unter der Obhut von Weinbergsleiter Jan Hock in den Weingärten des 89 Hektar großen Weinguts zu 90 Prozent Riesling. Getreu der Devise, dass „große Weine ein Spiegelbild ihres Standorts sind“, gilt es, die ganz individuellen Eigenschaften einer jeden Spitzenlage, eines jeden Mikrokosmos einzufangen und im Wein widerzuspiegeln. Das hochwertige Traubengut des Rieslings ist dabei die aromatische Metapher, die die Geschichte ihrer jeweiligen Appellation erzählt. „Die Rebsorte Riesling hilft uns wie keine zweite, dieses Wesen einzufangen“, erklärt Steffen Brahner. Mit Blick auf unser Nachbarland Frankreich, in dem dieses Bewusstsein für geschützte Herkunftsgebiete und Klassifizierungen viel aufmerksamer gelebt wird, hat das Weingut bereits 1990 seine eigene Qualitätspyramide erstellt. Dabei fällt den G.C.- (den Grand Crus) und den P.C.-Rieslingen (vergleichbar mit den burgundischen Premier-Cru-,Lagen) ein besonderes Augenmerk zu. „Diese Weine haben ein enormes Reifepotenzial von 20 Jahren aufwärts“, weiß Steffen Brahner. Daher werden von jedem Jahrgang große Mengen in den Reifekeller des Weinguts gelagert und erst verkauft, wenn sie ihre wahre Größe entfaltet haben. Ein besonderer Anspruch, der eben nicht nur für Tradition, sondern auch für Stolz und Vision steht. Anzeige
Anzeige wein.plus:magazin 21 Der Mythos lebt GAJA – PIEMONT Kultstatus. Den erlangen bei Weitem nicht nur Stars und Sternchen. Auch Weinen kann er gelingen. Das zeigen die edlen Tropfen der rennomierten Winzerdynastie Gaja aus dem Piemont, die weltberühmt sind. Ganz einfach, weil sie außergewöhnlich gut sind. FOTOS: GAJA
Im Einklang mit der Natur – Anzeige
wein.plus:magazin 23 Anzeige Ein Mythos entsteht in der Regel im Nachhinein. Dann, wenn die Geschichte erzählt, abgeschlossen und ihre Großartigkeit erst richtig erfasst und verstanden werden kann. Aber wie das mit Regeln so ist: Sie haben auch Ausnahmen. Angelo Gaja ist so seine. Denn er ist bereits zu Lebzeiten zum Mythos geworden. Zu einem, der Veränderungen bewirkte, deren Tragweite nicht nur das Erbe seiner Familie veränderten, sondern den gesamten Weinanbau des Piemonts. Denn er erkannte, dass es keine Schwäche ist, einem Vorbild nachzueifern. Viel mehr ist es klug, aus den Erfahrungen anderer zu lernen, ihre Erkenntnisse zu nutzen und auf die eigene Weise umzusetzen. Und so begann Angelo bereits in den 1960erJahren, seine Reben nach französischem Vorbild im Drahtrahmen zu erziehen. Er setzte auf geringe Erträge und penible Klonselektion. Auch im Weinkeller veränderte er maßgebliche Momente, führte die Temperaturkontrolle bei der Gärung und auch den Ausbau aller Weine in neuen Barriques ein. Was folgte, war ein Aufschrei durch die gesamte Region, denn all dies entsprach nicht der piemontesischen Weinbautradition. Doch der Erfolg gab Angelo Gaja recht, denn die einzigartigen Cuvées des Weinguts zählen zur Elite Italiens. Sogar der ganzen Weinwelt. 100 PROZENT PIEMONT Es ist schon besonders mitzuerleben, wie ein Weingut, das vor mehr als 150 Jahren gegründet wurde, durch eine einzige Generation so einen unglaublichen Wandel vollziehen kann. Einen Wandel, dessen Basis in Barbaresco, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Cuneo liegt und zu einem Weingut mit mehr als 100 Hektar Rebfläche angewachsen ist. Diese befinden sich ausnahmslos in ausgesuchten und den allerbesten Lagen in den piemontesischen Herkunftsbezeichnungen Barbaresco, Treiso, Barolo, Alba, La Morra, Montalcino und Bolgheri. Mit Blick auf den Sortenspiegel führt die anspruchsvolle Rebsorte Nebbiolo das facettenreiche Traubenkaleidoskop an. Sie ist prädestiniert für die Unterlagen aus Lehm und Kalkstein, die die Region ausmachen. Aber auch Barbera, Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Sauvignon blanc gedeihen unter den achtsamen Augen des Teams im Weingarten zu einem hervorragenden und äußerst hochwertigen Traubengut. Raffinesse, Vielfalt und Kreativität – das sind die Attribute, die das traditionsreiche Weingut adeln, und so wundert es auch kaum, dass diese Urkräfte in die ca. 350.000 Flaschen, die jährlich abgefüllt werden, einfließen. DIE NÄCHSTE GENERATION ÜBERNIMMT Dabei sei am Rande bemerkt, dass die Familie Gaja – neben dem gleichnamigen Mutterweingut im Piemont – zwei weitere, ebenso namhafte Weingüter besitzt: Pieve di Santa Restituta im Brunello-Gebiet und Ca‘ Marcanda in Bolgheri. Alle drei Betriebe werden in Zukunft von Angelo Gajas drei Kindern – Gaia, Rossana und dem Nachzügler Giovanni – geleitet werden. Denn das weinbegeisterte Trio verkörpert die fünfte Generation einer der größten Winzerfamilien der Welt, die den Blick auf das Wesentliche trotz aller Erfolge nie aus den Augen verloren hat. Das zeigt auch einer der Lieblingsweine von Familienbotschafterin Gaia Gaja. Es ist eines der Flaggschiffe des Hauses – der Barbaresco. Ihr Favorit ist der Jahrgang 1989, der sie an all die vielen besonderen Gerüche ihrer Heimat erinnert. An die Würze der Erde, die den Mythos überhaupt erst ermöglicht hat und bis heute mit all ihrer Ursprünglichkeit nährt.
Schattenbars in Venedig Ausserhalb der Saison ist die beste Zeit, um Venedigs Schattenbars zu entdecken. In den Gassen der Lagunenstadt verstecken sich die Bàcari. Hier trinken die Veneziani ihren Ombra und treffen Nachbarn. Anke Sademann verrät, wo die besten zu finden sind. FOTOS: ANKE SADEMANN, ANJA HENDRISCHK / GIRAMONDO IN DEN BÀCARI DI VENEZIA TRINKT MAN EINFACHEN WEIN AUS KLEINEN GLÄSERN
wein.plus:magazin 27 Nach der überbordenden Hochsaison zwischen Karneval und Biennale zeigt sich Venedig in der vierten Jahreszeit ungeschminkt und gelassen. Das milchige Winterlicht liegt mit der Restwärme des Spätherbstes auf den monochromen Steinen der Brücken und den hell erleuchteten Palazzi. Bereits am frühen Mittag kann man es den Einheimischen gleichtun und seine erste Schattenwein-Runde in den Bàcari drehen. Sie sind die Osterien von Venedig. „Andare per ombre“ gehört zu den venezianischen Alltagsritualen rund um „bere e mangiare“ (Trinken und Essen) – ebenso wie der milde „caffè“ in einer Pasticceria am frühen Morgen. Von den umtriebigen Plätzen folgt man den Veneziani in die labyrinthischen Gassen, Brücken und Kanäle der Lagunenstadt. Bevor sie die frühabendlichen AlltagsBesorgungen mit ihren „carelli“ (Handkarren) nach Hause bringen, machen sie oft noch einen Abstecher in eine der „Bàcari“ im Halbschatten der hinteren Häuserreihen. Die meisten kleinen Weinschänken liegen in den steinernen Falten der Stadt und sind für Fremde nicht einfach zu finden. Doch schon mittags herrscht dort reger Betrieb. Vor allem im Winter treffen sich dort die Einheimischen und genießen ihre „cultura dell’ombra“, um unter sich zu sein. Die von Schummerlicht bestrahlten, charmanten Weinkaschemmen sind einfach eingerichtet und vollgestopft mit Wein-Reliquien. Die mit warmtönigem Holz verkleideten und mit Weinetiketten tapezierten Wände sind vollgestellt mit Kupferkesseln, Wandtellern oder leuchtenden Madonnen in Minischreinen. Manche Flaschen kühlen in den Außenfenstern auf den Steinsimsen. Man begegnet Baristi wie Eduardo Barolo im Bàcaro „Un Mondo diVino“, der ein Tattoo mit Reben und einem Glas Vino Rosso auf dem Unterarm trägt. Selbst bei „Acqua Alta“ – dem regelmäßigen Hochwasser – besuchen die Einheimischen in Gummistiefeln ihre Stammbars. Auf handgemalten Weinkarten – mal auf neongrüner Pappe, mal auf floral illustrierter Schiefertafel – steht ein wilder Mix der regionalen und internationalen Weine. Zum Ombra – dem einfachen, ehrlichen „Schattenwein“ – gibt es ein kaltes oder warmes Cicchetto auf die Hand. In den mundgerechten, zwei Happen großen, venezianischen Tapas spiegelt sich die gesamte Geschmacks-Topografie des Veneto, der Region rund um die Lagune. Die kleinen Zungenschnalzer isst man mit seinem „piccolo bicchiere di vino“ – streng von den Einheimischen beäugt, ausschließlich „al banco“ (stehend) am Tresen und vorzugsweise zur Mittagszeit oder später zur Blauen Stunde. „Un’ombra“ bedeutet im Italienischen auch „eine kleine Menge“. So trinkt man ausschließlich aus winzigen 0,1-l-Gläsern.
28 wein.plus:magazin Oftmals gibt es in den kleinen Weinschänken lediglich zehn Stehplätze. Man steht dicht beiein - ander, um sich über Tagesaktuelles auszutauschen. Vom Gondoliere bis zum Müllmann, vom Palazzo-Besitzer bis zur älteren Dame mit grellroten Lippen aus der Nachbarschaft ist alles vertreten. Hier trifft kleiner Wein auf kleinen Schwatz und bestimmt die soziale Schattierung. Nicht ohne Grund leitet sich der Bàcaro vom Namen des Weingottes Bacchus ab. Auch einen Spritz Rosso, Bianco oder Rosato, die Weinschorle, gibt es als Light-Version im Ombra-Format. DIE GESCHICHTE DER OMBRA-TRADITION Leichte Weine sind gefragt. Die Zeiten der sehr einfachen Arme-Leute-Weine von minderer Qualität sind vorbei. Nur der günstige Preis hat immer noch Tradition und liegt manchmal sogar noch unter einem Euro. „Un’ombra“ bedeutet im Italienischen auch „eine kleine Menge“. So trinkt man ausschließlich aus winzigen 0,1-lGläsern. Wenn es noch weniger ist, sprechen die Venezianer von einer „ombretta“, einem „Schattenchen“. An die 50.000 Gläschen sollen in Venedig täglich über die Tresen gehen. Nur wer darauf besteht, bekommt den Wein in ein hochwandiges Glas eingeschenkt. Zur Herkunft dieser Weintradition erzählt man in Venedig die Geschichte, apulische Weinhändler hätten zur Mitte des 19. Jahrhunderts einfachen Fasswein über die Riva degli Schiavoni eingeschifft. Der wurde statt des teuren griech - ischen Weins auf der Piazza San Marco für wenig Geld ausgeschenkt. Um den Wein kühl zu halten, wanderten die „commercianti di vino“ einfach mit dem Schatten des Campanile-Turms. Im Kühlen trank sich der Ombra nun mal angenehmer. Als später die festen, einfachen Bàcari öffneten, wurden sie vielen Menschen zu einer zweiten, warmen Wohnstube – kleine soziale Auffangstätten für die Sorgen und Nöte der Menschen in kargen Zeiten. Die namensgebende Metapher hält sich bis heute im Glas.
WELCHER SCHATTEN KOMMT INS GLAS? Regionale Rebsorten haben längst die apulischen Trauben ersetzt. Die meisten der heute „guten Tropfen für jeden Gusto“ stammen aus dem 75.000 Hektar großen venezianischen Hinterland oder dem nahe gelegenen Friaul-Julisch-Venetien mit seinen saftig-strukturierten Weißweinen. Ausgeschenkt werden der Manzoni (Kreuzung aus Riesling und Pinot Blanc), aber auch Gewürztraminer, Müller-Thurgau, Lugana DOC oder Rebsorten wie Friulano, Pinot Grigio, Pinot Bianco oder Sauvignon Blanc. Perfekte Ombra-Rotweine sind die unbeschwert fruchtigen Bardolino Classico und die jungen Novello (Rebsorten: Corvina, Rondinella, Molinara), dazu gibt’s häufig Merlot, Pinot Noir und Refosco. Das Pendant mit den gleichen Trauben wie der Bardolino ist der Valpolicella – in seiner von Leichtigkeit geprägten Charakteristik ein beliebter Ombra. Barolo und Brunello fließen hier nur selten ins Glas, sie werden meist nur am Abend ausgeschenkt. Auch Cabernet, Friulano oder Verduzzo landen hier neben internationalen Sorten im kleinen Glas. CICCHETTI – DIE VENEZIANISCHEN APPETIZER Cicchetto (cicchetti oder auch cichetti, cichete) werden mancherorts als älteste Street-Food-Kultur gehypt und ersetzen oft das Mittagessen. Auch hier steckt die „kleine Menge“ bereits im Wort. Kleine Sandwiches, goldgelbe Polenta-Rauten oder „fondi di carciofi“ (gebratene Artischockenböden) tragen die Häppchen in den wie Altäre ausgeleuchteten Glasvitrinen. Mit den Fingern nascht man die bunt drapierten oder mit Zahnstochern zusammen gehaltenen Cichetti mit frittierten Oliven oder Kürbisblüten „fior di zucca“, mariniertem Gemüse und lokalen Käsesorten wie dem „mozzarella in carrozza“. Den gebackenen Filata gibt es wahlweise mit oder ohne Schinkenfüllung. Fisch und Meeresfrüchte sind die Hauptdarsteller: Der „Baccalà Mantecato“, eine Stockfisch-Paste, sitzt als cremiger Schmelz auf knusprigem Brot oder Polenta. „Sarde in Saòr“ – mit Zwiebeln, Olivenöl, Essig, Lorbeerblättern, Rosinen und Pinienkernen eingelegte Sardinen – liegen gleich neben den „Polpette“. Die kleinen Bällchen aus Fleisch, Fisch oder Gemüse schiebt man sich mit zwei Fingern flink in den Mund. Der Ombra begleitet den Genuss – Schlückchen für Schlückchen für Schlückchen…
30 wein.plus:magazin Von Ombra zu Ombra: Die besten Bàcari Venedigs Um die meist gut versteckten Schattenbars in den sechs Stadtbezirken Venedigs besser zu finden, haben wir die besten von ihnen zusammengetragen. . Mit jedem noch so kleinen Schluck hält man diese Tradition lebendig. Anke Sademann sowie die Fotografin Anja Hendrischk stellen hier ihre ganz persönlichen Tipps vor. Im Cannaregio-Quartier: früher eine Metzgerei, jetzt „eine göttliche Welt“ und zugleich „die Welt des Weins“. Warme Atmosphäre und sehr kundige, gut gelaunte Bariste! Salizada S. Canzian, 5984/a, 30121 Venedig, www.bacarounmondodivino.it Un Mondo diVino Auf einem belebten, aber gut versteckten Platz mit pittoreskem Brunnen trifft man sich schon am frühen Morgen zum Wein. Campo S. Canzian, 6032/6044, 30121 Venedig Milan Bar Bàcaro in einer verwinkelten Gasse mit großer CicchettiAuswahl. Gute Abend-Adresse mit Live-Jazzkonzerten. Salizada del Pistor, 4556/C, 30121 Venedig, www.elsbarlefo.it El Sbarlefo Sehr familiär – im Viertel Castello. Klein und fein mit einem Tresen voller weinse - ligem Nippes und einem kleinen Hinterzimmer für den Tratsch des Tages. Große Weinauswahl und köstliche Cicchetti! Eine echte Lieblingsadresse, in der auch Live-Musik gespielt wird. Salizada de le Gatte, 3183/A, 30122 Venedig, www.osteriaalascuela.com Osteria A La Scuela Nachbarschaftstreff mit feinen Cicchetti und reichlich Meeresfrüchten am Beginn der Via Garibaldi in Castello. Via Giuseppe Garibaldi, 1664, 30122 Venedig Al Vecio Calice in Castello
wein.plus:magazin 31 ALLE EMPFEHLUNGEN, GOOGLE MAPS UND WEBSITE-LINKS: Klein, fein, köstlich: Ein atmosphärisches Kleinod unter den Bàcari! Viele Fischvariationen auf den Cicchetti und Porchetta – fein geröstetes Jungschwein. Eine Spezialität, die man selten findet. Fondamenta dei Ormesini, 2684, 30121 Venedig Ae Bricoe Moderne und angenehm minimal - istische Mini-Weinstube - abseits vom touristischen Strom in der Via Garibaldi im CastelloViertel. Bis in den späten Abend sitzt man auf der Via Garibaldi mitten im echten venezianischen Getümmel auf der Terrasse. C. Giazzo, 1580, (Via Garibaldi), 30122 Venedig El Refolo Winzig klein und authentisch: Eine Top-Adresse, die man nicht übersehen darf! Dieser Bàcaro liegt ein bisschen versteckt an der Treppe gleich nach der Ponte Sant’Antoni. Strada Nova, 2208, 30121 Venedig Camin Storto Eine der neuen Weinbars in Venedig mit hohem Anspruch an Qualität und Service. Großes Wein-Angebot und Sommelier’s Corner mit exquisiter Auswahl. Via Giuseppe Garibaldi, 1765, 30122 Venedig, labarriquevenice.com La Barrique Wine Bar Traditionell und zugleich angesagt beim jungem Publikum mit frischer Cicchetti-Auswahl und regionalem Wein-Angebot. Oben Ristorante, unten Bar, etwas versteckt direkt hinter dem Campo San Bartolomeo, nur zwei Minuten entfernt von der Rialto-Brücke. Sestiere di S. Marco, 5495, Calle de l’Orso, 30124 Venedig, www.bacarando.com Bacarando in in San Marco In San Marco liegt diese winzige und sehr lohnenswerte Wein-Bar mit toller Auswahl an Prosecco und Wein am Campo San Luca für den Besuch tagsüber. Abends ist sie geschlossen. Calle Minelli, 1267B (Campo San Luca), 30124 Venedig Black Jack
Auf Genussreise durchs Vulkanland Steiermark INSIDER-TIPPS: WEIN, SPEZIALITÄTEN UND DELIKATESSEN Das Vulkanland Steiermark ist eine Genussregion im Schatten erloschener Vulkankegel. Wein prägt das Gebiet, aber es gibt viel mehr zu entdecken: von der Premium-Schokolade bis hin zu Rum. Alexander Lupersböck kennt die Region und ihre Erzeuger seit Jahrzehnten. Hier verrät er seine Tipps. FOTOS: ÖWM / WSNA, GRAEME KENNEDY Blick vom Klöchberg
Straden ist eines der Zentren des Weinbaus im steirischen Vulkanland
wein.plus:magazin 35 Lange galt das Vulkanland als der gemütlichere Bruder der Südsteiermark. Doch mit der Änderung des Gebietsnamens von der indifferenten geographischen Bezeichnung „Südoststeiermark“ in „Vulkanland“ wurde die Einzigartigkeit dieser Region betont. Das hat dem Selbstbewusstsein der Weinbauern gut getan und viel Dynamik freigesetzt. Weine von vulkanischen Böden sind längst weltweit gefragt. Und das zu Recht: Im steirischen Vulkanland verbindet sich die Mineralität der basaltischen Böden mit dem milden Klima und den kühlen Nächten zu einer speziellen Würze in den Weinen. WEINERLEBNISSE Der Verein der „Eruptions-Winzer“ hebt mit großer Leidenschaft die Eigenheiten des Gebietes hervor. So werden bei einem der Mitglieder, dem Genussgut Krispel, die Weine mit dem Restaurant Genusstheater, der „Kostbar” und den Produkten aus der eigenen Wollschweinzucht ergänzt. Nicht weit davon in Straden befinden sich zwei Protagonisten des steirischen Weins, das Weingut Neumeister mit dem Restaurant Saziani-Stub’n und dem Schlafgut Saziani sowie das Weingut Frauwallner . Richtung Westen in St. Peter am Ottersbach gibt es bei „Echtwein” von Ploder-Rosenberg hochspannende Einblicke in die Welt von Piwi-Sorten, biodynamischem Anbau und nichtinvasiver Weinbereitung. Gottfried Lamprecht vom Herrenhof Lamprecht hat sich mit seinen weißen und roten Gemischten Sätzen vom Buchertberg dem Auffinden und der Vinifikation uralter steirischer Rebsorten verschrieben. Er baut auch wieder die Traditionssorte Furmint an. In der Nähe bietet das Weinschloss von Karl „Koarl” Thaller als Ort für Feiern, Veranstaltungen und Kulinarik eine „Bühne für Kunst, Kultur und Wein“. Kein Besuch im Vulkanland ist vollständig ohne einen Abstecher auf Schloss Kapfenstein. Das Schlosshotel mit dem feinen Restaurant und dem Weingut der Familie WinklerHermaden ist eine Institution. Der „Olivin“ gilt seit Jahrzehnten als einer der besten Rotweine des Landes und hat Maßstäbe für Zweigelt gesetzt. Liebhabern der Rebsorte Traminer ist ein Besuch des Dorfes Klöch empfohlen. Dort ist eine der Hochburgen der Sorte, die in modernen Interpretationen wieder ein größeres Publikum anspricht. GENUSSWELTEN Im Vulkanland Steiermark gibt es neben Wein eine Menge weiterer Delikatessen zu entdecken. VulcanoSchinken darf bei keiner Jause im Vulkanland fehlen, und ein Besuch am Produktionsort Auersbach eröffnet Einblicke und gibt Gelegenheit zu Verkostungen. Bei Haberl & Finks kann man nicht nur hervorragend beim ehemaligen Chefkoch des Hotels Sacher in Wien speisen, sondern auch eingekochte und eingelegte, aber auch fermentierte Köstlichkeiten im Glas kaufen, die mit viel Liebe in reiner Handarbeit geschaffen werden. Im Vulkanland wird auch das „Schwarze Gold der Steiermark“ gefördert: Kürbiskernöl gehört hier zu den Grundnahrungsmitteln – und ist an vielen Orten in feinster Qualität erhältlich. Fürs Dessert empfehlen wir zwei Besuche: In der Fromagerie zu Riegersburg kann man Österreichs erste Käsereife- und KäsekunstWerkstatt besichtigen. Wenige Meter weiter liegt das Paradies aller Naschkatzen: das Zotter Schokoladentheater. Josef Zotter ist berühmt für seine Schokoladen in Geschmacksrichtungen, die vorher undenkbar waren. Seine Schokoladen sind „bean to bar”, er kennt alle seine Lieferanten und beinahe jeden Kakaobaum persönlich. Im Schokoladentheater können Besucher ihre Schokolade selbst machen und uneingeschränkt verkosten. Wer es damit übertrieben hat, freut sich vielleicht über einen Digestif. Gut, dass sich viele Betriebe der Veredelung des reichlichen Obst-Angebots verschrieben haben. Exemplarisch ist die gläserne Manufaktur von Alois Gölles, dessen Edelbrände und Essige weit über die Grenzen Österreichs bekannt sind. Obstgarten-Kino, Sinnestunnel und viele Verkostungsangebote machen den Besuch zu einer außergewöhnlichen Erlebnistour. Sohn David bietet im Ruotkers – House of Whisky, Gin und Rum – auch exotische Spirituosen an. SEHENSWÜRDIGKEITEN UND UNTERKÜNFTE Das Vulkanland Steiermark bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Besuchsziele. In der spektakulär gelegenen Gesamtsteirischen Vinothek in St. Anna am Aigen können viele der 220 angebotenen Weine verkostet werden – nach Anmeldung sind auch geführte Verkostungen möglich. Ein Pflichtbesuch ist die Landschaft weithin beherrschende Riegersburg mit ihrem Hexen-museum. Sie wurde in den lang andauernden Grenzkriegen nie erobert, heute kann man sie erwandern oder einfacher mit einem Schrägaufzug erreichen. Entspannung nach so vielen Erlebnissen bieten die Hotels rund um die Thermalbäder in Bad Waltersdorf und Bad Gleichenberg. Wer lieber im Herzen der Genusswelt rund um die Riegersburg wohnt, sollte das Genusshotel Riegersburg ins Auge fassen. Überall im Vulkanland stehen gemütliche Zimmer in Weingütern und alle Kategorien von Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Aber Achtung: Ein Wochenende ist sicher viel zu kurz, um das Vulkanland Steiermark zu entdecken! EMPFEHLENSWERTE WEINGÜTER IN DER REGION:
Josef Zotter schwingt den Schoko-Kochlöffel im Kreis seiner Familie. Sein Schokoladentheater ist eines der Top-Ziele im Vulkanland.
Die Kunst des Winzerhandwerks WEINGUT GROSS – SÜDSTEIERMARK Hoch hinaus sollte es für Johannes Gross vom gleichnamigen Weingut ursprünglich einmal gehen. So hoch, dass er sogar diesen Planeten verlassen wollte. Wenn auch nur temporär. Sein ursprünglicher Berufswunsch: „Astronaut. Aber dann habe ich gemerkt, dass dafür in Österreich die Raketenstartplätze fehlen“, schmunzelt er in Erinnerung an den kleinen Jungen von einst. Oftmals braucht solch ein Überschwang den erdenden Gegenspieler. Diesen fand er nicht nur in den Wurzeln des Familienweinguts, das er seit 2019 gemeinsam mit seiner Frau Martina leitet. Auch die Rebstöcke, die auf 37 Hektar in der reizvollen Hügellandschaft der Südsteirischen Weinstraße und der angrenzenden Štajerska Slovenija unter liebevoller Handarbeit gedeihen, geben ihm Kraft und erden ihn. Dass einer Geschichte immer wieder spannende Kapitel hinzugefügt werden können, zeigen Martina und Johannes Gross sehr eindrucksvoll: Das Winzerehepaar übernahm vor drei Jahren das Familienweingut in der Südsteiermark und führt es mit besonderem Bewusstsein für nachhaltigen Weinanbau in die Zukunft. FOTOS: WEINGUT GROSS
wein.plus:magazin 39 Anzeige „Ich war schon immer gerne draußen mit dabei und habe es geliebt, meinen Eltern zuzuhören, wenn sie von ihren Weinen erzählten.“ DER EIGENE WEG So wundert es auch nicht, dass diese enge Verbundenheit, die von Generationen geformt wurde, zu einer ganz eigenen Weinphilosophie führte. Einer, die keinen bestimmten Regeln und Vorgaben folgt. Denn bei der Bewirtschaftung namhafter Rieden wie Nussberg, Perz oder Sulz, die durch extreme Hangneigungen geprägt sind, und dem Ausbau der Weine „fließen viele Strömungen und Überzeugungen ein“, erklärt der ambitionierte Winzer. „Meine Frau und ich sind so unterschiedlich, dass es schwer werden würde, einer einzigen Ideologie zu folgen.“ Martina Gross‘ Interesse an Energetik und ihr angeeignetes Wissen in Pflanzenbzw. Kräuterkunde führte zu alternativen Bewirtschaftungsformen. Auch Johannes Gross erkannte bereits während seiner jugend - lichen Lehrjahre, welche negativen Auswirkungen synthetische Pflanzenschutzmittel oder Dünger auf den Wein und das Leben allgemein haben. Seit 2021 sind die beiden dabei, das Weingut auf eine biologische Landwirtschaft umzus - tellen. „Ich bin Praktiker“, bekennt Johannes, „und als solcher überzeugt, dass es keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen gibt – außer, dass die Zeit im Weingarten immer gegen und im Keller immer für einen arbeitet.“ ZEIT ZU REIFEN Das Fazit aus dieser Gleichung ziehen die beiden auf eindrucksvolle Weise. Um die bestmögliche Qualität im Weingarten zu erreichen, setzen sie auf Handarbeit. Jeder Rebstock wird individuell gepflegt – von der händischen Bodenbearbeitung bis zur Handlese des Traubenguts. „Wir sind überzeugt, dass die Weingartenpflege im Einklang mit der Natur geschehen muss. Das frisch gepflanzte Stöcklein braucht für eine Entwicklung hin zum tief wurzelnden, soliden Rebstock eine nachhaltige Bewirtschaftung.“ Im Keller verzichtet Johannes Gross auf beschleunigende Technik, forciert weder Ausbau noch Reifung und arbeitet gerne mit den Mondphasen. „Jede Weingartenparzelle wird von uns separat ausgebaut.“ Die Weine entstehen ohne Enzyme sowie unter Verzicht auf Reinzuchthefen, Schönungen und Filtration – und mit der Zugabe einer ganz besonderen Zutat: Zeit. Denn nur so kann die Kunst des Winzerhandwerks wirken. In einer Region, die bekannt für ihre jungen, schnell abgefüllten Weine ist, geben die beiden ihren Riedenweinen die Möglichkeit, sich vollkommen zu entfalten. Ein Prozess, der bis zu vier Jahre dauern kann – und für Weine steht, die durchaus eine Philosophie in sich tragen. Die des Loslassens, des Vertrauens und „dass alles im Fluss ist“, wie Johannes Gross es nennt. Wir sind überzeugt, dass die Weingartenpflege im Einklang mit der Natur geschehen muss. Das frisch gepflanzte Stöcklein braucht für eine Entwicklung hin zum tief wurzelnden, soliden Rebstock eine nachhaltige Bewirtschaftung. “ “
40 wein.plus:magazin Pioniere sind jene, die einer Vision folgen. Einer Vision, die andere bis dahin nicht greifen können. Und die doch – bei Gelingen – den Weg für all jene ebnen, die ihnen folgen. Im besten Fall stoßen Pioniere eine bahnbrechende Veränderung an. Eine Revolution sozusagen, die in der Weinwelt vor genau 50 Jahren von Alejandro Fernández und Esperanza Rivera ganz unbewusst gestartet wurde. Die beiden wollten eben nur ihre Vision von Wein leben. Um diese zu realisieren, kauften sie in ihrer Heimatstadt, dem nordspanischen Pesquera de Duero in der Provinz Valladolid, eine kleine NatursteinKelterei aus dem 16. Jahrhundert. EINE STÜTZE DER REGION Hier – in der Region Ribera del Duero – legten sie 1972 den Grundstein für eine Weingeschichte, die Weltruhm erlangte. Eine Weingeschichte, die auch zur Familiengeschichte über nunmehr drei Generationen wurde. Und die ihren Erfolg aus der Konzentration auf das Wesentliche zieht: die Weinbereitung aus einer einzigen Rebsorte – Tempranillo. Denn die bedeutendste Rotweinrebsorte Spaniens zeigt sich hier in der privilegierten Umgebung an den Ufern des Duero von einer ganz besonderen Seite. „Wir nutzen das, was uns der Boden gibt, und verwandeln es in einen besonderen Wein“, erzählt Elisa Martínez, die für das Exportgeschäft des gewachsenen Weinguts, das mittlerweile über drei weitere Bodegas verfügt, verantwortlich ist. Etwas, das dem Winzerehepaar Alejandro Fernández und Esperanza Rivera direkt und dank ihres großen Ehrgeizes mit dem ersten Jahrgang 1975 gelang. Seitdem steht der Tinto Pesquera, dessen Name eine Hommage an den geliebten Geburtsort der Gründer ist, für Weine, die für Aufsehen sorgen. „Tinto Pesquera ist seit jeher ein Pionier der TempranilloWeinbereitung. Ein Monument, das Maßstäbe setzt“, sagt Elisa Martínez nicht ohne Stolz. Und dementsprechend ist das Vorzeige-Weingut seit Gründung der herkunftsgeschützten D.O. Ribera del Duero im Jahr 1982 eine der wichtigsten Stützen der aufstrebenden Weinregion. Jahre harter Anstrengung und das stete Bewusstsein, dass große Weine nur im Einklang mit der Natur gedeihen können, haben die Winzerfamilie auf einen Weg geführt, der ihnen bis heute zahlreiche internationale Auszeichnungen bescherte – und die Anerkennung als Top-Weinproduzent Spaniens durch den amerikanischen Weinkritiker Robert Parker, der die Weine sogar als „beste Weine der Welt“ adelte. AUS TRADITION BIO Wie der Familie dieser Erfolg gelang? Im Lauf der Jahrzehnte sind sich die Generationen treu geblieben. So konnten die Pesquera-Weine einen eigenen Stil entwickeln, der auf einer essentiellen Basis fußt: Die Trauben müssen immer mit Respekt behandelt werden. Die Pflege des sandigen Lehmbodens und der Rebstöcke sind das entscheidende Fundament. Die Trauben werden sorgfältig ausgewählt und im optimalen Reifegrad geerntet, so dass die Frucht stets im Vordergrund der Weine steht. „Eine völlig natürliche und traditionelle Weinbereitung ist bis heute das A und O“, ergänzt Elisa Martínez. Die Weine reifen in unterirdischen Kellern, die ganzjährig optimale Temperaturen garantieren. So können die Gewächse in Ruhe ihre Komplexität entfalten und im Laufe der Zeit ihren angeborenen Charakter entwickeln. Einen Charakter, der bis heute vom Pioniergeist lebt – auch wenn es seit 2019 die Enkelinnen der Gründer sind, die nun in dritter Generation das vinophile Erbe der Familie tragen… und dieser faszinierenden Geschichte sicherlich ein weiteres spannendes Kapitel hinzufügen. Die Legende vom Duero FAMILIA FERNÁNDEZ – RIBERA DEL DUERO Dass Spanier stolz sind, wirdidesser ihnen immer wieder nachgesagt. Dass Spanier auf ihren Wein stolz sein können, zeigt die Familie Fernández Rivera in der D.O. Ribera del Duero, wo sie seit Generationen umgeben von Weinlagen lebt und mit Respekt, Liebe und Stolz das Terroir der Region meisterhaft in Flaschen einfängt. FOTOS: FAMILIA FERNÁNDEZ RIVERA Anzeige
Sauvignon Blanc
wein.plus:magazin 43 Es war einmal eine Insel, weit ab vom Rest der Weinwelt. Dort standen ein paar Reben, meist Müller-Thurgau. Aber dann kam vor rund 40 Jahren ein Mensch namens David Hohnen auf dieser Insel in eine ganz bestimmte Bucht und begann, Wein zu machen. Die Bucht hieß Cloudy Bay, die Insel Neuseeland und die Rebsorte, die Hohnen sich aussuchte, war Sauvignon Blanc. Der Rest ist Geschichte. 1985 präsentierte Hohnen seinen Cloudy Bay Sauvignon Blanc erstmals auf Verkostungen in Europa und den USA. Die Kritiker waren begeistert. Denn der Wein schmeckte völlig anders als alles, was man aus dieser Rebsorte kannte. Das kam in der Regel von der Loire und war eher karg im Stil. Der Cloudy Bay hingegen war - und ist immer noch - ein leicht zu trinkendes Stück Hedonismus, das verschwenderisch nach Stachelbeere, Limette, Maracuja und Papaya schmeckt. CLOUDY BAY LÄSST REBFLÄCHEN EXPLODIEREN Es geschieht nicht oft in der Geschichte, dass ein einziger Wein beeinflusst, wie sich eine Rebsorte weltweit entwickelt. Damals schon. Immer mehr Winzer weltweit pflanzten Sauvignon Blanc und ahmten diesen fruchtigen Der gehasste Liebling: Sauvignon Blanc TIPPS ZU PASSENDEN SPEISEN VON TOP-SOMMELIER MAXIMILIAN WILM Sauvignon Blanc ist der Liebling der Weinfans. Weltweit pflanzen Winzer Hektar um Hektar, um am Boom teilhaben zu können. Doch was nur dazu essen? Der Hamburger Spitzen-Sommelier Maximilian Wilm gibt Tipps, was zu den kargen bis opulenten Stilen passt. TEXT: PATRICK HEMMINGER – FOTOS: ÖWM, ENVATO
44 wein.plus:magazin Stil aus Neuseeland nach. Doch auch dort explodierten die Rebflächen geradezu. Anfang der 1980er Jahre gab es nicht einmal 50 Hektar, heute sind es mehr als 20.000. Und mehr als 80 Prozent des aus Neuseeland exportierten Weins ist Sauvignon Blanc. Maximilian Wilm ist Sommelier und Betriebsleiter im „Kinfelts - Kitchen & Wine“ in Hamburg und, wenn man seine BranchenAuszeichnungen betrachtet, einer der besten des Landes. In diesem Jahr hat er Deutschland bei der Sommelier- Weltmeisterschaft in Paris vertreten. Er bedauert etwas, wie sehr sich die Rebsorte vom feinen Speisenbegleiter hin zum E a s y - D r i nk i ng - Te r ra s s e nwe i n verändert hat. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass Sauvignon Blanc in der Kombination mit Essen nicht einfach ist. Wilm jedenfalls kennt keinen Sommelier-Kollegen, der Sauvignon Blanc als seine Lieblingsrebsorte bezeichnet. „IRGENDWAS MIT FISCH“ Seine gängige Empfehlung zur Speisenbegleitung lautet schlicht: Irgendwas mit Fisch. Der Sommelier aus dem Kinfelts überlegt eine Weile nach Alternativen. „Beim Neuseeland-Stil wäre ich sofort bei der asiatischen Küche“, sagt er schließlich und empfiehlt beispielsweise einen Thai-Salat: „Darin sind Erdnüsse, Mango und Passionsfrucht: alles Aromen, die wunderbar zu den fruchtigen Sauvignon Blancs der Insel passen.“ Die Klassiker der Rebsorte kommen aus Frankreich und schmecken ganz anders, mehr nach Feuerstein und karger Würze. Das ist nicht „Easy-Drinking“. „Und das macht es schwer, die Weine zu verkaufen“, sagt Wilm. Zudem habe sich beim Sauvignon Blanc der Geschmack des Gastes von der Rebsorte entkoppelt. Er berichtet von Gästen, die auf keinen Fall Sauvignon Blanc trinken wollen, aber bei ihm eine Flasche Sancerre bestellen - die Urform dieser Sorte. Der Sommelier macht den Gästen dabei keinen Vorwurf, denn zu unterschiedlich sind die Stile. GEBRATENER ZIEGENKÄSE ZUM SAUVIGNON BLANC VON DER LOIRE Schenkt er einen Sauvignon Blanc von der Loire aus, greift er zum wohl Maximilian Wilm
wein.plus:magazin 45 ältesten Trick der Wein-SpeisenKombination: Man trinkt Wein aus einer Region zu Speisen aus der Region. „Ja, das geht immer“, sagt Wilm und lacht. „Also einen Ziegenkäse nehmen, anbraten und vielleicht mit etwas Birkenhonig bestreichen.“ Auch zur vegetarischen Küche empfiehlt er diese Weine, zurückhaltend hingegen ist er beim Fleisch. Höchstens ein Hühnerfrikassee würde er als Begleitung eines kargen Sancerre durchgehen lassen. Zwischen diesen beiden Extremen hat sich in der jüngeren Vergangenheit die Steiermark etabliert. In der österreichischen Weinbauregion keltern die Winzer Sauvignon Blanc, der sich ebenfalls weltweit einen Namen gemacht hat. „Diese Weine zeichnen sich durch kräutrige Würze und Aromen von Brennnesseln aus. Sie haben selten eine so kitschige Frucht wie in Neuseeland“, erklärt Maximilan Wilm. Ihm gefällt, dass die Weine von dort eine Portion Kühle mit sich bringen durch die höheren Lagen, in denen die Winzer in der Steiermark die Sorte anpflanzen: „Die Winzer sind sich dort bewusst, dass man beide Stile vereinbaren und dadurch etwas Neues schaffen kann.“ „Die Weine aus dieser Region haben oft ein bisschen Schmelz, das passt gut zum Backhendl“, sagt er. Alternativ empfiehlt er einen Vogerlsalat (also einen Feldsalat), eventuell mit Kartoffeln, aber auf jeden Fall mit Kürbiskernöl zubereitet. „Sauvignon Blanc kann sehr vielseitig sein, auch in der Speisenbegleitung“, sagt Wilm. Es steht und fällt aber mit dem Stil. „Allerdings ist die Rebsorte insgesamt schon eher in der Fischecke angesiedelt.“ Auch in Deutschland wächst die Anbaufläche der Sorte enorm. Laut aktuellen Zahlen von Destatis ist die Rebfläche für Sauvignon Blanc im Zeitraum von 2011 bis 2021 um 177 Prozent auf 1.800 Hektar gewachsen. Aber selten entstehen Charakterweine mit Ecken und Kanten daraus. „Gefragt ist beim Kunden etwas anderes“, sagt Wilm. „Mit Reinzuchthefe kühl vergoren, frisch-fruchtig, und dann für 7,50 Euro die Flasche zu haben. Das verkauft sich“, sagt er und windet sich ein wenig, als nach seiner persönlichen Einschätzung gefragt wird: „Du musst als Sommelier ja eine Weinkarte schreiben, die dem Gast gefallen soll“, antwortet Wilm, „da kommst du an dieser Rebsorte nicht vorbei.“
46 wein.plus:magazin DIE BEWERTUNGEN VON WEIN.PLUS GEHÖREN ZU DEN VERLÄSSLICHSTEN DER BRANCHE. SIE SIND NACHVOLLZIEHBAR UND WIEDERHOLBAR. Unsere Regeln: 1. Jeder Wein wird ausschließlich blind verkostet. Bei der Bewertung weiß der Verkoster niemals, welcher Wein von welchem Erzeuger sich im Glas befindet. 2. Sämtliche Weine werden im neutralen Verkostungsraum in Erlangen probiert, um ablenkende Einflüsse zu minimieren. Im Gegensatz zu anderen Weinführern ist bei wein.plus das Bewerten von Weinen auf Messen oder beim Erzeuger völlig ausgeschlossen. 3. Zum Absichern der Wertungen finden regelmäßig Gegenproben statt, bei denen Weine angestellt werden, die zuvor schon einmal probiert wurden. 4. Pro Tag finden nur so viele Proben statt, dass viel Zeit und Ruhe für jeden einzelnen Wein garantiert werden kann. Sehr viele Weine werden zudem mindestens zweimal probiert, um auch ihre Entwicklung an der Luft zu berücksichtigen. 5. Alle Verkoster haben langjährige Erfahrung und verkosten hauptberuflich. WAS UNSERE BEWERTUNGEN BEDEUTEN 100 WP einzigartig Weine, die man nur anders, aber nicht besser machen kann. 95-99 WP groß Weine von Weltklasse, deren Tiefe, Komplexität, Charakter und Ausdrucksstärke ein unvergessliches, sinnliches Erlebnis schenken. 90-94 WP hervorragend Erstklassige Weine, die zu den besten ihrer Art gehören. Sie zeichnen sich aus durch Reintönigkeit, Harmonie, Tiefe und Charakter. 85-89 WP sehr gut Bemerkenswerte Weine mit Persönlichkeit, Ausdruck, sowie bereits gewisser Komplexität und Tiefe. Sie verdienen die Aufmerksamkeit jedes Weinliebhabers. 80-84 WP gut Saubere, harmonische, im besten Fall typische Weine. WARUM WIR WENIGER PUNKTE ALS ANDERE VERKOSTER VERGEBEN In den vergangenen Jahren konnten wir in der gesamten Weinbranche und den Verkostungsmedien eine Verschiebung der Punktnoten nach oben beobachten. Weine, die früher mit 85 Punkten bewertet wurden, kämen heute eher auf 90 Punkte und mehr. BENOTUNG NACH DEM 100-PUNKTE-SYSTEM wein.plus wertet nach dem international üblichen 100-PunkteSystem, das dem amerikanischen Schulnotenschema entlehnt ist. Wir verwenden in unserem Punktesystem die Abkürzung WP = wein.plus-Punkte. TRINKEMPFEHLUNGEN Jede Weinbewertung enthält eine Prognose über den voraussichtlich besten Trinkzeitraum bei normaler Lagerung. Viele Weine bleiben aber auch darüber hinaus in guter Form. Wir möchten nur nicht garantieren, dass sie sich weiter positiv entwickeln werden. Gerade bei idealer Lagerung kann sich die Entwicklungsfähigkeit allerdings deutlich verlängern. So bewertet wein.plus VERKOSTUNG NACH STRENGSTEN REGELN ALLE INFOS AUF DER WEBSEITE: Verkostungsleiter Marcus Hofschuster hat ein herausragendes Renommee als gewissenhafter und unbestechlicher Weinkritiker. Er verkostet für wein.plus Weine aus allen Regionen Europas, und das stets nach identischen Qualitäts- und Verkostungsmaßstäben. Derzeit werden bei wein.plus rund 2.700 klassifizierte Weingüter mit professionellen Beschreibungen und Bewertungen von annähernd 160.000 Weinen publiziert. Produzenten und Weine werden werktäglich aktualisiert und ergänzt.
wein.plus:magazin 47 Champagne Diebolt Vallois Champagne 2013 Champagne AOC Extra Brut Blanc de Blancs “Fleur de Passion” 96 WP >> groß 110.00 € Krug Champagne Champagne AOC Brut Grande Cuvée “170ème àˆdition” 96 WP >> groß 120.00 € Larmandier-Bernier Champagne 2013 Champagne AOC Grand Cru “Vieille Vigne du Levant” 95 WP >> hervorragend bis 150.00 € Champagne Guiborat Champagne 2015 Champagne AOC Chouilly Grand Cru Extra Brut “De Caurés à Mont Aigu” (Deg.:12/2021) 95 WP >> hervorragend 86.00 € Champagne Doyard Champagne 2015 Champagne AOC Premier Cru Extra Brut “Clos de l’Abbaye” 94 WP >> hervorragend 85.00 € Schloßgut Diel Nahe 2014 Brut Nature Prestige Cuvée “MO” 93 WP >> hervorragend 55.00 € Champagne Alexandre Bonnet Champagne 2018 Brut Nature “La Géande - 7 Cépages” (Dos.: 17/03/22) 93 WP >> hervorragend bis 75.00 € Griesel & Compagnie Hessische Bergstraße 2016 “Fürstenlager” 93 WP >> hervorragend 80.00 € Ca’ del Bosco Lombardei 2017 Franciacorta DOCG “Vintage Collection - Satèn” (Deg.: Autunno 2021) 92 WP >> hervorragend 49.00 € Bonfadini Franciacorta Lombardei 2016 Franciacorta DOCG Brut Nature “Victus” 91 WP >> hervorragend bis 50.00 € Unsere aktuellen Lieblingsweine der letzten Wochen Mit einem Herz zeichnen wir nur Weine aus, die uns persönlich besonders gut schmecken. Es handelt sich hier stets um die aus unserer Sicht feinsten und interessantesten Weine ihrer jeweiligen Stilrichtung, Herkunft oder Preislage. Das kann das rare und teure Spitzenprodukt eines legendären Weinguts ebenso sein, wie der umwerfend trinkfreudige, günstige Einstiegswein eines bislang völlig unbekannten Erzeugers, ein Wein mit 96 Punkten ebenso wie einer mit 84. Damit versuchen wir gleichzeitig, auch den niedrigeren Punktzahlen und den mit ihnen bedachten Weinen wieder den Stellenwert und die Aufmerksamkeit zurückzugeben, die ihnen nach der ursprünglichen Idee des 100-Punkte-Systems zusteht, die nur leider von den meisten Anwendern dieses Systems inzwischen völlig verwässert, in vielen Fällen sogar ganz ad absurdum geführt wurde. Kim Schreiber und Marcus (Sam) Hofschuster ALLE LIEBLINGSWEINE
48 wein.plus:magazin Weingut Reichsgraf v. Kesselstatt Mosel 2021 Scharzhofberg Kabinett feinfruchtig VDP.Grosse Lage 89 WP >> sehr gut 15.70 € Weinmanufaktur Fio Mosel 2019 Piesport Kabinett “Cabi Sehr Nett” 90 WP >> sehr gut bis 30.00 € Weingut Heribert Kerpen Mosel 2021 Wehlen Sonnenuhr Spätlese * 90 WP >> sehr gut 24.00 € Kellerei Terlan Südtirol/Alto Adige 2020 Südtirol / Alto Adige DOC Terlan Riserva “Vorberg®” 92 WP >> hervorragend 29.80 € Johann Topf Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Wechselberg trocken 88 WP >> sehr gut 13.60 € Weingut Fred Loimer Niederösterreich 2020 Kamptal DAC Ried Käferberg Erste ÖTW Ried trocken 94 WP >> hervorragend 43.00 € Johann Topf Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Gaisberg Erste ÖTW Ried trocken 93 WP >> hervorragend 30.00 € Weingut Malat Niederösterreich 2021 Kremstal DAC Ried Höhlgraben trocken 88 WP >> sehr gut 15.00 € Weingut Stefan Vetter Main 2021 Landwein trocken Steinterrassen Main 88 WP >> sehr gut bis 20.00 € Von Dungern Weine Main 2021 Landwein Main 88 WP >> sehr gut 12.00 €
wein.plus:magazin 49 Scarpa (Antica Casa Vinicola) Piemont 2018 Barbera d’Asti DOCG “I Bricchi” 91 WP >> hervorragend 28.00 € Weingut Richard Östreicher Franken 2018 Sommerach Katzenkopf Cuvée “R” 91 WP >> hervorragend 35.00 € Château Lariveau Bordeaux 2019 Canon-Fronsac AOC 90 WP >> sehr gut 17.00 € Weingut Bergmannhof Südtirol/Alto Adige 2020 Südtirol / Alto Adige DOC Riserva “Karl” 89 WP >> sehr gut 23.00 € Weingut Kranz Pfalz 2018 Arzheim Am Fürstenweg VDP.Erste Lage trocken 89 WP >> sehr gut 22.00 € Weingut Eymann Pfalz 2020 trocken “Toreye” 88 WP >> sehr gut 16.90 € Weingut Tinhof Burgenland 2020 Eisenstadt trocken 88 WP >> sehr gut 15.00 € Weingut Thomas Pichler Südtirol/Alto Adige 2020 Mitterberg IGT “Bsunders” 88 WP >> sehr gut 18.00 € Reyter - Christoph Unterhofer Südtirol/Alto Adige 2019 Vigneti delle Dolomiti IGT “Schiava” 88 WP >> sehr gut 17.50 € Von Dungern Weine Main 2021 Landwein trocken 87 WP >> sehr gut 12.00 €
Viel Kraft für wenig Geld IM FOKUS: CÔTES-DU-RHÔNE VILLAGES ROUGE