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Published by m.mainz, 2018-12-14 10:45:50

La Forza Del Destino

La Forza Del Destino

LA FORZA DEL DESTINO 49

Am tiefsten psychologisch ausgelotet hat Verdi zweifellos die Partie
der Leonora. Nicht nur ist sie rein äußerlich mit insgesamt drei
großen Soloszenen außergewöhnlich breit angelegt, auch in der
Verinnerlichung und Eindringlichkeit des Ausdrucks, in der Diffe-
renziertheit ihres Fühlens läßt sich ihr keine Frauengestalt im
bisherigen Werke Verdis an die Seite stellen. Neben der mit Recht
wegen ihres tiefen Ausdrucks berühmt gewordenen »Friedens«-
Arie verdient dabei die große Szene im zweiten Akt besonderes
Interesse, weil sich in ihr sehr deutlich Gestaltungsprinzipien
ankündigen, die für Verdi nun zunehmend charakteristisch wer-
den. Auf eine knappe Formel gebracht, zeigen sie sich als Tendenz,
die Grenzen zwischen Arie und vorhergehendem Rezitativ zu
verwischen, indem dieses ganz stark mit arios-ausdruckshaften
Momenten durchsetzt und andererseits die eigentliche Arie durch
rezitativische Einschübe aufgebrochen wird, so dass die Idee einer
in sich geschlossenen dramatischen Szene aufscheint, in der sich
sprachbetont-rezitativische und melodiegeprägt-ariose Elemente in
äußerst flexibler Art und Weise mischen. Von da aber ist es nur
noch ein Schritt bis zur gänzlichen Aufgabe jeder Nummerngliede-
rung zugunsten der durchgestalteten dramatischen Szene, wie sie
in Verdis späten Opern verwirklicht ist.



LA FORZA DEL DESTINO 51

ZEITTAFEL

1791 Ángel de Saavedra y Ramirez de Baquedano, der spätere
Textdichter des romantischen Dramas »Don Álvaro o La fuerza del
sino« wird am . März in Córdoba geboren.

1813 Giuseppe Verdi wird am . Oktober in Le Roncole bei Busseto,
Herzogtum Parma, geboren.

1827 Der Roman »I promessi sposi« (»Die Verlobten«) von Ales-
sandro Manzoni (geb.  in Mailand) erscheint in drei Bänden
und erhebt den Autor umgehend in die erste Reihe der italienischen
Dichter.

1835 »Don Álvaro o La fuerza del sino« von Ángel de Saavedra
wird in Madrid uraufgeführt.

1836 Verdi heiratet Margherita Barezzi, die bereits  stirbt.
Auch die beiden gemeinsamen Kinder sterben im Säuglingsalter.

1844 Verdi arbeitet bei der Oper »Ernani« nach dem gleichnamigen
Drama von Victor Hugo erstmals mit dem Librettisten Francesco
Maria Piave ( – ) zusammen. Im Rahmen der gemeinsamen
Arbeit folgen »I due foscari«, »Attila«, »Macbeth«, »Il corsaro«,
»Stiffelio«, »Rigoletto«, »La Traviata«, »Simon Boccanegra« und
»La forza del destino«.

1851 Die Uraufführung von »Rigoletto« am Teatro Fenice in
Venedig wird zum Welterfolg. Zusammen mit »La Traviata« und
»Il trovatore« (beide ) bildet sie das so genannte »Trio popolare«
– die Opern-Trias, mit der sich zu Beginn von Verdis mittlerer
Schaffensphase sein Weltruhm begründet.

JAN. 1859 »Viva V.E.R.D.I.« (als Abkürzung der Forderung
Vittorio Emanuele Re d’Italia)» wird als politischer Slogan einge-
setzt und zum Kriegsruf Italiens gegen Österreich.

29. APR. 1859 Invasion Österreichs in Piemont. Beginn des Zweiten
Unabhängigkeitskriegs

52 LA FORZA DEL DESTINO

20. JUN. 1859 Verdi initiiert eine Spendensammlung für die
»Verwundeten und die armen Familien der Gefallenen für das
Vaterland«.

24. JUN. Schlacht bei Solferino, erneute Niederlage Österreichs

4. SEP. 1859 Verdi wird zum Abgeordneten von Busseto für das
Parlament der Provinz Parma gewählt.

7. SEP. – 12. SEP. 1859 Aufenthalt in Parma, während dessen Verdi
in der Volksabstimmung für den Anschluss an das Königreich
Piemont-Sardinien und damit gegen die Bildung einer italienischen
Konföderation stimmt.

15. SEP. 1859 Die Dynastie Bourbon in Parma wird offiziell für
abgesetzt erklärt. Am .., nach einer Volksabstimmung,
erfolgt der Anschluss an Sardinien.

11. MAI 1860 Garibaldi in Sizilien

7. SEP. 1860 Garibaldi erobert Neapel.

OKT. 1860 Garibaldi legt seine Diktatur zugunsten eines Anschlusses
an Piemont-Sardinien nieder. Italien wird vereint, mit Ausnahme
Venetiens und Roms.

1861 Giuseppe Verdi komponiert, nach drei Jahren Pause, mit
»La forza del destino« ein Auftragswerk für die Kaiserliche Oper in
St. Petersburg. In der Wahl des Stoffes frei, greift er auf das Drama
von Ángel de Saavedra, Herzog von Rivas zurück. Sein Librettist
Piave strafft die Handlung und fügt auf Verdis Wunsch für die
Figur des Fra Melitone einen Ausschnitt aus der in Schillers
»Wallensteins Lager« enthaltenen Kapuzinerpredigt ein. Am .
brechen Verdi und seine Ehefrau Giuseppina nach St. Petersburg
auf, das sie nach einem zweitägigen Paris-Aufenthalt auf dem Weg
über Köln am .. erreichen. Der für Dezember vorgesehene
Probenbeginn verschiebt sich wegen Erkrankung der Sopranistin
auf die kommende Saison.

1862 In St. Petersburg findet am . November unter Giuseppe
Verdis Leitung die Uraufführung von »La forza del destino« statt.

LA FORZA DEL DESTINO 53

Die Aufführung gilt weitgehend als Erfolg, wenn einige Kritiker
sie auch zu lang und zu düster finden. Es handelt sich um Verdis
. Oper von insgesamt . Später folgen noch »Don Carlo«
(/), »Aida« (), »Otello« () und »Falstaff« ().

1863 Verdi leitet im Januar und Februar eine Einstudierung von
»La forza del destino« am Teatro Real in Madrid.

1865 Ángel de Saavedra, Herzog von Rivas, der Autor des Dramas
»Don Álvaro o La fuerza del sino«, stirbt am . Juni -jährig in
Madrid.

1868 Anstelle des mittlerweile schwer erkrankten Francesco
Maria Piave überarbeitet Antonio Ghislanzoni im Auftrag Verdis
das Libretto von »La forza del destino«. Die Änderungen umfassen
insbesondere das nun versöhnlichere Ende, bei dem Alvaro mit der
Hoffnung auf eine Vereinigung im Jenseits zurückbleibt, sowie
einige Straffungen im . Akt, außerdem die anstelle des bisherigen
Vorspiels neu komponierte Ouvertüre, in die der Komponist zahl-
reiche Themen der Oper aufnimmt.

1869 Die überarbeitete Fassung von »La forza del destino« wird am
. Februar am Teatro alla Scala in Mailand erfolgreich erstaufge-
führt. Die Sopranistin Teresa Stolz, der Verdi lebenslang freund-
schaftlich verbunden bleiben wird, singt die Leonora.

1870ER JAHRE »La forza del destino« wird in der Mailänder Fassung
auf italienischen Bühnen und auch international viel gespielt.
Ab den er Jahren wird das Interesse an dem Werk nachlassen.

1873 Der von Giuseppe Verdi tief verehrte Schriftsteller und
Volksheld Alessandro Manzoni stirbt am . Mai -jährig in
Mailand.

1874 In der Mailänder Kirche San Marco wird am . Mai zu
Ehren des verstorbenen Alessandro Manzoni Verdis »Messa da
Requiem« uraufgeführt.

1901 Giuseppe Verdi stirbt am . Januar -jährig in Mailand an
den Folgen eines Schlaganfalls und wird neben seiner zweiten Frau
Giuseppina († ) in der Casa di Riposo beigesetzt.

54 LA FORZA DEL DESTINO

1913 Anlässlich des . Geburtstags von Giuseppe Verdi wird an
der Neuen Oper Hamburg eine von Georg Göhler erstellte deutsche
Neufassung von »La forza del destino« aufgeführt, mit der diese in
Deutschland bisher weitgehend vernachlässigte Oper hier verstärkt
ins Blickfeld gerät.

1918 An der Metropolitan Opera in New York triumphieren Rosa
Ponselle und Enrico Caruso in »La forza del destino« und verhelfen
dem Werk in den USA zu einem Popularitätsschub.

1926 Eine freie Bearbeitung und Übersetzung von »La forza del
destino« (»Die Macht des Schicksals«) durch den Schriftsteller
Franz Werfel führt zu einer größeren Aufführungsserie auf deut-
schen Bühnen. So kommt diese Oper am . September 
schließlich auch in Köln zur Erstaufführung.

1929 Mit dem großen Erfolg der von Arturo Toscanini geleiteten
Neuproduktion von »La forza del destino« an der Scala di Milano
begründet sich über Jahrzehnte eine Aufführungstradition dieses
Werks, das seitdem international zu einem festen Bestandteil des
populären Verdi-Repertoires zählt.





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LA FORZA DEL DESTINO
(DIE MACHT DES SCHICKSALS)

Kölner Premieren – Eine Auswahl

1927

PREMIERE: . September , Stadttheater Köln, Habsburgerring
Deutsche Fassung von Franz Werfel
ML: Heinrich Jalowetz › I: Felix Dahn
mit Henny Trundt (Leonora), Josef Kalenberg (Alvaro),
Rudolf Frese (Don Carlos), Josef Niklaus (Pater Guardian),
Franz Lindlar (Fra Melitone) u. a.

1955

PREMIERE: . September , Universitäts-Aula
Deutsche Fassung von Franz Werfel
ML: Wolfgang von der Nahmer › I: Erich Bormann
› B: Walter Gondolf › K: Wera Schawlinsky
mit Walburga Wegner (Leonora), Heinrich Bensing (Alvaro),
Robert Blasius (Don Carlos), Gerhard Gröschel (Pater Guardian),
August Griebel (Fra Melitone), Hildegunth Walter (Preziosilla),
Herbert Bartel (Marchese von Calatrava), Karl Schiebener (Trabuco),
Alexander Schoedler (Alkalde), Paula Röhrig (Curra)

1957

GASTSPIELTERMINE: . und . Juli , Opernhaus Offenbachplatz
Gastspiel der Scala di Milano anlässlich der Neueröffnung des
Kölner Opernhauses am Offenbachplatz
ML: Antonino Votto › I: Mario Frigerio › B & K: Nicola Benois
mit Leyla Gencer (Leonora), Giuseppe di Stefano (Alvaro),
Aldo Protti (Don Carlo), Cesare Siepi (Padre Guardiano), Enrico
Campi (Fra Melitone), Gabriella Carturan (Preziosilla), Franco
Calabrese (Marchese di Calatrava), Franco Ricciardi (Trabuco),
Franco Piva (Chirurgo), Alfredo Giacomotti (Alcalde),
Stefania Malagù (Curra), Angelo Mercuriali (Hauslehrer)

58 LA FORZA DEL DESTINO

1961

DOPPELPREMIERE: ./. Mai , Opernhaus Offenbachplatz
ML: Joseph Rosenstock › I: Erich Bormann › B: Walter Gondolf;
› K: Gisela Appelt
mit Ingeborg Exner / Isabel Strauss (Leonora),
Herbert Schachtschneider / Egil Frostmann (Alvaro), Karl Sablotzke /
Hans Günter Grimm (Don Carlos), Gerhard Gröschel / Heiner
Horn (Pater Guardian), Siegfried Haertel / Hans-Georg Knoblich
(Fra Melitone), Helga Jenckel / Helen Raab (Preziosilla),
Rolf Becker / Gerd Nienstedt (Marchese von Calatrava),
Martin Häusler / Claus Bock (Trabuco), Kurt Moll (Alkalde),
Albert Bolz (Chirurgus), Irmgard Gerz (Curra)

1969

PREMIERE: . Mai , Opernhaus Offenbachplatz in der deutschen
Übersetzung von Georg Göhler / Mailänder Fassung
ML: Lamberto Gardelli › I: Ladislav Stros › B & K: Zbynek Kolar
mit Milka Stojanovic (Leonora), Robert Ilosfalvy (Alvaro),
Camillo Meghor (Don Carlo), Kunikazu Ohashi (Pater Guardian),
Zoltán Kelemen (Fra Melitone), Dagmar Naaff (Preziosilla),
Gerhard Gröschel (Marchese von Calatrava), Hubert Möhler
(Trabuco), Werner Sindemann (Alcalde), Lionel Fawcett
(Chirurgo), Harriet Stubbe (Curra)

1978

PREMIERE DER NEUEINSTUDIERUNG: . Oktober ,
Opernhaus Offenbachplatz in italienischer Sprache
ML: Wolfgang Rennert › I: s.  › B & K: s. 
mit Raina Kabaivanska (Leonora), Robert Ilosfalvy (Alvaro),
Wassilio Janulako (Don Carlo), Matti Salminen (Padre Guardiano),
Klaus Bruch (Fra Melitone), Gloriosa Caballero (Preziosilla),
Matthias Hölle (Marchese di Calatrava), Hubert Möhler (Trabuco),
Heiner Horn (Alcalde), Neal Schwantes (Chirurgo), Maura Moreira
(Curra)

LA FORZA DEL DESTINO 59

2006

PREMIERE: . Mai , Opernhaus Offenbachplatz
Kölner Erstaufführung der St. Petersburger Fassung
ML: Enrico Dovico › I: Christian Schuller › B & K: Jens Kilian
mit Isabelle Kabatu (Leonora), Ray M. Wade jr. (Alvaro), Bruno Caproni
(Don Carlo), Andreas Hörl (Padre Guardiano), Günter von Kannen
(Fra Melitone), Dalia Schaechter (Preziosilla), Dieter Schweikart
(Marchese di Calatrava), Johannes Preißinger (Trabuco), Francisco
Vergara (Alcalde), Timm de Jong (Chirurgo), Machiko Obata (Curra)

2012

PREMIERE: . September  (Zweitbesetzung: . September ),
Oper am Dom
ML: Will Humburg › I: Olivier Py › B & K: Pierre-André Weitz
mit Adina Aaron / Maria José Siri (Leonora), Enrique Ferrer /
Vsevolod Grivnov (Alvaro), Anthony Michaels-Moore / Dimitris
Tiliakos (Don Carlo), Liang Li / Nikolay Didenko (Padre Guardiano),
Patrick Carfizzi / Tiziano Bracci (Fra Melitone), Dalia Schaechter /
Katrin Wundsam (Preziosilla), Dirk Aleschus (Marchese di Calatrava),
Ralf Rachbauer (Trabuco), Young Doo Park (Alcalde), Leonard
Bernad (Chirurgo), Andrea Andonian (Curra)

SPIELZEIT 2018.19

TEXTNACHWEISE
»Verdi Briefe«, herausgegeben von Hans Busch, Frankfurt am Main
 › Giuseppe Verdi, »Briefe zu seinem Schaffen«, Frankfurt am
Main  › Alfred Marquart, »Giuseppe Verdi – sein Leben, sein
Schaffen, seine Zeit«, Berlin  › Wolfgang Marggraf, »Giuseppe
Verdi – Leben und Werk«, Leipzig  › Friederike Hausmann,
»Die Deutschen und Ihre Nachbarn – Italien«, München 
› »Handlung«, »Kurzbiographie Saavedra«, »Zeittafel«: Redaktion.
› Der Text »Schicksal – Zufall – Bestimmung« von Georg Kehren
ist ein Originalbeitrag.
Teilweise wurden die Texte behutsam an die neue deutsche Recht-
schreibung angeglichen.

BILDNACHWEISE
Gemälde Garibaldi aus: »Verdi – Handbuch«, herausgegeben von
Anselm Gerhard und Uwe Schweikert, Kassel/Stuttgart/Weimar 
› Fotos im Innenteil: © Alexej › Abbildung der Mailänder Mitwirken-
den aus: Claudio Casini, »Verdi«, Mailand  › Uraufführungsplakat
aus: Jacques Bourgeois, Hamburg  › Sátira del suicidio romántico
- Gemälde von Leonardo Alenza: Programmheft der Oper Köln 
Alle Rechteinhaber, die nicht ermittelt werden konnten, bitten wir um
eine Benachrichtigung.

IMPRESSUM
HERAUSGEBER Oper Köln INTENDANTIN Dr. Birgit Meyer GESCHÄFTSFÜHRENDER
DIREKTOR Patrick Wasserbauer REDAKTION Georg Kehren
GESTALTUNG formdusche, Berlin SATZ Alice Roch DRUCK Druckerei + Verlag
Mainz, Aachen

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NRW-ERKLÄRUNG DER VIELEN

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf
einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte
begangen wurden. In diesem Landwurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert
und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen
wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die
Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschied-
liche Interessen treffen aufeinander und finden sich so im Dazwischen. Demokratie
muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung:
Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesell-
schaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte
Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen,
polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung
der Kultur.

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaf-
fenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen
gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Wir als Unterzeichnende der NRW Kunst- und Kultureinrichtungen, ihrer
Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen
Versuchen mit einer klaren Haltung:

•Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklä-
renden, kritischen Dialog über rechte Strategien. Sie gestalten diesen Dialog mit
Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser
den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.

•Alle Unterzeichnenden bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.

•Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen
für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

•Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik
immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Rassismus ist Alltag. Rechtsextremismus ist ein Symptom davon. Dieses Bündnis will
nicht nur Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns
deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung.
Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir
wirklich Viele werden!

SOLIDARITÄT STATT PRIVILEGIEN. ES GEHT UM ALLE. DIE KUNST BLEIBT FREI!






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