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Seite 6 Bericht über 4sax-Saxophonquartett

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Published by 4sax_Saxophonquartett, 2016-12-31 09:46:16

kompass-aktuell_01-2016

Seite 6 Bericht über 4sax-Saxophonquartett

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Seite 2

KOMPASS | Januar Inhalt | Editorial

04 Festival der Kleinkunst

05|10 Konzerte 04
Festival der Kleinkunst:
Im neuen Jahr rechnet das
Kabarett mit dem alten ab.

11 Mut zur Lücke

12|20 Theater 05|10
Adieu Tristesse: Ob Klassik
oder A-cappella, beides hilft

gegen den Winterblues.

21|22 Kunst

23|27 Wissen 12|20
Premierenfieber:
Neue An- und Einsichten
bietet das Theater im Januar.

11

28 Genuss Mut zur Lücke: Ein Wolf im

Schafspelz ist Isegrim freilich

nicht. Aber besser als sein Ruf. 21|22

Geschmackssache:

29|30 Hinter den Kulissen Schönheit liegt nun einmal

im Auge des Betrachters.

31 Dies & Das

32|33 Veranstaltungen 23 28
34 Horoskop Sehnsuchtsorte: Suchtfaktor: Wer abnehmen
Die WZ-Vorträge bringen will, sollte diesen Kuchen
uns Land und Leute näher. besser nicht probieren.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ein Wolf auf dem Titelbild – ist das überhaupt politisch korrekt? pelz sein. Und schon gar nicht lammfromm. Das war ihm viel zu
Der eine oder andere von Ihnen wird sich diese Frage sicherlich langweilig. Isegrim, wie Goethe ihn nannte, fühlt sich nämlich
gestellt haben. Doch wer sich genauer mit dem Januar be- ganz wohl in seiner Haut. Und das sollten wir auch tun. Wir
schäftigt, wird dabei lernen, dass er den Beinamen Wolfsmonat müssen uns nicht verkleiden, nur um anderen zu gefallen. Am
trägt. Das Foto ist also mit Bedacht ausgewählt worden. Aber besten hat das wohl Simone de Beauvoir formuliert, was auch
keine Sorge, im Februar, der sich vom römischen Reinigungs- nicht weiter verwundert. Schließlich erblickte sie vor 108 Jah-
fest Februa ableitet, werden Sie auf dem Cover weder Seife ren im Wolfsmonat Januar das Licht der Erde:
noch einen Schrubber finden. Vielleicht Meister Proper. Voraus-
gesetzt, er sieht so appetitlich aus wie Gevatter Wolf. Von letz- „Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt
terem können wir übrigens viel lernen. Egal, was uns die My- und doch wie kein anderer zu sein.“
then und Märchen erzählen, er wollte nie ein Wolf im Schafs- Genau das wünscht Ihnen
im neuen Jahr

KOMPASS-Redaktion

Seite 3

Festival der Kleinkunst | Kabarett KOMPASS | Januar

D as „21. Festival der Kleinkunst“
und die gemeinsame Kulturrei­
he der Landesbühne und des Pump­
werks „Große Kleinkunst“ präsentieren
am Donnerstag, 14. Januar, um 20 Uhr
im Stadttheater das „Düsseldorfer
Kom(m)ödchen“­Ensemble mit seinem
Programm „Deutschland gucken“.

Nach „Couch“, „Sushi“ und „Freaks“ Düsseldorfer Kom(m)ödchen
geht das Kom(m)ödchen mit „Deutsch­
land gucken“ neue Wege: Daniel Graf
und Martin Maier­Bode bilden zusam­
men mit Maike Kühl und Heiko Seidel
das neue Vierer­Ensemble. Alle vier ge­
hen mit riesiger Spielfreude ans Werk
und ergänzen sich ganz wunderbar.

Freuen Sie sich auf ein rasantes Stück Kabarett mit musikalischen Einlagen und absurden Überraschungen! Dass es hinterrücks
politisch wird, dafür sorgt unser bewährtes Autorenteam: Erdacht und geschrieben wurde das Stück von Dietmar Jacobs, Mar­
tin Maier­Bode und Christian Ehring. Und schwungvoll in Szene gesetzt ein Mal mehr von Regisseur Hans Holzbecher.

>>DHuEUmToSrCstHaLnAdNoDrt<<

D as 21. Festival der Kleinkunst präsentiert am 16. Januar um 20 Uhr im Pumpwerk die „Schlachtplatte“ mit ihrer End­
abrechnung“ mit dem Kabarett­Quintett Robert Griess, Jens Neutag, Maria Grund­Scholer und dem Duo Onkel Fisch.

Fünf Kabarettisten – jeder für sich schon
ein Erfolgsmodell am Humorstandort
Deutschland – gestalten gemeinsam ein
unvergleichliches Ensemble­Spektakel
für Jung und Alt und rechnen ab mit all
dem Wahn­ und Schwachsinn des Jahres
2015.

Von „A wie AfD“ bis „B wie Bundes­ Schlachtplatte
wehr“, von „Wir sind Charlie“ bis „Wir
streiken!“, Zehn Jahre Hartz IV, G 7 oh­
ne Putin, das Griechenland­Drama in
187 Akten und vier Minuten, die Flücht­
lings­Tragödie und das Tourismus­
Elend am Mittelmeer… – der Schlacht­
platte ist nichts heilig! Bei dieser letzten
Instanz des Kabaretts kommt niemand
ungeschoren davon!

Seite 4

KOMPASS | Januar Konzerte | A-cappella-Festival

T he Real Group ist ein 1984 in vals am Sonntag, 24. Januar, um 20 ebenso vielen Konzerthallen live zu hö­
Stockholm gegründetes A­cap­ Uhr im Wilhelmshavener Stadttheater. ren. Einzigartig ist vor allem das Re­
pella­Quintett, so benannt zu Ehren der pertoire, das zum größten Teil aus
Jazz­Standards­Sammlung Real Book. Wenn es eine Vokalgruppe gibt, die die Eigenkompositionen und Eigenarran­
Die Formation zählt zu den erfolg­ Grenzen des Genre überschreitet, dann gements besteht. Auch das ist ein
reichsten und international bekanntes­ die Schweden von „The Real Group“. Grund, warum „The Real Group“ es im
ten Musikgruppen Schwedens. Also Im Laufe von 25 Jahren Bandgeschich­ Gegensatz zu vielen anderen Ensemb­
vergessen Sie ABBA und freuen Sie sich te war die Gruppe auf allen Kontinen­ les schafft, ein wesentlich breiteres
auf dieses Konzert im Rahmen des 19. ten, bei unzähligen Festivals und in Konzertpublikum anzusprechen als die
A­cappella­Festi­ A­cappella­Szene.

The Real Group

Seite 5

Konzerte | „4Sax“ KOMPASS |Januar

Saxofonklänge in PERFEKTION

S eit seiner Gründung 2010 hat sich das Saxofonquar­ auch der Amerikaner Lennie Niehaus. Letzterem widmete
tett „4Sax“ aus Schortens einen großen Namen in Martin Stritzel besonders den vierten Satz seiner Suite No 1,
der Kammermusik für Bläser gemacht. Am Sonntag, 24. Ja­ die er zum fünften Gründungstag von „4Sax“ komponierte.
nuar, sind Martin Stritzel, der das Quartett gründete, Tho­ Sie wurde mit großem Erfolg am 12. April 2015 in der St.Flo­
mas Lisse, Christof Berner und Daniela Baumann, geborene rian­Kirche Sillenstede uraufgeführt.
Hirth, ab 17 Uhr in der Stadtkirche Jever zu erleben. Der
Eintritt ist frei. „Es ist unser erstes Konzert seit vier Jahren Fünf Auftritte stehen bereits für 2016 fest, so am 1. April um
in der Stadtkirche“, erklärt Martin Stritzel. „4Sax“ möchte 19.30 Uhr in der St.Magnus­Kirche in Esens oder am 17. Ap­
die Zuhörer mitnehmen auf eine Zeitreise, so der Name ihres ril um 17 Uhr im Pumpwerk­Club, weitere können gerne
Programms. Die Gäste dürfen sich u.a. auf ein Medley aus hinzukommen. „4Sax“ spielt auf privaten Feiern, wie zur
Anatevka“, die Ouvertüre aus
Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Hochzeit von Daniela Baumann
„Cosi van Tutte“, Jazzdance aus am 28. Mai, ebenso wie zu Preis­
der „West Side Story“ und Musik verleihungen wie dem Deutschen
von Glenn Miller freuen. Ingenieurpreis im Volkswagen­
werk Emden, zu Empfängen, Ver­
Die Bandbreite ihrer ausschließ­ nissagen und vielen anderen Gele­
lich von Martin Stritzel selbst ar­ genheiten. Fast 400 Titel umfasst
rangierten Stücke reicht über vier das Repertoire der vier Saxofonis­
Jahrhunderte, von Barockkompo­ ten, zwölf Programme sind abruf­
sitionen bis zu Hits der Rockmu­ bar. Natürlich gibt es „4Sax“ auch
sik, sagt der 65­Jährige. Auch La­ auf CD für den Hörgenuss zu Hau­
tin­ und Popmusik ist im Pro­ se.
gramm. Adolphe Sax habe das
Instrument einst als Bindeglied Höhepunkt des Konzertjahres soll
zwischen Klarinette und Horn, al­
so zwischen Holz­ und Blechblas­ ein Besuch im fränkischen Neu­
instrument, entwickelt. Dadurch
sollten leisere Holzblasinstru­ stadt an der Aisch am 23. Oktober
mente gegenüber den Blechblä­
sern in den Orchestern verstärkt werden. Per Zufall kam es zum
werden, fügt Thomas Lisse an.
Der 54­Jährige spielt bei „4Sax“ das Baritonsaxofon, Mar­ Kontakt zwischen „4Sax“ und den
tin Stritzel das Sopransaxofon, Daniela Baumann das Altsa­
xofon und Christof Berner, Ensemblemitglied seit Mai dieses 4SAX Musikern von „Four Sax“. Dessen
Jahres, das Tenorsaxofon. Mitglieder, anders als die Berufs­

Die Blütezeit des Saxofons begann mit dem Übergang von musiker aus Friesland Laien, lu­
der Militärmusik zum Swing Anfang des 20. Jahrhunderts,
so Martin Stritzel. Damals sei das Saxofon als Soloinstru­ den die Norddeutschen zum Kul­
ment entdeckt worden. Jeder kennt wohl die Hits der 1970er
und 1980er Jahre wie „Baker Street“ von Gerry Rafferty mit turforum im dortigen Ratssaal ein. Ihnen schickte Martin
dem legendären Solo von Raphael Ravenscroft und „Care­
less whisper“ von George Michael. In der Fusionmusik und Stritzel seine Bearbeitungen, nach denen gemeinsam musi­
der Smooth Jazz­Szene ist das Saxofon von großer Bedeu­
tung. Viele berühmte Saxofonisten haben die „4Sax“­Mit­ ziert werden soll. Alle Arrangements hat Martin Stritzel auf
glieder inspiriert und beeinflusst, wie z.B. Gerry Mulligan,
Jan Garbarek, das weltberühmte Rascher­Quartett oder seine Mitmusiker zugeschnitten. Bei ihm zu Hause wird je­

den Montagabend geprobt. Der Profimusiker steckt voller

Ideen. Dieses Jahr möchte „4Sax“ ein Projekt mit neun bis

zwölf Musikern angehen. Gemeinsam soll klassische Bläser­

kammermusik aufgeführt werden. Dazu sollen Hornisten

und Fagottisten „4Sax“ ergänzen. Die Musiker haben Rie­

senspaß am Spielen ihrer facettenreichen Instrumente. Viele

Werke Johann Sebastian Bachs kommen zur Aufführung.

Der Barockkomponist sei durch seine Harmonien quasi der

erste Jazzer gewesen, meint Martin Stritzel. Auch im Swing­

stil klinge seine Musik wunderbar.

TEXT: HENNING KARASCH / FOTO: PRIVAT

Seite 6

KOMPASS | Januar Konzerte | Maria Lettberg I

„Skrjabin ist Science fiction“ Maria Lettberg ist eine außergewöhnliche Pianistin. Alexander Skrjabin auf acht CDs. Das war der An­
Obwohl die in Riga geborene Schwedin die üblichen fang“, sagt Lettberg. Ein ungemein erfolgreicher
Klassikpfade meidet, hat sie sich als herausragende Anfang. Maria Lettberg sei „allen pianistischen und
Künstlerin etabliert. Ihr Interesse gilt vor allem dem musikalischen Anforderungen der komplexen Rie­
Komponisten Alexander Skrjabin, ihm ist auch der senaufgabe gewachsen“, schrieb seinerzeit das Klas­
Klavierabend in der Wilhelmshavener Villa „Lug ins sikmagazin „Fonoforum“. Eine Riesenaufgabe? „Ja,
Land“ am 10. Januar um 16 Uhr gewidmet. KOM­ es war eine besondere Situation“, erinnert sich die
PASS­Mitarbeiterin Wianne Kampen hat Maria Lett­ Pianistin. „Weniger die technische Seite. Aber acht
berg in Berlin getroffen und erfahren, warum die Pia­ CDs in dreieinhalb Jahren – das ist relativ viel. Auch,
nistin den russischen Komponisten so sehr verehrt. weil ich vorher nur die Musik einer CD im Repertoire
hatte. Also habe ich viel gelernt. Denn ich muss ein
D er Himmel ist strahlend blau über Berlin. Stück auswendig können, damit ich es vollständig
Bilderbuchwetter im Herbst. Am Prenz­ beherrsche. Damit es so wird, als wenn ich es quasi
lauer Berg ist es jetzt geradezu idyllisch: Beschauli­ selbst geschrieben hätte.“ Maria Lettberg hat große
che Läden, sich aneinander reihende Szenetreffs; Ansprüche an sich selbst. Und sie ist ungemein ehr­
fernab vom Hauptstadtgetöse hat sich der Stadtteil geizig, schon seit frühester Kindheit: „Ich wollte im­
sein Flair als Künstlerviertel bewahrt. Das „Wohn­ mer Klavier spielen. Freiwillig saß ich vier Stunden
zimmer“, ein Café mit nostalgischem Charme, passt am Klavier, schon als Siebenjährige. Wirklich frei­
perfekt in diese Gegend. Hier kehren wir ein, ma­ willig. Ich wollte auf der Bühne sein.“
chen es uns in weich gepolsterten Sesseln gemütlich.
Zeit für ein intensives Gespräch mit Maria Lettberg. An einer lettischen Eliteschule für begabte Kinder
erhielt Maria Lettberg ihre frühe musikalische Aus­
Die Schwedin lebt seit rund zehn Jahren in Berlin. bildung, für das Studium zog sie dann nach Sankt
Es ist die Stadt, in der ihre internationale Karriere Petersburg. In Russland, wo legendäre Pianisten wie
begann. 2002 wurde sie bei einem ihrer Konzerte von Vladimir Horowitz oder Grigory Sokolov ihre Aus­
Deutschlandradio Kultur entdeckt: „Sofort ist ein bildung erhielten, wollte auch sie geschult werden.
guter Kontakt entstanden, und ich habe meine erste Weitere Studien unter anderem an der Sibelius Aka­
Aufnahme gemacht. Es war ein sehr großes Projekt: demie in Finnland folgten, um das Klavierspiel auch
Die Gesamtaufnahme des Solo­Klavierwerks von

Maria Lettberg

Seite 7

Konzerte | Maria Lettberg II KOMPASS | Januar

nach dem Konzertexamen noch weiter zu perfektio­ und Zukunft von Skrjabin. Und auch ein Stück aus heuti­
nieren. Eine gute Entscheidung: „Ich habe von Professor ger Zeit wird zu hören sein: „Werden und Vergehen“ von
Matti Raekallio sehr viel gelernt, pianistisch und auch Harald Banter. „Er ist eher ein Jazzmusiker, hat aber eine
menschlich. Er gab so sehr, sehr positive Impulse. Man kam klassische Ausbildung“, sagt Lettberg. „Meine Skrjabin­
aus seinem Unterricht und wollte unbedingt gleich auspro­ Aufnahme hat ihn so beeindruckt, dass er ein Stück schrei­
bieren, was er empfohlen hat. Das war wirklich gut.“ So ben wollte als Hommage an Skrjabin. Und er wollte es ger­
gut, dass Maria Lettberg an der Akademie auch promovier­ ne für mich schreiben, damit ich dieses Stück spiele. Wun­
te. Im Fokus ihrer Doktorarbeit: Alexander Skrjabin. derbar, habe ich gesagt.“ So entstand Musik, die trotz ihres
relativ einfachen Konzepts eine starke Wirkung hat, versi­
Was fasziniert die Schwedin so sehr an diesem Komponis­ chert die Pianistin.
ten? Immerhin ist er nicht unumstritten und gilt als Ex­
zentriker. „Es ist die große emotionale Spannweite seiner Sehr anspruchsvoll wird der Klavierabend schließlich
Musik“, erklärt Lettberg. „Von den ganz meditativen, ru­ durch Skrjabins „Vers la flamme“. „Das Stück basiert auf
higen Zuständen bis hin zur Explosion. Sehr expressionis­ der gleichen Idee wie Maurice Ravels ‚Bolero’“, erläutert
tisch ist das. Und es ist mir nah, es passt zu meinen inneren Lettberg. „ Am Anfang gibt es nur kleine Blitze, aber dann
Gefühlen, und ich kann mich sehr gut ausdrücken in dieser entsteht ein großes Feuer. Die Schwierigkeit des Stücks be­
Musik.“ Was keine Selbstverständlichkeit ist: „Skrjabin steht darin, diese Entwicklung, diese Steigerung hinzube­
braucht manchmal sehr schnelle Reaktionen“, weiß die kommen. Es muss wie eine Rakete abgehen.“ Intensive Mu­
Pianistin. „Es gibt Musik, die ein bisschen langsamer ver­ sik also. Ob Maria Lettberg sich ihr im Konzert emotional
läuft, etwas phlegmatischer – zum Beispiel Brahms. Den hingibt? „Eine Distanz muss bleiben. Als Interpretin muss
liebe ich sehr, er ist gefühlsmäßig auch tief, aber er hat Bo­ ich einen bestimmten Klang produzieren, und das muss im­
denhaftung, er ist irdisch. Bei Skrjabin ist alles luftig und mer kontrollierbar sein. Aber klar, einen gewissen emotio­
fliegend. Skrjabin ist Science Fiction.“ nalen Grad muss ich gehen, weil manche Stücke ein be­
stimmtes emotionales Niveau haben sollen“.
Maria Lettberg ist eine unglaublich engagierte Anwältin
der Musik Alexander Skrjabins. Sie spricht voller Über­ Im Verlauf des Gesprächs wird deutlich, wie tief die Pianis­
zeugung, ernsthaft und leidenschaftlich zugleich. Und sie tin ihr Repertoire verinnerlicht hat. Es ist Musik, die Maria
bewegt sich bewusst abseits des pianistischen Main­ Lettberg für sich ausgewählt hat, die ihr am Herzen liegt.
stream, sieht dies als ihre Verantwortung gegenüber der Und das ist auch der Qualität ihrer Interpretationen anzu­
Musik und dem Publikum: „Man möchte nicht jeden Tag merken. Höchstens 30 Konzerte im Jahr spielt die Schwe­
Pizza essen ­ egal, wie gut diese Pizza ist. Man möchte din, das gibt ihren Auftritten eine gewisse Exklusivität.
manchmal etwas anderes, und vielleicht etwas Neues.“ So Dahinter steckt aber vor allem der Wunsch, genügend Zeit
ist auch das Programm in der Villa „Lug ins Land“ keine für Neues zu haben. Nach hoch gelobten Aufnahmen mit
Alltagskost. Von Skrjabin spielt Lettberg mit der 5. und Musik von Alfred Schnittke (2008 und 2011) und Erkki Me­
10. Sonate repräsentative Werke, die zum einen das Sehn­ lartin (2011) wird Maria Lettberg auch in diesem Jahr wie­
suchtsvolle und Ekstatische, zum anderen das Meditative der pianistische Schätze heben, Konkretes verrät sie aller­
und Poetische in der Musik des Russen zum Ausdruck dings noch nicht. Dass man hohe Erwartungen haben darf,
bringen. Franz Liszt und Olivier Messiaen bieten dazu den steht indes außer Frage. Einer so leidenschaftlichen Pianis­
passenden Kontext: Komponisten von gleichem Kaliber, tin kann man einiges zutrauen.
Werke von ähnlicher Ästhetik, Musik aus Vergangenheit
TEXT: WIANNE KAMPEN / FOTOS: AGENTUR

Seite 8

KOMPASS | Januar Konzerte | Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven I

GeBrisllcanhtewr indmarsch
K lassik hat ihre eigenen Gesetze. Schließlich sagte der
bekannte österreichische Komponist Gustav Mahler Wen haben Sie denn für
nicht ohne Hintergedanken: „Das Beste in der Musik steht das V. Sinfoniekonzert
nicht in den Noten.“ Was er damit genau meinte, wird bei am 31. Januar um 20 Uhr
einem Besuch der „Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven“ in der in der Stadthalle Wil­
Stadthalle deutlich. Denn die Schönheit und Faszination helmshaven verpflichten
dieser Musik setzt sich nicht allein aus dem perfekten Zu­ können?
sammenspiel von Kompositionen und Instrumenten zusam­ Die Neue Philharmonie
men. Es ist vielmehr der Zauber zwischen den Klängen. Jene Westfalen mit ihrem Lei­
Magie, die einen ganzen Saal in stiller Demut lauschen lässt, ter Rasmus Baumann und
bevor frenetischer Applaus losbricht. der Sopranistin Annette
Damit der berühmte Funke zwischen Publikum und Orches­ Dasch.
ter überspringt, sind im Vorfeld viel Fachwissen und beinah
noch mehr Bauchgefühl im Spiel. Nicht jedes Ensemble Was zeichnet dieses Or­
passt zu jeder Stadt. An der Jade sorgt neben dem Intendan­
ten der „Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven“ Professor Tho­ chester aus? Annabel Brown
mas Albert dessen Assistentin und Projektleiterin Annabel Die Neue Philharmonie
Brown dafür, dass die Chemie zwischen Musikern, Solisten
und Dirigenten auf der einen Seite und den hiesigen Freun­ Westfalen, 1996 aus der
den klassischer Klänge stimmt. Dem KOMPASS verriet die
36­Jährige schon einmal vorab, was uns in diesem Monat er­ Fusion zweier Orchester des nördlichen Ruhrgebiets ent­
wartet.
standen, zählt zu den größten Klangkörpern in Nordrhein­
Rasmus Baumann
Westfalen und bewältigt pro Saison nahezu 300 Veranstal­

tungen im In­ und Ausland. Neben der Bespielung des Mu­

siktheaters im Revier Gelsenkirchen, Sinfoniekonzerten im

gesamten Ruhrgebiet und der Arbeit für Kinder und Jugend­

liche, hat sich das Orchester

in jüngster Vergangenheit

als Tourneepartner renom­

mierter Solisten wie Elena

Garanca, Lang Lang, Erwin

Schrott, Anna Netrebko

oder Angela Gheorghiu

einen Namen gemacht.

Solistin des Abends ist die

Sopranistin Annette Dasch.

Die Berlinerin studierte u.

a. an der Hochschule für

Musik in München und

zählt heute zu den führen­

den Sopranistinnen unserer

Zeit. Sie ist Gast der Bay­

reuther Festspiele, der

Salzburger Oster­ und

Sommerfestspiele und singt

an den renommiertesten

Opernhäusern in Mailand,

New York, London, Mün­

chen, Berlin, Dresden,

Wien, Paris, Florenz, Mad­

rid, Tokio und Brüssel.

Seite 9

Konzerte | Sinfoniekonzerte Wilhelmshaven II KOMPASS | Januar

Auf welche Musik dürfen wir uns jetzt freuen?
Es erwartet Sie auf jeden Fall ein großartiges Konzert, wel­
ches die „letzten Gedanken“ von Wagner und Strauss in
den Mittelpunkt stellt und zwei Lebenswege besichtigt.
„Ich denke, ich kenne besser als irgend Jemand das Unge­
heure, das Wagner vermag, die fünfzig Welten fremder
Entzückungen, zu denen Niemand außer ihm Flügel hatte“,
so Friedrich Nietzsche über die Droge Wagner. In „Parsi­
fal“ zeigt sich dieser hypnotische Sog ganz pur im Vorspiel,
einem wundersamen Dom aus Klang. Wagners letztes Büh­
nenwerk über die innere Reise des „reinen Toren“ und spä­
teren Gralsritters Parsifal ist voller Widersprüche und
rührt doch in tiefer Spiritualität an den letzten Dingen.
Auf diese richtete auch Strauss in den „Vier letzten Lie­
dern“ sein Denken. Das künstlerische Testament des 84­
Jährigen ist Ausdruck einer Altersweisheit, die auf alles
Überflüssige verzichtet. Doch die Lieder sind nicht Toten­
klage, sondern Liebesbeweis: Dokument seiner lebenslan­
gen Verbindung mit Pauline de Ahna, seiner kongenialen
Interpretin und über ein halbes Jahrhundert auch Ehefrau.
Nach einem brillanten Geschwindmarsch, der unweiger­
lich Applaus provoziert, ist Tschaikowskys „letzter Ge­
danke“ noch nicht zu Ende: In der „Pathétique“ folgt auf
den triumphalen Jubel noch ein weltschmerzlerischer Ab­
gesang. Die Pole des Lebens und des Todes hat Tschai­
kowsky im Schlussstein seines Schaffens bezwingend
gegenübergestellt.

Herbert von Karajan hat einmal gesagt: „Orchester haben

keinen eigenen Klang; den macht der Dirigent.“ Für wel­

chen Klang steht denn Rasmus Baumann?

In diesem Konzert steht Rasmus Baumann am Pult, der

nach bereits sechsjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit

mit der Neuen Philharmonie Westfalen als Chefdirigent

des Musiktheaters im Revier zur Saison 2014 / 2015 zum

Generalmusikdirektor berufen wurde. Sein Klang steht für

ein vielseitiges Musiktheater Repertoire. Im Konzertbe­

reich fokussiert er sich auf die historisch­informierte Auf­

führungspraxis. Er formuliert unter Körpereinsatz die Mu­

sik in eine Bewegung um, wie ein Tänzer, nur mit den Ar­

men. 2002 wurde er in das »Dirigentenforum«, das Förder­

programm des Deutschen Musikrates, aufgenommen und

gewann im Februar 2009 beim Deutschen Dirigentenpreis

im Konzerthaus Berlin den Sonderpreis des Dirigentenfo­

rums. FOTOS: BAUMANN / PRIVAT

Annette Dasch

Seite 10

KOMPASS | Januar Mut zur Lücke | Gevatter Wolf

Mut zur Lücke

Viele Märchen und Mythen ranken sich um den In dieser Ausgabe griff für den KOMPASS
engsten Verwandten des Hundes. Isegrim wird er bei­ Gevatter Wolf zur Feder.
spielsweise in einer Fabel von Johann Wolfgang von
Goethe genannt. Übersetzt bedeutet dieser Name
„knurrendes Eisen“, was nicht zuletzt der Fellfarbe
des Vierbeiners geschuldet ist. Ein Sympathieträger
war er daher nie. Rotkäppchen und auch die sieben
Geißlein werden das bestätigen. Deshalb freut sich
längst nicht jeder über die Rückkehr der grauen Tiere
in unsere Wälder. Dabei ist Gevatter Wolf ganz anders
als sein Ruf. Im Grunde ihres Herzens sind Wölfe näm­
lich hochsoziale und sehr anpassungsfähige Säugetie­
re. Wenn man so will, gleicht ein Rudel der Familie
Mustermann.

So leben die Wel­
pen des Vorjahres
meistens noch bei
ihren Eltern und
helfen ihnen bei
der Aufzucht der
diesjährigen Wel­
pen. Versuchen Sie
das einmal bei
einem typischen
Durchschnittsteen­
ager auf zwei Bei­
nen. Und während
bei uns in Deutsch­
land bereits jede
dritte Ehe geschieden
wird, ist der Wolf ein
ausgesprochen treuer
Zeitgenosse. Was ihn
sonst noch ausmacht,
erzählt er an dieser
Stelle selbst.

FOTO: AYAYASINSKAYA / FOTOLIA

Seite 11

Theater | Premiere „Laat us Lögen vertellen“ KOMPASS | Januar

LügenBARONE

M it der turbulenten Kriminalkomödie „Laat us Lö­ Damit treibt sie ihren Mann, den honorigen Rechtsanwalt
gen vertellen“ beginnt für das „Theater am Meer“ Karl­August, regelmäßig an den Rand des Wahnsinns. Aber
die zweite Hälfte der laufenden Spielzeit 2015/2016. Das irgendwann wird es dem Gutmütigen zu viel und sie muss
Stück stammt vom spanischen Erfolgsautor Alfonso Paso. ihm das Versprechen geben, nie mehr zu lügen. Aber genau
Auch in der Niederdeutschen Übersetzung von Dietrich damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Am Silvesterabend
Klaasen wird dem Zuschauer bei der Premiere am Sonn­ passiert etwas Unglaubliches, was zur Folge hat, dass ihr
abend, 23. Januar, um 20 Uhr im Schauspielhaus an der Kie­ nicht geglaubt wird, obwohl sie dieses Mal tatsächlich die
ler Straße 63 sowie bei den folgenden Vorstellungen so eini­ Wahrheit erzählt. Karl­August und sein treuer Freund Lü­
ges „spanisch“ vorkommen, denn es wird gelogen, dass sich der halten alles für eine weitere Lügengeschichte von Hella.
die Balken biegen.
Da erscheint einem das Sprichwort „Wer einmal lügt, dem
Bühnenleiter und Hausregisseur Arnold Preuß führt nach glaubt man nicht, auch wenn er gleich die Wahrheit spricht“
dem großen Erfolg von „Fro Pieper läävt gefährlich“ zum in einem ganz anderen Licht. Es passiert ein „Mord“ der
zweiten Mal in der laufenden Spielzeit Regie. „Laat us Lö­ eigentlich nicht passieren sollte, diesem folgt ein Zweiter.
ven vertellen“ hat er bereits in der Spielzeit 1992/93 mit Er­ Oder ist das alles auch nur eine Lüge? Den Zuschauer erwar­
folg für das Niederdeutsche Theater Neuenburg inszeniert, tet eine turbulente und unterhaltsame Boulevard­Komödie.
während das Ehrenmitglied Horst Jönck das Stück 1987/88
für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven (damals noch „Laat us Lögen vertellen“ besticht zu gleichen Teilen durch
im Stadttheater) auf die Bühne brachte. Situationskomik und Wortwitz. Da der Zuschauer ständig
einen Wissensvorsprung vor dem Ensemble auf der Bühne
Worum geht es in „Laat us Lögen vertellen“? Hella, die Da­ hat, genießt das Publikum die Verwicklungen und Verstri­
me des Hauses Canisius hat ein kleines Problem, sie erzählt ckungen auf der Bühne mit humoriger Distanz.
immer wieder kleine Geschichten und baut sie mit vielen
dramatisch erfundenen Zutaten fantasievoll weiter aus. So Weitere Vorstellungen im „Theater am Meer“ im Januar:
reiht sich eine Lüge an die andere, und in den meistens Fäl­ Freitag, 29. Januar, 20 Uhr
len bricht dann das ganze Lügengebäude in sich zusammen. Sonntag, 31. Januar, 15.30 und 20 Uhr

Seite 12

KOMPASS | Januar Theater | Premiere „Invasion!“

Identität
zwischen
Klischees
& aufgeklärtem
Weltbürgertum

E in Mann ohne Eigenschaften. Schattenhaft, bedroh­ den“. Geschichten, die, wie einst mündliche Überliefe­
lich, nirgendwo und überall: Abulkasem. Aber da rungen, in der Weitergabe immer mehr verändert wer­
fängt es bereits an: Ist Abulkasem überhaupt männlich? Ist er den, bis sie oftmals die Form von Verschwörungstheo­
oder sie überhaupt eine Person? Reichlich verwirrend und rien und Schauergeschichten annehmen – entsprechend
spannend wie ein Krimi. Das ist Jonas Hassen Khemiris Stück also unserer derzeitigen medialen und gesellschaftli­
„Invasion!“, das am 23. Januar um 20 Uhr im Stadttheater chen Wirklichkeit.
Premiere feiert.
Kimberlee Weaver vom „Institute for Social Research“
Am Anfang steht ein klassisches Theaterstück, in diesem ist an der Universität Michigan hat in Experimenten he­
Abulkasem das Sinnbild des bedrohlichen Fremden, ein ara­ rausgefunden, dass unser Gehirn irgendwann aufhört,
bischer Schurke, der die Tochter eines italienischen Grafen die Quellen eines Gerüchts oder einer Information zu
entführt. Jugendliche schnappen diesen Namen auf und Ab­ unterscheiden. Es macht dann keinen Unterschied mehr,
ulkasem wird fortan zum Begriff für alles, was „angesagt“ ist. ob wir ein und dieselbe Information von vielen verschie­
Er reist weiter um die Welt und durch verschiedene Kulturen denen Menschen hören oder nur immer wieder von der­
und ähnlich der stillen Post verwandelt er sich in das, was selben Quelle, wie zweifelhaft diese auch sein mag: wir
man gerade braucht: Ausrede und Sündenbock, Wunschbio­ halten sie irgendwann für die Wahrheit. Über diese
grafie oder Steckbrief­Fratze, von der arabischen Starregis­ Macht von Sprache sagte Jonas Hassen Khemiri in
seurin zum Terroristen oder zum Ballett tanzenden Kammer­ einem Interview mit der New York Times: „Deine Worte
jäger. Wer Abulkasem ist, hängt immer und vor allem davon können gegen dich verwendet werden, egal was du sagst.
ab, durch wessen Brille man ihn betrachtet. Er oder sie ist das Sogar Stille kann dahingehend interpretiert werden,
personifizierte Fremde, Projektionsfläche von Ängsten und dass sie mit irgendwelchen Klischees übereinstimmt.“
Fantasien. Jonas Hassen Khemiri spielt mit unseren Vorurtei­ Also, seien wir aufmerksam und versuchen wir, der
len, aber auch damit, wie sich im Zeitalter globaler Medien Quelle unserer Vorurteile auf den Grund zu gehen.
das Selbstverständnis von Individuen und Gruppen heraus­
bildet. Und nicht zuletzt mit der Wahrheit: Wie sehr wird eine Die Landesbühne bietet diese Spielzeit zum zweiten
Nachricht von unserer persönlichen Wahrnehmung und Fak­ Mal ein Stück aus dem Abendspielplan an, das sich ge­
toren, wie zum Beispiel unserem kulturellen Hintergrund, be­ zielt an Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene rich­
einflusst und im Anschluss modifiziert weitergegeben? Durch tet und somit eine Brücke zwischen dem Angebot der
diese Weitergabe und Veränderung entstehen in unserem Jungen Landesbühne und dem Abendspielplan schlägt.
Zeitalter von social media die sogenannten „urbanen Legen­
TEXT: BRITTA HOLLMANN / FOTO: LANDESBÜHNE

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Theater | Premiere „Arm aber sexy“ und „Salto im Klassenzimmer“ KOMPASS | Januar

D as Studio in der Rheinstraße 91 wird gerade leerge­ peinlich ist. Im Gegenteil, sie nimmt ihr Leben in die Hand:
räumt und die neue Studiobühne, das „TheOs“ am Angestiftet von einem Reporter, beginnt sie ihren eigenen
Bontekai, ist noch nicht bezugsfertig. Weil Übergänge span­ Youtubechannel, auch als der schon längst kein Interesse
nende Aufbrüche in etwas Neues sind und die Junge Landes­ mehr an ihr hat. Sie zaubert sich ins Netz und durchs Leben.
bühne zudem vorübergehend keine Spielstätte hat, macht Die Regisseurin Romy Lehmann hat sich für einen spannen­
sie aus dieser Not eine Tugend und geht dahin, wo Schüle­ den Weg entschieden, der die Grenze von Realität und Fik­
rinnen und Schüler sowieso die meiste Zeit des Tages ver­ tion in Frage stellt, denn den Channel gibt es wirklich (face­
bringen: in den Klassenraum. Gleich zwei Stücke für ver­ book/Kim_Mik) und die Frage, warum in einem der reichs­
schiedene Altersstufen stehen im Frühjahr auf dem Spiel­ ten Länder der Welt immer noch Kinder und Jugendliche zu
plan: „Arm aber sexy“ von Jörg Menke Peitzmeyer ab zwölf wenig Essen, zu wenig Chancen auf Bildung, zu wenig Res­
Jahren und die Uraufführung von „Salto im Klassenzim­ pekt bekommen.
mer“ von Frank Brüggemann und Frank Fuhrmann ab zehn
Jahren. Frank Fuhrmann, der Theaterpädagoge der Landesbühne,
hat im Vorfeld für „Salto im Klassenzimmer“ viele Inter­
Diese Theaterform, mit wenig technischem Aufwand, einer views und Gespräche mit Zirkusleuten verschiedener Gene­
Schauspielerin beziehungsweise einem Schauspieler und rationen geführt. Aus den unterschiedlichen Erzählungen
ohne Bühnenbild dem Publikum buchstäblich auf den Leib über den tollen Zusammenhalt von Großfamilien, harter
zu rücken, hat eine ganz besondere Qualität. Seine Stärken körperlicher Arbeit, Anfeindungen im und nach dem Zwei­
liegen in der Nähe zum Publikum und der Authentizität, die ten Weltkrieg als „fahrendes Volk“ und „Zigeuner“, über
es vermittelt. Im Anschluss an die Vorstellung findet bei das Nicht­Lesen­und­Schreiben­Können wegen ständigem
„Arm aber sexy“ ein Gespräch mit der Schauspielerin und Schulwechsel, den Besuch eines Artisteninternats und den
der Regisseurin statt. Bei „Salto im Klassenzimmer“ gibt es Vorteil von heutigen Online­Schulen hat er zusammen mit
danach einen Akrobatikworkshop. dem Artisten und Schauspieler Frank Brüggemann ein be­
wegendes Erzähltheaterstück mit akrobatischen Elementen
Da ist Kim, sechzehn Jahre und leider arm. Aber was heißt entwickelt, das nicht nur einen spannenden Einblick in eine,
das schon? Arm sind die Kinder in Afrika. Nach 45 Minuten den meisten von uns wohl eher unbekannte und faszinieren­
haben die Zuschauerinnen und Zuschauer mehr Ahnung: de Welt bietet, sondern auch der Prävention von Mobbing
Armut ist ein Thema, hier in Deutschland, mitten unter uns – und Ausgrenzung dient.
und zwar nicht, weil Flüchtlinge uns das Essen wegessen,
nein, weil die soziale Schere schon seit Jahren immer weiter Freier Verkauf: „Arm aber sexy“ am 14. Januar um
auseinanderklafft. Warum? Tja ... Kim erzählt aus ihrem Le­ 19 Uhr in der Franziskusschule Wilhelmshaven und am
ben: Von Weihnachten, als die Mutter kriminell werden 28. Januar um 19 Uhr im Neuen Gymnasium Wilhelms­
musste, damit auch mal was unterm Baum lag, von ihrem haven. Doppelvorstellung „Arm aber sexy“ und „Salto
Vater, der einfach keinen Job mehr kriegt, von Elternaben­ im Klassenzimmer“ am 11. Februar um 19 Uhr in der
den und Momenten an der Kasse bei Lidl, die Kim ihre Situ­ Franziskusschule Wilhelmshaven und am 17. März um
ation ganz klar vor Augen führten und ihr so zusetzten, dass 19 Uhr im Neuen Gymnasium Wilhelmshaven.
sie beschloss, dass ihr nun nichts, aber auch gar nichts mehr
TEXT: CAROLA UNSER & BRITTA HOLLMANN / FOTOS: LB

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KOMPASS | Januar Theater | Premiere „Der Vorname“ I

„Was wird es denn???“

J unge oder Mädchen?“, ist die nen Scherz aus Spaß Ernst und aus belastend ist, weil, wie im Stück ja
Frage, die als erste fällt, wenn einem kleinen Riss ein ganzes Trüm­ auch thematisiert, der Name immer
eine Frau ein Kind erwartet. Die Fra­ merfeld entstehen kann, sehen die Zu­ automatisch mit Adolf Hitler in Ver­
ge, die darauf folgt, ist immer dieselbe: schauer ab dem 9. Januar 2016 um 20 bindung gebracht wird. Jeder würde es
„Wie soll es denn mal heißen?“ Uhr im Stadttheater Wilhelmshaven. erstmal als Provokation betrachten
Regie führt die Hamburger Regisseu­ und wahrscheinlich denken, die Eltern
Mit dieser Frage beginnt in Matthieu rin Nina Pichler, der wir in dem fol­ seien Nazis oder hätten einen Rechts­
Delaportes und Alexandre de la Patel­ genden Interview einige Fragen zu der drall. Und witzig ist das auch nicht.
lières Komödie „Der Vorname“ ein Thematik des Stückes gestellt haben. Das wäre so das zweite, was man
Abend, den die Freunde Elizabeth, denkt, dass die Eltern besonders lustig
Pierre, Vincent, Anna und Claude Frau Pichler, welche Vornamen wären oder originell sein wollen. Die Antwort
wohl nie vergessen werden. Es sollte denn Ihre Favoriten? auf die Frage ist also ganz klar: Nein!
eine gemütliche Runde bei marokkani­ Also wenn es ein Mädchen werden
schem Essen werden, doch als Vincent würde, dann fände ich Anna sehr Mit welcher Figur würden Sie am ehes­
sein Vorhaben ankündigt, das Kind, schön. Oder Sara, Marie, Laura. Das ten einen Abend bei marokkanischem
welches Anna und er erwarten, nach wären meine Favoriten. Kann man ja Essen verbringen wollen und warum?
Benjamin Constants Romanhelden auch alles aneinandersetzen. Und bei Mhh, mit Claude. Er ist Künstler, er ist
Adolphe zu nennen, bricht er damit den männlichen Vornamen, uih, da Ästhet, hat Sinn für Schönes, ich glau­
einen Streit los, der wie ein Sturm gna­ wird es ein bisschen schwieriger. Da­ be, mit ihm könnte man einen sehr an­
denlos über die fünf Freunde hinweg­ vid, Jakob. Ja, das wären die zwei, die genehmen Abend verbringen – er ist
fegt und Staub aufwirbelt, der eigent­ mir jetzt einfallen. Max. nicht egoman. Ich würde auch zu Wort
lich noch eine Weile unter den Teppich kommen, er würde mir zuhören, ich
gekehrt bleiben sollte – was nicht nur Und was ist Ihre Antwort auf die Frage könnte mit ihm über meine Probleme
die Freundschaft aller Beteiligten hart „Darf ich mein Kind Adolf nennen?“ sprechen. Ja, das wäre mit Sicherheit
auf die Probe stellt, sondern auch de­ Also grundsätzlich würde ich erstmal ein schöner Abend, an dem ich keine
ren Leben für immer verändert. Wie sagen: Nein. Weil ich einfach denke, Angst haben müsste, dass alles irgend­
schnell durch einen vermeintlich klei­ dass es für das Kind später wahnsinnig wie kippt.

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Theater | Premiere „Der Vorname“ II KOMPASS | Januar

Der Vorname ist nur der Aufhän­ Nina Pichler
ger für das Familiendesaster: Welchen
Reiz hat das Stück für Sie?
Der Reiz liegt darin, dass es ein totales
Schauspielerstück ist, das heißt, dass
man, was mir auch immer große Freu­
de macht, die Figuren ganz fein arbei­
ten kann. Es sind einfach die unter­
schiedlichen Verhaltensweisen von
Menschen, die hinterfragt werden:
Wer funktioniert wie, wie verkauft
man sich nach außen, wann bricht eine
Fassade auf, was sagen sie, was meinen
sie wirklich, welche Missverständnisse
liegen in den Dialogen. Es gibt viele
Egomanen. Gerade die zwei Männer,
Pierre und Vincent, kommunizieren
am Anfang viel über den Hahnen­
kampf, wie ein Spiel: Wer bringt den
besseren Witz? Und irgendwann, und
das ist das Spannende an dem Stück,
kippt diese Komödie. Dinge werden
ausgesprochen, die sonst nicht ausge­
sprochen werden würden. Es kippt von
einer leichten Komödie ins Dramati­
sche, ins Chaos, so dass man denkt „Oh
Gott, jetzt schlagen sie sich gegenseitig
die Köpfe ein“ und dann kriegen sie
aber doch wieder die Kurve.

INTERVIEW: TOMKE MINDNER / FOTOS:LB

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KOMPASS | Januar Theater | Umzug I

Gustav Boehm

packt ein

Gustav Boehm

G ustav Boehm öffnet die Hintertür zum Studio Rhein­ gesprungen“, erzählt Boehm. Er dreht zwei Schrauben­
straße 91. Die Zuschauerreihen sind längst abge­ schlüssel in den Boden und hebt ein Stück heraus. Die Bret­
baut. Der Raum ist fast schon besenrein. Zum Jahreswechsel ter sind so dick, wie ein Finger lang ist. Darunter kommen
zieht die Landesbühne um. Für Boehm ist es bereits der beinahe ebenso dicke Holzdielen zum Vorschein: „Der alte
zweite Umzug mit der kleinen Spielstätte. Der Vorarbeiter Turnhallenboden.“ Schmunzelnd ergänzt er: „Was hat der
der Bühnentechnik erinnert sich noch gut an die provisori­ geknatscht, wenn man darauf lief.“
sche Bühne in der Turnhalle der Helene­Lange­Schule, wo
das damalige Junge Theater kurzzeitig beheimatet war, be­ In den vergangenen 24 Jahren hat Gustav Boehm im Studio
vor es im Herbst 1990 in der Turnhalle der ehemaligen Schu­ wohl an die 8000 Vorstellungen technisch betreut. „Und al­
le in der Rheinstraße 91 eine feste Bleibe fand. „Als sieben­, les nur, weil ich übern Winter was im Kühlschrank haben
achtjähriger Steppke bin ich hier im Turnunterricht herum­ wollte“, knurrt der alte Seebär. Geboren in Hamburg

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Theater | Umzug II

und aufgewachsen in Wilhelmshaven, haute er als Boehms Platz war an einem Schultisch neben der Zu­ Al
14­Jähriger zu Hause ab und heuerte in Hamburg auf schauertribüne. Von dort aus steuerte er Licht und Ton. da
dem erstbesten Schiff an. Der Bühnentechniker hat die „Wenn etwas schief ging, drehten sich 99 Köpfe zu mir Im
ganze Welt gesehen, ehe er vor 29 Jahren als Aushilfe um“, sagt er und lacht. „Wenn es geschneit hatte, muss­ da
bei der Landesbühne anfing. „Hier habe ich gelernt, mit ten wir vor jeder Vorstellung prüfen, ob das Dach der 13
Menschen umzugehen. Das habe ich vorher nicht ge­ Schneelast standhält. Und ab Windstärke sechs hörten de
braucht. Aber das ganze Herzen und Umarmen stört wir den Putz in der Außenmauer rieseln.“ nu
mich noch immer.“ Eines Abends kam der Anruf: „Kon­ tas
raad hatte einen Unfall. Kannst Du die Vorstellung ma­ An der Rückseite der Bühne, wo heute die Durchfahrt
chen?“ Er konnte. Und von da an war es Gustav Boehm, zum Parkplatz verläuft, ist auf historischen Aufnahmen La
der bei einem Großteil der Inszenierungen der Jungen vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein Anbau zu sehen. ne
Landesbühne das Publikum in den Saal ließ. „Konraad Um die Außenmauer ohne diesen zu stützen, wurde sie ge
mochte nicht so gerne früh aufstehen. Mir macht das vor zwei Jahren saniert. Gutachter befürchteten den­ wu
nichts aus. Deshalb hat er den Abendspielplan über­ noch statische Probleme. ch
nommen und ich die Junge Landesbühne“, erklärt Bo­ ha
ehm. Die Landesbühne musste sich also wohl oder übel eine Bü
neue Bleibe suchen. Und da kam das Oceanis ins Spiel. Si
Das Publikum durfte den Raum erst betreten, wenn die Das Unterwasserkino am Bontekai war seit 2011 ge­ de
Schauspieler aus den Garderoben über dem Eingang schlossen. Das Theater, das regelmäßig aus allen Näh­ las
gekommen waren und sich hinter dem Aushang postiert ten platzt, hatte einzelne Räume im Obergeschoss vorü­ To
hatten. Bis zum Vorstellungsbeginn mussten sie dort bergehend als Probebühne genutzt. Beim Anblick der ve
warten, denn der Weg durch den Zuschauerraum war sechs Meter hohen Decken entstand die Idee: „Hier üb
der einzige Bühnenzugang. müsste man Theater machen.“ Sc

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KOMPASS | Januar

ls Angelika Reichelt das Oceanis kaufte, schlug Inten­
ant Olaf Strieb ihr genau das vor und sie willigte ein.
m Oktober wehte der Richtkranz über dem Gebäude,
as vollständig entkernt und neu aufgebaut wurde. Am
3. Februar nimmt das Theater im Oceanis, kurz TheOs,
en Spielbetrieb auf. Strieb selbst inszeniert die Eröff­
ungspremiere, das Off­Broadwaymusical „The Fan­
sticks“.

arissa Gund, die technische Leiterin der Landesbüh­
e, vergewissert sich, dass alle Arbeiten rechtzeitig ab­
eschlossen sind. Die dicken Stahlträger in den Wänden
urden freigelegt und in Landesbühnen­Rot gestri­
hen. Der Bühnenboden ist neu und die Schauspieler
aben einen direkten Zugang von den Garderoben zur
ühne. In der neuen Spielstätte soll es wieder exakt 99
itzplätze geben, von der ersten Reihe ansteigend. Über
en Zuschauerrängen ist ein Balkon in die Wand einge­
ssen. Von dort aus steuert Boehm künftig Licht und
on. Der alte Seebär hat sein halbes Leben am Theater
erbracht, einen weiteren Umzug wird er wohl nicht
ber sich ergehen lassen müssen. Das Landesbühnen­
chiff hat er sicher in den neuen Hafen gesteuert.

TEXT/FOTOS: ALICE DÜWEL
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Theater | Aufruf KOMPASS | Januar

D ie Landesbühne sucht 99 Umzugshelfer, die am Mittwoch, dem
10. Februar, um 17.30 Uhr 99 Stühle von der Studiobühne in
der Rheinstraße 91 zur neuen Spielstätte im TheOs am Bontekai
transportieren.
Jeder Stuhl gilt als Eintrittskarte für den Besuch der Hauptprobe
von „The Fantasticks“, dem Off-Broadwaymusical, mit dem Intendant
Olaf Strieb das TheOs am Sonnabend, 13. Februar, eröffnet.
Erlaubt sind alle Hilfsmittel, die nicht motorisiert sind. Die
Karawane setzt sich mit Sack- und Schubkarren, Schlitten, Boller-
und Kinderwagen in Bewegung. Schon jetzt ein kleiner Trost an alle,
die keinen Stuhl ergattern konnten: Im Internet unter www.landes-
buehne-nord.de sowie auf den Facebook- und Twitter-Kanälen der
Landesbühne dürfen Sie für Ihr Lieblingsgefährt stimmen. Der Inha-
ber des schönsten Transportgerätes gewinnt eine Freikarte für den
Besuch einer Vorstellung im Stadttheater.
Von der Rheinstraße führt der Weg über den Valois- und den Gott-
hilf-Hagen-Platz bis zum Bontekai. Wer seinen Stuhl rechtzeitig
auf dem dafür vorgesehenen Platz im Zuschauerraum platziert hat,
bekommt noch vor der Eröffnungspremiere als einer der Ersten die
neue Spielstätte zu Gesicht. Um 19 Uhr beginnt Intendant Olaf
Strieb die Probe, also: Beine in die Hand nehmen und los!
Anmeldungen nimmt das Service-Center der Landesbühne,
Telefon: 04421/940115 entgegen.

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KOMPASS | Januar Kunst | Kunsthalle Wilhelmshaven

Meter BILDLEGENDE: REYNOLD REYNOLDS, SIX APARTMENTS, 2007
HD-VIDEO VON 16 MM-FILM ÜBERTRAGEN, FARBE, TON, 12 MIN IM BESITZ DES KÜNSTLERS
2 0unter

W attenmeer – Geest – Marsch: Die besondere geo­ punkt mit zwei Metern unter Null Parallelen zu anderen Ge­
grafische Lage des nord­westlichen Europas hat bieten in der Welt (wie New Orleans oder Bangladesch) auf­
mit dem Wattenmeer und den Tiefebenen eine Reihe unge­ weist. Welche Facetten entdecken Künstler heute im engen
wöhnlicher Landstriche hervorgebracht. Nun stellt sich die Bezug zwischen Wasser und Mensch, der Erkundung der
Frage, wie sich dieses Land im Zuge schleichender Klima­ Meereswelt unter und über Wasser oder der spezifischen
veränderungen auf neue Herausforderungen einstellen wird. Flora und Fauna des Wattenmeers? In die Ausstellung sind
Die Kunsthalle Wilhelmshaven hat Künstler und Künstle­ Schlüsselwerke des künstlerischen Diskurses eingebettet.
rinnen des Nordwestens aufgefordert, sich mit einer Arbeit Der in Berlin lebende amerikanische Künstler Reynold Rey­
an der Ausstellung „Zwei Meter unter Null“ zu beteiligen. nolds geht in seinem filmischen Werk „Six Apartments“
Damit steht das im Nordwesten einmalige Ausstellungspro­ (2007) der Ohnmacht des Menschen vor Naturkatastrophen
jekt in einer Reihe hauseigener Gruppenausstellungen der subtil nach, indem er in Split­Screens Personen in scheinbar
Kunsthalle Wilhelmshaven wie Top Secret, 2009, oder intakten Alltagssituationen nebeneinander stellt, die – je­
Schaufenster der Region, 2012, die von Künstlern des Nord­ weils voneinander unbemerkt – schleichend von einer unbe­
westens gestaltet wurden. stimmten Katastrophe eingeholt werden.

Schon wieder eine Ausstellung zum Klimawandel? Der Zenit Ein kleiner „Klimagipfel“ mit ausgewählten Vorträgen von
der Ausstellungen zum Klimawandel schien erstmals 2009 Fachleuten begleitet die Ausstellung. Die Ausstellung findet
erreicht, als eine Reihe von Foto­ und Skulpturaustellungen im Zusammenhang mit dem Kulturnetzwerk Weser­Ems
das immergleiche Bild schmelzender Eisblöcke oder Eisber­ „Land der Entdeckungen 2016“ (Untertitel: „Marsch, Moor,
ge ins Werk setzte. Der Einsatz von Wasser, dokumentari­ Geest, Wattenmeer“) statt.
scher Fotografie und pseudowissenschaftlichen Wissen­
schaftstechniken stand bei den künstlerischen Ausdrucks­ KURZ & KNAPP
formen im Vordergrund. Die Ausstellungsidee von „Zwei
Meter unter Null“ möchte den spektakulären Aspekten die­ Titel: „Zwei Meter unter Null:
ses vielfach in Fernseh­ und Filmdokumentationen aufge­ Eine Kunstausstellung zum Klimawandel im Norden“
arbeiteten Themas ausweichen und die vielmehr unsichtba­ Ort: Kunsthalle Wilhelmshaven
ren, ja schleichenden Veränderungen, die mit dem Klima­ Dauer: 31. Januar bis 28. März 2016
wandel einhergehen, aufzeigen. Im Zentrum der Ausschrei­ Vernissage: Sonntag, 31. Januar 2016, um 11.30 Uhr
bung steht die Vielfalt des sich wandelnden Lebens der
nördlichen Landschaftstopografie, die durch ihren Tief­ TEXT: KUNSTHALLE WILHELMSHAVEN

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Kunst | Sezession Nordwest Wilhelmshaven KOMPASS | Januar

Frisch geschnitten

H ermann Haiduck, 1938 in Wilhelmshaven geboren, rechten Blick in ein mit Brennstäben versehenes Reaktorbe­
hat im Laufe vieler Jahrzehnte zahlreiche Holz­ cken erinnert.
schnitte geschaffen. Und neben weiteren Drucktechniken
zählen auch Malerei, Skulptur und Fotografie zu seinem Re­ Überhaupt ist das gerade im amorph­abstrakten Bereich
pertoire künstlerischer Äußerungen. Motive und Themen reichhaltige Spiel von Linien, Flächen und Strukturen fein
stammen zuweilen aus seiner 40­jährigen Tätigkeit als Res­ ausdifferenziert, wobei die maßvolle Verwendung von Farbe
taurator sowie seiner theoretischen Beschäftigung mit einen entscheidenden Anteil zusteuert. Die Ausgewogenheit
Kunst, Kunstgeschichte und Archäologie. aller gestalterischen Mittel ist sehr ausgeprägt – keines
drängt sich in den Vordergrund, nirgends wird es laut oder
Unter dem Titel „Frisch geschnitten“ präsentiert er vom 7. schrill, Farbe nie bunt. Dabei ist unerheblich, ob die Bilder
Januar bis zum 2. Februar in der Sezession Nordwest aktuel­ Ansicht oder Aufsicht suggerieren oder sich bei der Betrach­
le großformatige, von überwiegend jeweils zwei Druckstö­ tung ein Wechsel, ein „Kippen“ ereignet. Die unterschiedli­
cken entstandene Farbholzschnitte. Zum Grundton chen Raumschichten bleiben stets parallel, ein sicheres Bild­
Schwarz gesellen sich ein Rot, Blau oder Gelb – in einem Fall gefüge ist nirgends gefährdet. Dass diese jüngsten Arbeiten
sind es die drei Farben zusammen. Dabei kann die Farbe von Hermann Haiduck auf einer eigenen künstlerischen
Schwarz konturierte fremdartige organische Gebilde flä­ Entwicklungslinie basieren, belegt er mit ausgewählten
chig ausfüllen, sich also einer zeichnerischen Struktur und Werken der vorangegangenen Jahrzehnte, die er im Neben­
Vorgabe unterordnen. Sie kann völlig unabhängig von raum im SCHAUfenster für aktuelle und regionale Kunst im
schwarzen Objekten oder Lineaturen wie in einer eigenen Nordwesten ausstellt.
Welt, auf einer eigenen Ebene ihr Eigenleben führen. So er­
wecken rundliche rote, mit weißen Adern versehene Gebilde TEXT/FOTOS: ALEXANDER LANGKALS M.A.
den Anschein außergewöhnlicher Blutkörperchen, die vor
einer sehr ausgefeilten rot­weiß­schwarzen Linienstruktur KURZ & KNAPP
zu schweben scheinen und zum Betrachter von einem
schwarzen Netz abgeschottet werden. Künstler: Hermann Haiduck
Ausstellungstitel: „Frisch geschnitten“
Farbe kann auch als verschieden starke Abstufung eines Ausstellungsort: Sezession Nordwest
Tons unter völligem Verzicht auf Schwarz zu einem strengen Ausstellungsdaten: 7. Januar bis 2. Februar 2016
geometrischen Linien­ und Flächengebilde gefügt sein, das Vernissage: 7. Januar, 19 Uhr
nicht zuletzt aufgrund der Lokalfarbe Blau an einen senk­ Einführung: Peter Geithe

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KOMPASS | Januar Wissen | WZ-Vorträge

WZ­VORTRÄGE

die Welt...
Durch

FROSTIG ... m
it der
T iefverschneite Wälder, mystisch flackerndes Nordlicht, durch Birkenwäl­
der streifende Elche und Rentierherden sind nur wenige Höhepunkte des 4. Januar 2016
hohen Nordens. Seit über 30 Jahren bereist der Fotojournalist Peter Fabel die ark­ Peter Fabel
tischen Regionen und berichtet über seine Reisen und Expeditionen durch Island, Schwedisch Lappland –
Grönland und Sibirien. Begleiten Sie ihn am 4. Januar im Rahmen der WZ­Vor­ durch den hohen Norden streifen
tragsreihe ab 20 Uhr im Neuen Gymnasium Wilhelmshaven in seiner neuesten Re­
portage bei seinen Streifzügen durch das einsame Lappland. Erleben Sie das Land 25. Januar 2016
und seine Bewohner im arktischen Winter bei Rentierschlitten­ und Skitouren Dr. Heiko Beyer
durch die tief verschneite Taiga oder im kurzen Sommer bei Kajak­ und Bergtou­ Von Rio zum Amazonas
ren sowie auf dem Rücken von Islandpferden in der nahezu unberührten Natur
nördlich des Polarkreises. Die neue Bild­ und Filmreportage ist mit Interviews,
Filmszenen und sorgfältig abgestimmter Musik unterlegt.

FEURIG 15. Februar 2016
Hartmut Krinitz
Schottland – weite Horizonte

7. März 2016
Stephan Schulz
Südafrika –
vom Kap zum Kilimanjaro

A lles ist vehement, die Sonne, das Licht, die Farben. Das Blau des Himmels 4. April 2016
schmettert hier stärker, das Grün ist tief und satt, die Erde dicht und rot, Wolfgang Senft
kein Maler kann auf seiner Palette glühendere, blendendere, schillerndere Farben Hamburg – die Schöne am Wasser
finden...“, so schrieb Stefan Zweig 1941 über Brasilien. Ganze acht Monate war
Dr. Heiko Beyer im größten Land Südamerikas unterwegs. Immer nahe bei den Beginn: Jeweils um 20 Uhr
Menschen und ihrer Kultur. Der Bogen überspannt Tausende von Kilometern, Veranstaltungsort:
reicht von der deutschen Vergangenheit des Südens über die Tafelberge der mysti­ Neues Gymnasium Wilhelmshaven
schen Hochebenen des Landesinnern bis hin zu den afrikanischen Traditionen des Mühlenweg 63/65 (Haupteingang)
Nordostens. Faszinierende Fotografien, begleitet von Originalgeräuschen und Wilhelmshaven
mitreißendem Live­Kommentar zeichnen am 25. Januar um 20 Uhr im Rahmen
der WZ­Vortragsreihe im Neuen Gymnasium Wilhelmshaven ein fundiertes und
abwechslungsreiches Bild dieses geheimnisvollen Landes am Amazonas!

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Wissen | Vortragsreihe im Waldorfkindergarten KOMPASS | Januar

Ein gesundes
Dutzend

Wissen ist Macht. Der Waldorfkinder­ Es gilt als das SOS­Mittel unter den stoffaufnahme der Zellen und den Flüs­
garten Wilhelmshaven startet daher Schüßler­Salzen, weil es besonders bei sigkeitshaushalt der Schleimhäute.
2016 eine vierteilige Informationsreihe. akuten Beschwerden schnell hilft.
Bis einschließlich April werden in der Das Stoffwechsel­Salz
Genossenschaftsstraße 107 A Vorträge Das Anti­Entzündungs­Salz Nr. 9 Natrium phosphoricum
rund um alternative Heilmethoden so­ Nr. 4 Das Salz reguliert den Säure­Basen­
wie die kindliche Entwicklung stattfin­ Salz Nr. 4 kommt immer dann zum Haushalt des Körpers und die Aus­
den. Den Anfang bildet am 27. Januar Einsatz, wenn die Schleimhäute ange­ scheidung der Harnsäure über die Nie­
um 19.30 Uhr die Heilpraktikerin An­ griffen sind. Egal, ob bei Magen­ ren. Damit ist es ein wichtiges Salz für
gelika Ricklefs. Im Mittelpunkt stehen schleimhautentzündungen, Blasen­ den Stoffwechsel.
dabei die Schüßler Salze. und Darminfektionen oder Rachen­
entzündungen. Das Reinigungs­Salz
D er Oldenburger Arzt Wilhelm Nr. 10
Heinrich Schüßler war be­ Das Nerven­Salz Das Mineral regt die Ausscheidungs­
reits in den 1870er Jahren davon über­ Nr. 5 Kalium phosphoricum funktionen an. Wer schon einmal ge­
zeugt, dass jede Krankheit durch eine Salz Nr. 5 fördert das Zusammenspiel fastet hat, kennt es auch als Glauber­
Störung im Mineralstoffhaushalt ent­ von Nerven und Muskeln. Kalium salz, das den Magen reinigt und den
steht. Auf der Suche nach einer un­ phosphoricum ist auch ein Munter­ Appetit zügelt. Mit Nr. 10 wird über­
komplizierten Heilmethode für die macher und baut gerade bei Dauer­ flüssiges Wasser aus dem Körper ge­
Selbstbehandlung entwickelte er die stress neue Kraftreserven auf. spült.
bekannten zwölf Schüßler­Salze.
Das Entgiftungs­Salz Das Schönheits­Salz
Das Straffungs­Salz Nr. 6 Kalium sulfuricum Nr. 11 Silicea
Nr. 1 Calcium fluoratum Eine der wichtigen Aufgaben von Salz Das Mineralsalz ist besser bekannt als
Das Bindegewebe wird durch Salz Nr. Nr. 6 ist das Reinigen des Körpers. Es Kieselsäure. Dank seiner kollagenbil­
1 dehnbarer. Die Haut bekommt befreit von Ballast und repariert Schä­ denden Wirkung ist die Nr. 11 ein zu­
Schutz, Spannung, gleichzeitig stärkt den an Haut und Nägeln. verlässiger Partner im Kampf gegen
und festigt es die Knochen, Sehnen vorzeitiges Altern, Knitterfältchen
und den Zahnschmelz. Das Schmerz­Salz und Krähenfüße.
Nr. 7
Das Aufbau­Salz Die Nr. 7 regt keine Prozesse im Kör­ Das Regenerations­Salz
Nr. 2 Calcium phosphoricum per an, sie bremst und dämpft sie eher. Nr. 12 Calcium sulfuricum
Es härtet die Knochensubstanz. Des­ Seit Langem bekannt als „Heiße Sie­ Die Nr. 12 findet sich unter anderem in
halb gilt das Mineralsalz als das wich­ ben“, beruhigt und entspannt das Salz. der Galle, der Leber und im Knorpel­
tigste Aufbaumittel unter den Schüß­ Der Name beruht auf der Anwendung: gewebe. Als Schüßler­ Salz ist sie ein
ler­Salzen. Die Nr. 2 spielt eine ent­ 10 Tabletten in heißem Wasser auflö­ wichtiges Reinigungsmittel des Orga­
scheidende Rolle bei der Regeneration sen, in kleinen Schlucken trinken. nismus: Das Salz klärt die Lymphe
nach Krankheiten. und fördert die Ausscheidung von
Das Regulations­Salz schädlichen Stoffen.
Das Immun­Salz Nr. 8 Natrium chloratum
Nr. 3 Ferrum phosphoricum Als Schüßler­Salz ist Natrium chlora­ (QUELLE: INTERNET/
tum ein Wasserregulator – es beein­ ANGABEN OHNE GEWÄHR)
flusst den Wasserhaushalt, die Nähr­

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KOMPASS | Januar Wissen | Leselust I

COFFEE TABLE BOOKS

COFFEE TABLE BOOKS – HIER IST DER NAME PROGRAMM. GEMEINT SIND DAMIT JENE BÜCHER, DIE ZU SCHÖN SIND,
UM SIE IM SCHRANK EINZUSCHLIESSEN. MAN MUSS EINFACH MIT IHNEN LEBEN. DESHALB LÄSST MAN SIE AUF DEM
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HAND. DIE SCHÖNSTEN DIESER EXEMPLARE STELLEN WIR IHNEN ZUKÜNFTIG IM KOMPASS VOR.

A llude ist eines der klangvollsten Labels in Deutschland.
Seit der Gründung 1993 durch Andrea Karg hat das Unter­
nehmen maßgeblich dazu beigetragen, das Material Cashmere mit
neuen Designs populär zu machen und einer größeren Kundengrup­
pe zu erschließen. Der umfangreiche Bildband „Cashmere“ ist
Monographie und Grundlagenwerk zugleich. Andrea Karg und Berit
Grosswendt stellen das Material mit seiner besonderen Geschichte
und dem damit verbunden Handwerk in emotionalen, wunderschö­
nen Bildern und einem fundierten und umfassenden Text vor. Auf
einer zweiten Ebene werden Allude, die Designs und die Menschen
hinter dieser Marke vorgestellt. Dabei wird der kreative Prozess von
den Entwürfen bis zum fertigen Produkt erzählt, die Fashionshow in
Paris begleitet und die Entwicklung der Marke durch die verschiede­
nen Jahre anhand einer opulenten Bilderwelt vorgestellt. Das Buch
zum Thema!

N ew York, Rio, Tokio – nie war Reisen einfacher und die Welt
vernetzter, als in der heutigen Vielfliegergesellschaft. Dabei
sind Flughäfen nicht nur Verkehrsknotenpunkte, sondern oftmals Bei­
spiele großartiger Architektur. Die Neuerscheinung „Faszination Flug­
hafen“ stellt die interessantesten Airports der Welt mit opulentem
Bildmaterial und professionellen Plänen vor. Klassiker wie Charles de
Gaulle in Paris mit seiner beeindruckenden Passagierhalle oder JFK in
New York mit Eero Saarinens monumentalem Terminal sind ebenso
vertreten wie Geheimtipps à la The Rock in Wellington oder Utopien
wie Norman Fosters Spaceport America in Mexiko. Spannende Hinter­
grundgeschichten, persönliches Insiderwissen und exklusive Inter­
views gehen der Faszination Flughafen auf den Grund. Ein Surfer, der
mehr Flugmeilen sammelt als alle Top­Manager. Star­DJ Paul van
Dyk, dessen Lautsprecherdurchsagen­Intro wir bald in Berlin­Bran­
denburg hören werden. Doch dies sind nur einige Themen in diesem
Architekturbuch. Ein Muss für alle architekturaffinen Flugreisenden.

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Wissen | Leselust II KOMPASS | Januar

Jan Weiler Jan Weiler liest aus:

„Mein Leben als Mensch“

D ie Buchhandlung Prien präsentiert den Bestseller­Autor
Jan Weiler am 11. Januar um 19.30 Uhr im Wilhelmshave­
ner Pumpwerk. Jan Weilers Bühnenprogramm enthält die besten
Kolumnen der Serie „Mein Leben als Mensch“, die jede Woche
unter anderem in der „Welt am Sonntag“ erscheinen.

Im Zentrum der Geschichten stehen neben Alltagsbeobachtungen
vor allem Einblicke in das wundersame Treiben des familieneige­
nen Pubertiers und seiner Freunde. Außerdem immer mit dabei:
Ehefrau Sara, Sohn Nick, der italienische Schwiegervater Antonio
Marcipane und jede Menge neue und weitere Figuren.

Geschmökert

den 14 Jahren seines Lebens, die er in

Karl Ove Knausgård : „Träumen“, Roman der norwegischen Stadt Bergen ver­
Keine Peinlichkeit wird ausgelassen: Karl Ove Knausgard offenbart sich scho­
nungslos selbst. Nun erscheint der fünfte von sechs Bänden seines autobiografi­ brachte. Es sind die Jahre seines Er­
schen Riesenwerks. In „Träumen“ erzählt der Schriftsteller die Zeit seines Erwach­
senwerdens in der norwegischen Stadt Bergen. Gestandene Kritiker ­ tatsächlich wachsenwerdens. Hier beginnt Knaus­
sehr oft männliche ­ berichten mit feuchten Augen von ihrer Knausgardmanie, von
dem Rausch, in den sie bei der Lektüre des literarischen Riesen­ gård, an seiner Zukunft als Schrift­
projekts versinken.
steller zu arbeiten, ein Studienplatz an

der Akademie für Schreibkunst steht

am Beginn seines

Aufenthaltes. Es fol­

gen Studienjahre,

eine Ehe, die schei­

M it dem Titel „Träumen“ legt der tert sowie erste
norwegische Autor Karl Ove
Knausgård den fünften Band seiner Se­ Knausgård berichtet schriftstellerische
rie autobiographischer Romane vor. ungeschminkt über
Karl Ove Knausgård, 1968 in Oslo ge­ den Alltag seines Le­ Erfolge. Am Ende
boren, ist derzeit Norwegens erfolg­ bens, seine Irrtümer,
reichster Schriftsteller. In seiner auf 6 Fehler, über seine dieses Lebensab­
Bände angelegten radikalen Lebens­ Ängste und Exzesse.
beichte erzählt Knausgård von ver­ Er beschönigt nichts, schnitts in der Küs­
schiedenen Stationen seines Lebens, gibt nicht den Hel­
von Kindheit, Schule, vom Lieben und den, erzählt Ge­ tenstadt Bergen
vom Sterben. Alle seine Romane sind schichten von Höhen
von atemberaubender Offenheit und und Niederlagen. kauft sich Knausgård
Authentizität.
Im soeben erschienenen Band „Träu­ ein Zugticket und
men“ berichtet der Schriftsteller von
flieht nach Stock­

holm.

(Vorgestellt von
Karin Rombusch,
Bibliothekarin der Stadt­
bibliothek Wilhelmshaven.)

Seite 26

KOMPASS | Januar Wissen | Leselust III

Zeit für BÜCHER

WENN DIE TAGE KALT UND UNGEMÜTLICH SIND, HABEN
BÜCHER HOCHKONJUNKTUR. AUF BURG KNIPHAUSEN
WERDEN DESHALB ZU DIESER JAHRESZEIT DIE
SCHÖNSTEN NEUERSCHEINUNGEN AUS DER WELT
DER LITERATUR VON HEIKE PRINZ UND CHRISTINE
MÜLLER VORGESTELLT. DREI PRÄSENTIERT DER KOM­
PASS IN DIESEM MONAT.

Zeruya Shalev: „Schmerz“ Jami Attenberg: „Die Middlesteins“,
Berlin Verlag Schöffling & Co.
Auch in diesem Buch widmet sich Sha­ Die Middlesteins sind eine ganz nor­
lev wieder ihrem Lebensthema: Der male, mehr oder weniger zerrüttete
Liebe. Iris leidet als Attentatsopfer Familie, haben jüdische Wurzeln und
nicht nur an den Schmerzen ihrer leben in Chicago. Da gibt es die Eltern,
Wunden sondern muss sich bei der Edie und Richard, beide 60, und die er­
Wiederbegegnung mit ihrer großen Ju­ wachsenen Kinder Robin und Ben,
gendliebe mit dem damals erlittenen längst aus dem Haus und mit eigenen
emotionalen Schmerz auseinanderset­ Problemen kämpfend, sowie die En­
zen. Shalev wägt mit eindringlichen kelkinder Josh und Emily, beide 12,
Metaphern und Bildern die Frage ab: die bald Bar Mizwa feiern. Plötzlich
Kann man ein verpasstes Leben nach­ müssen die Middlesteins aber zusam­
holen? Intensiv und mit psychologi­ menhalten, als Richard seine überge­
scher Feinnervigkeit spiegelt sie die wichtige Frau Edie nach jahrelanger
innere Zerrissenheit und Obsession Ehe verlässt, um ein neues Leben an­
einer weiblichen Seele. zufangen, und bei Edie aufgrund ihres
Übergewichts Herzschwäche und Dia­
(Vorgestellt von Christine Müller) betes festgestellt werden. Nun müssen
alle an einem Strang zu ziehen, um
Marceline Loridan­Ivans: Edie zu retten. Warmherzig und mit
„Und Du bist nicht zurückgekommen“, viel Humor erzählt Jami Attenberg
Insel Verlag, diese Familiengeschichte, die oft sehr
Mit 15 Jahren wird Marceline Lori­ tragische Momente hat. Ein Roman,
dan­Ivans mit ihrem Vater aus Süd­ der einen nicht loslässt, den man unbe­
frankreich deportiert. Sie nach Birke­ dingt weiterlesen muss, und dessen Fi­
nau, er nach Auschwitz. Er stirbt, sie guren unendlich lebendig und aus dem
überlebt. Sein letztes Zeichen war ein Leben gegriffen sind.
Zettel, an dessen Inhalt sie sich nicht
erinnert. 70 Jahre später schreibt sie (Vorgestellt von Heike Prinz)
ihrem Vater einen offenen Brief, in
dem sie ihm davon erzählt, wie sie
überlebt hat und vor allem, wie es ihr
als Zurückgekehrte erging. Der
Schmerz des Verlustes und des Erleb­
ten ist auch nach so langer Zeit nicht
vergangen. Erschütternd und ein­
dringlich.

(Vorgestellt von Christine Müller)

Seite 27

Genuss | Koch-Blog KOMPASS | Januar

ZSutaatnend: kuppelkuchen
1 Zitrone
250 g Butter (sehr weich) 125 g Mehl
200 g Zucker

Blog ist in. (feinste Raffinade ) 2201­S,253a5TMfgtloaSBrnapadnecaikgrsepiennusetlävnrekre
Vor allem 1 Paket Vanillinzucker
Koch­Blogs 4 Eier
erfreuen sich
immer größerer 50 g Krokant
Beliebtheit. Food­
blogger, das sind die Zubereitung:
heimlichen neuen Stars Den Backofen auf 170 Grad Ober­ und Unterhitze einschalten. Die
der internationalen Foodszene. weiche Butter mit dem Zucker und dem Vanillinzucker schaumig rüh­
Hinter den immer wieder überraschen­ ren. Anschließend die Eier dazugeben. Ei für Ei, und zwischendurch
den Seiten im Netz stecken ideenreiche stets weiter rühren!
Multitalente, die im besten Fall eine un­
vergleichliche Mixtur aus Kochen, Das Mehl mit der Speisestärke und dem Backpulver vermengen und
Schreiben, Gestalten und Fotografieren durch ein Sieb gefiltert der Masse beigeben. Zum Schluss den Kro­
grandios beherrschen. Auch an der Jade kant unterrühren. Die runde Form einfetten und dann einzuckern.
wird eifrig gebloggt. Deshalb stellen wir
an dieser Stelle zukünftig die Rezepte Die Mandarinen und Orangen schälen und in ca. sechs Millimeter di­
von Laura Kutsche vor. Und zwar in die­ cke Scheiben schneiden. Nun die runde Form mit den Scheiben ausle­
sem Monat Sandkuppelkuchen mit gen. Am besten fängt man ganz unten an.
Orangen, Mandarinen und Krokant.
Vorsichtig den Teig in die Kugel füllen. Am einfachsten ist es, wenn
Frische Mandarinen mit der entspre­ man die Form in einen Ring einer Springform stellt. Nun in den vorge­
chenden Süße sind ein absoluter Ge­ heizten Ofen schieben und auf unterster Schiene für ca. 60 Minuten
nuss! Wer schon einmal in Marokko war backen. (Stäbchenprobe!) Anschließend den Kuchen – bei geöffneter
wird mich sicher verstehen! Berge von Ofentür – etwa 20 Minuten ruhen lassen. Aus dem Ofen nehmen und so
frischen Mandarinen türmen sich auf in der Form erkalten lassen. Dann stürzen und servieren!
dem Markt und alle haben grüne frische
Blätter dran. Eine neue runde Backform „Viel Spaß beim Nachbacken!“, wünscht die Laura
hat mich zu diesem Kuchen inspiriert.
Außerdem liebe ich Krokant und natür­ Hier noch der Link!!!
lich Mandarinen und frische Orangen! www.sweet­laura­blog.de/sandkuppelkuchen­mit­orangen­
mandarinen­und­krokant
Geschichtliches: Die ersten Mandarinen,
die nach Europa eingeführt wurden, ka­
men 1805 mit Sir Abraham Hume aus
Kanton/China nach England. Die Frucht
verdankt ihren Namen wahrscheinlich
den Mandarinen, also jenen hohen chine­
sischen Staatsbeamten.

Übrigens: Die Orange ist aus einer Kreu­
zung der Mandarine hervorgegangen,
und zwar mit der Pampelmuse. Wer hät­
te das gedacht?

Seite 28

KOMPASS | Januar Hinter den Kulissen | Elfriede Bandy und Ulrich Schilling I

die maritimen NETZWERKER

MENSCHEN HINTER DEN KULISSEN. DIE GU­ ABSTÄNDEN VORSTELLEN. DEN ANFANG
TEN GEISTER, OHNE DIE NICHTS LÄUFT. ES BILDEN ELFRIEDE BANDY UND ULRICH
GIBT SIE ÜBERALL. DER KOMPASS WIRD SIE SCHILLING VON DER WILHELMSHAVENER
AB DIESER AUSGABE IN REGELMÄSSIGEN HAFENWIRTSCHAFTS­VEREINIGUNG.

E ine alte Seefahrerweisheit lautet: „Auf jedem unsere Arbeit natürlich sehr“, betont Ulrich Schilling. Und
Schiff, ob’s dampft, ob’s segelt, gibt’s einen, der die von den persönlichen Kontakten. Der ehemalige Luftwaf­

Sache regelt.“ Doch ohne Mannschaft kann kein Kapitän fenoffizier besucht daher selbst alle relevanten Messen: „Wir

volle Fahrt aufnehmen. Anders ausgedrückt, eine gute Füh­ setzen auf Kommunikation.“ Das gilt auch für die gute und

rung braucht eine ebenso gute Besatzung. Wenn man so will, enge Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Ministerien

ist sie die Handbreit Wasser unterm Kiel, die man in diesem an der Leine. „Manchmal ist Hannover nämlich ganz schön

Metier braucht, um sich zu bewegen. Nicht zuletzt deshalb weit weg von der Küste“, weiß er aus Erfahrung.

sind in Deutschland rund 400.000 Menschen in der mariti­

men Wirtschaft beschäftigt. Elfriede Bandy und Ulrich Denn nicht alles, was dort am Reißbrett entsteht, passt auch

Schilling gehören dazu. Beide arbeiten für die Wilhelmsha­ auf die lokalen Gegebenheiten. Elfriede Bandy nickt zustim­

vener Hafenwirtschafts­Vereinigung (WHV). Sie als Assis­ mend. „Deshalb geben wir auch Stellungnahmen zu den je­

tentin des Vorstands. Er als Geschäftsstellenleiter. Ihr Büro weiligen Gesetzesentwürfen oder geplanten Umweltmaß­

in der Wilhelmshavener Luisenstraße ist das Kompetenz­ nahmen ab. Schließlich wissen wir sofort, welche Unterneh­

zentrum der maritimen Wirtschaft. Alle Informationen über men von den jeweiligen Veränderungen betroffen sind“, fügt

den Hafen kommen hier zusammen. Von abzuarbeitenden die gelernte Schifffahrtskauffrau hin­

Projekten, aktuellen Geschäftsvermittlungen, bis zu den zu. Das gilt übrigens auch für die

neuesten Gesetzesänderungen sowie Hafenentwicklungs­ und Bebau­

deren Auswirkungen. ungspläne der Stadt Wilhelms­

haven: „Wir können die zustän­

Wenn man so will, ist es das digen Stellen sofort über die

Büro der kurzen Wege. Hier Auswirkungen für die maritime

werden Budgets verwaltet, Wirtschaft informieren.“

Mitglieder betreut und mit

viel Enthusiasmus Standort­ Es ist ein Geben und

marketing betrieben, Nehmen. Die WHV­

auch in enger Zu­ Mitglieder profitie­

sammenarbeit mit ren ebenfalls von

der Presse. Die den kurzen Wegen

WHV hat seit zwischen den Be­

ihrer Gründung hörden und der

vor 30 Jahren ein Hafenwirt­

umfangreiches schafts­Vereini­

Netzwerk aufge­ gung. Der enge

baut. Nicht zu­ Kontakt sei

letzt deshalb, wichtig, um die

weil sie sich einen Dinge in Bewe­

hervorragenden gung zu halten,

Ruf als Ideengeber bringt es Ulrich

und maritimer Schilling auf den

Wirtschaftsförde­ Elfriede Bandy und Ulrich Schilling Punkt.
rer erworben hat.

„Davon profitiert

Seite 29

Hinter den Kulissen | Elfriede Bandy und Ulrich Schilling II KOMPASS | Januar

Die Arbeit bringt den beiden Spaß. Vor allem jetzt, wo schüttelnd. Den Beweis hat er Schwarz auf Weiß. Er flattert
der Containerhafen und das Offshore­Geschäft langsam ihm annähernd tagtäglich auf den Tisch. Schließlich werden
Fahrt aufnehmen. „Man ist schon stolz“, sagen sie überein­ in seinem Büro auch die Presseberichte über den Hafen ge­
stimmend. Immerhin steckt viel Herzblut in den Projekten. sammelt. Waren es anfangs nur Negativschlagzeilen, so wer­
Das erklärte Ziel sei, dass sich immer mehr hafenaffine den die Berichte inzwischen zunehmend positiver: „Viele
Unternehmen vor Ort niederlassen. Das bedeutet Arbeits­ holen sich vorher bei uns die notwendigen Hintergrund­
plätze. Aber auch, dass mehr junge Menschen an die Jade informationen.“
kommen. Die WHV geht dabei mit gutem Beispiel voran.
Zeigt, was möglich ist. Weist auf Perspektiven in einer Zu­ „Doch“, darin sind die beiden sich einig, „wer den Hafen mit
kunftsbranche hin. „Wir bieten schon seit Jahren den hiesi­ all seinen Chancen und Facetten begreifen möchte, sollte ihn
gen Studenten der Medienwirtschaft Praktikumsplätze an“, sich einmal ansehen“. Und zwar nicht nur die großen Kräne
erläutert Elfriede Bandy. und die modernen Technologien am Tiefwasserhafen, son­
dern auch die innerstädtischen Kaianlagen. Dort, wo sich
Das schafft eine Verbindung. Zur Stadt. Zum Hafen. Gleich­ die Industrie bereits vor Jahrzehnten niedergelassen hat. Or­
zeitig ist es auch in gewisser Weise Aufklärungsarbeit. „Sie te geschäftigen Treibens, die beweisen, dass Wilhelmshaven
glauben gar nicht, wie viele immer noch meinen, dass der es verstanden hat, Tradition und Zukunft zu vereinen.
Wilhelmshavener Hafen nur aus dem Tiefwassercontainer­
hafen besteht“, sagt Geschäftsstellenleiter Schilling kopf­ TEXT: SCHMITZ / FOTO: LÜBBE

Internationale Gäste

S eit seiner Premiere vor über 50 Jahren war der D ie „Tanzakademie am Meer“ entführt uns am 17.
„Moscow Circus on Ice“ zu Gast in aller Welt. Am 24. Januar um 18 Uhr in der Stadthalle Wilhelmsha­
Januar treten die Künstler um 16 Uhr erneut in der Wil­ ven. In das Reich der Zuckerfee. Dort, wo sich Tee, Kaffee
helmshavener Stadthalle auf. und Schokolade ein Stelldichein geben und Nussknacker
sich in Prinzen verwandeln, Blumen Walzer tanzen und Sü­
Erleben Sie eine hochkarätige Eisshow aus Eistanz und ßigkeiten lebendig werden.
atemberaubender Zirkusartistik. Mit Anmut, Schönheit und
Eleganz sowie höchster technischer Präzision wird der Auf eine Reise in diese wunderbar romantische Welt der
„Russian Circus on Ice“ Sie in eine Märchenwelt entführen. Fantasie werden die Eleven der „Tanzakademie am Meer“
Lassen Sie sich von Dornröschen, dem Nussknacker, Cinde­ gemeinsam mit dem „Klassischen Russischen Ballett“ das
rella, der Schneekönigin und vielen mehr verzaubern. Publikum einladen. Bereits zum vierten Mal wirken Studen­
ten der Tanzakademie in einer Produktion des russischen
-C A R D 2016/2017 WZ­Card­Aktion: Ensembles mit. Die Kompanie würdigte übrigens die hohe
Inhaber der WZ­Card erhalten einen Qualität der Ballettschule in ihrer Schwanensee­Vorstel­
MKuondneink-Nar.1M8u0s7te5r0mann Gültig bis 31.12.2017 zehnprozentigen Nachlass auf den lung im vergangenen Januar spontan mit Szenenapplaus
Eintrittspreis. während der knapp bemessenen gemeinsamen Probenzeit.
Die WZ-Das Beste am Morgen!

Seite 30

Dies & Das | Kultur bunt gemischt KOMPASS | Januar

Neujahrskonzert: „Senza Replica“ DIES & Konzert: „Swinging Teens to Stage“
Freitag, 8. Januar, 20 Uhr, DAS und Sonnabend, 23. Januar, 20 Uhr,
Bürgerhaus Schortens Pumpwerk Wilhelmshaven
AUSSERDEM
Das Vareler Orchester ist einer der Das Jugendprojekt „Swinging Teens
leistungsstärksten Klangkörper der IM JANUAR To Stage“ ist aus einer Kooperation
Region. Musiker aus allen Teilen der mit dem Jazzclub Wilhelmshaven­
Weser­Ems­Region sind beteiligt. Ziel entwerfen. Die Ausstellung läuft in der Friesland e.V. mit seiner „Wilhelmsha­
des Orchesters ist es, sinfonische Mu­ Kunsthalle vom 22. bis zum 24. Januar. ven Bigband“ und der Musikschule
sik für Bläser professionell darzubie­ Wilhelmshaven entstanden. Das Pro­
ten, was eine Vollbesetzung in allen NWDUG­Vortrag: „Geschichte der jekt wurde am 14. April 2015 gestartet
Registern einschließlich Oboe, Fagott , Dynastie Oldenburg“ und befindet sich nun auf der Zielge­
Horn, Kontrabass und Perkussionsen­ raden. 17 Schüler vom NGW, der IGS,
semble unverzichtbar macht. Donnerstag, 21. Januar, 20 Uhr, der Franziskusschule und der Cäci­
Volkshochschule Wilhelmshaven lienschule, verstärkt durch einige Mu­
One­Man­Märchen: Joachim Król Prof. Dr. Gerd Steinwascher referiert siker der „Wilhelmshaven Bigband“,
Freitag, 15. Januar, 20 Uhr, auf Einladung der Nordwestdeutschen haben hart gearbeitet und eine Ju­
Bürgerhaus Schortens Universitätsgesellschaft (NWDUG) gend­Bigband gebildet.
über die Geschichte der Dynastie Ol­
„Seide“ ist der Geheimtipp auf den denburg in ihrer europäischen Dimen­ Vortrag & Nationalgericht: Nepal
deutschsprachigen Bühnen. Ein musi­ sion. Seit dem 15. Jahrhundert wurden Dienstag, 26. Januar, 19 Uhr,
kalisches One­Man­Märchen. Eine ge­ die Oldenburger, bis dahin ein kleines,
sprochene Ballade. Eine Meditation. eher unbedeutendes Grafengeschlecht Volkshochschule Wilhelmshaven
Die Reise eines Mannes auf dem Weg im friesisch­sächsischen Grenzraum, Ein kulturell­kulinarischer Abend:
zu sich selbst. eine führende Dynastie in Europa. Die Chhabi Lal Dahal lebt seit 14 Jahren in
Geschichte der Dynastie ist damit ein­ Wilhelmshaven. Er erzählt von seiner
Vortrag: „Neue Inseln im Watt“ gebettet in die europäische Geschichte Heimat. Aktuelle Bilder abseits der
Dienstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, der Frühen Neuzeit und des 19. Jahr­ Trekkingrouten begleiten den Besu­
Wattenmeer Besucherzentrum hunderts. cher und ermuntern ihn, mit Chhabi in
Professor Helmut Hillebrand, Leiter Dialog zu treten. Gelegenheit gibt es
der Arbeitsgruppe Planktologie des Konzert; Klaus Paier (Akkordeon) genug, denn Chhabi kocht und serviert
Instituts für Chemie und Biologie des & Asja Valcic (Cello) das traditionelle nepalesische Gericht
Meeres, stellt ein weltweit einzigarti­ „Dal Bhat“. Anmeldungen bei der
ges Projekt vor. Es ist bereits im Ge­ Freitag, 22. Januar, 20 Uhr, VHS unter der Telefonnummer:
lände zu sehen: Vor der ostfriesischen Burg Kniphausen 04421­164000 .
Insel Spiekeroog wurden zwölf künst­
liche Inseln von jeweils zwölf Quad­ Akkordeon trifft auf Cello. So selten Lesung: Ursula Poznanski und
ratmeter im Watt geschaffen, auf der die Besetzung ist, so ungewöhnlich Arno Strobel
die Forscher die Besiedlung durch Or­ sind auch die Klänge, die das Duo
ganismen untersuchen wollen. Klaus Paier und Asja Valcic auszeich­ Donnerstag, 28. Januar, 19.30 Uhr,
Infos: 04421­910733. net. Hier fließen Jazz oder Tango, Wal­ Buchhandlung Prien, Posener Str. 61,
zer oder Barockmusik ganz selbstver­
Architekturausstellung: Entwürfe für ständlich tänzerisch leicht zusammen. Wilhelmshaven
einen Erweiterungsbau der Kunsthalle „Ein atemberaubend herb­süßes Das Autoren­Duo Ursula Poznanski
Akkordeon und ein Cello, das wie ein und Arno Strobel liest aus seinem ak­
Donnerstag, 21. Januar, 19 Uhr, Kontrabass marschieren kann“, be­ tuellen Thriller „Fremd“: Eine Frau.
Kunsthalle Wilhelmshaven schrieb der SPIEGEL das seit sechs Ein Mann. Ein Haus. Unterschiedliche
Jahren bestehende Duo. Wahrnehmungen. Je mehr sie die Si­
Unter der Leitung von Professor tuation zu verstehen versuchen, desto
Dipl.­Ing. Jürgen Arendt und Ulf verwirrender wird sie. Bald müssen
Janssen M.A. haben sich etwa 30 Stu­ sie erkennen, dass sie in Gefahr sind.
dierende des Bereichs Architektur der In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur
Jade Hochschule (WHV­Oldenburg) eine Rettung: Sie müssen einander
mit der Idee auseinandergesetzt, eine vertrauen. Tickets hierfür gibt es in
Erweiterung für den charaktervollen der Buchhandlung und an der Abend­
Bau der Kunsthalle Wilhelmshaven zu kasse.

Seite 31

Veranstaltungen | Tipps & Termine KOMPASS | Januar

Ausstellungen Joachim Król Senza Replica

AHNENSAAL Sonntag, 3. Januar Donnerstag, 14. Januar
BURG KNIPHAUSEN
Stepptanz: „Taptastic – Donnerstagsgespräch: „Flucht
Günter Grass Studentshowcase: The German über die Ostsee 1945“
„Arbeiten aus fünf Tapdance Festival“ 19.30 Uhr, Fedderwarder Gemeindehaus
Jahrzehnten“ 20 Uhr, Pumpwerk Wilhelmshaven
bis zum 7. Februar 2016 Kleinkunst: „Kom(m)ödchen-
Montag, 4. Januar Ensemble“
SCHLOSSMUSEUM 20 Uhr, Stadttheater
JEVER WZ-Vortrag: „Schwedisch Lappland“ Wilhelmshaven
20 Uhr, Neues Gymnasium, Wilhelmshaven
„Sefa. Die Malerin Freitag, 15. Januar
Josefa Egberts (1893 – 1941). Dienstag, 5. Januar
Ein Opfer der NS­Kranken­ One-Man-Märchen: Joachim Król
morde aus Friesland“ Stepptanz: „Concert of the Masters 20 Uhr, Bürgerhaus Schortens
bis zum 30. April 2016 Taptastic – The German Tapdance
Festival“ Sonnabend, 16. Januar
KÜSTENMUSEUM 19.30 Uhr, Pumpwerk Wilhelmshaven
WILHELMSHAVEN Kabarett: „Schlachtplatte 2016“
Freitag, 8. Januar 20 Uhr, Pumpwerk Wilhelmshaven
Ernst Volland
„Volland Macht Kunst“ Neujahrskonzert: „Senza Replica“ Kabarett: Florian Schroeder &
bis zum 3. April 2016 20 Uhr, Bürgerhaus Schortens Volkmar Staub
20 Uhr, Bürgerhaus Schortens
NORDSEEPASSAGE Sonnabend, 9. Januar
WILHELMSHAVEN Sonntag, 17. Januar
Premiere: „Der Vorname“
Dietmar Bökhaus 20 Uhr, Stadttheater Wilhelmshaven Ballett: „Nussknacker
„die RETTER im Bild“ 18 Uhr, Stadthalle Wilhelmshaven
150 Jahre Seenotrettung Sonntag, 10. Januar
vom 11. Januar Dienstag, 19. Januar
bis zum 31. Januar 2016 Neujahrskonzert: „Werden und Ver-
gehen – Hommage à Skrjabin“ – Vortrag: „Neue Inseln im Watt“
FRANZ­RADZIWILL­HAUS Klavierserenade mit Maria Lettberg 19.30 Uhr, Wattenmeer Besucherzentrum
DANGAST 16 Uhr, Villa „Lug ins Land“, WHV
FRANZ RADZIWILL Donnerstag, 21. Januar
Montag, 11. Januar
„Der Kosmos kann zerstört Vernissage: Architekturausstellung
werden, der Himmel nicht“ Lesung von Jan Weiler: mit Entwürfen für einen
bis zum 10. Januar 2016 „Das Leben mit dem Pubertier und Erweiterungsbau der Wilhelms-
andere Geschichten“ havener Kunsthalle
Seite 32 19.30 Uhr, Pumpwerk Wilhelmshaven 19 Uhr, Kunsthalle Wilhelmshaven

KOMPASS | Januar Veranstaltungen | Tipps & Termine

Gezeitenkalender

Ebbe und Flut Januar 2016

Hochwasser Niedrigwasser

Entwurf für einen Erweiterungsbau Tag Uhr Uhr Uhr Uhr

ENTWURFSZEICHNUNG: ISABEL AVERDAM UND CAROLIN ROSS/ 1. Fr 4.50 17.18 11.08 23.14
JADE HOCHSCHULE WILHELMSHAVEN-OLDENBURG 2. Sa 5.29 17.58 11.43 23.52
3. So 6.14 18.48 12.25
NWDUG-Vortrag: „Geschichte der Donnerstag, 28. Januar 4. Mo 7.12 19.51 –.– 13.22
Dynastie Oldenburg“ 5. Di 8.21 21.02 0.43 14.32
20 Uhr, Volkshochschule Wilhelmshaven Lesung: Ursula Poznanski und 6. Mi 9.31 22.08 1.50 15.43
Arno Strobel 7. Do 10.34 23.05 3.07 16.45
Freitag, 22. Januar 19.30 Uhr, Buchhandlung Prien, 8. Fr 11.28 23.55 4.18 17.39
Posener Straße 61, Wilhelmshaven 9. Sa –.– 12.17 5.18 18.29
Konzert: Klaus Paier und Asja Valcic 10. So 0.39 13.03 6.09 19.15
20 Uhr, Burg Kniphausen Unterhaltung: 11. Mo 1.21 13.48 6.56 20.00
„Die Nacht der Musicals“ 12. Di 2.03 14.33 7.41 20.43
Sonnabend, 23. Januar 20 Uhr, Stadthalle Wilhelmshaven 13. Mi 2.43 15.14 8.25 21.21
14. Do 3.23 15.55 9.07 21.56
15. Fr 4.06 16.40 9.46 22.37
16. Sa 4.54 17.27 10.27 23.23
17. So 5.44 18.16 11.13 12.00
18. Mo 6.37 19.12 –.– 12.51
19. Di 7.41 20.20 0.12 13.54
20. Mi 8.58 21.37 1.12 15.12
21. Do 10.17 22.50 2.28 16.30
22. Fr 11.27 23.53 3.50 17.37
23. Sa –.– 12.26 5.06 18.32
24. So 0.44 13.14 6.09 19.18
25. Mo 1.27 13.55 7.01 19.59
26. Di 2.06 14.32 7.45 20.37
27. Mi 2.44 15.08 8.25 21.13
28. Do 3.19 15.41 9.04 21.44
29. Fr 3.51 16.13 9.38 22.14
30. Sa 4.23 16.45 10.09 22.44
31. So 4.56 17.16 10.39 23.13
11.08

Premiere: „Laat us Freitag, 29. Januar Alle Angaben ohne Gewähr!
Lögen vertellen“ Angaben für Wilhelmshaven, Alter Vorhafen
20 Uhr, „Theater am Meer“, WHV Kabarett: Jürgen Becker Hooksiel: HW, 20 Minuten früher; NW, 8 Minuten früher
20 Uhr, Bürgerhaus Schortens Schillig: HW, 31 Minuten früher; NW, 14 Minuten früher
Konzert: „Swinging Teens to Stage“
mit der „Wilhelmshaven Bigband“ Sonntag, 31. Januar FOTO: PIXELIO
20 Uhr, Pumpwerk Wilhelmshaven
Vernissage: „Zwei Meter unter Null“ Impressum
Premiere: „Invasion!“ 11.30 Uhr, Kunsthalle Wilhelmshaven
20 Uhr, Stadttheater Wilhelmshaven Beilage der Wilhelmshavener Zeitung,
63. Jahrgang, 1. Januar 2016
Sonntag, 24. Januar Neujahrswunsch Verlag und Druck:
Brune-Mettcker Druck- und Verlags-GmbH,
Eisshow: „Russian Circus on Ice“ „Will das Glück nach seinem Sinn Parkstraße 8, 26382 Wilhelmshaven,
16 Uhr, Stadthalle Wilhelmshaven dir was Gutes schenken, Postfach 1265, 26352 Wilhelmshaven
(WZ-Card-Aktion) Redaktion:
sage Dank und nimm es hin Colla Schmitz
A-cappella-Festival: „The Real Group“ ohne viel Bedenken. Gestaltung Titelseite:
20 Uhr, Stadttheater Wilhelmshaven René Spielmann
Jede Gabe sei begrüßt, Foto Titelseite:
Montag, 25. Januar doch vor allen Dingen: hkuchera/Fotolia
Das, worum du dich bemühst, Anzeigen:
WZ-Vortrag: „Von Rio Thomas Schipper
zum Amazonas“ möge dir gelingen“ Anzeigen-Preisliste:
20 Uhr, Neues Gymnasium WHV Nr. 48 vom 1. Januar 2016
(Wilhelm Busch) Gerichtsstand:
Wilhelmshaven
Mitteilungen ohne rechtliche Verbindlichkeit,
Telefon (0 44 21) 488-0, Telefax 488-430.
Termine können nur veröffentlicht werden, wenn
sie bis zum 5. des Vormonats gemeldet sind.
Die Redaktion behält sich das Recht vor,
eingesandte Manuskripte zu kürzen.
Meldungen bitte an die KOMPASS-Redaktion,
Parkstraße 8, 26382 Wilhelmshaven,
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Telefon (0 44 21) 488-480.
E-Mail: [email protected]

Seite 33

Horoskop KOMPASS | Januar

Horoskop

für den Januar 2016

Wassermann 21. 1. bis 19. 2.

Mehr Geduld bitte. Die feurige Schütze-Venus bleibt noch bis zum 23. Januar anregend
an Ihrer Seite. Mars powert dabei mit so viel Energie, dass Sie etwas auf sich aufpas-
sen müssen. Folgen Sie dieser starken Antriebskraft bitte nicht unkontrolliert. In ge-
sundem Maß ist gegen Anstrengung allerdings nichts zu sagen.

Fische 20. 2. bis 20. 3. Krebs 22. 6. bis 22. 7. Waage 24. 9. bis 23. 10.

Sie haben eine richtig gu- Sie schwanken zwischen Bei Ihnen bestehen
te Phase und haben da- Rückzug und leidenschaft- gegensätzliche Aspekte
her allen Grund, optimis- licher Angriffslust. Sie ge- von Sonne, Merkur und
tisch in die Zukunft zu bli- hen mit Respekt an neue Venus. Es kann sein, dass
cken. Merkur hilft Ihnen zudem ab Aufgaben heran, entwickeln aber Sie sich schneller als sonst durch
dem 9. Januar ehrgeizig, konse- auch schnell einen gewissen Ehrgeiz, Worte verletzt fühlen und zurückzie-
quent und mit hoher Konzentration allen Anforderungen bestens ge- hen. Venus holt Sie aber wieder aus
Ihre Projekte zu bearbeiten. recht zu werden. Ihrer einsamen Höhle heraus.

Widder 21. 3. bis 20. 4. Löwe 23. 7. bis 23. 8. Skorpion 24. 10. bis 22. 11.

Liebesgöttin Venus meint Das neue Jahr beginnt Merkur und Mars sorgen
es bis 23. Januar noch mit einem Gefühlsfeuer- für ein gutes Miteinander.
sehr gut mit Ihnen. Da- werk: Venus regt Ihr in- Sie neigen aber dazu, über
nach passen sich die Ge- neres Feuer enorm an. Ihre Kräfte hinaus zu agie-
fühle allerdings den winterlichen Mars macht dominant und besitz- ren. Während Mars durch Ihr Zei-
Temperaturen an. Missverständnisse ergreifend. Aber ab dem 20. Januar chen wandert, fühlen Sie sich eben
häufen sich, Gespräche laufen in die weckt die Sonne neue Freiheitsbe- unverwüstlich. Klasse, dass die Son-
falsche Richtung. dürfnisse in Ihnen. ne zusätzlich Ihre Vitalität stärkt.

Stier 21. 4. bis 20. 5. Jungfrau 24. 8. bis 23. 9. Schütze 23. 11. bis 21. 12.

Kleine Missverständnisse Mit Ausnahme von Venus Super! Sie sind so richtig
in der Kommunikation lö- wirken die Planeten sehr in Ihrem Element. Kein
sen sich ab dem 9. Januar fördernd auf Ihr Wohlbefin- Wunder, denn Liebesgöttin
in Luft auf. Der Alltag den. Die Sonne stärkt Ihre Venus durchwandert Ihr
kann sich daher doch noch ein wenig Vitalität und Ausdauer. Mars schenkt Zeichen. Bis zum 23. Januar ist da-
aufreibend gestalten. Schöne Lie- Ihnen starke Energie und Wider- her Ihre Unternehmungslust erhöht.
besgefühle fließen ab dem 24. Janu- standfähigkeit. Folgen Sie Ihren Be- Stillstand wäre jetzt nicht gut und
ar und bringen eine stabile Basis. dürfnissen einfach mal spontan. würde Sie langweilen.

Zwillinge 21. 5. bis 21. 6. Grafiken: Patrick Tjarks Steinbock 22. 12. bis 20. 1.

Venus stellt zunächst Sonne, Mars und Merkur
einen richtigen Gute-Lau- regen Ihren Ehrgeiz an. Die
ne-Aspekt dar. Durch den Sonne stärkt aber nur noch
Schütze-Einfluss steigt Ihr bis zum 19. Januar Ihr
Unternehmungsdrang enorm an. Ab Wohlbefinden und Ihre Vitalkraft.
dem 20. Januar unterstützt auch die Tiefere Liebesgefühle können Sie ab
Sonne Ihre Flexibilität und Sponta- dem 24. Januar wahrnehmen, wenn
neität. Venus durch Ihr Zeichen läuft.

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