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Das Ehemaligenmagazin der Leibniz Universität Hannover

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Published by alumni, 2021-03-11 04:16:54

LeibnizCampus 25_2021 TRUST

Das Ehemaligenmagazin der Leibniz Universität Hannover

Magazin für Ehemalige und Freunde der Leibniz Universität Hannover
Ausgabe 25 • März 2021

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung

Alumnus wird Architektenpreis Semesterstart Neues Wohnheim
Fraktionschef für Pferdestall in Pandemie-Zeiten in der Nordstadt

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Liebe Alumna, lieber Alumnus, EdRituobrriaikl | LeibnizCampus

für die Erstsemesterstudierenden war dieses Corona- Prof. Dr. Volker Epping
Jahr ein schwieriger Einstieg. Es gab kaum Präsenz- Präsident der Leibniz
Veranstaltungen, stattdessen Online-Vorlesungen – Universität Hannover
eine Situation, die vor allem für Neuzugezogene nicht
ganz einfach war. Doch die Fakultäten haben ihre Monika Wegener M.A.
„Ersis“ nicht allein gelassen. Wir zeigen in dieser Aus- Referentin für Alumni­
gabe des LeibnizCampus, was die Fakultäten sich für betreuung
die Erstsemesterstudierenden haben einfallen lassen,
um trotz Corona den persönlichen Kontakt besonders
am Anfang des Studiums aufzubauen.

Und auch Sie – die Alumni und die Mitglieder der
Universitätsgesellschaft – haben die Studierenden in
dieser Zeit in herausragender Weise unterstützt. Knapp
56.000 Euro sind auf den Spendenaufruf zum Deutsch-
landstipendium eingegangen. So haben Alumni und
Mitglieder der Universitätsgesellschaft in diesem Jahr
31 neue Stipendien finanziert, die wirklich weiterhel-
fen. Vielen Dank für diese Solidarität! Einige Stipen-
diengeber und ihre Stipendiaten finden Sie in dieser
Ausgabe im Porträt.

Mit dem Wandel des alltäglichen Lebens zum Bei-
spiel durch Klimawandel und Globalisierung sowie
den gravierenden Auswirkungen auf die Menschen
und ihr Lebensumfeld beschäftigt sich das Leibniz
Forschungszentrum TRUST – Räumliche Trans­
formation Zukunft für Stadt und Land.

Die Autorinnen und Autoren dieses Heftes nehmen
die Herausforderungen durch neue Lebens- und Ar-
beitsmodelle, durch Digitalisierung, durch sich ändern-
de Bedürfnisse an Mobilität und Infrastruktur in den
Blick und zeigen, wie sie sich auf den Raum auswirken.
Ebenso stellen sie einen interdisziplinären Ansatz vor:
Gemeinsam fragen Wissenschaftlerinnen und Wissen-
schaftler aus dem Wasserbau und Küstenschutz, der
Umweltplanung, der Freiraumentwicklung und dem
Hochwasserschutz, wie eine „gute Küste“ aussehen
muss, die sicher vor Naturgefahren ist, an der Men-
schen im Einklang mit der Natur, eingebettet in die
gewachsene Kulturlandschaft, verantwortungsbewusst
und nachhaltig leben und wirtschaften können.

Viel Freude beim Lesen!

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07.01.2021 10:57:08

Inhaltsverzeichnis und Impressum | LeibnizCampus

Eine Historikerin im Vorstand des Jazz Clubs Hannover 4 Lebenswelten klimaneutral

Die Leibniz Universität als Stiftungsuniversität? 6 Unigeschehen natureOffice.com | DE-345-JYTC7ED

Neu im Präsidium 8 gedruckt
Ehemalige engagieren sich für Studierende der Leibniz Universität 10
LeibnizCampus Magazin
Auszeichnung für Pferdestall 14
Corona-Nothilfefonds / Mitgliederversammlung 15 für Ehemalige und Freunde der
Leibniz Universität Hannover
„Das war eine prägende und schöne Zeit.” 16 Mitteilungen für die Mitglieder
Preisverleihung im Pferdestall 17 der Leibniz Universitätsgesell-
schaft Hannover e.V. Heraus­
„So gut wie keiner hat sich mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt“ 18 geber Das Präs­ idium der Leibniz
Neues Studentenwohnheim „Haus am Berggarten“ 19 Universität Hannover Redak­­-
Online-Semester bleibt Herausforderung 20 tion Monika Wegener (Leitung),
Personalia und Preise 21 Sabine Levin, Dr. Anette Schröder

ERC Starting Grants für Nachwuchswissenschaftler 26 Aus den Fakultäten Anschrift der Redaktion
Leibniz Universität Hannover,
Studienstart mal ganz anders 27 A­ lumnibüro, Welfen­garten 1,
„Es ist ein schönes Gefühl, zurückzukehren.“ 28 D–30167 Hannover, Telefon:
(0511) 762-2516, E-Mail: alumni
Kreativ gegen Corona 29 @zuv.uni-hannover.de
Großer Wellenkanal wird für Zukunft gerüstet 30 Mit­arbeit Ann-Christin Bartels,
Birgitt Baumann-Wohlfahrt,
Mit Pilzen gegen Krankheiten 30 Antje Doll, Sebastian Grund (sg),
Melissa Krause, Eva Maria Ment-
Strom aus Drachen 32 Karriere und zel (em), Ilka Mönkemeyer (im),
Weiterbildung Mechtild von Münchhausen,
Lars Nebelung
Das Leibniz Forschungszentrum TRUST 34 TRUST
LeibnizCampus erscheint zweimal
Die Große Transformation 38 im Jahr. Nachdruck einzelner Arti-
Infrastrukturen als soziale Ordnungsdienste 42 kel, auch auszugsweise, nur mit
­Genehmigung der Redaktion. Für
„Gute Küste Niedersachsen“ 46 den Inhalt der Beiträge sind die
Artenvielfalt als Anreiz 50 jeweiligen Autoren ver­antwortlich.

Auf der Suche nach dem Zusammenhalt 52 Hannover Die D­ atenschutzerklärung des
Alumnibüros finden Sie unter:
Hannovers Straßen 53 https://www.uni-hannover.de/
datenschutzhinweis-alumni
Absolventenfeier der Fakultät für Architektur 55 Community
Anzeigenverwaltung / Herstellung
Aus dem Archiv 56 ALPHA Informationsgesellschaft
Geburtstagsjubiläen 57 mbH, Finkenstraße 10, D–68623
Lampertheim, Telefon: (06206)
Bücher 58 939-0, Fax: 939-232, Internet:
Veranstaltungen 60 http://www.alphapublic.de

Titel­abbildungen picture alliance/
dpa/Arne Dedert (Titel), kleine Fotos
von links nach rechts: Helge Krücke-
berg, Clemens Born, Julian Martitz,
Sebastian Grund

3

LeibnizCampus | Lebenswelten

Eine Historikerin
im Vorstand des Jazz Clubs Hannover

Interview mit Alumna Vanessa Erstmann

Foto: Hans-Jürgen Oertelt Außerdem verfügt die Leibniz Universität über sehr empfehlens­
werte Angebote, die eine Qualifikation weit über den eigenen
Ihr Lebensweg zeichnet sich durch eine starke Verbundenheit Studienhorizont hinaus ermöglichen.
mit Hannover und der Leibniz Universität aus: Nach ihrem Ba-
chelor-Studium in Geschichte und Philosophie und dem Mas- Sie waren auch als Mitarbeiterin an der Leibniz Universität tätig?
ter in Geschichte folgte ihre Dissertation. Heute ist Vanessa Was haben Sie gemacht?
Erstmann erste Vorsitzende des Jazz Clubs Hannover.
Ich war von 2012 bis 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im
Ihr Werdegang zeigt eine große Verbundenheit mit der Leibniz Uni- Forschungsprojekt „Die innerdeutsche Grenze als Realität, Narrativ
versität Hannover. Was verbinden Sie besonders mit Ihrer Alma und Element der Erinnerungskultur“ beschäftigt und habe Foto­
Mater? grafien der Grenze als visuelle Quelle ausgewertet.

Abgesehen davon, dass ich mich ohnehin sehr mit meiner Hei­ Wie ging es mit Ihrem Werdegang außerhalb der Universität
matstadt verbunden fühle und viele glückliche Erinnerungen an weiter? Wie hat Sie Ihre Zeit an der Universität dabei geprägt?
meine Studienzeit habe, war für mich vor allem der Austausch mit
meinen Dozierenden prägend. Sie waren es, die in mir die Freude Ich hatte früh die Möglichkeit, Projekte in der freien Wirt­
an der wissenschaftlichen Arbeit geweckt haben und mich stark schaft und im städtischen Kulturbereich wahrzunehmen, die sich
bei meinem eigenen Werdegang unterstützt haben. in idealer Weise mit meinen Forschungsschwerpunkten Stadt­
und Kulturmarketing sowie Tourismus­ und Wirtschaftsgeschichte
Gibt es Lieblingsplätze oder -räume, Erinnerungsorte? Was sind deckten. Ich unterstützte verschiedene Unternehmen in ganz
Ihre wichtigsten Erfahrungen an der Universität? Deutschland bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte und ihrer
Markenpflege und betätige mich bis heute im Bereich des „History
Die meiste Zeit meines Studiums habe ich im Hinterhaus der Ad­ Marketings“. Darüber hinaus bin ich im Kulturmarketing und als
resse „Im Moore 21“ verbracht, da sich dort sowohl das Historische PR­Redakteurin tätig, womit ich letztlich die Freude am wissen­
Seminar als auch das Philosophische Seminar, also meine Studien­ schaftlichen Arbeiten und meinem ursprünglichen Berufswunsch
fächer, befanden. Es gibt unzählige schöne Erinnerungen an die Journalismus verknüpfen konnte.
dortigen Seminarräume und die Bereichsbibliothek. Aber ich erin­
nere mich auch gern an beeindruckende Vorlesungen im Welfen­ Die Arbeit an Ihrer Dissertation zu dem Thema „Image und Image-
schloss und entspannte Momente mit meinen Kommilitoninnen politik der Stadt Hannover“ führte Sie zum Jazz Club Hannover e.V.
und Kommilitonen im Welfengarten. auf den Lindener Berg. Dort sind Sie seit August 2020 erste Vorsit-
zende. Wie kam es dazu?
Haben Sie einen Tipp an heutige Studierende aus Sicht Ihrer Uni-
versitätserfahrungen? Ich hatte das große Glück, mich im Zuge meiner Masterarbeit
mit einem Quellenbestand zu beschäftigen, der nahezu uner­
Mir persönlich war es sehr wichtig, mir trotz eines durchge­ forscht war. Es handelte sich um den etwa 300 Aktenordner
takteten Studienprogramms die Zeit für akademische Freiheiten umfassenden Büro­Nachlass des ehemaligen hannoverschen
zu nehmen und früh eigene Interessensschwerpunkte zu finden. „Imagepflegers“ Mike Gehrke. Seit den frühen 1970er Jahren bis
zu seinem Tod im Jahr 2004 war Gehrke hauptamtlich mit der
Imagepolitik der Stadt Hannover beauftragt. Zugleich hatte
Gehrke seit 1968 den Vorsitz des zwei Jahre zuvor gegründeten
Jazz Club Hannover inne. Die Imagepflege für seine Heimatstadt
Hannover und den Jazz Club verknüpfte sich in den knapp vier
Jahrzehnten seines Wirkens miteinander und so war es für mich
naheliegend, mich für meine Forschung im Jazz Club nach wei­
teren Unterlagen zu Gehrkes Arbeit zu erkundigen. Im Januar 2015
führte ich ein erstes Gespräch mit dem damaligen Clubmanage­
ment und kurze Zeit später begann ich damit, den ebenfalls
mehrere hundert Akten umfassenden Aktenbestand im Club zu
studieren und zu erschließen. Zum 50­jährigen Bestehen des Jazz
Clubs im Jahr 2016 verfasste ich ein Jubiläumsbuch, übernahm als
aktives Clubmitglied die Marketing­ und PR­Arbeit und wurde
2017 in den Vorstand gewählt. Wir haben seither im Team viele
Modernisierungen vorgenommen und den Club mit ehrenamt­
lichem Engagement vorangetrieben. Im vergangenen Sommer
habe ich schließlich auf Wunsch der anderen Clubmitglieder noch
mehr Verantwortung und den Vorsitz unseres Vereins übernom­
men – ein Amt, das mich mit großer Freude erfüllt.

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LeibnizCampus | Unigeschehen

Die Leibniz Universität als Stiftungsuniversität?

Präsidium stößt offenen und partizipativen Prozess zum möglichen Wechsel in das Stiftungsmodell an

Mehr Gestaltungsspielraum und Eigenverantwortung: Mit der Die aktuelle Rechtsform der Leibniz Universität ist die Körper­
Novellierung des Hochschulgesetzes im Jahr 2002 ist in Nieder­ schaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht auf Selbstverwal­
sachsen das Stiftungsmodell für Universitäten eingeführt worden. tung. Bei Überführung in eine Stiftung öffentlichen Rechts än­
Ziel ist es, die Hochschulautonomie durch mehr Steuerungskom­ dert sich an diesem Status nichts. Es wird lediglich zusätzlich eine
petenz und mehr Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Vorteile Stiftung gegründet, die zwischen Land und Hochschule angesie­
entstehen dabei für die gesamte Organisation, in den Bereichen delt ist und damit in den Aufgabenbereich des Landes einrückt.
Finanzen, Gebäudemanagement und Berufungsmanagement wür­
de die Universität von diesem Modell der größeren Autonomie Anstelle des Hochschulrats wird beim Stiftungsmodell der so
besonders profitieren. Das Präsidium hat seit Ende vergangenen genannte Stiftungsrat eingesetzt. Der Stiftungsrat setzt sich – wie
Jahres einen offen und partizipativen Prozess angestoßen, in den zuvor der Hochschulrat – aus fünf mit dem Hochschulwesen ver­
alle Statusgruppen der Universität einbezogen wurden, um über trauten, der Hochschule nicht angehörenden Personen, die vom
einen möglichen Wechsel der Leibniz Universität in das Stiftungs­ MWK im Einvernehmen mit dem Senat bestellt werden, sowie ei­
modell zu diskutieren. nem vom Senat gewählten Hochschulmitglied und einer Vertrete­
rin oder einem Vertreter des Fachministeriums zusammen. Die
Für das Modell gibt es in Niedersachsen bereits Erfahrungswerte Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse des Stiftungsrates sind
und Vorreiter: Die Universitäten in Göttingen, Hildesheim und weitreichender als die des Hochschulrates, der lediglich Stellung­
Lüneburg sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover und die nahmen abgeben darf. So ernennt beziehungsweise bestellt und
Hochschule Osnabrück sind seit 2003 jeweils in der Trägerschaft entlässt der Stiftungsrat im Einvernehmen mit dem Senat bei­
einer Stiftung öffentlichen Rechts organisiert. Nach zehnjähriger spielsweise die Mitglieder des Präsidiums der Hochschule und stellt
Erfahrung mit dem Stiftungsmodell haben sie auf einem gemein­ den Jahresabschluss sowie die Entlastung des Präsidiums fest.
samen Symposium bereits 2013 überaus positive Bilanz gezogen.
Die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen (WKN) hat in Der Senat erfährt im Stiftungsmodell eine Stärkung, da er in
einem Bericht aus dem Jahre 2019 die Vorteile des Modells kons­ dem Modell nicht nur wie bisher dauerhaft ausschlaggebenden
tatiert und die Hochschulen, die noch nicht in der Trägerschaft Einfluss auf die personelle Zusammensetzung des Präsidiums hat,
einer Stiftung sind, aufgefordert zu prüfen, ob sie sich nicht sondern auch auf die personelle Zusammensetzung des Stiftungs­
ebenfalls in das Stiftungsmodell begeben wollen. rates. Der Stiftungsrat entscheidet zudem über Veränderungen

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Unigeschehen | LeibnizCampus

und Belastungen des Grundstockvermögens, über die Aufnahme Option, durch Zustiftungen ein Stiftungsvermögen
von Krediten und über den Entwicklungsplan. Gleichzeitig über­ aufzubauen
nimmt er die Rechtsaufsicht über die Hochschule, einschließlich Gesetzliche abgesicherte Bauherrenfähigkeit
des Präsidiums. die Möglichkeit, die ihr zur Verfügung stehenden Baumittel
gezielter, flexibler und zügiger einzusetzen, auch im Sinne der
AUF EINEN BLICK – DIE CHANCEN DES STIFTUNGSMODELLS Nachhaltigkeit

Größere Autonomie vom Land Die Rechtsform der Stiftung ist eine hervorragende Ausgangs­
Mehr Gestaltungsfreiheit
Längerfristige Planungssicherheit in strategischen Fragen bedingung für eine zukunftsorientierte Hochschulentwicklung.
Dauerhaftes Berufungsrecht
Eigenständigkeit bei der Schaffung von Professuren Sie ist mit Autonomie und Gestaltungsfreiheit verbunden. Auch
inklusive Umwandlung in ihrer Wertigkeit
Mehr Entscheidungsmöglichkeiten im Haushaltsbereich für den Bereich der möglichen Zustiftungen, die Einrichtung von
Keine unterjährigen Haushalts­ und Stellenbesetzungssperren
durch das Land möglich Stiftungsprofessuren und den Aufbau eines Stiftungskapitals auch

über private Förderer könnte das Modell der Stiftungsuniversität

die Leibniz Universität attraktiver machen und mehr Flexibilität

ermöglichen. Mechtild von Münchhausen

Präsident Professor Dr. Volker Epping: Beispiel im Finanzbereich: Unterjährige Eingriffe des Finanz­
„Ich wünsche mir für unsere Universität mehr Handlungsfrei­ ministeriums, zum durch Haushalts­ oder Stellenbesetzungs­
heit. Das Stiftungsmodell ist durch viele schlagkräftige Vorteile sperren, wären nicht mehr möglich. Rücklagen, welche die
geprägt: Unsere Universität gewinnt an Autonomie, so zum Stiftung nach drei Jahren nicht verbraucht hat, kann sie in
das Stiftungsvermögen überführen. Gerade im Moment wer­
den Sparmaßnahmen durch das Land angeordnet, welche die
Leibniz Universität schwer treffen. Hier könnten wir mit einem
Stiftungsvermögen manches Loch stopfen. Auch könnte uns
diese Rechtsform für mögliche Förderer attraktiv macht.

Der derzeitige interne Diskussionsprozess soll nach seinem Ab­
schluss in einer Entscheidung des Senats über die Frage mün­
den, ob die Hochschulleitung mandatiert werden soll, mit der
Landesregierung eine Stiftungsverordnung auszuhandeln. Soll­
te dem so sein, kann nach dem Abschluss der Verhandlungen
mit der Landesregierung entschieden werden, ob über die Stif­
tungswerdung im Senat abgestimmt werden sollte. Der zum
nächsten Semester neu gewählte Senat wird sich mit dieser
Entscheidung im weiteren Prozess befassen.“

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LeibnizCampus | Unigeschehen

Neu im Präsidium

Ab Januar 2021 sind Prof. Dr. Julia Gillen sowie Prof. Dr.-Ing. Holger Blume Mitglieder des Präsi-
diums der LUH. Die neuen Vizepräsident*innen verraten im Folgenden, wo die Schwerpunkte ihrer
Tätigkeit liegen und wie der Weg sie ins Präsidium geführt hat.

Bildquelle: LUH/Marie-Luise Kolb

Prof. Dr. Julia Gillen, Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Prof. Dr.-Ing. Holger Blume, Vizepräsident für Forschung und Transfer,
Leibniz School of Education Institut für Mikroelektronische Systeme

Die Station meiner beruflichen Laufbahn, die als die vielleicht Die wichtigsten Stationen meiner beruflichen Laufbahn waren
ungewöhnlichste erscheint, ist zweifelsohne meine Ausbildung bisher...
zur Tischlerin, die mich nicht nur das Handwerk, sondern auch
Pragmatik und Produktorientierung gelehrt hat. Wichtig war aber meine Promotionszeit an der TU Dortmund, in der ich in einer
zweifelsohne auch das Studium an der Universität Hamburg, be- kleinen aber aktiven Arbeitsgruppe meine Begeisterung für die
sonders prägend meine Promotionszeit an der Universität der Bun- Wissenschaft entdeckt habe. Als Ingenieur hat mich damals
deswehr in Hamburg und ausgesprochen turbulent die Zeit des schon der langfristige Transfer grundlegender Arbeiten aus der
Referendariats, in der meine Kinder geboren wurden und ich in Wissenschaft in die industrielle Verwertung fasziniert.
der Elternzeit an der TU Dresden eine Professur vertreten habe. eine Tätigkeit in einem kleinen Spin-off der TU Dortmund, bei
Seit April 2011 bin ich nun an der LUH, leitete seit 2013 die heu- der ich sehr produkt-nahe Entwicklungsarbeit kennenlernen
tige LSE – und rückblickend hab‘ ich das Gefühl, dass das alles durfte.
gleichermaßen wichtige und – in Vorbereitung auf das neue Amt meine langjährige freiberufliche Tätigkeit als Consultant für die
– sinnvolle Stationen waren. Industrie und in der industriellen Weiterbildung, bei der ich ge-
lernt habe, theoretische Aspekte so aufzubereiten, dass ein Ent-
Ein großes Thema meiner Amtszeit wird zunächst sein, die Her- wickler-Team in der Industrie sie nutzbringend einsetzen kann.
ausforderungen und vor allem die Potenziale, die für uns aus der In meiner mehrjährigen Tätigkeit als Habilitand an der RWTH
Corona-Pandemie entstehen, in Weiterentwicklung von Lehre und Aachen hat es mich dann fasziniert, an einer großen Universität
Studium umzusetzen. Die Kunst dabei wird sein, auf der Ebene von mit all ihren Möglichkeiten zu arbeiten.
Lehr-Lernprozessen das Beste aus den beiden Welten des Online-
und Präsenzlernens zusammenzubringen und entsprechende Rah- Ein großes Thema meiner Amtszeit wird die Förderung interdis-
menbedingungen für gute Lehre zu schaffen. ziplinärer und transdisziplinärer Projekte an der LUH sein. Gerne
möchte ich als Ansprechpartner für die Fakultäten dienen, um die
Als Vizepräsidentin für Lehre und Studium möchte ich er­ Entwicklung großer Verbundprojekte zu moderieren und zu beför-
reichen, dass wir unsere Studienprogramme und -bedingungen so dern. Ich glaube, dass die LUH noch weit mehr aus ihren Möglich-
weiterentwickeln, dass wir (weiterhin) engagierte Studierende ge- keiten machen kann, indem sie ihre Kräfte bündelt.
winnen und sie als kritische, handlungsfähige und gestaltungs-
freudige Absolventinnen und Absolventen verabschieden können. Als Vizepräsident für Forschung möchte ich erreichen, dass
Möglicherweise sollte ein Studienprogramm im Jahr 2031 – unse- sich die LUH in der Spitzengruppe der deutschen Universitäten
rem gemeinsamen Visionsjahr – deutlich dynamischer aufgestellt weiter etabliert und dass wir - trotz schwieriger Randbedingungen
sein, vor allem aber weiterhin klar Anteile aufweisen, die von Stu- - sehr gut aufgestellt in die nächste Runde der Exzellenzinitiative
dienanfängerinnen und -anfängern als „sinngebend“ wahrgenom- gehen. Im Bereich des Transfers möchte ich erreichen, dass Hanno-
men werden. Das Besondere ist dabei für mich, dass konstruktive ver noch weit mehr als guter Platz für innovative und kreative
Weiterentwicklungen von Studium und Lehre auf inhaltlicher, Ausgründungen und als Wissenschafts-Standort wahrgenommen
aber auch auf organisatorischer Ebene viele Studierende und da- wird, der sich mit sachlichen und wissenschaftlich basierten Bei-
mit einen großen Wirkungskreis erreichen können. trägen an den Debatten zu den großen gesellschaftlichen Heraus-
forderungen beteiligt.

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LeibnizCampus | Unigeschehen

Ehemalige engagieren sich für Studierende der Lei

Spendenaufruf für das Deutschlandstipendium ist sehr erfolgreich und wird fortgesetzt

Die Corona­Pandemie stellt auch Studierende vor große Heraus­ „Ich selbst stamme aus einem Nichtaka­
forderungen. Neben den Fragen, wie Studierende den Kontakt zu demikerhaushalt. Meine Eltern haben
Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie zu den Lehrenden der meine Entscheidung zu studieren immer
Leibniz Universität halten können und wie sie am erfolgverspre­ unterstützt, auch wenn sie finanziell nur
chendsten ihr Studium fortsetzen können, geht es dabei auch um wenig beitragen konnten. Daher hatte ich
handfeste wirtschaftliche Herausforderungen. damals bis zu drei Jobs, die mir das Studi­
um finanziert haben. Als Diplomstudent
Eine Befragung zur Online­Lehre im Sommersemester 2020 – hatte man zu der Zeit zum Glück noch
durchgeführt von der Zentralen Einrichtung für Qualitätsentwick­ genügend Freiräume. Bei meinem Kanz­
lung in Studium und Lehre (ZQS) der Leibniz Universität Hannover leipartner und mir lief man daher offene
(LUH) – ergab, dass 36 Prozent der Studierenden aufgrund der Türen ein, als die Uni für das Stipendium
Corona­Pandemie finanzielle Probleme haben. Die materielle Basis geworben hat. Uns überzeugte, dass die
hat sich für viele Studierende verschlechtert, da ihre Jobs in Gast­ Hilfe direkt ankommt.“ Christoph Behn, Kanzlei am Döhrener Turm
ronomie, Messe oder bei Veranstaltungen weggefallen sind. Zur – Tönjes & Behn GbR
Unterstützung der Studierenden rief ab Sommer 2020 die Leibniz
Universität Hannover ihre Ehemaligen und die Universitätsgesell­ „Ich habe von 1983 bis 1989 an der Uni­
schaft ihre Mitglieder auf, mit dem Deutschlandstipendium Stu­ versität Hannover Bauingenieurwesen
dierende zu unterstützen. Vertiefungsrichtung Konstruktiver Ingeni­
eurbau studiert. Seitdem bin ich in einer
Wer kein volles Stipendium fördern mochte, war zu Teilspenden großen Ingenieurgesellschaft leitend tätig
eingeladen: Bei der Leibniz Universitätsgesellschaft wurden über und seit 2003 als Prüfingenieur für Bau­
den Alumnifonds Teilspenden für das Deutschlandstipendium ge­ statik anerkannt. Im Sommer 2020 bin ich
sammelt, um sie zu ganzen Stipendien zusammenzuführen. auf das Deutschlandstipendium aufmerk­
sam geworden und habe mich spontan
Das Ergebnis des Spenden­Aufrufs kann sich sehen lassen: entschlossen, eine Studentin aus einem
Spenden in Höhe von knapp 56.000 Euro für Studierende MINT­Studiengang zu unterstützen, da
wurden gesammelt. Darunter befinden sich über 15.000 Euro ich der Auffassung bin, dass der Frauen­
an Teilspenden aus denen neun Stipendien finanziert werden anteil in diesem Bereich immer noch zu gering ist.“ Dipl.-Ing. Jörg
konnten. So sind 31 Stipendien zusammengekommen. Insgesamt Duensing
wurden im aktuellen Förderzeitraum 127 Stipendien vergeben.
„Ich studierte Biochemie und erhielt
Das Deutschlandstipendium wurde von der Bundesregie­ vom Land Niedersachsen ein Promotions­
rung ins Leben gerufen, um Studierende zu fördern. Es stipendium. Seit Jahren unterstütze
kann vergeben werden, wenn sich für die Hälfte der För­ ich Diplomanten und Doktoranden der
dersumme von 1800 Euro eine private Förderung findet. Naturwissenschaften bei der Karrierepla­
Die zweite Hälfte wird dann vom Bund finanziert. Aus einer nung und vermittele über mein globales
Spende von 150 Euro im Monat wird so ein Stipendium von Netzwerk Ansprechpartner in der Indust­
300 Euro im Monat. Die Leibniz Universität Hannover be­ rie, vorzugsweise in der Pharmaindustrie.
teiligt sich seit 2011 an dem Förderprogramm. Bewerben Durch ein Schreiben der Leibniz Univer­
können sich deutsche und internationale Studienanfänge­ sität in der Corona­Krise bin ich auf
rinnen und ­anfänger sowie Studierende höherer Fach­ das Deutschlandstipendium aufmerksam
semester. Neben guter Leistungen können Kriterien wie geworden. Ich freue mich, dass ich eine
soziales oder politisches Engagement, soziale Bedürftigkeit, Studierende der Biochemie auf diese Weise unterstützen kann
besonderer persönlicher Hintergrund, Auszeichnungen oder und etwas dem Land Niedersachsen und der Leibniz Universität
Preise bei der Auswahl eine Rolle spielen. Hannover zurückgeben kann.“ Dr. Hans-Jürgen Ehbrecht, HHE
Consulting GbR
´ Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium
finden Sie unter: www.uni-hannover.de/stipendien
sowie unter http://go.lu-h.de/alumni-stipendium-
fuer-studierende

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Unigeschehen | LeibnizCampus

ibniz Universität Hannover

„Für mich steht das Deutschlandstipen­ In der Vergangenheit wurden Förderinnen und Förderer so­
dium nicht nur für finanzielle Unter­ wie Stipendiatinnen und Stipendiaten im Lichthof des Welfen­
stützung. Es bedeutet vor allem eins: schlosses begrüßt und geehrt. Aufgrund der aktuellen Lage der
Wertschätzung. Es ist gleichermaßen An­ Corona­Pandemie konnte die festliche Verleihung aller Deutsch­
erkennung und Ermutigung dafür, dass landstipendien nicht wie gewohnt persönlich stattfinden. Daher
sich harte Arbeit im Studium bezahlt sendete der Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Epping online
macht. Aber wichtiger noch: Es ist auch ein Grußwort.
ein Zeichen des Zusammenhalts, mit der
klaren Botschaft, dass Bildung und För­ Das Grußwort mit Hintergründen zur diesjährigen Stipendien­
derung auch in solch schwierigen Zeiten aktion kann unter folgendem Link gesehen werden:
nicht vernachlässigt werden dürfen.“ ´ http://go.lu-h.de/verleihung-deutschlandstipendium
Jannik Sendzikowski, Masterstudium
„Informationstechnologierecht und Recht des geistigen Eigentums“

„Bisher brachte ich meine Tochter (4) Begrüßung in den Herrenhäuser Gärten
in den Kindergarten und holte sie direkt
nach den Vorlesungen ab. Am Wochenen­ Bei bestem Herbstwetter wurden die „Ersis“ der Landschafts­
de war sie bei Oma, damit ich arbeiten architektur und Umweltplanung des Wintersemesters 2020/21
gehen konnte, um das Studium zu finan­ am 13. Oktober 2020 in passendem Ambiente willkommen
zieren. Jetzt konnte ich meiner Tochter geheißen. Unter Berücksichtigung der geltenden Vorsichts­
am Wochenende sagen, dass sie diesmal maßnahmen auf Grund der Corona­Pandemie konnte Dekan
nicht zu Oma muss. Das Funkeln in den Prof. Christian Werthmann rund 120 Erstsemesterstudierende
Augen werde ich nicht vergessen. Ich bin der Landschaftsstudiengänge dieses Jahr in den Herrenhäuser
so dankbar dafür, dass das Stipendium Gärten empfangen. Nach der Begrüßung durch den Haus­
es mir möglich macht, nun neben der Uni herrn und Alumnus Ronald Clark sowie die Vorstellung der
auch etwas Zeit für die Familie zu haben.“ Fachgebiete ging es dann in Kleingruppen über das Univer­
Janina Oldemeyer, Bachelorstudium „Life-Science“ sitätsgelände. In den darauffolgenden Tagen ergänzten On­
line­Veranstaltungen das Angebot.
„Ich studiere Biochemie im Bachelor
im fünften Semester an der Leibniz Uni­ Bild: Julian Martitz
verstität in Kooperation mit der Medizi­
nischen Hochschule Hannover (MHH).
Für mich bedeutet das Stipendium die
Würdigung der erbrachten Leistungen.
Man bekommt das Gefühl, dass sich die
Mühen und der Aufwand gelohnt haben.
Das Stipendium bedeutet, dass ich stolz
auf das sein kann, was ich bisher erreicht
habe. Auch der Kontakt mit dem Förderer
ist für mich sehr wichtig, denn dieser gibt
mir die Möglichkeit, bereits Kontakte für das spätere Berufsleben
zu knüpfen.“ Laura Kampe, Bachelorstudium „Biochemie“

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©Teak Sato/www.sxc.hu Wir danken unseren
Förderinnen und Förderern:

BERDING BETON GmbH | BRANDI Bielefeld GbR | Bundesdruckerei GmbH | Cray-Stiftung | d-fine GmbH
| Dipl.-Ing. Jürgen Rehmer | Dirk Rossmann GmbH | Dr. Edelgard Bulmahn | DR. JOHANNES HEIDEN-
HAIN GmbH | Dr. Monika Spiller | Dr.-Ing. Daniel Beckmann | Ed. Züblin AG | enercity AG | ExxonMobil
Production Deutschland GmbH | FIH Fürst Immobilien Hannover GmbH | Fördergesellschaft des Lions
Club Hannover-Leinetal e.V. | Förderverein Soroptimist Club Hannover e.V. | Freunde der Herrenhäuser
Gärten e.V. | Hannoversche Volksbank eG | Hans Dederding GmbH | HARTING Stiftung & Co. KG | HDI
Group | HHE Consulting GbR | htm.a Hartmann Architektur GmbH | Ingeborg und Wolfgang Walther
Stiftung | Jörg Duensing und Dr. Silke Wißmann | Kanzlei am Döhrener Turm – Tönjes & Behn GbR |
Kjellberg-Stiftung | klasing karaçay klasing gbr | Leibniz Universitätsgesellschaft Hannover e.V. | Lenze
SE | LPKF Laser & Electronics AG | Magrathea Informatik GmbH | Mecklenburgische Versicherungs-
Gesellschaft a.G. | MKP GmbH | MTU Maintenance Hannover GmbH | Nil und Torhan Berke | NORD/LB
Norddeutsche Landesbank | Phoenix Contact GmbH & Co. KG | Prof. Dr. Michael Breitner | Prof. Dr.
Rainer Parchmann | Prof. Rolf Wernstedt | Rheinmetall AG | Rudolf Petzold Stiftung | Sartorius
Corporate Administration GmbH | Schweerbau GmbH & Co. KG | Silke Pauling | Sparkasse Hannover |
T+A elekroakustik GmbH & Co. KG | TÜV NORD GROUP | Verein Haus Schleswig-Holstein e.V. | VGH
Versicherungen – Landschaftliche Brandkasse Hannover | VHV Stiftung | Wilhelm Lindenberg

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LeibnizCampus | Unigeschehen Unigeschehen | LeibnizCampus

Auszeichnung für Pferdestall

„Best Architects Award“ für gekonnte Sanierung

In den vergangenen Jahren hat die Leibniz Universität den 1888 getragen haben. Den anderen Teil hat die Leibniz Universität im
errichteten ehemaligen Pferdestall – ein langgestreckter Klinker- Rahmen der Bauunterhaltung finanziert. In einem zweiten Bau-
bau an der Appelstraße in Hannovers Nordstadt – umfassend abschnitt soll nun die Westseite des Königlichen Pferdestalls um-
sanieren lassen. Der erste Bauabschnitt konnte 2019 eröffnet gebaut werden.
werden, der zweite Abschnitt ist in Planung. Die gekonnte Sanie-
rung des historischen Militärgebäudes in eine moderne Begeg- Die Kosten werden auf rund drei Millionen Euro geschätzt, die
nungsstätte durch das Büro Haberland Architekten, Berlin, ist im
Dezember 2020 mit dem renommierten „Best Architects Award“ ebenfalls anteilig durch die Leibniz Universität und durch Spenden
ausgezeichnet worden.
getragen werden sollen. Weitere Spenden sind eingegangen, bei-
Durch den Umbau – initiiert vom Universitätspräsidenten a.D.
Prof. Dr.-Ing. Erich Barke – ist aus dem Militärrelikt ein multifunk- spielsweise hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundes-
tionaler, kommunikativer Ort mit historischem Charme geworden.
Die Sanierung konnte mit Hilfe von Spenden und privaten Sponso- tages für den zweiten Bauabschnitt bereits 200.000 Euro Förde-
rinnen und Sponsoren umgesetzt werden, die rund zwei Millionen
Euro der Sanierungskosten von insgesamt etwa 4,3 Millionen Euro rung bewilligt. mw

´ Weitere Informationen zu dem Projekt und Beteiligungs-
möglichkeiten unter www.uni-hannover.de/de/universitaet/
freunde-und-foerderer/fundraising/pferdestall/

Foto: Clemens Born
14

Unigeschehen | LeibnizCampus

Corona-Nothilfefonds

Unterstützung für Studierende

Der erneute Lockdown zum Wintersemester 2020/2021 führte für Die Studierenden benötigen auch
Studierende abermals zu finanziellen Herausforderungen. Manche weiterhin Ihre Unterstützung, denn
können weder auf Unterstützung der Eltern zählen, noch haben die Einschränkungen durch die Pan-
sie Zugang zu vorhandenen Hilfsangeboten. Studierende geraten demie belasten sie stark. Wie Sie helfen können erfahren Sie hier:
in finanzielle Not, denn die Mieten, Krankenkassenbeiträge und
Lebenshaltungskosten laufen weiter. ´ https://www.leibniz-universitaetsgesellschaft-hannover.de/
corona-nothilfefonds/
Neben der Möglichkeit, beim Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) Hilfe zu beantragen, gibt es nun den Corona- „Ich habe mit großer Besorgnis gesehen, wie für viele
Nothilfefonds für Studierende der Leibniz Universität Hannover. junge Leute – ob Azubis, Lehrlinge, Studierende – wegen
Dieser tritt ein, wenn die Kriterien der Überbrückungshilfe des der Corona-Pandemie die Jobs wegbrechen, mit denen viele
Bundes nicht erfüllt werden. Das Hochschulbüro für ChancenViel- von ihnen ihre Ausbildung beziehungsweise ihr Leben finan-
falt, die Leibniz Universitätsgesellschaft und das Alumnibüro der zieren. Als ich im Herbst 2020 hörte, dass manche Studie-
Leibniz Universität Hannover möchten damit Sorge tragen, dass rende sich nicht zurückmelden können, weil ihnen das Geld
keine Studentin und kein Student durch die Corona-Krise vom für die Krankenversicherung fehlt, war für mich klar: Hier
Studium ausgeschlossen wird. Der Corona-Nothilfefonds wird aus kann ich etwas tun! Also habe ich Frau Gotzmann vom
privaten Spenden finanziert. Nach aktuellem Stand von Januar Hochschulbüro für ChancenVielfalt angeboten, für ein paar
2021 wurden über 22.000 Euro gespendet. Studierende diese Summe zu spenden. Das war der Start
für den Nothilfe-Fonds. Wie schön, dass das Echo und die
Studierende der Leibniz Universität Hannover können bis Ende Spendierbereitschaft so groß sind!“
April eine Unterstützung beantragen, wenn sie ihre pandemie-
bedingte Notlage erklären und belegen und ihre laufenden Kosten Prof. Dr. Liselotte Glage, Professorin und Vizepräsidentin i.R.,
aus eigener Kraft nicht tragen können. gab den Anstoß für die Initiative.

Die Anträge müssen beim Hochschulbüro für ChancenVielfalt ein-
gereicht werden. Dort wird auch gegebenenfalls über andere Hil-
fe- und Beratungsmöglichkeiten, wie beispielsweise vom Studen-
tenwerk, informiert. Vermehrt bewarben sich bisher gerade inter-
nationale Studierende. Diese sind besonders betroffen, da sie
häufiger auf Studentenjobs angewiesen sind.

Mitgliederversammlung

Liebe Mitglieder der Leibniz Universitätsgesellschaft Hannover,
die Mitgliederversammlung ist für uns immer wieder ein Höhepunkt des Jahres. Doch 2020 und 2021 ist aufgrund der Corona-
Krise alles anders und so konnte noch keine Versammlung stattfinden. Sobald wir eine Mitgliederversammlung abhalten können,
werden wir Sie darüber informieren. Zu allen Veranstaltungen, die stattfinden werden, erhalten Sie rechtzeitig eine Einladung per
Post – oder sehr gerne auch digital, wenn Sie dies wünschen und uns Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
´ Bitte informieren Sie sich auch über unsere Webseite: https://www.leibniz-universitaetsgesellschaft-hannover.de/
Unter „Aktuelles“ halten wir Sie auf dem Laufenden. Wir freuen uns auf das baldige Wiedersehen und bleiben Sie gesund!

Antje Doll, Geschäftsführerin, Leibniz Universitätsgesellschaft Hannover e. V.

15

LeibnizCampus | Unigeschehen

„Das war eine prägende und schöne Zeit.“

Alumnus Olof Seidel neu im Vorstand der Universitätsgesellschaft

Sie haben in den neunziger Jahren Volks- und Betriebswirtschafts- (CFO) sowie Chief Operating Officer (COO) haben Sie eine breit-
lehre an der Leibniz Universität studiert. Wie sind Sie dazu gekom- gefächerte Verantwortung: Business Management & Operations,
men und was war das für Sie für eine Zeit? KreditServices Retail (KSR), Banksteuerung/Finanzen, Konzern-IT
und Compliance/Konzernsicherheit. Was ist das Spannende an
Die Frage wie und warum man sich im Teenageralter für ein be- Ihrem Beruf?
stimmtes Studium entscheidet, füllt sicherlich einige Forschungs-
arbeiten. Ich hatte keine große SWOT Analyse gemacht. Vielmehr Für mich ist der Wechsel zwischen den Kulturen sehr spannend.
hatte ich vorher acht Jahre in Kopenhagen gelebt und dort das Je nach Land kann ich schon Unterschiede erkennen, wie die Kol-
Abitur an einem dänischen Gymnasium gemacht und wollte mal leginnen und Kollegen an die Problemlösung herangehen. Das hat
wieder eine andere Sprache und Kultur erleben. Insofern war es sicherlich etwas mit den Unterschieden in der Sozialisation, der
der Wunsch in einem anderen Land als Dänemark das Studium zu Sprache und Kultur, der Größe und der Entwicklung des Landes,
beginnen. Das Thema Ökonomie interessierte mich schon in der aber auch mit den konkreten Standortbedingungen einer Stadt
Schule. Deswegen hatte ich mir drei Universitäten ausgesucht. Ich oder Region zu tun. Ich würde vielleicht sagen, dass eine Konstan-
entschied mich dann für Hannover, weil mir die Ausrichtung des te meiner verschiedenen beruflichen Stationen vor allem die Bear-
Studienfaches gefallen hat. Außerdem habe ich Familie im Harz. beitung von komplexen Veränderungssituationen ist, wie etwa
Das Ausziehen von zu Hause in Kopenhagen war zwar ‚cool‘, aber Strategiewechsel, neue regulatorische Rahmenbedingungen oder
einen Anlaufpunkt in der Nähe von Hannover zu haben, war auch Kauf und Verkauf von Beteiligungen.
ein Argument.
Sie haben als Vorstand der DNB NORD Polska, eine Tochter der
Gab es Lehrende, die bleibenden Eindruck hinterlassen haben? größten norwegischen Bankengruppe DNB, erfolgreich ein umfas-
Fühlten Sie sich durch das Studium gut vorbereitet für einen Be- sendes Restrukturierungsprogramm geleitet. Auch bei der NordLB
rufseinstieg in den Bankensektor? sind Sie unter anderem für das Transformationsprogramm NORD/
LB 2024 verantwortlich. Welche Herausforderungen sehen Sie für
Neben den Studienfreunden, zu denen ich immer noch einen sehr die NordLB?
guten Kontakt habe, waren es die Professoren, aber auch die Do-
zenten die uns in Workshops die Themen nähergebracht haben. Ich Die NORD/LB hat mit der Rekapitalisierung Ende 2019 begonnen,
erinnere mich insbesondere an die Professoren Haslinger, Ballwieser sich neu aufzustellen und zu transformieren. Mit der Kapitalisie-
und Heinemann. Außerdem hatte ich im Hauptstudium Vorlesun- rung war auch die Verpflichtung gegenüber den Eigentümern ver-
gen bei Prof. Dr. Ludwig Schätzl und später bei seinen Assistenten bunden, perspektivisch wieder ein ökonomisches Ergebnis zu er-
Rolf Sternberg und Javier Revilla-Diez. Das war eine prägende und arbeiten, das den Ansprüchen der Eigentümer genügt. Gegenüber
schöne Zeit. Ich hatte nach der Wende meine Diplomarbeit zum unseren Kunden wollen wir das bewährte Franchise in verschiede-
Thema der ökonomischen Standortbedingungen in Sachsen-Anhalt nen Geschäftssegmenten weiterentwickeln und vor allem im Be-
geschrieben. Eine Zeit voller Umbrüche, die ich gut in meiner Ab- reich der Finanzierung von erneuerbaren Energien unsere gute
schlussarbeit zusammenfassen konnte. Aus der Arbeit wurde später Marktposition weiter ausbauen. Und vor allem wollen wir eine
ein ‚Standortatlas Sachsen-Anhalt‘. Und auf ihre Frage: Ja, ich Perspektive für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwi-
fühlte mich mit dem Studium an der Uni Hannover gut vorbereitet. ckeln, über Investitionen in neue Technologien und Prozesse neue
Arbeitsformen zu entwickeln. Die aktuellen Herausforderungen
Sie können auf eine Karriere im In- und Ausland zurückblicken durch die Covid-Situation sind auch für die Bank und ihre Mitar-
und als Vorstandsmitglied der NordLB und Chief Financial Officer beiter eine Belastung. Ich habe aber das Gefühl, dass wir durch,
die Pandemie und mobile Arbeitsformen – über 80% arbeiten in-
zwischen aus dem Home-Office – nochmal enger zusammenge-
rückt sind. Aber natürlich ist die Transformation der NORD/LB mit
großen Umstellungen verbunden und die Bank wird absehbar klei-
ner mit weniger Kolleginnen und Kollegen. Es ist unsere Aufgabe,
diesen Prozess verantwortungsvoll zu steuern, um die Ziele, die ich
oben skizziert habe, auch zu erreichen.

Seit diesem Jahr sind Sie auch im Vorstand der Leibniz Univer-
sitätsgesellschaft aktiv. Wie sehen Sie die Rolle der Universitäts-
gesellschaft?

Die Leibniz Universität Hannover mit ihrer breit aufgestellten
Kompetenz kann die Pandemie aus meiner Sicht als Anlass neh-
men, um die verschiedenen Aspekte und Konsequenzen aus der
Pandemie im Sinne einer Querschnittsfunktion in Forschung und
Lehre aufzunehmen. Hier kann die Universitätsgesellschaft unter-
stützend tätig werden. Ich bin mir sicher, dass wir in der Gesell-
schaft sehr viele Diskussionen haben werden, was wir aus der
Pandemie lernen und welche konkreten Dinge wir in einer ‚Post-
Pandemie-Zeit‘ besser machen können.

16

Unigeschehen | LeibnizCampus

Preisverleihung im Pferdestall

Rizkallah Stiftung und NiedersachsenMetall fördern Nachwuchs

Die Victor Rizkallah-Stiftung und die Stiftung Nieder- Preisträgerinnen und Preisträger 2020 zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Ludger Lohaus,
sachsenMetall haben am 16. Oktober 2020 im Königlichen Vorstandsvorsitzender der Stiftung, Ursula Rizkallah, Vorstandsmitglied der Stiftung,
Pferdestall Förderpreise an junge Absolventinnen und Ab- Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Victor Rizkallah, Stifter, stellv. Vorstandsvorsitzender der
solventen der Leibniz Universität Hannover vergeben. Mit Stiftung. Foto: ©Thomas Damm
den Auszeichnungen würdigen die Stiftungen herausra-
gende Abschlussarbeiten. Die Feierlichkeiten fanden coro-
nabedingt in einem kleinen Rahmen statt. Eröffnet wurde
die Veranstaltung durch den Stifter und stellvertretenden
Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing.
E.h. Victor Rizkallah.

2020 wurden insgesamt sieben Nachwuchswissenschaft-
lerinnen und -wissenschaftler für eine Auszeichnung vor-
gesehen. Fünf erhalten Förderpreise der Victor Rizkallah-
Stiftung, darunter ein Preis gefördert von der Stiftung der
Bauindustrie Niedersachsen-Bremen. Die Stiftung Nieder-
sachsenMetall vergab zwei Förderpreise. Die Victor Riz-
kallah-Stiftung geht auf die Initiative von Prof. Victor
Rizkallah zurück, der von 1978 bis 2000 an der Leibniz
Universität Hannover lehrte und forschte und ihr jetzt als
Ehrenbürger verbunden ist. Ziel ist die Förderung wissen-
schaftlichen Nachwuchses. Die Stiftung Niedersachsen-
Metall verfolgt mit der Preisverleihung das gleiche Ziel. sl

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17

LeibnizCampus | Unigeschehen

„So gut wie keiner hat sich mit
seiner Vergangenheit auseinandergesetzt“

Historiker Michael Jung legt Studie zur NS-Belastungen von Professoren nach 1945 vor

Die Leibniz Universität hat sich mit ei- stattfand: Die ehrliche Erinnerung daran, wie man sich in der Zeit
ner weiteren Veröffentlichung ihrer des Nationalsozialismus verhalten hat“, schreibt Jung in seiner Ein-
Geschichte gestellt: Der Historiker Mi- leitung. Die Leibniz Universität ist die erste Hochschule, die sich
chael Jung untersucht in der Publika- diesen Fragen für die Zeit nach 1945 in dieser Ausführlichkeit
tion „Eine neue Zeit. Ein neuer Geist?“ stellt.
die nach 1945 tätigen Professoren an
der Technischen Hochschule Hannover In sechs Kapiteln hat der Historiker zusammengetragen, in wel-
in Hinblick auf ihre NS-Belastung. Im chen NS-Organisationen die an der TH/TU Hannover arbeitenden
Mittelpunkt stehen die akademischen Professoren vor 1945 registriert waren und wie stark der Grad der
Biographien von 326 Professoren, die Belastung jeweils war. Es wird analysiert, wie die Professoren der
spätestens 1927 geboren sind und alle Hochschule mit ihrer und der NS-Vergangenheit der gesamten
an der Universität Hannover und ih- Hochschule umgegangen sind. Ein weiteres Kapitel führt Kurzbio-
ren Vorgängerinstitutionen nach 1945 grafien belasteter Professoren auf. In einem Exkurs zeigt der His-
beschäftigt waren (letzte Berufung 1978). Die Arbeit gibt erstmals toriker, wie es Opfern und Gegnern des Nationalsozialismus an der
einen nahezu vollständigen Überblick über die Mitgliedschaften, TH/TU Hannover erging.
insbesondere der Professoren der Technischen Hochschule, der
Technischen Universität und der Universität Hannover in NS-Orga- Michael Jung gehört zu einer Arbeitsgruppe, die der Senat im Jahr
nisationen, ihr etwaiges Engagement darin sowie über andere, das
NS-Regime unterstützende Tätigkeiten. Dabei liegt der Schwer- 2011 eingerichtet hat und die sich bis heute intensiv mit der Auf-
punkt auf den Mitgliedern des Senats, der sich bis 1968 aus Rek-
tor, Prorektoren, Dekanen der Fakultäten und von den Professoren arbeitung der NS-Zeit an der damaligen Technischen Hochschule
gewählten Senatoren zusammensetzte.
Hannover befasst. Eine erste Publikation ist bereits 2016 erschie-
Die Studie konzentriert sich auf personenbezogene Aspekte und
ist ausdrücklich keine Geschichte der TH/TU Hannover zwischen nen und befasst sich mit der Zeit zwischen 1933 und 1945. Für
1945 und 1978. „Die Arbeit will nachholen, was von der betroffe-
nen Generation eigentlich hätte geleistet werden müssen, was diesen zweiten Teil waren aufwändige Recherchen in in- und aus-
nach dem Ende des NS-Regimes aber so gut wie überhaupt nicht
ländischen Archiven notwendig, um die Frage nach den personel-

len Kontinuitäten der Amtsträger nach 1945 zu beantworten. „Am

erschreckendsten war, dass sich so gut wie keiner mit seiner Ver-

gangenheit auseinandergesetzt hat“, berichtet der Autor über sei-

ne Arbeit. „Lediglich einer der Professoren stand dazu.“ ats

Michael Jung: Eine neue Zeit. Ein
neuer Geist? Eine Untersuchung über
die NS-Belastung der nach 1945 an
der Technischen Hochschule Hannover
tätigen Professoren unter besonderer
Berücksichtigung der Rektoren und
Senatsmitglieder, Hg. v. Präsidium der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität
Hannover, Michael Imhof Verlag,
Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-
1082-4

Verleihung der Ehrendoktorwürde unter anderem an den ehemaligen Präsiden- Das Buch ist online einsehbar im Repositorium der Technischen
ten der Ostbahn in Krakau, Adolf Gerteis, im Rektorat der TH Hannover am Informationsbibliothek: www.repo.uni-hannover.de/handle/
18.2.1951. Foto: HAZ-Hauschild-Archiv, Historisches Museum Hannover. 123456789/10276

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Leibniz Universität
Hannover kann unter folgendem Link nachgelesen werden. Dort
finden sich auch Interviews der Mitglieder der Senats-Arbeits-
gruppe, die Online-Buchvorstellung mit Michael Jung sowie wei-
terführende Informationen: https://www.uni-hannover.de/de/
universitaet/profil/geschichte/aufarbeitung-der-ns-zeit/

18

Unigeschehen | LeibnizCampus

Neues Studentenwohnheim „Haus am Berggarten“

Das Studentenwerk Hannover hat ein neues Wohnheim für ten nachhaltig. So trägt Holz als Baustoff zu einer verbesserten
Studentinnen und Studenten gebaut. Im sogenannten „Haus Öko-Bilanz bei, zudem hat sich durch die vorgefertigten Holz-
am Berggarten“ in der Haltenhoffstraße im Stadtteil Herren- tafelelemente auch die Bauzeit verkürzt. Darüber hinaus wird Be-
hausen befinden sich 184 neue Wohnheimplätze, die seit letz- zug zu den botanischen Instituten der Uni mit Gewächshäusern
tem Herbst bezugsfertig und bereits voll belegt sind. und dem namensgebenden Berggarten in der Nachbarschaft ge-
nommen.
Das Studentenwohnheim besteht aus vier Wohngebäuden, deren
Geschosse unterschiedlich hoch sind, wodurch ein abwechslungs- Im März 2019 begannen die Bauarbeiten auf dem 4500 m² großen
reiches Straßenbild an der Haltenhoffstraße 95 A-D erzeugt wer-
den soll. Die Gebäude sind durch einen Sockelbau im Erdgeschoss Grundstück, das von der Leibniz Universität Hannover zur Verfü-
miteinander verbunden und erfüllen die Standards des barriere-
freien Wohnens. In diesem Sockelbau befinden sich unter ande- gung gestellt wurde. Zusätzlich wurde das Projekt vom Land Nie-
rem Lern- und Arbeitsräume der Leibniz Universität Hannover und
ein großer Gemeinschaftsraum, womit der Neubau „Wohnen“ und dersachsen gefördert, denn der Bedarf ist groß: nur 5,9 Prozent
„Lernen“ vereinigt und optimale Bedienungen für Studierende
schafft. Neben der modernen Ausstattung machen die Nähe zur der Studierenden in Hannover wohnt in studentischen Wohnhei-
Leibniz Universität Hannover sowie zu den den „Hot-Spots“ für
Studierende, den Herrenhäuser Gärten und zu den Stadt- und men. In diesem Sinn kommentierte auch Universitätspräsident
Straßenbahnen das Wohnhaus besonders reizvoll. Für Komfort in
und am Wohnheim ist ebenfalls gesorgt. So zählen Fahrradstell- Prof. Dr. Volker Epping die Fertigstellung: „Der Schritt der Leibniz
plätze vor dem Haus, Wasch- und Trockenraum sowie eine kleine
Grünanlage zur Ausstattung. Zudem steht das Wohnprojekt ganz Universität, dem Studentenwerk das Grundstück in der Halten-
im Zeichen der Zeit: Die gewählte Hybridbauweise mit Stahlbeton-
elementen und einer Fassade aus Holztafelelementen mit außen hoffstraße per Erbbaurecht vor einigen Jahren zur Verfügung zu
sichtbarer Lärchenverkleidung, sind nach Angaben der Architek-
stellen, war notwendig und richtig. So haben wir auch unsererseits

ein aktives Zeichen gegen die Wohnungsnot gesetzt und uns nicht

nur auf die Politik verlassen. Auch wenn wir die Erweiterungsflä-

chen für die Campi der Leibniz Universität in der Nordstadt drin-

gend brauchen, war dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit

unseren Studierenden, die mehr denn je auf bezahlbaren Wohn-

raum angewiesen sind.“ Mit dem Neubau des „Haus am Berg-

garten“ hat das Studentenwerk insgesamt vier Wohnheim-Projekte

innerhalb der vergangenen vier Jahre realisiert. sg

Fototermin nach der Fertigstellung: v.l.: Prof. Dr. Volker Epping (Präsident der Leibniz Universität Hannover), Björn Thümler (Niedersachsens Minister für Wissen-
schaft und Kultur) und Michael Knüppel (Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover) Foto: Nico Herzog für Studentenwerk Hannover.

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LeibnizCampus | Unigeschehen

Onlinesemester bleibt Herausforderung

Umfrage unter Studierenden zeigt differenziertes Bild

Wie die Studierenden mit dem ersten Onlinesemester zurechtge- Rund dreiviertel (77 %) der Teilnehmenden hat den Kontakt zu
kommen sind, wollte die Leibniz Universität durch eine Umfrage in
Erfahrung bringen. Fast 4900 Studierenden haben bei der Befra- Kommilitonen ausdrücklich vermisst, 72 Prozent haben sich selten
gung der Zentralen Einrichtung für Qualitätsentwicklung für Stu-
dium und Lehre (ZQS) mitgemacht und ein sehr differenziertes Bild oder nie mit anderen zum gemeinsamen Lernen real getroffen.
der Situation gezeichnet. Gängigstes Arbeitsgerät ist, wenig über-
raschend, der Laptop (70%) und gearbeitet wurde überwiegend Online zusammen zu arbeiten haben aber 38 Prozent in den
zuhause (65%) oder in der Wohnung der Eltern (32%). Nur ein
Prozent besuchte Lernräume – die auch nur eingeschränkt nutzbar Break-out-Rooms der Video-Tools gelernt und dies überwiegend
waren – in der Universität. Etwa neun Prozent der Studierenden ist
durch die Coronapandemie wieder zu ihren Eltern gezogen. positiv beurteilt. Doch auch hier gibt es die andere Seite: 35 Pro-

Am häufigsten wurden Videokonferenzen und zeitunabhängige zent geben an, dass sie nicht gelernt haben, mit anderen online
Vorlesungsaufzeichnungen genutzt, die mit einem Anteil zwi-
schen 60 Prozent und 75 Prozent als gut oder sehr gut bewertet zusammenzuarbeiten und etwa die Hälfte (53 %) gibt an, dass
wurden. Ihre technische Ausstattung reichte 82 Prozent der Stu-
dierenden völlig aus. Aber es gibt auch eine andere Seite: Der die Ergebnisse gemeinsamer digitaler Arbeit schlechter sind als
WLAN-Zugang und die technische Ausstattung waren für jeweils
sechs Prozent unzureichend, auch von denen, die Zugang zu die Ergebnisse in sonst üblichen real stattfindenden Arbeitsgrup-
WLAN und eine gute Ausstattung hatten, bemängelte ein Groß-
teil instabile Leitungen und schlechte Bild- und Tonqualität. Für pen. Beinahe die Hälfte der Studierenden erklärte, viel mehr Zeit
37 Prozent der Studierenden war die Arbeit mit Online-Tools
völlig neu. zu brauchen, um die Lehrinhalte zu verstehen, eine fast ebenso

hohe Zahl fühlte sich oft überfordert. Ein weiteres Problem ist für

viele Studierende (40 %) die mangelnde Motivation für die Teil-

nahme an der Online-Lehre. Auf der anderen Seite gibt es aber

auch Studierende, die sehr gut mit der Online-Lehre zurechtkom-

men. So sind 37 Prozent (sehr) motiviert und 48 Prozent fühlen

sich wohl dabei, online allein zu arbeiten. Ein Lob galt den Lehren-

den: Die Mehrheit (61%) der Studierenden bescheinigt ihnen, die

Umstellung gut bewerkstelligt zu haben. mw

´ Den vollständigen Bericht finden Sie hier: go.lu-h.de/
befragung-ergebnisse

Alleine und am Laptop: So sieht das Onlinesemester für die meisten Studierenden aus. Foto: pixabay
20

Unigeschehen | LeibnizCampus

Personalia und Preise

Rufe an die Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Gianfranco Walsh hat den Ruf auf die W3-Professur „Be-
triebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing“ angenommen.
Prof. Dr. Guido Bünsdorf hat den Ruf auf die W3-Professur
„Institutionen und Prozesse der Wissensgesellschaft“ abgelehnt. Rufe nach außerhalb

Dr. Friedemann Reinhard hat den Ruf auf die W2-Professur Prof. Dr. Jan Lüttringshaus hat den Ruf auf die W3-Professur
„Festkörper-Quantenmetrologie“ abgelehnt. „Bürgerliches Recht und Internationales Privat- und Verfahrens-
recht“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erhalten und
Dr. Sophia Rudorf hat den Ruf auf die W2-Professur mit Tenure abgelehnt.
Track nach W3, „Computational Biology“ angenommen.
Prof. Dr. Steffen Schön hat den Ruf an die Universität Laval in
Dr. Ilja Gerhardt hat den Ruf auf die W2-Professur „Festkörper- Quebec (Kanada) abgelehnt.
Quantenmetrologie“ erhalten.
Prof. Dr.-Ing. Bernhard Wicht hat den Ruf auf die W3- Professur
Dr.-Ing. Philipp Junker hat den Ruf auf die W3-Professur „Mikroelektronik“ der Universität Freiburg erhalten.
„Kontinuumsmechanik“ angenommen.
Prof. Dr. Kerstin Kremer hat den Ruf auf die W3- Professur
Dr. Johannes Krugel hat den Ruf auf die W2-Professur mit Tenure „Biologiedidaktik“ der Justus-Liebig-Universität Gießen erhalten.
Track nach W2 „Digitale Bildung und Didaktik der Informatik“ an-
genommen. Prof. Dr. Moritz Börnert-Ringleb hat den Ruf auf die W3- Profes-
sur „Pädagogik für Beeinträchtigung des Lernens“ der Europa Uni-
Dr. Johannes Lankeit hat den Ruf auf die W2-Professur mit Tenure versität Flensburg erhalten.
Track nach W2 „Mathematische Modellbildung, insbesondere in
den Biowissenschaften“ angenommen. Prof. Eirini Ntoutsi, Ph.D. hat den Ruf auf eine W3-Professur an
der FU Berlin erhalten.
Dr. Kathleen Loock hat den Ruf auf die W1-Professur mit Tenure
Track nach W2 „American Studies und Medienwissenschaft“ ange- Ernennung zur Universitätsprofessorin /
nommen. zum Universitätsprofessor

Jun.-Prof. Dr. Andreas Mühling hat den Ruf auf die W2-Professur Prof. Dr. Ziawasch Abedjan; Fakultät für Elektrotechnik und
mit Tenure Track nach W2 „Digitale Bildung und Didaktik der Informatik, mit Wirkung vom 01.09.2020
Informatik“ abgelehnt.
Dr. Natalia Tschowri; Naturwissenschaftliche Fakultät, mit Wir-
Prof. Dr. Stephan Peth hat den Ruf auf die W2-Professur „Boden- kung vom 15.10.2020
biophysik“ angenommen.
Dr. Cornelius Herz; Philosophische Fakultät, mit Wirkung vom
Prof. Dr. Alexander Popp hat den Ruf auf die W3-Professur 01.10.2020
„Kontinuumsmechanik“ abgelehnt.
Dr. Till Bruckermann; Philosophische Fakultät, mit Wirkung vom
Prof. Dr. Stefan Rupitsch hat den Ruf auf die W3-Professur 01.01.2021
„Sensorsysteme in der Produktionstechnik“ abgelehnt.
Ernennung zur Universitätsprofessorin /
Matthew Sample, PhD, hat den Ruf auf die W2-Professur mit zum Universitätsprofessor auf Zeit
Tenure Track nach W2 „Responsible Research and Innovation“ an-
genommen. Dr. Arndt Reichert; Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, mit
Wirkung vom 01.09.2020
Prof. Dr.-Ing. Martin Claßen hat den Ruf auf die W3-Professur
„Massivbau“ erhalten. Dr. Dag Heinemann; Naturwissenschaftliche Fakultät, mit Wir-
kung vom 01.10.2020
Prof. Dr. Nadja Dwenger hat den Ruf auf die W3-Professur „Volks-
wirtschaftslehre mit Schwerpunkt Öffentliche Finanzen“ erhalten. Jun.-Prof. Dr. Carolin König; Naturwissenschaftliche Fakultät, mit
Wirkung vom 01.10.2020
Dr. Anna Ijjas hat den Ruf auf die W2-Professur „Gravitationsthe-
orie und Kosmologie“ angenommen. Dr. Johannes Lankeit; Fakultät für Architektur und Landschaft,
mit Wirkung vom 01.10.2020
Prof. Dr. Markus Knobloch hat den Ruf auf die W3-Professur
„Stahlbau“ abgelehnt.

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LeibnizCampus | Unigeschehen

Dr. Johannes Krugel, Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, Versetzung in den Ruhestand
mit Wirkung vom 01.12.2020 vor Erreichen der Altergrenze

Dr. Johann Nils Foege, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, mit Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Bellgardt; Naturwissenschaftliche Fakul-
Wirkung vom 01.12.2020 tät, mit Ablauf des Monats September 2020

Bestellung zum / zur Juniorprofessor/in Prof. Dr.-Ing. Dirk Bohne; Fakultät für Architektur und Land-
schaft, mit Ablauf des Monats September 2020
Dr. Cathleen Loock; Philosophische Fakultät, mit Wirkung vom
01.12.2020 Beendigung des Beamtenverhältnisses
zum Land Niedersachsen kraft Gesetz
Bestellung zum / zur
nebenberuflichen Vizepräsidenten/in Prof. Dr.-lng. Steffen Marx; Fakultät für Bauingenieurwesen und
Geodäsie, mit Ablauf des 31.01.2020
Prof. Dr-Ing. Holger Blume wird zum Vizepräsidenten für For-
schung und Transfer der Leibniz Universität mit einer Amtszeit Prof. Dr. Christian Heinze; Juristische Fakultät, mit Ablauf des
vom 15.1.2021 bis zum 14.1.2024 bestellt. 30.09.2020

Prof. Dr. Julia Gillen wird zur Vizepräsidentin für Lehre und Studi- Prof. Eirini Ntoutsi, Ph.D., Fakultät für Elektrotechnik und Infor-
um der Leibniz Universität mit einer Amtszeit vom 1.1.2021 bis matik mit Ablauf des 28.02.2021
zum 31.12.2023 bestellt.
Beendigung des Dienstverhältnisses
Prof. Dr. Joachim Escher wird zum Vizepräsidenten für Beru-
fungsangelegenheiten, Personalentwicklung und Weiterbildung Jun.-Prof. Dr. Susanne Weßnigk; Fakultät für Mathematik und
der Leibniz Universität mit einer Amtszeit vom 15.1.2021 bis zum Physik, mit Ablauf des 31.07.2020
14.1.2024 bestellt.
Prof. Dr. Tobias Ortmaier; Fakultät für Maschinenbau, mit Ablauf
Prof. Dr. Christina von Haaren wird zur Vizepräsidentin für Inter- 31.12.2020
nationales und Nachhaltigkeit der Leibniz Universität mit einer
Amtszeit vom 1.1.2021 bis zum 31.12.2023 bestellt. Beendigung des Dienstverhältnisses
als Juniorprofessor / Juniorprofessorin
Einstellung zur Universitätsprofessorin /
zum Universitätsprofessor im Arbeitsverhältnis Jun.-Prof. Dr. Tanja Mölders; Fakultät für Architektur und Land-
schaft, mit Ablauf des 08.09.2020
Prof. Oliver Thill; Fakultät für Architektur und Landschaft, mit
Wirkung vom 01.09.2020 Jun.-Prof. Dr. Daniel Schnitzlein; Wirtschaftswissenschaftliche
Fakultät, mit Ablauf des 30.11.2020
Prof. André Kempe; Fakultät für Architektur und Landschaft, mit
Wirkung vom 01.09.2020 Verstorben

Eintritt in den Ruhestand Prof. Dipl.-Ing. M.A. Hans-Günter Genenger; ehemals Univer-
bei Erreichen der Altergrenze sitätsprofessor für Architekturinformatik am Institut für Ge-
staltung und Darstellung, verstarb am 10.03.2020 im Alter von
Ltd. Regierungsdirektor Horst Bauer; Zentrale Universitätsverwal- 71 Jahren.
tung – Dezernat 3, mit Ablauf des Monats August 2020
Günter Winkelmann; ehemaliger Mitarbeiter in Technik und Ver-
Prof. Dr. Eva Hacker; Fakultät für Architektur und Landschaft, mit waltung Oberregierungsrat a.D., verstarb am 07.05.2020 im Alter
Ablauf des Monats September 2020 von 93 Jahren.

Prof. Dr. Herbert Pfnür; Fakultät für Mathematik und Physik, mit Prof. Dr. theol. Heinz-Jürgen Görtz; ehemals Universitätsprofes-
Ablauf des Monats September 2020 sor für Theologie und Religionswissenschaft, verstarb am
15.05.2020 im Alter von 72 Jahren.
Prof. Dr. Rainer Schulze; Philosophische Fakultät, mit Ablauf des
Monats September 2020 Saskia Kraus; Institut für Zellbiologie und Biophysik, verstarb am
13.10.2020 im Alter von 26 Jahren.
Prof. Dr. Elfriede Billmann-Mahecha; Philosophische Fakultät,
mit Ablauf des Monats Dezember 2020 Dr. Martin Beyersdorf; ehemals Leiter der Zentralen Einrichtung
für Weiterbildung, verstarb am 02.11.2020 im Alter von 66 Jah-
ren.

22

Unigeschehen | LeibnizCampus

Prof. Dipl.-Ing. Günter Nagel; ehemals Universitätsprofessor am Ein Team aus Studentinnen und Studenten der Medizinischen
Institut für Landschaftsarchitektur, verstarb am 24.11.2020 im Hochschule Hannover und der Leibniz Universität Hannover ist für
Alter von 84 Jahren. sein Biosensorkonzept bei dem internationalen Wettbewerb „Inter-
national Genetically Engineered Machine Competition“ (iGEM) mit
Joachim Grüne; ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter und Be- einer Goldmedaille ausgezeichnet und für einen Spezialpreis nomi-
triebsleiter beim Forschungszentrum Küste, verstarb am niert worden. Damit erreichte erstmals ein Projekt aus Hannover
07.01.2021 im Alter von 78 Jahren. bei diesem Wettbewerb eine so hohe internationale Auszeichnung.
Die Studierenden forschten ein Jahr lang im Bereich der Syntheti-
Gabriele Erika Duckert-Hansen; ehemals Institut für Finanzwirt- schen Biologie, Implantatforschung und Modellierung am Nieder-
schaft und Rohstoffmärkte, verstarb am 13.01.2021 im Alter von sächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung
60 Jahren. und Entwicklung (NIFE)

Michael Klose, Werkstattleiter am Institut für Mess- und Rege- Der Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche
lungstechnik, verstarb am 22.1.2021 im Alter von 58 Jahren. Wissenschaft „Forschung in Verantwortung“ geht an Prof. Maria-
Esther Vidal; Leitung Forschungsgruppe Scientific Data Manage-
Preise und Auszeichnungen ment. Die Auszeichnung würdigt die Arbeiten der Informatikerin
zum wissenschaftlichen Datenmanagement. Aktuell wird diese
Oberingenieur Herr Dr.-Ing. Fadi Aldakheel; Institut für Kontinu- Methode angewendet, um die Wechselungswirkungen von Medi-
umsmechanik, hat für seine herausragende Arbeit zur Schädigungs- kamenten, die für die Behandlung von Covid-19 in Frage kommen,
modellierung mittels innovativer Phasenfeldansätze im Rahmen der zu untersuchen.
Methode der virtuellen Elemente den Richard-von-Mises-Preis
2020 verliehen bekommen. Dr. rer. nat. Jil Ann-Christin Klünder; Institut für Praktische
Informatik, wurde für ihr Forschungsprojekt „ComContA“ mit dem
Prof. Dr. Joachim Escher; Institut für Angewandte Mathematik, ist Leibniz Young Investigator Grants ausgezeichnet. Das Projekt wid-
laut der American Mathematical Society der meistzitierte Mathe- met sich der inhaltlichen Analyse von Kommunikation in Gruppen-
matiker weltweit. chats von Softwareentwicklungsteams.

Prof. Dr. Katharina Müller erhielt zusammen mit dem Projekt- Dr.-Ing. Bastian Wandt; Institut für Informationsverarbeitung,
Team an der Leibniz School of Education (LSE), Alexandra Krüger, erhielt für seine Dissertation „Human Pose Estimation from Mono-
Helene Pachale und Mandy Schwarze den im Rahmen des Wis- cular Images“ den Preis KI Talent 2020 vom Niedersächsische Mi-
senschaftspreises Niedersachsen 2020 vergebenen Sonderpreis für nisterium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung.
kooperative Innovationen in der digitalen Lehre. Ihr Projekt #Ler-
nenVernetzt unterstützen ehrenamtlich engagierte Lehramtsstu- Dr.-Ing. Ansgar Thomas Kirk; Fakultät für Elektrotechnik und
dierende der Leibniz Universität Hannover, Lehrkräfte sowie Schü- Informatik, und Dr.-Ing. Mirko Theuer; Fakultät für Maschinen-
lerinnen und Schüler beim digitalen Lehren und Lernen seit der bau, wurden für ihre herausragenden Abschlussarbeiten mit dem
coronabedingten Schulschließungen im März/April 2020. Förderpreis der Stiftung NiedersachsenMetall ausgezeichnet.

Dr. Michael Zopf; Institut für Festkörperphysik, hat mit seiner Die Leibniz Universität Hannover und der Deutsche Akademische
Doktorarbeit „Semiconductor-generated entangled photons for Austauschdienst (DAAD) haben den DAAD-Preis und die Hoch-
hybrid quantum networks“ im Finale des Quantum Future Award schulpreise des Hochschulbüros für Internationales sowie der Leib-
2020 den 1. Platz belegt. Der Wettbewerb wird vom Bundesminis- niz Universitätsgesellschaft Hannover e. V. für das Jahr 2020 ver-
terium für Bildung und Forschung ausgerichtet und zeichnet her- geben. Preisträger sind: Anais Antonieta Millan Cerezo, Marina
ausragende Master- und Doktorarbeiten aus, die sich mit ange- Trad Nery, Diaa Khayyat und Yu Feng.
wandten Quantentechnologien befassen.
Prof. Dr. Maik Dierkes; Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, er-
Dr. iur. Anna-Lena Hollo; Juristischen Fakultät, ist von der Gesell- hielt den Preise für exzellente Lehre des Präsidiums der Leibniz
schaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) Universität für Angehörige aus der Gruppe der Professor*innen.
für ihre Dissertation „Das Verfahren zur Anerkennung von Berufs-
krankheiten“ mit dem GVG-Wissenschaftspreis für Soziale Siche- Dr.-Ing. Paul Christoph Gembarski; Fakultät für Maschinenbau,
rung 2020 ausgezeichnet worden. Im März 2020 ist sie zudem mit erhielt den Preise für exzellente Lehre des Präsidiums der Leibniz
dem Dissertationspreis der Gesellschaft zur Förderung der sozial- Universität für Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen.
rechtlichen Forschung e.V., Köln, ausgezeichnet worden. Dieser
Preis wird für herausragende Dissertationen an einer deutschen Der E-Learning Service der Zentralen Einrichtung für Quali-
Universität auf den Gebieten des gesamten Sozialrechts vergeben. tätsentwicklung in Studium und Lehre wurde mit dem Sonder-
preis für den Einsatz digitaler Medien in Lehre und Studium des
Dr.-Ing. Clemens Hübler; Institut für Statik und Dynamik, ist von Präsidiums der Leibniz Universität ausgezeichnet.
der „European Academy of Wind Energy“ (EAWE) für seine Doktor-
arbeit im Bereich der Windenergie ausgezeichnet worden. Sonstiges

Dr. Philippe van Basshuysen; Institut für Philosophie, ist mit dem Prof. Dr. Volker Epping ist als stellvertretender Sprecher der Mit-
PPE Young Scholars Award for Social and Institutional Change der gliedergruppe Universitäten in der Hochschulrektorenkonferenz
Universität Witten/Herdecke ausgezeichnet worden. (HRK) wiedergewählt worden. Das Gremium bestätigte ihn für

23

LeibnizCampus | Unigeschehen

seine inzwischen dritte Amtszeit. Die zweijährige Amtsperiode Prof. Dr-Ing. Roland Lachmayer; Institut für Produktentwicklung
beginnt am 1. Dezember 2020. und Gerätebau, wird ab dem 01.01.2021 für drei Jahre als gewähl-
ter Geschäftsführer der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Pro-
Prof. Dr. Joachim Escher, Institut für Angewandte Mathematik, duktentwicklung (WiGeP) tätig sein.
wurde zum Vizepräsidenten der Deutschen Mathematiker-Vereini-
gung (DMV) gewählt. Gemeinsam mit der ebenfalls neu gewählten Prof. Dr. Clemens Walther; Institut für Radioökologie und Strah-
Präsidentin Prof. Dr. Ilka Agricola, Universität Marburg, wird er lenschutz, ist für weitere zwei Jahre in die Strahlenschutzkommis-
vom 1. Januar 2021 für zwei Jahre den Berufsverband leiten. sion des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nuklea-
re Sicherheit berufen worden. Außerdem hat er für das Jahr 2021
Die Leibniz Universität Hannover hat nach einer Kommissionsprü- den Vorsitz des Ausschusses Radioökologie innerhalb der Strahlen-
fung in diesem Jahr wieder die Auszeichnung „Ökoprofit Betrieb schutzkommission übernommen.
Hannover“ erhalten. Mit diesem Siegel zeichnen die Landeshaupt-
stadt und die Region Hannover Betriebe aus, die durch Umwelt- ´ Zeitraum der Personalia-Informationen:
schutzmaßnahmen Kosten einsparen. 1. September 2020 bis 28. Februar 2021

Jubiläums- und SEuinneUgtnZieIannieurgvsivnBeegtesmrüieslesntdtierzitueneeäSnrtntieeg!fnSüuiren!d
Geburtstagsspende

■ Spenden Sie für ein ausgewähltes Projekt an der
Leibniz Universität Hannover:
• für den Umbau des Königlichen Pferdestalls zum
Kommunikations- und Begegnungszentrum
• für das Deutschlandstipendium
• oder andere Projekte und Maßnahmen
an der Leibniz Universität Hannover

■ Optionen: Barspenden/Spendenbox,
Überweisungen/Spendenkonto

■ Erhalt von Zuwendungsbescheinigungen
selbstverständlich

Haben Sie Interesse? Wir beraten Sie gern.
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24

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LeibnizCampus | Aus den Fakultäten

Millionenförderung für innovative Forschung:

ERC Starting Grants
für Nachwuchswissenschaftler

Drei junge Professoren der Leibniz Universität werben hochdotierte EU-Förderpreise ein

© Sonja Smalian, PhoenixD
© Institut für Regelungstechnik (IRT)
© Fotostudio Lichtblick, Bonn

Prof. Michael Kues Prof. Matthias Müller Prof. Stefan Schreieder
(Institut für Algebraische Geometrie)
(Hannoversches Zentrum für Optische Technologien) (Institut für Regelungstechnik)

Großer Erfolg für die Leibniz Universität in der aktuellen Be- tituts für Regelungstechnik der Leibniz Universität ist, befasst sich
willigungsrunde der renommierten ERC Starting Grants: Drei mit Regelungs- und Schätzverfahren für nichtlineare dynamische
junge Wissenschaftler haben den Zuschlag für eine Förderung Systeme, über die nur wenige oder unvollständige Informationen
von jeweils bis zu 1,5 Millionen Euro erhalten. Mit den Star- vorliegen. Cont4Med will untersuchen, wie viele und welche Mes-
ting Grants fördert der Europäische Wissenschaftsrat exzel- sungen eines nichtlinearen Systems nötig sind, um interne System-
lente und visionäre Forschung von herausragenden Nach- zustände rekonstruieren zu können. Als Hauptmotivation für die
wuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Ziel ist die Betrachtung dieser Phänomene dienen biomedizinische Anwen-
Unterstützung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit durch dungen wie beispielsweise der Hypophysen-Schilddrüsen-Regel-
den Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe in einem Zeit- kreis, wo Hormonkonzentrationen oft nur im Abstand von mehre-
raum von bis zu fünf Jahren. Die ERC Starting Grants gelten ren Tagen oder Wochen gemessen werden. Die entwickelten Ver-
wegen des harten Auswahlverfahrens als Ritterschlag der fahren werden in verschiedenen biomedizinischen Anwendungen
europäischen Wissenschaftsgemeinschaft. mit dem Ziel einer optimalen und personalisierten Therapieent-
wicklung simulativ getestet.
Prof. Michael Kues arbeitet an photonischen Quanten-Coprozes-
soren. Am Hannoverschen Zentrum für Optische Technologien Prof. Stefan Schreieder vom Institut für Algebraische Geometrie
(HOT) der Leibniz Universität, in dem interdisziplinär geforscht wird im geförderten Forschungsprojekt Rationalitätsfragen von al-
wird, kann er nun seine Forschung der photonischen Quantentech- gebraischen Varietäten untersuchen. Im Wesentlichen geht es um
nologien weiter ausbauen. Der 36-Jährige, der im Frühjahr 2019 die Frage, für welche algebraischen Gleichungen es eine Lösungs-
einen Ruf an die Leibniz Universität annahm, möchte mit seinem formel gibt - also eine algebraische Formel, die (fast alle) Lösun-
Projekt QFreC zur Erforschung „intelligenter photonischer fre- gen der Gleichung eindeutig beschreibt. Das vielleicht älteste Bei-
quenzbasierter Quantenschaltkreise“ die Möglichkeiten des Ma- spiel einer nicht-trivialen Gleichung, die eine solche Lösungsformel
schinellen Lernens erweitern. Verfahren des Maschinellen Lernens zulässt, ist durch die Kreisgleichung gegeben. Für viele andere
werden verwendet, um komplexe Aufgaben zu lösen, etwa die Er- wichtige Gleichungen ist die Existenz einer ähnlichen Lösungsfor-
kennung von Mustern, um beispielsweise Anlagestrategien im Fi- mel ein berühmtes offenes Problem in der algebraischen Geomet-
nanzhandel zu optimieren, selbstfahrende Autos zu lenken oder rie. Mithilfe moderner Methoden aus der Algebra, Zahlentheorie
medizinische Diagnosen zu verbessern. und Geometrie konnten in den vergangenen Jahren erhebliche
Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt werden, zu denen der
Prof. Matthias Müller erhält den ERC Starting Grant für ein For- 32-Jährige Preisträger, der im Frühjahr 2020 von München an die
schungsprojekt im Bereich der Regelungstechnik. Das Projekt Leibniz Universität gewechselt hat, bereits maßgeblich beigetra-
Cont4Med des 35-Jährigen, der seit Februar 2019 Direktor des Ins- gen hatte.

26

Aus den Fakultäten | LeibnizCampus

Studienstart mal ganz anders

Ersie-Begleitung in Coronazeiten an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik

Der Start ins Studium fand im hat. Ein Team aus Erstsemestertuto-
Wintersemester 2020/21 ganz anders rinnen und -tutoren hat mit großem
statt als sonst. Alle bewährten For- Engagement die Organisation über-
mate mussten situationsbedingt an- nommen und sich ein vielfältiges An-
gepasst werden: Die mathematische gebot überlegt. Dabei ging es in erster
Vorbereitung fand als Hybridveran- Linie um die Vernetzung und gemein-
staltung statt, Kennenlernangebote samen Erlebnisse abseits des Lernens.
mussten zu großen Teilen in die digi- Von Spieleabenden, wie dem Tablequiz
tale Welt verlagert werden, die Ersie- oder Among Us, über sportliche Akti-
Rallye brauchte ein eigenes Hygiene- vitäten bis hin zu einem digitalen
konzept. Den Erstsemestertutorinnen Kochabend konnten die Studierenden
und -tutoren kam deshalb eine ganz etwas zusammen unternehmen und
besonders wichtige Rolle zu. sich gegenseitig kennenlernen.

Im Rahmen des Präsenzbetriebs wur- Darüber hinaus gab es aber auch
de in der Vergangenheit bereits im- Angebote, die direkt das Studium be-
mer darauf geachtet, die Studien- treffen. So wurde u.a. auf das Thema
anfängerinnen und -anfänger über Zeitmanagement und Lernmethoden
das gesamte Semester zu begleiten. sowie die Kunst zu argumentieren
In diesem Semester war dies umso eingegangen. Das Angebot ist auf
wichtiger. Studierende aus den höhe- ein breites Interesse unter den Stu-
ren Semestern engagierten sich im dienanfängerinnen und -anfängern
ständigen Kontakt mit den Ersies zu gestoßen. Kontakte mit Kommilito-
bleiben und gelten als erste An- ninnen und Kommilitonen des eigenen
sprechperson für jegliche Fragen und Studiengangs aber auch darüber hin-
Probleme. Durch regelmäßige, digita- aus konnten geknüpft werden.
le Treffen und WhatsApp-Gruppen
konnten Hilfestellungen gegeben In der Weihnachtszeit hat der Fachrat
werden. Auch der Austausch und die Informatik zudem einen digitalen Ad-
Vernetzung untereinander war somit ventskalender über Instagram erstellt:
möglich. Niemand sollte sich allein Täglich gab es einen Tipp oder guten
gelassen fühlen, die Erstsemester- Rat von den Erstsemestertutorinnen
studierenden sollten neue Kontakte und -tutoren für ein erfolgreiches
knüpfen, mit denen sie zusammen Studium. Zudem wurde als Ersatz für
das Studium bestreiten und Lern- die Weihnachtsfeier ein Weihnachts-
gruppen bilden können. tablequiz veranstaltet. In kleinen
Gruppen wurden bei Glühwein, Kek-
Die offiziellen Begrüßungsveranstal- sen und Lebkuchen spannende Fragen
tungen mit den Vertreter*innen der beantwortet.
Fächer, den Studiendekanen, der
Fakultätsgeschäftsführerin, den Die Kommunikation mit den Studie-
Studiengangskoordinatorinnen und renden war noch nie so wichtig,
den Studierenden höherer Semester, wie in der aktuellen Situation, die
die bisher immer im Lichthof oder in von ständigen Veränderungen und
Hörsälen stattgefunden haben, wur- neuen Informationen geprägt ist.
den live über YouTube übertragen. Als zentrale Kommunikationsplatt-
Neben wichtigen Informationen rund form dienen die Studiengangsgrup-
um das Studium haben die neuen pen in Stud.IP. Bereits vor der Pande-
Studierenden ihre Fragen über den mie wurde für jede Kohorte eine
Chat gestellt. Hinter der Kamera ha- eigene Gruppe erstellt. Über diese
ben studentische Hilfskräfte einen können sich die Studierenden unter-
reibungslosen Ablauf sichergestellt. einander austauschen und wir vom
Studiendekanat können die Studie-
Ein zentrales Veranstaltungsangebot renden durch Ankündigungen über
war das „Kaffeekränzchen“, das Mitte alles Wichtige informieren.
November als Ersatz für die sonst üb-
liche Erstsemesterfahrt stattgefunden Ann-Christin Bartels

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LeibnizCampus | Aus den Fakultäten

„Es ist ein schönes Gefühl, zurückzukehren.“

Prof. Dr. Erk P. Piening lehrt und forscht am Institut für Personal und Arbeit

Foto: © Jakob Richter senschaftliche Erfolge eingestellt haben und mir die Gelegenheit
zur Habilitation eröffnet wurde, habe ich mich für eine wissen-
Prof. Dr. Erk P. Piening ist zu seinen akademischen Wurzeln schaftliche Karriere entschieden und es nicht bereut.
zurückgekehrt. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre
mit Schwerpunkt Personal und Arbeit hat an der Leibniz Sie haben 2013 Hannover verlassen und seitdem an der Berliner
Universität studiert und promoviert. Seit dem 1. August 2020 Dependance der École supérieure de commerce de Paris und an
lehrt und forscht er im Institut für Personal und Arbeit der der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gelehrt und geforscht.
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Professoren sind heutzutage nicht nur Lehrer und Forscher, son-
dern auch Hochschulmanager. Sie werben um Mittel, verwalten
Herr Professor Piening, Sie haben vor einigen Jahren in einem Etats und führen Teams. Welche sind die wichtigsten Erfahrun-
Interview Ihre Passion für Ihren Beruf mit dem Satz beschrieben: gen, die Sie nach sieben Jahren als Professor nach Hannover mit-
„Wissenschaft macht einfach Spaß.“ Haben Sie schon vor 20 Jah- bringen?
ren als Student von einer akademischen Karriere geträumt?
Sie sagen es, der Job als Professor ist wirklich vielfältig. Gerade
Lassen Sie mich zunächst sagen, dass ich mich sehr darüber auf die Rolle als Lehrstuhlmanager und Führungskraft wird man
freue, wieder hier an der Leibniz Universität Hannover zu sein. aber nur bedingt vorbereitet. An der ESCP und insbesondere der
Es ist ein schönes Gefühl, nach Hause zurückzukehren. JGU Mainz hatte ich eine tolle und lehrreiche Zeit. Besonders be-
reichernd war, dass ich verschiedene Hochschulsysteme mit unter-
Offen gestanden kann ich nicht behaupten, dass ich damals schiedlichen Lehrphilosophien und Studierenden kennenlernen
schon an eine Tätigkeit in der Wissenschaft gedacht habe. Ich durfte.
habe Wirtschaftswissenschaften zwar schon aus originärem Inter-
esse studiert, aber eben auch, weil ich nicht genau wusste, was Das Schöne ist auch, dass ich in dieser Zeit viel ausprobieren
ich beruflich machen wollte. Das wird WiWi-Studierenden ja gerne konnte – einiges hat funktioniert, vieles aber eben auch nicht.
mal nachgesagt, was ich übrigens nicht schlimm finde. Man sollte Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich selbst ab und an in Frage
das WiWi-Studium nicht mit einer Berufsausbildung verwechseln – zu stellen, regelmäßig Neues auszuprobieren und im Team offen
es dient weniger der Vorbereitung auf ein bestimmtes Jobprofil als über Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen. Diese
der Vermittlung generischer Problemlösungskompetenzen und, wie Erkenntnis bringe ich auf jeden Fall mit und bin auch ganz zuver-
in meinem Fall, auch der Orientierung. Die wissenschaftliche Lauf- sichtlich, dass man mir und dem Institut nicht irgendwann nach-
bahn hat sich dann mehr oder weniger ergeben. sagt, wir hätten in den letzten 20 Jahren immer das Gleiche
gemacht.
Während der Promotion habe ich festgestellt, wie viel Spaß mir
das wissenschaftliche Arbeiten macht und wie sehr ich die Freiheit Bitte geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre aktuelle Forschung
von Forschung und Lehre schätze. Als sich dann noch erste wis- – welchen Themen werden Sie sich in nächster Zeit widmen?

Ich arbeite gerade an einem Projekt, das ich zusammen mit
Ko-Autoren aus Aachen, London und Bochum schon 2013 begon-
nen habe. Es geht um die Frage, ob und wenn ja, unter welchen
Bedingungen Entscheidungsträger aus Fehlern lernen. Das Inte-
ressante an dem Projekt ist, dass wir Daten von Himalaya Expedi-
tionen nutzen und es sich bei Fehlern in diesem Kontext um töd-
liche Unfälle von Expeditionsteilnehmern handelt.

Hinzu kommen natürlich noch Themen im Bereich des Personal-
managements, wie z. B. ein Projekt, das die Auswirkungen neuer
Formen von Teamarbeit auf die Identifikation von Mitarbeitern
untersucht.

´ Die Fragen stellte Birgitt Baumann-Wohlfahrt.

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Aus den Fakultäten | LeibnizCampus

Kreativ gegen Corona

Bauingenieure und Geodäten entwickeln Alternativprogramm

Foto: Arne Reinecke Foto: Niedersächsisches Staats-
theater GmbH & Institut für Baumanagement und Digitales Bauen

Pfingstexkursion im Oktober: Virtueller Austausch zu digitalem Bauen
Mit dem Rad an der Küste
Mit Digitalisierung kennt man sich aus am Institut für Baumanage-
Für Studierende, die sich im Wasser- und Küsteningenieurwesen ment und Digitales Bauen. So war es für die Professorin Katharina
Klemt-Albert und ihre Mitarbeiter naheliegend statt der geplanten
spezialisieren, gehört eine Exkursion an die Küste zum Studium Exkursion in den Hamburger Hafen, die beteiligten Unternehmen
zum virtuellen Austausch einzuladen. Statt 25 lernten so 65 Stu-
dazu. An Pfingsten war wegen der Corona-Pandemie nicht daran dierende Praxisbeispiele für das „Building Information Modeling“
(BIM) kennen. Mit BIM entstehen digitale Modelle von Gebäuden
zu denken. Doch die Dozenten des Ludwig-Franzius-Instituts ga- (im Bild ein Entwurf der Theaterwerkstätten vom Staatstheater
Hannover), die die Planung mit allen am Bau Beteiligten ermögli-
ben nicht auf: Ein ausgefeiltes Hygienekonzept erlaubte es 11 Stu- chen und später bei der Instandhaltung unterstützen. Der virtuelle
Austausch kam an: „Gerne öfter“ urteilten die Studierenden. em
dierenden Anfang Oktober von Warnemünde aus mehrere Statio-

nen an der Ostsee zu besichtigen. Eine Fahrradtour geführt vom

staatlichen Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt (Mittleres

Mecklenburg) entlang der Küste von Warnemünde nach Heiligen-

damm zählte zu den Highlights der Exkursion. em

Foto: Hendrik Blohm Foto: Janis Eickmeier

Gewässerökologie am Bildschirm Virtuelle Fachschaftsparty

Entsteht hier eine Natur-Doku? Nicht ganz. Statt der Studierenden Am 25. Juni 2020 haben wir zusammen mit den Fachschaften
für Maschinenbau und Bauingenieurwesen aus Braunschweig und
des Umweltingenieurwesens und der Landschaftswissenschaften dem AStA der Hochschule Hannover eine ungewöhnliche und un-
vergessliche Party gefeiert. Egal ob alleine, mit der WG, ob zu
nahmen die Dozierenden des Moduls „Ökologie und Gewässergüte“ Hause oder am Strand – jeder konnte von überall aus teilnehmen.
In unterschiedlichen Räumen konnten die 150 Partygäste zur Mu-
einen Kameramann mit zur Exkursion. In 14 Kurzfilmen können sik der beiden DJs tanzen, gemeinsam BeerPong spielen oder sich
unterhalten. Die Party wurde aus dem Sudhaus der Gildebrauerei
die Studierenden nun jeden Schritt von der Probennahme im Bach übertragen.

(im Foto Gewässerökologe Jürgen Bäthe) bis zur Auswertung zu- ´ Text: Melissa Krause, Fachschaft Bauingenieurwesen

hause am Bildschirm verfolgen. Ein Kompromiss: „Eigentlich müs-

sen Ökologen raus in die Natur“, meint Dozent Jörg Dietrich. Aber

mit der virtuellen Exkursion kann er nun endlich allen Interessier-

ten einen Exkursionsplatz anbieten – sonst ist der Kurs auf 20 Stu-

dierende begrenzt. em

29

LeibnizCampus | Aus den Fakultäten

Großer Wellenkanal
wird für Zukunft gerüstet

Umbauarbeiten bis Herbst 2022

Seit fast 40 Jahren bietet er einzigartige Bedingungen für Forschende aus Wird mit neuem Tiefteil, neuer Strömungsanlage und leistungs­
dem In- und Ausland und seine Monsterwellen üben auch auf Laien eine fähigerer Wellenmaschine ausgestattet: Der große Wellenkanal in
besondere Faszination aus: Der Große Wellenkanal (GWK) des Forschungs- Marienwerder. © Forschungszentrum Küste
zentrums Küste (FZK), einer gemeinsamen Einrichtung der Leibniz Universität
Hannover und der Technischen Universität Braunschweig. Seit Herbst 2020
ruhen allerdings alle Experimente im GWK, da der Wellenkanal erweitert
werden soll.

Ein besonderes Interesse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
am FZK liegt im Bereich der Maritimen Energie, das heißt, der Nutzung von
Wellen-, Strömungs- oder Offshore-Windenergie. Vor allem die Gründungs-
strukturen, mit denen die Anlagen am Meeresboden verankert sind, unter-
liegen komplexen Wechselwirkungen zwischen Bauwerk, Boden, Seegang
und Strömung. Um diese noch realitätsnaher untersuchen zu können und
Schutzmaßnahmen für die Fundamente zu testen, erhält der Große Wellen-
kanal nun eine leistungsfähigere Wellenmaschine, eine Strömungsanlage
sowie einen Tiefteil. Der erweiterte GWK+ wird so für Experimente zu ver-
schiedensten Fragen im Bereich erneuerbare Energien und Klimafolgen ge-
rüstet sein. Mit 35 Millionen Euro fördert das Bundeswirtschaftsministerium
die Erweiterung im Rahmen des Forschungsvorhabens „marTech“. Im Herbst
2022 soll der GWK+ mit drei Pilotprojekten wieder in Betrieb gehen.

Eva Maria Mentzel

Mit Pilzen gegen Krankheiten

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Forschungsgruppe mit rund drei Millionen Euro

Sie sind weder Flora, noch Fauna, sondern bilden eine ganz eigene Gruppe: Pilze verfügen
über eine Vielzahl komplexer Eigenschaften, die auf ganz unterschiedliche Weise genutzt
werden können, etwa in der Medizin. Einige davon wollen Wissenschaftlerinnen und Wis-
senschaftler der Leibniz Universität Hannover (LUH) nun in der neuen Forschungsgruppe
„CytoLabs – Systematische Untersuchung und Ausbeutung von Cytochalasanen“ erfor-
schen und dokumentieren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorha-
ben unter Leitung von Prof. Dr. Russell Cox, Geschäftsführer des Biomolekularen Wirk-
stoffzentrums (BMWZ), mit rund drei Millionen Euro. Insgesamt hat die DFG aktuell sieben
neue Forschungsgruppen eingerichtet, die mit einem Betrag von rund 25 Millionen Euro
gefördert werden.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen sogenannte Cytochalasane, Naturstoffe, die von Pilzen

produziert werden und unterschiedliche Wirkungen auf der zellulären Ebene anderer Orga-

nismen hervorrufen. Hunderte unterschiedlicher Cytochalasane sind bekannt, jedoch feh-

len bislang systematische Untersuchungen über ihre jeweilige Wirkungsweise. Mithilfe von

synthetischer Chemie und synthetischer Biologie will die Forschungsgruppe „CytoLabs“ be-

kannte und neue Cytochalasane herstellen. Zudem sollen chemische Modifikationen einge-

baut werden, um aus den Naturstoffen molekulare Werkzeuge zu erzeugen. Diese sollen in

einer Substanzbibliothek zusammengeführt werden. Das Ziel ist, diese molekularen Werk-

zeuge irgendwann in der Medizin, beispielsweise gegen Krebs, aber auch gegen Virus-

erkrankungen einsetzen zu können. Gleichzeitig erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler Erkenntnisse über die Bildung von Biofilmen durch antibiotikaresis-

Foto: Robert Cox tente Bakterien, um so neue Medikamente entwickeln zu können. im

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LeibnizCampus | Karriere und Weiterbildung

Strom aus Drachen

Uni-Institut konzipiert Antriebssystem für Deutschlands erste Höhenwindenergieanlage

Wie eine Windenergieanlage aussieht, weiß mittlerweile jedes Kind. „Flugwindkraftanlagen können den energiereichen und konstanten
Ein Turm, obendrauf die Gondel mit dem Generator, drei Rotorblät- Wind in Höhen von bis zu 800 Metern nutzen“, sagt Dr.-Ing. Ro-
ter drehen sich im Wind. Moderne Turbinen erreichen Höhen von bert Meyer vom Institut für Antriebssysteme und Leistungselekt-
bis zu 200 Metern, ihre Flügelspitzen überragen den Kölner Dom. ronik (IAL) der Leibniz Universität. „Das Ergebnis ist eine sehr steti-
Daneben sehen die Anlagen aus den Anfangszeiten der modernen ge Stromproduktion, so dass mit Hilfe der Höhenwindkraft mehr
Windenergienutzung wie Zwerge aus. und besser steuerbare Energie aus Wind gewonnen werden kann.“
Windenergieanlagen können aber auch ganz anders aussehen: In Das Institut, eines der größten Forschungsinstitute für elektrische
Schleswig-Holstein, in der Nähe von Klixbüll, lässt sich das beob- Antriebstechnik in Deutschland, ist eines von vier Beteiligten am
achten. Dort läuft Deutschlands erste Flugwindkraftanlage, die so vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten
ganz anders ist, als man es von Windenergieanlagen gewohnt ist. Forschungsprojekt SkyPower100. Neben dem IAL sind als Projekt-
Statt eines Turms gibt es eine Bodenstation, die an einen Contai- koordinator die Firma SkySails, die den Flugdrachen und dessen
ner erinnert, daran befestigt eine Art Kranausleger, ein langes Seil Steuerung entwickelt hat, sowie die Energiekonzerne EWE und
und ein rotweiß-gestreifter Drachen. EnBW mit im Boot.

Im Probebetrieb: Die erste Höhenwindenergieanlage Deutschlands bei Klixbüll Wie funktioniert eine Flugwindkraftanlage? „In der Bodenstation
in Schleswig-Holstein. (Foto: Skysails) befindet sich eine Seilwinde, in die ein Generator integriert ist“,
erklärt Dr. Meyer. Für die Energieerzeugung zieht nun ein automa-
tisch gesteuerter Drachen das Seil von der Winde und der Genera-
tor erzeugt Strom. Hat das Zugseil seine maximale Länge erreicht,
beginnt die Rückholphase. Der Generator arbeitet nun als Motor,
um den Drachen einzuholen: Er wickelt das Seil auf, bis es kurz ge-
nug ist für die nächste Stromerzeugungsphase. Da der Drachen
während der Rückholphase aus dem Wind gedreht wird, ist der
Energiebedarf dabei im Vergleich zur Energiegewinnung während
der Stromerzeugungsphase sehr gering.

Seit dem Sommer ist die Forschungsanlage im Probebetrieb. Die
automatische Flugsteuerung, das Material, die Lärmentwicklung
und die Auswirkungen auf Vögel werden neben anderen Fragestel-
lungen untersucht. Doch das Herzstück fehlt noch: das elektrische
Antriebssystem, das am IAL konzipiert und realisiert wurde.

„Wir haben einen neuartigen, besonders nachhaltigen Generator
konstruiert“, erläutert Prof. Bernd Ponick, der gemeinsam mit Prof.
Axel Mertens das IAL leitet. Üblicherweise rotiert bei einem Gene-
rator einer Windenergieanlage die innen laufende Welle, an deren
Ende die Rotorblätter angeordnet sind. „Da wir es aber hier mit
einer Seilwinde zu tun haben, haben wir den Generator so in die
Seiltrommel integriert, dass sein inneres Teil steht und sich der
Generatorrotor, der direkt mit der Seiltrommel verbunden ist, um
diesen herumdreht.“ Die zweite Besonderheit ist, dass der Genera-
tor völlig ohne kritische Materialien wie Kobalt oder Seltenerdme-
talle auskommt, sondern Permanentmagnete aus sogenanntem
Hartferrit verwendet.

Außerdem muss das elektrische System in der Lage sein, die
Stromerzeugung so zu verstetigen, dass trotz der Pause während
der Rückholphase der Strom gleichmäßig ins Netz eingespeist wer-
den kann. „Man braucht einen Energiespeicher, um die zyklische
Energieerzeugung zu versteigen – zumindest bis nicht innerhalb
eines Parks die Steuerung mehrerer Anlagen aufeinander abge-
stimmt werden kann“, sagt Prof. Mertens.

Die Tests des Systems im institutseigenen Großprüfstand GeCoLab
verliefen erfolgreich; für Anfang 2021 ist der Einbau in die Anlage
in Klixbüll geplant, und bis Ende nächsten Jahres kann das System
seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. „Zum ersten Mal wird

32

Karriere und Weiterbildung | LeibnizCampus

dann eine Flugwindenergieanlage Strom ins Netz einspeisen“, be-
tont Prof. Mertens.

Die Dimensionen der Forschungsanlage in Schleswig-Holstein sind Neuer Studiengang:
vergleichsweise klein: 284 Kilowatt leistet der Generator maximal;
ans Netz sollen kontinuierlich 100 Kilowatt abgegeben werden. RELIGION IN THE PUBLIC SPHERE
Im Testbetrieb wird mit unterschiedlichen Drachengrößen bis zu
120 m² geflogen. „Aber was die Leistung des Generators und des Vom Wintersemester 2021/2022 an wird das Institut für
Antriebsystems angeht, wurde als Teil des Projekts bereits ein Religionswissenschaft federführend den englischsprachi-
größeres System im Megawattbereich entworfen und berechnet“, gen Master „Religion in the public sphere“ in Kooperation
sagt Prof. Ponick. mit der Södertörn-Universität in Stockholm, der Univer-
sität Roma Tre in Rom und dem Institut für Soziologie der
Noch sind Fragen nach der Optimierung und der Steuerung des Leibniz Universität Hannover anbieten.
Systems offen, auch was die Kosteneffizienz betrifft. „Wir haben
für die Leistungselektronik jetzt vor allem Standardbauteile ge- Innerhalb von vier Semestern sollen interessierte Studie-
nutzt“, erläutert Dr. Meyer. „Aber wir haben uns auch gefragt, wie rende die diskursive Verhandlung von Religion im öffent-
Spezialanfertigungen aussehen müssten, die für die Aufgabe des lichen Raum (mit den Schwerpunkten Politik, Recht und
Systems optimiert sind.“ Nachfolgeprojekte seien hier durchaus Bildung) erarbeiten. Dabei werden aktuelle Debatten um
denkbar. Religion und Säkularität in modernen Gesellschaften in in-
ternationaler Perspektive in den Blick genommen und mit
Ob das System in Deutschland zum Einsatz kommen kann, ist kultur- und sozialwissenschaftlichen Methoden analysiert.

fraglich. Die genehmigungsrechtlichen Hürden sind hoch. Aber Die Studierenden erhalten den Abschluss „Master of Arts“
und können im Rahmen eines double degree Programms
vor allem in Ländern, die über kein gut ausgebautes Stromnetz parallel einen Abschluss an einer der kooperierenden
Hochschulen ablegen.
verfügten, oder auf See können die leichten und gut transportier-

baren Flugdrachen ihre Vorteile ausspielen. Prof. Mertens ist über-

zeugt: „Wir haben hier ein Konzept für eine Flugwindenergie-

anlage, das funktioniert.“ Katharina Wolf

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TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

Das Leibniz Forschungszentrum TRUST

„Räumliche Transformationen – Zukunft für Stadt und Land“

Räumliche Veränderungen
in Stadt und Land
stehen im Fokus des

Forschungszentrums TRUST,
unter dessen Dach Wissen-
schaftlerinnen und Wissen-
schaftler aus sechs Fakultäten
und 19 Instituten arbeiten.

Geschäftsführer Jens Ibendorf
und Sprecher Professor Dr.
Winrich Voß geben einen

Überblick über die vielfältigen
Forschungsaktivitäten dieses
interdisziplinären Verbundes.

1

Abbildung 1 Die Welt ist im Wandel und Inkaufnahme dieser Umwelt- breite interdisziplinäre Heran-
Quelle: iStock/pogonici globale Veränderungen sind schädigungen erzeugt diese gehensweise konzentrieren.
fühl-, sicht- und messbar. Seit Lebens- und Wirtschaftsweise Neben diesen Umweltverän-
der Industrialisierung ver- im globalen Maßstab kein zu- derungen geht es uns darum,
ändert der Mensch unseren friedenstellendes Auskommen insbesondere auch die gesell-
Planeten massiv, er ist die do- für die Menschheit, weder in schaftlichen und technisch-
minierende Kraft unseres Erd- städtischen noch in ländlichen sozialen Megatrends mit ih-
zeitalters. Die rasant wach- Räumen. ren raumbezogenen Auswir-
sende globale Bevölkerung kungen zu erforschen. Die
verdeutlicht diesen Einfluss Wir sägen folglich seit Jahren Digitalisierung von Lebens-
schon rein zahlenmäßig (etwa an dem Ast, auf dem wir sit- und Arbeitswelten rückt da-
9 Milliarden Menschen im zen. Ziel muss es sein, unsere bei immer mehr in den Mittel-
Jahr 2050). Die auf Ausbeu- Lebensweise so mit der Nut- punkt. Weitere weltweite Trei-
tung natürlicher Ressourcen zung natürlicher Ressourcen ber sind die Globalisierung,
basierende Wirtschaftsform zu kombinieren, dass letztere die starke Urbanisierung ei-
und unsere nicht nachhaltigen für nachfolgende Generatio- nerseits und Destabilisierung
Lebensweisen führen dabei nen weiterhin verwendbar ländlicher Lebensräume ande-
unter anderem zum Verlust sind. rerseits, ausgelöst unter ande-
der Artenvielfalt, zu einer Ver- rem durch den demografi-
schlechterung der Ökosystem- Das Leibniz Forschungszent- schen Wandel, oder die Zu-
leistungen und zu globaler rum TRUST will seine For- nahme sozialer Ungleichhei-
Klimaveränderung. Trotz schungsansätze dabei auf eine ten, Trends, die unter dem

34

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

Begriff der „Grand Challen- Räumliche Transformation le Partner ergänzen das Spek-
ges“ zusammengefasst wer- trum der Expertise am For-
den. Aktuelle Entwicklungen Die Herausforderungen zei- schungsstandort Hannover.
wie die Auswirkungen einer gen sich konkret vor Ort und
weltweiten Corona-Pandemie wirken in Stadt und Land ent- Nur in diesem interdiszipli-
gehören ebenfalls in das Spek- sprechend der soziokulturel- nären Verbund ist es möglich,
trum. Sie fordern das gesell- len und physisch-materiellen sich den komplexen gesell-
schaftliche Zusammenleben Rahmenbedingungen sehr schaftlichen Herausforderun-
heraus. Individualisierung unterschiedlich. Nachhaltige gen zu nähern und die unter-
und Populismus nehmen zu, Lösungsmöglichkeiten müs- schiedlichen wissenschaft-
Teilhabemöglichkeiten wer- sen dementsprechend die ver- lichen Perspektiven bei einer
den hinterfragt und neu aus- schiedenen räumlichen und Lösungsfindung einzubringen.
gehandelt. Regionale Migrati- gesellschaftlichen Besonder-
onsströme zwischen ländli- heiten abbilden und doch Räumliche Transformation
chen und städtischen Regio- übertragbar sein. Das Verhält-
nen wachsen. nis zwischen Umwelt, Kultur Generell kann festgestellt werden, dass die räumliche
und Gesellschaft dient dann Transformation ein interdisziplinäres Zusammen-
Der Weg hin zu einer nachhal- nicht nur als Erklärungs- wirken zwischen den Politik-, Wirtschafts-, Gesell-
tigen, klimaneutralen und res- grundlage, sondern auch als schafts-, Kultur- und Umweltsystemen erfordert.
ilienten Entwicklung ist Basis für die Gestaltung und Die entstehenden Wechselwirkungen können gleich-
durchaus streitbar, aber, um Steuerung von Wandlungs- zeitig ablaufen und verändern den physisch-materi-
im vorherigen Bild zu bleiben, prozessen hin zu einer nach- ellen Raum mit seinen Strukturen, Mustern und Ele-
die Säge darf nicht nur stumpf haltigen Entwicklung. menten (zum Beispiel Gebäude und Wohngebiete,
werden, sondern wir müssen Straßen und Schienen, Energieanlagen, Wälder und
aufhören zu sägen und das Der spezifische Fokus auf Flüsse).
gesellschaftliche Miteinander Räume und Raumverständ-
unter den geänderten Rah- nisse sowie deren Einfluss auf Durch die verschiedenen Wechselwirkungen zwi-
menbedingungen neu aushan- nachhaltige Veränderungspro- schen den Mensch-Umwelt-Systemen entstehen
deln. Eine „Große Transforma- zesse in Stadt und Land kann räumliche Transformationsprozesse, die intendiert
tion“ hin zu einer nachhaltig unter dem Ansatz der „Räum- sind, aber auch Veränderungen des Raumes, die
agierenden Gesellschaft ist lichen Transformation“ zu- nicht geplant oder gewünscht sind. Gleichzeitig prä-
notwendig, welche alle Le- sammengefasst werden. gen diese Veränderungen auch den sozialen Raum
bensbereiche einschließt und entscheidend (zum Beispiel in sozialen Beziehungen,
die Mensch-Umwelt-Bezie- Diesem Zusammenwirken der Identitäten, sozioökonomischen Verhältnissen, Mi-
hung neu definiert. Mensch-Umwelt-Systeme wid- lieus). Denn das Individuum oder die Gesellschaft
met sich seit 2016 das Leibniz reagieren auf die Veränderungen des physisch-mate-
Diese teilweise schon begon- Forschungszentrum „TRUST – riellen Raumes und umgekehrt, das heißt, die Trans-
nenen Transformationsprozes- Zukunft für Stadt und Land“ formationsprozesse laufen nicht einseitig ab, sondern
se bedingen sich gegenseitig, der Leibniz Universität Han- treiben sich gegenseitig an und stehen in einem rela-
bewirken lokale bis globale nover. In dem Forschungs- tionalen Verhältnis. Damit einher gehen Machtver-
Effekte und verändern das so- zentrum sind Mitglieder aus schiebungen und Inklusions- und Exklusionsprozes-
ziale Miteinander in der Stadt, sechs Fakultäten und 19 Insti- se in der Gesellschaft. Sämtliche Prozesse und Reak-
im Dorf, im Kiez. Auch gilt es, tuten der Leibniz Universität tionen können auf unterschiedlichen Maßstabs-
die Abhängigkeiten zwischen Hannover versammelt, um an ebenen stattfinden. Dabei sind unterschiedliche
Stadt und Land zur Bewälti- dem gemeinsamen Thema der Personen und Gruppen beteiligt und in die Trans-
gung dieser räumlichen „Räumlichen Transformation“ formationsprozesse eingebunden.
Transformationen nutzbar zu wissenschaftlich zu arbeiten.
machen. Dieser nachhaltige Die disziplinäre Bandbreite
Transformationspfad wirft der Mitglieder umfasst die
viele wissenschaftliche und Technik-, Sozial-, Geistes-,
alltagsweltliche Fragen auf Wirtschafts-, Rechts- und
und kann nur in einem inten- Naturwissenschaften sowie
siven Austauschprozess zwi- Planung und Gestaltung.
schen Wissenschaft, Zivilge- Namhafte außeruniversitäre
sellschaft, Wirtschaft und Po- Wissenschaftspartner wie die
litik beschritten werden. Der „Akademie für Raumentwick-
Wissenschaft kommt dabei als lung in der Leibniz-Gemein-
Impulsgeber eine besondere schaft“ (ARL) und Praxispart-
Bedeutung zu, welcher die ner wie der „Wissenschafts-
Transformationsprozesse wis- laden Hannover e.V.“, die
senschaftlich begleitet und „Akademie ländliche Räume“
möglichst mitgestaltet. (ALR) oder diverse kommuna-

35

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

2 TRUST fungiert dabei als Platt- senschaftliche Beiträge und Ernährungssicherheit, infor-
form verschiedener gemeinsa- Impulse für nachhaltige melle Siedlungsentwick-
Abbildung 2 mer Aktivitäten wie die Er- Transformationsprozesse auf lung, Bereitstellungen von
Struktur und Forschungs- möglichung des wissenschaft- den verschiedenen Maßstabs- Infrastrukturleistungen)
schwerpunkte des lichen Diskurses, die Beantra- ebenen für Stadt und Land zu ebenso untersucht wie his-
Forschungszentrums TRUST gung und Durchführung von liefern. Die Zusammenarbeit torische Entwicklungen und
Grafik: TRUST Forschungsprojekten, dem Pu- in TRUST erfolgt dabei in Pfadabhängigkeiten.
blizieren gemeinsamer wissen- Clustern, die immer interdis-
schaftlicher Artikel oder der ziplinär besetzt sind und die ❚ Was ist der Kitt, der unsere
Durchführung von nationalen verschiedenen Forschungsthe- Gesellschaft zusammen-
und internationalen wissen- men aus den unterschiedli- hält? Eine grundlegende
schaftlichen Tagungen. chen disziplinären Perspekti- Frage dabei ist, welche
ven bearbeiten. Die vier in- räumlichen Grundbedin-
Ziel des Zentrums ist es, die haltlichen Cluster (siehe Abb. 2) gungen den gesellschaftli-
Forschungsaktivitäten in die- werden flankiert von den bei- chen Zusammenhalt in
sem aktuellen Forschungs- den übergeordneten Quer- Deutschland und Europa
gebiet der „Räumlichen Trans- schnittsclustern „Theorie“ und fördern oder hemmen. The-
formation“ über die Fakultäts- „Wissenstransfer“. men wie räumliche Identitä-
grenzen hinweg zu bündeln, ten, Verantwortungsüber-
ein interdisziplinäres Netz- Die sich ständig entwickeln- nahmen und Nachbar-
werk aufzubauen sowie Kom- den Beziehungsgeflechte in schaftsentwicklungen wer-
petenzpartner für Gesell- und zwischen städtischen und den dabei analysiert und
schaft, Wirtschaft, Verwal- ländlichen Räumen und deren bewertet. Damit einherge-
tung und Politik zu sein. Da- Steuerungs- und Gestaltungs- hen auch Bildungsfragen für
mit wird die lange Tradition möglichkeiten sind in vielen eine nachhaltige Entwick-
der raumbezogenen For- Forschungsprojekten und lung und deren Vermittlung
schung in Universität und Themenschwerpunkten von in Schulen.
Region fortgesetzt. TRUST verankert. Hier sollen
nur einzelne Themenschwer- ❚ Analyse, Bewertung und
Die interdisziplinäre Zusam- punkte skizziert werden: Entwicklung von Maßnah-
menarbeit ermöglicht es, wis- men, die eine nachhaltige
❚ Entwicklung sozialer Inno- Nutzung natürlicher Res-
vationen, die regionale sourcen wie Boden und
Identitäten lebendig halten, Wasser ermöglichen und
Zielkonflikte einer nachhal- die Biodiversität und die
tigen Kommunal- und Regi- Ökosystemleistungen in
onalentwicklung reduzieren Kulturlandschaften erhal-
und die Daseinsvorsorge im ten. TRUST-Mitglieder füh-
ländlichen Raum sichern. ren Forschungen zu globa-
Fragen der Anpassung von lem Küstenschutz und einer
Infrastrukturen an sich ver- nachhaltigen Nutzung von
ändernde räumliche Gege- Grund- und Oberflächen-
benheiten werden dabei wasser bei sich verändern-
ebenso bearbeitet wie Aus- den klimatischen Bedingun-
wirkungen der Digitalisie- gen und steigendem Nut-
rung auf Lebens- und Ar- zungsdruck durch. Es wer-
beitsprozesse in Stadt und den Lösungsansätze
Land. entwickelt, die die unter-
schiedlichen Interessen des
❚ Migrations-, Armuts- und Umwelt- und Klimaschutzes
Verteilungsfragen in Asien, mit anderen Landnutzun-
Afrika und Lateinamerika gen (unter anderem Land-
im Kontext einer rapiden wirtschaft, Energieproduk-
Urbanisierung, des Klima- tion, Tourismus) in Ein-
wandels, der Globalisierung klang bringen können.
oder kurzzeitiger Schocks
(wie Erdbeben und/oder Die folgenden Seiten dieses
Krankheiten). Dabei werden Unimagazins geben einen
Folgen auf Arbeits- und Le- Eindruck dieser vielfältigen
bensbedingungen in den Forschungsaktivitäten in
ländlichen und städtischen TRUST. Auf den ersten Seiten
Bereichen (unter anderem wird das Verhältnis von Ge-

36

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

sellschaft und Raum und den Dipl. Geoökologe Jens Ibendorf Prof. Dr.-Ing. Winrich Voß
schon beschriebenen Wechsel- Jahrgang 1972, ist seit 2017 Jahrgang 1957, ist Professor für
wirkungen zwischen gesell- Geschäftsführer des Leibniz Flächen- und Immobilienmana-
schaftlichen und physisch- Forschungszentrums „TRUST – gement am Geodätischen Insti-
materiellen Transformationen Zukunft für Stadt und Land“ , tut in der Fakultät für Bauinge-
beleuchtet. In dem zweiten vorher war er Geschäftsführer nieurwesen und Geodäsie der
Abschnitt wird der Blick stär- und Koordinator unterschiedli- LUH und Sprecher des Leibniz-
ker auf Ressourcenfragen und cher Forschungszentren und Forschungszentrums TRUST.
die nachhaltige Nutzung der interdisziplinärer, internationa- Seine Forschungsschwerpunkte
natürlichen Ressourcen ge- ler Forschungsverbünde an den umfassen die Einflüsse der
lenkt. Als Projekt zur wichti- Universitäten Greifswald und Bodenmärkte und der Eigen-
gen Förderung des akademi- Göttingen und an der Hoch- tumsrechte auf die räumliche
schen Nachwuchses stellen schule für Angewandte Wissen- Entwicklung in städtischen und
wir das gemeinsame TRUST/ schaften und Kunst in Holz- ländlichen Räumen. Kontakt:
ARL-Promotionskolleg vor. minden. Kontakt: [email protected] [email protected]
Der Abschlussbeitrag „Gesell- trust.uni-hannover.de
schaftliche Wissensprozesse“
zeigt, wie sich das For-
schungszentrum TRUST eine
anwendungsbezogene, integ-
rative Forschung mit der Ge-
sellschaft vorstellt.

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TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

Die Große Transformation

Gesellschaftliche Herausforderungen zwischen Stadt und Land

Stadt und Land als Die Große Transformation ße Transformation“ – ein Be­ lichen Herausforderungen –
(Unterscheidungs-)Kategorien griff, den Karl Polanyi bereits nicht nur aus Sicht der Städte,
Unter dem Schlagwort „Welt 1944 in Verbindung mit seinen sondern viele TRUST­Mitglie­
räumlicher Planung und im Wandel – Gesellschaftsver­ Analysen der gesellschaftli­ der beschäftigen sich insbe­
Gestaltung verlieren trag für eine Große Transfor­ chen Veränderungen durch sondere mit der Erforschung
mation“ hat der Wissenschaft­ die industrielle Revolution ge­ der Veränderungen in den
zunehmend an Trennschärfe. liche Beirat der Bundesregie­ prägt hatte – sondern auch die ländlichen Räumen und Be­
rung Globale Umweltverände­ weiteren, als „Grand Challen­ reichen zwischen Stadt und
Professor Winrich Voß rungen sein viel beachtetes ges“ bekannten gesellschaftli­ Land.
vom Geodätischen Institut Hauptgutachten 2011 veröf­ chen Herausforderungen, wie
und Professor Jörg Schröder fentlicht (WBGU 2011). Im Mit­ der demografische Wandel, Das Verhältnis von Stadt
vom Institut für Entwerfen telpunkt stehen die Anforde­ die fortschreitende Globalisie­ und Land ändert sich
und Städtebau stellen einige rungen des Klimaschutzes rung, die Verkehrswende, die
Hintergründe für die Arbeiten und die Konsequenzen bei Energiewende und aus heuti­ Der Blick zurück: Über viele
ernsthaftem Bemühen der ger Sicht sicherlich auch die Jahrzehnte der zweiten Hälfte
im Cluster „Raum- und Weltgemeinschaft, die „Klima­ Digitalisierung. Das Cluster des 20. Jahrhunderts war das
Siedlungsstrukturen“ vor schutzleitplanke“ einer Erder­ „Raum­ und Siedlungsstruk­ Verhältnis von städtischen
und beschreiben das enge wärmung von nicht mehr als turen“ im Leibniz Forschungs­ und ländlichen Räumen klar
Nebeneinander des Wachsens 2°C einzuhalten. Nicht nur zentrum TRUST befasst sich geordnet: Die Bevölkerungs­
und Schrumpfens von Regionen, die Anforderungen des Klima­ mit den raumbezogenen Kon­ zuwächse dieser Jahrzehnte,
Gemeinden und Städten. schutzes erfordern eine „Gro­ sequenzen dieser gesellschaft­ mehr noch die wohlstandsbe­

38

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

dingten Wohnflächenansprü­ die permanente Abnahme der Markante Folgen dieser dauer­ Abbildung 1
che der Gesellschaft – Wohn­ landwirtschaftlichen Betriebe. haften Entwicklungstrends
fläche pro Person in den Den „Ausgleich“ in den Ent­ sind die breite gesellschaftli­ Illustration von Stadt-, Energie-
1950er Jahren etwa 15 m2, wicklungsperspektiven bilde­ che Akzeptanz unter anderem und ländlichen Landschaften.
heute rund 45 m2 – führten ten die obligatorischen Neu­ der übermäßigen Inanspruch­ Grafik: Adobe.Stock 2020
insbesondere zur Expansion baugebiete, selbst in den ent­ nahme neuer Flächen für
der Umlandgemeinden der legensten Regionen. Die Siedlungs­ und Verkehrszwe­
Städte und im Übergangsbe­ „Profiteure“ der gesellschaft­ cke – in den 1990er Jahren von
reich zu den ländlichen Räu­ lichen und wirtschaftlichen täglich bis zu 130 ha – oder
men (Suburbanisierung). Hier Entwicklungen sind in den der Verbleib von enormen Ver­
entstanden ausgedehnte Gemeinden der Übergangs­ mögens­ und Wertzuwächsen
Strukturen des individuellen bereiche zu finden. Hier sind bei den Eigentümern dieser
Wohnungsbaus mit Doppel­ die wichtigen Forschungen Flächen. Insbesondere letzte­
und Reihenhäusern, insbeson­ zur „Zwischenstadt“ von Sie­ rer Zusammenhang ist wenig
dere aber mit flächenintensi­ verts oder zur Hybridität von empirisch erforscht, steht aber
ven Einfamilienhausgebieten. Stadt und Landschaft von im Verdacht, notwendige Än­
Auch die erheblichen Verän­ Kühne zu verorten, die sich derungen zu erschweren.
derungen der Wirtschafts­ mit der „verstädterten Land­
strukturen mündeten in flä­ schaft“ oder der „verland­ Der heutige Blick: Seit dem
chenintensiven Gewerbege­ schafteten Stadt“ auseinan­ ersten Jahrzehnt des neuen
bieten einschließlich der Ein­ dersetzen. Befördert wurden Jahrhunderts, einer Phase der
zelhandelsansiedlungen in diese räumlichen Strukturen Bevölkerungsstagnation bezie­
diesen Suburbanisierungs­ auch von der Forderung des hungsweise ­abnahme in vie­
zonen, die die allseits bekann­ Baurechts nach Nutzungstren­ len ländlichen oder altindust­
ten täglichen Mobilitätserfor­ nung, basierend auf den Rege­ rialisierten Teilen Deutsch­
dernisse und Umweltbelas­ lungen der Baunutzungsver­ lands – nicht nur in den fünf
tungen auslösten. ordnung seit 1961. Dieses bis­ neuen Bundesländern –,
herige Verhältnis zwischen scheint sich das beschriebene
Kennzeichnend für die Folgen Stadt und Land scheint immer Verhältnis von Stadt und Land
in den Städten war die Abnah­ noch akzeptiert als „dauerhaf­ zu verändern. Es ist ein enges
me der Wohnbevölkerung in te, großräumig ausgewogene Nebeneinander des Wachsens
den zentralen Stadtteilen; in Ordnung mit gleichwertigen und Schrumpfens von Regio­
den Dörfern der ländlichen Lebensverhältnissen in den nen, Gemeinden oder gar Ge­
Räume waren dies die Ab­ Teilräumen“, wie § 1 des meindeteilen zu konstatieren.
wanderung der Arbeitsplätze Raumordnungsgesetzes Der dauerhafte Wirtschafts­
in das Umland der Städte und (ROG) es fordert. aufschwung im 2. Jahrzehnt

1

39

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

2 hat einige ländliche Räume her schon die ländlichen vielerlei Aspekten ab, deren
zwar stabilisiert, hat aber Räume verlassen, allerdings Wirkungszusammenhänge
Abbildung 2 mehrheitlich die Attraktivität ist aufgrund der Bevölke­ Gegenstand von aktuellen
50 km um Hannover: Körnung der städtischen Bereiche und rungsstagnation der „Aus­ Forschungen sind. In beiden
der Siedlungsstrukturen, 2020. ihres Umlandes gesteigert. Die gleich“ durch hinzuziehen­ Fällen bieten sich auch für
Grafik: Regionales Bauen und Grenzziehungen (Polarisie­ de junge Familien mehrheit­ die ländlichen Räume Ent­
Siedlungsplanung LUH. rungen) zwischen Stadt und lich ausgeblieben (Land ­). wicklungspotenziale (Stadt
Land haben zugenommen. ❚ Die Energieproduktion fand + / Land +).
Auch die Bundespolitik sieht auch bisher überwiegend in
sich in der Pflicht, die Bemü­ den ländlichen Räumen Herausforderung:
hungen um gleichwertige Le­ statt (Abbau fossiler Ener­ Gesellschaftliche und räumliche
bensverhältnisse in Stadt und gieträger, Kernkraft). Mit Polarisierung
Land zu überprüfen (Regie­ der Umstellung auf erneuer­
rungskommission „Gleichwer­ bare Energien in dezentraler Räumliche Diskrepanzen und
tige Lebensverhältnisse“ 2019). Produktion sind die Bewoh­ Polarisierung stellen somit be­
Hierbei ist unter anderem auf ner und Landeigentümer reits seit der Finanzkrise 2008
folgende teilweise gegenläufi­ der ländlichen Räume noch ein Leitmotiv der wissen­
ge Trends hinzuweisen, die je­ wesentlich stärker involviert schaftlichen und öffentlichen
weils auch Forschungen zu und verfügen damit häufig Diskussion zur Entwicklung
Raum­ und Siedlungsstruktu­ sogar über eine zusätzliche von Stadt und Land dar. Ins­
ren eröffnen: Einnahmequelle. Die Aus­ besondere Trends der Konzen­
wirkungen hinsichtlich des tration, Abwanderung, Reur­
❚ Der Eindruck hat sich breit Landschafts­ und Umwelt­ banisierung und differente
gemacht, dass viele ländli­ schutzes müssen noch ab­ Muster von Wachstum und
che Räume zunehmend als schließend bilanziert wer­ Schrumpfung lassen sich in
„abgehängt“ und als „Ver­ den. Die Steigerung des An­ den Zusammenhang mit ge­
lierer“ der neueren Ent­ teils der erneuerbaren Ener­ sellschaftlicher Polarisierung
wicklung gelten, unter an­ gieleistungen kann den setzen. Sie stellen einen Teil
derem aufgrund der Proble­ weniger dicht besiedelten von gesamteuropäischen
me bei der Aufrechterhal­ (ländlichen) Regionen zu­ Trends dar. Zudem wird ge­
tung einer angemessenen nehmend zugerechnet wer­ sellschaftliche und räumliche
Infrastrukturausstattung den (Land +). Polarisierung durch die Co­
(Land ­). ❚ Die Städte profitieren über­ vid­19 Krise absehbar ver­
wiegend vom Trend der stärkt. Gerade weil Vorhersa­
❚ Tatsächlich haben die jun­ Reurbanisierung insbeson­ gen der demographischen
gen Leute aus Anlass der dere junger bildungsnaher Schrumpfung nicht eingetre­
Berufsausbildung auch bis­ Bevölkerungskreise, aber ten sind – effektiv ist die Be­
auch der jungen Alten nach völkerung in Deutschland
der Familienphase (Stadt +). zwischen 2011 und 2017 um
❚ Die Städte befinden sich aber 3,1 Prozent gewachsen – rich­
nicht nur auf der „Gewin­ tet sich ein erneuerter Fokus
nerseite“, sondern haben ver­ auf die Ungleichgewichte
schiedene „soziale Schief­ räumlicher Entwicklung. Die
lagen“ zu meistern wie Problematik mangelnder Trag­
wachsende soziale Dispari­ fähigkeit der Daseinsvorsorge
täten im Bevölkerungsmix und vor allem negativer Zu­
oder am unausgeglichenen kunftschancen betrifft Gebie­
Wohnungsmarkt (Stadt ­). te in ganz Deutschland, in de­
❚ Aktuelle Trends wie die nen Zukunftsrisiken überwie­
Digitalisierung des Wirt­ gen. Auf diesen Trend der Po­
schafts­ und des gesell­ larisierung und der damit
schaftlichen Lebens oder verbundenen Risiken für Ge­
neue Mobilitätsformen wie sellschaft und Nachhaltigkeit
das autonome Fahren bis im Erreichen von normativen
hin zu den raumbezogenen Zielen – insbesondere UNSDG
Wirkungen der aktuellen 11 Sustainable cities and com­
Pandemie werden das Ver­ munities (Das Nachhaltig­
hältnis von Stadt und Land keitsziel 11 der Vereinten Nati­
deutlich beeinflussen. Wer onen: nachhaltige Städte und
in der Summe der mögli­ Gemeinschaften, UN 2015)
chen Effekte mehr oder we­ und der Gleichwertigkeit von
niger profitiert, hängt von Lebensverhältnissen – ant­

40

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

worten bereits neue Schwer­ ren Räumen und durch fehlen­ Prof. Dr.-Ing. Winrich Voß
punktsetzungen in verschie­ den sozialen Zugang (indivi­ Jahrgang 1957, ist Professor
denen Politikfeldern: zum Bei­ duelle Infrastrukturausstat­ für Flächen- und Immobilien-
spiel wurde auf Bundesebene tung und Kenntnisse). management am Geodätischen
seit Januar 2020 das Gesamt­ Institut in der Fakultät für Bau-
deutsche Fördersystem für 3. Neue Mobilitätsmodelle und ingenieurwesen und Geodäsie
strukturschwache Regionen räumliche Entwicklung: der LUH und Sprecher des
mit mehr als 20 Förderpro­ Leibniz-Forschungszentrums
grammen aus sechs Bundes­ Fragen der räumlichen Umset­ TRUST. Seine Forschungs-
ressorts eingeführt, das die zung nachhaltiger Mobilität in schwerpunkte umfassen die
Bund­Länder­Gemeinschafts­ peripheren und ländlichen Einflüsse der Bodenmärkte
aufgabe Verbesserung der re­ Räumen, insbesondere öffent­ und der Eigentumsrechte auf
gionalen Wirtschaftsstruktur licher und gemeinschaftlich die räumliche Entwicklung in
(GRW) ergänzt und verstärkt. organisierter Formen, verbun­ städtischen und ländlichen
Damit verbunden sind zahl­ den mit neuen digitalen Orga­ Räumen. Kontakt: [email protected]
reiche Forschungsprogramme nisationsmodellen (Sharing) uni-hannover.de
im Hinblick auf struktur­ und ihrer Auswirkungen auf
schwache Regionen. Orts­, Stadt­ und Regionalent­
wicklung.
Ausblick: Forschungsfelder
Die Forschung in diesen drei
Vor diesem Hintergrund ge­ Feldern zur Interaktion neuer
sellschaftlicher und räumli­ gesellschaftlicher Trends mit
cher Polarisierung – und auf­ räumlicher Entwicklung so­
bauend auf Innovationen in wie die wissenschaftliche Ar­
Projekten und Steuerung beit an den Wechselwirkun­
räumlicher Gestaltung für gen zwischen den Feldern
“Dynamiken der Peripherie” stellt – insbesondere für peri­
[Schröder et. al. 2018] – kön­ phere Räume – ein hohes Po­
nen drei Forschungsfelder als tenzial für zukünftige For­
besonders interessant für in­ schungsprojekte dar, das so­
terdisziplinäre Forschung zu wohl zu einer Ergänzung the­
räumlicher Entwicklung ange­ oretischer Grundlagen als
sehen werden, die verschiede­ auch zur methodischen Inno­
ne Siedlungstypen (Metropo­ vation insbesondere in Archi­
len, Großstadt, Klein­ und tektur, Städtebau, interdiszip­
Mittelstadt, Dorf) und ihre linärer Stadt­, Orts­ und Regi­
Interaktion neu in den Fokus onalentwicklung wie auch im
nehmen: Flächenmanagement beitra­
gen kann.

1. Neue Lebens-/Arbeitsmodelle Literatur Prof. Jörg Schröder
und räumliche Entwicklung: Jahrgang 1972, ist Professor
[1] Regierungskommission „Gleichwertige für Regionales Bauen und
Fragen räumlicher Steuerung Lebensverhältnisse“ (2019), BMI, Siedlungsplanung am Institut
und Organisation für neue BMEL, BMFSFJ (Hrsg.), Unser Plan für für Entwerfen und Städtebau
Lebens­/Arbeitsmodelle – wie Deutschland – Gleichwertige Lebens- und Forschungsdekan der
gemischte Gebäude­ und verhältnisse überall – Schlussfolgerun- Fakultät für Architektur und
Quartierstypen, Multilokali­ gen aus der Arbeit der Kommission. Landschaft. Seine Forschungs-
tät, Homeoffice, Co­Working – schwerpunkte sind Städtebau
und ihr Einfluss auf Orts­, [2] Schröder J., Carta M., Ferretti M., Lino und Architektur in Peripherien
Stadt­ und Regionalentwick­ B. eds. (2018) Dynamics of Periphery. und ländlichen Räumen sowie
lung, auch im Hinblick auf Atlas of Emerging Creative and Resili- territoriale Innovation. Kontakt:
Gemeinschaft, Versorgung, ent Habitats. Berlin, Jovis. [email protected]
Gesundheit, Bildung und hannover.de
Freizeit. [3] UN United Nations (2015) United Na-
tions Sustainable Development Goals.
2. Digitalisierung und räumliche
Entwicklung: [4] WBGU Wissenschaftlicher Beirat der
Bundesregierung Globale Umweltver-
Fragen der räumlichen und ge­ änderungen (2011) Welt im Wandel.
stalterischen Implikationen ei­ Gesellschaftsvertrag für eine Große
ner verstärkten Polarisierung Transformation.
durch fehlende Infrastruktu­
ren (Breitband, G5) in periphe­

41

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

Infrastrukturen als soziale Ordnungsdienste

Zur Transformation eines gesellschaftlichen Phänomens

Gemeinhin werden staatliche Gegenwärtig wird alles Mög- Infrastrukturen besteht darin, Raumüberbrückende Infra-
und private Einrichtungen, liche zur Infrastruktur erklärt: die Schaffung einer bestimm- strukturen erbringen dagegen
die für eine ausreichende In ländlichen Regionen zählen ten sozial-räumlichen Ord- Dienste, die Austausch- und
Daseinsvorsorge und wirt- neben klassischen Einrichtun- nung zu unterstützen, etwa Kommunikationsprozesse
schaftliche Entwicklung sorgen gen wie etwa die Dorfschule auf dem gesamten staatlichen über größere Entfernungen
als Infrastrukturen bezeichnet. und der Kindergarten mittler- Territorium gleichwertige Le- ermöglichen, beispielsweise
Häufig unterscheidet man in weile auch Tankstellen, Bank- bensverhältnisse herzustellen. durch die Nutzung von Eisen-
automaten, Dorfläden, Gast- Insofern Infrastrukturen an bahn oder Flugzeug. Sie ver-
technische und soziale häuser und vieles mehr zur der Schaffung dieser Ord- binden territorial voneinander
Infrastrukturen. Seit einigen daseinsvorsorgenden Infra- nung mitwirken, sind sie als getrennte Orte, Flächen und
Jahren wird jedoch der Begriff struktur. Staatlicherseits wer- Ordnungsdienste tätig. Folg- Bevölkerungsgruppen. Ent-
wesentlich breiter gebraucht den beinahe alle Versorgungs- lich ist zu fragen: Welcher sprechend begünstigen sie
einrichtungen, einschließlich Wandel der sozial-räumlichen eine sozial-räumliche Ord-
und auf diese Weise vieles Medien und Kultur, Finanz- Ordnung scheint in der Titu- nung, die eine räumlich und
zur Infrastruktur erklärt. und Versicherungswesen, als lierung offenbar aller mögli- sozial umfassendere, aller-
„kritische Infrastrukturen“ chen Dienste und Einrichtun- dings auch unpersönlichere
Prof. Eva Barlösius eingestuft, worunter Einrich- gen als Infrastrukturen auf? Integration fördert. Über-
vom Institut für Soziologie tungen verstanden werden, Dies ist eine überaus komple- räumliche Infrastrukturen
untersucht und analysiert, für die Aufrechterhaltung xe Frage, weshalb sie hier auf schaffen Voraussetzungen für
welches gesellschaftliche zentraler gesellschaftlicher die verräumlichenden Eigen- Austausch- und Kommunika-
Phänomen dahintersteckt. Funktionen unerlässlich sind. schaften von Infrastrukturen tionsprozesse, die sich über je-
Zunehmend ist die Rede von beschränkt und nur exempla- den Raum erstrecken, unab-
„Gastronomie-Infrastruktur“, risch beantwortet wird. hängig von der geographi-
„Fitness- und Wellness-Infra- schen Lage und seiner Aus-
struktur“, „religiöser Infra- Infrastrukturen stellen räum- gestaltung. Sie stellen im
struktur“ wie von „Chor-, liche Ordnung auf dreierlei Wesentlichen gleichberechtig-
Theater-, Opern-, Museums-, Art und Weise her: raumbil­ te Beziehungen zu allen Men-
Kino- oder Ausstellungs- dend, raumüberbrückend sowie schen wie auch zu allen Plät-
Infrastruktur“. Ursprünglich überräumlich. zen und Gegenden her und
war der Begriff Infrastruktur können deshalb die Herausbil-
zur Bezeichnung großer tech- Raumbildende Infrastruktu- dung einer sozial-räumlich
nischer Einrichtungen wie ren fixieren die infrastruktu- äußerst inklusiven Ordnung
Talsperren, Eisenbahnen oder relle Leistung an einem be- begünstigen. Die katholische
Wasser- und Elektrizitätslei- stimmten Ort, wie das Schul- Kirche beispielsweise versteht
tungen reserviert. Heutzutage gebäude als Ort des Unter- sich als überräumliche Ge-
scheint er beliebig dehnbar ge- richts oder die Philharmonie meinschaft, die über alle
worden zu sein. Welches ge- als Ort der Musik. Damit bil- räumlichen und sozialen Dif-
sellschaftliche Phänomen ver- den sie feste Ankerpunkte für ferenzen hinweg eine Einheit
birgt sich hinter dieser Trans- Austausch- und Kommunika- formt, die jedoch an Mitglied-
formation? tionsprozesse. Auf diese Wei- schaft geknüpft ist. Die wich-
se schaffen beziehungsweise tigste überräumliche Infra-
Darin – so die Botschaft dieses fördern sie eine lokalisierte struktur unserer Tage ist das
Beitrags – drückt sich ein sozial-räumliche Ordnung, Internet, das – technisch gese-
Wandel dessen aus, was Infra- die mehrheitlich auf Face-to- hen – als Ort des Austausches
strukturen gesellschaftlich face-Beziehungen basiert und und der Kommunikation von
leisten sollen. Die wesentliche damit einen Beitrag zu per- allen und überall genutzt wer-
gesellschaftliche Leistung von sönlicher Vertrautheit leistet. den kann. Tatsächlich sind je-

42

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

1

doch Zugang und Nutzung kel des Staatsgebiets vor und Zum einen ist bemerkenswert, Abbildung 1
keineswegs derart offen ge- markierten es als staatliches dass in den vergangenen Jah-
staltet, weshalb die sozial- Territorium. Damit leisteten ren hauptsächlich räumlich Beliebig dehnbarer Begriff?
räumlich inklusive Wirkung sie einen wichtigen Beitrag fixierte Einrichtungen und Neben der klassischen techni­
ihre Grenzen hat. zum Nationalstaatenbildungs- Dienste zu Infrastrukturen er- schen Infrastruktur wie Bahn­
prozess, indem sie den Staat klärt und ein entsprechender anbindungen zählen mittlerweile
Schauen wir uns nun zum flächenmäßig – sprich territo- Umgang mit ihnen gefordert auch Dorfgasthäuser oder Kioske
einen die gesellschaftlichen rial – abbildeten und ihn so beziehungsweise bereits prak- zur Infrastruktur.
Leistungen von Infrastruktu- für jeden und überall unmit- tiziert wird. Dies gilt beson- Fotos: pixabay (Schienen), Schröder
ren in der wohlfahrtsstaatli- telbar erfahrbar machten. Auf ders für ländliche Regionen, (Kiosk, Gasthaus)
chen Industriegesellschaft diese Weise trugen die Infra- wo geradezu eine Verdörfli-
und zum anderen in unserer strukturen dazu bei, Staatlich- chung von Infrastrukturen
Gegenwartsgesellschaft an, keit und Territorium in eins stattgefunden hat: Dorfladen,
die auch als Wissensgesell- zu denken. In diese Art der Bäckerei, Gasthaus, Kneipe,
schaft bezeichnet wird, und staatlichen Errichtung von In- Dorfplatz – beinahe alle dörf-
welche Veränderungen sich frastrukturen war eine sozial- lichen Begegnungsorte wer-
feststellen lassen. Typisch für räumliche Ordnung einge- den mittlerweile als dörfliche
wohlfahrtsstaatliche Indus- schrieben, die den Einzelnen Infrastrukturen begriffen
triegesellschaften ist die staat- mittels staatlicher Einrichtun- oder in solche transformiert.
liche Ausstattung mit raum- gen an sich band und gesell- Im Allgemeinen geht damit
überbrückenden und raumbil- schaftliche Teilhabe staatlich einher, dass neben ihrer origi-
denden Infrastrukturen. Zu garantierte. nären Funktion, etwa die
den raumüberbrückenden Nahversorgung zu sichern,
Infrastrukturen gehören ins- Die überragende Rolle des mindestens gleichgewichtig
besondere leitungsgebundene Staates bei der Gewährleis- ihre Bedeutung für die Her-
Infrastrukturen wie die Was- tung der infrastrukturellen stellung von Dörflichkeit als
ser-, Gas- und Elektrizitätsver- Ausstattung begründet, dass spezifische sozial-räumliche
sorgung, Infrastrukturen zur deren Veränderungen im All- Ordnung tritt. Oftmals
Kommunikation über große gemeinen mit einem Wandel handelt es sich um privat-
Distanzen, wie Post und Tele- der Auffassung und Praxis (wirtschaftlich) betriebene
graphie, und Infrastrukturen, von Staatlichkeit verknüpft Einrichtungen und Dienste,
die es erleichtern, von einem sind. So steht die Aufhebung die nunmehr zusätzlich infra-
Ort zu einem anderen zu ge- staatlicher Infrastrukturver- strukturelle Leistungen er-
langen, wie Straßen, Eisen- antwortung für eine Zurück- bringen. Geradezu entgegen-
bahn oder Wasserstraßen. nahme von Staatlichkeit und setzt findet zum anderen zeit-
Wichtige raumbildende Infra- die Schließung von Infra- gleich ein Rückzug ehemals
strukturen sind Schulen, strukturen insbesondere in staatlich garantierter Infra-
Krankenhäuser, Polizeistatio- ländlichen Regionen für einen strukturen aus der Fläche
nen und andere kommunale Rückzug des Staates aus der statt. Schulen und Kranken-
Ämter. Mittels der Schaffung Fläche. Pointiert formuliert: häuser werden geschlossen,
und dem Betreiben dieser Infrastrukturell wird Staat- Ämter und Behörden zusam-
staatlichen Infrastrukturen – lichkeit weniger territorial mengelegt – mit der Folge,
zumeist mit dem Status ho- praktiziert. Vor diesem Hin- dass lange Fahrzeiten und
heitlicher Einrichtungen ver- tergrund sollen exemplarisch raumüberbrückende Infra-
sehen – gelang eine umfassen- zwei Linien des gegenwärti- strukturen erforderlich wer-
de territoriale Integration, gen Wandels der Infrastruktu- den, um Dienste, die ehemals
denn sie drangen in alle Win- ren vorgestellt werden. lokalisiert waren, in Anspruch

43

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

Prof. Dr. Eva Barlösius nehmen zu können. Hinzu die Möglichkeit einer Entterri- dings weitgehend losgelöst
Jahrgang 1959, ist seit 2007 kommt, dass die raumüber- torialisierung angelegt. In der von einem bestimmten Terri-
Professorin für Makrosoziologie brückenden Infrastrukturen, Praxis zeigt sich jedoch, dass torium. Sehr anschaulich ver-
und Sozialstrukturanalyse an speziell der öffentliche Nah- die Reichweite des Netzes – gegenwärtigen dies Darstel-
der Leibniz Universität Hanno- verkehr, stark „ausgedünnt“ jedenfalls in Deutschland – lungen der Dichte des E-Mails
ver. Sie hat das Leibniz Center und zudem häufig privatisiert insbesondere jene Gegenden Verkehrs zwischen den Metro-
for Science and Society (LCSS) wurden. Für die durch Infra- und Orte benachteiligt, die be- polregionen der Welt. Zweifel-
gegründet und ist Sprecherin strukturen vermittelte sozial- reits besonders stark von der los handelt es sich bei den
der Forschungsbaus Forum räumliche Ordnung bedeutet Schließung staatlicher raum- Wissens- und Informationsin-
Wissenschaftsreflexion. Ihre dies, dass sie eine deutlich ge- bildender und raumüberbrü- frastrukturen um einen zent-
Arbeitsgebiete sind soziale Un- ringere territoriale und per- ckender Infrastrukturen be- ralen Treiber von Globalisie-
gleichheit, Wissenschaftssozio- sönlich bindende und staat- troffen sind. Dort entfalten rungsprozessen, für die die
logie, Soziologie des Essens. lich integrierende Wirkung die neuen Infrastrukturen nur Loslösung von einer flächen-
Kontakt: [email protected] besitzt. eingeschränkt ihre überräum- mäßigen räumlichen Ordnung
uni-hannover.de liche Qualität. Hinzu kommt, typisch ist. Wie die durch die-
Die erste Linie macht den dass sie im Allgemeinen kei- se Infrastrukturen geförderte
Wandel der Infrastruktur aus neswegs Wissen und Informa- Ordnung sozial verfasst sein
dem Blickwinkel der wohl- tionen sozial breit zugänglich kann und sollte, ob sie in ähn-
fahrtsstaatlichen Industrie- machen, sondern der Zugang licher Weise darauf angelegt
gesellschaft deutlich; in der oftmals an Mitgliedschaften sein wird, möglichst alle Men-
zweiten Linie scheint dagegen gebunden ist, beispielsweise schen gleichermaßen zu betei-
der Übergang zur Wissensge- der zu wissenschaftlichen ligen und gleichwertige Le-
sellschaft auf. Unbestrittenes Zeitschriften an die Mitglied- bensverhältnisse herzustellen,
Kennzeichen der Wissensge- schaft zu einer Hochschule. und durch welche Gover-
sellschaft ist, dass Wissen Ist der Zugang dagegen offen, nance sie eingehegt werden
zum wichtigsten „Rohstoff“ muss er häufig mit der Über- sollte – diese Fragen können
wird. Entsprechend sind die lassung von Daten, also mit vermutlich nicht national be-
für die Gesellschaft typischen Informationen, „erkauft“ antwortet werden, sondern
Infrastrukturen darauf ausge- werden. verlangen Lösungen von über-
richtet, Wissen und Informati- geordneten Instanzen. Wenn
onen zugänglich zu machen Noch lässt sich kaum erschlie- Infrastrukturen als soziale
und deren Transfer zu ermög- ßen, in welche Richtung sich Ordnungsdienste wirken sol-
lichen. Die Wissens- und In- die durch die Infrastrukturen len, dann ist es jedoch erfor-
formationsinfrastrukturen der Wissensgesellschaft ge- derlich, sie absichtsvoll so zu
können prinzipiell überall förderte sozial-räumliche Ord- gestalten und zu regulieren,
und von allen genutzt werden, nung entwickeln wird. dass sie tatsächlich die Leis-
zudem überwinden sie auch tungen erbringen, die von ih-
die Restriktionen der Zeit- Die sozial-räumlich verein- nen gesellschaftlich erwartet
dimension, die für raumüber- heitlichende Kraft der Infra- und gewünscht werden.
brückende Infrastrukturen strukturen der wohlfahrts-
typisch sind. Ich kann E-Mails staatlichen Industriegesell- Literatur
von überall mit meiner Uni- schaft beruhte ganz wesent-
versitätsadresse verschicken, lich auf der Verschmelzung [1] Eva Barlösius (2019): Infrastrukturen
unabhängig davon, ob ich ge- von Staatlichkeit und Territo- als soziale Ordnungsdienste. Ein Bei-
rade an einer anderen Hoch- rium, einer territorialisierten trag zur Gesellschaftsdiagnose.
schule forsche oder am Strand Staatlichkeit. Diese vereinheit- Frankfurt/M.: Campus.
liege, und meine Nachricht lichende Wirkung setzte enor-
kommt beinahe in Echtzeit an. me soziale, kulturelle und po-
Unabhängig davon, ob ich litische Homogenisierungs-
meiner Kollegin im Neben- prozesse in Gang. Welche
raum ein PDF-Dokument schi- Konzeption sozial-räumlicher
cke oder dem Kollegen in den Ordnung überräumlichen Inf-
USA, beide erhalten es augen- rastrukturen inhärent ist,
blicklich. Als überräumliche stellt – soweit ich es überblicke
Infrastrukturen bezwingen – eine weitgehend offene Fra-
Wissens- und Informationsin- ge dar. Oftmals wird über sie
frastrukturen sowohl die Res- gesagt, dass sie zur „Aufhe-
triktionen der Raumdimensi- bung des Raums“ beitragen.
on wie auch der Zeitdimensi- Dies ist jedoch eine voreilige
on und ermöglichen einen Annahme, denn auch über-
ortsungebundenen Zugang. räumliche Infrastrukturen
Technisch gesehen ist in ihnen wirken verräumlichend, aller-

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TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

„Gute Küste Niedersachsen“

Reallabore für einen ökosystemstärkenden Küstenschutz

Der Projektverbund Seit der Mensch begonnen hat, bensraum im Küstenland Nie- tisch dargelegte Konzept von
„Gute Küste Niedersachsen“ Küstenregionen zu besiedeln, dersachsen zu untersuchen. [Temmerman et al. 2013] wird
soll in den kommenden fünf versucht er, sich vor der Kraft in Gute Küste Niedersachsen da-
Jahren ökosystemstärkende des Meeres zu schützen und Die erwarteten Ergebnisse ha- her untersucht, wie Küsten-
gleichzeitig seine Ressourcen ben dabei einen direkten nie- schutzmaßnahmen auch die
Küstenschutzmaßnahmen zu nutzen. Der gesammelte dersächsischen beziehungs- Bereitstellung anderer Öko-
entwickeln, umsetzen und Erfahrungsschatz spiegelt sich weise unmittelbaren nationa- systemleistungen stützen und
heute in der Disziplin des len Bezug. Sie adressieren aber von ihnen in Wechselwirkung
deren Auswirkungen Küsteningenieurwesens wi- auch alle Küsten und küsten- profitieren können (siehe Info­
anschließend untersuchen. der, welche den Schutz von nahen Regionen weltweit, da kasten). Neben dem Schutz von
Lebens- und die Nutzung von global betrachtet die Weltbe- Habitaten werden unter ande-
Wissenschaftlerinnen Wirtschaftsräumen primär völkerung in keiner Region rem die Produktion organi-
und Wissenschaftler vom umfasst. In Anbetracht eines auf dieser Erde schneller als scher Substanz, die Bindung
Institut für Umweltplanung, zunehmenden Nutzungsdru- entlang der Küsten wächst. von Schadstoffen einschließ-
vom Institut für Freiraum­ ckes auf die Küstenmeere so- Auch die Urbanisierung des lich CO2, die Reduktion von
entwicklung sowie vom wie klimawandelbedingter Küstenraums nimmt weltweit Wellenenergie und Strömung
Ludwig­Franzius­Institut Änderungssignale stellt sich massiv zu und verlangt eine sowie Möglichkeiten der Na-
für Wasserbau, Ästuar­ und jedoch die Frage „Was ist angepasste Raum- und Nut- turbeobachtung und Erholung
Küsteningenieurwesen geben eine ‚gute Küste‘, an der wir zungsplanung. In sich entwi- in den Blick genommen.
sicher vor Naturgefahren, im ckelnden Ländern in Südost-
einen Einblick. Einklang mit der Natur, ein- Asien und Afrika löst der stei- Ökosystemleistungen
gebettet in die gewachsene gende Nutzungsdruck auf die
Kulturlandschaft, verantwor- Küsten bereits heute Migrati- Ökosystemleistungen sind
tungsbewusst und nachhal- on und Transformationspro- die „Nutzenstiftungen“
tig leben und wirtschaften zesse aus [Grote et al. 2019]. beziehungsweise „Vorteile“
können?“ An der niedersächsischen (engl. benefits), die Men­
Küste äußern sich marine Na- schen von Ökosystemen
Um diese Fragestellung zu turgefahren zumeist durch beziehen. Dazu gehören
beantworten, sind neben dem Stürme und Sturmfluten, die zum Beispiel die Bereit­
Know-how von Küsteninge- in den zurückliegenden Jahr- stellung von Nahrung und
nieur*innen auch chemisch- hunderten immer wieder zu Wasser, die Regulierung
biologische, ökologische, öko- Schäden und Verlusten ge- von Hochwasser, kulturelle
nomische, planerische und führt haben. Vor diesem Hin- Leistungen wie Freizeit
sozialwissenschaftliche Exper- tergrund sind die Errichtung und Erholung und unter­
tisen erforderlich. Diesen brei- und Vorhaltung eines zuver- stützende Leistungen wie
ten interdisziplinären Zugang lässigen Schutzniveaus in Nährstoffkreisläufe, die
hat der Projektverbund Gute Form eines technisch gepräg- die Bedingungen für das
Küste Niedersachsen gewählt, ten Küstenschutzes unabding- Leben auf der Erde auf­
um mit Förderung des Nieder- bar. Die Berücksichtigung der rechterhalten.
sächsischen Ministeriums für Auswirkungen des Küsten-
Wissenschaft und Kultur schutzes auf den Naturraum [Definition in Anlehnung an
(MWK) in den nächsten fünf wurde dabei bisher weitge- MA 2003: 49]
Jahren ökosystemstärkende hend ausgeblendet bezie-
Küstenschutzmaßnahmen zu hungsweise durch ökosystem-
entwickeln und zu implemen- aufwertende Maßnahmen
tieren und deren breite Wir- andernorts kompensiert.
kungen im Natur- und Le- In Anlehnung an das theore-

46

T R U S T L e i b n i z U n i v e r s i t ä TtRUHSTaSntandtouvnde Lrand – Orte der Veränderung

ab

c d1

Reallabore Eine besondere Chance für die In Gute Küste Niedersachsen Abbildung 1
praktische Erprobung und stellen die Reallabore Ver-
In Reallaboren erarbeiten Umsetzung ergibt sich daraus, suchs- und Lernräume für von oben links nach unten rechts:
die Beteiligten Lösungen dass viele bestehende Küsten- neue ökosystemstärkende a) Dünenabbruch als Resultat
für reale (Nachhaltigkeits­) schutzanlagen in den kom- Nutzungs- und Management- von Orkan Sabine auf Norder­
Probleme der Gesellschaft menden Jahren erneuert oder konzepte im Küstenschutz ney; b) Geschlossenes technisches
und führen Interventionen verstärkt werden müssen. Da- dar. Aktuell werden die Deckwerk als Deichfußsicherung
beziehungsweise Realexpe­ mit Anpassungen zum Schutz Struktur und die zu betrach- auf der Wattseite von Norderney;
rimente im „Feld” durch. und zur Förderung von Öko- tenden Schwerpunkte der zu c) Salzwiesen im Deichvorland,
Reallabore verbinden dabei systemleistungen berücksich- implementierenden Reallabo- Leybucht; d) Lahnungen im
konkretes Handeln mit wis­ tigt werden können, müssen re mit den Beteiligten vor Ort Deichvorland zwischen Neu­
senschaftlicher Genauigkeit jetzt innovative, integrierende entwickelt. Sie sollen sowohl harlingersiel und Bensersiel
und Überzeugungskraft. Konzepte entwickelt werden. standortbezogene Erkenntnis- alle Fotos: Maike Paul
Dabei wird von Beginn an Dazu braucht es nicht nur ein se aus den umzusetzenden
transdisziplinär gearbeitet. breites interdisziplinäres Kon- Realexperimenten fördern,
Das heißt, die Forscher*in­ sortium aus der Wissenschaft, aber auch einen standortüber-
nen erarbeiten gemeinsam sondern auch den Erfahrungs- greifenden Austausch zu Er-
mit Partner*innen aus der schatz der Praxisakteure, zum fahrungen und Ergebnissen
Praxis sowie der Zivilbe­ Beispiel aus dem Küsten- und ermöglichen. Dieser Ansatz
völkerung die Forschungs­ Naturschutz aber auch aus der bietet die Chance, voneinan-
themen, generieren zusam­ Umweltbildung, dem Touris- der zu lernen und übertragba-
men Wissen und setzen Er­ mus und der Landwirtschaft. re Handlungs- und Manage-
kenntnisse gemeinsam um. Um die Kenntnisse aller Grup- mentoptionen für eine Gute
pen in einem strukturierten Küste Niedersachsen generisch
[Definition in Anlehnung an Prozess zusammenzuführen, abzuleiten. Übergeordnet bie-
Schneidewind 2014; Wanner wird Gute Küste Niedersachsen tet Gute Küste Niedersachsen
et al. 2018] methodisch als Reallabor an einen Modellcharakter, zeigt
verschiedenen Küsten-Stand- starke Bezüge zu den For-
orten implementiert und suk- schungsmissionen der Deut-
zessive umgesetzt. schen Allianz Meeresfor-

47

TRUST Stadt und Land – Orte der Veränderung TRUST Leibniz Universität Hannover

Abbildung 2 schung (DAM) und steht in Nutzung der Küsten und Die strukturelle Entwicklung
Wechselwirkung mit dem Meere wissenschaftlich fun- und Priorisierung der Realla-
a) Konventionelle “graue” BMBF-Verbund Küstenfor- diert zu unterstützen. Zudem bor-Regionen und konkreter
Küstenschutzinfrastrukur See­ schung für Nord- und Ostsee leistet Gute Küste Niedersachsen Standorte für die Felduntersu-
deich (oben) und b) Hybrider (KüNO). Inhaltlich unterstützt in diesem Zusammenhang chungen ist eines der wichtigs-
Seedeich mit ökosystembasierten der hier geförderte nieder- einen effektiven Transfer ten Projektziele für das erste
Anpassungen und ökologischen sächsische Verbund unmittel- von wissenschaftsbasiertem Projektjahr. Im Co-Design von
Aufwertungen (unten) bar die Ziele des DAM, indem Handlungswissen im Dialog Wissenschaft und Praxis wur-
Grafik: entnommen aus [Schoonees lösungsorientiertes Hand- mit Anwendern zur Bewälti- de eine kriteriengeleitete Vor-
et al. 2019]

2

auswahl und Schwerpunktset-
zung getroffen. Mit einer ge-
meinsamen Bereisung und
zahlreichen vor Ort Konsulta-
tionen der in Frage kommen-
den Regionen und Standorte
im Herbst 2020 wird die Aus-
wahl abgeschlossen.

3 lungswissen für Politik, Wirt- gung der mit dem Klima- und Anschließend starten die
schaft und Zivilgesellschaft Nutzungswandel einherge- großskaligen Realexperimente
Abbildung 3 bereitgestellt wird, um politi- henden ökologischen, sozialen in den Reallabor-Regionen auf
Strukturierung und Abgrenzung sche und gesellschaftliche und ökonomischen Herausfor- den gemeinsam ausgewählten
von „grauen“ und “grünen” Entscheidungsprozesse zum derungen und stärkt ferner Einzelstandorten. Die Ergeb-
Küstenschutzmaßnahmen Schutz und zur nachhaltigen die Nachwuchsförderung. nisse werden ausgewertet und
Grafik: entnommen aus [Schoonees in Parallelexperimenten in
et al. 2019] kontrollierter Umgebung im
Labor überprüft. Dazu werden
unter anderem der Große
Wellenkanal (GWK) des For-
schungszentrums Küste sowie
weitere Großforschungsinfra-
strukturen an den Forschungs-
einrichtungen in Braun-
schweig und Hannover ge-
nutzt, um die Erforschung
treibender Parameter in gro-

48


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