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Published by hkbudo, 2018-07-03 08:20:31

Marcus_Paulitz_-_Dan_Arbeit

Schriftliche Ausarbeitung zur



Prüfung zum 1. Dan – Shorai Do Kempo







Von Marcus Paulitz


1. Kyu - Shorai Do Kempo
















Erläutere die Begriffe „Shitei“ und „Sempai/Kohai“.
Lege in schriftlicher Form dar, ob in der heutigen

Zeit diese Formen noch existent sind bzw. eine

Existenzberechtigung haben.

Gliederung:





1. Einleitung



2. allgemeine Begriffserklärung



3. Shitei – Lehrer-Schüler-Verhältnis



4. Sempai / Kohai




5. Existenz und Existenzberechtigung



6. Abschluss / Fazit



7. Quellen

1. Einleitung:

Am 18.04.2010 erhielt ich von meinem Lehrer, Sensei Falko Seppelt 3.Dan Shorai Do
Kempo, das folgende Thema zur schriftlichen Bearbeitung und als ein Bestandteil meiner
Prüfung zum 1.Dan Shorai Do Kempo.




Erläutere die Begriffe „Shitei“ und „Sempai / Kohai“. Lege in schriftlicher Form

dar, ob in der heutigen Zeit diese Formen noch existent sind bzw. eine

Existenzberechtigung haben.




Ich werde also Versuchen das Thema auf den kommenden Seiten im allgemein zu erklären, zu
erläutern und meinen persönlichen Standpunkt zu diesem wieder zu geben.




2. allgemeine Begriffserklärung

In meiner Arbeit sind also zuerst einmal die grundlegenden Begriffe zum Thema „Shitei“ und
„Sempai / Kohai“ zu klären.

Der Begriff „Shitei“ setzt sich aus den beiden Worten „Shi“, jap. für Lehrer oder Herr und
„Tei“, jap. für Schüler, zusammen.

Die Begriffe „Sempai“ und „Kohai“ stammen ebenfalls aus dem japanischen.
„Sempai“ steht hierbei für „der Ältere“ oder „der Erfahrenere“ und bezeichnet damit den
älteren Schüler. „Kohai“ steht für „der Jüngere“ und bezeichnet den jüngeren Schüler.

„Shitei“ beschreibt also das Verhältnis, den Zusammenhang und die Abhängigkeit von Lehrer
und Schüler (Lehrer-Schüler-Verhältnis).

Bei den Begriffen „Sempai“ und „Kohai“ handelt es sich ideologische um den gleichen
Aspekt wie bei dem Begriff „Shitei“, nur ist hierbei die Rede von dem Verhältnis zwischen
älterem und jüngerem Schüler.




Weiter Begriffe:

Ryu - Stil / Schule

Dojo - Trainingsraum (Ort des Weges)

7 Tugenden eines Kriegers – Gi - Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit
Yu - Mut
Jin - Güte
Rei - Höflichkeit
Makoto/Shin - Wahrheit und Wahrhaftigkeit
Meiyo - Ehre
Chugi/Chu - Treue, Pflicht und Loyalität

3. Shitei – Lehrer-Schüler-Verhältnis

Ein Lehrer zu werden und zu sein bedeutet für mich mehr, als eine Dan-Graduierung zu
tragen oder vor einer Gruppe zu stehen und diese zu unterrichten. Meiner Empfindung nach
verkörpert ein Lehrer viel mehr. Er sollte eine enorme Kompetenz ausstrahlen, was nicht
heißen soll, dass er alle Dinge wissen und können muss, aber er ist stets darum bemüht seine
Fähigkeiten zu erweitern, zu verbessern und seinen Geist zu schulen.

Dieses Bemühen und Streben nach Mehr sollte ein Lehrer an seine Schüler übertragen bzw.
sollten diese die Lehren ihres Lehrers übernehmen und somit selber immer weiter und nach
immer mehr streben. Denn das höchste Ziel wonach wir Streben können ist die Perfektion.
Auch wenn diese vielleicht nie zu erreichen ist und es uns gar als unmöglich erscheint diese
zu erreichen, aber das Streben nach diesem absoluten Maximum, das Streben auf dem Weg
dort hin, dies ist die richtige Methode um das Ziel zu erreichen.

Und dieses Streben sollte ein Lehrer verkörpern und seine Schüler sollten dieses für sich
übernehmen. Denn dieses Wissen, welches wir auf unserem Weg erlangt haben, macht den
Unterschied zwischen Lehrer und Schüler aus.

Ich möchte an dieser Stelle Shihan W. O. Dexbach zitieren: „Ich bin nicht besser als ihr, ich
bin lediglich schon an dem Punkt gewesen, an dem ihr euch jetzt befindet.“ Meiner Meinung
nach ein sehr schönes Zitat, weil in diesem dargestellt wird, dass der Lehrer kein Übermensch
und die Dinge welche er beherrscht nicht durch Übernatürliches zustande gekommen ist.
Nein, der Lehrer verfolgt diesen Weg einfach schon länger als sein Schüler und er ist somit
auf eine ganz natürlich Art und Weise seinen Schülern voraus, nur mit dem Unterschied,
„wenn ihr dort angekommen seit wo ich jetzt bin, dann bin ich schon wieder ein Stück
weiter!“ (Zitat Shihan W. O. Dexbach).

Lehrer und Schüler verpflichten sich gemeinsam einander, zu streben und den Weg der
Kampfkünste zu gehen, so dass der Schüler sich durch seinen Lehrer entwickelt und der
Lehrer sich allerdings genauso durch seinen Schüler entwickeln kann.

„Shitei“ beschreibt also das Wirkungsgefüge zwischen Lehrer und Schüler und in welchem
Zusammenhang diese stehen. Es ist zu sagen, dass es ohne Schüler niemals einen Lehrer
geben würde, genauso aber auch ohne einen wahren Lehrer es nie richtige Schüler geben
würde. Somit stehen beide miteinander in Verbindung und genauso in einer Abhängigkeit
zueinander.


Natürlich muss ein Lehrer auch die Fähigkeit besitzen Wissen zu vermitteln, Grundlegendes
über die Struktur eines Unterrichtes, medizinische Grundlagen, Grundlagen von Erziehung,
soziale Kompetenz und noch einiges mehr, aber dies erachte ich für selbstverständlich, wenn
ich von einem Lehrer spreche.

4. Sempai / Kohai

Das Verhältnis zwischen „Sempai“ und „Kohai“ ist dem zwischen Lehrer und Schüler sehr
ähnlich. Auch hier stehen „Sempai“ und „Kohai“ in einem Wirkungsgefüge zueinander und
die Verantwortung beider zueinander ist hoch.

Ich persönlich bin der Meinung, dass der „Sempai“ eher als Vermittler von praktischem
Wissen angesehen wird und dieses an den“Kohai“ überträgt, der „Sensei“ hingegen ist für die
Gesamtschulung, also der Ausbildung von theoretischem und praktischem Wissen, zuständig
und verantwortlich.

Der „Sempai“ gilt also eher als praktischer Mittelsmann zwischen „Sensei“ und „Kohai“. Der
„Kohai“ ist jedoch genauso verpflichtet, sich diesen Lehren und dieser Hilfestellung bewusst
zu sein, sie anzunehmen und vor allem dankbar dafür zu sein.




5. Existenz und Existenzberechtigung


Ein Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, zwischen „Sensei“ und „Deshi“, zwischen
„Sempai“ und „Kohai“, hat solange Existenzberechtigung und ist auch existent, solange in
diesem „Ryu“ auch wahrhaftig noch Kampfkunst nach alten Werten und Traditionen
vermittelt wird.

Damit meine ich, dass es eine hierarchische Struktur geben muss, an die sich gehalten wird.
Dass ein Unterschied zwischen Lehrer, älteren Schülern und jüngeren Schülern zu erkennen
ist, so dass nicht alle auf der selben Stufe stehen, sondern es dort Unterschied gibt und dieser
auch zu erkennen ist. Hierzu zählen auch die 7 Tugenden eines Kriegers.

Grundvoraussetzung für das Zusammenleben von Menschen miteinander ist nötiger Respekt.
Dies ist die absolute Grundlage und Voraussetzung für einen funktionierenden Umgang und
ein Zusammenleben von Menschen miteinander. So auch in der Kampfkunst und wenn dieser
Respekt noch an eine Hierarchie-Ordnung geknüpft wird, so ist ein solches Verhältnis, wie es
zwischen Lehrern, älteren Schülern und jüngeren Schülern bestehen sollte, im Dojo möglich.

Wichtige Voraussetzung für die Existenz ist, dass alle Beteiligten sich darüber bewusst sind
und dies auch wollen, dass solche Co-Abhängigkeiten zwischen Lehrern und Schülern gibt,
dies sollte allerdings auch in einem klassischen, traditionellen Ryu als selbstverständlich
gelten.

Somit bin ich der Meinung, dass ein Lehrer-Schüler-Verhältnis, sowie ein Verhältnis
zwischen „Sempai“ und „Kohai“ existent sind und auch ihre Berechtigung dafür haben,
solange der Weg der Kampfkunst in seiner reinen und ursprünglichen Form unterrichtet wird
und dieser Weg gemeinsam gegangen wird.

6. Abschluss / Fazit

Für mich sind die Begriffe Lehrer, Schüler, älterer Schüler und jüngerer Schüler und in
welchem Zusammenhang diese stehen, also „Shitei“ und „Sempai / Kohai“ mehr als nur
existent und haben damit auch vollends ihre Berechtigung, da ich mich selber mit diesen
auseinandersetzte und auseinandergesetzt habe, unabhängig von meiner schriftlichen Dan-
Arbeit.

Ich selber stehe an dem Punkt mich weiter zu entwickeln, an meiner neu aufkommenden
Verantwortung zu wachsen und danach zu streben, ein guter Lehrer zu werden, auf den ich
selber stolz sein kann, aber auf den auch mein eigener Lehrer, Sensei Falko Seppelt 3.Dan,
stolz sein kann. Das sich all seine Arbeit und Mühe, die er aufgebracht und in mich investiert
hat, gelohnt hat.

Ich selber werde zwar weiterhin der Schüler meines Lehrers bleiben und dies wird sich auch
bis zum Ende meines Lebens nicht ändern, aber ich komme der Verantwortung eines Lehrers
mit meiner Dan-Prüfung einen Schritt näher.

Ich werde von jüngeren Schülern nicht mehr als Sempai gesehen werden, sondern mit der
bevorstehenden Graduierung als 1.Dan wird man mich als Lehrer sehen und dieser
Verantwortung werde ich mir bewusst und möchte ihr auch in vollem Maße gerecht werden.
Die Verantwortung gegenüber jüngeren Schülern besteht schon jetzt als „Sempai“ für mich,
nur kann ich nicht genau sagen warum, aber ich spüre und weiß irgendwo auch, dass meine
Verantwortung den Schülern gegenüber mit dem 1.Dan enorm steigen wird, obwohl sich doch
eigentlich nur die Farbe des Gürtels ändert.

Ich muss aber auch sagen, ich bin stolz darauf an diesem Punkt in meinem Leben zu stehen,
ich bin stolz darauf die Prüfung zum 1.Dan ablegen zu dürfen und ich bin stolz darauf, die
damit bevorstehende Verantwortung zu übernehmen.

Ich möchte mich an diesem Punkt bei meinem Sensei bedanken. Vielen Dank Sensei Falko
Seppelt 3.Dan, dass du dir die Mühe gemacht hast und die Geduld hattest mir den Weg der
Kampfkunst zu zeigen, mich auf diesem Weg zu begleiten und ihn gemeinsam mit mir zu
gehen. Vielen Dank auch dafür, dass ich dich auf deinem Weg begleiten durfte. Ich möchte
auch bei meinen Eltern Kerstin und Steffen Paulitz danken, dass sie mir die Möglichkeit
gegeben haben Kampfkunst zu erlernen, meinen Weg auf den Spuren der Kampfkunst zu
gehen und das sie mich auf diesem begleitet haben. Ich möchte mich auch bei meinem besten
Freund und stetigem Weggefährten Stefan Klein 2.Kyu bedanken, denn auch er hat mich
intensiv, gar am intensivsten, auf meinem Weg begleitet, stand stets an meiner Seite und zu
mir und war immer für mich da. Vielen Dank Stefan, du bist wirklich ein wahrhaft guter
Freund. Natürlich gilt mein Dank auch allen anderen, die mich auf dem Weg der Kampfkunst
begleitet haben und auch denen, die mich weiterhin auf dem Weg begleiten werden und
diesen mit mir gehen werden. Dankeschön an das Shorai- Do Kempo Ryu und besonders an
mein Dojo, das Shorai- Do Kempo Ryu - Dojo Leipzig e.V..


domo arigato gozaimasu
(Vielen Herzlichen Dank!)




Marcus Paulitz 1.Kyu
Shorai- Do Kempo Ryu

7. Quellen



· „Taschenwörterbuch der Kampfkünste Japans – Japanisch - Deutsch“ , Klaus Hanelt,
Verlag Dieter Born, Bonn, 1.Auflage, März 2009

· http://www.zenkido.org/shitei/



· http://de.wikipedia.org/wiki/Bushid%C5%8D#Die_sieben_Tugenden



· mein eigener Verstand, der Wissen und Erkenntnisse aus über 13 Jahren Kampfkunst
in sich trägt und vereint


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