Die Côtes-du-Rhône Villages verteilen sich über 95 Gemeinden in vier Departements, die sich im Gegensatz zur viel größeren Basis-Appellation Côtesdu-Rhône ausschließlich im südlichen Teil des Anbaugebiets befinden und deutlich strengen Produktionsregeln unterworfen sind. Noch ein wenig strenger sind die Bedingungen für jene 21 Villages, die den Namen ihrer Gemeinde auf dem Etikett tragen dürfen. Sie gelten grundsätzlich als mögliche Kandidaten für die Aufstufung zu eigenständigen Crus. TEXT: MARCUS HOFSCHUSTER – FOTOS: CÔTES-DU-RHÔNE, INTER RHÔNE
Die Weine der Côtes-du-Rhône Villages sind in aller Regel vielschichtiger, konzentrierter und ausdrucksstärker als normaler Côtes-duRhône. Da die Weinberge weit über das Gebiet verstreut sind, können die Weine recht unterschiedlich schmecken. Gemein sind ihnen ihre Kraft, die überwiegend dunkle Beerenfrucht, zu der sich auch Kirschen gesellen können, die mediterrane Kräuterwürze und die dunklen, mal mehr, mal weniger stark an Pfeffer und/oder Wacholder erinnernden ätherischen Noten. Besonders interessant sind die Weine immer da, wo sie nicht nur kräftig, körperreich und robust sind, sondern auch Frische und Eleganz aufweisen. Die besten Exemplare besitzen selbst bei hohem Alkohol gewisse Finessen. Auch die anspruchsvollsten Weine der Region sind in der Regel sehr erschwinglich. Selten muss man mehr als 20 Euro ausgeben, doch schon unter 10 Euro ist die Auswahl sehr guter Côtes-du-Rhône Villages groß. Rund 80 rote Villages haben wir probiert, von denen wir die besten hier vorstellen. Links zu allen Weinen und Erzeugern mit Beschreibungen finden Sie am Ende der Listen.
wein.plus:magazin 55 ALLE WEINE JAHRGANG 2021 ALLE WEINE JAHRGANG 2020 SCEA Vignobles des Pasquiers Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Plan de Dieu 88 WP sehr gut Domaine des Garriguettes Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Gadagne „Amista” 88 WP sehr gut Domaine de la Bastide Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Visan „La Gloire de mon Père” 88 WP sehr gut 11.00 € Domaine de Magalanne Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Signargues 88 WP sehr gut Domaine de la Chesnay Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Rochegude, Cuvée „Nathan” 88 WP sehr gut 9.50 € Domaine de la Bastide Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Visan 87 WP sehr gut 8.00 € Domaine des Lauribert Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages ValréasAOC „Carelette” Rhône 87 WP sehr gut 8.80 € Maison Lavau Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages AOC Rouge 87 WP sehr gut Ravoire & Fils Rhône 2021 Côtes-du-Rhône Villages Sablet AOC 87 WP sehr gut Château la Nerthe Rhône 2020 „Les Cassagnes” 89 WP sehr gut LePlan GT Wines - Vermeersch Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC Grand Terroir „GT-G” 89 WP sehr gut LePlan GT Wines - Vermeersch Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC Grand Terroir „GT-S” 89 WP sehr gut 17.00 € Domaine Galévan Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC „L’Esprit Devin” 88 WP sehr gut 18.00 € Château de Fontségugne Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC Gadagne 88 WP sehr gut SCEA Vignobles des Pasquiers Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC Sablet 88 WP sehr gut Château Simian Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC „Jocundaz” 88 WP sehr gut Domaine du Parandou Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages Sablet AOC 88 WP sehr gut Domaine Chamfort Rhône 2020 Côtes-du-Rhône Villages AOC Séguret 88 WP sehr gut bis 20.00 € >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >> >>
56 wein.plus:magazin ALLE WEINE ÄLTERER JAHRGÄNGE Domaine Eyguestre - Laurent Bellion Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages AOC Séguret „La Grange de fert” 88 WP sehr gut 17.90 € Domaine de Piaugier Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages Sablet AOC „Les Briguières” 88 WP sehr gut bis 20.00 € Domaine de la Croix Blanche Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages AOC Saint-Andéol „Marguerite” 88 WP sehr gut bis 20.00 € Domaine Caroline Bonnefoy Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages ValréasAOC 88 WP sehr gut bis 14.00 € Domaine Eyguestre - Laurent Bellion Rhône 2018 Côtes-du-Rhône Villages AOC Séguret Rouge 88 WP sehr gut Château du Trignon Rhône 2018 Côtes-du-Rhône Villages AOC Plan de Dieu 88 WP sehr gut Domaine de Piaugier Rhône 2017 Côtes-du-Rhône Villages Sablet AOC „Réserve de Maude” 88 WP sehr gut SCA Le Cellier des Princes Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages ValréasAOC „Domaine de la Côte” 87 WP sehr gut Domaine des Garriguettes Rhône 2019 Côtes-du-Rhône Villages AOC Gadagne „Fontisson” 87 WP sehr gut >> >> >> >> >> >> >> >> >>
wein.plus:magazin 59 Wenn er seinen täglichen Gang durch die familiären Weingärten in der Rioja Alavesa macht, beobachten sie ihn. Still und kraftvoll stehen sie da, wenn Paco Chávarri die endlosen Rebreihen aufmerksam begutachtet. So wie sie es schon immer taten. Die zwei Steineichen, die markant inmitten der Weinberge der Familie Chávarri thronen. Und das seit Generationen. Denn seit über einem Jahrhundert schreibt die Familie hier in der berühmten spanischen Weinregion eine große wie auch großartige Geschichte: Es war Pacos Urgroßvater, der 1882 den Grundstein für dieses Familienerbe legte, als an ihn die heute älteste Abfüllregistrierung der Region vergeben wurde. Ein Erbe, das in vier Generationen voller Inbrunst und Demut gelebt wurde – und noch immer wird. Schließlich sind es jene zwei Steineichen, die Paco seinen beiden Töchtern Ruth und Maria überschrieb, als sie noch klein waren und ihren Vater auf seinen Streifzügen in den Weingärten begleiteten. Als sie – ebenso wie ihr Vater einst von seinen Eltern und diese von ihren – die unbändige Liebe zur Natur, der Region und zum Weinmachen mit dem Aufwachsen erlernten. So wundert es auch kaum, dass die beiden Frauen schon seit Langem gemeinsam mit ihrem Vater die Geschicke der groß gewachsenen Familiendynastie lenken. GROSSE WEINE ERSCHAFFEN „Uns ist es enorm wichtig, die Weinstöcke mit Liebe und Sorgfalt zu pflegen, um großartige Trauben zu erhalten, die dann von einem großartigen Team im Weinkeller verarbeitet werden“, erzählt Ruth Chávarri über einen vermeintlich schlichten Prozess. Ja, die herkunftsgeschützte Anbauregion Rioja ist ein Garant für gute Weine. Und die Unterregion Rioja Alavesa, in der die Wurzeln des Familienweinguts liegen, weiß durch ihr kühleres Klima und ihre hoch gelegenen Weinberge, die dem Land seine besondere rötliche Farbe geben, zu punkten. Dennoch sind es der besondere Anspruch der Familie für das Bewahren von Traditionen und das bewusste Erlauben von modernen Elementen, die es schaffen, dass die Weine der Bodegas Larchago zu vielfach prämierten und hoch geschätzten Tropfen avancieren. Zu Weinen, die Eleganz und Reife mit einer klaren Fruchtaromatik in sich vereinen. Weine, die einen regionalen Fußabdruck tragen – und damit die Welt erobern. MIT BLICK IN DIE ZUKUNFT Eine kleine Welt haben sich die Familienmitglieder über die Generationen selbst bereits erobert, denn neben dem Weinguts-Herzstück in der Rioja Alavesa gehören auch Weinberge im Duero-Gebiet und in der D.O. Ribera del Duero zum Weingut Bodegas Larchago. Diese beiden Regionen ergänzen das charmante Spiel mit den Aromen durch ihre jeweiligen Terroirs – und somit den vinophilen Facettenreichtum, den die Chávarris jährlich in rund eine Million Flaschen bannen. Wie es in diesen Dimensionen gelingt, einen hohen Anspruch und nahezu Manufakturarbeit zu leisten? „Durch ständige Arbeit“, erklärt die sympathische Winzerin Ruth Chávarri. Dies ist bis heute das Motto der Familie, das beinhaltet, sich nie auf dem Erreichten auszuruhen. Stets die Begegnung mit den Weinbergen zu suchen und dabei wahrzunehmen, was ein jeweiliger Jahrgang braucht. Wenn der Weg auf diesen Streifzügen vorbei an den zwei alten Steineichen führt, geschieht dies mit dem beseelten Bewusstsein, dass dieser hohe Anspruch ans Weinmachen auch von der nächsten Generation verinnerlicht wurde. Denn diese steht bereits in den Startlöchern. Die Liebe zur Natur BODEGAS LARCHAGO – RIOJA Anzeige Fünf Generationen und mehr als ein Jahrhundert: Die Familie Chávarri lebt in ihrem biozertifizierten Weingut Bodegas Larchago ein Erbe, das nicht nur zur Tradition verpflichtet. Sondern auch zu Weinen höchster Güte, denen die Familie mit großem Stolz ihren Namen verleiht. FOTOS: BODEGAS LARCHAGO
Anzeige Spielerischer Hochgenuss PANIZZI – TOSKANA Ein Mann, ein Weinberg, eine Rebsorte: Wie aus dieser simplen Gleichung eines der aufsehenerregendsten Weingüter Italiens werden konnte, erzählt die eindrucksvolle Geschichte von Panizzi. Das biozertifizierte Weingut ist bis heute einer der besten Erzeuger für Vernaccia di San Gimignano. FOTOS: WEINGUT PANIZZI
I m Leben ist es nie zu spät, Bilanz zu ziehen, die Richtung zu wechseln und dabei seinen Träumen zu folgen. Den Beweis dafür trat Giovanni Panizzi an, als er mit 50 Jahren einst das Landgut Santa Margherita vor den alten Mauern von San Gimignano erwarb – und damit den Grundstein für eine faszinierende Weingeschichte legte. Denn wie es mit Träumen manchmal so ist, leben sie von Leichtigkeit. Von Freude, Faszination und Leidenschaft. Manchmal auch von Mut. Und so wundert es auch kaum, dass er mit den paar Hektar Weinberg, die damals bereits zu seinem neuen Domizil gehörten, nahezu spielerisch begann, Wein zu machen – und das in seinem ganz eigenen Stil. Über die letzten 40 Jahre ist aus diesem losgelösten Spiel ein 60 Hektar großes Weingut erwachsen, das bis heute den Namen Panizzis trägt und inzwischen von Simone Niccolai geleitet wird. Ein Weingut, das von der Liebe zu einer ganz besonderen Rebsorte und Bezeichnung – dem Vernaccia di San Gimignano – sowie dem Willen, deren Qualität und Anerkennung zu fördern, getragen wird. Bis heute macht diese besondere Traube 50 Prozent der Produktion aus. Auch wenn die roten Rebsorten Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir ebenso liebevoll und mit höchstem Anspruch reifen und vinifiziert werden. DER GEBURTSORT ALS HERZSTÜCK Santa Margherita, der etwas über sieben Hektar große Weinberg, auf dem Giovanni Panizzi einst begann, ist bis heute das pulsierende Herz des Weinguts. Die Lebensader, von der die Kraft in all die vielen Bereiche geht, die längst dazugekommen sind. Dies verdankt die Spitzenlage ihren einzigartigen Eigenschaften, der tuff- und sandsteinhaltigen Zusammensetzung des Bodens, der Höhe und Topografie: So ist es auch wenig verwunderlich, dass genau hier, auf einem Teil dieses besonderen Stücks Land, die 1990 erstmals produzierte ikonische Vernaccia di San Gimignano DOCG Riserva ihren Ursprung nahm. Denn das ist eines der Geheimnisse von Panizzi: Geschichten mit Wein zu schreiben, zu erzählen und mit Herzblut und Leidenschaft zu füllen. „Ich bin zum Autor meines Lebens geworden“, sagte der Gründer Panizzi einst, nachdem er von Mailand aufs Land gezogen war, um dem Geruch und dem Geschmack des Weins zu folgen. So gesehen ist jedes einzelne Gewächs des Weinguts eine kleine Erzählung in desganz großen Geschichte, die er damals unbewusst begann – und die bis heute konsequent von hoher Qualität, Typizität und nachhaltigem Weinbau berichtet. „Diese Werte haben zu innovativen Ergebnissen geführt, nicht nur im Bereich der Vernaccia di San Gimignano DOCG. Sie verleihen auch den territorialen und hochkarätigen Rotweinen Leben“, erzählt Vertriebsleiterin Camelia Lazar stolz. EIN GESCHLOSSENER KREIS Denn das biozertifizierte Weingut folgt mit großer Entschlossenheit der Mission, den nachhaltigen Weinbau auch weiterhin mit dem ursprünglichen, verspieltbeschwingten Gedanken der Freude am Kreieren von etwas ganz Besonderem zu vereinen. Längst ist dieser Ansatz zu einer ganz eigenen Philosophie geworden, die von bewussten Momenten lebt: „Wir ziehen es beispielsweise vor, unsere Weine in kleinen französischen Eichenfässern auszubauen. Die mittlere und lange Flaschenreifung ist für die Präsentation der Weine ebenso wichtig.“ So entstehen aus dem kraftvollen Traubengut, das auf den heute fünf PanizziWeinbergen unter liebevoller und sorgfältiger Pflege gedeiht, moderne Weine, die mit Eleganz, Komplexität und Harmonie begeistern.
62 wein.plus:magazin Im Einklang mit der Natur WEINGUT PRINZ SALM – NAHE Wenn der liebe Gott seine Hände im Spiel hat, kann der Weg, auf dem man wandelt, nur ein guter sein. Ganz besonders, wenn dieser bereits so vertrauensvoll und nachhaltig von 31 Generationen vor einem ausgebaut und mit viel Bedacht, Weitsicht und Herzblut gefestigt wurde. Auf diesem Weg – mit eigenen, ebenso bewussten Schritten – sind Prinz Felix und Prinzessin Victoria zu Salm-Salm unterwegs. Denn seit 2017 führen sie das Familienweingut im Nahe-Weinort Wallhausen in der nun 32. Generation – damit ist Prinz Salm Deutschlands ältestes Weingut im Familienbesitz. „In jeder Generation hat sich meine Familie mit den aktuellen Herausforderungen auseinandergesetzt und war stets an der Speerspitze neuer Entwicklungen“, erzählt Felix Prinz zu Salm-Salm, dem der Geschichte wird selten in einem Moment geschrieben. Das zeigt das VDP-Weingut Prinz Salm (Nahe) auf besondere Weise: In der 32. Generation wird hier Weinanbau mit Stolz, Liebe und Nachhaltigkeit gelebt. Und mit einem charmanten Bekenntnis zur Rebsorte Riesling. FOTOS: WEINGUT PRINZ SALM
wein.plus:magazin 63 Anzeige liebe Gott ein Zeichen gab, dass er der weinerzeugenden Familientradition folgen solle. FAKTEN SPRECHEN LASSEN 800 Jahre Geschichte, mehr als 30 Generationen, 19 Hektar Weinberge und ein ganz klares Bekenntnis gelebter Nachhaltigkeit im Weinbau, das 2018 mit der Zertifizierung Fair’n’ Green noch einmal klar manifestiert wurde: Das Weingut Prinz Salm, das Weinberge im klimatisch eher kühlen Anbaugebiet Nahe sowie im rheinhessischen Bingen bewirtschaftet, legt nicht nur seinen Schwerpunkt auf die Rebsorten Riesling, Spätund Weißburgunder. Sondern auch darauf, diese ökologisch und handgemacht in die Flasche zu bringen. „Nachhaltigkeit fließt in unseren Adern“, sagt Felix Prinz zu Salm-Salm schlicht und macht damit deutlich, dass auch seine Vorfahren das harmonische Zusammenspiel mit der Natur längst fest im Blick hatten. Daraus resultierend, war es die logische Konsequenz, ab 1988 alle Weichen für einen ökologischen Weinbau zu stellen. „Die Böden sind unser höchstes Gut und wir wollen sie besser in die nächste Generation übergeben“, sagt Felix Prinz zu Salm-Salm. Denn er ist sich nicht nur seines Erbes bewusst, sondern auch der Zukunft. Ebenso klar ist ihm: „Die Qualität der Weine kommt aus dem Weinberg.“ Und diese Weinberge mit Spitzenlagen wie Johannisberg und Felseneck in Wallhausen, Ritterhöhle in Dalberg sowie Scharlachberg in Bingen sind es, die das VDP-Weingut – neben den Menschen, die auf ihm arbeiten – auszeichnen. VOLLENDUNG IN DER REIFUNG Das wertvolle Traubengut, das hier während des Weinjahres auf Unterlagen von Grünschiefer, Rotschiefer und Quarzit reift, wird in einem ebenso natürlichen Prozess des Wein-Werdens von Kellermeister Masato Nagasawa und seinem Team behutsam, positiv und penibel begleitet. „Genau das begeistert mich so am Weinmachen – dass es eben eine gänzlich natürliche Entwicklung ist“, so der Weingutsbesitzer. Wobei in diesem harmonischen Fluss auch stets Bewegung ist. Denn das Motto des Prinzen lautet: „Immer gegen den Strom zur Quelle.“ Stillstand? Das ist ein Fremdwort auf dem Weingut. Denn ebenso wie jeder einzelne Jahrgang die Geschichte seiner Entstehung auf besondere Weise erzählt, fügt auch das Winzerehepaar der Jahrhunderte überdauernden Historie stetig neue Kapitel hinzu. „In naher Zukunft werden wir Chardonnay anbauen“, freut sich der Hausherr. Und auch Lagensekte auf der Hefe sollen bald das charmante Sortiment ergänzen. Womit er gekonnt beweist: Geschichte schreiben ist eben nie zu Ende. Die Böden sind unser höchstes Gut und wir wollen sie besser in die nächste Generation übergeben. “ “
Die Eleganten kommen IM FOKUS: GRÜNER VELTLINER Die Wachau bei Dürnstein
Der Grüne Veltliner ist heute zweifellos die österreichische WeißweinRebsorte schlechthin. Das war nicht immer so. Der Siegeszug der alten Kreuzung aus Traminer und der erst im Jahr 2000 entdeckten und benannten Sorte St. Georgen begann erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs; heute besetzt der Grüne Veltliner ziemlich genau ein Drittel der gesamten Rebfläche Österreichs. TEXT: MARCUS HOFSCHUSTER FOTOS: ÖWM (WSNA, BERNHARD SCHRAMM, ROBERT HERBST)
Burgruine Senftenberg mit den Rieden Hochäcker und Ehrenfels
Der Erfolg hat viele Gründe. Der Grüne Veltliner ist nicht nur ertragreich, sondern auch relativ pflegeleicht und ziemlich flexibel, was den Standort angeht. Entsprechend vielfältig fallen auch die Ergebnisse aus: vom einfachen, süffigen Alltagsgetränk bis zum entwicklungsfähigen, komplexen Spitzenwein ist alles zu finden. Die Weine können dünn ausfallen oder fett und schwerfällig, leicht und süffig, elegant und straff oder kraftvoll bis mächtig, knochentrocken und immer öfter auch ein bisschen süßlich. Hochkarätige Edelsüße sind selten, aber es gibt sie. Einer der großen Vorzüge des Veltliners ist, dass auch einfachere und preisgünstige Weine großes Vergnügen bereiten können. Die Zahl gut gemachter Alltagsweine mit animierender Frucht und unaufdringlicher Würze ist kaum überschaubar. Je hochkarätiger die Weine werden, desto mehr teilt sich die Produktion grob in zwei Stilrichtungen: Die eine setzt vor allem auf Eleganz, Finessen und eher moderaten Alkohol. die andere eher auf Kraft und Fülle, wobei man auch hier noch einmal zwischen jenen Weinen unterscheiden kann, die herb und fest bleiben und durchaus noch mit Finessen aufwarten, und jenen, bei denen Schmelz, Wärme, üppige Frucht und immer öfter auch gewisse Süße im Vordergrund stehen. Denn ob beabsichtigt oder nicht: Gerade bei den besonders mächtigen Exemplaren sind heute oft ein paar Gramm Restzucker im Spiel, die in diesem Zusammenhang meist auch deutlich zu schmecken sind. Da macht ein Glas oft schon gründlich satt. Da ist es kein Wunder, dass die Fraktion der eleganten Spitzen-Veltliner immer mehr Zulauf bekommt. Dabei ist es gar nicht so einfach, ausdrucksstarken, tiefen, vielschichtigen und zugleich im Alkohol moderaten Veltliner zu erzeugen. Die Sorte neigt ohnehin zu einer gewissen Molligkeit in der Frucht, und die Verwandtschaft zum Traminer äußert sich auch in einer Neigung zu höheren Zuckergraden, insbesondere bei reduzierten Erträgen. Die aber sind Voraussetzung für hochwertigen Veltliner. Umso bewundernswerter sind die Ergebnisse vieler Produzenten dieser Stilrichtung, denen es gelingt, Kühle, Präzision und konsequent herben Geschmack ohne ausladende Frucht mit Tiefe, Substanz und Komplexität zu verbinden. Rund 170 Grüne Veltliner haben wir probiert, von denen wir die besten hier vorstellen. Neben den österreichischen Vertretern finden sich darunter auch einzelne Weine aus Südtirol und Deutschland. Links zu allen Ergebnissen, Produzenten sowie ausführlichen Verkostungsnotizen finden Sie jeweils am Ende der Bestenlisten.
Die Eleganten kommen – Tasting Grüner-Veltliner-Rebstock
wein.plus:magazin 69 ALLE WEINE JAHRGANG 2021 Weingut Georg Frischengruber Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Kreuzberg Smaragd® trocken 94 WP >> 36.00 € Domäne Wachau Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Achleiten Smaragd® trocken 94 WP >> hervorragend 32.00 € Weingut A. und F. Proidl Niederösterreich 2021 Große Reserve trocken “Holzhammer 53” 93 WP >> hervorragend 42.00 € Johann Topf Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Gaisberg Erste ÖTW Ried trocken 93 WP >> hervorragend 30.00 € Domäne Wachau Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Axpoint Smaragd® trocken 93 WP >> hervorragend 26.00 € Weingut Hermann Moser Niederösterreich 2021 Kremstal DAC Ried Gebling Erste ÖTW Ried Reserve trocken “HannaH” 92 WP >> hervorragend 26.50 € Johann Topf Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Offenberg Erste ÖTW Ried trocken 92 WP >> hervorragend 29.80 € Weingut A. und F. Proidl Niederösterreich 2021 Kremstal DAC Ried Pellingen Erste ÖTW Ried Reserve trocken 92 WP >> hervorragend 25.00 € Weingut Rabl Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Käferberg Reserve trocken Alte Reben 92 WP >> hervorragend 19.00 € Weingut Fred Loimer Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Loiserberg Erste ÖTW Ried trocken 92 WP >> hervorragend 23.00 € Weingut Bründlmayer Langenlois Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Langenlois Alte Reben 92 WP >> hervorragend 29.00 € Weingut Johann Donabaum Niederösterreich 2021 Wachau DAC Smaragd® trocken Limitierte Edition 91 WP >> hervorragend 47.00 € Weingut Buchegger Niederösterreich 2021 Kremstal DAC Ried Vordernberg Erste ÖTW Ried Reserve trocken 91 WP >> hervorragend 24.00 € Weingut Rabl Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Loiserberg Reserve trocken Alte Reben 91 WP >> hervorragend 17.00 € Weingut Johann Donabaum Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Kirchweg Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 22.00 € Weingut Johann Donabaum Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Point Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 26.50 € Johann Topf Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Renner Erste ÖTW Ried trocken 91 WP >> hervorragend 28.50 € Weingut Georg Frischengruber Niederösterreich 2021 Wachau DAC Ried Kirnberg Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 17.00 € Weingut Rabl Niederösterreich 2021 Kamptal DAC Ried Dechant Grüner Veltliner Reserve trocken Alte Reben 90 WP >> sehr gut 17.00 €
70 wein.plus:magazin ALLE WEINE JAHRGANG 2020 Weingut Pichler-Krutzler Niederösterreich 2020 Wachau DAC Ried Kellerberg trocken 97 WP >> groß 44.00 € Weingut Bründlmayer Langenlois Niederösterreich 2020 Kamptal DAC Ried Lamm Erste ÖTW Ried trocken 96 WP >> groß 51.00 € Weingut A. und F. Proidl Niederösterreich 2020 Kremstal DAC Ried Ehrenfels Erste ÖTW Ried Reserve trocken 94 WP >> hervorragend 28.00 € Weingut Pichler-Krutzler Niederösterreich 2020 Wachau DAC Ried Loibenberg trocken 94 WP >> hervorragend 34.00 € Josef & Georg Högl Niederösterreich 2020 Wachau Ried Schön Smaragd® trocken 94 WP >> hervorragend bis 35.00 € Rudi Pichler Niederösterreich 2020 Wachau Ried Achleiten Smaragd® trocken 94 WP >> hervorragend 44.00 € Weingut Fred Loimer Niederösterreich 2020 Kamptal DAC Ried Käferberg Erste ÖTW Ried trocken 94 WP >> hervorragend 43.00 € Weingut PAX Niederösterreich 2020 Wachau Ried Kollmitz Smaragd® trocken 93 WP >> hervorragend 28.00 € Weingut A. und F. Proidl Niederösterreich 2020 Kremstal DAC Ried Pellingen Erste ÖTW Ried Reserve trocken 93 WP >> hervorragend 20.50 € Weingut Pichler-Krutzler Niederösterreich 2020 Wachau DAC Ried Supperin trocken 93 WP >> hervorragend 26.00 € Josef & Georg Högl Niederösterreich 2020 Wachau Ried Kaiserberg Smaragd® trocken 93 WP >> hervorragend bis 35.00 € Rudi Pichler Niederösterreich 2020 Wachau Ried Kollmütz Smaragd® trocken 93 WP >> hervorragend 26.00 € Weingut Schloss Gobelsburg Niederösterreich 2020 Kamptal DAC Ried Lamm Erste ÖTW Ried trocken 93 WP >> hervorragend 36.00 € Weingut Tegernseerhof Niederösterreich 2020 Wachau Ried Schütt Smaragd® trocken 92 WP >> hervorragend 36.00 € Weingut Martin Muthenthaler Niederösterreich 2020 Wachau Ried Stern trocken 92 WP >> hervorragend Weingut Schloss Gobelsburg Niederösterreich 2020 Kamptal DAC Ried Grub Erste ÖTW Ried trocken 92 WP >> hervorragend 28.00 € Weingut Tegernseerhof Niederösterreich 2020 Wachau Ried Loibenberg Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 26.00 € Weingut PAX Niederösterreich 2020 Wachau Ried Kaiserberg Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 29.00 € Rudi Pichler Niederösterreich 2020 Wachau Ried Hochrain Smaragd® trocken 91 WP >> hervorragend 26.00 €
Windmühle in Retz im Weinviertel
72 wein.plus:magazin Gesichter des Vulkans TASCA D’ALMERITA – SIZILIEN Zu den besten zu gehören, erfordert auch ein hohes Maß an Verantwortung. Erst recht, wenn die eigene Geschichte eng mit einem besonderen Stück Erde verbunden ist. Und das ist die, die wir hier erzählen. Denn bereits seit acht Generationen lebt und arbeitet die Familie Tasca d’Almerita mit der fruchtbaren Erde Siziliens. Lebt mit den Weingärten, die sie bewirtschaftet, pflegt, erweitert und in bester Verfassung an die nächste Generation weitergibt. So ist im Lauf der Zeit ein einzigartiges, etwa 700 Hektar umfassendes Landwirtschafts- und Weinbauprojekt entstanden, das heute neben dem Muttergut Regaleali in den überraschend grünen sizilianischen Hügeln vier weitere Weingüter – Capofaro in Salina im Archipel der Äolischen Inseln, Tascante am Ätna, Whitaker auf der antiken Insel Mozia und Sallier de La Tour in Camporeale – umfasst, die somit das faszinierende geologische und klimatische Wandelspiel des vulkanischen Eilands in vinophiler Kraft einfangen. FÜR VERÄNDERUNG OFFEN All dies geschieht mit tiefem Respekt gegenüber den Traditionen. So wundert es auch nicht, dass das Augenmerk der Familie auf traditionellen, autochthonen Rebsorten wie Catarratto, Grillo, Inzolia, Perricone und Nerello Mascalese liegt, um die Einzigartigkeit und Vielfalt der fünf einzelnen und vor allem eigenständigen Gebiete noch intensiver herauszuarbeiten. „Jedes Weingut erzählt von einem anderen Sizilien“, meint Geschäftsführer Alberto Tasca stolz. Um dieses hohe Gut zu erhalten, ist Nachhaltigkeit die zweite und entscheidende Säule für die Familie, die den Blick mit einem Bewusstsein in die Zukunft richtet, das seinesgleichen suchen muss. „Die größte Herausforderung besteht für uns heute darin, diese wunderbaren Orte zu erhalten und sie unseren Kindern unversehrt weiterzugeben, mit beständiger Aufmerksamkeit für den Schutz jedes einzelnen Ökosystems.“ Um dieses Ziel zu erreichen, trat Tasca d’Almerita vor knapp 13 Jahren Programmen wie VIVA und SOStain bei – einem vom Ministerium für den ökologischen Wandel anerkannten Nachhaltigkeitsprogramm. Es ist ein konkretes Projekt zum Schutz des Territoriums, das Alberto Tasca so am Herzen liegt. „Wir haben uns auf eine Reise der Bewusstseinsbildung begeben, weil wir genau wissen wollten, welche Auswirkungen jede unserer Handlungen im Weinberg, im Keller und ganz allgemein in der gesamten Organisation hat.“ Anhand strenger wissenschaftlicher Indikatoren und eines multidimensionalen Ansatzes wird so das Nachhaltigkeitsniveau der einzelnen Weingüter gemessen. Auf der Basis dieser Daten sind im letzten Jahrzehnt weitreichende Entscheidungen in allen Bereichen des Familienunternehmens getroffen worden, um Verschwendung zu vermeiden und das große Erbe zu bewahren. DIE BELOHNUNG FOLGT „Durch die ständige und tägliche Arbeit wurde die Nachhaltigkeit in unserem Betrieb zu einer Ethik der Verantwortung: nicht nur eine Geschäftsmethode, Auf den fruchtbaren Böden von Tasca d’Almerita in Sizilien gedeihen Weizenfelder, Gemüsegärten, Oliven- und Mandelbäume. Doch es sind die Weingärten, die in fünf Regionen der Vulkaninsel liegen, die die vielen Gesichter der Insel einfangen und in charakterstarken Weinen eine ganz besondere Geschichte erzählen. FOTOS: TASCA D’ALMERITA Anzeige
sondern ein Lebensstil, der sich an Werten und Prinzipien orientiert, die sich um das Gemeinwohl drehen“, sagt Alberto Tasca. Ein weiterer wichtiger Nebeneffekt dieses Weges: „Alles schmeckt auch besser“, lacht der Winzer erfreut. Und das bleibt auch bei Kennern nicht unbemerkt. Denn Tasca d’Almerita wurde 2019 dank dieser besonderen Art der nachhaltigen Weinherstellung und des positiven Einflusses auf den Wein, die Umwelt und andere Winzer in ganz Italien vom Falstaff als „Europäische Weinkellerei des Jahres“ ausgezeichnet.
wein.plus:magazin 75 Das grüne Herz Italiens – Umbrien: Es besticht durch seine jahrhundertealten Städte mit verwinkelten Gässchen und lebhaften Piazzas. Durch die dichten Wälder, die der Region nicht nur ihren charmanten Beinamen geben, sondern auch einen der wichtigsten Genussboten beheimaten: den Trüffel. Daher wundert es kaum, dass auch Umbriens Küche ausgezeichnet und berühmt ist. Doch wo gutes Essen geschätzt wird, ist auch guter Wein selten weit. Dies beweist das familiengeführte Weingut Lungarotti auf ganz besondere Weise. Denn es ist quasi das Synonym für Weine, die eine immerwährende Liebesgeschichte über diesen fruchtbaren Landstrich erzählen. Eine wunderschöne Geschichte, die Giorgio Lungarotti 1962 begann, als er die heute 250 Hektar umfassende traditionsreiche Cantina gründete, die sich mittlerweile über zwei Kellereien sowie zahlreiche Weinberge und Olivenhaine in den beiden idyllisch gelegenen Dörfern Torgiano und Montefalco erstreckt. Er, der Pionier der modernen italienischen Önologie, der bereits vor 60 Jahren das Bewusstsein formte, dass Qualität und Nachhaltigkeit unabdingbar Hand in Hand gehen müssen. FEST IN FRAUENHAND Eine Maxime, der auch seine Töchter Chiara und Teresa folgen. Sie sind es, die das Gut 1999 übernahmen und – flankiert von ihrer Mutter Grazia und den Enkeln Francesco und Gemma – das große Erbe ihres Vaters mit Engagement und Kompetenz füllen. Das Erfolgskonzept des passionierten Frauenduos: „Wir bewahren und erneuern unter der Wahrung der Tradition und unserer Wurzeln“, fasst Chiara Lungarotti, die als Geschäftsführerin des Unternehmens fungiert, zusammen – und bringt damit zum Ausdruck, welch wichtige Rolle auch heute noch die Grundlage spielt, die ihr Vater einst schuf. Und zugleich, dass der Blick doch auch stets in die Zukunft gerichtet ist – ganz im Sinne der dritten Generation, die schon bereit steht, und im Sinne der Natur. Denn klar ist ihnen: „Unsere Weine werden in den Weinbergen gemacht.“ So wenden sie ausgeklügelte Kulturtechniken an, die auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit basieren. Die Pflanzdichte ist dabei so ausgelegt, dass die Rebstöcke untereinander konkurrieren und die Produktionsmenge pro Rebstock so auf natürliche Weise begrenzt wird, um eine bessere Traubenqualität zu erzielen. Wasserressourcen werden gesammelt, so dass die Wurzeln der Rebstöcke selbst ermutigt werden, sich tiefer in die Böden aus Lehm, Schluff und Sand vorzuarbeiten, um an wichtige Nährstoffe und Feuchtigkeit zu gelangen. Dies macht die Reben zudem deutlich widerstandsfähiger und stärker. MEHR ALS EIN WEINGUT Eine Kraft, die sich im hochwertigen Traubengut aus Rebsorten wie Trebbiano, Grechetto, Colorino, Vermentino und Sagrantino wiederfindet – und die Kellermeister Vincenzo Pepe gekonnt und unverfälscht in kraftvollen und zugleich leicht zugänglichen Weinen einfängt. In Weinen, die längst zu weltberühmten Botschaftern Umbriens geworden sind und nicht selten auch Besucher in diesen malerischen Landstrich locken. Wie gut, dass die umtriebige Familie neben dem Weingut nicht nur auch noch das Wein- sowie ein Öl- und Olivenmuseum betreibt, sondern darüber hinaus das Hotel Le Tre Vaselle, das den perfekten Rahmen bietet, um in das ganz persönliche Stück Umbrien der Lungarottis einzutauchen. Im Namen der Töchter LUNGAROTTI – UMBRIEN Anzeige Dass ein Wein ein Botschafter für eine ganze Region sein kann, beweisen die Frauen, die hinter dem Familienweingut Lungarotti in Umbrien stehen: Ihre Weinlinie Brezza steht für frische, säurearme Weine, die die Lebenslust und Leichtigkeit ihrer Heimat einfangen – und dabei das Erbe ihres Vaters bewahren. FOTOS: LUNGAROTTI
76 wein.plus:magazin Achtsamkeit als Erfolgsrezept WEINGUT FIDESSER – WEINVIERTEL I n den sanften, fruchtbaren Hügeln der ältesten bäuerlichen Kulturlandschaft Mitteleuropas – dem niederösterreichischen Weinviertel – liegen die Rieden des Familienweinguts Fidesser. Dabei profitieren ihre Weingärten von den Qualitäten eines ganz besonderen Mikroklimas innerhalb des Landstrichs: Denn im nordwestlichen Randgebiet – in den Ortschaften Platt und Retz –, wo sich die Rebstöcke des 15 Hektar großen Weinguts befinden, reifen die Trauben unter besonderen klimatischen Bedingungen und auf außergewöhnlichen Unterlagen. Gegebenheiten, die Gerda und Norbert Fidesser nutzen, um im Einklang mit der Natur charakterstarke, biozertifizierte Weine von besonderer Güte zu erzeugen. Unterstützung bekommen sie inzwischen von ihren beiden Kindern Sophie und Rudi, die ihre Weinkompetenz durch Viele Generationen, eine Passion: Was die Familie Fidesser verbindet, ist ihre Liebe zur Natur und zu den Schätzen, die sie hervorbringt. Mit der Unterstützung ihrer beiden Kinder leiten Gerda und Norbert Fidesser das gleichnamige Weingut im Weinviertel mit besonderem Augenmerk auf Authentizität und Natürlichkeit. FOTOS: WEINGUT FIDESSER Anzeige Es ist viel bedeutender, Wein zu machen, der von Natur aus schön ist, als die mundgerechte Abrundung von Ecken und Kanten. “ “
wein.plus:magazin 77 Anzeige Fachausbildungen aktuell intensiv ausbauen. So wird altes Wissen weitergegeben, zugleich Neues probiert und umgesetzt. EINE LEHRE WIRD ZUR PHILOSOPHIE Zusammenhalt, gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit: Das sind die starken Pfeiler des gemeinsamen Familienerfolgs. Die Philosophie der Fidessers ist die Achtsamkeit. Der sorgsame Umgang mit ihren Weingärten, um die Böden zu schonen und Reben zu stärken, und die behutsame Behandlung der kostbaren Ernte. Dabei nehmen sie sich bewusst zurück und lassen das spezifische Mikroklima, die unterschiedlichen Bodenarten, Flora und Fauna die Hauptrolle in ihren Weinkreationen spielen. Als Konsequenz ihrer respektvollen und umweltbewussten Lebenseinstellung bewirtschaften sie ihr Weingut biodynamisch nach den Grundsätzen von Rudolf Steiner, stärken die Abwehrkraft und die Vitalität von Böden und Reben mit natürlichen Mitteln und verzichten auf synthetische und systemische Pflanzenschutzmittel. Die Weine, die nach sorgfältiger Handlese und schonender Verarbeitung der bestmöglich gereiften Trauben entstehen, erhalten dadurch ein authentisches, unverfälschtes Profil, das die Geschichte ihrer Herkunft in sich trägt. HERKUNFT ALS WICHTIGER GRUNDSTEIN Die Platter und Retzer Böden sind von den Ablagerungen des Tertiärmeeres und von Lössanwehungen geprägt, mit kalkhaltigem Tonmergel und Quarzsand, aber auch kiesigen Bodenstellen. Diese Eigenschaften stellen einen idealen Wasserspeicher für eine der niederschlagsärmsten Regionen Österreichs dar und bewahren die Reben vor dem Austrocknen. Und obwohl sich die Lage des Guts mit ihren Besonderheiten von den Charakteristika des Weinbaugebietes abhebt, bauen auch Gerda und Norbert Fidesser zu einem Großteil den regionaltypischen Grünen Veltliner an – das Aushängeschild des Weinviertels. Daneben reifen in ihren Rieden unter anderem Zweigelt, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Weißer Traminer. In den Weinen spiegelt sich das Terroir mit warmer Feinwürzigkeit, vielschichtigen Aromen und lebhafter Frische. Ganz nach dem Leitsatz, die „Konzentration auf das Wesentliche“ zu richten, erhalten diese Eigenschaften bei der Vinifizierung lediglich eine sanfte Unterstützung, um die Eigenständigkeit der einzelnen Traubensorten hervorzuheben. „Es ist viel bedeutender, Wein zu machen, der von Natur aus schön ist, als die mundgerechte Abrundung von Ecken und Kanten“, ist die Überzeugung von Familie Fidesser. Und so begeistern ihre Weine mit einer ganz eigenen, natürlichen Schönheit. Abseits jeglicher Uniformität.
78 wein.plus:magazin Wie der Wiener Walzer mit Champagner weltberühmt wurde RON MERLINO ÜBER JOHANN STRAUSS UND DAS GUTE GESCHÄFT MIT WEIN UND MUSIK Ronald Merlino aus New York arbeitete jahrelang als Agent renommierter Dirigenten und Musiker. Heute berät er Weingüter, um klassische Musik mit Wein zu verbinden. Der ausgebildete Sommelier erzählt, wie Champagner der WienerWalzer-Dynastie Strauß zu Erfolg und Berühmtheit verhalf. TEXT: ALEXANDER LUPERSBÖCK – FOTOS: A. LUPERSBÖCK, ENVATO Beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am 1. Januar 2023 stehen Kompositionen der Familie Strauß im Mittelpunkt. Könnten sie Werke mit Bezug zu Wein oder Champagner aufführen? Ron Merlino: Da hätte es einige zur Auswahl gegeben. Jedenfalls schrieben sowohl Johann Strauß Vater als auch Johann Strauß Sohn einige Stücke mit „Champagner” im Titel. Woher stammte ihre Vorliebe für Champagner? Ron Merlino: Die Napoleonischen Kriege hatten die Bewunderung für alles Französische nur kurz unterbrochen. Von Ludwig van Beethoven weiß man, dass er gerne Burgunder, Bordeaux und Champagner getrunken hat, zumindest so lange, bis Napoleon 1809 Wien zum zweiten Mal besetzte. Staatskanzler Metternich ließ beim Wiener Kongress Weine aus allen Teilnehmerländern servieren, also auch aus Frankreich. Und die Begeisterung für Schaumweine war enorm. Dabei darf man nicht vergessen, dass alle prickelnden Weine damals als Champagner bezeichnet wurden - egal, woher sie stammten. Wie wurde diese Begeisterung für Schaumweine spürbar? Ron Merlino: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in Wien viele Ballsäle, sogenannte Casinos, eröffnet. Dort gab es Tanzveranstaltungen, Konzerte, Restaurants und andere Attraktionen wie Zoos. Diese Unterhaltungstempel pflegten auch Ron Merlino vor der Schubert-Gedenktafel in Tattendorf
Wiener Musikverein
Wie der Wiener Walzer mit Champagner weltberühmt wurde – Interview Johann Strauß Sohn war gut mit Johannes Brahms befreundet, sie tranken oft gemeinsam. Er widmete ihm 1893 den Walzer „Seid umschlungen, Millionen”, der Bezug auf Beethovens neunte Symphonie hat. So schließt sich der Kreis des Jahrhunderts.“ “
wein.plus:magazin 81 eine gehobene Kulinarik, es gab dort die besten Weine der Zeit. Hatte das Einfluss auf die Komponisten dieser Zeit? Ron Merlino: Johann Strauß Vater ist in einem Gasthaus aufgewachsen. Es hieß „Zum guten Hirten“, und Franz Schubert sowie viele andere Komponisten und Literaten waren dort zu Gast. So kam Johann Strauß Vater mit dieser Kultur und deren Protagonisten in Kontakt. Später spielte er mit Josef Lanner in einem Unterhaltungsorchester in den Casinos. Sie machten ein großes Geschäft daraus und komponierten spezielle Stücke für solche Auftritte, die nicht nur zum Tanzen, sondern als Begleitung zum Essen gedacht waren. Im Gegensatz zu Lanner schrieb Strauß auch Musik mit dezidiertem Bezug zu Wein und Champagner. Das kurbelte den Absatz an, und das machte ihn für die Restaurantbesitzer und Weinhändler interessant. Lanner, der erste König des Wiener Walzers, liebte zwar gute Weine, aber er verewigte sie nicht in seiner Musik. Klar ist, dass beide von Franz Schubert beeinflusst wurden. Stimmt es, dass Franz Schubert übermäßig viel getrunken hat? Ron Merlino: Er trank viel, aber nicht zügellos. Seine „Schubertiaden“ in den 1820er-Jahren waren das Gleiche, was die Strauß-Brüder später machten. Es gab Musik, Essen, Trinken, Tanz, Dichtung und Kunst. Sie dauerten ganze Nächte lang – und Schubert war ein Meister dieses Genres. Diese Gourmet-Erlebnisse hatten einen direkten Bezug zu den Walzern, die sich aus der einfachen Musik der Bauern entwickelt hatten. Schubert als Meister der Liedform hatte einen großen Einfluss auf dessen Entwicklung. Er war also nicht nur einer der größten Komponisten, sondern eine wichtige Figur der Kunstszene. Es gibt wenige Stücke von ihm, in denen Wein gar nicht vorkommt, wenn auch nicht immer direkt genannt. Wein war ein integraler Bestandteil seines Lebens. Man kann Franz Schubert und sein Werk nicht trennen von dem, was er sah, hörte und erlebte. Er genoss Wein sehr und konnte guten von schlechtem Wein unterscheiden. Er trank Schilcher, Kadarka und Tokajer. Es ist klar dokumentiert, dass er seine Weine sehr genau wählte. Obwohl er das Image des „armen Schluckers” hat, war er Mitglied der gehobenen Gesellschaft. Warum gibt es von der Familie Strauß so viele Kompositionen mit Champagner-Bezug? Ron Merlino: Zu dieser Zeit begann sich die Champagner-Industrie zu kommerzialisieren und etablierte ihre noch heute bekannten Weltmarken. Ich denke – ohne es beweisen zu können –, dass Strauß Vater deswegen Stücke wie den Champagner-Walzer und den Champagner-Galopp schrieb. Zu dieser Zeit, 1828, veranstaltete man eigene „Champagner-Bälle“. Sogar auf den Umschlägen der Notenhefte waren Weingläser oder Weintrinker abgebildet. Bei einer Ausgabe wurden Noten wie Bläschen dargestellt, die aus einem Champagnerglas sprudeln. Das war also richtiges „Branding”. Johann Strauß Vater war der erste Komponist, der einen Sinn für Selbstvermarktung entwickelte. Er gab seinen Stücken entsprechende Titel, und das half den Restaurants und Weinhändlern beim Verkauf. Die unterstützten ihn, indem sie ihn engagierten. Er war auf die Verbindung von Wein und Musik fokussiert, er versuchte, mit Walzer den Umsatz mit Champagner zu steigern. Heute hätte er wahrscheinlich ein eigenes Champagner-Label. 1837 wechselte Strauß Vater in das viel noblere und berühmtere „Sperl“, einen der größten und schönsten Ballsäle, berühmt für tolles Essen und exzellente Weinauswahl. Bei Tanzwettbewerben wurde dort oft französischer Champagner als Preis ausgeschrieben. Nutzte Johann Strauß Sohn die Chancen aus den Verbindungen seinen Vaters? Ron Merlino: Er wurde gegen den Willen seines Vaters Musiker, aber noch populärer als dieser und Josef Lanner. Er debütierte 1844 im Casino Dommayer in der Nähe von Schloss Schönbrunn. Das war kleiner als andere Tanzsäle, aber hochklassig, deswegen wohnte Strauß später auch in der unmittelbaren Umgebung. Mit seinen Brüdern Joseph und Eduard betrieb er ein Unterhaltungsimperium, das Musik wie am Fließband produzierte. Sie wurden damit sehr wohlhabend. In der Musik nahm Johann Strauß Sohn Bezug auf aktuelle Affären, Strömungen, Moden, also auf den Zeitgeist der gehobenen Gesellschaft. Er lebte wie Franz Schubert von seiner Teilnahme an dieser „demi-monde“. 1858 komponierte er die Champagner-Polka. Bis 1871 schrieb er ausschließlich Tanzmusik und wurde so zum „Walzerkönig“, danach widmete er sich der Operette. Auch in diesen Werken geht es oft um Feiern, Bälle, Essen und Trinken. Die Operette „Die Fledermaus“ mit ihrem großen Hit „Trinke, Liebchen, trinke schnell“ wird klassischerweise heute noch oft zu Silvester und im Fasching aufgeführt. Hatte er Kontakt zu anderen Komponisten? Ron Merlino: Johann Strauß Sohn war gut mit Johannes Brahms befreundet, sie tranken oft gemeinsam. Er widmete ihm 1893 den Walzer „Seid umschlungen, Millionen”, der Bezug auf Beethovens neunte Symphonie hat. So schließt sich der Kreis des Jahrhunderts. Johannes Brahms ist als Weinliebhaber bekannt. Ron Merlino: Ja, er war ein Kenner. Er war viel im Rheingau, ging dort spazieren und kannte die Weinberge sowie die Weine. Aber er liebte auch Chianti und sizilianische Weine, denn er war oft in Italien auf Tour. Und er hatte eine Schwäche für Tokaj. Doch er trennte Genuss und Arbeit, er schrieb keine Stücke mit Weinbezug. Mir ist aber wichtig, dass man die Tanzmusik von Lanner und Strauß nicht geringer schätzt als die Musik von Beethoven und Brahms. Sie hatten alle denselben Lebensstil und dieselben Lebensumstände. Nur weil die Familie Strauß kommerziell erfolgreicher war, waren sie nicht abgeschnitten vom Rest der Szene. Die Verbindung von Musik und Wein muss sehr kraftvoll gewesen sein.
82 wein.plus:magazin „Ich verdanke Georgien, dass ich noch lebe“ MOSELWINZER HILARIUS PÜTZ ÜBER SEIN ZWEITES LEBEN ALS WEINBERATER IM KAUKASUS Herr Pütz, warum sind Sie 2007 nach Georgien ausgewandert? Hilarius Pütz: Das war eine sehr persönliche Entscheidung. Mir wurde 2006 Krebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Mein Arzt riet mir, meine beiden Weingüter an der Mosel zu verkaufen, ich hätte nicht mehr lange zu leben. Und da meine Tochter die Betriebe nicht weiterführen wollte, habe ich genau das getan. Ich war also frei und bin nach dem Motto „Es ist egal, wo du stirbst, erlebe etwas!“ nach Georgien gefahren. Aber warum nach Georgien? Hilarius Pütz: Der georgische Weinbau war damals in der Krise und die großen Betriebe suchten ausländische Fachkräfte. Ich bekam ein Angebot. Sie müssen wissen: Vor 2006 kannten sie dort keine Absatzprobleme. Im Gegenteil, die Georgier hatten nie genug Wein, um die Sowjetunion und später Russland zu beliefern. Aber als sich der damalige Präsident Saakaschwili immer mehr dem Westen näherte, verhängte Putin einen Importstopp für Agrarprodukte aus Georgien. Und die Weingüter wussten von einem Moment auf den anderen nicht mehr, wem sie ihren Wein verkaufen sollten. Ich sage scherzhaft immer, dass die georgischen Winzer Putin dankbar sein sollten, denn dies war die Geburtsstunde des georgischen Qualitätsweinbaus. In der restlichen Welt konnte man die damaligen Weine nämlich nicht verkaufen. Um die Qualität auf internationales Niveau zu bringen, wurden Kellermeister und Önologen aus dem Ausland geholt. Was hat das dort verändert? Hilarius Pütz: Parallel zu dieser Entwicklung gingen junge Georgier zur Ausbildung nach Deutschland, Frankreich oder Italien. Sie gehören heute zu den besten Weinmachern des Landes. Flaschenweine gibt es noch nicht besonders lange in Georgien. Früher wurde der Großteil in 10- oder 20-Liter-Gebinde gefüllt. Dieser Wein wurde massenweise bei den traditionellen georgischen „Supras“ getrunken, den Festen an langen Tafeln, an denen sich Freunde und Familien treffen. Seit 2007 steigt die Qualität der georgischen Weine jedoch kontinuierlich an. Es sind viele neue Weingüter entstanden, teils unter deutscher Leitung, wie beispielsweise das Top-Weingut Chateau Mukhrani. Wie war der Anfang in Georgien für Sie? Hilarius Pütz: Schwierig. Am Anfang hat nichts so funktioniert, wie ich wollte. Wenn ich an meine erste Weinlese zurückdenke, war das eine mittelschwere Katastrophe. Zum einen, weil die Weingüter hier nur die Sowjet-Technologie hatten, die darauf ausgerichtet war, in kurzer Zeit riesige Mengen zu verarbeiten. Und ich hatte, wie andere Kollegen auch, westliche Standards im Kopf: schonender Traubentransport, pneumatische Pressen, Flotation. Zum anderen gab es erhebliche Probleme mit den Übersetzern. Die meisten haben so getan, als würden sie übersetzen, konnten aber die Fachbegriffe nicht vermitteln. So kam es zu vielen Interpretationen und zu bösem Blut zwischen Ausländern und Georgiern. Es prallten damals zwei vollkommen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Im Jahr 2006 erhielt Hilarius Pütz die Diagnose Krebs. Er verkaufte daraufhin seine Weingüter an der Mosel und ging als Weinberater nach Georgien. Dort lebt er noch heute. Raffaella Usai hat ihn in Tiflis getroffen und mit ihm über seine zweite Chance und das Potenzial georgischer Weine gesprochen. FOTOS: RAFFAELLA USAI, ENVATO “ “ Hilarius Pütz
Tiflis ist eine pulsierende Stadt voller Kontraste.
84 wein.plus:magazin Was genau waren die Probleme? Hilarius Pütz: Die Mentalitätsunterschiede zwischen Westeuropäern und Georgiern sind sehr groß. Und ich bin vollkommen unvorbereitet an die Sache herangegangen. Ein Beispiel: Als ich im ersten Jahr den Produktionsprozess für eine große Wein- und Sektkellerei in Tiflis umstrukturieren musste, wurde mir gesagt: „Ein georgischer Mann putzt nicht!“, als es darum ging, die Tanks sauber zu machen. Also mussten Frauen kommen, die diese Arbeit erledigten. Für mich völlig unverständlich. Auch bei der Wissensvermittlung gab es große Schwierigkeiten. Ich konnte den Leuten nicht einfach sagen, dass dieses oder jenes ab heute anders gemacht wird. Das funktionierte nicht. Ich musste es so drehen, dass sie am Ende glaubten, es sei ihre eigene Idee gewesen. Georgier sind sehr stolz, und besonders stolz sind sie auf ihren Wein. Fast jede Familie macht hier ihren Hauswein nach der QuevriMethode, seit Jahrhunderten. Bei manchen gelingt der Wein besser, bei manchen schlechter. Aber man darf einem Georgier niemals sagen, sein Wein sei nicht gut. Kritik ist nicht willkommen, auch keine konstruktive. Das musste ich erst mal lernen. Warum sind Sie in Georgien geblieben, obwohl der Großteil der Kollegen das Land wieder verlassen hat? Hilarius Pütz: Wenn ich heute noch lebe, dann führe ich es auch darauf zurück, dass ich hier so viel zu tun hatte, dass ich an die Krankheit gar nicht denken konnte. Mein heutiges Engagement ist pure Dankbarkeit. Was mich aber hauptsächlich hier gehalten hat, ist das enorme Potenzial der georgischen Weine, das immer noch schläft. Es fasziniert mich, was aus diesen autochthonen Rebsorten rauszuholen ist. Sie engagieren sich auch für junge georgische Nachwuchswinzer. Wie tun Sie das? Hilarius Pütz: Gleich im ersten Jahr ist mir aufgefallen, dass die georgischen Winzer zwar eine sehr gute Hochschulausbildung genossen, aber von der Praxis keine Ahnung hatten. Sie konnten alle chemischen Formeln auswendig, aber mit einem Kilo Trauben in der Hand wussten sie nichts anzufangen. Ich habe daher eine duale Ausbildung nach deutschem System angeregt, was mir mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Tiflis auch gelungen ist. Dann haben wir die Bayerische Landesanstalt für Weinbau ins Boot geholt. Gemeinsam haben wir das georgische Bildungsministerium überzeugen können, die duale Winzerausbildung als Pilotprojekt zu starten. Das läuft seit neun Jahren sehr erfolgreich. Was mich hauptsächlich hier gehalten hat, ist das enorme Potenzial der georgischen Weine. “ “ Wandmalereien in Tiflis: Wein spielt eine große Rolle im Leben der Georgier.
wein.plus:magazin 85 Sie beraten heute nicht mehr große Betriebe, sondern widmen sich einem kleinen Familienweingut in Kachetien, im Osten des Landes. Wie kam es dazu? Hilarius Pütz: 2013 wurde der russische Boykott der georgischen Agrarprodukte aufgehoben. Und viele Kellereien sind in das alte System zurückgefallen und haben ihren Export nach Russland in großem Stil wieder aufgenommen. Das wollte ich nicht mitmachen und habe meinen damaligen Job aufgegeben. Schon während des KaukasusKrieges 2008 lernte ich die Familie Bedenashvili kennen. Sie hatte zwei Hektar Weinberge in Kardenakhi (Kachetien) und große finanzielle Sorgen, da die staatliche Unterstützung ausblieb. Ich habe ihnen dabei geholfen, ihr kleines Familienweingut nach deutschem Modell umzubauen. Die kleinen Privatbetriebe hatten keine moderne Technologie, um hochwertige Weine zu erzeugen. Was anfangs nur ein Nebenjob von mir war, wurde ab 2013 meine Hauptaufgabe. Das heißt, Sie arbeiten nur noch für dieses Weingut? Hilarius Pütz: Ja, genau. Heute hat das Weingut zwölf Hektar Rebfläche und ich kümmere mich sowohl um die Weinberge als auch um die Kellerarbeit. Den Direktvertrieb in Europa hat einer der Söhne der Familie übernommen, der seit vielen Jahren in Heidelberg lebt. die aber „europäisch“ ausgebaut werden. Nun sind Sie ja mittlerweile im Rentenalter, was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Hilarius Pütz: Ich möchte dieses Familienprojekt in gute Hände übergeben und hoffe, irgendwann einen jungen Winzer oder eine junge Winzerin zu finden, die meinen Job engagiert weiterführen möchte. Zurzeit studieren zwölf Georgier an der Hochschule Geisenheim. Auf diese Generation setze ich. Mit der Georgierin Dr. Sopiko Ghvanidze aus Geisenheim habe ich hier die duale Ausbildung initiiert. Auch Prof. Jon Hanf arbeitet eng mit Kollegen in Georgien zusammen. Ich wünsche mir, dass dieser Austausch bestehen bleibt und dadurch der georgische Weinbau vorangebracht wird. Eine Frage zum Schluss: Wie geht es Ihnen heute? Hilarius Pütz: Mir geht es wunderbar. Ich habe den Krebs vor ein paar Jahren besiegen können und freue mich jeden Tag darüber, dass ich noch lebe. Was haben Sie verändert? Hilarius Pütz: Unser Konzept ist: Wein und Tourismus sind eine Einheit. Wir heißen viele deutsche Touristen auf unserem Weingut in Kachetien willkommen, machen professionelle Verkostungen und bringen den Menschen die Kultur des Landes näher. Dabei bleiben wir immer bäuerlich und authentisch. Es gibt keinen Pomp bei uns, nur eine wunderbare Aussicht auf den Kaukasus. Und das kommt bei den Touristen gut an. Wenn sie möchten, können sie dann Wein bei uns bestellen und aus dem Lager in Heidelberg wird er ihnen direkt nach Hause geliefert. Parallel dazu machen wir seit der Corona-Pandemie auch Online-Verkostungen, da in den vergangenen zwei Jahren spürbar weniger Besucher gekommen sind. Welche Chancen haben georgische Weine auf dem Weltmarkt? Hilarius Pütz: Sie müssen sich von den anderen Weinen abheben. Auf der einen Seite mit den AmphorenWeinen, auf der anderen Seite mit exotischen autochthonen Rebsorten, Die traditionellen Qvevris (Amphoren) werden im Boden eingegraben.
Wein soll schmecken, wie er ist – und nicht, wie er sein könnte. “ “
wein.plus:magazin 87 Es ist eines der Grundkenntnisse der Physik: Flüssigkeiten lassen sich nicht in Formen pressen. Und dennoch gibt es durchaus immer wieder erstaunliche Versuche, genau dies zu erreichen. Und sollte es nur geschmacklich sein. Weine jedoch nicht in irgendein aromatisches Raster zu zwingen und darauf zu verzichten, sie Jahr für Jahr geschmacksidentisch zu „entwerfen“ – das ist die ganz große Kunst des Weinmachens. Eine Kunst, die auf dem familiengeführten Weingut Paul Achs in Gols am Neusiedler See seit Generationen gelebt wird. Denn das simple und zugleich so prägende Motto der Winzerfamilie lautet: „Wein soll schmecken, wie er ist – und nicht, wie er sein könnte.“ Ihnen geht es vielmehr darum, Weine – vom Rebstock bis in die Flasche – zu begleiten. Dabei das Jahr, in dem die Trauben reifen, anzuerkennen und sie so wenig wie möglich auf ihrem Weg zu beeinflussen. So ihre Charakterstärken durch behutsame Vinifikation zu unterstreichen und ihre individuellen Stärken gekonnt, authentisch und pointiert einzufangen. EIN NATÜRLICHER PARTNER Diese Philosophie unterstützt der Neusiedler See, an dessen Ufern der Weinbauort Gols liegt, auf ganz besondere Weise. Denn der Steppensee beeinflusst das Klima der Region maßgeblich. Im sonnenreichen Sommer, der die Trauben inmitten des nordburgenländischen Naturparadieses verwöhnt, speichert das flache Gewässer die Wärme und gibt sie im Herbst an die umliegenden Rebreihen ab. So sorgt der See für ein einzigartiges Klima, das die späte Reife der Trauben optimal unterstützt. Die lehmhaltigen Kalkböden der Weinberge wissen zudem die wohldosierten Regenfälle des Jahres zu speichern und so selbst in größten Trockenperioden das kostbare Traubengut bestens zu versorgen. Man könnte wahrlich sagen, dass dieser Landstrich für den Weinanbau geschaffen ist. Ganz besonders, wenn man ihn zu lesen weiß und auch wahrhaftig im Einklang mit diesem natürlichen Paradies arbeitet: Und genau dies geschieht auf dem heute 25 Hektar großen Weingut bereits seit 1684. Schließlich war der Weinanbau in jeder Generation das Schlüsselmoment ihres Schaffens. Daraus resultiert ein Bewusstsein, das seit jeher mit vielen naturnahen, nachhaltigen Praktiken im Weingarten und auch im Keller einherging und seit 2006 offiziell biodynamisch zertifiziert ist. Ein Bewusstsein, das seit Februar 2022 nun von der nächsten Generation – von Johannes Achs – weitergeführt wird. SPASS IM VORDERGRUND „Unser Ziel ist es, bestes Traubenmaterial reifen zu lassen und Weine auszubauen, die vielschichtig und spannend sind. Weine, die eines verbindet: Trinkfreude“, erzählt der Winzer, für den es seit jeher klar war, in die FamilienFußstapfen zu treten und Wein zu machen. Dabei liegt das Augenmerk auf der einheimischen Rebsorte Blaufränkisch, die die mikroklimatischen Besonderheiten bestens für sich zu nutzen weiß und perfekte Reife mit purer Eleganz vereint. Aber auch Rebsorten wie Zweigelt, St. Laurent. Pinot Noir und Cabernet Franc zeigen sich in den Spitzenlagen wie Altenberg, Ungerberg, Spiegel, Seufertsberg und Gabarinza von ihrer besten und ausdrucksstärksten Seite. Alle Rotweine reifen zudem meist in mehrfach genutzten Holzfässern, um so die eigenständigen Aromen der Weine nicht zu überlagern, sondern sie lediglich herauszuarbeiten. Denn schließlich ist genau dies das Ziel: Weine zu erschaffen, die für sich selbst sprechen können. Und das in flüssiger Form. Potenzial auf den Punkt gebracht PAUL ACHS – NEUSIEDLERSEE Anzeige Auch wenn die Natur einem ein perfektes Blatt in die Hand gibt, muss man es dennoch verstehen, seine Karten bewusst und gekonnt auszuspielen. Genau dies gelingt auf dem Weingut Paul Achs am Neusiedler See – mit Weinen, die eigenständig und charakterstark sind und vor allem Freude machen. FOTOS: WEINGUT PAUL ACHS
88 wein.plus:magazin Anzeige Es bedarf zuerst des Samens, der im Erdreich Wurzeln schlägt. Nur so kann überhaupt etwas gedeihen, erblühen und letztlich zu einer langlebigen, gesunden Pflanze heranwachsen. Ebenso ist es mit einem ganzen Weingut, das aus vielen einzelnen Pflanzen entsteht. Manchmal ist hierbei der Samen der Mensch selbst. Jener, der den ersten Schritt macht. Im Falle der Fattoria Le Pupille, die in der malerischen Landschaft der Maremma liegt, war dieser „Samen“ einst Alfredo Gentili. Doch erst Elisabetta Geppetti, Die Seele der Maremma FATTORIA LE PUPILLE – MORELLINO DI SCANSANO Wie das Bewusstsein für Heimat in flüssiger Form die Welt erobern kann, zeigt die Fattoria Le Pupille auf beste Weise: Das Vorzeigeweingut der Maremma setzt auf terroirgeprägte Weine, die internationales Bewusstsein mit italienischem Temperament vereinen. FOTOS: FATTORIA LE PUPILLE
wein.plus:magazin 89 die diese Anfänge 1985 übernahm und mit Leidenschaft, Entschlossenheit, Neugierde und Engagement füllte, gelang es, ein Weingut zu erschaffen, das heute nicht nur zur Elite der Toskana gehört, sondern auch zu den vinophilen Wegbereitern der Region. Denn die Fattoria gehört zu den Begründern der berühmten Appellation Morellino di Scansano. VON DER LIEBE ZUM LAND Aus Ruinen auferstanden: Die Fattoria Le Pupille ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass man nie aufgeben sollte – und dass die Schönheit der Natur einem den Weg weisen wird. Denn die Lage des Weinguts könnte besonderer und prädestinierter für den Anbau von Wein nicht sein. Hier, im südlichen Teil der Toskana, umspült das Tyrrhenische Meer die Küste und sorgt dafür, dass kühlende Winde die heißen Sommer ausgleichen. Die sanften Hügel mit Blick auf den Monte Amiata bieten den Rebstöcken Schutz. Als Elisabetta Geppetti vor fast 40 Jahren hier begann, den einst kleinen Familienbetrieb zu leiten und ihre Weine zum Leben zu erwecken, wurde sie nicht nur Winzerin. Sie wurde auch zur Botschafterin dieses herrlichen Landstrichs, mit dem sie seit ihrer Kindheit verbunden ist. Heute umfasst das Weingut 450 Hektar, von denen 85 Hektar mit Reben, 20 mit Olivenbäumen und 18 mit edlen Haselnussbäumen bepflanzt sind. Stolze 450.000 Flaschen aus charaktervollen Rebsorten wie Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah werden auf Le Pupille jährlich produziert. Und trotz dieser Dimension steht damals wie heute das Bewusstsein für Qualität und Authentizität an erster Stelle. Denn das ist Elisabetta ihren Weinen als Produzentin, aber auch als erste Präsidentin des Consorzio di Tutela del Morellino di Scansano schuldig. Im Laufe der Jahre wurde sie weltweit zur Fahnenträgerin der Maremma und ist stolz auf ihren Spitznamen „Lady of Morellino“. EIN WEG, DER NIE ENDET Mittlerweile führen neben Elisabetta zwei ihrer fünf Kinder – Clara und Ettore – das Unternehmen. Auch sie stecken voller Energie und sind fest entschlossen, sich neuen Träumen und Projekten zu widmen, die es zu verwirklichen gilt. Ganz getreu dem Leitsatz der Familie „Liebe zum Land, Leidenschaft für Wein“ setzten die drei gemeinsam alles daran, Weine zu produzieren, die das Terroir ihrer Entstehung in die Welt hinaustragen, und sind zudem kontinuierlich dabei, jeden ihrer Arbeitsschritte unermüdlich zu hinterfragen und zu forschen, um noch nachhaltiger und mit dem größtmöglichen Respekt für die Umwelt zu agieren. Denn nur so ist es möglich, die Faszination Wein so lange wie möglich zu leben: „Die Unberechenbarkeit eines jeden Jahrgangs ist das Besondere. Es wird einfach nie langweilig“, sind sich die drei einig. Wenn dann noch das Gleichgewicht der Natur im Weinberg passt und die Weisheit des Menschen im Keller die Ernte in bestmöglicher Form zu Wein reifen lässt, sind alle in ihrem Element.
Weltraumforschung ist im Weinbau angekommen WIE SCHWERELOSIGKEIT REBEN RESISTENTER GEGEN SCHÄDLINGE MACHT
Prof. Dr. Michael Lebert ist Zellbiologe an der FriedrichAlexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg und wissenschaftlicher Leiter beim WeltraumforschungsUnternehmen Space Cargo Unlimited (SCU). Mit der Mission WISE hat er Weine und Rebsetzlinge ins Weltall geschickt. Alexander Lupersböck hat mit ihm über die Ergebnisse gesprochen und erfahren, dass die Weltraumforschung an Pflanzen schon längst im Alltag angekommen ist. FOTOS SCU, FAU, NASA
92 wein.plus:magazin Wein auf der ESA – Trends Weshalb schickt man Weinreben in den Weltraum? Gibt es nicht andere, für die Ernährung wichtigere Pflanzen, an denen geforscht werden sollte? Michael Lebert: Weil Wein eine unheimlich widerstandsfähige Pflanze ist. Mich interessiert daran besonders, dass es eine Holzpflanze ist. Die sind bisher praktisch nie untersucht worden. Die Erkenntnisse sollen dann auf andere Pflanzen übertragen werden. Es spielt auch eine Rolle, dass Space Cargo Unlimited seinen Sitz in Bordeaux hat. Und das Institut des Sciences de la Vigne et du Vin (ISVV) der Universität Bordeaux ist unser Kooperationspartner. Erzählen Sie uns bitte etwas über die Mission WISE. Michael Lebert: Dabei wurden 320 Stecklinge, zur Hälfte Cabernet Sauvignon und Merlot, für 312 Tage zur Internationalen Raumstation ISS in 400 Kilometer Höhe geschickt. Zudem waren zwölf Flaschen Château Petrus für 438 Tage an Bord. Die Stecklinge, also Holzabschnitte, waren im ruhenden Zustand, wie im Winter, in einer Kunststoffbox. Sie wuchsen also nicht, waren sich selbst überlassen und wurden nicht gepflegt. Das einzig Besondere an ihnen ist, dass sie der Schwerelosigkeit und der kosmischen Strahlung ausgesetzt waren. Nach ihrer Rückkehr wurden sie auf Wurzelstöcke aufgepfropft. Wir waren überrascht, dass fast alle überlebt haben und sofort wuchsen. Im ersten Jahr lag der Fokus auf vegetativer Vermehrung. Wir wussten nicht, ob die Abkömmlinge die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanzen haben würden. Jetzt wissen wir, dass es so ist. In diesem Jahr haben wir weiter vermehrt und uns darum gekümmert, verschiedene Bedingungen auszuprobieren. Ein Teil der Pflanzen steht in Erlangen, ein Teil beim ISVV in Bordeaux, auch im Freiland, weil wir sehen wollen, wie sie auf Rebläuse reagieren. Im Weltraum kann Evolution sehr rasch passieren. Sie stellten bei diesen Reben Veränderungen des Polyphenolgehalts, der Wachstumsraten und der mit den Pflanzen assoziierten Bakterien und Pilze fest. Wie werden sie dadurch resistenter gegen die Folgen des Klimawandels und Parasitenbefall? Michael Lebert: Das erste, was wir betrachtet haben, war: Haben sich die Eigenschaften stabil geändert? Die Antwort lautet im zweiten Jahr: Ja! Die Wachstumsunterschiede im Vergleich mit der Kontrollgruppe sind im zweiten Jahr genauso wieder aufgetreten wie im ersten Jahr. Wir haben nun Pflanzen mit erhöhten Resistenzen gegen Falschen Mehltau. Das ist etwas ganz Besonderes, da vor allem der Merlot diese Resistenz von sich aus nicht hat. Gerade im biologischen Weinbau ist Merlot sehr schwierig wegen seiner Anfälligkeit für Falschen Mehltau. Daneben sahen wir, dass eine Reihe von internen Bakterien und auch externen Pilzen sehr stabilisierend gegen Mehltau und andere Schädlinge helfen. “ “
wein.plus:magazin 93 Werden diese Resistenzen wegen der Schwerelosigkeit oder als Reaktion auf die kosmische Strahlung gebildet? Michael Lebert: Die sind ohnehin immer da. Wir nehmen an, dass sie aufgrund der Bedingungen im Weltraum nur verstärkt gebildet werden, weil die Rebe dort stark unter Stress steht. Das ist eine typische Stressreaktion der Pflanze. Wir nennen das „selbstgesteuerte Evolution“. Bitte erklären Sie diesen Begriff genauer. Michael Lebert: Evolution heißt normalerweise: Anpassung an neue Bedingungen. Je komplizierter die Bedingungen sind, desto schneller erfolgen die Anpassungen. Das heißt: Wenn alles stabil und gleich ist, dann passiert wenig Anpassung, weil sie nicht notwendig ist. Das sieht man ja auch in der Evolutionsgeschichte. Es gab Phasen, da passierte lange nichts, und dann wieder sehr viel in kurzen Zeiträumen. Wir haben in den vergangenen Jahren schon gelernt, dass solche Anpassungen viel schneller ablaufen, als wir das vorher gedacht hatten. Wir haben festgestellt, dass es da so etwas wie Epigenetik gibt. Das heißt: Modifikationen des Erbmaterials sorgen dafür, dass auch Eigenschaften modifiziert werden können. Wir schicken die Pflanzen in den Weltraum, weil wir die dort herrschenden Verhältnisse nutzen wollen, um eine Art Formbarkeit herzustellen. Das heißt, die Pflanzen leiden dort unter Stress, den sie noch nie in ihrer Entwicklungsgeschichte hatten. Unterschiedliche Temperaturen, Feuchtigkeitsschwankungen, Dürre, das alles kennen sie von der Erde. Es ist auch nicht auszuschließen, dass sie hier schon gewissen Strahlungen ausgesetzt waren. Aber Schwerelosigkeit kennen sie definitiv nicht. Wir sorgen also im Weltraum für eine Ausgangssituation, die Evolution relativ rasch stattfinden lässt. Wir wissen nicht, was dabei rauskommt und wie genau die Pflanze das macht, wir sehen nur, dass sie es macht. Wir gehen davon aus, dass es keine Zellbiologe Prof. Dr. Michael Lebert Aus den Stecklingen, die auf der ISS waren, werden Reben gezogen.
94 wein.plus:magazin negativen Auswirkungen auf die Wuchsfähigkeit der Reben hat, weil das beim normalen Züchtungsprozess ja auch ständig stattfindet, nur viel langsamer. Jetzt, auf der Erde, geben wir noch spezifische Stressfaktoren dazu, zum Beispiel mehr Salz, höhere Temperatur, weniger Wasser. Damit lassen wir die Pflanze ihr Ding machen. Das hat einen großen Vorteil gegenüber molekularbiologischen Verfahren: Dort kann man immer nur einzelne Faktoren ändern, aber nicht alle gleichzeitig. Die Pflanze aber reagiert mit ihrem metabolischen Netzwerk. Das heißt: Wenn sich etwas ändert, ändern sich viele andere Faktoren gleichzeitig. Und wir haben nicht die vielen Einschränkungen, die gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen bestehen, vor allem in Europa. Auffällig ist die Tatsache, dass die aus dem Weltraum gekommenen Pflanzen jetzt schon Weinreben produziert haben. Das hat mich sehr überrascht, denn das passiert normalerweise erst im sechsten oder siebten Jahr. Sie haben schon richtige Früchte, es gibt also dieses Jahr die ersten Trauben. Man sieht, dass sie wirklich um ihr Überleben kämpfen und nicht aufgeben. Die Pflanzen machen ihr Ding. Wird daraus gleich Wein gemacht? Michael Lebert: Wir überlegen im Moment noch, ob es sinnvoll ist, aus den ersten Trauben Wein zu machen, da sich die Eigenschaften der Reben noch etwas verändern werden und dieser Wein nicht unbedingt repräsentativ sein wird. Mir wäre es sehr recht, wenn wir trotzdem eine Mikrovinifikation machen würden, ich bin neugierig. Im Mai 2021 hat Christies’s in London eine der Flaschen Château Petrus von der ISS versteigert. Der Schätzwert von 830.000 Euro sollte in Weltraummissionen für Agrarforschung fließen. Stimmt das? Michael Lebert: Ja, das kommt uns voll zugute. Der Betrag wurde zwischen dem ISVV und uns aufgeteilt. Die anderen Flaschen werden zur Analyse herangezogen, denn die Ausgangshypothese des Experimentes war ja, dass die Diffussionsgeschwindigkeit von Sauerstoff für den Alterungsprozess im Wein sorgt. Um es vorsichtig auszudrücken: Im Moment sieht es nicht ganz danach aus. Aber die Analyse läuft noch, man muss In diesen Containern verbrachten die Rebstecklinge 312 Tage im Weltraum.
wein.plus:magazin 95 WeinTour WeinTour – live zurück in München und online zu erleben Key-Facts Weintour Online-Verkostungen: • Bestellung ab 1. März 2023 • Online-Verkostungen ab April – Termine individuell buchbar • Inhalt: Online-Verkostung mit je vier 50mlProbieräschchen für 9,90 EUR zzgl. Versand, solange der Vorrat reicht • Verkauf und Streaming unter virtuelle.weintour.net Die WeinTour lädt am 25. und 26. März zur Entdeckungsreise durch die 13 deutschen Weinregionen in die Alte Kongresshalle München ein. Verkosten Sie deutsche Weine bester Qualität und treen Sie über 80 Winzer/innen persönlich. Alle Weine des Live-Events sind aber auch online erlebbar: 19 thematische Online-Verkostungen inkl. Mini-Sample-Paket gibt es ab März auf virtuelle.weintour.net zu erwerben. Weitere Infos: Tickets und Infos: www.weintour.net und www.facebook.com/weintour #weintour Die WeinTour ist eine Veranstaltung des Deutschen Weininstituts (DWI). FÜR WEIN-PLUS LESER: 50% RABATT AUF DIE ONLINE-VERKOSTUNGEN MIT DEM CODE WPMWTMUC50 mehrere Flaschen untersuchen, da die Varianz unter den unterschiedlichen Flaschen ziemlich groß ist. Haben Sie den Wein gekostet? Michael Lebert: Nein. Das macht ein organoleptisches Hochamt von ausgesprochenen Spezialisten. Ich wurde dazu leider nicht eingeladen. Wird man zukünftig alle Pflanzen, vor allem Neuzüchtungen, der Schwerelosigkeit aussetzen? Michael Lebert: Das findet schon statt. Die Chinesen machen das seit vielen Jahren. Da wurden Samen von verschiedenen Kulturpflanzen zu deren Raumstation geschickt und ganze Institute aus dem Boden gestampft, die sich die Eigenschaften dieser Samen anschauen. Man hat von erhöhtem Vitamingehalt, Nährstoffgehalt, Carotingehalt und Abwehrstoffen alles Mögliche festgestellt. Es sieht so aus, dass fast alle Kulturpflanzen, die in China angeboten werden, von diesen Pflanzen abstammen. Das ist ein riesiger Markt. Richtig interessant wird es, wenn man Pflanzen oben blühen lässt, weil die Möglichkeiten der Änderungen noch einmal eine Größenordnung höher sind. Die Vorfahren vieler Kulturpflanzen in China waren im Weltraum. Was hat das Experiment Mission WISE gekostet? Michael Lebert: Für unser Experiment mit den Stecklingen haben wir für Vorbereitung und Weltraumflug rund 600.000 Euro ausgegeben, das sind keine außergewöhnlichen Beträge. Dabei können vernünftige Sachen rauskommen, die uns auf der Erde nützen. Ob das Webb-Teleskop, das zehn Milliarden Euro gekostet hat, auch so konkret anwendbare Ergebnisse bringt, sehe ich etwas skeptisch, so toll das auch ist. Auch wenn die Abkömmlinge solcher Pflanzen etwas teurer werden, muss man sagen: Sie blühen schon im zweiten Jahr, das bringt dann ja auch einiges. Auf einen Weinberg gerechnet sind diese Setzlinge die höheren Kosten sicher wert. Es gibt immer mehr private Weltraummissionen, bedeutet das auch mehr Möglichkeiten? Michael Lebert: Ja. Man muss sagen: Wir haben riesige Probleme, das gilt nicht nur für Wein, sondern für alle Kulturpflanzen. Wir hoffen, dass wir mit dem Modellsystem Wein generelle Mechanismen für alle Kulturpflanzen entdecken und diese auf andere Pflanzen übertragen können. Es wird noch viel mehr passieren, da laufen auf verschiedenen Schienen der Biotechnologie viele Versuche. In Zukunft wird man nicht mehr so sehr auf bemannte Raumstationen setzen, sondern auf selbstfliegende Kapseln, die wie Satelliten die Erde umkreisen. Weltraumforschung ist in der Pflanzenzüchtung angekommen, nicht nur im Weinbau. “ “
Wer hip sein will, verzichtet auf Alkohol: „Cool sober drinking“ heißt der Trend. Die steigende Nachfrage nach alkoholfreiem Wein und Sekt beginnt die Weinszene zu verändern. Raffaella Usai berichtet über ein Thema, das längst im Mainstream angekommen ist. FOTOS: WEINGUT HOFSTÄTTER „Cool sober drinking“: Alkoholfrei statt Wein NEUE GENUSS-KULTUR ETABLIERT SICH IN RASANTEM TEMPO
wein.plus:magazin 97 Keine Tageszeitung, keine Illustrierte, kein Fachmagazin, das nicht in den ersten Januartagen über das Thema Alkoholverzicht berichtet hätte. Klar, dass nach den Feiertagen viele einen Gang zurückschalten, die Leber schonen, das Gewissen beruhigen wollen. Doch immer mehr Menschen verzichten nicht nur während des „Dry January“ auf Alkohol. Nein, das sogenannte „Mindful drinking“, die neue Nüchternheit, ist für viele zum selbsterklärten Lebensstil geworden. „Das steigende Interesse am Dry January ist Ausdruck der Tatsache, dass cool sober drinking, also der bewusste alkoholfreie Genuss, immer mehr zum Thema für viele Konsumenten wird“, bestätigt auch Cathrin Duppel, Marketing-Verantwortliche bei Rotkäppchen-Mumm. Besonders in den Altersgruppen unter 40 Jahren seien laut dem GfK Haushaltspanel 2021 alkoholfreie oder entalkoholisierte Getränke oftmals die erste Wahl. Und spätestens als im vergangenen Sommer der Lieblings-Primitivo der Deutschen, der „Doppio Passo“, als „alkoholfreie“ Variante in den Handel kam, war klar: Entalkoholisierte Weine sind aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken. NEUE TRINK-KULTUR ENTSTEHT Dass entalkoholisierter Wein, Sekt, Bier, Cider sowie Spirituosen samt ihren alkoholreduzierten Varianten in den kommenden Jahren massiv im weltweiten Verkauf zulegen werden, belegt auch eine Studie des auf alkoholische Getränke spezialisierten Marktforschungsinstitut IWSR in London. Die Analysten gehen davon aus, dass der jährliche Konsum bis 2026 um ein Drittel steigen wird. Dabei seien alkoholfreie Getränke mit über 90 Prozent des Verkaufs der wichtigste Treiber des Trends. Alkoholreduzierte Weine und Sekte, denen nur ein Teil ihres Alkohols entzogen wurde, spielen derzeit kaum eine Rolle. Deutschland ist seit Jahren der weltweit größte Markt für alkoholfreie Weine, Biere, Sekte und Spirituosen, es folgen Japan, Spanien und die USA. Diesen Trend fördern zudem Politiker in vielen Staaten der westlichen Welt: In der EU tobt seit langem ein heftiger Streit über Richtlinien zur Einschränkungen bei der Werbung für, Verkauf von und dem Zugang zum Wein. Seit Anfang dieses Jahres setzen Irland sowie Kanada auf stärkere Alkoholprävention. Beide Länder planen – ebenso wie Schottland – deutlich strengere Vorgaben, um den Alkoholkonsum zu reduzieren. Das wird mutmaßlich den Verkauf an alkoholfreien Alternativen dort weiter steigern. In vielen weiteren Ländern laufen politische Debatten über das Thema, die bislang folgenlos geblieben sind. Doch die Zustimmung der Verantwortlichen wächst langsam, aber stetig. Kein Wunder also, dass die führende B r a n c h e n m e s s e ProWein in diesem Jahr erstmals Ausstellern und Besuchern mit der „World of Zero“ dem Thema entalkoholisierte Weine eine eigene Halle widmet. Bisher waren diese an den Ständen der jeweiligen Produzenten oder der Importeure und Exporteure auf der gesamten Messe verteilt. Nun werden sie in Halle 1 fokussiert zu finden sein. Zudem wird es eine eigene Verkostungszone sowie Vorträge und Publikumsdiskussionen zum Thema geben. Das Weingut St. Antony in Rheinhessen hat seit vergangenem Jahr entalkoholisierte Weine im Programm. Geschäftsführer Dirk Würtz spricht von einem Boom: „Seit 2019 ist die Nachfrage nach alkoholfreien Weinen in Deutschland um 30 Prozent gestiegen. Das ist längst keine Nische mehr, sondern ein ernstzunehmender Markt.“ POLITIK GEGEN WIRTSCHAFT - ITALIEN STELLT SICH QUER Während mehr und mehr deutsche sowie auch spanische Weingüter den Trend als Chance verstehen und alkoholfreie Weine in den Handel bringen, sind sie in Italien bislang nur selten zu finden. Die meisten italienischen Produzenten, vor allem aber die kleineren und mittleren Betriebe, stehen entalkoholisierten Erzeugnissen skeptisch gegenüber. Es ist daher nicht überraschend, dass der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida sich in der EU-Kommission dafür einsetzen will, dass alkoholfreier Wein nicht als solcher bezeichnet werden darf. „Wenn man Wein ohne Alkohol herstellen will, sollte man ihn nicht Wein nennen dürfen“, sagte Lollobrigida kürzlich auf einer Pressekonferenz. Dieser Überzeugung trägt auch das derzeitige Weingesetz Italiens, der „Testo Unico del Vino“, Rechnung. Dieses definiert Wein als „Erzeugnis, das ausschließlich durch die vollständige oder teilweise alkoholische Gärung von frischen, eingemaischten oder nicht eingemaischten Weintrauben oder von Traubenmost gewonnen wird“. Der Position von Lollobrigida stehen jedoch die großen italienischen Weinunternehmen entgegen, die in Zukunft nicht auf wichtige Marktanteile verzichten wollen. „Es ist ein Zug, auf den wir aufspringen müssen, denn das Interesse der Verbraucher an diesen neuen Produkten ist real und nicht zu übersehen” sagte Giulio Somma, Sprecher des italienischen Weinverbands Unione Italiana Vini, bei der Weintechnik-Messe Simei in Mailand im vergangenen November. Der Verband setze sich seit zwei Jahren dafür ein, dass entalkoholisierte Martin Foradori, Weingut Hofstätter
98 wein.plus:magazin und alkoholreduzierte Weine in der Familie der Weinprodukte bleiben, da sie einen schnell wachsenden Markt für die Erzeuger darstellten. Überließe man der Getränkeindustrie die Produktsparte, würden sich Weinproduzenten „eine gefährliche Konkurrenz” schaffen. Sandro Sartor, Geschäftsführer von Constellation Brands und Ruffino, bringt das italienische Dilemma auf den Punkt: „Das Problem ist, dass es eine Nachfrage gibt und der Handel uns danach fragt, aber wenn wir, die größten Weinerzeuger der Welt, nicht produzieren können, überlassen wir diesen Markt anderen. Es ist wichtig, dass diese Produkte gesetzlich in der Weinwelt bleiben und reguliert werden. Es herrscht ein starker Druck, den Alkoholkonsum zu reduzieren: sich gegen solche Produkte zu stellen, wäre nicht zeitgemäß.“ TRENDS SETZEN, NICHT HINTER IHNEN HER RENNEN Martin Foradori vom Südtiroler Weingut J. Hofstätter ist als einer der wenigen italienischen Winzer vom großen Potenzial alkoholfreier Sekte und Weine überzeugt. Seit 2014 besitzt er auch ein Weingut in Kanzem an der Saar, wo er das Sortiment vor einigen Jahren erst mit einem alkoholfreien Sekt, dann mit einem entalkoholisierten Wein erweiterte. F ür diese Entscheidung musste er sich schon so manchen Hohn und Spott von Kollegen aus Italien anhören. Aber die Kritik lässt ihn kalt: „Es ist ein typisch italienisches Verhalten. Sie machen eine große Polemik draus und wettern gegen die EU, die angeblich die ‚echten‘ Winzer nicht genügend schützt. Und am Ende merken sie gar nicht, dass die Welt sie links und rechts überholt.“ Vor allem die italienische Gastronomie habe sich mit dem Thema noch zu wenig beschäftigt: „Die Gastronomen verstehen nicht, was ihnen für Umsatzmöglichkeiten entgehen. Eine Flasche alkoholfreien Wein könnte man zur gleichen Kalkulation verkaufen wie eine Flasche Wein, sie nimmt der Weinkarte keinerlei Umsatz weg. Bei anderen alkoholfreien Alternativen wie Bier oder Softdrinks ist die Marge längst nicht so groß“, meint Foradori. In Deutschland seien die Gastronomen weitaus offener. „Zwar rennen uns die Restaurantbesitzer noch nicht die Türen ein, aber die Nachfrage steigt. Auf immer mehr Weinkarten sehe ich alkoholfreie Sekte oder Weine“, beobachtet Dirk Würtz. Laut Martin Foradori sei eines der Handicaps entalkoholisierter Produkte die arrogante Einstellung des Fachpublikums: „Sommeliers, Weinhändler und Weinjournalisten haben eine solche Blockade bei dem Thema aufgebaut, dass sie nicht einmal merken, dass sich der Markt und der Konsument verändert haben.“ Dies bestätigt auch Dirk Würtz: „Weinfans und viele Winzer haben dazu eine völlig verkehrte Einstellung. Sie vergleichen entalkoholisierte Produkte zu stark mit dem Original – und vergessen dabei, dass die Zielgruppen komplett verschieden sind. Einen echten Weinfreak wird man mit solchen Produkten nie überzeugen. Aber das ist auch gar nicht der Ansatz. Es gilt nicht, die Weinkritiker abzuholen, sondern die Konsumenten, die auf Alkohol verzichten wollen.“ Sportlich, fit, gesund: Das ist die Zielgruppe für alkoholfreie Weine. Vor allem junge Frauen verzichten immer öfter auf Alkohol.
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