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Lernauftrag Wattenmeer
Ziel: Wichtige abiotische Faktoren des Wattenmeers
kennen.
Die Bedeutung des Planktons und der
Kieselalgen als Lebensgrundlage erklären.
Anpassungen der Pflanzen an den salzigen
Lebensraum erklären.
Situation:
Wir werden uns zu einer vorher abgesprochenen Zeit mit dem Wattführer treffen. Beachten Sie dass das
Wattenmeer feucht-nass und schlammige stellen hat. Empfehlung Alte Turnschuhe (keine
barfussgehen wegen Verletzungsgefahr!). Ein kleines Frottetuch, trockene Socken, trockene Schuhe sind
von Vorteil.
W1. Lesen Sie vor der Führung den Text: „Lebensraum Wattenmeer.
W2. Notieren Sie sich alle Fragen zum Lebensraum Wattenmeer, die sich Ihnen beim Lesen
des Textes stellen und die für die ganze Gruppe von Interesse sein könnten. Während der
Führung können diese Fragen an den Wattführer stellen.
Das Wattenmeer
Zwei Drittel des Wattenmeeres gehören zum Auftauchbereich. Das ist jener Küstenstreifen, der
im Rhythmus der Gezeiten periodisch von Wasser bedeckt wir und wieder trockenfällt.
Der Wasserstandswechsel (Tidenhub) beträgt rund 3m.
Man nennt diesen Bereich das Watt oder Eulitoral.
Unter dem Einfluss der Gezeiten widerstehen nur einige beschalte Tiere dem ständigen
Wechsel von Überflutung und Trockenfall der Wattoberfläche. Die meisten leben im Wattboden
verborgen. Viele von ihnen sind mit dem sauerstoffreichen Oberflächenwasser durch besondere
Atemrohre verbunden.
Der Wattboden: In einem Zeitraum von 24 Stunden und 50 Minuten gibt die See in der
Gezeitenzone der Deutschen Bucht zweimal eine von Rinnen und Prielen zerteilte Landschaft
frei. Sichtbar wird ein 5 bis 15 km breiter Küstensaum mit graubraunen Bänken und Buckeln:
das Watt. Das abfliessende sowie das flutende Wasser erreicht Geschwindigkeiten von ½ m/s
im Watt und 1½ m/s in den Prielen. Dabei wird viel organisches und mineralisches Material
mitgeschwemmt.
Ebbe und Flut haben diese Landschaft geprägt und erneuern in stetem Wechsel den
amphibischen Charakter dieses Lebensraumes. Das Material der bei Ebbe begehbaren
Wattflächen unterscheidet sich kaum von jenem, welches auch die Böden der Seemarschen
bildet. Für die Anlandung gilt allgemein, dass das schwere und grobkörnige Material mehr
seewärts sedimentiert und das leichtere weiter an die Küste herangetragen wird.
Trittfeste Sandwatten säumen daher auch die Seeseite oder die Ufer grosser Priele.
Das Schlickwatt breitet sich in Strandnähe aus. Zwischen beiden erstreckt sich die
Mischwattzone.
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In allen Wattböden sinkt mit zunehmender Tiefe die Sauerstoffkonzentration. Wenig durchlüftete
Wattböden sind schon an ihrer Farbe zu erkennen. Während die in der Regel gut durchlüftete
Oberflächenschicht durch Bildung von Eisenhydroxid gelbbraun erscheint, bilden Eisen-Ionen in
den tieferen, sauerstoffarmen Lagen mit dem Abbauprodukt Schwefelwasserstoff Eisensulfid.
Dieses färbt die tieferen Bodenschichten schwarz. Die Bodenfarbe ist als Indikator anzusehen:
Mit zunehmender Schwärzung steigt die Schwefelwasserstoffkonzentration, und es verringert
sich der Sauerstoffgehalt.
Temperaturschwankungen im Watt: Der Einfluss der Temperatur wird im Wesentlichen durch
den Gezeitenwechsel bestimmt. Bei Überflutung herrschen verhältnismässig stabile
Temperaturen. In der Trockenliegezeit sind jedoch Extreme möglich, die einer erfolgreichen
Besiedlung Grenzen setzen. Die von ihnen ausgehenden Gefahren werden durch den Wechsel
von Überflutung und Trockenfall noch verstärkt.
Insgesamt stellt sich das Wattenmeer als ein von Veränderlichkeit in kurzen Zeiträumen
gekennzeichneter Lebensraum dar. Die in ihm vorherrschenden abiotischen Faktoren machen
diese Landschaft für viele Organismen unbewohnbar. Für andere aber hält das Wattenmeer ein
fast unerschöpfliches Nahrungsangebot bereit.
Siedlungsformen im Watt: Für viele Wattbewohner hat sich aus dem Wechsel von Überflutung
und Trockenfall die Notwendigkeit ergeben, nicht auf dem Wattboden, sondern in ihm
Existenzmöglichkeiten zu finden.
Die Wattorganismen lassen sich aufgrund ihrer Siedlungsform zwei Faunenkreisen zuordnen: der
Epifauna und der Infauna. Dementsprechend ist zwischen Arten mit überwiegend epibiontischer
und Arten mit überwiegend endobiontischer Siedlungsform zu unterscheiden.
a) Epibiontische Siedlungsformen: Für die Einteilung legt man die Verhältnisse während der
Trockenliegezeit zugrunde.
Zur Epifauna gehören u.a. zwei Weichtierarten (Strandschnecke, Miesmuschel) und eine
Krebsart (Seepocke). Für alle Epibionten ist kennzeichnend, dass sie weder zur
Nahrungsaufnahme noch zum Schutz gegen Austrocknung im Wattboden verschwinden. Im
Habitus zeigen die Epibionten eine gewisse Ähnlichkeit: Sie besitzen ein fest verschliessbares
Gehäuse. Dieses verringert die Gefährdung durch Austrocknung und Fressfeinde.
b) Endobiontische Siedlungsformen: Trichterförmige Bildungen zwischen Haufen aus
Kotschlingen, sternförmige und geweihartig verzweigte Spuren sowie dunkle Pusteln auf
gelblichem Boden sind Hinweise für das reichhaltige Leben im Wattboden. All die Fährten, die
die Endofauna hinterlässt, treten jedoch nicht beliebig nebeneinander auf. An manchen Stellen
im Watt überwiegen Trichter und Kotschlingen, an anderen bilden fransige Sandkronen dichte
Rasen und an wieder anderen prägen fingerdicke Löcher den Wattboden. Unter den Tieren der
Endofauna scheint die eine Art diesen, die andere jenen Bodentyp zu bevorzugen.
Die Endofauna gehört hauptsächlich drei Tierstämmen an: den Anneliden, den Weichtieren und
den Krebsen. Berücksichtigt werden von den Anneliden der Wattwurm (Arenicola marina), von
den Mollusken die Herzmuschel (Cerastoderma edule) und die Sandklaffmuschel (Mya arenaria)
und von den Krebsen der Schlickkrebs (Corophium volutator).
Der Wattwurm besiedelt sandige Wattböden. Haufen aus Kotschnüren und trichterartige
Vertiefungen kennzeichnen sein Siedlungsgebiet. Der Wohnbau des Wattwurms ist U-förmig.
Unter dem Trichter zieht ein heller Sandstrang in die Tiefe, die Kotschnüre bedecken das obere
Ende eines L-förmigen Ganges, dessen Wand häufig rostrot gefärbt ist.
Mit Hilfe peristaltischer Wellen leitet der Wattwurm einen Atemwasserstrom durch seinen
Wohnbau. Das Wasser strömt über den Kotgang ein, wird im horizontalen Gangabschnitt an den
Kiemen vorbeigeleitet und verlässt den Wohnbau wieder über den Sandstrang und den Trichter.
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Die Herzmuschel bewohnt das Mischwatt. Da sie nah an der Oberfläche lebt, wird sie häufig
ausgespült. Mit Hilfe eines wendigen Fusses und unter Kontraktion (Zusammenziehen) ihrer
Schalenklappen kann sie sich schnell im Wattboden vergraben.
Die Sandklattmuschel ist die grösste Wattmuschel. Sie besiedelt das Schlickwatt und das obere
Mischwatt. Ein langes, rückziehbares Atemrohr, der Siphon, verbindet sie mit der Wattoberfläche.
Der Schlickkrebs errichtet seinen U-förmigen Wohnbau im sandigen, lagebeständigen
Schlickwatt. Die Gänge des nur 1 cm langen Flohkrebses reichen bis in Tiefen von 6 bis 8 cm.
Wie die Vertreter der Epifauna so haben auch die der Infauna den Lebensraum Wattenmeer in
ein Mosaik von Siedlungsgründen zergliedert. Je nach den abiotischen Gegebenheiten tritt eine
bestimmte Art an einer Stelle in grosser Individuen-Zahl auf, an einer anderen nur spärlich.
Nahrungsangebot im Wattenmeer: Auf autotrophe Phytoplankter und einzellige Bodenalgen ist
der Nahrungsreichtum im Wattenmeer zurückzuführen. Er wird aber nicht allein im Wattenmeer
hervorgebracht. So wie es Spendegebiete für Wattsedimente gibt, so gibt es auch Spendegebiete
für die der Wattfauna zur Verfügung stehenden Nahrung. Ein hoher Anteil ist auf die Zufuhr von
Plankton (besteht zur Hauptsache aus einzelligen Pflanzen und aus tierische Geisseltierchen und
Kleinkrebsen) aus dem Küstenvorfeld der Nordsee zurückzuführen. Im Wattenmeerselbst ist die
von den Bodenalgen erzeugte Nahrung (Produzenten) von grosser Bedeutung. Die Mehrzahl der
einzelligen Bodenalgen gehört zur Gruppe der Kieselalgen (Diatomeen).
Diese leben auf dem Wattboden, wo ihnen genügend Nährsalze, Licht und Kohlendioxid zur
Photosynthese zur Verfügung stehen. An warmen Sommertagen können sie sich so stark
vermehren, dass sich Sauerstoffblasen bilden und sie den Wattboden mit einem gelbbraunen
Schleim überziehen.
Nahrungserwerb der Wattfauna: Seiner Herkunft gemäss liegt die Nahrung der Wattfauna
entweder suspendiert oder in fein verteilter Form sowohl auf als auch im Wattboden vor. Zur
Aufnahme und Anreicherung der Nahrung besitzen die Wattorganismen Techniken«, durch die
sie bestimmten Ernährungstypen zugeordnet werden können. Man unterscheidet z. B. Filtrierer,
Weider, Sammler und Sandfresser.
Zu den Filtrierern gehört die Mehrzahl der Muscheln. Besonders deutlich lässt sich der Vorgang
der Filtration des schwebstoffreichen Wattenmeerwassers bei der Miesmuschel verfolgen: Durch
eine weite, gelappte Einströmöffnung werden Schwebstoffpartikel mit dem Atemwasserstrom
aufgenommen. Über eine ovale, glattrandige Ausströmöffnung verlässt schwebstofffreies Wasser
die Muschel wieder. Die Leistung der Miesmuscheln ist enorm: Die Miesmuscheln im
holländischen Watt filtrieren in einer Woche einmal das gesamte Wasser des Wattenmeers!
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Weider und Sammler: Während die Mehrzahl der Muscheln das Plankton des Meerwassers als
Nahrungsquelle nutzt (bis 1mio.Pflanzen pro cm2, ernähren sich z. B. die Strandschnecke
(Weider) und der Schlickkrebs (Sammler) vom Detritus und von den an der Wattoberfläche
lebenden Kieselalgen. Die Strandschnecke nimmt den Bodenbelag mit Hilfe ihrer Raspelzunge
auf.
Sternförmige Kratzspuren von nur 1 cm Durchmesser deuten auf die Art des Nahrungserwerbs
des Schlickkrebses hin. Dieser Flohkrebs sammelt die Wattoberfläche ab. Hierbei verlässt er nicht
seinen Wohnbau. Mit den langen z. Antennen zieht er Ablagerungen auf dem Wattboden zur
Gangöffnung. Dabei entstehen die sternförmigen Spuren. In seinem Bau durchsucht er das
eingebrachte Material nach Nahrung. Sie besteht überwiegend aus Detritus und
Bodendiatomeen.
Der bekannteste Sandfresser des Wattenmeeres ist der Wattwurm. Der von ihm durch
peristaltische Wellen erzeugte Atemwasserstrom dient nicht nur dem Gaswechsel, durch ihn wird
auch der Sand im Sandstrang gelockert, so dass sich der Wurm, ohne seinen Wohnbau verlassen
zu müssen, stets nahrungsreichen Sand von der Oberfläche zuführt. Der Sand wird von einem
vorstülpbaren, mit Papillen besetzten Schlundrohr (Pharynx) aufgenommen. Der Anteil an
verdaulichen Substanzen im Wattboden ist jedoch gering. In Abständen von 20 bis 30 Minuten
stösst der Wattwurm einen körperlangen Kotstrang aus.
Von der Epi- und Infauna des Wattenmeeres ernähren sich verschiedene Räuber und Aasfresser.
Hierzu gehören z. B. die Strandkrabbe und die Garnele. Doch auch diese Räuber und Aasfresser
sind wiederum Nahrung für andere Tiere. Zahlreiche Fische, Strand- und Meeresvögel leben von
den Tieren des Wattenmeeres. So frisst ein Austernfischer zwischen 200 und 300 Herzmuscheln
pro Tag!
Als letztes Glied in der Nahrungskette (ausgenommen den Menschen) leben Seehunde als
einzige Säugetiere im Wattenmeer. Sie ernähren sich von Fisch.
Ökologische Bedeutung des Wattenmeeres: Die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres
kann sich an den Bedürfnissen des Menschen orientieren, wenn diese der Notwendigkeit
untergeordnet sind, dass sich der Haushalt des Menschen auf lange Sicht in den Haushalt der
Natur einpassen muss.
Zwei Beispiele belegen die Bedeutung des Wattenmeeres:
a) Wattenmeer und Küstenfischerei: Das Watt ist ein wichtiges Auswuchsgebiet Für Plattfische,
Hering und Garnele. Bei Änderungen im Gesamthaushalt dieser Region, seien es Veränderungen
der Wasserqualität durch Einleiten von Chemikalien oder Gebietsabtrennungen durch
Deichbaumassnahmen, ist auch der Bestand an Nutzfischen gefährdet.
b) Wattenmeer und wandernde Tierarten: Für viele ziehende Vögel ist das Wattenmeer ein
unverzichtbares Rast-, Nahrungs- und Brutgebiet. Der Bestand der Brandseeschwalbe und der
Ringelgans ist nur dann nicht bedroht, wenn es gelingt, den Biotopverbund Wattenmeer zu
erhalten. So benötigen z. B. die Ringelgans bei ihrem Herbstzug die Seegraswiesen im Eulitoral;
während des Frühjahrszuges nach Norden ist sie auf die Salzwiesen im Supralitoral angewiesen.
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Wattwandern
Voraussetzung für das Wattwandern ist ein Watt, d.h. ein untiefes Meer, das bei jeder Tide
trocken fällt. Es gibt Steinwatten, Sandwatten und Schickwatten, davon sind die Sandwatten am
besten zu bewandern. Zu erwandern sind die der Küste vorgelagerten Inseln oder Platen.
Wattwandern tut man daher vorzugsweise im Wattenmeer, jenes flache Teil der Nordsee, dass
sich ausdehnt "von Den Helder bis Esbjerg", und das hauptsächlich aus Sandwatten besteht. Bei
jeder Tide füllt sich das Wattenmeer und entleert sich wieder im ewigen Wandel.
Die Flut, d.h. die Zeit, die benötigt wird damit das Wasser seinen höchsten Stand erreicht dauert
etwa 6 Stunden, und die Ebbe, die Zeit, die bis zum niedrigsten Stand vergeht dauert etwa 6,5
Stunden, sodass sich das Wattenmeer täglich zweimal füllt und entleert und die Tiden am
nächsten Tag etwa eine Stunde später auftreten. Der höchste Wasserstand heisst Hochwasser
und der niedrigste Wasserstand sinngemäss Niedrigwasser.
Auf diese Karte von einem Stück der niederländischen und deutschen Wattenmeerküste sind die
Watten in hellbraun wiedergegeben. Bei der niedrigst möglichen Tide sind also die Inseln
Ameland und Schiermonnikoog trocknen Fusses zu erreichen, die Insel Borkum nicht.
(Normalerweise verbleibt wohl noch etwas Wasser in den Prielen im Watt, die im Rahmen dieser
Karte nicht gezeigt werden können.)
Die Inseln sind etwa 10 km vom Festland entfernt, sodass sie in etwa 3 Stunden zu erwandern
sind. In Deutschland sind die Abstände von der Küste zu den Inseln meistens etwas kürzer, und
auch ist das Watt dort weniger schlickig.
Eine Wattwanderung spielt sich im Zeitraum um Niedrigwasser ab. Will man eine Insel erwandern,
so steigt man etwa 1,5 bis 2 Stunden vor Niedrigwasser ins Watt so dass man den letzten Priel
etwa am Zeitpunkt von Niedrigwasser überquert hat, und man etwas nach Niedrigwasser die Insel
erreicht. Man sollte jedoch nie ohne ortskundigen Wattführer das Watt betreten. Von der
ostfriesischen Küste aus wandert man zu den ostfriesischen Inseln. Geht man schon am
Vormittag los, so hat man je nach Witterung nachmittags noch Zeit um am Strand zu verbringen.
Abends geht's dann zurück zum Festland mit der Fähre.
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Dünen und ihre Vegetation
Berge aus Sand überragen die Nordseeküste bis zu 35 Meter. Überall an Flachküsten mit Sand
aus zerriebenen Gesteinsteilchen und Muschelschalen sind Meeresdünen zu finden, die sich
langsam landeinwärts verlagern.
Die Dünen bieten für Pflanzen einen Lebensraum unter Extrembedingungen: große Hitze,
schmirgelnder Wind und salzhaltiges Wasser müssen von den Pflanzen ertragen werden können,
um hier zu überleben. Strandquecke und Strandhafer haben sich durch schützende Hüllen und
feste Wurzeln nicht nur optimal an das Leben in den Dünen angepasst, sie leisten auch zu
ihrem Entstehen einen wesentlichen Beitrag.
Die Dünen sind in unterschiedliche Entwicklungsstadien eingeteilt:
Vordünen: Trockengelegter Ufersand wird er vom stetig wehenden Wind mitgenommen und
wieder abgelagert. Wird ein Teil des Strandes nicht regelmäßig überflutet, wächst mit der Zeit
ein Sandhäufchen heran. Auch kleine Wurzelstücke und Muschelschalen werden ans Meeresufer
angeschwemmt, abgelagert und vom Wind weitertransportiert.
Vordüne / Strandquecke Die erste besiedelnde Pflanze ist die salztolerierende
Strandquecke.
Kleine, angewehte Wurzelstücke reichen aus, um
Horste dieses robusten Pioniergrases hervorzubringen.
Diese halten den Sand mit ihrem weitverzweigten
Rhizom zusammen. Hinter, vor und neben ihnen
wachsen die kleinen Sandfahnen bis zu 1 Meter hohen
Dünen heran. Die Blätter der Strandquecke sind gerollt
und mit einer harten Schicht umgeben. So sind sie
gegen Austrocknung durch den Wind und die Hitze, die
auf dem Sand schon mal 50 Grad Celsius erreichen kann,
geschützt.
Weißdünen: Wird die Minidüne nicht mehr vom Meer überspült, wäscht der Regen das Salz
langsam aus. Strandhafer siedelt sich an. Der stete Wind bläst unaufhörlich den Sand über die
junge Düne und weht den Strandhafer immer wieder mit Sand zu. Der robuste Strandhafer
schiebt seine Blätter immer wieder nach oben, bleibt aber mit den Wurzeln fest verankert. So
bildet der Strandhafer ein festes Gerüst, an dem sich der Sand bis zu 20 Meter hoch zu den
Weiß- oder Sekundärdünen aufbauen kann. Meerseitig wird immer neues Material und
Nährstoffe herangetragen, landwärts kommt der Sandflug langsam zur Ruhe.
Weissdüne / Strandhafer
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Graudünen: Ohne frische Nährstoffzufuhr weiter landwärts magert die Düne aus, der
Strandhafer kann hier nicht mehr gedeihen. Das Regenwasser wäscht den Kalk nach und nach
aus, der Boden bekommt eine graue Farbe und versauert. Dadurch ändern sich die
Lebensbedingungen auf und an der Düne. Nur noch Pflanzen, die auf magere Böden angewiesen
sind, fassen Fuss wie z.B.
Rotschwingel, Sanddistel, Dünen-
Platterbse, Dünen-Nachtkerze,
Doldiges Hahnenkraut, Strand-
Winde, Sand-Glöckchen,
Wundklee. Abgestorbene
Pflanzenteile beginnen eine
dünne Humusschicht zu bilden.
Graudüne / Stranddistel
Braundüne: Die Bodenbildung schreitet voran und damit auch die Pflanzenvielfalt. Je nach
Exposition ändert sich das Kleinklima auf der Düne und somit auch die Lebensgemeinschaft.
Krähenbeere und Kriechweide sind Hauptbesiedler der Braundüne, vorwiegend auf der
windexponierten Nordseite. Dazu kommen Besenheide und Zwergstrauchgesellschaften. Die
Südseite ist eher feucht. Hier wächst ein Erdmoos, das sich bei Feuchtigkeit zu kleinen
Sternchen auseinanderrollt. Auch finden sich flachwurzelnde Silbergraswiesen und
Veilchenarten.
Braundüne / Kriechweide
Wenn sich die als Tertiärdünen bezeichneten Grau- und Braundünen ungestört
weiterentwickeln können, bedeckt sie ein gebüschreicher, windgeschorener Pappel-
Eichenwald, der sogenannte Krattwald. In alten Dünenlandschaften finden sich auch typische
Pioniergehölze wie die Birke ein.
Krattwald
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Lernauftrag im Kijktuinen von Leen Goedegebuure
Ziele Sozialform Produkt K1-K7
Wir können den Begriff Zweiergruppen Untersuchung zum Aufbau von
Staudenborder erklären Staudenborders
Wir können den Aufbau eines
Staudenborders erläutern
Kijktuinen (=Schaugarten),
des Landschaftsarchitekten
Goedegebuure
Das Landschaftsarchitekturbüro Goedegebuure hat für die Kundschaft und für
Landschaftsgärtner einen Schaugarten (=Kijktuinen) angelegt. Besonders erfolgreich ist das
Büro in der geschickten Kombination von Pflanzen, welche eine ganz ausserordentliche
„Anziehungskraft“ besitzen. Wir möchten den Aufbau und die Geheimnisse der
Pflanzenverwendung an Hand der Staudengärten / Staudenborders genauer kennen lernen.
Nehmen Sie sich unbedingt die Zeit, dieses Thema genau zu studieren – es lohnt sich.
Aufgabenstellung:
Wir wollen versuchen heraus zu finden wie Staudenborders aufgebaut sind. Aber, was sind
überhaupt Staudenborders? Staudenborders sind Stauden- Bepflanzungen oder -Beete, die vor
einer Mauer oder Formhecke angeordnet sind. Diese Form der Anordnung von Pflanzen kommt
aus dem englischen Garten und stellt die höchste Anforderung an die Pflanzenverwendung dar.
Es ist wahrlich eine Kunst das so zu beherrschen wie Herr Goedegebuure, so dass man eigentlich
von „Pflanzenkompositionen“ sprechen kann.
Die zentrale Frage wie plant man oder wie legt man einen Staudenborder an?
Man kombiniert die Pflanzen nach bestimmten Eigenschaften
So wäre es die einfachste Art Pflanzen mit verschiedenen Farben zu kombinieren.
Achtet man noch darauf das +/- immer etwas blüht, so genügt das häufig den Ansprüchen.
Wirklich? Ich meine NEIN. Leider schauen viele Planer blos auf die Blütenfarbe und die
Blütenzeit. Dadurch entstehen eher mittelmässige bis langweilige Staudengärten. Im folgenden
möchte ich Ihnen zeigen was Staudengärten noch alles zu bieten haben, und wie Sie diese
Aufgabe professionell anpacken können.
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Eigenschaften für die Pflanzenwahl und –kombination
Eigenschaft Beeinflusst…
Blütenfarbe Harmonie oder Konstrastwirkung Farbenlehre
Blütezeit Ausgeglichene Blütenpracht über die Vegetationszeit
verteilt
Pflanzenhöhe Damit erreicht man „Abstufungen“ wichtig für
Textur und Struktur Staudenborders
Textur = Oberflächenbeschaffenheit des Laubes,
Struktur = Verzweigunsmuster der Pflanze
Pflanzengesellschaft Einzelpflanze (=Leitstaude) fangen den Blick,
Kleingruppen, grossflächig..
weitere: Fruchtschmuck, Winteraspekt,
Duft, …….etc
Merke: Ein schlechter Bäcker bereitet seinen Kuchen aus Mehl, Zucker und Wasser zu,
Ein Profi-Bäcker versteht es Mehl, Eier, Butter, Zucker, Milch, Gewürze, Schokolade,
Backpulver… in einer harmonischen Mischung herzustellen und zu gestalten.
Bleiben wir beim Profi-Gartenbau: Für das weitere Vorgehen arbeiten Sie in Zweiergruppen
K1. Gehen Sie zu den Staudenborders, der nicht gerade von mehreren anderen studiert wird.
K2. Studieren Sie die Zeichnung „Schematische Höhenstufung von Borders“ und versuchen Sie
diese Ebenen in der Rabatte zu finden. Wo verlaufen die Grenzen der Ebenen in der von
Ihnen ausgewählten Rabatte?
K3. Welche Höhen haben die Pflanzen der Ebene 1-3? Angabe Bsp. 70 – 110 cm in das
abgegebene Tabellenblatt eintragen
K4. Suchen Sie zu jeder Ebene mind. 5 Pflanzen heraus und vervollständigen Sie die
abgegebene Tabelle
K5. Wie oft kommt diese Pflanze nebeneinander vor? Frage nach der Vergesellschaftung
K6. Welche Blütenfarbe hat diese Pflanze?
K7. Machen Sie von Ihrer Borderrabatte einige Bilder, so dass wir zu Hause diesen Auftrag mit
Bildern dokumentieren können. Besonders der von euch gewählte Abschnitt sollte
fotografiert werden. Wir zeichnen dann in die Fotos Ebene, Höhenstufung etc ein.
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Schematische Höhenstufung von ob
von Borderpflanzungen
Formhecke
von vorne
ben
in Natura
Formhecke
Pflanzenhöhe
schematisch
Formhecke Ebene 3 Ebene 2 Ebene 1
seitlich
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Plan Boskoop
Einkaufscenter Picknick-Platz
und Bus-
Parkplatz
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Lernauftrag Rosarium Zweibrücken Sozial
ÜZibeeler:siSciehtkRönonseenndie wichtigsten Rosengruppen unterscheiden.
Klassen und eventuelle Einteilung Merkmale Schnitt
grossblumige Edelrose / Teehybride eine Blüte pro Stiel Überalterte
Polyantharose besonders edel geformte Blüten stehende T
Beetrosen vielblumige Floribundarose straff aufrechter Wuchs wie möglich
Buschrosen beliebte Schnittblume Von den ge
Herbst grob
10-12 Blüten pro Stiel auf 3-6, nac
Blüten in Büscheln angeordnet zurückschn
sowohl einfache wie gefüllte Blüten (Edelrosen
Wildtriebe a
Blüten wie Polyantha jedoch kleinere verblüte Blü
Blüten. letztem vol
die einzelnen Blüten sind deren der
Edelrose sehr ähnlich
Strauchrosen einmal blühend oft besondere Blütenformen benötigt fas
mehrmals blühend zum Teil besondere Bestachelung eventuell V
Hagebutten abgestorbe
1.2-2.5 m hoch
strauchartiger Habitus, sonst ähnlich wie ähnlicher S
Beetrosen starke Trieb
Blüten wie Beetrosen zurückschn
1-2 m hoch schwache
Wildrosen keine spezielle Einteilung ungefüllte Blüten benötigt fas
meist einmal blühend eventuell V
fünf Blütenblätter abgestorbe
Hagebutten
bis 3 m hoch
lform: Partnerarbeit Produkt: FPoftloasntrzeecnkekednenr tRnoisesnegruppen
Verwendung Beispiele
in Gruppen in Rabatten Duftwolke (rot)
Alexandra (rot)
e, schwache und zu tief Mme A. Meilland (gelb)
Triebe so tief Whisky (gelb)
h am Boden zurückschneiden.
esunden 3-5 stehen lassen. Im Betty Prior (rosa)
b zurückschneiden, im Frühling Chorus (rot)
ch aussen gerichtete Augen in Gruppen in Rabatten
neiden, je nach Wuchsstärke, Stadt Basel (crèmeweiss)
n 2-4), Queen Elisabeth (rosa)
an der Basis ausbrechen. Tchin Tchin (rot)
üten entfernen (oberhalb Marie Curie (orange)
ll entwickeltem Blatt).
in Gruppen in Rabatten
st keinen Schnitt Solitär Rosa xanthina fo.
Verjüngungsschnitt wie Beetrosen Hugonis (gelb)
enes Holz entfernen
Rosa sericea
Schnitt wie Beetrosen 'Pteracantha' (weiss)
be bis zur Hälfte
neiden Schneewittchen (weiss)
Triebe auf 4-5 Augen Clair Matin (rosa)
Chinatown (gelb)
st keinen Schnitt Solitär und in Blüten- und Rosa canina (weiss)
Verjüngungsschnitt Wildhecken Rosa glauca (rot)
enes Holz entfernen Rosa rugosa in Gruppen Rosa rugosa (rot)
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Klassen und eventuelle Einteilung Merkmale Schnitt
Zwergrosen keine spezielle Einteilung meist gefüllte Blüten Schnitt wie
dünne zierliche Triebe
bis 30 cm hoch
Bodendecker keine spezielle Einteilung teils kriechende, teils überhängende ab dem zw
rosen einmal blühend Triebe Verjüngung
gedrungener Wuchs alte, stark a
Kletterrosen mehrmals blühend 60 - 80 cm hoch entfernen
oft sind es Dauerblüher verbleibend
einkürzen
besonders reich an Blüten
Blüten wie Beetrosen Schnitt im J
vor der Einteilung her eher Rumbler: Triebe, die
weiche rasch wachsende entfernen
Triebe bis 10 m lang
ähnlicher S
Blüten wie Beetrosen starke Trie
vor der Einteilung her eher Climber: zurückschn
dickere härter wachsende schwache
Triebe bis 3 m lang
! Beachte Hochstammrosen sind keine eigene Klass
Zwerg- oder Edelrosen werden dabei auf klei
den Wurzelhals der Unterlage.
Verwendung Beispiele
e Beetrosen in Gruppen in Starina (rot)
Staudenrabatten Little White Pet (weiss)
Solitär in Töpfen Colibri ((gelb)
weiten Standjahr regelmässige in besonnten Rabatten wie Swany (weiss
g nötig andere Bodendecker Heidetraum (rosa)
aufrechtwachsende Triebe Schneeflocke (weiss)
de Triebe nach Bedarf
Juli/August zur Berankung von Alchymist (gelb)
Blüten getragen haben, Fassaden Seagull (weiss)
Schnitt wie Beetrosen zur Berankung von Zäunen, Schneewalzer (weiss)
ebe bis zur Hälfte Clair Matin (rosa)
neiden Rosenbögen
Chinatown (gelb)
Triebe auf 4-5 Augen
se, sondern nur eine spezielle Form der Veredelung. Stammhöhen von
ine Stämmchen veredelt und nicht wie üblich auf 40 - 160 cm
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Die Gewinnung von Roheisen
Zuerst wird Eisenerz zerkleinert. Der Grundvorgang bei der Fe - Gewinnung ist folgender: Oxidische
Eisenerze werden mit Koks (Kohlenstoff) reduziert woraus Roheisen entsteht, ein sprödes Material,
das bei Erhitzen innerhalb eines kleinen Temperaturbereichs erweicht. Die Roheisengewinnung
erfolgt vorwiegend im Hochofen.
Ein Hochofen ist durchschnittlich 30m
hoch und hat einen kreisförmigen
Durchmesser von bis zu 10 Meter. In
einem solchen Hochofen kann man bis
zu 10 000 t Eisen täglich produzieren.
Der Ofen ist in Form eines Dop-
pelkegels aus Feuerfesten Schamott-
steinen gemauert. Der obere Kegel, der
Schacht ruht in einem eisernen
Tragring. Der untere Kegel auch Rast
genannt, wird von oben her von der
sogenannten Gicht beschickt und von
unten beheizt. Der Schacht-
durchmesser muss nach unten ein-
wachsen, da die Beschichtung durch
die steigende Temperatur expandiert,
zur Rast hin verkleinert sich der
Durchmesser wieder, da die Beschi-
ckung schmilzt und folglich kontrahiert.
Der Ofen wird durch die Gicht be-
schickt. Dabei wechselt regelmässig
eine Schicht Koks mit einer Schicht
Eisenerz ab. Weiters werden zum Erz
verschiedene Zuschläge wie z.B.:
Kalkstein, Dolomit, und Felsspat bei-
gemengt um die Beimengung des
Erzes zu leicht schmelzenden Schla-
ckerz zu binden. Schliesslich wird die
unterste Koksschicht durch einblasen
vorgewärmter Luft auf 700 - 800C°
erhitzt und dann durch sauerstoffreiche
Luft entzündet, so dass Koks verbrennt.
So erreicht die Temperatur im unteren Bereich des Hochofens ca. 1800C°. Das heisse CO steigt in
die überliegende Erzschicht auf und reduziert das Eisenoxid zum Metall usw. Das reduzierte Eisen
tropft nach unten und sammelt sich unter der leichteren Schlacke ab, die das Eisen somit auch
gegen die oxidierende Gebläseluft schützt.
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Das am Oberrand des Ofens entweichende Gichtgas das hauptsächlich aus N und CO besteht,
dient als allgemeine Energiequelle des Hüttenwerks. Das flüssige Roheisen wird im regelmässigen
Abständen abgestochen und enthält Beimengungen wir C, Si, Mn, etc. Das Endresultat des Hoch-
ofenprozesses ist flüssiges Roheisen, das bei langsamer Abkühlung zu grauem Roheisen, bei
schneller Abkühlung zu weissen Roheisen wird. Die Schlacke kann zu Mörtel, oder Zement weiter
verarbeitet werden.
Eisen und Stahl – der Unterschied
Das beim Hochofenprozess gewonnene Roheisen besteht nur zu ca. 90% aus dem Element Eisen,
das selbst ja relativ weich ist. 5% des Roheisens sind Kohlenstoff und weitere 5% Begleitstoffe, wie
Mangan, Silicium, Phosphor oder Schwefel. Die Begleitstoffe machen das Roheisen hart und
brüchig. Mit einem Hammer kann man dieses Roheisen zerschlagen. In flüssiger Form kann man
es in Formen giessen. Nach dem Abkühlen erhält man Gusseisen.
Beim so genannten Frischen wird der Kohlenstoffanteil auf weniger als 2,1 % verringert. Auch die
anderen Begleitstoffe kann man entfernen. Das Produkt nennt sich Stahl. Stahl ist weicher und lässt
sich daher gut weiterverarbeiten (schmieden).
Durch Zusatz von anderen Metallen oder Nichtmetallen erhält man Eisenlegierungen (Legierungen
sind Gemische). So kann man für spezielle Anwendungsbereiche die Eigenschaften des Metalls
verändern, den Stahl z.B. härten.
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Lernauftrag Feedback
Ziele Sozialform Produkt
Feedback
Sie geben ein Einzelarbeit
detailliertes Feedback
Situation: Wir sind auf dem Rückweg Richtung Muttenz. Wir haben die Erlebnisse der ganzen
Woche noch präsent. Das ist der richtige Moment uns kurz über die letzten Tage Gedanken zu
machen und diese aufzuschreiben.
Wir möchten Ihre ganz persönliche Rückmeldung, um zu erfahren, wie es Ihnen auf der
Studienreise ergangen ist, was Sie gelernt haben, wie es Ihnen gefallen hat und was wir das
nächste Mal verbessern könnten usw.
Für das Feedback können Sie den abgegebenen Bogen benützen
Dieses Programm gehört: …………………………………………………………………………….
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