Mit zusätzlichem Bonus…und jetzt erst recht!-Kapitel: Eine Realsatire in Bildern und WortenSam V. FurrerAUSZUG aus dem Buch für Preview / KOSTPROBE
VorwortDie Strassen und Plätze der Stadt Zürich werdenimmer komplizierter, von Umbau zu Umbau, d.h.von Jahr zu Jahr, weil die Verteilung der Verkehrsfläche auf die verschiedenen Verkehrsträger immerdifferenzierter und filigraner wird. Das fällt einemvor allem bei den vielen verschiedenen Bauweisenvon Strassenrändern auf; etwa drei DutzendVarianten von Randsteinen verschiedener Grössenund Beschaffenheiten sind heute nötig, um dieVerkehrs-Überregulierung millimetergenau in Formvon Granit in den Boden zu betonieren, damitdieser dort unverrückbar liegen bleibt…bis zumnächsten Umbau.Das Velo in Zürich, vergleichbar mit der Kuh inIndien, rollt heute erschütterungsfrei übervollkommen schwellenlose Randsteine, die ganzspeziell zu seinem Wohle und zu seinen Ehrengeschaffen worden sind.Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz hatman noch weitere Randsteinmodelle in die Weltgesetzt, und zwar solche, die alles je Dagewesenein den Schatten stellen; Allein schon ihremonumentalen Abmessungen lassen erkennen,dass sie ein Zeichen setzen wollen. Siebeeindrucken mit ihrer raffinierten Funktionalität,mit ihrer luxuriösen Materialisierung, vollendetenGestaltung und meisterhaften Ausführung. DieSchöpfer dieser erhabenen Skulpturen desStrassenrands waren so stolz auf ihr Werk, dass sieihm liebevoll den wohlklingenden Kosenamen8\"Zürich-Bord\" gaben, als sie es mit einemumfassenden Sortiment von 24 Varianteneinführten. Das Zürich-Bord strahlt eine Wertigkeitaus, dass man sich fast nicht getraut, es mitblossen Händen zu berühren. Es ist dermassenexquisit, dass, wenn ein vermögender Mäzen oderKunstsammler es zu seinem persönlichenVergnügen in Auftrag gegeben und aus eigenemSack bezahlt hätte, man ihm fast «Bravo!» zurufenund einen Szenenapplaus widmen müsste.Was aber soll man davon halten, wenn derZürcher Stadtrat exklusiv für seine Stadt einenmassgeschneiderten Randstein entwickeln lässt,für dessen äussere Gestaltung eine renommierteDesignagentur beauftragt, so dass dieHerstellung nachher so irrsinnig kompliziert ist,dass der Randstein pro Laufmeter CHF 400 bis700 kostet und knapp 400 Kg wiegt?Was soll man dazu sagen, dass dieser in Chinaaus chinesischem Granit gesprengt, gebrochen,gesägt und teilweise von Hand gefräst wird, unddass er 20'000 km um die Welt geschifft werdenmuss, was pro Tonne Granit über 100 KgTreibstoff verbraucht und einen CO2-Ausstossvon 340 Kg verursacht?Und soll man lachen oder weinen, wenn manerfährt, dass die Stadt bis jetzt schon 12'000Laufmeter von diesen Randsteinen bestellt undmit Steuergeldern bezahlt hat?
Offensichtlich ist hier der Beschaffungsprozesseines marginalen Bauteils für den öffentlichenTiefbau total entgleist. Zürich hat dieses Bauteilentgegen jeglicher ökonomischen und ökologischen Vernunft beschafft, in einer Qualität, diekeiner braucht und nach der keiner gefragt hat, zueinem Preis, der mindestens fünfmal höher ist, alsnotwendig wäre, damit dieses Bauteil einfach nurseinen Zweck erfüllt. Was der Stadtrat entschiedenhat, ist nicht nur unverhältnismässig, sondernblanke, willkürliche Geldverschwendung.Auch wenn sich die Bevölkerung von Zürich längstan solche Exzesse gewöhnt hat, möchte ich dochin Erinnerung rufen, dass ein solcher Fehlentscheidrechtswidrig ist, weil er (mindestens) gegen Art. 5der Bundesverfassung verstösst. Diese unterstelltnämlich sämtliche Staatsausgaben dem Verhältnismässigkeitsprinzip, und das wurde hier mit Füssengetreten.Warum tut das der Stadtrat?Rot-grüne Politik ist Politik für die Minderheiten,und einige davon hat der Stadtrat zu seinenLieblings-Schosshündchen erkoren. Zu denenzählen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – dieVelofahrer, die Ausländer, die Quartiervereine, dieHäuserbesetzer, die Benutzer des öffentlichenVerkehrs und die Behinderten.Die Menschen in der Schnittmenge vonBehinderten und ÖV-Benutzern sind also quasiDoppel-Lieblings-Bürger. Ihretwegen hat man dasZürich-Bord entwickelt. Damit gehörte dasGeschäft für den Stadtrat automatisch auf denAltar der Symbolpolitik und ins Scheinwerferlichtdes Window Dressings. Hier musste er ein Zeichensetzen, und darum unterstellte er das Geschäftder Grundregel «Geld spielt keine Rolle».Zugegeben, die Randsteine sind wahrscheinlichnicht das grösste Problem dieser Stadt. Von daherkönnte man mit einem kopfschüttelnden «ach, ja!»darüber hinweggehen. Aber der Vorfall ist eben sowunderschön beispielhaft für viele andereFehlleistungen und Steuergeldverbrennungsaktionen dieser Regierung. Darum lohnt sich einBlick auf die Einzelheiten des Themas.Im ersten Kapitel dokumentiere ich dieBestandesaufnahme der RandsteinlandschaftZürichs und bleibe dabei noch ziemlich sachlich.Im zweiten Kapitel gehe ich weiter nach demMotto «wenn schon, denn schon» und skizziere zuHanden des Stadtrats eine Reihe von kreativenIdeen, um den Randsteinkult auf eine höhereEbene zu tragen, seine Symbolwirkung zu festigenund seinen Unterhaltungswert zu erhöhen.Im dritten Kapitel versuche ich, die Zusammenhänge im politischen Gesamtkontext zu deuten,deren Symptom der RANDSTEINKULT ist.Ich bedanke mich ganz herzlich für Dein Interesseund wünsche Dir nun ein süss-saures Vergnügenbei der Lektüre.Sam V. Furrer 9
1. Bestandesaufnahme S. 152. …und jetzt erst recht! S. 313. RANDSTEINKULT im politischen Gesamtkontext S. 38
FunktionalitätBeim Anfahren der Haltestelle berührt der Reifen desBusses das Bord und lässt sich von diesem leiten, sodass der Bus mit Kontakt zum Bord zum Stillstandkommt. So lässt sich der Spalt zwischen Trittbrettund Bord vermeiden.Das Trittbrett fährt für das Ein- und Aussteigenexakt auf der Höhe der Fahrgäste aus, so entstehtkeine Schwelle.ZierelementeDie untere Hohlkehle ist notwendig, um den Reifenlenken zu können, ohne ihn zu verletzen. Die obereHohlkehle hat keine Funktion. Sie sieht nur besseraus, wenn die Form von unten in der oberen Stufemit kleinerem Kurvenradius wiederholt wird.Die rundlichen Verjüngungensind auch ein Zierelement, da eskeinen funktionalen Grund dafürgibt – sie könnten ebenso gutgerade sein. Die Rundungenmachen die Form deutlichaufwändiger in der Herstelllung,weil man sie nicht sägen kann,sondern fräsen muss.Anfahrt HaltHerausforderungen bei der HerstellungGranit ist ein magmatisches Gestein, das etwa so hart ist wie der Quarz, den es enthält: Mohshärte 7. Es istsomit eines der härtesten Baumaterialien überhaupt. Eine moderne Seilsäge braucht sieben bis achtStunden, um einen Block zu teilen.Das Zürich-Board hat eine so komplizierte Form, dass nicht alles auf industriellen Sägen und CNC-Fräsenautomatisiert gefertigt werden kann. Weite Teile der Arbeit müssen von Hand, mit Handwerkzeugen erledigtwerden. Die Herstellung ist also extrem personalintensiv, und genau das ist der Grund für die Vergabe desAuftrags nach China; die Herstellung wäre beim schweizerischen Personalkostenniveau prohibitiv teuer.Rund ¼ des abgebauten Granits wird im Verlauf des Herstellungsprozesses pulverisiert (Abfall). Über denEnergieverbrauch und den Werkzeugverschleiss dabei sind keine Daten verfügbar. Beides musserfahrungsgemäss enorm hoch sein.Fazit: Das Zürich-Bord müsste aufgrund seiner Form im Formgussverfahren aus einem giessbaren Materialhergestellt werden, wenn man zu einer ökonomisch und ökologisch vernünftigen Lösung gelangen wollte.Das Bord aus einem Block Naturstein zu hauen, wie Michelangelo seinen David, ist unverhältnismässig teuerund insgesamt einfach nicht sinnvoll; das ist einfach eine Zwänggrinderei.17
22Eines Tages, meist früher als man denkt, kommt derTag, an dem die glorreichen Granitrandsteine einerBaustelle weichen müssen. Was passiert dann?Dann wird erst mal schweres Gerät herangekarrt,denn die gesamte Granit-Pracht am Strassenrandmuss mit dem Presslufthammer ausgebrochen, mitdem Bagger ausgehoben, sortiert und abtransportiert werden. Granit- und Betonbrocken mit demGewicht eines Kleinwagens müssen Meter für Meteraus dem tiefen Boden gestemmt werden. DieKosten dieser Dieselorgie und ihrer Lärmkulisse sindgenauso unverhältnismässig wie die Objekte, die siebewegen.Gleichzeitig kommt eine Legion von Beamten zumEinsatz, die mit Argusaugen darüber wachen, dassdie vielen umfangreichen und komplizierten Regelwerke über die Verwendung und Verwertung vonBaumaterialien, die hier gelten, lückenlos undzweifelsfrei angewendet werden. Dabei wird dieKluft zwischen dem Wunschdenken der Politik undden Gesetzen der Physik und der Bauindustrie impraktischen Alltag sichtbar.Zum Beispiel gehört Recycling zu Recht seit vielenJahren zu den höchsten Träumen der Politik.Tatsächlich lassen die ausgebauten RandsteineHoffnung aufkommen, denn sie sehen wie neu aus– sie waren ja auch nicht lange im Boden. Trotzdemsind sie in der Praxis fast nie wiederverwendbar,denn es gibt eine Vielzahl von Gründen, die dasverunmöglichen. Zwei Beispiele:Von der Wiege bis zur Bahre wirtschaftlich und ökologisch ein AlbtraumManche Steine wurden als Unikate für genau dieseeinzigartige Kurve passgenau hergestellt und lassensich angeblich in keine andere Kurve einfügen.Andere sind auf ihrer begehbaren Oberflächegestockt anstatt geflammt und gebürstet, wie essich neuerdings gehört. Beide Verfahren machenden Granit rutschfest für Fussgänger bei Regen undSchnee. «Gestockt» heisst mit dem Spitzeisen bearbeitet. «Geflammt» heisst mit einer extrem heissenGasflamme erhitzt, bis am Granit spontaneAbplatzungen entstehen. Diese sind so scharfkantigwie Glasscherben, weshalb sie mit Bürsten ausgehärtetem Stahl entschärft werden müssen.Danach fühlen sie sich in der Hand gleichangenehm an, wie die gestockten, sehen aber auchfast genau gleich aus. Nur Fachleute erkennen denUnterschied, der den wesentlich höheren Preis vongeflammten Steinen rechtfertigt. Diese loben diegeflammten für ihre überlegene «haptische Wahrnehmung im urbanen Raum». Ausserdem wissensie, dass modernste Laborgeräte den geflammtenschon heute etwas höhere Rutschfestigkeitsindikatoren attestieren, und dass diese darum einesTages zur Norm werden könnten. Sie empfehlenalso die Geflammten. Die Gestockten sind out.Gestockt Geflammt & gebürstet24
22Da wir an der Stelle der Geschichte bereits etwassensibilisiert sind, wissen wir, dass man mit Granitnicht jeden Jux treiben kann, der einem gradeinfällt, darum ahnen wir nichts Gutes.Die ausgemusterten Granitrandsteine müssen zueiner gewaltigen Industrieanlage hingebrachtwerden. Dort werden sie von riesigen Maschinenmit ungeheurem Energieverbrauch (bis 200 kW)zerbrochen und zerbröselt. Das erzeugt einenSchalldruck von bis zu 120 dB (soviel wie Serienfeuereines Sturmgewehrs, nur ohne Pause). Die Werkzeuge in diesen Anlagen sind aus hochlegiertemMangan-Stahl, einem der verschleissfestesten, denes gibt. Aber auch sie nutzen sich in ihremgnadenlosen Kampf gegen den Granit ab, als wärensie aus Pappe; sie müssen alle 3–6 Monate ersetztwerden. Das Endprodukt, das aus dieser brachialenVerarbeitung am Schluss hervorgeht, wird alsEdelsplitt bezeichnet und kann nach Normgrössensortiert als Baustoff verkauft werden.Damit ist denn auch die letzte Pflicht erfüllt. DieZürcher Verwaltungsbürokratie kann zufriedenFeierabend machen und den Schlaf des Gerechtengeniessen.Die Total Cost of Ownership hat wahrscheinlichnoch nie jemand gewagt zu berechnen, und wenndoch, dann ganz sicher nicht den Steuerzahlernweitererzählt. Wenigstens ist der gesamte Kreislaufvon A bis Z konsequent: Man wählt die teuersteLösung, baut sie teuer, reisst sie teuer wieder rausund verwertet das Material teuer.Selbstverständlich kommt man mit so vielSpitzfindigkeit, Perfektionismus und Expertengläubigkeit auf keinen grünen Zweig beimRecycling. Wenn man gebrauchte Randsteineernsthaft wiederverwenden wollte, müsste man sievor Ort triagieren, zu einem zentralen Lagertransportieren, reinigen, vermessen undkatalogisieren, instandsetzen, einlagern und dannbei Bedarf zeitgerecht wieder ausliefern – einlogistischer Albtraum, der so richtig ins Geld geht.Baufachleute winken ab. Am Schluss geht esschneller, zuverlässiger und billiger, wenn man allerückgebauten Randsteine durch neue ersetzt.Die nagelneuen Steine werden dann genau dort,wo man die Vorgänger mit enormem Aufwandherausgerissen hat, wieder tief in den Bodenbetoniert. Nein, natürlich nicht exakt am selben Ort,sondern einen Meter weiter links oder rechts, weildie Planer mit dem Umbau selbstverständlich auchdie Fahrbahn für den Individualverkehr noch weiterverengen mussten – unnötig zu erwähnen.Die ausgemusterten Granitrandsteine sind indesnoch nicht am Ziel. Ihre Odyssee geht weiter. Sieeinfach als Grubengut zu entsorgen wäre gemässder Verordnung über die Vermeidung und dieEntsorgung von Abfällen (VVEA) bundesweitverboten. Stattdessen müssen sie im Sinne einesDowncycling als ein anderer Baustoff verwertetwerden. Wie soll das gehen?25
In jüngster Zeit hat man eine baulicheDifferenzierung vorgenommen zwischen Absenkungen für Fussgänger- und Veloübergänge.Fussgänger müssen die Füsse 3 cm heben, Veloskommen in den Genuss von schwellenlosenÜbergängen.Ist diese Differenzierung wirklich nötig? Oder wärees für Fussgänger zumutbar, gelegentlich eineAbsenkung auf Strassenniveau zu benutzen, wiesie für Velos gebaut werden? Oder umgekehrt fürVelos die 30 mm zu überwinden? Der Stadtrat hatdies verneint, und sah sich gezwungen, dieseduale Lösung einzuführen. Diese hat natürlichenorme Folgekosten, weil in Zukunft bei jederStrassenbaustelle auch gleich die Randsteinanordnung umgekrempelt werden muss.Veloübergang (Absenkung auf Strassenniveau)Neue Absenkungen für Velos, anders als für FussgängerFussgängerübergang(Absenkung auf 3cm Anschlag)27Es gibt also drei Niveaus: Normal, Velo undFussgänger. Dazwischen gibt es Übergangssteine, die einen Phasenübergang vom einenNiveau auf das andere darstellen. Die gibt eseinmal linksrum und einmal rechtsrum. Zu dendrei normalen Randsteinen kommen also nochsechs Übergangssteine, macht zusammen neun.Komplizierter geht’s nicht. In der Industrie istKomplexität als erstklassiger Kostentreiberbekannt, den man versucht zu vermeiden. Aberder Stadtrat ist ja nicht in der Industrie, wo manauch die Kosten achten muss.
1Übergang vom normalen Randstein auf den Veloübergang. Dieser Stein stellt gleich zwei Phasenübergänge dar, von Normal auf Fussgänger und von Fussgänger auf Velo. Dies ist dem Architekten mit dem Kunstgriff eines doppelten Gefälles gelungen. Das erste Gefälle verläuft längs und erfasst den ganzen Stein. Das zweite verläuft quer, erfasst aber (im Grundriss) nur ein Viertel des Steins. Ein Meisterwerk! Praktisch jeder dieser Steine ist breit(25 cm) und schmal (15 cm) verfügbar.Die schmalen braucht man heute inZürich nur noch selten in Aussenquartieren ohne öffentlichen Verkehrund mit generell wenig Verkehr. In denDörfern auf dem Land sind sie aber derNormalfall. Die breiten sieht man dortselten.
1. Bestandesaufnahme S. 152. …und jetzt erst recht! S. 313. RANDSTEINKULT im politischen Gesamtkontext S. 38
Dieser zweite Abschnitt präsentiert eineSammlung von kreativen Ideen und innovativenVorschlägen zur Weiterentwicklung der Erfolgsgeschichte des Zürich-Bords. Dabei wird auf denbewährten Prämissen und weitsichtigen strategischen Stossrichtungen des Stadtrats abgestellt:• Das Zürich-Board ist ein in Granit gehauenesMahnmal für eine integrative Politik. Es ist derTatbeweis dafür, dass Zürich kein Preis zu hochist für Massnahmen, die für die Gleichstellungvon Minderheiten notwendig sind.• Zürichs einzigartige, skulpturale Randsteinesind gleichzeitig ein mutiges Statement für dasPrimat des öffentlichen Verkehrs: in ihninvestieren wir gern, ihm gehört die Zukunft.32…und jetzt erst recht!Die hier vorgelegten Ideen werden dem heuteschon fast legendären Zürich-Bord ein nochimmersiveres Erlebnispotential mit erhöhtemSpassfaktor verleihen. Gleichzeitig werden sie vieleweitere Akteure dieser Stadt in den Kultinvolvieren und damit die kulturprägende undidentitätsstiftende Symbolkraft des Zürich-Bordswirksam zu verstärken.Vor dem Hintergrund der überragenden Bedeutung dieser zukunftsweisenden Botschaftendürfen wir uns bei der Evaluation der hiervorgeschlagenen Ideen nicht von finanziellenErwägungen ausbremsen lassen. Darum gilt hierweiterhin: Geld spielt keine Rolle.
33Um den Quartiergeist zu fördern werden dieQuartiervereine eingeladen, ihren individuellenNaturstein zu wählen, der den Charakter desQuartiers reflektiert und idealerweise auchJedem Quartier sein individueller Granit oder MarmorFlunternAzul Macaubas, Brasilien, mit zwei Zierstreifen aus NickelLeimbach HönggRouge Incarnat, Frankreich, mit einem Zierstreifen aus gebürstetem MessingWipkingenGhibly Gold, Indien, mit Ornamenten aus geschmiedetem EisenLemurian Blue, Madagaskar, mit einem eingelegten Filet aus MalachitFarben des Quartierwappens aufnimmt. ZumQuartier Fluntern würde z.B. der Azul Macaubaspassen, ein seltener metamorpher Granit ausBrasilien. Weitere Ideen unten im Bild.
Zürich-Bords verwandeln Haltestellen in Wohlfühl-Oasen Die Zürich-Bord Steine haben ein Volumen vonca. 110 Litern.Da passen locker ein paar Geräte rein:• Leistungsfähiger HD Beamer• Audiosystem• Raumbeduftungsgerät• Netz- und LAN-AnschlussDann erklingen an den städtischen Haltestellenentspannende Tribal Ambient Sounds, verbreitensich lokal verankerte, saisonale Düfte (vegan) unddie Zürich-Boards projizieren je nach Jahres- undTageszeit einen Regenbogen an die Decke, denAndromeda Spiralnebel oder sonst ein erbaulichesMotiv.37Netz- und LANanschlussAbdeckungsgitterFenster für ProjektorWartungszugangLautsprecherRaumbeduftungsgerätProjektorDie hohe Aufenthaltsqualität macht Tram- undBushaltestellen zu urbanen Community-Aufenthaltsräumen und dynamischen Begegnungszentren. Die Stadt Zürich bedankt sich auf dieseWeise bei den Fahrgästen des ZVV für ihre klugeWahl der Verkehrsmittel.
1. Bestandesaufnahme S. 152. …und jetzt erst recht! S. 313. RANDSTEINKULT im politischen Gesamtkontext S. 38
Wenn man die Geschichte vom RANDSTEINKULTund dem Zürich-Bord zurückgelehnt im Sofa zumpersönlichen Amüsement zu sich nimmt, empfindetman sie vielleicht noch nicht als alarmierend. SolcheIrrläufer, Querschläger und Geisterfahrten können jamal vorkommen; Solange die Entscheidungsträgernoch Menschen sind, solange sie nicht vollkommenimmun sind gegen menschliche Schwächen wieHochmut, Grössenwahn, Eitelkeit oder zwanghaftem Perfektionismus, solange kommen solcheFehlleistungen vor. Ausserdem kommen sie regelmässig vor, wenn Entscheidungsträger anderjenigen Schwäche leiden, die Margaret Thatchereinst so treffend beschrieb:Wenn man hingegen ein bisschen weiter blättertdurch die grossen und kleinen Errungenschaftender Stadt Zürich in den letzten Jahren, erkennt mansofort, dass der RANDSTEINKULT kein Einzelfall ist,kein Ausnahmefall, kein Missgeschick und keineReaktion auf eine Fremdeinwirkung. Nein, nichtsdavon ist er.RANDSTEINKULT ist ein typisches Beispiel für einePolitik der systematischen, vorsätzlichen undpolitisch motivierten Geldverschwendung. DerFall illustriert geradezu idealtypisch ein sich wiederholendes Muster, und dieses hat auf denBeschaffungsmärkten, wo Gemeinwesen einkaufen,bei Zulieferbetrieben und selbst innerhalb derStadtverwaltung schon längst einen Namen:Geldverschwendung mit System Zürich Finish Das ist ein stehender Begriff in der Schweizer Politik.Er bezeichnet die systematische Neigung derStadtverwaltung, Problemlösungen zu finden, dieweit über das Notwendige hinausgehen, von einemfehlgeleiteten Perfektionismus und einem realitätsfremden Qualitätsanspruch geleitet sind, besondersaufwendig oder kompliziert sind und häufig zumassgeschneiderten Individuallösungen führen, diesowohl bei der Beschaffung als auch im Betrieb,Unterhalt sowie bei der Entsorgung hohe Folgekosten verursachen.Die Politik der Geldverschwendung ist aber keineswegs irrational oder widersinnig, sondern erfüllt ausSicht der regierenden Mehrheit einen klaren Zweck.Dies lässt sich mit einem Gedankenexperimentveranschaulichen:Stellen wir uns einmal vor, die Stadt Zürich würdeein Geldverschwendungs-Moratorium von zweioder drei Jahren beschliessen und dementsprechend drei Dinge verändern:• Darauf verzichten, jedes Jahr mit unnötigenPrestigeprojekten wie Leutschenbach einen zweistelligen Millionenbetrag zu versenken;• Darauf verzichten, jedes Jahr nach dem MusterZürich Finish neue Verschwendungs-Episodenwie RANDSTEINKULT in die Welt zu setzen;• Darauf verzichten, jedes Jahr mehrere hundertneue Sollstellen in der Verwaltung zu schaffen;(Fortsetzung S. 41)39«Socialists just love to spend other people’s money.»
Sam V. Furrer qKünstler | Fotograf | Autorwww.samvfurrer.comRainweg 14, CH-8902 Urdorf, Schweiz, +41 79 406 34 94, [email protected] ISBN 978-3-033-11970-3Sorry, das ist nur eine Kostprobe / Preview