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Verfassen und Vortragen. Wissenschaftl. Arbeiten und Vorträge leicht gemacht [Springer-Lehrbuch, 2010]

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Published by NoSpam, 2018-01-11 09:30:01

Verfassen und Vortragen. Wissenschaftl. Arbeiten und Vorträge leicht gemacht [Springer-Lehrbuch, 2010]

Verfassen und Vortragen. Wissenschaftl. Arbeiten und Vorträge leicht gemacht [Springer-Lehrbuch, 2010]

Springer-Lehrbuch

Weitere Bände siehe
www.springer.com/series/1183


Ulrike Leopold-Wildburger • Jörg Schütze

Verfassen und Vortragen

Wissenschaftliche Arbeiten
und Vorträge leicht gemacht

Zweite, vollständig überarbeitete Auflage

1C


Prof. Dr. Ulrike Leopold-Wildburger Dr. Jörg Schütze
Universität Graz Universität Graz
Institut für Statistik und Operations Institut für Statistik und Operations
Research Research
Universitätsstrasse 15 Universitätsstrasse 15
8010 Graz 8010 Graz
Österreich Österreich
[email protected] [email protected]

ISSN 0937-7433

ISBN 978-3-642-13419-7 e-ISBN 978-3-642-13420-3

DOI 10.1007/978-3-642-13420-3

Springer Heidelberg Dordrecht London New York

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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setzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung,
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berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der
Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann
benutzt werden dürften.

Einbandentwurf: WMXDesign GmbH, Heidelberg

Gedruckt auf säurefreiem Papier

Springer ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media (www.springer.com)


Geleitwort

Nach eigenen Angaben haben viele Studierende kaum ausreichende Kennt-
nisse u¨ber die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens. Zusammen-
schreiben und Pra¨sentieren von Abschlussarbeiten za¨hlt neben der inhalt-
lichen Erfassung und Aufarbeitung eines Themas zu den schwierigsten Auf-
gaben wa¨hrend des Studiums.

Mit dem vorliegenden Buch haben wir bereits vielen Ratsuchenden Hinweise
geben ko¨nnen und die vorliegende Auflage umfaßt eine Reihe von weiteren
wertvollen Ratschla¨gen zum Thema Schreiben und Pra¨sentieren leicht ge-
macht. Um auf aktuelle Entwicklungen flexibel eingehen zu ko¨nnen, bieten
wir u¨ber die Internetadressensammlung des Buches hinaus eine Webpage,
die wir laufend versuchen zu aktualisieren:

www.uni-graz.at/sor/verfassen-und-vortragen.html

Graz, Mai 2010 Ulrike Leopold-Wildburger
Jo¨rg H. Schu¨tze

v


Vorwort zur zweiten Auflage

Auch an dieser Auflage haben viele Interessierte uns mit wertvollen Ide-
en und Anregungen unterstu¨tzt, denen wir auf diesem Wege herzlichst dan-
ken. Hier seien vor allem Christian Grabner, Sarah Knights, Armin Leopold,
Franz Leopold, Sylvia Murschitz, Helmut Riesslegger, Harald Rutter, Ri-
chard Theiss und Kurt Winter namentlich erwa¨hnt. Unser Dank gilt aber auch
vielen Studierenden, die uns wa¨hrend der Lehrveranstaltungen diverse Hin-
weise geliefert haben und unser Bemu¨hen fu¨r eine Neuauflage unterstu¨tzten.
Frau Arleta Mietek war unermu¨dlich dabei, uns in das Schreibprogramm La-
TeX einzufu¨hren und stand jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Unser inniger Dank gilt Herrn Werner Mu¨ller und dem Springer Verlag fu¨r
die angenehme Zusammenarbeit und rasche Drucklegung des Buches.

Zum ersten Mal ist eines unserer Bu¨cher nun als e-book verfu¨gbar, was fu¨r
uns alle eine neue, spannende Erfahrung darstellt und wir auf die Reaktionen
gespannt sein du¨rfen.

Graz, Mai 2010 Ulrike Leopold-Wildburger
Jo¨rg H. Schu¨tze

vii


Vorwort zur ersten Auflage

Der Einsatz unseres Manuskripts in Lehrveranstaltungen hat uns in der Ab-
sicht besta¨rkt, dieses den Studierenden als Buch zur Verfu¨gung zu stellen.
Der Inhalt basiert im Wesentlichen auf den Erfahrungen aus Seminaren fu¨r
Studierende der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Karl Franzens
Universita¨t Graz. Das Manuskript wurde mehrfach u¨berarbeitet und an die
neuesten Entwicklungen angepasst. Es handelt sich um eine ausgewogene
Kombination notwendiger theoretischer Anleitungen mit einfach umsetzba-
ren, praktischen Beispielen, fu¨r die wir aus dem Kreis der Studierenden vie-
le sinnvolle Anregungen erhalten haben. Wir geben zu Bedenken, dass es
im wissenschaftlichen Bereich kein einheitliches Vorgehen gibt! Sie finden
weder Generalkonzepte noch Zaubermittel! Das individuelle Erarbeiten ver-
schiedener Themen und die Pra¨sentation von Ergebnissen ko¨nnen auf unter-
schiedlichste Weise geschehen. In diesem Buch geben wir Hinweise, die sich
auf effizientes Erarbeiten einer Thematik beziehen und Sie vor Fehlern be-
wahren sollen. Die anwendungsorientierten U¨ berlegungen basieren sowohl
auf traditionellen Methoden als auch auf modernen Technologien. In diesem
Zusammenhang findet das Internet grundlegende Verwendung.

Beachten Sie, dass Internetseiten ha¨ufig zeitlich eingeschra¨nkt angeboten
werden. Wir bieten daher auf unserer perso¨nlichen Homepage einen Service
zum Aufrufen aller im Buch genannten Internetseiten.

www.uni-graz.at.sor

Graz, November 2001 Ulrike Leopold-Wildburger
Jo¨rg H. Schu¨tze

ix


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Zeitkomponente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2 Zielkomponente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.3 Zweckkomponente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1.4 Entdeckungsrelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.5 Begru¨ndungsrelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.6 Folgerungsrelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.7 Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft . . . . . . . . 8
1.8 Rahmenbedingungen und Gesetzestexte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.8.1 Der Bolognaprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.8.2 O¨ sterreichische Gesetzestexte zu Bachelorarbeiten
und Masterarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

2 Motivation und Konzentration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.1 Motivation und Ressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.1.1 Vorschla¨ge zur Mobilisierung unserer Motivation . . . . . 14
2.1.2 Vorschla¨ge fu¨r einen Arbeitsplan . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.2 Konzentration und Sto¨rungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.3 Ideen- und Kreativita¨tsmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

xi


xii Inhaltsverzeichnis

2.4 Herausforderungen und Probleme verschiedener Art . . . . . . . . 24
2.4.1 Problemkommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2.4.2 Ein erfolgreiches Problemlo¨sungsmodell . . . . . . . . . . . . 26

2.5 Individuelles Lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
2.5.1 Lernen alleine oder in Gruppen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
2.5.2 Effizientes Lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

2.6 Verwendung von Bu¨chern und Vortra¨gen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

3 Sammeln von Grundlagen in traditioneller Weise . . . . . . . . . . . . 37
3.1 Methodologische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2 Einleitung und Abstecken des Themas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
3.3 Definitionen und Erla¨uterungen suchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.4 Grundlegende Arbeiten sammeln, recherchieren und zitieren . 49
3.5 Dispositionen und Gliederungen erstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
3.6 Ordnen und Ausarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
3.7 Folgerungen ziehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.8 Bewertung und Interpretation samt Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.9 Abstract, Kurzfassung, Zusammenfassung und
Inhaltsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
3.10 Fußnoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
3.11 Literaturverzeichnis und Anha¨nge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
3.12 Formale Kriterien und Merkblatt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
3.13 Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
3.13.1 Beispiel fu¨r den Aufbau einer Arbeit aus dem Gebiet
der experimentellen O¨ konomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
3.13.2 Beispiel einer Kurzfassung einer
wirtschaftswissenschaftlichen Dissertation . . . . . . . . . . 73
3.13.3 Beispiel einer englischen Kurzfassung eines Beitrags
u¨ber Rationalita¨t . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74


Inhaltsverzeichnis xiii

3.13.4 Beispiel aus der Bevo¨lkerungs- und Wirtschaftsstatistik 75

3.13.5 Beispiel aus der Politikwissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . 77

3.13.6 Beispiel aus den vergleichenden
Geschichtswissenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

3.13.7 Beispiel einer Simulationsstudie: Thema
Konfliktforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

3.13.8 Beispiel fu¨r Einsatzmo¨glichkeiten
von Kreativita¨tstechniken im
Betriebswirtschaftslehreunterricht . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

3.13.9 Beispiel aus der Mathematik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

3.14 Checkliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

4 Moderne Technologien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
4.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
4.1.1 Vorgangsweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
4.1.2 Arbeitsplatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.1.3 Teamarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.1.4 Campusnetzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
4.1.5 Dokumentation und Intersubjektivita¨t . . . . . . . . . . . . . . . 91
4.1.6 Flexibilita¨t und Automation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.1.7 Datenschutz und Sicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
4.1.8 Dateien und Versionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
4.1.9 Zielsetzungen und Vernetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
4.1.10 Zugriff auf weitere Materialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
4.2 Softwareauswahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
4.2.1 Institutionelle Vorgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
4.2.2 Auswahloptionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
4.2.3 Mobiles Arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
4.2.4 Zugriff auf gehostete Software im Campusnetzwerk . . 112


xiv Inhaltsverzeichnis

4.2.5 Zugriff auf Webdienste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
4.2.6 Portable Anwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.2.7 Software zur Installation auf dem eigenen Computer . . 115
4.2.8 Bedienoberfla¨chen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
4.2.9 Programmerweiterungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
4.2.10 Lizenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
4.2.11 Dateiformate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
4.3 Text, Bild und Pra¨sentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120
4.3.1 Wahl des Textverarbeitungsprogrammes . . . . . . . . . . . . 120
4.3.2 Textverarbeitung und Computerleistungsgrenze . . . . . . 121
4.3.3 Hinweise bei Verwendung a¨lterer Wordversionen . . . . . 122
4.3.4 Sprachliche Korrektur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
4.3.5 Umgang mit Benutzerlexika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
4.3.6 Zitierungsabgleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
4.3.7 Drucken einer Abschlussarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
4.3.8 Grafikmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
4.3.9 Wahl des Pra¨sentationsprogrammes . . . . . . . . . . . . . . . . 128
4.4 Recherche und Verwaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
4.4.1 Internetquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
4.4.2 Aufha¨nger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
4.4.3 Kopieren, Fotografieren, Scannen und Indizieren . . . . . 132
4.4.4 Literaturverwaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
4.4.5 Standardsuchmaschinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
4.4.6 Metasuchmaschinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
4.4.7 Wissenschaftliche Suchmaschinen . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
4.4.8 Bibliotheksnutzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
4.4.9 Interessenpooling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140


Inhaltsverzeichnis xv

5 Vortragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

5.1 Kunst des Vortragens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

5.2 Ausstrahlung und Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
5.3 Atemu¨bungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

5.4 Organisation Ihres Vortrags . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146

5.5 Wichtige Grundsa¨tze einer guten Pra¨sentation . . . . . . . . . . . . . 149

5.5.1 Aufbau einer Pra¨sentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

5.5.2 Beispiele fu¨r den Stil eines Vortrags . . . . . . . . . . . . . . . . 152

5.5.3 Weitere Vorschla¨ge fu¨r Ihren Vortrag . . . . . . . . . . . . . . . 154

5.5.4 Handout . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155

5.5.5 Ihr Auftreten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156

5.5.6 Motivation und Aufha¨nger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

5.5.7 Aktivierung der Zuho¨rerInnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159

5.5.8 Abschluss und Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

5.5.9 Kontakt mit der Betreuungsperson . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

5.5.10 Nachbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166

6 Verwendete und weiterfu¨ hrende Literatur: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167


Kapitel 1

Einleitung

Die Herangehensweise an eine wissenschaftliche Arbeit erfordert klare Ziel-
setzungen. Wa¨hrend Fachbereichsarbeiten und Arbeiten zu Studienbeginn
meist konkret ableitbare Zielvorgaben enthalten, steigert sich bei Seminar-
arbeiten und besonders bei Abschlussarbeiten fu¨r ein Bakkalaureatsstudium
und Masterstudium die Herausforderung, welche bei Dissertationen in der
Regel am gro¨ßten ist. Dementsprechend bedarf es einer klaren Systematik
fu¨r wissenschaftliches Arbeiten.
Grundsa¨tzliche U¨ berlegungen zum Thema Verfassen und Vortragen von wis-
senschaftlichen Arbeiten bestehen aus einem pragmatischen Teil und einem
methodischen Teil. Eine sinnvolle Pragmatik fordert, dass wir uns mit den
folgenden drei Komponenten auseinandersetzen:

Zeit, Ziel, Zweck.

Wir fassen diese Komponenten als 3-Z-Regel zusammen.
Die zugrunde gelegte Methodik erfordert, dass wir uns daru¨ber Gedanken
machen, wie wir wissenschaftliche Arbeiten erstellen (sollen). Wir werden
auf die folgenden Relationen kurz eingehen:

Entdeckung und Begru¨ ndung von Zusammenha¨ngen und Ziehen von
Folgerungen aus Tatsachen.

Sobald der generelle Schwerpunkt Ihres Themas zumindest in groben Zu¨gen
abgesteckt ist, sollte Folgendes festgehalten werden: Die Basis jeder wissen-
schaftlichen Arbeit wird prima¨r durch eine inhaltliche Festlegung gebildet.
Das heißt, das Thema ist allgemein fixiert oder eine bestimmte Fragestellung
im Speziellen festgehalten. Wir bewegen uns dabei entweder vom Allge-

1


2 1 Einleitung

meinen zum Speziellen oder umgekehrt vom Speziellen zum Allgemeinen.
Offensichtlich mu¨ssen wir angrenzenden Gebieten Beachtung schenken, so-
wie gewisse Zusammenha¨nge fixieren, und im Hinblick auf mo¨glichst große
Kreativita¨t jede Form von Betriebsblindheit vermeiden. Wissenschaft beruht
auf der Erkenntnis, dass es in Bezug auf eine wissenschaftliche Fragestellung
bereits Arbeiten gibt, die gewisse Grundlagen bieten ko¨nnen. Beispielswei-
se lassen sich durch Abstraktion eines Begriffes wissenschaftliche Arbeiten
im Nahbereich finden: Unternehmen, U¨ berbegriff : Makroo¨konomische Zu-
sammenha¨nge. Beispiele fu¨r mo¨gliche Konkretisierungen: Unternehmen im
betriebswirtschaftlichen Sinne, im volkswirtschaftlichen Kontext, Unterneh-
men unter dem Aspekt von human ressources etc. Dementsprechend wird ein
mo¨glicher Handlungsspielraum wissenschaftlicher Arbeiten alleine durch
solche Konkretisierungen deutlich, wobei der Ausgangspunkt relevanter For-
schungsfragen zu beachten ist.

Mit Charles Darwin gesprochen: Recognize the opportunity! Oder mit ande-
ren Worten: Zur rechten Zeit am rechten Ort Erkenntnisse mit Begeisterung
sammeln!
Im Folgenden behandeln wir die 3-Z-Regel, die sich auf Zeit-, Ziel- und
Zweckkomponenten bezieht.

1.1 Zeitkomponente

Wir machen uns Gedanken u¨ber den Zeitablauf und stellen die Frage:
Wie viel Zeit brauche ich wofu¨r?

Als Faustregel gilt, dass man fu¨r jedes Thema grob gesehen eine

1. Einarbeitungsphase,

2. Vertiefungsphase,

3. Auseinandersetzungs- bzw. Reflektionsphase,

4. Schlussfolgerungsphase und

5. Schreibphase

einplanen muss. Allgemein la¨sst sich schwer etwas u¨ber genaue Zeitspan-
nen sagen. Generell ist es nur mo¨glich, darauf hinzuweisen, dass insbeson-
dere die Phasen (2), (3) und (4) mo¨glichst ungesto¨rt und mo¨glichst zusam-


1.2 Zielkomponente 3

menha¨ngend durchgefu¨hrt werden sollten. Fu¨r eine Seminar- oder Projekt-
arbeit im 3. oder 4. Studienjahr sollte man mindestens zwei Wochen fu¨r
jede dieser Phasen reservieren. Sind Masterarbeiten unser Ziel, sollte man
von mindestens je einem Monat ausgehen und bei Dissertationen fa¨llt es
u¨berhaupt schwer, zeitliche Hinweise allgemeiner Natur zu geben.

Ihr Zeithorizont kann keineswegs durch Hinweise dieses Buchs vorgegeben
werden, sondern es kann nur darauf verwiesen werden, dass sa¨mtliche Ter-
minrestriktionen von vornherein ins Kalku¨l zu ziehen sind und mit dem Be-
treuer/den Betreuern mo¨glichst fru¨h gekla¨rt werden sollten. Bedenken Sie
den zusa¨tzlichen Zeitaufwand, falls sich mehrere Betreuer – etwa einer Dis-
sertation – auf einen Termin fu¨r Ihr Abschlussgespra¨ch einigen mu¨ssen! Sind
Sie Stipendienbezieher, sollten Sie beispielsweise die Phase (5) mit dem
Ende Ihres Stipendiums abstimmen. Natu¨rlich sind sa¨mtliche Termine fu¨r
Ihre Zeitplanung von Bedeutung, sei es die Entlehnfrist Ihrer Bu¨cher, die
Gu¨ltigkeitsdauer Ihrer Bibliothekskarte, Ihres Internetzuganges bzw. Ihres
Kennworts, Termine bezu¨glich der Abgabe Ihrer Arbeit, sowie perso¨nliche
Termine und Zeitreserven, die es zu bedenken gibt.

1.2 Zielkomponente

Die Zielkomponente ist die inhaltliche und methodische Festlegung, sowie
die Bestimmung des wissenschaftlichen Werts Ihrer Arbeit. Wir stellen also
die Frage nach unseren Handlungszielen.

Wenn Sie Ihr Thema in groben Zu¨gen abgesteckt haben, sollten Sie sich
u¨ber den Inhalt und u¨ber die mo¨glichen Methoden ins Klare kommen. Wie
Sie sich am besten u¨ber die inhaltliche Komponente Ihrer Arbeit informie-
ren, werden die Kapitel 3 und 4 zeigen. Die Methode Ihrer Untersuchung
sollte mit Ihrem Betreuer abgesprochen werden und ist nicht selten vom
Untersuchungsgegenstand abha¨ngig. Untersuchungen in medizinischen und
biochemischen Gebieten beispielsweise oder in den Natur- und Sozialwis-
senschaften werden ha¨ufig auf der Basis von konkreten Forschungen begin-
nen, also mit der Anwendung von empirischen Methoden. Beobachtungen
u¨ber einen bestimmten Zeitraum, experimentelle Studien bzw. Fallstudien
sind dabei u¨blich. Ein wichtiger grundlegender Tipp ko¨nnte sein: Versuchen
Sie, ein bestehendes Modell um nur einen Parameter oder zumindest nur um
wenige Gro¨ßen zu vera¨ndern, und fu¨hren Sie unter diesem speziellen Aspekt
eine neue Untersuchung durch.


4 1 Einleitung

Ha¨ufig kann es der Fall sein, dass bestehendes Material als Grundlage dient
und neue Ergebnisse mit bereits Bestehendem verglichen werden bzw. Fol-
gerungen gezogen werden sollten. In den Rechtswissenschaften etwa ist es
naheliegend, Gesetzestexte miteinander zu vergleichen und gegebenenfalls
Entscheidungen der Gerichte gegenu¨berzustellen, was insbesondere fu¨r den
internationalen Vergleich einen großen Aufwand bedeutet, und fu¨r noch
nicht vo¨llig ausjudizierte Gebiete, insbesondere in neuen, u¨bergreifenden
Fa¨llen einer umfangreichen (Rechts-)Datenbank bedarf.

Arbeiten Sie beispielsweise als Historiker, ko¨nnten Sie sich zum Ziel set-
zen, einer bestimmten Begebenheit eine neue, ungewo¨hnliche Interpretation
zu geben. Dazu werden Sie Originalmaterialien bzw. Originalliteratur und
entsprechende Recherchen brauchen.

Auch hier sollte zwischen dem Erstellen eines Referates, einer Seminar-
oder Masterarbeit und dem Verfassen einer Dissertation unterschieden wer-
den. Wa¨hrend bei Referaten, Seminaren und Bakkalaureatsarbeiten ein
U¨ berblick und eine gewisse Kenntnis des zur Diskussion gestellten Stoffge-
bietes dokumentiert werden soll, bescha¨ftigen sich Masterarbeiten u¨blicher-
weise mit dem Zusammenfassen und selbsta¨ndigen wissenschaftlichen Wei-
terverfolgen bestehenden Wissens.

Eine Dissertation hat zum Ziel, eigensta¨ndige, originelle neue Gedanken
auszuarbeiten, die bisher in der Literatur noch nicht abgehandelt worden
sind.

Kreativita¨t und Originalita¨t sind gefragt! Das gesetzte Ziel darf keines-
falls außer Acht gelassen werden, in Nebensachen sollte man sich nicht
verrennen.

1.3 Zweckkomponente

Wir wollen hier den Zweck im Sinne des o¨konomischen Prinzips verstehen:
Sind die Mittel gegeben, dann sollte damit mo¨glichst viel erreicht werden;
ist das Ziel vorgegeben, so ist es versta¨ndlich und sparsam, dafu¨r mo¨glichst
wenig einsetzen zu wollen. Die Erwartung, mit der eigenen Arbeit einen
besonderen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten, ist zu Beginn einer Arbeit
versta¨ndlich. Wissenschaftliches Arbeiten beruht auf vorhandenen Texten.


1.3 Zweckkomponente 5

Es ist durchaus sinnvoll, eigene Ideen vor der Literaturrecherche zu haben
und diese bei den Thesen schriftlich zu fixieren. Das Austauschverha¨ltnis
zwischen Recherche und der vor der Recherche erfolgenden Konkretisie-
rung von eigenen Ideen ist extrem wichtig, um fu¨r die Verfassungsperson
klar zwischen eigenen, insbesondere neuen und bereits vorhandenen Ideen
unterscheiden zu ko¨nnen. Gerade bei der Erstellung erster wissenschaftli-
cher Arbeiten wird nach der Zuteilung eines Themas oft zuna¨chst versucht,
alles zum Thema Passende zu lesen. Dabei wa¨re es von Vorteil, eine geeig-
nete Mischung aus Lesen/Recherche und selbsta¨ndigem Denken zu finden.
Also ein kybernetisches Vorgehen, wie spa¨ter beschrieben. Beispielhaft fu¨r
eine gelungene Vorgehensweise ist hier die spa¨ter erla¨uterte Studienmethode
nach Buzan anzufu¨hren:

Es ist fu¨ r Recherchen wesentlich, vorweg konkretisierte, meist schriftlich
formulierte Problemstellungen lo¨sen zu wollen.

Wir bescha¨ftigen uns mit dem organisatorischen Hintergrund und der Identi-
fikation mit dem Thema. Frage: Sind Sie sich daru¨ber ins Klare gekommen,
welche Fragestellung Sie sich vornehmen und wozu Sie diese Arbeit verfas-
sen?

Nachdem der Zeithorizont und sowohl inhaltliche als auch methodologische
Ziele fixiert worden sind, sollte man in Ruhe entscheiden, ob man sich auch
tatsa¨chlich ernsthaft auf die Arbeit einla¨sst. Hat man als Zweck bloß die
formelle Erledigung vor Augen, dann sollen unsere Hinweise etwas zur Mo-
tivation beitragen und werden genauso von Bedeutung sein wie im Falle der
vo¨lligen Identifikation. Unsere Empfehlungen sollen Hilfestellung bei der
effizienten Bearbeitung des Themas der Arbeit leisten.

Stellen wir uns die Frage nach dem Zweck wissenschaftlicher Aussagen, so
befinden wir uns im Bereich der Grundlagenforschung. Die Wissenschafts-
theorie – science of science - ist die Theorie u¨ber das wissenschaftliche Ar-
beiten, die vor allem die Fragen diskutiert, wie und warum Wissenschaft be-
trieben wird und mit welchen Folgerungen zu rechnen sein wird. Innerhalb
der wissenschaftlichen Forschung lassen sich drei Relationen erkennen:

• Die Entdeckungsrelation,

• die Begru¨ndungsrelation und

• die Folgerungsrelation.


6 1 Einleitung

1.4 Entdeckungsrelation

Die Entdeckungsrelation will den Zusammenhang von bekannten Tatsachen
und Neuem herstellen. Man kann die Frage stellen: Wie kommen neue wis-
senschaftliche Ergebnisse zustande?

Sind gewisse Pha¨nomene entdeckt worden, versuchen wir sie zu beschrei-
ben. Offensichtlich gilt fu¨r die exakte Beschreibung vieler Pha¨nomene, dass
wir uns an einen Tatsachenbericht machen, dessen Objektivita¨t und Neutra-
lita¨t idealerweise außer Zweifel stehen. Nicht selten werden mit der Art und
Weise der Beschreibung unwillku¨rlich subjektive Empfindungen involviert
sein. Wir mu¨ssen entscheiden, ob wir beispielsweise die Oberfla¨che eines
Gegenstandes als glatt bezeichnen oder auf Grund eines sorgfa¨ltigen Blicks
durch das Mikroskop als rau charakterisieren. Fragen dieser Art ziehen of-
fensichtlich eine interessante grundlagentheoretische Diskussion mit sich,
auf die wir hier nicht na¨her eingehen ko¨nnen.

Gegebenheiten sollten u¨ber die deskriptive Erfassung hinaus sowohl be-
gru¨ndet werden ko¨nnen, als auch auf Grund gewisser Gesetzma¨ßigkeiten
Mittel zur Prognose darstellen.

1.5 Begru¨ ndungsrelation

Die Begru¨ndungsrelation sucht nach Ursachen und Kausalzusammenha¨ngen
zwischen den vorliegenden Aussagen. Die Frage danach zielt auf eine Recht-
fertigung wissenschaftlicher Tatsachen ab. Um eine Begru¨ndung von all-
gemeiner Gu¨ltigkeit aufstellen zu ko¨nnen, bedarf es (empirisch) gehaltvol-
ler Hypothesen und Theorien. Hypothesen stellen Beziehungen auf bzw.
dru¨cken einen vermuteten Sachverhalt aus. Ihr Ziel besteht auf der Basis
von Gesetzma¨ßigkeiten im Zusammenfließen zu Theorien und somit in der
(kausalen) Erkla¨rung der Realita¨t.

Einen detaillierteren Hinweis erhalten Sie in Kapitel 3 insbesondere im ers-
ten Unterkapitel, das der Methodologie gewidmet ist.

Ein besonderes Augenmerk muß der statistischen Analyse gewidmet werden,
die allzu oft Verwendung findet, ohne dass die Inhalte und Zusammenha¨nge
u¨berpru¨ft werden.


1.6 Folgerungsrelation 7

Bescha¨ftigen Sie sich eingehend mit Ihrem Untersuchungsgegenstand
und verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf den Ausdruck eines
Computerprogrammes!

1.6 Folgerungsrelation

Schließlich will die Folgerungsrelation gewisse Allgemeinaussagen ablei-
ten und fu¨r zuku¨nftige Ereignisse verwertbar machen. Die Fragestellung
dazu lautet: Sind wir in der Lage, das Erforschte als Instrumentarium fu¨r
zuku¨nftige Ereignisse zu nutzen? Ko¨nnen wir Vorhersagen u¨ber zuku¨nftige
Ereignisse machen?

Vergleichen Sie dazu die Ausfu¨hrungen in Kapitel 3.1 und daru¨ber hinaus die
wissenschaftstheoretische Literatur im Allgemeinen und lesen Sie beispiels-
weise Literatur von Karl Popper: Logik der Forschung, das es in verschie-
denen Ausgaben/Auflagen gibt, etwa bearbeitet von Kreuth, erschienen im
Akademieverlag, Berlin. Weiters empfehlen wir: Karl Popper: Alles Leben
ist Problemlo¨sen: U¨ ber Erkenntnis, Geschichte und Politik, Piper, Mu¨nchen,
1996.

Prinzipiell ist es das Ziel methodologischer Forschung herauszufinden, ob
und wie die Wissenschaft zu wahren Aussagen gelangt. Dabei ist Vorausset-
zung, dass man sich einig ist, was unter wahren Aussagen zu verstehen ist
oder zumindest verstanden werden soll und welche Aussagen sinnvoll einer
empirischen Untersuchung zugefu¨hrt werden ko¨nnen.

So revolutionierte beispielsweise der bekannte o¨sterreichische Komponist
Arnold Scho¨nberg die Tonkunst, indem er sie von herko¨mmlichen, u¨ber Jahr-
hunderte hin gu¨ltigen Bindungen befreite. Er war keineswegs der Einzige,
der dies tat, aber er war der Erste, der dafu¨r eine stringente Systematik ent-
wickelte. Seine Entdeckung unterstrich Scho¨nberg durch eine perfekte Be-
gru¨ndung des neuen Kompositionssystems durch zwo¨lf nur aufeinander be-
zogene To¨ne und begru¨ndete somit die so genannte Zwo¨lfton- oder Reihen-
technik.

Die herko¨mmlichen Mittel der Musik waren erscho¨pft, denn die u¨ber Jahr-
hunderte ausgepra¨gte kanonische Tonartenbildung mit den großen Syste-


8 1 Einleitung

men Dur und Moll und der traditionellen Funktionsharmonik war ausgereizt.
Scho¨nberg hat zur Autonomie der Kunst einen zentralen Beitrag geleistet
und durch seine Begru¨ndung vo¨llig neue Welten geo¨ffnet. Folgerungen und
Verallgemeinerungen aus dem neuen Zwo¨lftonsystem zogen andere Kompo-
nisten nach Scho¨nberg, indem sie weitere Systeme kreierten.

Bei all den Zusammenha¨ngen zwischen Beschreibung, Begru¨ndung und Fol-
gerung muss ins Kalku¨l gezogen werden, dass die Wissenschaftstheorie kei-
nesfalls eine einheitliche Lehrmeinung darstellt, sondern verschiedenste Po-
sitionen umfasst.

Wir ha¨ngen hier bei unserem Vorgehen dem Kritischen Rationalismus, al-
so der analytisch-nomologischen Richtung an, deren Hauptvertreter Sir Karl
R. Popper (Logik der Forschung, 1976) darstellt. Demnach la¨sst sich das
Grundprinzip empirischer Forschungsmethoden durch das Postulat der Ab-
grenzung zwischen empirischen und theoretischen Wissenschaften folgen-
dermaßen formulieren: Alle Aussagen einer empirischen Wissenschaft sollen
durch Erfahrung u¨berpru¨fbar und grundsa¨tzlich auch widerlegbar sein.

Nachvollziehbarkeit, U¨ berpru¨ fbarkeit und Widerlegbarkeit sind die
wesentlichen Eigenschaften wissenschaftlichen Arbeitens.

Bevor wir in weitere Details gehen, geben wir hier die grundlegende Emp-
fehlung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen For-
schungsgemeinschaft (DFG Broschu¨re 1999) wieder.

1.7 Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sollen - allgemein und nach Bedarf
spezifiziert fu¨r die einzelnen Disziplinen - Grundsa¨tze insbesondere fu¨r die
folgenden Themen umfassen:

• allgemeine Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit, zum Beispiel

– lege artis zu arbeiten,
– Resultate zu dokumentieren,
– alle Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln,


1.8 Rahmenbedingungen und Gesetzestexte 9

– strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beitra¨ge von Partnern, Konkur-
renten und Vorga¨ngern zu wahren,

• Zusammenarbeit und Leitungsverantwortung in Arbeitsgruppen (Emp-
fehlung 3),

• die intensive Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Empfeh-
lung 4),

• die Sicherung und Aufbewahrung von Prima¨rdaten (Empfehlung 7),

• wissenschaftliche Vero¨ffentlichungen (Empfehlung 11).

L 1: www.dfg.de Deutsche Forschungsgemeinschaft
L 2: www.oeaw.ac.at O¨ sterreichische Akademie der Wissenschaften

L 3: fwf.ac.at Fonds zur Fo¨rderung der wissenschaftlichen Forschung.

1.8 Rahmenbedingungen und Gesetzestexte

1.8.1 Der Bolognaprozess

Im Jahre 1999 unterzeichneten die verantwortlichen Minister aus 29 eu-
ropa¨ischen Staaten die sogenannte Bologna-Erkla¨rung: damit bekannten sich
die betroffenen Staaten zum Ziel, bis zum Jahr 2010 einen gemeinsamen
europa¨ischen Hochschulraum zu schaffen. Das Ziel des Bologna-Prozesses
besteht prima¨r darin, in Europa ein einheitlichen Studiensystem aus zwei
Stufen einzufu¨hren, na¨mlich Bachelor und Master. Damit sollen europaweit
vergleichbare Abschlu¨sse garantiert werden, die Verbesserung der Qualita¨t
der Studien gewa¨hrleistet sein und die Steigerung der Mobilita¨t im Hoch-
schulbereich vorangetrieben werden. Die grundlegende Idee besteht in der
besseren Ausscho¨pfung des vorhandenen Wissenspotenzials in Europa.

Der Bologna-Prozess ist ein freiwilliger Prozess, der vor allem durch den
Dialog der beteiligten Staaten und der eingebundenen Organisationen, der
sogenannten Stakeholder, vorangetrieben wird. Der Austausch von Good
Practice ist ein wesentliches Element der Zusammenarbeit. Auch u¨ber 2010
hinaus werden die mittlerweile auf 46 angewachsenen Bologna-Mitglieds-
staaten, Hochschulen, Studierende und weitere Beteiligte an dem schwieri-
gen Ziel einer vielfa¨ltigen, attraktiven und transparenten europa¨ischen Hoch-
schullandschaft arbeiten.


10 1 Einleitung

L 4: www.bmbf.de/pub/bologna_deu.pdf

”mDenieiwsteeitrefroerdgeermliecihn,suammedAierbAetittraakntidveitra¨vtodllesrta¨enudroigpea¨nisUchmesnetHzuoncghsdcehruRleenfozru-
steigern, die Mobilita¨t der Studierenden auszuweiten und das lebenslange
Lernen fortzuentwickeln. Die Erho¨hung der Mobilita¨t von Studierenden und
akademischem Personal bleibt eines der Kernziele des Bologna-Prozesses.“

In diesem Sinne der Europa¨ischen Versta¨ndigung und des Ideals des le-
benslangen Lernens seien auch die Ausfu¨hrungen in dem vorliegenden
Buch verstanden.

1.8.2 O¨ sterreichische Gesetzestexte zu Bachelorarbeiten und
Masterarbeiten

Im Zuge des Bolognaprozesses wurde die Struktur des Studiums in drei
Stufen gegliedert:

Bachelor - Master - Doktorat.

sDstiunieddiU¨ebnbe.er“erscDchhetirrgifPtt,azrDuaig§prla5op4mhl-a§,uB5te4atc:Ah”ebBlsao.cr1-h,eulMnodra-s,AtMebrsa-.sut4enrld-a,uDDteoinpk:ltoo”mrDa-itesusnUtudndDiiveoenkrsteiotiran¨atzteusn--
richten.“ Im Universita¨tsgesetz 2002 ist im § 51 folgende Formulierung fu¨r
RBaahchmeelnoreainrbeeriLteenhrzvuerfianndsetanl:tu”n..g. eaibgzeunfsatas¨snednigsein, dsc.“hrBifetliidchieeseArrFboeirtmenu,lideireunimg
ist keine Betonung auf wissenschafliches Arbeiten gelegt.

Demgegenu¨ber beinhalten die Interpretationen von ho¨herwertigen Abschluß-
arbeiten sehr wohl die Betonung darauf, dass ein wissenschaftlicher Bei-
trag zu liefern ist. Die Formulierung im Universita¨tsgesetz 2002 lautet fol-
gendermaßen: “Diplom- und Masterarbeiten sind demnach wissenschaftli-
che Arbeiten in den Diplom- und Masterstudien, die dem Nachweis der
Befa¨higung dienen, wissenschaftliche Themen selbststa¨ndig sowie inhalt-
lich und methodisch vertretbar zu bearbeiten.“

Birgit Aschemann betont in der Broschu¨re Die Betreuung von Bachelor-,
Master- und Diplomarbeiten (2009, Graz), dass Bachelorarbeiten nicht zu
den wissenschaftlichen Arbeiten za¨hlen und deshalb die na¨heren Bestim-
mungen im Curriculum des jeweiligen Studiums festzulegen sind und nicht


1.8 Rahmenbedingungen und Gesetzestexte 11

wie bei wissenschaftlichen Arbeiten an satzungsrechtliche Bestimmungen
gebunden sind. Eine solche Festlegung erfolgt im Zuge der entstehenden
Curricula und es gibt dazu bisher in O¨ sterreich eher informelle Regelun-
gen. Die Umfangsangaben dazu schwanken in Abha¨ngigkeit der Anzahl zu
verfassender Bachelorarbeiten. Ebenso schwankt die Zuordnung von ECTS-
Anrechnungspunkten je nach Curriculum.
Das Vizerektorat fu¨r Studium und Lehre an der Karl Franzens Universita¨t
Graz hat die Erstellung dieser interessanten Broschu¨re in Auftrag gegeben,
die Lehrenden vielerlei Informationen zur Betreuung von Abschlussarbeiten
bietet, aber auch Studierenden eine Reihe von Hinweisen zu liefern vermag.

Die Betreuung von Abschlussarbeiten bedeutet nicht nur fu¨ r Studieren-
de, sondern auch fu¨ r Lehrende eine besondere Herausforderung.

In der Broschu¨re findet man zahlreiche Tipps, welche die verantwortungsvol-
le Ta¨tigkeit der Studierendenbegleitung beim wissenschaftlichen Schreiben
reflektiert. Vom Eingrenzen des Themenbereichs u¨ber inhaltliche Schwer-
punktsetzungen, u¨ber formale Anspru¨che, sowie Fragen zur ada¨quaten me-
thodischen Herangehensweise reichen die in der Broschu¨re behandelten
Aspekte, die unter Lehrservice abrufbar sind.

L 5: www.uni-graz.at/lss


Kapitel 2

Motivation und Konzentration

Wir bescha¨ftigen uns in diesem Kapitel mit dem Themenkreis des Lernens,
mit der erforderlichen Kraft, Probleme zu lo¨sen, und mit der Motivation im
Allgemeinen. Wir wollen folgende Aspekte aufgreifen: die Selbstmotivation,
das schnelle Gewinnen eines U¨ berblicks, das Verhalten kurz vor der Pru¨fung
und die Organisation des Alltags.

2.1 Motivation und Ressourcen

• Was hilft uns, unsere Motivation zu stimulieren?
• Was motiviert fu¨r ein Studium?
• Wie organisiere ich meinen Tag, wo lege ich Pausen ein, wo gibt es war-

tende Belohnungen?
• Welches ist die richtige Lernmenge fu¨r mich?

Wenn wir die Frage stellen, wodurch wir motiviert werden, so bescha¨ftigen
sich unsere Gedanken u¨blicherweise mit bestimmten Menschen oder mit ge-
wissen Ta¨tigkeiten. Manchmal ist es vor allem die Zusammenarbeit mit be-
stimmten Kollegen, manchmal sind es gewisse Themen oder die Verwen-
dung bestimmter Arbeitsmittel, auf die wir uns freuen und die uns moti-
vieren, beispielsweise ein Treffen mit Freunden, ein anregendes Telefonge-
spra¨ch oder etwas anderes Erfreuliches. Das sind ha¨ufig jene Ta¨tigkeiten, die
Energie geben und von denen Sie anderen begeistert berichten ko¨nnen. In der
Analyse unserer Kraftspender liegt das Geheimnis, sich selbst fu¨r zuku¨nftige
Aufgabenstellungen richtig einscha¨tzen zu ko¨nnen. Wir sollen bewusst da-

13


14 2 Motivation und Konzentration

mit umgehen, um uns Ziele und damit verbunden laufende und zuku¨nftige
Belohnungen zu setzen. Auf diese Weise erhalten wir die Arbeitsenergie, die
wir etwa fu¨r das Studium brauchen.

2.1.1 Vorschla¨ge zur Mobilisierung unserer Motivation

Die Motivation fu¨r das Studium, insbesondere fu¨r den na¨chsten Schritt im
Studium, muss gefunden bzw. geschaffen werden. Sie ist der Energiespei-
cher fu¨r uns, der es uns ermo¨glicht voranzukommen. Stellen wir uns mit
allen Farben, Formen, To¨nen und Gefu¨hlen vor, wie es sein wird, wenn wir
diesen Schritt erfolgreich hinter uns gebracht haben werden. Welche Gefu¨hle
werden wir dann haben, was werden wir tun, wem werden wir berichten, wie
werden wir uns belohnen?

Bei der Entscheidung fu¨r die Aufnahme eines Studiums sind neben dem In-
teresse am Fach und neben den erwarteten perso¨nlichen Entfaltungsmo¨glich-
keiten, die guten Berufschancen, die attraktiven Verdienstaussichten, das
Ansehen von Akademikern und die Chance auf neue interessante soziale
Kontakte entscheidend. Wir sollten uns immer wieder in Erinnerung rufen,
warum wir das Studium begonnen haben, gerade in den Momenten, in denen
ein hohes Motivationsniveau gefordert ist.

Wa¨hrend des Studiums gewinnen dann weitere Motivatoren an Bedeutung.
Etwa in der Gruppe der Freunde und der Bekannten weiter zu studieren,
die Eltern oder den Professor nicht zu entta¨uschen, der Stolz, das Nicht-
Aufgeben, und vieles mehr. Allen voran setzen wir auf Durchhaltevermo¨gen
und Leistungswillen kombiniert mit sorgfa¨ltiger Planung.

Kleine Schritte zu einem angestrebten Ziel mit jeweils einer kleinen Beloh-
nung ermo¨glichen die Aufrechterhaltung und Versta¨rkung der Grundmotiva-
tion, also ein gewisses Ressourcenmanagement. Nehmen Sie sich eine kleine
Belohnung vor, falls Sie ein gewisses Ziel erreicht haben; etwa einen Kino-
besuch nach erfolgreicher Klausur, eine Einladung nach der erfolgreichen
Abgabe Ihres Manuskripts. Ziehen Sie Ihre Tagesbilanz! Das hilft Ihnen, im
Vorhinein u¨berlegen zu ko¨nnen, ob Sie gerade zu Ihrer Zufriedenheit u¨ber
die Tagesleistung beitragen. Zusammenfassungen stellen immer eine gute
Hilfe dar. Sie dienen Ihnen damit nicht nur im prima¨ren Lernbereich, son-
dern auch im Bereich der Motivation. Kurzfassungen und Zusammenstel-
lungen aus Ihrem Stoffgebiet dienen als gewichtige Argumente fu¨ r Ihren


2.1 Motivation und Ressourcen 15

Arbeitseinsatz wa¨hrend des Tages. Vielleicht sagen Sie manchmal abends:
Das habe ich heute gemacht und geschafft!

Ihre Lebensziele, Ihre positive Grundeinstellung fu¨r sinnvolle Werte, sowie
Ihre Langzeitplanung setzen wir im Weiteren als gegeben voraus. Sie sollen
sich vornehmen, Ihre Probleme als Chancen zu interpretieren. Beim moti-
vierten Lernen gestatten Sie sich durchaus auch Fehler, Sie arbeiten eher
spielerisch, sind mit dem Herzen dabei und fu¨hlen keinen Leistungsdruck.
Dann ko¨nnen bei Ihnen aus Fehlern und als Niederlagen empfundenen Si-
tuationen schon bald Herausforderungen und Chancen entstehen.

Zuversicht und Vertrauen seien die Basis Ihrer Motivation!

Je langfristiger Projekte angelegt sind, desto sta¨rker sind Sie auf ein gu-
tes Planungskonzept angewiesen. Daher kann die fru¨hzeitige Kla¨rung von
Oberzielen und Grundwu¨nschen helfen, Ihre Leistungsbereitschaft und Leis-
tungsfa¨higkeit zu fo¨rdern. Dabei vermo¨gen Sie mit einer sinnvollen Planung,
sich und andere mitzureißen und zu motivieren!

Die Mo¨glichkeit einer Entscheidung liegt bei jedem selbst: Erst kommt der
Reiz, dann erfolgt die Interpretation und zuletzt bedarf es der Reaktion. Es
stellt sich die Frage, ob das Glas als halb voll oder halb leer betrachtet wird.
Immer wieder wird auf einen Test zuru¨ckgegriffen, in dem man eine Grafik
betrachtet, die sowohl eine Vase als auch zwei Gesichtsprofile sozusagen als
Vasenbegrenzung entha¨lt. Nur wenige erkennen in der Grafik sofort beide
Mo¨glichkeiten der Sichtweise. Fu¨r optische Illusionen empfehlen wir Ihnen
folgende Internetseite:
L 6: www.eyetricks.com

Eine Verhaltensa¨nderung braucht allerdings ihre Zeit. Nicht wenige Ver-
haltensweisen liegen bei uns unterhalb der Bewusstseinsschwelle: Wissen
Sie beispielsweise, welchen Schuh Sie sich morgens zuerst anziehen oder
welchen Sie zuerst zuschnu¨ren? Es dauert manchmal lange, sich des eige-
nen automatisierten Verhaltens bewusst zu werden. Darin lassen sich unsere
Spielra¨ume erkennen. Mit Willenskraft, Kreativita¨t und bewusster Energie
ko¨nnen wir Handlungsraum gewinnen.
Einzelne Motivationsfaktoren:

• Energie-Bilanz basierend auf Entspannung und Schlaf,
• Erna¨hrung, Bewegung und Sport,
• Pausen und Urlaub,


16 2 Motivation und Konzentration
• Meditation und Stressbewa¨ltigung.

Erfolg ist planbar! Dazu sehen wir uns im Folgenden kurz die Grundsa¨tze ei-
ner Arbeitsplanung in Hinblick auf einen Tagesablauf an. In diesem Zusam-
menhang geht es naturgema¨ß auch um die Behandlung sa¨mtlicher Ressour-
cen und Harmoniefaktoren: Auf der einen Seite die Finanzmittel, damit sind
ha¨ufig weitere Faktoren verbunden, wie Zeit, Gesundheit und Erholung, und
auf der anderen Seite die sozialen Kontakte, die in Form eines mo¨glichst po-
sitiv anregenden Umfeldes durch Familie und Freunde gegeben sein mo¨gen.

Wenn wir uns u¨ber die Ressourcen fu¨r die wissenschaftliche Arbeit Gedan-
ken machen, so geht es auch um die Beschaffung und Organisation von De-
tails, wie etwa um

• Ausweise,

• Literaturbeschaffung,

• Arbeitsgera¨te (Desktop, Laptop bzw. PDA/Organizer),

• gegebenenfalls Reisemittel fu¨r den Besuch von Tagungen, Bibliotheks-
fahrten etc.

Um Ihre Ressourcen nicht unnu¨tz zu vergeuden, sollten Sie sich rechtzeitig
um einen passenden Arbeitsplatz ku¨mmern. Bei der Wahl des Arbeitsplatzes
kommt es darauf an, Sto¨rungen so weit wie mo¨glich zu vermeiden. Tempe-
ratur, sowie Licht- und Luftverha¨ltnisse sollten den eigenen Wu¨nschen ent-
sprechen. Entscheiden Sie sich fu¨r oder gegen ein offenes Fenster, direktes
oder indirektes Licht, entdecken Sie die Vorteile von Tageslichtlampen und
von idealen Bildschirmeinstellungen.

Nehmen Sie sich bewusst vor, fit zu bleiben, auch bei hoher Belastung! In
gewissen Phasen helfen Obst, Getra¨nke und kleine Mengen an Traubenzu-
cker, den Blutzuckerspiegel ausreichend hoch zu halten. Denken Sie an Be-
wegung und an eine ausgewogene Erna¨hrung inklusive einer genu¨genden
Mineralstoff- und Vitaminzufuhr. Ein fester Arbeitsplatz und regelma¨ßige
Arbeitszeiten fo¨rdern Ihre Arbeitsleistung.


2.1 Motivation und Ressourcen 17

2.1.2 Vorschla¨ge fu¨ r einen Arbeitsplan

Fu¨r die ta¨gliche Planung ist die Beachtung natu¨rlicher Rhythmen von grund-
legender Bedeutung. Seit langem haben sich Arbeitsblo¨cke von ca. 45 bis 60
Minuten bewa¨hrt. Auf diese folgen dann Belohnungen in Form von Pausen
mit Bewegung, Entspannung, Wasser, einem Apfel oder Kaffee.

Sie ko¨nnen Ihrer Schulerfahrung trauen: einer kleinen Pause von etwa fu¨nf
Minuten sollte nach der na¨chsten Einheit eine große von mindestens 15 Mi-
nuten folgen.

Memo: Jeder Arbeitsblock beinhaltet auch eine Pause!

Beispiel einer Tagesplanung in den Semesterferien:

Vortag: Bereitlegen der Unterlagen
08:00 Uhr - 08:45 Uhr Bearbeiten/Lernen Thema I
08:45 Uhr - 08:50 Uhr Kurzpause, z. B. Tasse Kaffee,

Apfel, Entspannungs- oder Strecku¨bungen
08:50 Uhr - 09:35 Uhr Bearbeiten/Lernen Thema I
09:35 Uhr - 10:10 Uhr Pause, z. B. Fru¨hstu¨ck oder kleine Erledigungen

Themenwechsel
10:10 Uhr - 10:55 Uhr Bearbeiten/Lernen Thema II
10:55 Uhr - 11:10 Uhr Pause
11:10 Uhr - 11:55 Uhr Bearbeiten/Lernen Thema III
11:55 Uhr - 12:00 Uhr Kurzpause
12:00 Uhr - 12:45 Uhr Bearbeiten/Lernen Thema III
12:45 Uhr - 14:30 Uhr Mittagspause

Fu¨r die Zeit nach 14:30 Uhr schlagen wir Folgendes vor: Abwechslung am
Nachmittag: andere Ta¨tigkeiten, etwa Treffen mit Lernpartnern, Literatursu-
che oder Erledigungen, gegebenenfalls Korrekturlesen und U¨ berarbeiten von
Manuskripten.

Studierende, die zu Hause lernen, ko¨nnen sich etwa vor dem Fru¨hstu¨ck be-
reits die ersten beiden Arbeitsstunden vornehmen, vielleicht unterbrochen
durch den Genuss eines Apfels. Man kann sich dann wa¨hrend des Lernens
auf eine Belohnung freuen: das Fru¨hstu¨ck.
Auf alle Fa¨lle empfehlen wir, Arbeitsblo¨cke thematisch zusammenzustellen,
d. h. a¨hnliche Abla¨ufe gemeinsam bearbeiten!


18 2 Motivation und Konzentration

Wa¨hrend des Semesters sollte man versuchen, sich mo¨glichst große Ar-
beitsblo¨cke zu reservieren. Nach Festlegung des Stundenplanes ergeben sich
la¨ngere, noch nicht belegte Zeitspannen. Hier stellt sich die Frage, ob es
einen geeigneten Lern-/Arbeitsplatz in zumutbarer Entfernung gibt. Dement-
sprechend ko¨nnen nun Potenziale fu¨r Arbeitsblo¨cke analog zum obigen
Schema reserviert werden. Zu bedenken haben wir dabei nur, dass ausrei-
chende Zeitreserven fu¨r Ortswechsel und Spontanes u¨brig bleiben.

Ein Soll-Ist-Vergleich am Ende eines Tages oder einer Woche entspricht ei-
ner sinnvollen Nachbereitung. Am Ende eines Tages bietet es sich an, mit
sich selbst den Tag durchzurechnen in Form eines Zeitchecks: Wie viel Zeit
habe ich fu¨r unterschiedliche Rollen verbraucht? Habe ich meinem Schwer-
punkt genu¨gend Zeit gewidmet? Bismarck hat einmal gesagt: Das Geheimnis
meines Erfolgs ist, dass ich immer nur einen Hasen jage!

Sie sollten sich in regelma¨ßigen Absta¨nden die Frage stellen, wie viel Zeit
Sie fu¨r Literaturrecherche, Internetsuche, tatsa¨chliches Zusammenschreiben
und weitere Aktivita¨ten eingesetzt haben. Diese Zeitabrechnung ist ein Soll-
Ist-Vergleich und gleichzeitig Ansporn fu¨r die Zukunft. Sie erforschen, wo
Ihre Zeitfresser waren, was Sie am na¨chsten Tag besser und effizienter ma-
chen ko¨nnten. So lernen Sie, nicht zu viele Hasen gleichzeitig jagen zu wol-
len!

2.2 Konzentration und Sto¨rungen

• Wie kann ich meine Konzentrationsfa¨higkeit trainieren?
• Wie entspanne ich mich richtig?
• Wie vermag ich mit Sto¨rungen und Sorgen umzugehen?

Offensichtlich stellt ein mo¨glichst unbeschwertes und sorgenfreies Arbei-
ten die Grundlage fu¨r gute Resultate und ressourcensparende Erfolge dar.
Zuna¨chst ist dafu¨r die Wahl des Arbeitsortes ohne Sto¨rungen und der Um-
gang mit anstehenden Verpflichtungen entscheidend. Fu¨r Letzteres bietet
sich das Fu¨hren einer Liste unerledigter Aufgaben an: Leeren Sie vor dem
Beginn des Lernens Ihre Gedanken, indem Sie anstehende Aufgaben und


2.2 Konzentration und Sto¨rungen 19

Herausforderungen schriftlich fixieren. Hierbei helfen To-Do-Lists und Ter-

minplaner. So ko¨nnen Sie eventuell belastende Zusagen und Verpflichtun-

gen unter Kontrolle halten und dem alten Grundsatz na¨her kommen: ”Was
Du heute kannst besorgen, ...“

Manchmal stellt sich beim Lesen von Fachbu¨chern die Frage:

Was lese ich eigentlich, was war die Kernaussage des letzten Kapitels?

Betriebsanleitungen, Fahrpla¨ne und allem voran wissenschaftliche Texte, so-

wie das Lernen im Allgemeinen erfordern Konzentration. Bewusste Auf-

merksamkeit hat gewichtige Gegenspieler wie Erwartung und Gewohnheit.

Wer Schwierigkeiten hat, seinen Verstand nur einer Sache intensiv zu wid-

men, sollte sich selbst trainieren: Arbeiten mit bewusst in Kauf genom-
menen Sto¨rungen sind eine Mo¨glichkeit zum Training. Fu¨r eine andere
U¨ bungsmo¨glichkeit als eine Konzentrationsu¨bung beno¨tigt man einen PC
mit einem Textverarbeitungsprogramm wie etwa Word. Die U¨ bungsbeispiele
sehen etwa folgendermaßen aus (Sa¨tze ohne Leerzeichen, ohne Komma und

ohne Punkt):

EineandereU¨ bungsmo¨glichkeitbeno¨tigtdieHilfeeinesTextverarbeitungs
programmeswieWord ....

Noch besser ist der U¨ bungseffekt bei der Umwandlung in ausschließlich
Großbuchstaben. Sie ko¨nnen bei vielen Textverarbeitungen wie folgt vor-
gehen, um derartige Texte Ihrer Wahl selbst zu erzeugen. Kopieren Sie einen
Text ins Word mit Bearbeiten, Inhalte einfu¨gen, unformatierter Text, z. B.
einen englischen aus dem Internet von
L 7: www.independent.co.uk

Anschließend ko¨nnen Sie alle Leerzeichen mit Suchen Ersetzen entfernen:
Aktivieren Sie dabei das Feld, in dem der zu suchende Text einzugeben ist.
Im Suchen-Feld tippen Sie einmal die Leertaste. Das Ersetzen-Feld lassen
Sie frei. Jetzt wa¨hlen Sie Alle ersetzen. Anschließend sollten Sie noch alle
Punkte und Beistriche auf diese Weise entfernen. Auf diese Weise ist der
Text zu einer langen Buchstabenansammlung geworden. Entfernen Sie ge-
gebenenfalls weitere Satzzeichen. Mit Strg-a ko¨nnen Sie nun den ganzen
Text markieren und mit Format-Zeichen-Grossbuchstaben in Grossbuchsta-
ben umwandeln. Anschließend ko¨nnen Sie diesen Text zu U¨ bungszwecken
zur Steigerung Ihrer Konzentration verwenden.


20 2 Motivation und Konzentration

Wer Sorgen hat, fu¨r den gibt es unterschiedliche Techniken, damit umzuge-
hen. In der Theaterpa¨dagogik wie auch im neurolinguistischen Programmie-
ren (NLP) wird unter anderem mit sogenannter Dissoziation gearbeitet. Da-
bei versetzt man Sie in folgendes Szenario: Ich sitze im Theater und schaue
auf jemanden, der aussieht wie ich und erlebt, was ich als ein belastendes
Erlebnis aufgefasst habe. Dadurch, dass ich selbst im Publikum sitze, kann
ich mich von der Handlung eher distanzieren und mo¨glichst bald ganz lo¨sen.

Neben der Entspannung des Geistes, also einer gewissen Sorgenfreiheit, ist
ein ausgeruhter Ko¨rper entscheidend fu¨r unsere Aufnahmefa¨higkeit bzgl.
des Lernstoffes. Wir ko¨nnen unserem Ko¨rper mit Bewegung und Abwechs-
lung in den Lernpausen helfen, Verspannungen zu vermeiden. Manche Leute
verwenden spezielle Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder
Yoga.

Oft reicht eine

Entspannung der Augen!

Im Folgenden ero¨rtern wir eine mo¨gliche Vorgehensweise, die beide Autoren
selbst regelma¨ßig verwenden.

Beruhigungstechnik: Augen – die Lichter der Seele!

Reiben Sie die Handballen aneinander, bis sie sehr warm werden. Anschlie-

ßend legen Sie diese Ballen auf Ihre geschlossenen Augen. Achten Sie auf

einen geraden Ru¨cken, atmen Sie 36 Mal tief ein und aus. Sie ko¨nnen dabei

beim Einatmen sagen ”wIecnhigbeinn“TuranidnibnegismeinAhuesitaetnmseenh”r gscahnnzerlul hinige.“ineSno ler-
nen Sie, sich nach nur ent-

spannten Zustand zu versetzen. Am Ende der U¨ bung wo¨lben Sie Ihre Ha¨nde

u¨ber Ihre Augen. Achten Sie darauf, dass Ihre Finger mo¨glichst wenig Licht

durchlassen. In diesem Da¨mmerlicht ko¨nnen Sie Ihre Augen jetzt vorsichtig

o¨ffnen. Haben Ihre Augen sich an das Da¨mmerlicht gewo¨hnt, so ko¨nnen Sie

die Ha¨nde langsam von den Augen abheben. Jetzt ko¨nnen Sie sich das Ge-

sicht zur Durchblutungsfo¨rderung massieren. Wenn Sie diese U¨ bung nicht

an Ihrem Arbeitsplatz machen mo¨chten, so gibt es vielleicht einen ruhigen,

ungesto¨rten Ort in der Na¨he. Sollte es zeitlich fu¨r eine Entspannungsu¨bung

nur knapp reichen, so hilft es Ihnen mo¨glicherweise auch, nur Gesicht und

Ha¨nde mit kaltem Wasser zu ku¨hlen und dabei mit den Ha¨nden das Gesicht

zu massieren. Mit Erfrischungstu¨chern und Kurzmassagen der Schla¨fen kann

man sich gegebenenfalls schnell selbst behelfen.


2.3 Ideen- und Kreativita¨tsmanagement 21

2.3 Ideen- und Kreativita¨tsmanagement

• Wie kann ich Ideen finden?

• Was sind die Kernaspekte von Kreativita¨tsmethoden?

Beim Lo¨sen von Problemen geht es prinzipiell darum, Strukturen zu bilden,
mit deren Hilfe bestimmte Anknu¨pfungen, Verbindungen, Beziehungen oder
Assoziationen zu bestehendem Wissen mo¨glich sind. Offensichtlich hat je-
der Mensch eigene Kombinationsfa¨higkeiten, ein eigenes Sprachmuster, ein
eigenes Versta¨ndnis und eigene Vorstellungen. Dadurch ergeben sich perso-
nenbezogene, individuelle Assoziationen. Allgemein resultieren Reize aus
den Erfahrungen, insbesondere gepra¨gt durch die Umgebung und in weiterer
Folge aus den Interpretationsformen, die durch die jeweilige Kultur gegeben
werden.

Ihre spontanen Ideen sind meist a¨ußerst wertvoll! Daher sollten Sie die-
se festhalten. Ideen sofort zu verwerfen, nimmt Ihnen die Mo¨glichkeit, in
einer ruhigen Phase diese auf gute Ansa¨tze, auf einen grundsa¨tzlichen Pro-
blemlo¨sungsbeitrag hin untersuchen zu ko¨nnen. Dokumentieren Sie Ihre Ide-
en. Vielleicht fa¨llt Ihnen spa¨ter etwas Passendes dazu ein, sodass das Ge-
samtergebnis erstaunlich gut wird.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit la¨uft der

Prozess der Generierung von Lo¨sungsbeitra¨gen rekursiv:

... - Suchen/Ordnen/Bewerten - Anpassen - Suchen/Ordnen/Bewerten -
Anpassen - Suchen/Ordnen/Bewerten - ...

Im Rahmen Ihres Studiums haben Sie vielleicht die Gelegenheit, Ihre Bei-
tra¨ge in einer lockeren Runde zu diskutieren: Eine sogenannte Bastelstunde
erfordert ein gewisses Maß an Vertrauen zur Gruppe. Bedenken Sie, dass
ProfessorInnen und AssistentInnen Ihnen grundsa¨tzlich helfen wollen. Bei-
tra¨ge und Kommentare sind u¨blicherweise als Hilfe gedacht.

Im Duden-Fremdwo¨rterbuch ist unter dem Begriff Kreativita¨t der Ausdruck:
Das Scho¨pferische, Scho¨pferkraft zu finden. Als Verb wird Kreativita¨t zu kre-
ieren und hat die Bedeutung: ... etwas (Bedeutsames) schaffen. Adjektivisch
gebraucht wird Kreativita¨t zu kreativ, das fu¨r: scho¨pferisch, Ideen habend
u. diese gestalterisch verwirklichend steht (vgl. Duden Fremdwo¨rterbuch).


22 2 Motivation und Konzentration

Kreativita¨t ist das, was Ihnen die meiste Arbeit spart, da sich dabei Ihr ei-
gener Beitrag herauskristallisiert und damit ko¨nnen Sie gegebenenfalls auf
eine ausschließliche Literaturarbeit verzichten!

Kreativita¨t kann nicht befohlen und auch nicht erzwungen werden, ihr liegt
vielmehr eine gewisse Motivation zu Grunde. Der kreative Prozess ist ein re-
kursiver Prozess, der viele Wiederholungen durchla¨uft und Schleifen zieht,
wozu viele Einsichten notwendig sind, je nach Tiefe und Breite des zu be-
handelnden Themas. Nach den Aussagen von Linneweh (2002) sind Kreati-
vita¨tstechniken planende Verfahren zur Produktion neuer Ideen. Sie sind ab-
geleitet aus allgemeinen Denkprinzipien (individuelle Kreativita¨t), aus Prin-
zipien der Kommunikation und aus scho¨pferischer Zusammenarbeit (soziale
Kreativita¨t). Oft werden kreative Methoden als ein analytisch-systematisches
Herangehen verstanden, bei dem nach einer Zerlegung in Eigenschaften bzw.
in Merkmale bestimmte Vera¨nderungen oder gewisse Assoziationen versucht
werden. Anschließend ko¨nnen diese auf ihren geleisteten Beitrag hin unter-
sucht werden. Daher sei an dieser Stelle auf einen Bezugsrahmen fu¨r kreative
Methoden in Anlehnung an Schlicksupp (2004) verwiesen, der verschiedens-
te Formen beru¨cksichtigt:

Methode Verfahrensmerkmal Repra¨ sentanten

Brainstorming Ungehemmte Diskussion, in der keine Brainstorming

samt Abwand- Kritik geu¨bt werden darf; spontane Asso-

lungen ziationen

Brainwriting- Spontanes Niederschreiben von Ideen Methode 6-3-5

Methoden

Methoden der Stimulierung der Lo¨sungsfindung durch Synektik

scho¨pferischen Auseinandersetzung und Konfrontation

Konfrontation mit Bedeutungsinhalten, die nicht offen-

sichtlich mit dem Problem in Zusammen-

hang stehen

Methoden der Aufteilung des Problems in Einzelteile; Morphologischer

systematischen Lo¨sung der Teilprobleme und Zusam- Kasten; Se-

Strukturierung menfu¨gen zu einer Gesamtlo¨sung; Syste- quentielle

matisierung von Lo¨sungsmo¨glichkeiten Morphologie

Damit geben wir Ihnen eine grobe U¨ bersicht der bekannten Methoden der
Ideenfindung nach Durchfu¨hrungsmerkmalen entsprechend Schlicksupp.
Wir unterscheiden generell die intuitiv-kreativen von den systematisch-ana-
lytischen Methoden zur Ideenfindung. Wa¨hrend erstere Verfahren auf indi-
vidueller Assoziation und Intuition aufbauen, beruht der Erfolg der zwei-
ten Methoden auf einer Struktur- und Eigenschaftsanalyse. Letztere Me-


2.3 Ideen- und Kreativita¨tsmanagement 23

thoden werden eher fu¨r schlecht strukturierte Probleme angewendet. Zu
den systematisch-analytischen Methoden za¨hlt man neben dem Morphologi-
schen Kasten u. a. den Problemlo¨sungsbaum, die sequentielle Morphologie
und auch die SWOT-Analyse. Nachfolgend sehen wir uns am Beispiel des
Einsatzes des Morphologischen Kastens eine Kreativita¨tsmethode genauer
an. Der Begriff Morphologie stammt aus dem Griechischen und bedeutet
Lehre der Gestaltung, Strukturierung, Formung. Diese Denkmethode geht
weitgehend auf Fritz Zwicky zuru¨ck, der eigentlich Physiker war.

Mittels dieser Methode wird aus dem zu lo¨senden Problem ein Grundpro-
blem herausgelo¨st. Anschließend erfolgt die analytische Zerlegung des Un-
tersuchungsobjektes in seine Merkmale bzw. Parameter. Fu¨r jeden Parameter
wird versucht, mehrere Lo¨sungsmo¨glichkeiten zu generieren. In der Synthe-
se ko¨nnen die Merkmale unabha¨ngig voneinander variiert werden.

Beispiel: Geschlechtsneutrale Sprache
Fu¨r die wissenschaftliche Arbeit denke man beispielsweise an die geschlechts-
neutrale Formulierung eines Satzes u¨ber zu erbringende Leistungen fu¨r die
Pru¨fungsanmeldung: Studenten haben bei der Anmeldung zur Pru¨fung den
Nachweis zu erbringen, dass sie acht Semesterwochenstunden im Fach Ma-
thematik absolviert haben.

Das Kernproblem liegt hier in der Wahl des Subjekts/Objekts. Eine heute

u¨bliche Lo¨sung wa¨re die Verwendung von v”oSntumdieehrreenrdeen“L. o¨Insudnigeesne.mDBaheeir-
spiel geht es allerdings um die Generierung

erweitern wir das Grundproblem auf das Verb in Kombination mit dem Sub-

jekt/Objekt.

Beim Merkmal Subjekt sind z. B. folgende Umschreibungen mo¨glich:

• Geschlechtsneutrale Formulierung: Studierende ...
• Doppelte Anfu¨hrung: Studentinnen und Studenten ...
• Klammernsetzung: Student(inn)en,
• Integrative Methode: StudentInnen.

Es ist auch mo¨glich, das Subjekt/Objekt wegzulassen (Auslassung). Beim
Satzbau beschra¨nken wir uns auf die Betrachtung des Verbs. Das Verb kann
aktiv oder passiv verwendet werden.

Im Folgenden fassen wir nun sa¨mtliche Alternativen zusammen. Dabei er-


24 2 Motivation und Konzentration
geben sich folgende Mo¨glichkeiten:

Das Subjekt oder Objekt kann jeweils entsprechend vera¨ndert werden. Das
Verb von Aktiv in Passiv u¨ bergefu¨ hrt werden!

Es ergeben sich demnach vier Kombinationsmo¨glichkeiten beispielsweise
im Falle einer Vera¨nderung des Subjekts:

• Subjektsvera¨nderung und aktiv: Studierende haben bei Pru¨fungsanmeldung
... nachzuweisen.

• Auslassung und passiv: Es sind ... zu absolvieren; Zur Pru¨fungsanmeldung
sind ... nachzuweisen.

• Subjektsvera¨nderung und passiv: Von Studierenden sind ...zur Pru¨fungsan-
meldung nachzuweisen.

• Auslassung und aktiv: Wer ... absolviert hat, ...kann sich ... anmelden.

Hiermit ko¨nnen wir unser Problem als gelo¨st betrachten. Uns stehen nun vier
Grundformen zur geschlechtsneutralen Formulierung zur Verfu¨gung.

Weitere Informationen zum Prinzip eines Morphologischen Kastens finden
Sie leicht im Internet.

2.4 Herausforderungen und Probleme verschiedener Art

• Wie kann ich allgemein mit Problemen umgehen?

• Wie finde ich das richtige Thema?

Wir sind beim Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit am Anfang typi-
scherweise mit der Formulierung des Themas sowie mit der dazugeho¨rigen
Umsetzung bescha¨ftigt. Dabei geht es ha¨ufig um folgende Probleme: einen
wissenschaftlichen Beitrag leisten, das Finden eines angemessenen Themas
fu¨r eine wissenschaftliche Arbeit, die Formulierung des Themas, die Um-
setzung in die Einzelkapitel, das Finden passender Literatur, sowie anderer
Aufgaben. Doch auch mitten in der Arbeit ergeben sich Situationen, in de-
nen kleinere Aufgaben auf den ersten Blick als kaum lo¨sbar erscheinen. Wo
kann man dabei ansetzen?
Jedes Problem kann zur Belastung in Form eines Sorgenrucksacks werden.


2.4 Herausforderungen und Probleme verschiedener Art 25

Daher erscheint es als eine gute Strategie, an solche Lasten mo¨glichst schnell
heranzugehen.

Es gilt zuna¨chst einmal der alte Grundsatz:
”DParsokbol¨enmnteenrkwanirnat,uPchrodbileemFigxeiebraunnngt!d“es Problems nennen. Hier ist unsere
Kreativita¨t gefragt, im Sinne einer eigensta¨ndigen Erschaffung von neuen
Ideen. Unsere erste Aufgabe besteht darin, eine allgemeine Herangehens-
weise zu finden und das Problem zu fixieren. Nachfolgend bieten wir Ihnen
verschiedene Vorschla¨ge an.

2.4.1 Problemkommunikation

Schreiben wir uns unsere Gedanken auf und kommunizieren wir das Pro-
blem! Alleine erscheint es oft schwierig, weiterzukommen, daher bietet sich
eine Diskussion mit Freunden, Eltern, Kollegen u.s.w. an. Ob wir hier schrift-
lich oder mu¨ndlich vorgehen, ist Geschmackssache. E-Mail-Kontakt ist eine
einfache Sache, um gegebenenfalls gleich mehrere Interessenten mit einzu-
beziehen.

Stehen Kommunikationspartner gerade nicht zur Verfu¨gung, so hilft es, den
Stoff mit seinen Schlu¨sselwo¨rtern/Kernbegriffen erst einmal als U¨ berblick
zusammenzufassen. In diesem Zusammenhang kann das sogenannte Mind-
mapping verwendet werden. Dabei machen wir uns Notizen u¨ber unsere
Problemstellung, fertigen Darstellungen der Thematik auf mo¨glichst unter-
schiedlichen Wegen an und versuchen unsere Gedanken zu Papier zu brin-
gen. Vielleicht finden Sie im Alleingang oder zumindest mit Freunden einen
Lo¨ sungsvorschlag.

Fu¨r spezielle Fragen ko¨nnen die entsprechenden Internet-Dienstleistungen
wie News-Groups verwendet werden. Fahrten zu Treffen mit Fachkollegen
sollten in Erwa¨gung gezogen werden, kosten aber oft viel Zeit und Geld,
sodass man sich u¨ber die Notwendigkeit, ein Seminar oder eine Konferenz
besuchen zu mu¨ssen, durchaus einige Gedanken machen sollte.

Denken Sie nach u¨ber die Vorgehensweise, wenn Sie Erfolg bei a¨hnlichen
Aufgaben hatten. Es kommt vo¨llig auf die bisher erworbenen Erfahrungen
an. Wenn wir uns an unsere fru¨heren Herausforderungen erinnern, die wir
gemeistert haben, stellt sich die Frage, welche Vorgangsweise uns damals


26 2 Motivation und Konzentration

voran gebracht hat. Denken wir an den Fu¨hrerschein oder Klausuren in der
Schule, an erfolgreiche Seminare, die Reifepru¨fung und a¨hnliche Situatio-
nen. Manchmal haben wir unterschiedliche Methoden angewandt, die uns
mehr oder weniger Erfolg eingebracht haben.

Nutzen Sie Ihre Erfahrungen, Ihre bisherigen Erfolge, Ihr Talent!

Versuchen Sie das Problem immer wieder in lo¨sbare Teilprobleme zu
zerlegen!

Allgemeines Herangehen an Probleme:

• Definieren Sie das Problem,
• Entwickeln Sie gute Ideen,
• Nehmen Sie Abstand,
• Reden Sie daru¨ber,
• U¨ berschlafen Sie die Angelegenheit,
• Suchen Sie Analogien!

2.4.2 Ein erfolgreiches Problemlo¨sungsmodell

In kurzer Form sei hier auf ein in Großbritannien entwickeltes Konzept ver-
wiesen, das eine allgemeine Herangehensweise an ein Problem ero¨rtert:
Die Engla¨nder haben am Ende des 2. Weltkriegs folgendes sehr allgemeine
Problemlo¨sungsmodell entwickelt:
Training within the industrial programme.
1. Schritt: Stellen Sie die Fakten zusammen!

• Verschaffen Sie sich die U¨ bersicht!
• Finden Sie heraus, welche Regeln und Verhaltensweisen im Zusammen-

hang mit dem Problem gelten.
• Suchen Sie Gespra¨che mit den Beteiligten.
• Sammeln Sie Meinungen und Emotionen zum Thema.
• Stellen Sie sicher, dass Sie das richtige Ziel verfolgen.


2.5 Individuelles Lernen 27
2. Schritt: Wa¨gen Sie ab und entscheiden Sie!

• Ordnen Sie die Fakten in ihrem Sinnzusammenhang.
• Erwa¨gen Sie die gegenseitigen Einflu¨sse.
• Pru¨fen Sie, welche Maßnahmen und Handlungsweisen hier mo¨glich sind.
• U¨ berpru¨fen Sie die Praktiken, Regeln, Vorschriften und Richtlinien.
• Bedenken Sie mo¨gliche Effekte auf Einzelne und betroffene Gruppen, so-

wie auf das Verha¨ltnis der Beteiligten untereinander.

• Behalten Sie Ihr Ziel im Auge.
• Ziehen Sie keine vorschnellen Schlu¨sse!

Schritt 3: Handeln Sie!

• Handeln Sie selbst, oder brauchen Sie die Mitwirkung anderer?
• Ist es no¨tig, Ihren Vorgesetzten/Betreuer einzubeziehen?
• Beachten Sie, innerhalb Ihres Zeitplanes zu bleiben!
• Wa¨lzen Sie Ihre Verantwortung nicht auf andere ab!

Schritt 4: U¨ berpru¨ fen sie die Ergebnisse!

• Wie schnell werden Sie revidieren?
• Wie oft ist es no¨tig, U¨ berpru¨fungen vorzunehmen?
• Beachten Sie Vera¨nderungen in der Leistungserstellung!

Abschlussfrage: Haben Sie mit Ihrem Handeln Ihr Ziel erreicht?

2.5 Individuelles Lernen

• Wie lerne ich? Wie verarbeite ich Anregungen?
• Wie nutze ich Pausen am besten?
• Welche Tricks fu¨r das Lernen kann ich leicht anwenden?


28 2 Motivation und Konzentration

Haben Sie sich schon mal Gedanken daru¨ber gemacht, wie Sie mit sich selbst
kommunizieren? Nehmen Sie sich jetzt 5 Minuten Zeit und notieren Sie, wie
Sie Ihr individuelles Lernen beschreiben ko¨nnen: Lernen Sie alleine oder in
Gruppen?

Schreiben Sie Zusammenfassungen oder verwenden Sie prima¨r Lesezeichen?
Welche Aufzeichnungstechniken verwenden Sie: Marker, Formen, Farben,
Bleistift? Brauchen Sie Ruhe oder ho¨ren Sie Musik neben dem Studieren?
Haben Sie eher morgens, abends oder in der Nacht Ihre intensivsten Lern-
phasen? Wie oft wiederholen Sie den Stoff? Brauchen Sie den Druck vor
dem Termin, sind Sie also ein Last-Minute Lerner?

Offensichtlich ist das Lernen eine ganz perso¨nliche Angelegenheit. Jeder
muss fu¨r sich selbst die richtige Art und Weise des Lernens finden. Den-
noch hat es sehr vielen Studierenden geholfen, ihr Lernverhalten sozusagen
spielerisch fu¨r neue Ideen zu o¨ffnen. Unsere Bitte an Sie lautet daher, dass
Sie sich bei den folgenden Punkten u¨berlegen, wann und wie Sie einmal aus-
probieren ko¨nnen, es anders zu machen.

2.5.1 Lernen alleine oder in Gruppen?

Offensichtlich muss ein gewisser Schritt zur Ansammlung von Fachwissen
im Selbststudium durchgefu¨hrt werden. Will man aber u¨ber Probleme dis-
kutieren oder Fragestellungen aufarbeiten, bewa¨hrt es sich immer wieder,
den Versuch, in der Gruppe zu lernen, zu setzen. Dabei u¨berlegen Sie sich,
was Sie von Ihrem/n Partner/n an fachlichem Wissen erwarten und umge-
kehrt, welche Beitra¨ge Sie leisten ko¨nnen. Sicherlich haben Sie konkrete
Fragen oder Problemstellungen, die Sie in der Gruppe diskutieren mo¨chten.
Bei großem Stoffumfang hilft es vielleicht, den Lernstoff in Referate zu un-
terteilen.

Fu¨r spezielle Fa¨cher kommen wahrscheinlich nur wenige Lernpartner in Fra-
ge. Daher empfehlen wir so fru¨h wie mo¨glich auf Partnerschaftssuche zu ge-
hen. U¨ ber die Hochschu¨lerschaft, die U¨ bungen, oder auch Newsgroups im
Internet, u¨ber Vereine wie Thesis e.V. und am Weg u¨ber Fachkonferenzen
sollte es kein Problem sein, Lernpartner zu finden. Ideal ist es natu¨rlich, in
den Lehrveranstaltungen Studienkollegen kennen zu lernen.


2.5 Individuelles Lernen 29

Sowohl im Alleinstudium als auch in der Gruppe sollten Sie nicht vergessen,
eine gute Einteilung Ihres Stoffgebietes vorzunehmen und nach entsprechen-
den Einheiten von etwa 45 Minuten unbedingt Pausen zu machen.

Immer daran denken: Lernen geht einher mit einer genauen
Pausenregelung und genu¨ gend Wiederholungen!

Die Pausen bewirken neben dem Erholungscharakter eine Einteilung des
Stoffes in eine rhythmische Abfolge. Wir ko¨nnen uns besonders gut dieje-
nigen Dinge merken, die wir zu Beginn und am Ende einer Lerneinheit stu-
diert haben. Daher sollten zu Beginn der Lerneinheit eine Wiederholung des
Wissenstandes zum Lernstoff und am Ende eine Zusammenfassung der Ler-
neinheit erfolgen. Manchen hilft es, sich fu¨r die Zeitkontrolle eines Weckers
zu bedienen. So ko¨nnen Sie sich ganz in den Stoff vertiefen.

Schriftliche Aufzeichnungen und Zusammenfassungen, Exzerpte und Mind-
maps helfen, sich die eigenen Entscheidungen u¨ber Interpretation und indi-
viduell richtige Strukturierung des Lernstoffes zu dokumentieren. Sie wer-
den oft benutzt, weil man davon ausgehen kann, dass man den Stoff wieder
beno¨tigt. Exzerpte sind nicht nur sinnvoll, wenn der Stoffumfang (zu) groß
ist. Lesen allein verleitet uns schnell zu einem u¨bereilten Natu¨rlich!

Daher sind schriftliche Umsetzungen ein erstes Sicherungsinstrument vor
einem eventuellen Misserfolg.

Um den Ansporn zu haben, etwas selbst erarbeiten zu wollen, bedarf es ei-
ner eigensta¨ndigen Motivation. Manchmal ist bloß ein gewisser Druck von
außen gegeben; man spricht dann von extrinsischer Motivation. In diesem
Fall mu¨ssen Anreize bzw. Incentives gesetzt werden, damit Sie Ihr Lernen
mit positiven Reizen verbinden ko¨nnen. Ideal ist es, wenn man beim Ler-
nen eine konkrete Umsetzung vor Augen hat, beispielsweise einem Freund
Zusammenha¨nge zu erkla¨ren, mit dem neuen Wissen ein Experiment oder
eine empirische Studie zu konzipieren oder auch einen Vortrag zu diesem
Stoff zu halten. In diesem Sinne hat Verstehen die Funktion jemandem et-
was zu erkla¨ren. Dafu¨r sollten Sie als Vorbereitung sich selbst Ihr Programm
fu¨r den Train the Trainer zusammenstellen. Sie suchen sich den Stoff nach
Lernhilfen, Beispielen oder Analogien durch, mit dem Ziel, wie bei einem
Hobby engagiert zu sein! Oft scheint sich ein Wechsel des Lernstoffes nach
etwa zwei Stunden fu¨r die Mehrheit der Lernenden positiv auf den Lerner-
folg auszuwirken. Nach der Nachbarwissenschaft kommt wieder der Kern
Ihrer Arbeit. Genauso sollten wir es auch bei der Arbeit handhaben, wenn


30 2 Motivation und Konzentration

wir unseren Konzentrationslevel hoch halten wollen. Nach der Bearbeitung
des theoretischen Teils kommt zur Abwechslung eine weitere Aufbereitung
Ihres Anwendungsteiles oder Sie widmen sich der Literaturrecherche.

Wa¨hrend die meisten fu¨r ein konzentriertes Lernen eine gewisse Ruhe und
Ungesto¨rtheit brauchen, kann es durchaus einmal interessant sein, es im an-
deren Extrem zu versuchen: Laute Musik oder ein laufender Fernseher bie-
ten unter Umsta¨nden die Mo¨glichkeit, neue Einfa¨lle zu generieren. Fu¨r viele
kann es klassische Musik sein, die leise im Hintergrund la¨uft und die Krea-
tivita¨t und Lernen fo¨rdert. Dennoch bleibt fu¨r die Mehrheit eine ungesto¨rte
Umgebung die beste Alternative. Weiterhin bietet es sich an, ab und zu einen
Ortswechsel vorzunehmen. Fu¨r viele Menschen gibt es einen Lieblingsplatz
fu¨r gute Einfa¨lle (Kreativita¨tsort), manche haben einen Ort fu¨r besonders ef-
fizientes Arbeiten (Arbeitsort).

Zusammenfassend la¨sst sich sagen: Selbsta¨ndiges Aufarbeiten und eine
Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt, Arbeitsrhythmus mit Pausen
und Abwechslung in einer angenehmen Umgebung bilden sinnvolle

Grundlagen fu¨ r unsere Arbeit!

2.5.2 Effizientes Lernen

Wenn wir uns die Frage stellen, welcher Weg verwendet werden soll, um
Inhalte mo¨glichst effizient zu lernen, gibt es keine einheitliche Antwort.

Je nach Lerntyp bieten sich hier verschiedene Mo¨glichkeiten des Vorgehens
an. Wir unterscheiden verschiedene Lerntypen.

Visueller Lerntyp:
Lerntypen, die am besten auf der Sehebene angesprochen werden. Das Ar-
beiten mit Formen und Farben macht den Stoff einga¨ngig und man braucht
die geschriebene oder dokumentierte Ebene.
Tipp: Schreiben Sie sich selbst die Inhalte zusammen! Verfertigen Sie Skizzen
und Graphiken!
Frage: Ist Ihnen klar, worum es geht?


2.5 Individuelles Lernen 31

Auditiver Lerntyp:
Das sind Lerner, die auf die Ho¨rebene fixiert sind. Fu¨r diese besteht die Lern-
hilfe darin, sich selbst das Problem verbal zu beschreiben.
Tipp: Zeichnen Sie Ihre Stimme auf!
Frage: Ko¨nnen Sie sich ein Bild davon machen?

Haptischer Lerntyp: Hier steht das Handeln im Vordergrund. U¨ ber Bewe-
gung und Anfassen kann dieser Lerntyp am besten lernen.
Tipp: Probieren Sie mo¨glichst viel in den Griff zu bekommen!
Frage: Klingt das vernu¨ nftig?

Natu¨rlich ist eine eindeutige Zuordnung zu einem Typ keinesfalls leicht ein-
deutig mo¨glich. Meist handelt es sich um Mischtypen, fu¨r die die Vorgangs-
weise entsprechend anzupassen ist. Eine Mischung aus visuellem und hap-
tischem Lerntyp verzeichnet oft Erfolge bei Einsatz des Mindmapping. Das
ist ein Strukturdiagramm mit den wichtigsten Schlu¨sselbegriffen. Es kann
zur Dokumentation des Lernstoffes angewandt werden. Das Verwenden von
Druckbuchstaben, unterschiedlichen Formen und Farben erho¨ht die Außer-
gewo¨hnlichkeit derart, dass dieses Vorgehen oft eher ins Langzeitgeda¨chtnis
aufgenommen wird.

Eine wesentliche Voraussetzung fu¨r nachhaltiges Lernen ist die Anspra-
che beider Gehirnha¨lften, also der musisch-kreativen und der mathematisch-
logischen. Erstere rechte Hemispha¨re arbeitet vorwiegend mit Assoziatio-
nen, Bildern und Analogien. Die linke dagegen ist fu¨r analytische, lineare
Denkvorga¨nge im Sinne von Wo¨rtern und Zahlen zusta¨ndig. Eine beidersei-
tige Ansprache sorgt fu¨r schnelleres Lernen. Hiermit leisten Sie einen Bei-
trag zur besseren Kapazita¨tsausnutzung des Gehirns, da wir Menschen leider
nur etwa 10 Prozent unseres Gehirnpotenzials nutzen (vgl. Buzan).
L 8: www.mind-map.com

Meist schaffen wir es fast mu¨helos, Lernstoff ins Kurzzeitgeda¨chtnis zu be-
kommen. Schwieriger wird die Direktaufnahme oder Transformation vom
Kurz- ins Langzeitgeda¨chtnis. Hierfu¨r beno¨tigen wir entweder Wiederholun-
gen oder eine gewisse Ungewo¨hnlichkeit bzw. Wichtigkeit. Aus dem Alltag
hervorstechende Ereignisse und Vorstellungen werden direkt ins Langzeit-
geda¨chtnis katapultiert. Auch dieses ist eine Frage der Assoziationen, also
reizauslo¨sender Erfahrungen. Manchmal reicht eine U¨ berzeichnung dazu aus


32 2 Motivation und Konzentration

und manchmal wird der Lernstoff mit anderen Formen von Humor bzw. Ta-
bus verbunden.

Tipp: Versuchen Sie einen Anhaltspunkt herzuleiten oder eine
Eselsbru¨ cke zu bauen!

Ganzheitliches Lernen bedeutet, auf mo¨glichst vielen Reizebenen gleichzei-
tig angesprochen zu werden, z. B. durch die U¨ berarbeitung des Lernstoffes
mittels einer Kombination aus Formen und Farben. Eine gute Methode zur
Aufarbeitung des Lernstoffs bietet das Mindmapping. Dieses Strukturdia-
gramm der Schlu¨sselbegriffe sieht von weitem aus wie ein Wurzelgeflecht
eines Baumes. Je na¨her man dem Stamm kommt, desto dicker werden die
A¨ ste. Mindmapping bietet eine individuelle Aufzeichnungsmo¨glichkeit ent-
sprechend der eigenen U¨ berzeugungen. Es hat zum Ziel, sich alles leicht zu
merken, durch Kombinationen mit anderen Strukturen, Assoziationen und
Denkmustern. Im Mindmapping stehen nahe beisammen liegende Strukturen
fu¨r perso¨nlich empfundene stoffliche Na¨he. Es geht dabei um die Assozia-
tionen und U¨ berzeugungen des Einzelnen. Durch die immer wieder zu tref-
fenden Entscheidungen, wohin ein bestimmter Begriff als neuer Ast geho¨rt,
durchdringt man den Stoff und dokumentiert die Entscheidung mit der Fest-
legung. So entsteht eine ”allma¨hliche Verfertigung der Gedanken“ (Kleist).

Tipp: Wir unterscheiden Oberbegriff und Unterbegriffe! Wir gruppieren
relevante und weniger relevante Eigenschaften! Nur das eigene
Harmoniekriterium za¨hlt! Es entsteht eine Verknu¨ pfung zwischen
Informationen und Gefu¨ hlen.

Wie beim Mindmapping, so gilt auch fu¨r andere Aufzeichnungstechniken die
Regel, dass man nicht mehr als fu¨ nf bis ho¨chstens neun Unterpunkte pro
Kapitel geistig leicht verarbeiten kann. Der Mensch scheint mit mehr Auf-
teilung nicht zurechtzukommen. Weitere Informationen zu dem von Tony
Buzan erfundenen Mindmapping im Internet.

2.6 Verwendung von Bu¨ chern und Vortra¨gen

• Wie kann ich schneller Text richtig lesen und aufnehmen?

• Wie bereite ich mich auf einen Vortrag als Zuho¨rer richtig vor?


2.6 Verwendung von Bu¨chern und Vortra¨gen 33

Zuna¨chst sollte man sich nicht davon blenden lassen, dass die Aufnahme von

Lerninhalt von den mo¨glichen Anknu¨pfungspunkten wesentlich abha¨ngt.

Wenn Sie also mit dem Stoff nicht von den Grundzu¨gen her vertraut sind,

so werden Sie dann schnelles Lesen vielleicht als erstaunlich langsam emp-

finden. Sie sollten daher Ihre Erwartungen anhand der Neuigkeit bzw. Ver-
trautheit des Stoffes regeln. Einfacher Stoff, z. B. U¨ bersichtsartikel oder Zei-
tungsartikel bieten hier eine gute U¨ bungsmo¨glichkeit. Wichtig ist offensicht-

lich beim Lesen, dass Sie entsprechende Erwartungen haben und motiviert

sind.

Sie sollten sich daru¨ber klar sein, warum sie etwas lesen oder durcharbeiten
mo¨chten, indem Sie ihre Ziele schriftlich fixieren. Anknu¨pfungspunkte fu¨r
die Stoffaufnahme schaffen Sie sich durch die richtige Herangehensweise!

Der beste Weg fu¨r eine rasche Printmedien-Aufnahme erscheint die soge-
nannte organische Studienmethode zu sein (Tony Buzan). U¨ ber folgende

Punkte sollten Sie sich von Anfang an ins Klare kommen:

• warum Sie dieses Buch lesen,
• welche Fragen Sie an das Buch haben,
• in welchem Bereich Sie vom Autor Problemlo¨sungen erwarten.

Anschließend sollten Sie sich das Inhaltsverzeichnis, Einfu¨hrung und Buch-
ru¨cken anschauen und einige kritische Fragen u¨berdenken. Pru¨fen Sie, ob das
Buch Ihren Erwartungen entspricht und ob Sie das notwendige Ausgangs-
wissen besitzen, um mit den verwendeten Begriffen arbeiten zu ko¨nnen. Ist
das Buch fu¨r Sie zu komprimiert und handelt es sich fu¨r Sie um ein bekanntes
oder vo¨llig neues Fachgebiet?

Wenn Sie erste Schritte in einer neuen Disziplin machen, sollten Sie mit Hil-
fe von Lexika oder U¨ bersichtsartikeln fu¨r Lernende anderer Disziplinen ge-
wappnet sein. Sie erhalten auf diese Weise die Kernaussagen Ihres Gebietes,
das Wichtigste in komprimierter Form: z. B. Statistik fu¨r Mediziner.

Mit Hilfe des Zwischenschritts kann es jetzt fundiert weitergehen. Sie ko¨nnen
das Buch grob durchbla¨ttern, wie ein langsames Daumenkino. Großen U¨ ber-
schriften und Darstellungen du¨rfen Sie dabei etwas mehr Zeit widmen. An-
schließend stellt sich die Frage, ob sich die genannten Fragen kla¨ren lassen.
Das sollte fu¨r das Assoziationsnetzwerk ausreichen! Es kommt nicht dar-
auf an, den Stoff zu diesem fru¨hen Zeitpunkt vo¨llig durchdrungen zu ha-
ben, sondern nur darauf, wesentliche Begriffe und Kernaussagen zuordnen
zu ko¨nnen.


34 2 Motivation und Konzentration

Gehen wir an jedes Kapitel mit der Frage heran, was man davon wirk-
lich braucht. Sie ko¨nnen jeweils die Kapitelzusammenfassungen des Bu-
ches lesen. Auf diese Weise ist es mo¨glich, sich das Anknu¨pfungsnetzwerk
fu¨r die Kernaussagen des Buches zu schaffen. Dabei ergeben sich sicher-
lich neue Fragen. Meistens wollen Sie das Buch mit allen seinen Details
verwenden, manchmal reichen Ihnen vielleicht nur wenige Kapitel, die mit
Ihrem Forschungsinteresse zu tun haben. Der Reihenfolge nach liest man
u¨blicherweise zuna¨chst das Vorwort und dann unbedingt die Einleitung. An-
schließend studiert man das (analytische) Inhaltsverzeichnis und damit die
Gliederung sehr genau und arbeitet schließlich die Zusammenfassung(en)
durch. Nachfolgend beno¨tigt man aus dem Fachbuch meistens nur noch jene
Kapitel, die relevant fu¨r die momentane Forschungsarbeit sind.

Nach der Schaffung der no¨tigen Vorkenntnisse bzw. bei sehr einfachem Stoff
betrachten wir nun weitere Kernpunkte bezu¨glich schnelleren Lesens. Das
Wichtigste ist, sich selbst nicht vorzulesen! Wir neigen dazu, beim Le-
sen innerlich mitzusprechen. Wir lesen dem Gehirn sozusagen vor. Dieses
Pha¨nomen heißt Subvokalisieren. Es kostet eher Zeit, jedes Wort einzeln zu
behandeln. Unser Gehirn ist in der Lage, wesentlich schneller die Wo¨rter
und Wortgruppen aufzunehmen.

Verwenden Sie zum Einsatz beim Lesen gegebenenfalls ein Zeigeinstrument,
z. B. einen Bleistift oder auch den Zeigefinger. Dieses Instrument dient unse-
ren Augen als Haltepunkt. Gerade bei ersten Gehversuchen des schnelleren
Lesens versuchen die Augen den gewohnten Schritt: Jede Zeile Wort fu¨r
Wort. Mit Hilfe des Zeigers fu¨hren wir die Augen u¨ber den Text im Schnell-
durchgang. Es ist zuna¨chst schwer vorstellbar, jedoch gut erprobt. Unseren
Augen reicht das U¨ berfliegen mehrerer Zeilen zur Sammlung von genu¨gend
Information fu¨r das Gehirn. Wir sind oft durchaus in der Lage, die Kernaus-
sagen des Textes zu extrahieren und aufzunehmen. Beim Lesen nehmen wir
uns nicht mehr einzelne Zeilen vor, sondern wir ko¨nnen zu Beginn etwa drei
Zeilen gleichzeitig u¨berfliegen. Diese drei Zeilen gehen wir mit unserem Zei-
ger bei normaler Seitenbreite folgendermaßen an: Wir gleiten mit dem Zei-
ger u¨ber den Text und beru¨hren etwa das zweite Wort der mittleren Zeile,
dann gleiten wir weiter zu einem in der Mitte stehenden Wort dieser Zeile
und enden mit einem Antippen des letzten Wortes dieser Zeile. Zu Beginn
sollten Sie es natu¨rlich langsam angehen lassen. Ru¨ckspru¨nge im Sinne des
nochmaligen Behandelns bereits u¨berflogener Textpassagen kosten natu¨rlich
viel Zeit.


2.6 Verwendung von Bu¨chern und Vortra¨gen 35
Konsequenz fo¨rdert Erfolge.

Die Vorgehensweise beim Zusammenschreiben la¨sst sich mit gewisser
Analogie auf Vortra¨ge u¨ bertragen.

Zuerst sollten wir uns daru¨ber klar werden, wer vor uns mit welchem Ziel
spricht. Heutzutage sollte es meistens genu¨gen, einige Minuten im Internet
zu suchen. Mit Hilfe dieses Mediums sollte man die wichtigsten Informatio-
nen zur Person und derzeitigen Position zusammentragen.

Um einen Vortrag wirklich nutzen zu ko¨nnen, gilt es, die Grundbegriffe und
Grundaussagen verinnerlicht zu haben. Wer sich nicht sattelfest fu¨hlt, kann
sich hier durch weitere Vorbereitung vom passiven zum aktiven Zuho¨rer ent-
wickeln. Vielleicht ergeben sich mit Ihren Einsichten Anknu¨pfungspunkte
zu aktuellen Fragen bzw. Fragen zu Ihrem wissenschaftlichen Thema.

Checkliste in Bezug auf Motivation und Ressourcen:

• Haben Sie Ihr Ziel positiv und mo¨glichst konkret formuliert?
• Sind die beno¨tigten Ressourcen vorhanden, bzw. fehlt noch etwas?
• Bestehen potentielle Hindernisse auf dem Weg zum Ziel, bzw. wie ko¨nnen

sie bewa¨ltigt werden?
• Versuchen Sie eine Evaluierung Ihres Vorgehens!
• Sind Sie sich u¨ber die grundlegenden Schritte zu Ihrem Ziel im Klaren

und halten Sie sich die konkreten Vorteile bei Zielerreichung vor Augen?


Kapitel 3

Sammeln von Grundlagen in traditioneller
Weise

Wenngleich ein Großteil Ihrer Informationen, die Sie sich selbsta¨ndig erar-
beiten, aus dem Internet kommen wird, empfehlen wir dennoch in traditio-
neller Art und Weise Ihre Arbeit vorzubereiten. Wir ko¨nnen dieses Kapitel
auch Arbeiten mit Papier und Bleistift nennen, denn wir greifen auf Bu¨cher
und Zeitschriften in u¨blicher Form zuru¨ck.
In diesem Kapitel haben wir vor allem das traditionelle Vorgehen zum Zu-
sammenschreiben einer Arbeit vor Augen. Offensichtlich beha¨lt vieles von
dem hier Erwa¨hnten auch im Kapitel moderne Technologien Gu¨ltigkeit. Des
Weiteren werden Sie das eine oder andere Mal auch auf Hinweise stoßen,
die fu¨r die Kommunikation nach außen, insbesondere fu¨r Ihren Vortrag von
Relevanz sein ko¨nnen. Damit wird die Einheit des Buches deutlich. Wir
bescha¨ftigen uns mit einer Materie, die in vielerlei Versionen bzw. in ver-
schiedenen Zusammenha¨ngen zum Tragen kommen kann. Bei einer derarti-
gen Zusammenstellung von Ideen ergibt sich ha¨ufig, dass ein und dieselbe
Idee mehr als einmal auftaucht, gegebenenfalls auch in verschiedenen, aber
a¨hnlichen Kontexten. Manchmal versuchen wir mit Querverweisen auf die
a¨hnliche oder gar analoge Situation hinzuweisen, allerdings wu¨rden dauern-
de Wiederholungen von Querverweisen die Zu¨gigkeit der Behandlung eines
Themas unterbrechen und der Lesbarkeit des Buches abtra¨glich sein.
Das Motto dieses Kapitels sei:

Zeit nehmen und aufgeschlossen sein!

Nach einigen grundlegenden Gedanken zum methodischen Vorgehen werden
wir folgendes Prozedere vorschlagen:

• Abgrenzen des Themas,
• Definitionen und Dispositionen suchen und sammeln,

37


38 3 Sammeln von Grundlagen in traditioneller Weise

• Grundlegende Arbeiten sammeln und recherchieren,
• Dispositionen und Gliederungen erstellen,
• Ordnen, Ausarbeiten, Folgerungen ziehen,
• Bewerten, Interpretation samt Ausblick und Zusammenfassung,
• Fußnoten, Zusammenfassung,
• Literaturverzeichnis und Anha¨nge.

Wir listen ferner die wichtigsten formalen Kriterien auf und geben eini-
ge Beispiele aus verschiedenen Disziplinen. Dabei werden Sie eine ge-
wisse Systematik innerhalb etlicher unterschiedlicher Disziplinen erkennen
ko¨nnen, allerdings technisch-naturwissenschaftliche Fa¨cher haben oft sehr
spezielle Vorgaben, die gesondert zu beachten sind.

3.1 Methodologische Grundlagen

• Haben wir uns ein allgemeines Vorgehen, mit dem Ziel einen U¨ berblick zu
liefern oder eine detaillierte, empirische Einzelstudie vorgenommen?

• Schreiben wir eine theoretische Arbeit oder bescha¨ftigen wir uns vorwie-
gend mit einer empirischen Studie?

Der Einstieg zu diesem Kapitel ko¨nnte natu¨rlich unterschiedlicher Art sein.
Wir beginnen mit einem methodologischen Abriss, weil immer wieder am
Beginn einer wissenschaftlichen Arbeit die Frage nach dem methodischen
Vorgehen gestellt werden soll. Offensichtlich ist aus der Art und Weise, wie
Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit verfassen, auch ein prinzipielles Vorgehen
bzw. eine Methode fixiert. Die Grobeinteilung in Theorie und Empirie kann
eine grundlegende Unterscheidung darstellen, die aber keineswegs dichoto-
mer Natur ist: Oft fließen diese Bereiche ineinander u¨ber, manchmal wird es
von Vorteil sein, sie zu trennen oder gar gegenu¨ber zu stellen. Auf alle Fa¨lle
ist zu bedenken, dass es sich um einen Prozess handelt, dessen Grenzen Sie
erst im Laufe der Arbeit zu erfassen vermo¨gen.

Mit einem theoretischen Ansatz zu beginnen, involviert in erster Linie, dass
man sich grundsa¨tzlich mit herrschenden Lehrmeinungen auseinandersetzt,
diese von der Basis her verfolgt, ero¨rtert und diskutiert, gegebenenfalls auch
in Zweifel zieht. Meist la¨sst sich die Theorie nicht in wenigen Worten


3.1 Methodologische Grundlagen 39

veranschaulichen - denken wir etwa an den komplexen Ansatz der Relati-
vita¨tstheorie. Wenn Sie sich viele und gegebenenfalls unterschiedliche theo-
riebasierte Unterlagen zusammensuchen, ko¨nnte zutreffen, dass Sie sich der
Gefahr aussetzen, kaum einen U¨ berblick zu erlangen. Bleiben Sie jedoch zu
sehr an wenigen Unterlagen oder gar an einer einzigen Grundlage ha¨ngen,
setzen Sie sich wiederum der Gefahr aus, zu einseitig zu sein.
Falls Sie an weiterfu¨hrenden Gedanken u¨ber Theorien interessiert sind,
u¨berlegen Sie sich, ob Ihr Vorgehen eher an einer beschreibenden, also de-
skriptiven Theorie orientiert ist, oder eher normativen, also pra¨skriptiven
Charakter hat und damit fu¨ r Vorhersagen eine gute Grundlage bildet. Of-
fensichtlich steht diese Zweiteilung in deskriptive und normative Theorie
auch mit dem Wissensgebiet, in dem Sie sich befinden, in gewissem Zu-
sammenhang, wobei wir hier der Tendenz zur Einheit der Wissenschaften
zuneigen.

Der empirische Ansatz bedeutet, dass wir uns auf die Erfahrung beziehen,
und deshalb wird es ha¨ufig der Fall sein, dass Sie eine konkrete Studie oder
eine spezielle Untersuchung durchfu¨hren, bei welcher der Erkenntnisgewinn
durch die Realita¨t im Mittelpunkt steht. Allerdings sammeln wir Erfahrung
nicht ausschließlich durch Beobachtung, sondern auch durch Experimente
(sowohl Feldexperimente als auch Laborexperimente), durch Umfragen mit
Hilfe von Fragebo¨gen und durch Interviews.
Beispielsweise geben im Falle einer archa¨ologischen Studie die Ausgra-
bungsstu¨cke zu verschiedensten Schlussfolgerungen und Thesen Anlass.
Vielleicht unterstu¨tzen diese Teile eine Theorie, die Sie bereits in der Li-
teratur gefunden haben. Unter einer empirischen Studie versteht man also
sa¨mtliche konkrete Beobachtungen und Detailarbeiten, die sich in der Rea-
lita¨t ereignen und einer konkreten Nachforschung bedu¨rfen. Diese Forschun-
gen und Studien empirischer Art ko¨nnen unterschiedlicher Natur sein:

• Beobachtungen aller Art,
• Erfassen und Messen der uns interessierenden Pha¨nomene,
• Sammeln von Daten aller Art,
• Ziehen von Stichproben, (klinische) Untersuchungen einzelner Patienten

bzw. Versuchspersonen,

• Fragebogenerhebungen und Interviews,

• Experimentelle Studien, sowohl in freier Natur (Feldstudien) als auch im
Laboratorium (Laborexperiment),

• Zusammentragen konkreter Erhebungen,


40 3 Sammeln von Grundlagen in traditioneller Weise

• Ziehen von Schlussfolgerungen,

• Versuch von Verallgemeinerungen fu¨r zuku¨nftige Aussagen.

Einige interessante Gedanken dieser Art lassen sich in Arbeiten u¨ber Metho-
dologie etwa von Reinhard Kamitz (1980) und Winfried Stier (1999) nach-
lesen. U¨ ber Modellbildungen empfehlen wir die Darstellungen von Dieter
Do¨rner (2003), Wolfgang Eichhorn und Ulrike Leopold-Wildburger (2000),
sowie Gerd Gigerenzer (1992).
Allgemeine Grundlagenforschung dient aber keineswegs bloß der Befrie-
digung der Neugier einiger Wissensdurstiger - sie ist, wie das Wort schon
sagt, die Grundlage unseres wissenschaftlichen Vorgehens, und nur sie ver-
mag Ordnung und Einteilung unserer Konstrukte zu schaffen. Auf der Ba-
sis von fundierten Vermutungen, sogenannten Hypothesen, versuchen wir
Gesetzma¨ßigkeiten zu erfassen, die wiederum ihrerseits die Grundlage fu¨ r
eine Theorie bilden. Die Grundlagenforscher und Philosophen Carl Gustav
Hempel und Paul Oppenheim entwickelten bereits 1948 eine Theorie des Er-
kla¨rens, die als Hempel-Oppenheim-Schema, kurz als H-O-Schema, ha¨ufig
auch als Gesetzesschema bzw. Subsumptionsmodell bekannt wurde. Dabei
wird ein Ereignis folgendermaßen erkla¨rt: Ein bestimmtes Ereignis wird aus
einem allgemeinen Gesetz und einer Reihe spezieller Bedingungen gefol-
gert.
Das Hempel-Oppenheim-Schema hat folgende Struktur:

1. Allgemeine Gesetze, aus denen Folgendes entnommen werden kann:

• Falls die Situation a des Typs A,

• b des Typs B, ...

• und auch n des Typs N vorliegen,

• dann liegt die Situation x des Typs X vor.

2. Anfangs- und Randbedingungen: Die Situationen a, b, ... und n des jewei-
ligen Typs liegen vor.

3. Folgerung: Die Situation x des Typs X liegt vor. Dann heißt die Situation
x erkla¨rt (nach Hempel und Oppenheim). An Stelle von Situation kann
man natu¨rlich Verschiedenes einsetzen, wie z.B.: das Ereignis oder der
Sachverhalt.

Grundlagenforschung ist von unscha¨tzbarem Wert, wenngleich die Mo¨g-
lichkeiten ihrer Anwendung ha¨ufig nicht sofort greifbar sind. Nehmen wir


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